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Full text of "Alois Bernt (Ed.), Heinrich von Freiberg"

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Heinrich von 
Freiberg 



Heinrich (von 
Freiberg) 



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HEINRICH von FREIBERG 



MIT EINLEITUNGEN 

ÜBER STIL, SPRACHE, METRIK, QUELLEN UND DIE 

PERSÖNLICHKEIT DES DICHTERS 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



Dr. ALOIS BERNT 



GEDRUCKT MIT UNTERSTÜTZUNG DER GESELLSCHAFT ZUR FÖRDERUNG 
DEUTSCHER WISSENSCHAFT, KUNST UND LITERATUR IN BÖHMEN 



MIT EINER LICHTDRUCK -BEILAGE 



HALLE A- D. S. 
VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1906 



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PT IS 31 






Seinem hochverehrten Lehrer 



Joseph Seemüller 



in Dankbarkeit 

gewidmet 



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Vorrede. 



Die Anregung zur vorliegenden Ausgabe hat der Verein für 
Geschichte der Deutschen in Böhmen gegeben, als ich vor Jahren 
umfassende Abhandlungen über die Dichtungen Heinrichs von 
Freiberg vorbereitet hatte, die aber in diesem Buche auf Grund 
der handschriftlichen Quellen eine völlig andere Gestalt erhalten 
mufsten. Die Behelfe, die Bechstein für seine Ausgabe des Tristan 
(Leipzig 1877) benutzen konnte, bestanden aufser dem Abdruck 
Myllers und von der Hagens in Kollationen und Abschriften des 
letzteren und Wackernagels (? vgl. Bechsteins Einl. XXX), welche 
die für eine kritische Ausgabe notwendige Sorgfalt vermissen 
liefsen. 1 ) Trotzdem oder gerade deshalb ist Bechsteins Arbeit 
für den Text des Tristan alles Lobes wert und meine Ausgabe 
wird, wenn sie auch an manchen Stellen einen abweichenden 



') Falsche Lesarten bieten Bechsteins Anmerkungen, Germ. XXXTT. 1 ff. 
in Hs. F zu v. 33. 76. 113. 1002. 1072. 1145 f. 1158. 1371. 1426. 1750. 2240. 
2246. 2638. 3324. 3514. 3873. 3980. 4407. 4545. 4889. 4907. 5296. 5411. 5510. 
6010. 6189. 6284. 6338. 6605. - in zu t. 163. 423. 588. 677. 734. 2250. 
2266. 2523. 2643. 2703. 2706. 2741. 2883. 2898. 2921. 2943. 3915. 4057. 4647. 
4947. 5003. 5809. 5920. 6521. 6562. 6576. — Flüchtigkeiten und Fehler anderer 
Art finden sich im Apparate zu den vv. 108. 745. 1291. 1556. 1759. 1836. 
1842. 1986. 2132. 2258. 2425. 2836. 3169. 3516. 4064. 4414. 4503. 4561. - Un- 
genaue Lesarten, die aber den Text nicht berührten, stehen für F v. 238. 497. 
790 f. 829. 855. 904. 1238. 2108. 2590. 2998. 3641. 3846. 3929. 4350; für 
v. 248. 441. 727. 982. 1124. 1231. 1918. 2645. 3376. 3549. 3697. 3954. 4065. 
4147. 4287. 4799. 4907. 4945. 5035. 5273. 5501. 5816. 5900. 6111. 6360. 6580. 
6677. — Deshalb fanden nicht selten falsche Lesungen Aufnahme in den Text, 
wie v. 15. 33. 114. 745. 793. 1556. 3064. 3169 f. 4320. 4344 u. ö., wenn auch 
manches durch die Anmerkungen berichtigt wurde. — Absätze sind nicht ver- 
zeichnet wie 1195. 1329. 2001. 3527. 6331, oder irreführend angegeben wie 
3108. 3256. 4345. — Der Schreibcharakter, besonders der Hs. 0, ist an vielen 
Stellen ungenau wiedergegeben. 



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VI 

Text bringt und anderer Auffassung Raum gibt — vgl. z. B. 92 ff. 
1655 ff. 1775. 2845-51. 4301 f. 4451 f. 4691. 5036 ff. 5603 ff. — 
ihr Hauptgewicht im Apparate suchen, der einen vollen Einblick 
in die Überlieferung gewähren soll. Dazu sollen die umfassenden 
Einleitungen zur Überlieferung, zu Stil, Sprache, Metrik und den 
Quellen, sowie zur Persönlichkeit des Dichters treten, für welchen 
Zweck es mir nötig erschien, die verstreut und z. t. unzulänglich 
gedruckten kleineren Stücke mit dem Hauptwerke zu vereinigen. 

Das Werk verdankt Herrn Prof. Joseph Seemüller, der mit 
immer gleich bleibender Teilnahme und wertvollem Rate meine 
Arbeit begleitete, alle Förderung. Ebenso habe ich Herrn Re- 
gierungsrat Prof. Hans Lambel, der das fertige Manuskript vor 
dem Drucke, besonders in einzelnen Kapiteln der Einleitung, 
einer genauen Durchsicht unterzog, vielfache Besserungen im 
einzelnen zu verdanken. Ebenso schulde ich Herrn Prof. Carl 
v. Kraus mannigfache Anregung in Fragen der Metrik. Es ist 
mir eine freudige Pflicht, meinem Danke hier Ausdruck zu ver- 
leihen. 

Materielle Unterstützung fand mein Werk durch die löb- 
liche Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst 
und Literatur in Böhmen, welche mir im Jahre 1900 ein Sti- 
pendium für die Reise nach Florenz zur Abschrift der Hand- 
schrift F zuwandte sowie neuerdings für den Druck der Ausgabe 
einen Druckbeitrag gewährte. Ihr sei auch an dieser Stelle für 
diese Förderung der herzlichste Dank ausgesprochen. 

Auch obliegt es mir, den verehrlichen Vorständen des histo- 
rischen Archivs der Stadt Köln, der Biblioteca nazionale centrale 
in Florenz, der Univ.- Bibliothek in Heidelberg, der k. k. Hof- 
bibliothek in Wien, der Kapitelbibliothek zu Calocsa für freund- 
liches Entgegenkommen bei der Benutzung der Handschriften 
nochmals öffentlich zu danken. 

Leitmeritz, im Herbste 1905. 

Alois Berat. 



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Inhaltsverzeichnis. 



I. Teil: Einleitungen. Seite 

I. Die Überlieferung 1 

IL Stil und Muster 23 

m. Die Sprache 81 

IV. Metrik 127 

V. Zur Quellenfrage 165 

VI. Persönlichkeit des Dichters 178—208 

II. Teil: Texte. 

Tristan 1 

Die Legende vom heiligen Kreuze 213 

Die Bitterfahrt des Johann von Michelsberg 239 

Das Schrätel und der Wasserbär 249 

Zur Textgestaltung 259 

Sach- und Wortregister 269—272 



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Drackfehlertxerichtigiingen. 

In der Einleitung S. 135 lies: Adam, Addmes, Adam, Adam. 

In den Texten: Trist. 1687 site statt site. 

2273 seltsenen statt seltenen. 
2451 der statt des. 
3075 Tristan statt Tristan. 
3116 nach statt naۀ. 
3382 diser statt dieser. 
3395 sie statt die. 
3530 dwe statt die. 
3534 sie statt sie. 

4125 steht weiner in F, nicht in 0. 
4313 unde statt und; ebenso 5453. 
Leg. 815 und 817 tor statt tör. 



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I. TEIL: 

EINLEITUNGEN 



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I. 
Die Überlieferung. 



Der Tristan Heinrichs von Freiberg ist in 2 Handschriften 
tiberliefert. F (Florenz, bibl. nazionale centrale; Magliab. VII. 
9. 33) ist eine schöne Pergamenthandschrift in spätem Einband 
und enthält s. 1 (eigentlich 2, aber die erste Seite ist un- 
beschrieben; ich folge der jetzigen Numerierung nach Seiten) 
Sp. a Gotfrieds Tristan (v. 103) mit zierlichen Initialen; dieser 
schliefst s. 204 b (v. 19554). S. 205 a beginnt mit hübscher Ini- 
tiale Heinrichs Fortsetzung und reicht bis s. 278 b. Dann zwei 
leere Blätter. Darauf s. 283 a Hartmanns Iwein bis 384 b von 
derselben schönen Hand wie das erste Stück, vielleicht noch 
dem 13. Jh. angehörig. Die Seiten (22x15,5 cm) sind zwei- 
spaltig beschrieben; die Spalten (19x6,5 cm) mit durchaus 
46 liniierten Zeilen, mit Vorsatzlinien für die Anfangsbuchstaben, 
doch alle Versanfänge vorgerückt. 2 ) Die Absätze sind mit roten 
und blauen Initialen bezeichnet. Heinrichs Tristan ist zum 
gröfsten Teile von einer schönen Hand des 13./14. Jh. geschrieben, 
doch weisen eine Reihe kleinerer Absätze, die einer anderen 
Hand zugehören, doch schon in das 14. Jh. 3 ) 



*) Von mir an Ort und Stelle kopiert. Für das freundliche Entgegen- 
kommen des Herrn Direktors der Bibliothek sowie des Herrn Konservators 
der Hss. bei Benutzung der Hs. und für die gütige Erlaubnis, eine Seite 
photographieren zu dürfen, sei auch dieser Stelle der herzlichste Dank aus- 
gesprochen, s. die Beilage. 

*) Die von Bechstein, Germania XXXH. 1, wiederholte Bemerkung 
vdHagens: „die Reime abwechselnd eingerückt" pafst weder auf F noch 0. 

*) Auch vdHagen MS. 4,616 anmerk. hält Heinrichs Dichtung für später 
hinzugefügt. 

Bernt, Heinrich von Freiberg. & 



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Es ist dies eine schlechtere Hand, die manchmal nur für 
wenige Zeilen einsetzt, manchmal für ganze Spalten eintritt. Ich 
führe diese Stellen auf und setze zur späteren Kennzeichnung 
alles bemerkenswerte hinzu, v. 420—451, macht Punkte nach 
den Zeilen. — v. 869—884 (oder 915). Auffallende, von der 
Orthographie und Sprache der Hs. abweichende Schreibungen 
(ich kann das nach genauer Beobachtung der Haupthand sagen): 
seiden, gestreuwet, auch, do von, worn, magt, wercke, pallas, gesen 
: gesehen, satste, sehet (der Strich sonst nur für -en, -em), do, wo 
F sonst nur da hat; hvrnuual — v. 1191— 4. — v. 3382 — 99 
andir, verwar für sonstiges vurwar. — v. 3446—3503 Zerdehnung 
des i zu ei (7 Fälle), ü zu au (1), iu zu eu (1); Schreibungen 
vmbeJcant, abir, iz, vorbrant, vorlogen, neben da auch do, also ge- 
schieden; gegen für sonstiges gein, antwort, vrow für sonstiges 
vrowe. — 3581-2. — 3589-3612 wrowden, saite. — 3908-4134(?) 
Zerdehnung zu ei in 62 Fällen, zu eu in 9 Fällen, zu au in 2 Fällen; 
deuchte, vreuden, pei (mit Tenuis), durchaus do (15); vrogte, 
worheit, magt, gegen (s. ob.), ymant (sonst yman), voriach, vorneme, 
iz. Schreibfehler, Besserungen (3911. 3912. 3924 u. ö.). — 4597 
bis 4642. Zerdehnung zu ei 4597; aufserdem warhait 4598, da, 
macht nach den Zeilen Punkte. — 4801 — 4827; da, varbe, macht 
nach den Zeilen Punkte. — 5408 — 27 die tuer, mah, do, varbe. 
— 5475—5520 recter (5480. 5504, sonst recht), vornumen, ]ier—er, 
einiz, libiz, iz, gephlogen (sonst pf), torichz (sonst seh), gemerlich 
5511 (sonst jamerlich) , permanie, phellerin. — 6224 — 6304 da, 
her = er, vurte (= vuorte in), vlovch (sonst vloch), mit wenen 
(6304 = weinen), dem suerte, kaydin und Jcaeydin (sonst kaedin), 
Jcarsye (karsie), permanie, permenoyz, kareke, seheste (sechste). — 
6443—6534 t>ei in 14 Fällen, iu>eu(5), ü>au(2), ou>au 
(2), gelautet 6500, gestreuwet, noch (Verdumpfung), ebenso aldo, gegen 
(s. ob.), do ; vbir, vorbleich, ken = kein (6526), volk (sonst volc), varbe 
(s. ob.), tyntayoel (sonst tintayol, tyntaiol), permenoys, edle (viel- 
leicht der einzige Fall, wo F nicht edel, edele bietet), Metathese 
pfalc, strab. — 6731—6765; se für sie (6740, 6744), phlac, zewar 
(sonst nur zu in allen Stellungen und Bedeutungen), karsye. — 
Ob 3545 ff. und 4274 ff. einem zweiten Schreiber zuzurechnen 
sind, ist mir unsicher. — Ich habe gewissenhaft alles Material 
angeführt, um zu zeigen, dals diese durch unbeholfene Schreiber- 
hand kenntliche Stellen auch innerlich, durch Orthographie und 
Sprache, von dem Hauptschreiber verschieden sind. Ihr Haupt- 



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kennzeichen ist das Vordringen grober bairischer Schreibungen 
(Zerdehnung und Verdumpfung) neben Eigenheiten md. Schreib- 
art (her = er, das vor- der Vorsilben, i der Nebensilben u.a.). 
Danach könnte man diese Abschnitte nicht alle einem zweiten 
Schreiber zurechnen, sondern mehrere Stellen einem dritten 
Schreiber zuweisen, umsomehr als 420 — 51, 4597 — 4642, 4801 
bis 4827 dadurch zusammentreten, dafs der Schreiber die Zeilen 
durch Punkte absetzt. Auch haben gröfsere Abschnitte der 
schlechteren Hand wie 5475—5520, 6224—6304, 6731—65 keine 
Zerdehnung. Immerhin sind Erscheinungen gröberer obd. Mund- 
art mit md. Schreibereigenheiten in derselben Hand vereinbar, 
wie ich aus eigener Erfahrung weifs. Daher wage ich auch 
nicht, die Stücke der Nebenhand untereinander zu sondern. Diese 
Nebenhand löst den Hauptschreiber öfter mit Beginn einer Spalte 
ab, so 869, 4597, 5475, 6443, und hört noch gewöhnlicher mit 
dem Schlüsse einer Spalte auf, so 3582, 4642, 4827, 5427, 5520, 
6304, 6534. Dafs dieser Schreiber die erwähnten sprach- 
lichen Eigenheiten aus der Vorlage nahm, scheint mir aus- 
geschlossen, da die Hs. F sonst von sprachlichen Neuerungen, 
von der verwilderten Schreibung der s- Laute abgesehen, fast 
ganz frei ist. Der Charakter dieser ablösenden Hände mit der 
beginnenden bairischen Zerdehnung und Verdumpfung und den 
Kennzeichen md. Orthographie anderseits läfst mich vermuten, 
dafs dieser (oder diese?) Schreiber ihre Arbeit auf böhmischem 
Boden verrichtet haben, wo wir schon in den ersten Jahren des 
14. Jh. Hss. in solcher Schreibmischung auftreten sehen. Dafs 
wir es dabei eher mit einem durch Muster herangebildeten 
Schreibergebrauch, nicht eigentlich mit Kennzeichen wirklicher 
Dialektmischung zu tun haben, läfst sich annehmen. Die obige 
Annahme müfste zugleich die Entstehung der ganzen Hs. nach 
Böhmen weisen. 

O die Pap. Hs. des Tristan im Kölner Stadtarchiv (W. 
Nr. 87) ! ) in dicken, mit rotem Leder überzogenen Eichendeckeln 
trägt den Vermerk Grootes: „Diese Handschrift habe ich von 



l ) Von der verehrlichen Leitung des Kölner Stadtarchivs mir in freund- 
lichster Weise zur Abschrift an das fürstl. Schwarzenbergsche Archiv nach 
Krummau im Böhmerwalde übersendet, wo der Herr Zentralarchivdirektor 
A. Mörath die Benutzung in entgegenkommender Weise vermittelte. Den 
genannten Vorständen der Archive sei auch an dieser Stelle der herzlichste 
Dank ausgesprochen. 



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hr. Oberlin gekauft Paris d. 20. Sept. 1815." Der Kodex ent- 
hält Gotfrieds und Heinrichs Tristan. Die Hs. besafs 13 Lagen 
(4 zu je 12 BL, eine zu 14 BL, 5 zu je 12 Bl., eine zu 14 BL, 
zwei zu je 12 BL); doch fehlen von der letzten Lage 8 BL, so 
dafs im ganzen 152 BL blieben, wovon das erste leer ist (in 
meiner späteren Zählung nach dem Vorgange des Archivs nicht 
eingerechnet). Von der 5. Lage an ist nach hergebrachter Weise 
die Folge der Lagen bezeichnet. 

Die Hs. ist zweispaltig beschrieben. Die Seite 29x21,5 cm, 
die Spalte 23 x 7,5 cm ; die Spalten mit wechselnd 38 bis 46 Zeilen. 
Viele Zeilen enthalten, besonders in Heinrichs Tristan, zwei Verse. 
Dann verwendet der Schreiber auch häufig die gewöhnlichen 
Kürzungen. Punkte setzt er gerne bei Ausruf, Frage und Schlufs 
der Rede, auch in der Zeile. Die Punkte hinter den Zeilen sind 
besonders im Anfang der Hs. zahlreich; überhaupt wird die Schrift 
gegen Schlufs flüchtiger. Jede Spalte beginnt mit grofsen An- 
fangsbuchstaben, die ohne jede Kunst mit roten Zierlinien, Fischen 
und gekrönten Köpfen von Männern und Frauen verziert werden. 
Sonst setzt der Schreiber rote Initialen von ziemlicher Gröfse 
an den Anfang der Abschnitte. Die Zeilenanfänge sind rot durch- 
strichen, der Zeilenschlufs häufig mit wagrechten Strichen ver- 
schnörkelt. Das Wasserzeichen des Papiers zeigt bis BL 47 zwei 
gekreuzte Schlüssel, von BL 55 an eine Weintraube. 

Bl. lc — eigentlich 2c, da Bl. 1 leer geblieben ist — be- 
ginnt Gotfr. Tristan (v. 523) und schliefst BL 114d mit v. 19552. 
Darauf folgt Zeile 15 ohne Absatz Heinrichs Tristan bis BL 151a 
(v. 85—6709); Anfang und Schlufs fehlen. Der Text bricht ohne 
Punkt und Zeichen ab. Der Absatz drei Zeilen zuvor bezeugt, 
dafs der Schreiber mehr zu bringen im Sinne hatte. Für diesen 
Schlufs — sowie für den Anfang des Tristan von Gotfr. — war 
Platz vorhanden (s. ob.). Entweder mufste der Schreiber sein 
Geschäft aus irgend einem Grunde aufgeben oder es war die 
Vorlage von am Schlufs verstümmelt; v. 1—84 von Heinrichs 
Tristan war wohl schon in der Vorlage weggelassen, um den 
unmittelbaren Anschlufs an Gotfrieds Werk herzustellen. 

Die Hs. gehört in die erste Zeit des 15. Jh. Die Schrift 
ist noch ziemlich sorgfältig und stammt in der Gänze von einem 
Schreiber. 

Fragment w. Neben F und besitzen wir nur noch 
ein kleines, von 0. Heinemann in Zfda. XXXII. 93—95 aus der 



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Wolf enbtittler Bibliothek veröffentlichtes „Bruchstück einer grofsen, 
mehrspaltigen, mit roten und blauen Initialen verziert gewesenen 
Perg. hs. von Heinrichs von Freiberg Fortsetzung des Tristan, 
saec. XIV., 20x16 cm". Es enthält Reste des Tristan zwischen 
den w. 5427—5562. 

Orthographie und sprachliche Kennzeichnung der Hss. 

F schreibt für mhd. ie regelmäfsig ie, verwendet aber di, 
si, wi am Anfang bis v. 453 in 15 Fällen, aufserdem noch ver- 
einzelt an 18 Stellen, wovon 9 auf die Nebenhand fallen. In 
andern Wörtern findet sich i für ie fast ausschliefslich in Über, 
liplich, etwa 71 Fälle, nur vereinzelt lieber, und das nicht beim 
Hauptschreiber, um 5000 und 6290. Aufserdem i in der Regel 
in schire, ging, dinst, hilt, Uz, brivelin und sonst vereinzelt in 
etwa 66 Fällen, ydoch und yman (auch idoch, iman). Umgekehrt 
ie für % in sies, sie, siet, auch bie ziemlich oft. — o steht für o, 
ö, 6 und ce, doch durchaus kumen, genuinen, ow in vrowe, schowen. 
Sonst ou für ou und öu. — u, v für u, ü, ü, iu, uo, üe. w in 
hwte (4), hiwte 2202, auch hivte 2208. 2250, gewc 2375, bedwte 
5365. — ü schreibt F nur im Anfang für u (5. 27. 28. 30. 35), 
für iu, uo, üe (35. 50. 164. 166. 182). — iw ist der regelmäfsige 
Vertreter des iuw in aventiwer, viwer, iwer, triwe, nur vereinzelt 
uwer (4834— 37. 4957 f. 5178. 5244. 5995. 6063. 6194) und aven- 
ture 6359, nuwe 6660; O hat hier immer u. — v für f nach 
gemeinmhd. Gebrauch. — s und z ist im Wortauslaut gänzlich, 
in anderen Stellungen öfter zusammengefallen, was und waz für 
beide Lautungen, sogar zaz. — th ganz vereinzelt Meloth, 
gethwerge 5282 ff. — Das Fremdwort fin erscheint als phin 
3268. 3341. 4487. 4516. 4862. 5002. 5418, ßn jedoch 43. 2523. 
6103. 6566. — Bemerkenswert ist die Schreibung w für v (8 Fälle) 
und umgekehrt v für w (8 Fälle), 1 ) von denen 3589 wrowden der 
Nebenhand zufällt und übrigens orthographische Vorwegnahme 
des w zu sein scheint. 

Eine merkwürdige Erscheinung orthographischer Art, die 
aber vielleicht nicht der sprachlichen Grundlage entbehrt, sind 
die zahlreichen Metathesen des Konsonanten in F; so kanppe für 



*) wrunt 971. wursten 1247. ml 1924. wart 2414. wölk 3250. manictvalt 
3320. wiere 3333. wrowden 3589. — vege 1282. vil 1507. vazzer 1572. vidtr- 
sirit 1597. vurden 2527. gevar 3639. biviset 5500. Mit Metathese vrit 5868. 



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6 

knappe 1281. 1284. 1294. 1298. 1300. 1301. 1411; das kann nicht 
blofse Verschreibung sein, und wenn, dann ist es eine inter- 
essante sprachpsychologische Erscheinung. 1 ) Ähnlich furnt = 
vrunt 2304. 2497. vurntlich 1976. vur = vru 2037. 2059. 6027; 
umgekehrt vrusten 512. torst und forstlich = tröst 2809. 4043. 
6541. dorz = dröz 4412. 4581. wütberte 3354. pfalc 6455. brege 
= fter^e 5771. dwrcfe 4575. ähnl. vn^ = wirt 5868. wra* 1443. 
3701. wlat 2373. wtvZaf 2589. strab 6472. ärwc = iure 1578. 
druck = durch 6688. Hieher auch von der Nebenhand gebilket 
3446 und splinden = spunden 3457. Wir haben es hier wohl 
mit sprachlichen Metathesen zu tun, wie sie vereinzelt in 
deutschen Dialekten zu finden sind. Für niederdeutsche Belege 
vgl. z. B. Roethe, Die Reimvorreden des Sachsenspiegels 54 u. 56. 
volwaschen = vohvachsen 3871 ist rein orthogr. Art. Der bekannte 
Abfall des t findet sich in Formen wie geschieh 233. nich 351. 
1067. 4840. 5229. brach 658. 3217. nach 4650. 4923. 4664. gedach 
1503. 4160. rech 786. geworch 884. 4787. zuch 1235 (ausnahms- 
weise auch in O, rech 4242. brach 1697. nach 4923); vereinzelt 
auch noch l : schil 3219. gezil 5609. Die Erscheinung ist md. ge- 
läufig, vgl. Weinh. Gr. § 200. 

schreibt a für a, ä, auch in sprachlicher Erhaltung für 
gemeinmhd. o in den bekannten Stämmen sal, wal (z. B. 2398. 
2569. 3572), van (3802. 3823), want = wont 3926. Sehr oft in 
oder 159. 190. 414 usw. — e für e und i (sprechwort, weder, mede, 
gedreben u. ä.); e für den beliebten Umlaut von a (fast immer in 
menlich, der gedenke, gedeckte) ; e auch dialektisch für ie vorzugs- 
weise vor r, h und t (gezeret, zeken, bereten). — o für o und u 
(letzteres vornehmlich vor m, n; wondern, besonder, durchaus 
körnen, genomen ; auch möge, o auch vereinzelt für ü (kome), für 
ü (globde), für ä immer in so = sdn (ausnahmsweise sazuhant 
1876). — u für u, ii, ü, uo\ dafür ohne Konsequenz auch ü 
(Junge, füre, müder, brüt)\ ue öfter für üe {suesse)\ u für i in 
duser, nummer. — ai für ä, ebenso oi für 6 als sprachliches 
Kennzeichen (wair, rait, troüt, roit)\ auch oy für uo in stoynt, 
vereinzelt oi (gcroi/fen 1399). — au für ou (doch, wenige Fälle 
ausgenommen, nur ouck). — eu für öu. — f f ür f ziemlich aus- 



J ) Dafs gesantzen für gesazen 1879, auch wenten für wetten 4245 die 
häufig beobachtete orthographische Vorwegnähme eines folgenden Konsonanten 
ist, scheint unzweifelhaft, jtmgent 1660. 1883. kann sprachliche Grundlage 
haben. 



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schlief slich im Anlaut und Inlaut, auch u in uer =, zwiuel. — 
6 auch im Auslaut, ausnahmsweise bleip u. ä. p im Anlaut un- 
verschoben (pad,perf), ebenso mp und pp (schimp, koppe)\ für ft 
steht ff in dem suffix -schaß (95. 522. 554. 920. 981. 985 u. ö.) 
und loff 1747. b für m in bit häufig, doch auch mit. ff aus- 
lautend für b, allerdings vereinzelt (loff 2000. 2014 vff 1414). — 
Für die Affrikata gewöhnlich tz. tz auch für seh (blantzemanis, 
blantzeflur 6416); tsch für scA häufig (veltsche, weltsch, mentsche 
3506. 3518. 3820. 4864. 5502. 5527); s für seh vereinzelt dores, 
nares 5171 f. — Dialektisch bemerkenswert suster, doch auch nach 
der Vorlage stvester (3994. 4042), ebenso tuschen neben tzwischen. 
ss für hs (assel, gewassen). Auslautend unverschobenes t in bit 
neben biz. — Auslautend k als k, während F noch c hat. eh 
auch für auslautend g (sinnich, willich), sonst aber genug, ging. 
Auslautend h fällt ab in na; hoch vereinzelt, doch nur hogetzit. 
Inlautend h schwindet häufig in gescheen usw. neben geschehen, 
auch hohen 1998. ht erscheint als t durchaus in nit, auch forte, 
k für qu in kam, kerne in der Mehrheit neben quam, während 
F regelmäßig qu schreibt. — Die Verdopplung der Konsonanten 
ff, ss ist in schon ganz gewöhnlich. 

Abkürzungen verwendet F in bescheidenem, in reichem 
Mafse. Das Zeichen s kennt F auch für auslautend e:red s 434 
ward" 1074. tichtend" 42. leisierend" 1694. leng s 4297. des? 721; 
auch ed'le 3863. 

Zeigen sich schon in der Orthographie der Hss., besonders 
bei 0, dialektische Kennzeichen, so mag eine kurze Ab- 
schweifung auf einige Einzelheiten noch gesondert aufmerksam 
machen. 

Das Präfix ver= tritt in F häufig in md. Färbung als 
vor- auf, während nur ver-, uer- hat. Die vor und viir 
(praepos. und praefix) sind in beiden Hss. in der Schreibung nicht 
streng geschieden, vur in FO = vur (z.B. 5452. 4371), dafür 
vor 3204, in F 3535. vur für vor in FO 1605. 2479; in 
z. B. 3183. 3235. 3497. 3547. — ze, zer- erscheint in beiden 
Hss. als zu, zur (ein vereinzeltes ze in F 4336 und 6751 von 
der Nebenhand). — Ich stelle sprachlich unterschiedene Formen 
der beiden Hss. nebeneinander. F durchaus ich weste, wiste; 
F er antwurte, antworte) F erdende (engenlanf), eilende; 
F inredes (auch jrren des 635, inner des 194), jndes (ver- 
einzelt jnnen des). Für geworcht F sagt gewirkt 884. 3972. 



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8 

4502. 4787. *) — üf in nur in der dialektischen Form uff, in 
F uf, vereinzelt jedoch uffe 1943. 6106. — her = er in F öfter, 
vornehmlich von der Nebenhand gebraucht, nur er. — F setzt 
da auch für das tempor. dö, liebt do für beide Bedeutungen. 
(Der zweite Schreiber in F zeigt anderen Vorgang, vgl. 869 ff;, 
3908 ff., 6443 ff.). — F schreibt gein für gegen, jedoch nur en- 
gegen, kennt nur gen, — F unterscheidet nach und nahm, 
hat nur na. — F schreibt gnuc, meist genug] F hübsch, 
hubesch, nur houesch; F manicvalt, manchfalt — kennt 
übrigens dialektisch vnse, vnsen (398. 1071. 4027. 5312. 5741). 
— Die 1. pers. sg. erscheint in häufig mit der Endung -en 
{ich tragen)', die 2. pers. endet in F und noch öfter in auf 
-es; die 3. plur. indic. hat in F -en, in jedoch -ent (z. B. 182. 
227. 232)2); ebenso bildet die 2. plur. (z.B. 266. 496). zeigt in 
der 2. pers. praeter, schon sprachliche Neubildungen in bedrüges 
ivurzoges 6643. — schreibt iz is, F ez ist. — liebt die 
Enklise der pronom. ez, sie und schreibt regelmäfsig hastu, saltu, 
meinstu. F kennt suln, sülen und stillen, nur sullen. 

Auf eine bemerkenswerte sprachliche Erscheinung in 
unterlasse ich nicht hinzuweisen. Es kennt den Gebrauch 
starker Formen des Adj. nach dem Artik. oder Pronom.; doch 
nur im femininum und, soviel ich sehe, nur im genit. und dat. 
sg. der schöner maget, mit der langer venien; ich zähle 51 Fälle. 
Aus F belege ich den Gebrauch nur einmal: siner richer hünste 
37, bei mascul. 3497. 3931, man vgl. übrigens 5628. — Dazu 
stelle ich aus F das frühe Auftreten einer -en- Endung im starken 
Dativ sg. (artikel und adj.). Ich zähle 40 Fälle und es sind 
nicht alle; der Apparat verzeichnet sie. 

Was ich im Vorausgehenden zusammengestellt habe, mag 
für den Zweck der Ausgabe weitschweifig, wenn nicht gar un- 
nötig erscheinen. Für eine zukünftige Darstellung des sprach- 
lichen Zustandes einzelner Dialektgebiete in alter Zeit und 
sonach für die Entwicklung von Schrift und Sprache sind viel- 
leicht auch solche Kleinigkeiten nicht ganz unwillkommen. Ich 
werde daher auch im folgenden aus der genauen Kenntnis dieser 



*) venoorclit ist auch die Form von Heinrichs Landsmann UlrvEschenh. ; 
im Reim Alex. 1664. 2377. 11569. 27083. 

*) Heinrichs Sprache gebührt die Endung -en. Im Reime: sie pflegen 
: wegen (inf.) Ritt. 244. 



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9 

beiden Hss. heraus manche Bemerkungen einschalten, die solcher 
Betrachtung dienen können. 

Mundart von und F. Ich stelle die sprachlichen 
Kennzeichen der Hs. kurz zusammen: u für i (duser); suster 
für swester; e für i, o für u, u für o\ e für a (gedenke); ai für 
ä (rait, ain)\ oi für 6 (groiz, doitlich); 6 für ü vereinzelt e für 
ie (flehen, zeren) ; 6 für uo (blöme, heiltom vgl. Weinh. Gr. § 142) ; 
oi für uo vereinzelt (vgl. Paul Mhd. Gr. § 101, besonders mfr. der 
späteren Zeit); eu auch für ou (geleuben, heupt). sal, wal, van, 
want\ uff. — ch, t>, z, f regelmäfsig verschoben; g als ch im 
Auslaut, ch als g. Abfall des h in nä, hö. ht>t (nit, jet, ge- 
samt, forte), b auslautend vereinzelt f (loff). — Entscheidend 
ist das Folgende: d im Anlaut unverschoben (dat, duch), im In- 
laut fast ausschließlich d (sede, mede, gereden, doder, er dede 
vgl. Böhme, Zur Kenntnis des Oberfränkischen. Gablonz 1893, 
s. 10, 15, 45) weist nach Bheinfranken. Nach Konsonanten 
Schwanken, gewöhnlich rt, It, nt (Böhme s. 61 ff.), im Auslaut 
durchaus t (Böhme 63). -te fast durchaus in der Praeteritalform 
(Böhme 63). — t durchaus verschoben, auch daz, iz, allez, waz 
widersprechen rhfr. Herkunft nicht (Böhme 42), doch findet sich 
bit = biz (Böhme 81). — p im Anlaut, nach m und in Ver- 
dopplung unverschoben (pert, pat, schimp, koppe) ist bezeichnend 
(vgl. Böhme 10 und 67) ; dafs daneben auch ph auftritt (scharphe), 
bemerkt auch Böhme für das Rhfr. (s. 74). — Nehmen wir dazu 
noch die Form hatte und conj. hette (Böhme 56) sowie die un- 
synkopierten Formen, wie gelobete, fragete (Böhme 63), so wird der 
Schluf s gesichert, dafs nach Rheinfranken und zwar mit Rücksicht 
auf die Form er des pronom. (Böhme 80) gegenüber dem he, her nach 
dem südlichen Teil des Gebietes zu versetzen sei. Dazu kommt, 
dafs sich kein dat, dit findet. Allerdings weisen tuschen = 
zwisclien sowie der Umstand, dafs nördlich der ss (für hs) 
Linie (gewassen, assel durchaus) — vgl. Wrede Anzfda. XXI. 
261 — zu stellen ist, anderseits auf das nördliche Rhfr. und das 
Moselgebiet hin. Soll ein Name genannt werden, so kann die 
Heimat der Hs. die weitere Umgebung von Mainz sein. 

F zeigt keine hervorstechenden dial. Eigentümlichkeiten. 
Kleinere Beobachtungen lassen allerdings eine gewisse Be- 
grenzung zu. F verwendet statt vür c. accus, in 24 Fällen 1 ) das 

*) Hier und öfter bei solchen minutiösen Beobachtungen ist ein Spiel- 
raum nach oben und unten yon 2—3 FäUen anzunehmen. 



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10 

md. vor; diesen entsprechen bei 21 vur, 2 vor, einmal keine 
Entsprechung, vor- für das unbetonte praeflx ver- beim verbum 
steht in F in 46 Fällen (wo nur ver- aufweist). Auch dieser 
Gebrauch ist für den md. Charakter der Schreiber bezeichnend. 
— Neben umbe weist F das md. um in 10 Fällen (430. 488. 568. 
634 usw.), umme in 10 Fällen (775. 881. 1001 usw.) auf. Von den 
Fällen mit um stehen 7 in den ersten 1000 vv., der 8. in v. 1500; 
die letzten zwei (6493. 6510) gehören der Nebenhand an. Die 
Fälle von umme kommen auf die vv. 775—3836 (8), die letzten 
zwei (4107. 4112) gehören der Nebenhand. Der Schlufs, dafs 
die Vorlage von F ein mehr md. Gepräge zeigte, liegt nahe; 
dieses wurde von dem Schreiber anfänglich öfter, ebenso gerne 
von der Nebenhand herübergenommen. Dazu erinnere ich, dafs 
die meisten di, si, wi in F in den ersten 453 vv. stehen. Diesen 
besprochenen Formen steht in allen 20 Fällen in umb gegen- 
über, einmal (2521) umbe, was mit Rücksicht auf die Lokali- 
sierung der Hs. auffallen kann. — quam, queme als Formen md. 
Geltung stehen in F ausnahmslos, meine Zählung enthält 90 Bei- 
spiele. Diesen entsprechen in nur 33 quam, 57 kam. — In 
52 Fällen (gleichmäfsig über das ganze Gedicht verteilt) ent- 
spricht dem wenne, denne in F ein wanne, dan in O. 1 ) Auffällig 
ist das Verhalten von 0, da man die Formen mit e als md. in 
Anspruch nimmt. — Für den zum md. Sprachgebiet neigenden 
Charakter von F sind beweisend die i für e in den Nebensilben 
z. B. 601. 1329. 1426. 5744. 6135. Ich zähle 15 Fälle, wovon 5 
der Nebenhand zufallen. kennt die Erscheinung nicht. is = ez 
erscheint in F 7 mal (3 mal von der Nebenhand), her = er in 
14 Fällen (4 von der Nebenhand); hat is, iz ganz gewöhnlich, 
kennt aber weder her noch he. — Auf die nasalen Bildungen 
minnenclich (39 Fälle), wunnenclich (15), innenclich (10), 2 ) ebenso 
auf weninc (5) (0 wenich) und das für md. Bereich beweisende 
enlende in F (341. 1273. 3551. 4829. 4890. 6726) (0 eilende), 
Engenlant (2315. 6770. 6796. 6815) weise ich ebenfalls hin. vgl. 
Weinhold Mhd. Gr. § 218. — Zur Ergänzung der sprachlichen 



2 ) Und zwar für dann* stehen in F 4 denne = dan, 6 den = dan; 
für wan stehen in F 10 wen = dan; für ivanne stehen in F 22 wenne = 
4 wanne, 1 want, 17 wan nnd in F 10 wen = 01 wanne, 3 want, 6 wan. 

2 ) Nur vereinzelt inneclich 64. 145. 308. zieht inneclicli usw. vor, 
doch ausnahmsweise wonnenclich ; vollenclich 1360. freuwenclich 865. ferstenclich 
1918. farstenclich 1958. 



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11 

Kennzeichen führe ich aus F noch Formen an wie hoer (68. 88. 
901. 1395. 1404. 1556. 2007. 2014), ich sal 4727, ich brenge (0 
bringe) 3292, ich werde 166. 178, werbe 419, helfe 4260. 5985, 
spreche 2940, sehe 4434, neme 4597; die 2. Sgl. indic. auf -es 
(z. B. 342. 2334. 3798), die 3. plur. indic. auf -en. 

Wir können das über dialektische Anklänge in F Vor- 
gebrachte mit der Folgerung beschlief sen : Die Hs. F zeigt zahl- 
reiche Eigenheiten md. Sprachgebietes. Sie können der Vorlage 
angehören oder durch einen Schreiber hineingebracht sein, auf 
beide Fälle wurden wir geleitet s. s. 3 u. 10. Es liegt nahe, die 
Hs. F bei dem Fehlen eines stark beweisenden Sprachcharakters, 
wie schon oben vermutet wurde, nach Böhmen zu verlegen, 
wo das md. Sprachgut des von Mitteldeutschen bewohnten Nor- 
dens und der Städte wenigstens in den für weitere Kreise be- 
stimmten schriftlichen Belegen stark gedämpft und häufig mit rein 
obd. Eigentümlichkeiten (frühzeitige Zerdehnung und Verdumpfung, 
v und w wechselnd) gemischt erscheint, eine Folge der daselbst vor 
sich gehenden, wenn nicht dialektischen, so doch orthographischen 
Ausgleichung, die schon kurz nach 1300 zu den Anfängen einer 
Kanzleisprache führte, die wir vornehmlich an umfassenden 
städtischen Aufzeichnungen des 14. Jh. studieren können. Vgl. 
meine Beobachtungen in den Mitteilungen des V. f. Gesch. d. Deutsch. 
i.Böhm.XXXVIII,380ff. u. XXXIX.39ff., besonders 46 ff. und neben 
bekannten älteren Arbeiten Frz. Jelinek, Die Sprache der Wenzels- 
bibel, Görz 1899 ; Mourek, Zum Prager Deutsch des XIV. Jh., 
Prag 1901, und K. Hoffmann, Zur deutschen Kulturbedeutung 
Böhmens im XIV. Jh. „Deutsche Arbeit" II, 853 ff. — Nach- 
träglich mag für die örtliche Entstehung der Handschrift auch 
Böhmen als die Heimat des Dichters in Rechnung gezogen werden. 

Exkurs. Über die Verwendung verschiedener sprach- 
licher Formen und Vokabeln in den beiden Hss. soll hier 
einiges gesagt werden, das, wenn auch nicht unsere Untersuchung 
über Heinrich direkt fördern, doch dem Spezialforscher als 
Beitrag zum Sprachgebrauche von Interesse sein kann. Vielleicht 
sind die Notizen geeignet, zum Kapitel über Verbreitung und 
Verschwinden einzelner Wörter aus dem Sprachschätze des Dia- 
lektgebietes von Material beizubringen. Vgl. die Bemerkung 
Roethes, Die Reimvorreden des Sachsenspiegels, 88. Es ist 
nämlich interessant zu sehen, wie die beiden Hss. in Sprach- 
formen und im Gebrauche der Vokabeln auseinandergehen. Es 



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12 

ist hierin gewif s nicht immer Schreiberlaune anzunehmen, sondern 
es mögen sich dialektische Verschiedenheiten dahinter bergen. 
Allerdings wird es schwer sein, jedesmal zu entscheiden, welche 
der beiden Lesarten die ursprüngliche, dem Dichter angehörige 
und welche die vom Abschreiber gewählte ist, da nur zwei 
Zeugen gegeneinander stehen. Methodisch wird man der alten, 
der Zeit des Dichters nahestehenden Hs. F das gröfsere Gewicht 
zuerkennen, sprachlich auch schon deshalb, weil der Schreiber 
von F wohl im weiteren Dialektgebiete des Dichters ge- 
schrieben hat. 

Dafs jach recht oft durch ein ihm näher liegendes sprach 
zu ersetzen sucht, kann ein früher Beleg für das Verschwinden 
des Wortes jehen sein. Es überliefert auch jach 1307. 1484. 
5874. 6130. 6139; ja sogar richtig, wo F sprach aufweist 5174. 
— balde liebt 0, während F schiere bietet 436. 3710. 6001. 6163, 
doch schiere nach FO in mindestens 22 Fällen. — Ähnlich ist 
es mit ofte, für welches dicke verwendet 138. 285. 584. 1035. 
1799. 4149. 5479. 5573. 6373. dicke und ofte F, nur dicke 
5050. dicke aber in FO 1953. 2205. — Für unz, welches in F 
noch in alter Geltung ist, schreibt biz (bit) 1068. 1094. 1179. 
1582. 1689 u. ö. doch biz an in FO 1099. 6317. — verwendet 
rechte für zeswe durchaus: 1231. 1705. 1820. 2220. 6598; und 
1188, wo das, wie es scheint, ungewohnte Wort zum erstenmale 
begegnet, läfst es überhaupt aus. — Dafs für ietweder nur 
jekelicher gebraucht, s. zur Textkritik zu v. 118. — Dafs für 
einander häufig einer dem andern schreibt (10 Fälle), mufs auf- 
fallen, ebenso jungeling für knappe in 26 Fällen zwischen 585 
und 1443. — Dafs für alsam nur als, 1 ) für also meist als ver- 
wendet, zeige ich in der Textgestaltung zu v. 3148 ; ebenso dafs 
6t zu tilgen sucht, zu v. 534; dafs es halt nicht kennt, zu v. 464; 
dafs es gar aus Bequemlichkeit oder sprachlichem Widerstände 
nicht liebt, zu v. 5408 (doch gegen F überliefert 2491); für hie 
mite finden wir in da mite 5118. 5248; für niur, niwan, welches 
F bietet, schreibt nit dan, so 5690. 5774. 6634. Für hübsch 
hat houesch, für ougelweide in F steht in ougenweide 572. 
575. 862. 866 u. ö. 2 ) Für die Interjektion ei sagt eya (14 Fälle). 



') sam ist eine ausgesprochen hochdeutsche Partikel, ebenso wie alsam 
und unz. 

*) ougelwetdt gebraucht auch UlrvEschenbach z. B. Alex. 18496. 25610. 



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13 

kennt merkwürdigerweise nur daz so, während F der se 
(stm.) 6659, die se 4056. 5721. 5811. 6760; über se 6668 oder daz 
mer 6403 überliefert, üf dem si FO 6450 ist für als neutr. 
zu fassen. Der einzige Beleg für mascul. für scheint 3679 
üf den wilden se zu sein. 

In Fällen, in denen ein selten belegtes Wort zu einem 
Zwiespalt zwischen und F Anlafs gibt, kann eine Entscheidung 
und Folgerung aus diesen Belegen heraus nur mit Vorsicht 
gewagt werden; weitergehende lexikographische Untersuchungen, 
die nicht in meinem Wege liegen, würden auch da manches der 
Mundart von zuschreiben. Ich stelle alles zusammen, was die 
Hss. in dieser Hinsicht bieten. An erster Stelle gebe ich die 
Überlieferung von F, an zweiter die von 0. 

Substantiva: antlitz : angesicht 6560, doch steht 5584 antlitz 
nach FO — bude : hätte 3391. 3406, doch sonst hüUe in FO 567. 
3331. 3415. 3611 — erznte : arzedie 6319 — giefitöre 5115 — 
hüsiveste 5799 (also Bedeutung „festes Haus") — lanze.sper 
5245 ; doch sper nach beiden Hss. häufig — münster : kirche 6485 ; 
doch münster nach FO 6496. 6536 — peckelhuot : isenhuot 3304 

— p feitet : hemde 5690 — ravitirunzit 6111 — scher ge : sarjand 
3286. 3307 — schuf : schelze 3330 — siuclie : sucht 5035. 5041. 
5043. 5061 — stritgenöz, stritgeverte : stritgeselle 1823. 1829 — 
swiger : swegerin 1476 — daz tor : die tür 6044. 6046 — triel : 
giel 5280 — velse: stein 3360 — wäpen-.harnasch 1631 — die 
wüeste : die wilde 3496. 3511; dagegen wilde nach FO wiederholt 

Verba: argen lübelen 6509 — betragen .belangen 4286 — 
enbizen : ezzen 5943-5 — entp fetten : entweten 662. 4904 — er- 
beizen : von dem pferde stän 4554; ähnl. 3614 gesezzen von d.pf 

— erkrigen : erwerben 3902 — erquemen : erschrecken 2758; doch 
erkämen in im Reim 2841. 3244 — frien : machte fri 6441 — 
gehaben : gehalten 5070 (doch vgl. 5081) — gewinnen : erwerben 
3880 — pfüchzen : winferen 4572 — sliunen : zouwen 6000 — 
spilen : ziehen (vgl. schächzabel z) 4271 — tengelen : treten 3296. 

Adj. und Adv.: disehaXb : dissite 4641 — ellich : tegelich 
2952 — hartüchihertelich 1740. 2116. 2244 — ein lützel : ewenich 
1955. 2230; doch lützel FO 4818. wSnic FO 1044. 1191 — michel 
: starc 5143 — minneclich : vriuntlich 4106. 4127. 4343 — mitalle 
: zumale 213 — sere : vaste 6111 — tougen : heimelich 2813 — - 
tougenlichiheimelich 5886 — understunt : underwilen 245 — wr- 
kleine : vil kleine 2693 — wirltch : sicher 5388 — zu jungest : zulest 



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14 

6639 — zurivalt : zwifeldic 2759 — für sin (genit.) hat mit 
Vorliebe es 738. 830. u. ö.; doch sin nach FO häufig. 

Solche Fälle lassen im vorhinein nicht auf Unbekanntschaft 
mit dem betreffenden Worte schliefsen, sondern erweisen nur die 
Vorliebe des Schreibers, ein ihm näher liegendes, öfter jüngeres 
Wort heranzuziehen. Wenn für das Fremdwort fegetieren 
4224 smücken gebraucht, -während es 1929 das Wort beibehält 
und natürlich auch im Reim (922. 4477), und für storje 554 ge- 
selleschaft vorzieht, mag das auf Abneigung gegen veraltete höfische 
Ausdrücke zurückgehen; ähnlich wenn für das adj. fier 2032. 
2107. 2242. 3398. 6241 ein her einsetzt Hieher gehört vielleicht 
auch Jcreigerie für krie 584; bekreigieret für bekriet 511. Umgekehrt 
schreibt apostelen für zweifboten 2195. Hieher zu rechnen 
ist der Ersatz des altepischen verschroten 2755 durch versniden, 
ebenso wenn das alte von dem wal 1771 durch die Bindung 
von dem val umgeht oder vro 396 und guot 588 für vruot ver- 
wendet. 

Bewertung der beiden Hss. für die Überlieferung. 

Für den Schreiber von lassen sich in seiner Arbeit drei 
Faktoren erkennen, welche die Überlieferung der Vorlage zu 
ändern und zu verstümmeln geeignet waren. Das ist erstens 
das sichtliche Bestreben zu verdeutlichen und zu verflachen; es 
liegt das in dem grofsen zeitlichen Abstände, der den Schreiber 
von dem Originale trennte, und in der dadurch bedingten inner- 
lichen Entfremdung der Zeit vom Gedankenkreise und der sti- 
listischen und % metrischen Feinheit der höfischen Epik. Die 
Grenze, wo die, wenn ich mich so ausdrücken darf, unbewufst 
geänderte Überlieferung von der bewufsten Änderung geschieden 
ist, ist natürlich nicht zu bestimmen. Bezeichnende Fälle : 3974, 
wo die feien zu küniginnen werden, und 4503, wo die gotinne 
zur küniginne wird, weil dem prosaisch gesinnten Schreiber der 
naiv gläubige Sinn für die höfische äventiure abgeht; ähnl. v. 
4458. Oder sonst willkürliche Änderungen v. 2643 f. 3074 ff. 
u. ö. Zweitens ersieht man das begreifliche Bestreben des 
Schreibers, die um ein Jahrhundert ältere Vorlage sprachlich 
seinen Zeitgenossen geniefsbarer zu gestalten durch Umschreiben 
in sein jüngeres Idiom. Dafs das nicht durchaus und mit Kon- 
sequenz geschah, ist bei dem Geschäft des Abschreibens natürlich. 
Drittens das mit dem zweiten nahverwandte, doch nicht iden- 



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15 

tische Moment, dafs der Schreiber von nicht blols zeitlich, 
sondern auch örtlich und dialektisch von seiner Vorlage ge- 
schieden war. Diesem Umstände verdanken wir die Ersetzung 
von Vokabeln und Ausdrücken durch die seiner Ma. geläufigen 
Wendungen. Ich habe diese Punkte bei Behandlung der Sprache 
der Hs. und im vorausgehenden Exkurse dargelegt und sammle 
später in den Anmerkungen zur Textgestaltung Material. Doch 
sollen schon hier Andeutungen folgen. 

Sprachliche Vereinfachung durch zeigt sich, wenn der praepos. 
an in ein ab (l), 1 ) in (3), üf (2), zu (1) in F entspricht; dem 
K in ein mit (3), zu (1) in F; dem durch ein in (1), mit (1); 
dem in ein an (6), bi (1), mit (3), üf (2) ; dem mit ein bi (4), uz 
(1); dem von ein ab (3), under (1), uz (4), vor (4), zu (1); dem vur 
ein durch (1), uz (1); dem zu in ein ab (1), bi (1), gein (14), 
in (1), nach (1), üf (1) in F. Die gröfsere Einförmigkeit von 
— 12 verschiedene Praepos. gegen 16 verschiedene in F — 
dürfte dem Schreiber zur Last fallen, zumal die Vereinfachung 
(die Fälle mit sunder, über, umb und üz einbezogen) in der 
2. Hälfte des Werkes unverhältnismäfsig zahlreicher wird (19 : 
52 Fälle). 

Dazu kommen nun durchgängige Uniformierungen, wie schon 
erwähnt, biz in für unz (34 Fälle, nur vereinzelt biz); sprach 
für jach (etwa 25 Belege) ; ofte und dicke ; hie und alhie (siehe 
Textgestaltung zu v. 435), schiere und balde (zu v. 436), als für 
sam (4189. 4595. 5086. 5284. 5832. 5964 u. ö.); ebenso ietweder 
und iegelich, dann die Wörter 6t, niur, halt (zu v. 464). — Ver- 
gleichen wir dazu Fälle, wo F ein verb. mit praefix überliefert 
(meist ge-), jedoch die einfachen Formen schreibt, so {gedachte 
etwa 10 Fälle — gedachte in FO in 7 Fällen. — Für andere 
verba vgl. 1807. 1872. 2035. 2723. 2777. 3188. 4060. Der um- 
gekehrte. Fall nur 1455. 5792 und in 3 Fällen bei gezam. 

Die zahllosen Fälle nur annähernd vorzuführen, in denen 
F in Gedanke, Wortstellung, in sprachlicher und metrischer Form 
das Kichtige überliefert und so überall seine bedeutende Überlegen- 
heit und den hervorragenden Wert für die Textgestaltung bezeugt, 
macht ein Blick in die Hss. überflüssig. ändert die Stellung 
ohne Rücksicht auf die metrischen Anforderungen, läfst logisch 



l ) Die in Klammer gesetzten Ziffern geben die Zahl der Fälle an; ab- 
solute Vollständigkeit erreichen die Angaben allerdings nicht. 



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16 

entbehrliche Wörter weg, ist umständlich durch verdeutlichende 
Wiederholung eines Wortes. Bezeichnend ist die Verwendung 
des schwerfälligen einer dem andern für einander 1239. 1775. 
1786. 1789. 1795. 2058. 2066. 2106. 2298. 4928; von behreigieret 
511, kreigerie 584, von jüngeling für knappe s. ob. s. 12. 1 ) 

Dafs aber nicht eine in allen Punkten minderwertige 
Abschrift ist, sondern als eine von F unabhängige Überlieferung 
des Textes gelten mufs, läfst sich leicht zeigen. In zahlreichen 
Fällen ist geeignet, den Text von F zu heilen. Ich mufs hier 
wenigstens einen Teil des Materials vorbringen, weil damit die 
wichtige Frage nach dem gegenseitigen Verhältnisse der Hss. 
beleuchtet wird. 

a) Ein in F fehlendes Wort überliefert richtig: 294. 760. 
1449. 1902. 2122. 2242. 2404. 2491. 2717. 2808. 2862. 3153. 3216. 
3253. 3363. 3368. 3540. 3686. 3695. 3708. 3716. 3801. 3887. 4044. 
4053. 4133. 4164. 4245. 4271. 4565. 4626. 4658. 5011. 5087. 5161. 
5286. 5290. 5310. 5321. 5387. 5562. 5671. 6308. 6606. 6638. Ich 
verhehle mir nicht, dafs viele dieser Fälle für die selbständige 
Stellung von nichts beweisen, da das fehlende Wort oft leicht 
zu ergänzen ist; aber die grofse Zahl ist bei dem sonstigen 
Charakter von bezeichnend. 

b) F überliefert ein überflüssiges, auch den Vers belastendes 
oder den Inhalt verderbendes Wort: 467. 1085. 2080. 2098. 2492. 
3714. 3811. 4156. 4735. 5168. 5431. 5435. 5470. 6159. 

c) überliefert gegen F die richtige Wortstellung: 417. 
836. 1080. 1962. 3453. 3802. 4244. 4351. 5003. 5352. 5541. 5873. 
5922. 6021. 6125. 6261. 6660. 

d) Falsche Überlieferung eines Wortes, sei es infolge blofser 
Verschreibung oder absichtlicher Änderung von F, wird durch 
richtiggestellt: 445. 476. 666. 712. 738. 859. 1582. 1689. 1930. 
1974. 1990. 2007. 2031. 2136. 2249. 2341. 2690. 2718. 2877. 



*) Mehr zur Beleuchtung der Frage als zur Entscheidung führe ich wie 
oben den Gebrauch von Praepos. so hier die Verwendung von gleichwertigen 
Konjunktionen in den beiden Hss. auf, denn dieser Gebrauch ist in altdeutschen 
Hss. häufig dem persönlichen Geschmack e der Schreiber unterworfen. So steht 
im Nachsatze so F — dö 685; dö — nü 1155; nü — dö 1814. Als Ein- 
leitung von Nebensätzen und F — dö 367. 3785. 4101. 4444; und — als 
5173; und — und als 6108; wenne — als 5775 (als Zusatz in 5848) 
dö — als 5945; als — dö 4951; dö — nü 3215; nü — dö 3242; wan — 
so 6628. 



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i u ^'VcR3ITV 

V^, OF ^ 17 

2894. 3273. 3487. 3636. SÖ98. 3889. 3924. 4220. 4245. 4308. 4371. 
4419. 4435. 4774. 4898. 4900. 4906. 5014. 5138. 5433. 5434. 5478. 
5503. 5531. 5649. 5813. 5815. 5896. 5905. 5960. 6126. 6189. 6269. 
6303. 6551. 6612. 6689. 

e) Bei zwei in einer Hinsicht (sprachlich, metrisch oder 
gedanklich) gleichwertigen Überlieferungen wurde als die 
bessere erkannt: 701. 965. 1244. 1455. 1516. 2181. 2360. 2987. 
3224. 4021. 4302. 5096. 5607. 5698. 57621 5809. 6011. 6358. 
6451. 6558. 6608. 6701. Fälle stärkerer Verderbnis lagen vor: 
2263 f. 2366 ff. 5377. 5549. 6203. 6299. 6360 f. 6523 f. 

f ) Dazu kommen Verse, die nur in überliefert sind : 1026. 
1218. 1280. 1292. 1634. 5108J) Dieser Umstand beweist außer- 
dem, dafs nicht eine Kopie von F ist, was übrigens schon 
durch äufsere Umstände wahrscheinlich ist. 

ist also eine selbständige Überlieferung der Dichtung und 
in F haben wir zwar die bessere Abschrift, aber durchaus keine 
fehlerfreie Rezension zu sehen; F läfst sich sogar recht eigen- 
willige Änderungen zu Schulden kommen, vgl. z. B. 2263 f. 3633 f. 
6125. Es erhebt sich nun die Frage, ob die beiden Schreiber 
eine und dieselbe Hs. zur Vorlage hatten oder jeder eine selb- 
ständige Quelle vertreten. Gemeinsame Fehler würden die erste 
Ansicht stützen. Die beiderseitige Verwechslung von Uten und 
gebieten von 2989 wiegt nicht schwer, ebensowenig die falsche 
Stellung in 2528. Wie eine Konjektur für das ungewöhnliche 
Überleit schaut die Überlieferung 6224 aus: ubercleit F, das c 
stand auch in links oben vor l, wurde aber vom Schreiber 
selbst getilgt. Ähnlich ist es 2722 gedachten FO, doch in das 
n wieder getilgt. Dafs beiden Schreibern der plur. in die Feder 
kam, ist begreiflich. Auch 4144 ist der kunic FO am Anfang 
eines neuen Satzes ein unauffälliges Versehen. 5274 doch liez 
ers durch sin gute FO, mit nachträglicher Streichung des s 
durch 0; also von beiden Schreibern irrtümlich als ein formel- 
hafter Vers der höfischen Diktion betrachtet. Ganz ähnlich ist 



') Hier füge ich an, dafs in folgende Verse fehlen: 1-84. 1018. 1636. 
2378—81. 4019 f. 4088. 4151. 4154. 5223 f. 5750 und der Schlufs 6710-6890. 
Außerdem sind in umgesteUt: 771 f. 1579 f. 2189 f. 2335 f. 4299 f. 4359 f. 
5659 f. 6305 f. Auffällig erscheint, dafs diese Umstellung in 5 Fällen auf 
v. 9—10, in 2 FäUen v. 5 — 6 fällt, ausgenommen ist nur 771 f. Sollte das 
mit der Einrichtung der Kolumnen in der Vorlage zusammenhängen? 

Berat, Heinrich von Freiberg. b 



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18 

der Fall 3856 ist dcus ichs genzlich ervar, nur dafs hier F das s 
radiert. Ähnlich ist 4159 aberschach 0, absckach F mit Radierung 
rechts oben hinter 6. Während auch im folgenden v. aber 
schach behält, bleibt nun F bei dem richtigen absckach. Überein- 
stimmende falsche Überlieferung liegt auch 5399 vor, wenn meine 
Erklärung des ich rase nicht ein Tcunne als nordböhmisch bunne 
= böne richtig ist. Vgl. meine Ausführungen in der Sprach- 
behandlung. Doch würde die Übereinstimmung gegenüber einem 
solchen Dialektismus nicht auffällig sein. Ich schliefse : Da die Hss. 
nicht genaue Kopien sind, wird man die wenigen Fälle als leichte 
und erklärliche Versehen bezeichnen können. Dazu kommt, dafs 
man für Fälle gemeinsamer Fehler wie y. 1000. 1228. 5778 auch 
die Möglichkeit gemeinsamer falscher Überlieferung schon für 
die Vorlagen in Betracht ziehen darf. Ebenso kann man den 
falschen Absatz 3259 beurteilen. Für den Herausgeber wäre 
die Annahme einer gemeinsamen Vorlage günstiger, da sie den 
Wert einer bestimmten Lesart herabdrückt und eigenen Kon- 
jekturen gröfsere Aussicht gibt. Doch ist es im Hinblick auf 
die vorgeführten Fälle unmöglich, die beiden überdies zeitlich 
so weit auseinanderliegenden und in so weit getrennten Gebieten 
entstandenen Hss. auf dieselbe Vorlage zurückzuführen, wenn es 
auch wahrscheinlich ist, dafs von Heinrichs Tristan nicht viele 
Abschrifen vorhanden gewesen sein mögen. 

Für die Bewertung der beiden Hss. kommen wir also zu 
folgendem Schlüsse: F und sind selbständige Überlieferungen 
des Textes. F ist eine der Zeit der Abfassung des Werkes 
nahestehende, wohl in den ersten Jahren des 14. Jh. geschriebene 
im ganzen gute, aber von Fehlern und Änderungen keineswegs 
freie Abschrift. Sprachlich steht sie dem Originale sehr nahe, 
ist vielleicht sogar nach Böhmen zu verlegen. In Gedanken und 
Ausdruck, sprachlicher und metrischer Form ist F im allgemeinen 
verläfslich und in erster Linie heranzuziehen. ist nicht lange 
nach 1400 in rheinfränkischem Gebiete geschrieben und kann 
als die schlechtere Abschrift gelten, da der Schreiber vor allem 
Willkürlichkeiten sich zu Schulden kommen läfst und keinen 
Sinn für sprachliche und metrische Reinheit und Schönheit der 
Form besitzt. Doch hat naturgemäf s F gegenüber in vielen Fällen 
das Richtige bewahrt. In Fällen gleichwertig scheinender Über- 
lieferung ist die Lesart von F einzusetzen, wenn nicht der 
Sprachgebrauch des Dichters, für welchen sich das Material aus 



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19 

der Betrachtung des ganzen Werkes ergibt, der Lesart von 
ein gröfseres Gewicht verleiht. 

Das Bruchstück w steht in Hinsicht der Überlieferung und 
der Sprache der Hs. F nahe. Das bezeugt der allgemeine 
Charakter und einzelne Lesarten, wie die Verschreibung 5478 
od^wetzelin F. vderwitzschelin w für ore wetzelin 0. Auch viel- 
leicht fortenant Fw 5484 gegenüber feytenant 0. Dafs Fw trotz 
Übereinsimmung nicht immer das Richtige haben, zeigt aucli 
5549 wol uf sit alle bereit gegen wol uff alle vnd sit bereit. 
Dafs w jedoch nicht aus der Hs. F geflossen und sonach für 
unseren Text nicht bedeutungslos ist, zeigen einzelne Fälle von 
Übereinstimmung zwischen und w; so 5434, wo beide mit der 
Lesart mit schaden gegenüber F mit schände zweifellos das Rechte 
bieten, oder 5473 als man nu tuot gegenüber F als man tut nv ; 
ähnl. 5541 im recht erkant w, jm recht bekät 0, rechte in bekant 
F; vgl. auch noch 5511. 5562. Wir müssen sonach dem Frag- 
mente eine selbständige Stellung zuerkennen und es ist sehr zu 
bedauern, dafs die wertvolle und, wie es scheint, auch äufserlich 
schön ausgestattete Hs. bis auf diesen kleinen Rest verloren 
scheint. Da Fw auch gemeinsame Fehler haben (s. ob.), ist es 
naheliegend, die beiden auf eine gemeinsame Quelle zurück- 
zuführen. Eigentümliche Fehler besitzt w 5430. 5448. 5476. 
5482. 5551. 

Heinrichs Tristanfortsetzung ist 1785 mit Gotfrieds Werk 
von Chr. H. Myller, dann 1823 von vdHagen abgedruckt worden; 
1877 folgte R. Bechstein mit seiner Ausgabe, der dann zehn Jahre 
später Germania XXXII. 1 ff. auch seine textkritischen An- 
merkungen veröffentlichte. 

Heinrichs Erstlingswerk, die Legende vom heiligen 
Kreuz, ist nur in der Pap. Hs. der Wiener Hofbibliothek 
Nr. 2885, Bl. 196 b— 205 c ») erhalten uud bei Pfeiffer AI td. Übungs- 
buch s. 126 ff. wörtlich abgedruckt. Die Hs. — zweispaltig, ohne 
Linien für die Zeilen, 22 — 26 Zeilen in der Spalte — ist im 
Jahre 1393 geschrieben in Inspruhlca per manus Johannis Götschl. 
Sie stammt aus der Ambraser Sammlung und ist eine späte obd. 
Umschrift, die zwar recht sorgfältig geschrieben, aber in sprach- 
licher Hinsicht sehr verwildert ist. Ich habe die Hs. in Wien 
kollationiert und merke hier die Kleinigkeiten, in denen Pfeiffers 



l ) Die bezügliche Angabe Pfeiffers ist in diesem Punkte irrig. 

b* 



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20 

Abdruck richtiggestellt wurde, an. 26 geleih \ 51 dar zu ge- 
bessert aus daz zu ; 92 fridewerch, das de vom Schreiber gelöscht 
(schon von Lambel Germ. XL 497 bemerkt); 133 da nu Jcayn; 
178 holtzs-, 330 vn\ 378 zippressus; 436 «; 584 wtwwtfn; 636 dit>(?) 
pawm. Die Ausgabe von A. Fietz im Progr. des Staatsgymnasiums 
in Cilli 1881 erfuhr berechtigte Kritik durch A. Hruschka Afda 
VIII. 302 — 8 und F. Khull ZföGymn. XXXm. 403. 

A. Primisser führt unter den Hss. zu den Werken Suchen- 
wirts (Wien 1827, Einleit. L) eine Sammelhandschrift der Wiener 
Hofbibliothek Nr. 2201 (2238), Pap. hs. des 17. Jh., an, in der als 
Nr. 33 die Legend vom heil. Chreuz Maister Heinrichs von Friburg 
stehen sollte. Die verehrliche Direktion der k. k. Hofbibliothek 
kam meiner Anfrage nach der Hs. in freundlichster Weise ent- 
gegen, was ich hier mit herzlichem Danke verzeichne. Darnach 
beruht die Sache auf einem Irrtum Primissers, der ein in der 
betreffenden Hs. (jetzt Nr. 10100 a) stehendes Inhaltsverzeichnis, 
welches sich auf die Vorlage vom J. 1402 bezieht, ohne weiteres 
vollinhaltlich abgedruckt hat. 

Der Schwank vom Schrätel 1 ) steht in der Heidelberger 
Hs. Nr. 169 (Palat. germ. Nr. 341), der bekannten wichtigen 
Sammelhandschrift des 14. Jh., 374 Bl., 22,3x30,6 cm, zwei- 
spaltig mit je 40 Zeilen ; Linien und Initialen. Vgl. Br. Grimm, 
Irische Elfenmärchen CXIV., W. Grimm, Kl. Schrift. L 482, 
vdHagens Beschreibung im Ga. III. 752, und Bartsch, Die altd. 
Hss. der Univ.-Bibl. in Heidelberg 1887, 82. Ich habe dieses Stück 
sowie die Ritterfahrt vor Jahren in Innsbruck abgeschrieben. 

Auf Bl. 371a bis 372 d. stehen unter der Überschrift: Ditz 
ist von einem schretel vnd von einem wazzerbern w. 1 — 312 und 
auf Bl. 370 a der Schlufs (40 w.). Von Bl. 370 ist die rechts- 
seitige, äufsere Hälfte (Sp. b u. c) weggeschnitten, die Sp. d war 
ursprünglich beschrieben und ist jetzt abgeschabt. Auf Bl. 373 a 
beginnt Heinrichs Ritterfahrt Johanns von Michelsberg 
mit v. 11 des in vremden landen han. Es liegt nahe, zwischen 
dem Manco hier und dort einen Zusammenhang anzunehmen. 
Die Ritterfahrt (v. 11—330) steht auf Bl. 373a bis 374d. Das 
Stück vom Schrätel und die Ritterfahrt sind sonach die letzten 
der Sammlung. Die Ritterfahrt befand sich aber in der Hs. 



*) Ich halte für den Schwank an der Verfasserschaft Heinrichs fest nnd 
glaube sie wahrscheinlich machen zn können. 



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21 

noch an einer anderen Stelle, allerdings ist der Text jetzt aus- 
geschabt und der Raum zum zweitenmale verwendet. 1 ) Bl. 90 ff. 
steht der Mvnch felix (Altd. Wälder 2, 70; Ga. HL 613; Bartsch, 
Beiträge zur Quellenkunde 379). Unter der Rasur Bl. 88 c bis 
93 b, die übrigens schon Bartsch, Germ. XVIII. 42, vermerkt und 
neuerdings E. Mai, Das mhd. Gedicht vom Mönch felix. Berlin. 
Dissert. 1903, s. 12 f. erwähnt, stand unsere Ritterfahrt und „Der 
Maler mit der schönen Frau". Bl. 90 c, Zeile 35 — 36 ist noch 
die rote Überschrift zur Ritterfahrt sichtbar. Das Stück schlofs 
Bl. 92 d, Zeile 6 ab. In diesem Palimpsest war der Text des 
Gedichtes vollständig überliefert. Es ergibt sich, dafs in dem 
Bl. 373. 374 erhaltenen Texte nur 10 Zeilen fehlen; es gelang 
mir aber nicht, etwas nennenswertes zu lesen. Vielleicht ist ein 
anderer glücklicher. Ich bin überzeugt, dafs die 10 verlorenen 
Verse für unsere Kenntnis der Persönlichkeit Heinrichs von 
Wichtigkeit wären, denn der erhaltene Anfang des Gedichts 
deutet darauf hin, dafs der Dichter von sich selbst gesprochen hat. 
In dem Coloczaer Kodex — über sein Verhältnis zur Heidel- 
berger Hs. Heydenreich in Schnorrs Archiv für Lit. 13, 153 ff. — 
stand die Ritterfahrt ebenfalls als letztes Stück der Sammlung, 
wie sich aus dem Verzeichnis bei Mailath und Köffinger, Koloczaer 
Codex altd. Gedichte, Pesth 1817, ergibt. Nur die Überschrift 
ist erhalten: Ditz ist von den von Michelsperk der phlac ritter- 
licher werk Die Blätter mit dem Gedichte sind verloren, und 
zwar ist der Kodex, wie die Bibliotheksverwaltung selbst mit- 
teilt, schon in der verstümmelten Gestalt an die Bibliothek ge- 
langt.') Sonach sind uns beide Gedichte Heinrichs leider nur in 



*) Es ist ein merkwürdiges Geschick, welches das Gedicht betroffen hat. 
Wanim wurde die Spalte 370 d, welche wahrscheinlich den Anfang der Ritter- 
fahrt enthalten hat, nnd warum wnrde an der anderen Stelle das ganze 
Gedicht mit einem zweiten ausgeschabt? Ich vermag den Grund nur darin 
zu suchen, dafs vielleicht die ersten 10 Verse der Dichtung etwas enthielten, 
was entweder dem Abschreiber oder der Persönlichkeit, für die der Kodex 
hergestellt wurde, in irgend einer Richtung anstöfsig erschien. Denn dafs 
die Ritterf. Bl. 90c bis 92 d ausgelöscht wurde, damit sie vom Schreiber am 
Schlufs mit dem ebenfalls von Heinrich herrührenden Schwanke vereinigt 
werde, kann doch wohl die Vernichtung der sorgfältigen Arbeit nicht be- 
gründen. 

*) Dafs auch hier die Überlieferung des Gedichts schon in früher Zeit 
verloren ging, will ich nicht mit meiner oben geäufserten Vermutung zu- 
sammenbringen, da hier an einen Zufall zu denken naheliegt. 



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22 

einer einzigen, allerdings, wie ich glaube, sorgfältigen Abschrift 
durch die Heidelberger Hs. erhalten. 1 ) 

Abgedruckt wurde der Schwank zuerst in Mones Unter- 
suchungen d. teutsch. Heldensage 1836, I. 281 ff., von Wacker- 
nagel in Haupts Zs. VI. 174 (1848), darauf von vdHagen Ga. III. 
261 ; seither wiederholt: Schädel und Kohlrausch, Mhd. Elementar- 
buch 1850, s. 197, Goedeke, D. Dichtung im Ma. 1854, 846; 
neuestens von A. Bachmann, Mhd. Lesebuch 3 1904, s. 156; über- 
setzt von 0. Henke, Drei altdeutsche Schwanke. Barmen 1888. 
Die Ritterfahrt wurde zuerst von vdHagen in seiner Germania 
II. 92 (1837) veröffentlicht, sodann von Ernst Kraus „Jan 
z Michalovic", Prag 1888. Vgl. dazu W. Toischer Zfda. XXXIII. 
291—8 und W. Knieschek Litbl. 1890, 137. 



l ) Das bei Köffinger als Nr. CLXXIX (richtig CLXXVÜI., vgl. Fels- 
mann A Kalocsai Codex [Budapest 1895, s. 21] ; auch in der mir von der ver- 
ehrlichen Bibliotheksleitung auf meine Bitte mit höchst dankenswertem Ent- 
gegenkommen übersandten Abschrift so gezählt) verzeichnete Stück: von einem 
waltschretel ein mer (54 vv.), hinter dem man ein Stück unseres Schwankes 
vom Schrätel vermuten konnte, erwies sich bei eigener Einsichtnahme als ein 
bispel vom Stricker {„hie lert uns der Stricker"). 



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II. 
Stil und Muster. 



Der Dichter steht im Tristan ganz auf höfischem Boden, 
seine Anschauungen sind die der höfischen Gesellschaft, alles 
wird von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet. Der überlieferte 
Stoff ist ja in seiner Gänze und in jeder einzelnen Situation nur 
in höfischer Darstellung möglich; doch auch der Dichter hat 
daran seinen Anteil. 

Die höfische Bescheidenheit, die er für sein eigenes Schaffen 
an den Tag legt v. 6 ff., 25 ff., 45 ff., 2541 ff., Kitterf. 315 ff. Leg. 92, 
die übrigens traditionell ist, wird an dem Helden selber gepriesen, 
3911; vgl. 2324. 5790. Die Verschwiegenheit Tristans wird ge- 
rühmt 2153, vgl. 2250. Höfische Zucht wird lobend hervor- 
gehoben, vgl. die persönlich gefärbte Stelle 5304 f. oder 830; 
hübsch angedeutet ist sie im Benehmen des Knappen 1168 ff. Für 
die ritterliche Auffassung des Lebens ist die Stelle 1355 — 80 
bezeichnend, ebenso das Spiel mit dem Worte äventiure 1447 ff. 
oder 2004 ff. Das Leben soll dem Frauendienst gewidmet sein 
4025 ff., ähnl. 3725 ff. Vrou Ere 61, vrou Seide 1390, Ritt. 327, 
vrou Minne Ritt. 246, vgl. Trist. 2747, daz Gelücke 1391 treten 
im Leben des Ritters wirkend auf. Die Ritterlichkeit Tristans 
wird dadurch gekennzeichnet, dafs er sich allein gegen eine 
Übermacht zur Wehr stellt, als die Gegner an seine Liebe zu 
Isöt appellieren 5575; ebenso später Tristan und Kaedin 6182 ff. 
Bezeichnend für die höfische Auffassung scheint mir auch die 
Haltung Tristans, als er nach dem neuerlichen Verluste Isoldens 



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24 

ruhig heimfährt 3650 und 3676 ff. 1 ) Man sieht den künstlichen 
Bau der Gefühlswelt und der Verhältnisse des höfischen Lebens, 
wenn der Dichter auch an einigen Stellen echtes Empfinden und 
volle Aufopferung hervortreten läfst, vgl. 3290 ff. und besonders 
die Haltung Isoldens 4259 : ich heize Isot und bim Isöt, Tristande 
helfe ich uz der not 

In der Ritterfahrt wird die Handlung, die der Dichter vor- 
führen will, und der Held, der niuwe Parzival, durch Aufzählung 
berühmter Namen mit aller höfischen Ritterlichkeit in Verbindung 
gebracht. Dafs auch der Schwank trotz seines unhöfischen Stoffes 
in höfischem Geiste gedichtet ist, zeigen die höfischen Reden, die 
der Bauer, der guot einvaltic man, und der Bärenführer wechseln, 
vgl. 67 ff., 83, 132 ff. Dafs der sprachliche Apparat im Tristan 
ausschlief slich der höfische ist, zeigt jede Seite. Und doch scheint 
es, dafs der Dichter in einer Zeit lebe, die dem höfischen Ideal 
nur noch mit Worten dienen kann, dafs die Gegenwart nicht 
mehr diesem Ideale entspreche. Ich meine die Stelle 1723 ff. 
Der wohlwollende Seitenblick auf seinen Gönner Reimund von 
Lichtenburg ist doch nur ein Kompliment, wenn sich auch in 
Böhmen und seiner Ritterschaft die Nachahmung höfischer Sitten 
am Ende des 13. Jahrhunderts noch nicht überlebt hatte. 

Die Sprache und der Periodenbau ist äufserst klar 
und durchsichtig, weit abliegend von der kunstvollen, ja ge- 
künstelten Darstellungsweise Wolframs, den er übrigens kennt, 
und doch ebenso fernliegend von dem langweiligen Erzählungs- 
und Aufzählungston mancher Werke der Epigonenzeit. Die Sätze 
flielsen gleichmäfsig dahin, alles hat Form und Rundung; Durch- 
sichtigkeit und Verständlichkeit scheint sein Ziel. Ein Beispiel 
kunstvoller Periodisierung findet sich 3937 ff. Müssen wir auch 
den Periodenbau in der Legende einfach, ja trocken nennen, so 
läfst sich doch auch hier Heinrichs Art zu reden nicht ver- 
kennen. Der Schwank und die Ritterfahrt stehen stilistisch auf 
gleicher Höhe wie der Tristan. 

Heinrichs Kunst zu beschreiben und zu schildern 
müssen wir geradezu vollkommen nennen. Er gefällt sich nicht 
darin, alle möglichen und unmöglichen Gegenstände der Aus- 



*) Dieser etwas auffällige Zug kann übrigens auf Eilharts DarsteUung 
beruhen. Denn dort ist die Kraft des Minnetrankes erloschen und Tristan 
gibt Isolde freiwülig zurück 4730 ff. 



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25 

Ttistung oder gleichgültige Handlungen langatmig zu beschreiben. 
Wo er, um dem begreiflichen Interesse seiner Leser entgegen- 
zukommmen, beschreibt, wirkt er nicht ermüdend; ja seine Art, 
Gegenstände vorzuführen, ist höchst anschaulich, wenn er uns 
in der Kitterfahrt .erzählt, wie der Held gewappnet wird, oder 
wenn er uns im Trist. 1521 ff. berichtet, wie der Held Ritter 
ausstattet. Ähnlich, wo wir mit dem Aufzuge Tristans bekannt 
gemacht werden 1938 ff., vgl. auch 1692 ff. Eingehender wird 
die traditionelle Art der Beschreibung 4463 ff. Als Tristan und 
Kaedin sich bei Isolde auf die Bank setzen, vergifst Heinrich 
nicht zu sagen, dafs sie mit Polstern und seidenen Tüchern be- 
deckt war 4784. Als man Wein aufträgt, bemerkt er, dafs die 
Goldbecher mit Edelsteinen beschlagen sind 4804. Oder als 
Isolde sich ins Gras wirft und Krankheit heuchelt, vergifst er 
nicht der schönen Kleider 4610. 

Die Kampfesschilderungen sind lebendig und vor allem kurz. 
Man vergleiche nur 1740 ff. und den Schwertkampf 1773 ff. oder 
den Kampf mit Keie 2065 ff. und dazu stelle man den Kampf 
des Schrätels mit dem Bären 231 ff. und das glänzende Beispiel 
der Ritterfahrt. Bewegtes Leben und Treiben vorzuführen, macht 
ihm offenbar Freude, so das Treiben beim Hochzeitsfest 580 ff., 
das Festmahl 879 ff. und das darauffolgende Turnier 919 ff., das 
von den endlosen Kämpfen des epischen Romans vorteilhaft ab- 
sticht. Dazu stelle man die humorvolle Schilderung des Treibens 
des Hauskobolds 98 ff. oder des ins Grofse gehenden Aufzugs 
Markes mit seiner Hofgesellschaft 4345 ff.; dafs unser Interesse 
dabei nicht erlahme, dafür sorgt die eingestreute Gegenhandlung 
Tristans und Kaedins. 

Dafs Heinrich auch in der ruhigen epischen Darstellung 
Meister ist, zeigt sich überall. Man lese die gewandte Erzählung 
vom Wässerlein 3741 ff. und reizvoll wird, nicht blofs durch den 
Stoff (das jungfräuliche Betragen Isolde Weifshands) die Er- 
zählung 694 ff., wenn ich auch vermute, dafs an dieser Stelle 
Gotfrieds schöne Schilderung des Streites zwischen Scham und 
Liebe 11826 ff. Einflufs genommen hat. Und die Ritterfahrt. 
Das ganze Gedicht geht auf die Beschreibung der Rüstung und 
des Turniers seines Helden aus. Aber fast homerisch möchte 
man es nennen, wenn unser Dichter die Rüstung des Helden 
beschreibt, indem ein Stück nach dem andern herbeigebracht 
und ihm angelegt wird 74 ff. Der Held setzt sich auf einen 



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26 

Teppich und wird mit den Hosen bekleidet. Er springt auf, das 
Spaldenier wird ihm angelegt, darüber kommt ein silberweilser 
Halsberg von kleinen Panzerringen, darüber der Brustharnisch; 
er hätte Herrn Wigalois Ehre gemacht. Das Wappenkleid wird 
nun dem Helden umgelegt, eine Frau hat es mit ihren weifsen 
Händen geschmückt. Das Streitrofs kommt, der Ritter steigt 
auf. Wir hören, wie Zaum und Sattelzeug von Gold erklingt 
Der Helm des Ritters erglänzt wie ein Spiegel, Geierfedern und 
ein Schleier — der Minne Zeichen — fliegen darüber. Jetzt 
fafst der Held den Schild, mit grünen Borten ist er gefafst, auf 
rotem Felle aus Marderfellen ist ein gehender Löwe eingeschnitten. 
Und dann die Schilderung des Turniers. Der Gegner naht; man 
hört die Leute schreien, sie weichen aus. Die Rosse springen 
und nicken mit den Häuptern, die Ritter fassen die Schilde, die 
Speere fester, prächtig ist der Anblick der Rosse. Die Gegner 
stürzen gegeneinander, das Erdreich erbebt und: Jcreftlich mit 
ellcntricher hant stach der Beheim den Franzois, daz im des siges 
wart bekant. Der Kampf ist aus. — Und da wollen Fachgelehrte 
dieses „Machwerk" unserem Dichter des Tristan absprechen, an- 
dere erfinden sogar einen zweiten, „böhmischen" Heinrich von 
Freiberg, dem dann die Rolle eines wandernden Pritschen- 
meisters zugeteilt wird. HvFreiberg braucht sich dieser Turnier- 
beschreibung nicht zu schämen und Konrads von Würzburg 
Turneis und Schwanritter halten auch nicht annähernd den Ver- 
gleich mit diesem kleinen Stücke aus. 

Wie wir in der Ritterf. sahen, weifs uns der Dichter in 
die Handlung hineinzustellen, sein innerer Anteil an der Handlung 
ist nicht zu verkennen. Dabei gelingt ihm hie und da ein treff- 
liches Genrebildchen. Der Knappe des Artus, der zur Tafel- 
runde einladen soll, springt beim Herannahen Tristans von seinem 
Sitze unter der Linde auf, wirft sein kurzes Mäntelchen über 
die Achsel und harrt der Anrede 1168. Er reitet mit Tristan 
zu Hofe. Dieser legt seine rechte Hand auf die Schulter des 
Knappen, letzterer wiederum hält den Steigbügel des Herrn, so 
sprechen sie mitsammen 1226 ff. Oder man lese die Erzählung 
von Keies kläglichem Einzug, nachdem ihn Tristan in den Staub 
gelegt und Keie zu vuoze alsam ein nazzer vilz her tröf 2168 ff. 
Oder die lebendige Zeichnung des Volkes beim Turnier des 
Michelsbergers oder die Szene, wo das Schrätel sein Fleisch brät 
und von Zeit zu Zeit dem nichtsahnenden Bären eines in den 



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27 

Nacken gibt, aber sich gleich wieder zum Feuer setzt 210 ff. 
Die Furcht des Norwegers, der in den Backofen gekrochen ist 
und den Tag erwartet 263 ff. 

Sehr hübsch und für jene Zeit nicht abgebraucht ist der 
Zug, die Vögel anzureden, um dem lauschenden Geliebten etwas 
wissen zu lassen. Isolde tut es, um dem versteckten Tristan zu 
sagen, wo sie übernachten werde 4678 ff. Dieses Motiv finden 
wir schon bei Eilhart 6610 ff. Doch um wie viel zierlicher drückt 
sich Heinrich aus! Manches ist ja gewifs nicht originell. Auch 
in der Rede an das Wasser 3788 ff. hat Heinrich in Eilhart einen 
Vorläufer: 6154 sie sprach „wazzir, du bist vromede, daz dir müzze 
misselingen usw. Auch das starke Bild, wo die glänzende Er- 
scheinung Isoldens die Sonne am Himmel zu überstrahlen scheint 
4532 ff., hat in Parz. 167, 18 f. und vielleicht auch anderwärts 
einen Vorläufer; doch was hat Heinrich daraus gemacht. — Sehr 
lobenswert für die Komposition, von Bedeutung für den poetischen 
Wert des Gedichts sind die am tragischen Schlüsse des Ganzen, 
nach dem Tode Tristans eingefügten Erinnerungen an den Lebens- 
lauf unseres Helden 6414—80. In wiederholten Ansätzen wird 
sein Leben und sein Tod uns vor Augen geführt. Der immer 
variiert wiederkehrende Gedanke der lac vor leide in liebe tot 
gibt der Klage ein lyrisches Gewand und trägt viel zur Wirkung 
des Ganzen bei. Gotfried ging ihm hier voran; man vergleiche 
die herrlichen Einleitungsstrophen zum Tristan. Gewifs aber ist 
manches, das uns gefällt und für Heinrich einnimmt, ihm selber 
zuzuschreiben. Wie kindlich naiv sind die Worte, die er Tristan 
als Narren sprechen läfst, nachdem er seinen Feind Antret 
niedergeschlagen: „vriundel machen, vriundel machen!" sprach er 
und begonde lachen: „nimmer tuon, nimmer tuon! u 5239. Man 
glaubt ein richtiges Band oder einen kindischen Toren zu hören, 
der sich seiner Tat nicht bewufst ist. Treffend ist der Zug, wo 
Tristan, der nach langem Harren Isolde endlich allein trifft und 
mit ihr beisammen zu sein wünscht, in seiner Ungeduld nicht 
auf der Bank bei ihr sitzen kann: im was 6t ande und ange 
4790. Kaedin drückt seine Drohung gegen Tristan durch die 
Worte aus: eins spiles wirt mit dir gespilt, daz dine vriunt be- 
ginnen clagen 3858. Eilhart sagt an dieser Stelle (6187) blofs: 
fe* sal im an den lip gän und Ulrich (Ausgabe Mafsmanns 1843) 
509, 22: daz ez wesen muoz din tot (vgl. Wigalois 10109 [Pfeiffer] 
die wellent hie mit dir spiln, davon manc ouge wirdet rot). Vom 



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28 

Aufgang der Sonne heilst es einfach und schön : die sunne wun- 
nesam üf gienc durch daz morgenröt 4924. 

Dafs Heinrich ein guter Beobachter des täglichen 
Lebens gewesen ist, ersieht man aus manchen Stellen. Die 
Schilderung des Gebarens des wisen tören Tristan 5173 ff. scheint 
auf Kenntnis wirklicher Verhältnisse zu beruhen, besonders da 
er später selbst auf gegenwärtige Zustände in dieser Hinsicht 
Bezug nimmt: im sluoc da nieman keinen vlec, als man nu tuot 
den tören 5472. Sicher aber ist dem Dichter eingehende Kenntnis 
der höfischen ritterlichen Gebräuche zuzusprechen, spielt er ja 
manchmal selbst auf gegenwärtige an, so 1723 ff., 2156 ff., 2674, 
5830 f. Auch sonst finden sich Spuren wirklichen Lebens: der 
tot liez im die muoze nicht, daz vil mangem doch geschieht, daz 
er gein der wende sich leerte und neme sin ende 6407. Die Schil- 
derung des jämerschals 6591 ff., den Kurvenal nach dem Tode 
der Liebenden erhebt, setzt wohl Bekanntschaft mit dem wirk- 
lichen Gebrauche voraus. Die Stille der Mitternacht kennzeichnet 
er volkstümlich mit den Worten: und sich nindert regete ein 
müs 5922; ebenso die Unzugänglichkeit einer Kitterburg: so 
enwart nie in keiner vrist so Meine ein vogel noch ein müs, der 
müge Jcumen in daz Ms 5776. Viele hübsche Vergleiche aus 
dem täglichen Leben (s. unten) bezeugen, dafs Heinrich, mag 
auch manches überkommenes Material sein, zu beobachten und 
Beobachtetes wiederzugeben verstand. Er zeigt seine Boden- 
ständigkeit auch durch Bekanntschaft mit der Rechtssprache; 
ich verweise hier nur auf Trist v. 320. 504. 509 f. 1263. 1480. 
2471. 3059. 3103. 3139 ff. 4597. 6142. Leg. 121. 840. Schret. 49. 
121. Dafs das Meer nicht zu seinem Vorstellungskreise gehörte, 
zeigt sich in den kargen Versen, die er der wiederholten Meeres- 
fahrt widmet. Die ausführlichste Stelle ist 1559 ff. Aber z. B. 
3677 heilst es: da Teerte er aber dräte wider üf den wilden se 
und vuor hin gein Arundele oder 4091 an daz schif sie brächten 
san allez, daz sie mochten hän. die richte alsam an einer snuor 
der schifman gein Litan vuor. Oder 5719 urloup nam ouch 
Tristan und vuor üf der wilden se hin wider gein Arundele. 
5794: nu quämen ouch die helde vruot von dem wazzer an daz 
lant, vgl. 6352. 6364. Wenn man auch weifs, dafs man bei mhd. 
Dichtern Naturschilderungen soviel wie nicht erwarten kann 
— doch vergl. z. B. die Schilderung der Mondnacht am Meer bei 
Konrad Partonop. 10584«. fortgesetzt 10668 ff. Vgl. auch Gotfr. 



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29 

17351—17397 — so sind diese dürftigen Zeilen weniger, als 
man bei Heinrich voraussetzen möchte. 1 ) 

Wir wenden uns nun zum Verhältnisse des Dichters 
zu seinem Publikum. Da sehen wir überall Hervortreten 
des schaffenden Dichters, der an dem Erzählten Anteil nimmt, 
den Leser auf schon Erzähltes aufmerksam macht, sich da- 
zwischen, wenn auch formelhaft, auf seine Quelle beruft und 
seinen Anteil an dem Stoffe durch Zwischenbemerkungen aller 
Art kundgibt, oft hervortritt, wenn es gilt, auf etwas wichtiges 
hinzuweisen, etwas unwichtiges oder nicht gut darstellbares ab- 
zubrechen, besonders wo es sich um diskrete Dinge handelt. 

Heinrich nimmt Anteil an dem Geschicke seiner Helden, 
besonders an ihrem Unglück und drückt das auch gelegentlich 
aus: 3094, vgl. 222. 6120. 6289. 6556. Vom Brauthemde Isoldens 
sagt er: daz sin noch Mute jämert mich, daz ez von Tristandes 
hant nicht wart zurizzen noch zutrant 738. Tristan selber spricht 
er an 5242. 6079. 

Er tritt sonst in der ich -Form hervor. Phraseologisch: 
als ichz versti 3371. als ich ez weiz 5292. Schalkhaft: ob siez 
von herzen meinete, daz wizzen nicht die sinne min 1493. doch 
enweiz ich, ob siez müete 6368. ich weiz ez wol, wes sie da 
pflägen 2789. ob ichz mit loube sprechen tar 823, vgl. 5413. 6214, 
vgl. Schret. 248. Eitterf. 16. 38. 46. 303. In allen angeführten 
Beispielen wird das Hervortreten des Dichters in eine mehr 
innere Verbindung zu den behandelten Gegenständen gebracht; 
und dadurch unterscheiden sich diese Bemerkungen von den im 
folgenden zu behandelnden Flickversen. 

Die Anreden an die Zuhörer, wie sie sich formelhaft 
bei den meisten höfischen Dichtern aus Reimnot einstellen, finden 
sich allerdings bei Heinrich selten: doch wizzet 266. doch wizzet 
sicherliche 1623. geloubet mir 982. Oder im Anschlufs an Wen- 
dungen bei Wolfram: doch merke ez, swer da sinnic sü 225. 259. 
leset dises buoches, vernim 2644. nu muget ir hoeren, waz geschach 
3768. ich enweiz, ob irz vemumen habet 4626. ich sage ez iuch, 
weit irs nicht enpern 6807. Origineller: nu lät in gar ein töre 
sin, er lac doch U der Jcünigin 5493. In der Legende : der namen 

*) Interessant ist, was Heinrichs Landsmann UlrvEschenb. im Alex. 
24217 ff. als eigenste Meinung über Meerfahrten kundgibt : sol ich iu min 
kuonheü sagen, ein guot pfert oder wol gesmirten wagen rite ich £ mange 
mite, e daz ich lange wile füere üf dem xcazzer. 



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30 

künde ich iuch gewis 21h. nu sin wir ouch gewis des 278. ich 
meine die 489. däbi prüeve ich 32. so sage ich wie 83. so hebe 
ich an 90. ich Heinrich von Frxberc sprich 92. In der Eitterf.: 
als ich sol künden offenlich 60, vgl. 22 ff. 

Die formelhaften Versicherungen der Wahrheit, wie 
sie sich bei Wolfr. und Gotfr. (s. Preufs, Straf sburger Studien 
I. 41 f.) finden, braucht Heinrich nicht mehr, vor allem für den 
Tristan nicht, denn Phrasen wie ja daz sage ich iuch vür war 
1963 sind nicht hierher zu rechnen. Im Schwanke findet sich: daz 
ir die wärheit wizzet 191 ; zwar ich wil iuch der wärheit wem 
16. In der Eitterf. sol ich die wärheit nicht enheln, so tuon ich 
off ertlichen schin 144. 

Oft erinnert Heinrich an schon Erzähltes : wir hän gehört 
85. daz haben wir allez wol vernumen 107, hier mit Bezug auf Gotfr. 
Dichtung, der rittet, von dem ich e sprach und im mit rede lobes 
jach 2103. als ich hän gelesen 3381. als ich hän gesproclien e 
3715. als wir vernumen haben 6316. davon ich e las 296 (viel- 
leicht auch 563. 2331). Manchmal kann man zweifeln, ob er 
nicht seine Quelle meint, so 800. 2002. 2412. Verbunden mit 
einem Hinweis auf künftige Erzählung und ich hernach ez 
mache kunt 6092. In der Leg. dem berge, den wir genennet 
haben vor 538. die gerielin, die wir hän & genant 521 (schon in 
der Quelle supradietas). als wir haben vernumen 684. In den Ge- 
dichten Heiurichs, die einer geschriebenen Quelle entbehren, 
Schwank und Eitterf., treffen wir derartiges nicht. 

Die häufige Berufung auf eine Quelle ist bei vielen 
epischen Dichter blofse Phrase, der Eeimnot entspringend. Bei- 
spiele dafür bietet Heinrich in grofser Anzahl. Sie sind in 
Eücksicht seiner Eeimkunst natürlich Zeichen geringerer Technik; 
doch gehören diese phraseologischen Bemerkungen schon so sehr 
zum ausgebildeten Handwerkszeuge, dafs wir Heinrich aus dem 
Gebrauche keinen gröfseren Vorwurf machen werden. 1 ) als icJi 
las (563 s. ob.) 800. 1586. 1642. 1952. 2002. 2226. 2331. 2370. 
2412. 2482. 2549. 2671. 3034. 3124. 3192. 4492. Leg. 47. 60. 99. 
136. 230. 304. 474. 688. als ich da las 2091. Bemerkenswert ist, 
dafs von allen Fällen nur ein einziger in die 2. Hälfte des Ge- 
dichtes fällt und dafs sie im Schretel und in der Eitterf. ganz 
ausbleiben, auch dals die meisten Fälle als wirkliche Lücken- 

*) Zu Eilharts Gebrauch vgl. Lichtensteins Einleitung CLXXII. 



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31 

büfser an die zweite Reimstelle treten. Ahnlich als ich vernam 
Trist. 636. 1227. Leg. 139. 322. 487. 781. als ich hau vernumen 
2424. Leg. 465. 745. als ich vernumen hän 2665. 3781. Ritt. 304. 
als ich rechte vernumen hän 2419. 5504. als wir vernumen 
haben 6798. Leg. 627. 678. als wir haben vernumen Leg. 684. 
als wir wol vernumen haben 6114. als ich habe ez wol geschriben 
vunden Leg. 858. horte ich jehen 626. als ich hörte jehen 
2589. hörte ich sagen 1636. 2204. Schret 298. als ich bescheiden 
wart 2398. 

Auf ein Buch beruft er sich : als diz buoch saget 650. ähnl. 
975. 2276. 2362. 3775. In der Leg. ist es eine schrift 29. 96. 104. 
116. 198. 401. 437. 529. 583. 700. 740. 770. 784. 807. 858. 866, 
vgl. 862. Zur Fortführung 426. Im Tristan ist es wiederum 
die äventiure 1742. 2040. 2418. 2620. 3422. 3742. 6092. 6359. 
Diese bis auf wenige Fälle einzeiligen Lückenbüfser sind bei 
Heinrich Manier geworden. Und doch ist etwas bemerkenswert. 
Während dieser Gebrauch in der Legende relativ weitaus am 
stärksten ist (Im Vorausgehenden wurden von Berufungen auf 
eine Quelle 36 aus der Leg. angeführt, aus dem Trist. 45 Fälle), 
findet sich im Schret. nur eine einzige Stelle hörte ich sagen 
298, was auf mündliche Überlieferung hinweist, in der Ritterf. 
ist der einzige Beleg 304 ich sage, als ich vernumen habe, daz 
in die Erzählung eingefügt. Und eine zweite Beobachtung ist 
von Wert Im Tristan kommen von allen angeführten Fällen 
36 auf die erste Hälfte der Dichtung und nur 9 Fälle auf die 
zweite Hälfte, woraus sich für die Technik des Dichters in dieser 
Hinsicht ein sicherer Fortschritt ergibt. Eine wirkliche Be- 
rufung auf seine Quelle ist die bekannte Stelle 6842 ff. Die 
Untersuchung der Quelle unseres Dichters wird sich in erster 
Linie mit der Bedeutung und Glaubwürdigkeit dieses Ausspruchs 
abzufinden haben; vgl. in der Legende 72 ff. 

Einen wichtigen Platz in den formelhaften Wendungen 
nehmen die Abschlufs- und Übergangsformeln ein. Wo 
der Dichter über einen Gegenstand nichts mehr zu sagen weifs 
oder nichts sagen will, da bringt er ein: swie dem nu si, daz 
läze wir varn 303. die rede läze wir nu sin 3603. 5972. da von 
ich nü nicht sprechen wil 2654. ähnl. 946. da vüeget mir nicht 
zu redene zu 4882. der rede si nu hie geswigen und heeret wie 
2056. launig 6214. Einmal beruft er sich auf Vorgänger, die 
ihn der Mühe überheben, manches noch einmal zu beschreiben 



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32 

2576. Die meisten Übergänge aber werden durch rhetorische 
Fragen hergestellt, auf die ich noch zurückkomme. 

Charakteristik der Personen in unserem modernen 
Sinne werden wir im höfischen Epos nicht suchen. Ein Ansatz 
dazu 5501 ff. Meist ist es nur das Epitheton, welches uns die 
Stellung einer Person und ihre Eigenschaften hervorhebt. Doch 
versteht es Heinrich, durch treffend gewählte Beiwörter den 
Helden in seiner jeweiligen Lage zu charakterisieren. So ist 
Tristan der wol besinnete 133. der sorgenriche 251. der hoch- 
gemuote 644. der wol gelerte 1408. der wäcwise 1565. der muotes 
riche 1667. der unverzagete 1776. der wolgemuote 1875. der wise 
und wol bedächte 4706. der sinnenriche 5834. der Tcluoge and 
wol bedächte 5924. der ellensriche 6235. Jedes Epitheton zeichnet 
uns Tristan in einer anderen Lage. Vergl. den gleichen Vorgang 
bei Gotfried 2690. 3089. 5108. 8314. Ähnlich ist es bei anderen 
Helden: der wise Jcluoge Kurvenal 1591. der sinnenriche Gäwän 
2359. der wol bekante Tinas 4141. der hemische Antret 4655. (bei 
Eilhart der leidige A. 8269, vgl. 6635. 7596) daz sinnige Tantrisel 
5089, auch die süeze Jcüneginne Jcluoc 5258, ähnl. 5332 ist hieher 
zu rechnen, Ebenso der einvaltige künic guot 3428, vgl. k. Marke 
der guote uz einvaltigem muote sprach 5713. Ähnlich die Zeich- 
nung des Bauern im Schretel 54 : er was ein guot einvaltic man, 
von arte ein rechter gebüre. 

Sonst sind es die Reden der einzelnen Personen, die uns 
in ihre Seele blicken lassen. Wir sehen die Klugheit der beiden 
Isolden durch ganz kleine Vorgänge aufs trefflichste beleuchtet. 
Wie zart und klug bringt Isolde Weifshand Tristan zum Reden 
999 ff. Wir sehen die List und Verstellungskunst der tugentr 
riehen Isot 3445 ff. 4155 ff. — Den gemachten Streit beim Schach- 
spiel hat Eilhart 6374 nicht, ebensowenig Ulrich 523, 10. Es 
heilst blofs: sä zehant daz spil sie lie. — Oder vergleichen wir 
die gut gespielte Komödie Isoldens auf dem Jagdzug 4606 ff. 
(Eilhart blofs : sie entbot dem koninge, sie vüre harte obele 6549 ff.). 
Dafs der Dichter wufste, dafs Isoldens Charakter durch solche 
Situationen ins schlimmste Licht gestellt würde, ist kaum zu 
glauben, und wenn schon er es fühlte, hat wenigstens sein lese- 
lustiges Publikum daran keinen Anstofs genommen. Tieferes 
Gefühl verrät und versöhnend wirkt die Darstellung des Liebes- 
todes Isoldens an der Leiche Tristans 6516 ff. 

Die Dialoge bilden einen Hauptbestandteil des höfischen 



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33 

Romans; lange Wechselreden werden gerne vorgeführt. Auch 
hier zeigt sich Heinrichs Kunst, wenn auch vielleicht der gröfsere 
Teil des Lobes seinen Quellen zufällt. Über Eilharts Kunst in 
diesem Punkte Lichtenstein Einl. CLXXL Die Dialoge sind 
lebendig, mitten im Verse Abschlufs und einsetzende Wechsel- 
rede. Die Antwort schliefst sich meist nach altepischer Weise 
an ein bestimmtes Wort des Gegenredners an. Als Muster nehme 
ich die Unterredung zwischen Kaedin und Tristan 3825 ff. Kaedin 
fragt, warum Trist, seine Schwester maget gelassen habe. Trist.: 
„Wer hat dir das gesagt?" Er ist überrascht und sucht einer 
Antwort auszuweichen. Doch Kaedin will wissen, warum er ihr 
gehaz sei. „Ich ir gehaz?" usw. Man merkt die Verlegenheit, 
in der sich Tristan befindet. Das Vorbild für diesen Dialog fand 
er schon bei Eilhart 6205 ff. Ähnlich lebendige Reden bei Hein- 
rich 1009—25. 1837 ff. 2246 ff. 2310—51. 2426 ff. 4067 ff. Die 
kurzen, nicht sehr bewegten Reden der Legende kommen nicht 
unserem Dichter zu, er nahm sie aus der Vorlage. 

Das Innenleben der Personen wird auch durch Monologe 
vor uns ausgebreitet. Ich nehme als Beispiel die Schilderung 
des langen Schwankens Trist., ob er Isolde Weifshand zum Weibe 
nehmen solle oder nicht, v. 135 — 142: „Man kann nicht zwei 
zugleich lieben." 143 — 66: „Wenn ich nicht zwei haben kann, 
so mufs ich doch eine besitzen." 173—93: Sein Verhältnis zu 
Isolde Weifshand. 204—16: „Ich mufs Isolde, die eheliche Ge- 
mahlin meines Oheims, lassen." Dazwischen immer Worte des 
Dichters, der das Spiel seines Helden begleitet und erklärt. 225 
bis 265: Vergleich aus der Astrologie. Im folgenden bespricht 
der Dichter die Umstände, die für Isolde Weifshand sprechen. 
Endlich Entschlufs Tristans, sich Kaedin zu entdecken. Bei 
Ulrich umfafst dieses ganze Selbstgespräch nur einige Zeilen 
45 — 65. Auch sonst findet sich Reflexion, vgl. 2074. 3428. Aus 
dem Schret. 200 ff. 

In der Darstellung von Gefühlen ist Heinrich im allge- 
meinen zurückhaltend, meist wird blofs angedeutet. Oft wird 
geseufzt, geweint wird selten (Tinas 3150. Isolde, um Marke zu 
betrügen 3519). Interjektionen dagegen verwendet der Dichter 
häufig : oue, owe des smerzen u. ähnl. 766. 3005. Von Personen 
der Dichtung 2828. 3628. 3656. 4608. 4967. 6692. 6731. pfüch 
als Unwille 2855. 5391. pfi dich Schret. 338. hiu, ahm 1366. 
1604. 1986. 4476. Häufig ei 159. 173. 188 u. o. ei, Mrre got 146. 

ISernt, H«lnrich Ton Freiberg. q 



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818. — Auch im höchsten Schmerze, nachdem Isolde von dem 
Tode des Geliebten erfahren hat, kommt ihr Leid nicht durch 
Worte und Wehklagen zum Ausdruck, nur ihre Gesichtszüge 
ändern sich, sie fällt in Ohnmacht. Das Leid um Tristan bricht 
ihr das Herz, ohne dafs sie ein Wort geredet hätte 6516 — 87. 
Vorbild zu diesem stummen Liebestod mag der grofse Meister 
Gotfried gewesen sein, der so Blanscheflur nach dem Tode Ri- 
walins sterben läfst (Gotfr. 1726—40). Auch Eilhart kennt das 
Motiv, doch heilst es wortkarg: sie wart wedir bleich noch röd, 
noch enweinete nicht nie, irem herzen was doch vil wo 9418 ff. 
— Kurvenal zeigt auch äufserlich den Ausdruck des tiefsten 
Schmerzes, schlägt sich mit den Fäusten und rauft sich die 
Haare 6591 ff. Die Darstellung solcher Totenklagen ist tra- 
ditionell und hatte im wirklichen Gebrauche ihren Ursprung. 

Wie sein grofser Vorgänger Gotfried hat auch Heinrich 
seinem Werke Gedanken allgemeinen Gehaltes ein- 
gestreut und so das Erzählte in eine höhere Sphäre gehoben: 
swes man sich vor betrachtet hat und von herzen hat begert, des 
rätes rede nicht lange wert 432. recht adel noch die tugent hat: 
swd adel und eilen entsament sin, da tuot daz adel seiden schin 
mit ruomworten sine tat 2156. Das Meiste ist aus der Weisheit 
des Volkes genommen und gibt sich als Sprichwort oder ist es 
sicherlich der äufseren Form nach. So die werlt uns Urkunde 
git, daz der biderbe sunder nit gar seiden blibet, swa der ist 3035. 
vgl. Freidank 60,13. nu ergienc daz Sprichwort, als ich las: swem 
got wol, dem nieman übel 3192 (das phraseologische als ich las 
ist nicht Beweis, dafs Heinrich die Sentenz aus seiner Quelle 
nahm, s. ob.). ouch ist ez, als daz Sprichwort saget: vremde 
scheidet herzenliep, so machet State manchen dtep 318 f. vgl. Frei- 
dank 105,3 und Bezzenberger zur Stelle; dann Zingerle, Die 
deutsch. Sprichwörter im Ma. s. 48. — Auch seinen Helden legt 
der Dichter solche lehrhafte Sprüche in den Mund swer mer liep 
hat dan einez, der enhät nindert keinez usw. sagt Tristan 139 ff. 
Gleich darauf wird es als Sprichwort bezeichnet 154. vgl. dazu 
Zingerle s. 93 und Freidank 99, 23. — wan manic dinc vertirbet, 
des man nicht enwirbet, daz nimmer verturbe, der ez mit vliae 
würbe 4847. vgl. Freid. 178, 2 und Zingerle 158 f. 

Auch Witz und Humor fehlen nicht ganz. Komische 
Situationen weifs Heinrich auszunutzen 1760 ff. 2129 ff. turnet 
heilst der Lärm im Hause des Marke 2917. Den kleinen Streit 



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zwischen Isolde und Marke nennt er ein kriegeUn 4182. Humo- 
ristisch gemeint ist wohl auch 596 ff. und 1786 ff. Den schmäh- 
lichen Fall Keies nennt er eine lange venje, mit der er den anger 
maz 2094 (vgl. Parz. 174, 30 und Salman und Mor. 503). Spott- 
reden empfangen den unbeliebten Keie 2176 und 2192. 2195. 
Ähnlich ergeht es Kaedin 4956 ff. 4975 ff. — Der Schwank vom 
Schrätel bietet natürlich Gelegenheit zu komischen Situationen; 
besonders 260 ff. Der Bärenführer im Backofen ; 280 ff. Die Angst 
des Schrätels vor der grofsen Katze und ihren fünf Jungen 333 ff. 
Mir scheint aber, das Ganze wäre noch hübscher ausgefallen, wenn 
der Dichter uns das Schrätel nicht als ungehiuren, eislichen Haus- 
geist, der die Menschen vertreibt, sondern mehr als unschädlichen, 
wenn auch boshaften und lästigen Kobold geschildert hätte, wie 
er ja in den meisten jüngeren Sagen auftritt. Doch folgte der 
Dichter wohl seiner Überlieferung und damit dem Vorstellungs- 
kreise seines Publikums. Denn die Vorstellung des Schrätels als 
harmlosen Hausgeistes kann erst in jüngerer Zeit sich gebildet 
haben. 

Die Ironie ist Heinrich nicht fremd. In Isoldens Worten 
liegt sie, wenn sie beim Schachspiel zum ahnungslosen Marke 
sagt abschäch wirt iuch getan : mich dunket, er si aber kumen, 
von dem mir sorge wirt benumen 4160; sie meint Tristan. Bei 
dem Dichter selbst liegt sie, wenn er von der fingierten Krank- 
heit Isoldens sagt ir siuche enwas nicht alzu gröz 4616. 

Von Hyperbeln weifs ich nur die traditionellen Über- 
treibungen anzuführen wie zu tüsent malen sie im den munt bot 
5420 oder die drunzilen stuben zu tüsent stucken in die luft 1747 
vgl. 496 u. ö. Höfische Übertreibung ist auch 2995 ff. 

Euphemistisch heilst es 2262 ein rittet vil nach erlöst 
Mte von dem lebene mich und 3557 daz were ein vil cleinez prisel 
= Schande. 

Ein Hauptkennzeichen des epischen Stiles und nicht zum 
mindesten der mhd. Epik ist die Breite der Darstellung. 
Das Wohlgefallen an dem Stoffe äufsert sich bei allen höfischen 
Dichtern in der behaglichen Breite der Satzkonstruktion, in 
Wiederholungen aller Art, bei manchem aufserdem in der durch- 
greifenden Bildung von synonymen Ausdrücken und in der Vor- 
liebe für Parallelismus (vgl. für Konrad v. Würzb. Joseph in QF 
54, 31). An dieser Breite der Darstellung mag übrigens in nicht 



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geringem Mafse auch der Reimzwang Anteil haben; was sich 
leicht in einem Verse sagen liefse, mufste der Dichter in zwei 
zerlegen, um einen passenden Reim zu finden. Man vergleiche: 
die zit sie (die sunne) mit ir brächte, da bi man wol gedächte, ob 
mans bedenken ivolde, daz man zu äbent ezzen solde 597. — 
Auch unser Dichter zeigt in seinem Stile alle diese Kennzeichen, 
besonders charakteristisch für ihn ist jedoch die Vorliebe für 
syntaktischen Parallelismus. 

Bei der breiten Darstellung durch Wiederholung des- 
selben Gedankens beschränke ich mich auf Anführung einiger 
Beispiele. Der zweite Gedanke fafst oft die Sache spezieller: 
ob dich min lip vermidet und din zu vrouwen enpir 176. von 
Isöten ich wil mich mitalle ziehen und ir minne vliehen 212, 
vgl. 221. 436. 3988. Meist aber wird der Gedanke durch zwei 
gleichgestellte und gleichbedeutende Glieder ausgedrückt: Typus: 
des nam in selber wunder und wunderte in besunder 129. üz 
innenclichem herzen sprach Tristan, des wortes er verjach 337. 
wenne ist die rede geschehen oder wä hat er dir verjehen 413. 
in iren sinnen achte und allez daz betrachte 989, vgl. weiter 74. 
256. 1065. 1115. 1271. 1287. 1396-1403.1506. 3566. 3716. 3841 ff. 
3894. 4315. 4597. 4778. 5060. 5533. 5896. 6260. 6732. — Der- 
selbe Gedanke wird einmal durch ein positives, dann durch ein 
negatives Glied ausgedrückt: sie zwene aleine riten da hin und 
ein mensche nicht mit in 6029 oder swic und sage die rede nie- 
man 3817. — Der Gedanke wird durch ein Anhängsel auf- 
genommen und wiederholt : üf ir beider marke, da ir lant schieden 
sich 2366. her Tristan diser lieben vart vro von ganzem herzen 
wart, daz er ie dar kumen was 4337, vgl. 6700 ff. 

Eine Haupteigentümlichkeit von Heinrichs Stil ist der Paral- 
lelismus des Ausdrucks, die Zweigliedrigkeit. Der Dichter ver- 
wendet dieses Mittel, volle Gedanken, abgerundete Sätze her- 
zustellen, so sehr, dafs fast jeder Vers irgendwie daran Teil 
nimmt. Besonders sind es Synonyma, die für das Bestreben, alles 
zweigliedrig zu gestalten, den Stoff abgeben. 

Ich stelle im folgenden solche parallele Gliederungen 
mit Synonymen zusammen, wobei ich letztere im weiteren 
Sinne verstanden wissen will: 

I. Substantiva: ir natüre und alle ir art 229. Tristandes 
willen und stnen sin 451. meine und minne 470. leit oder unge- 
mach 1379. sin gedanc, muot unde sin 1427, vgl. 491. 564. 567. 745. 



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1270. 1417. 1766. 1784. 2054. 2128. 2343. 2542. 2621. 2743. 2867. 
3133. 3724. 3726. 4137. 4999. 5712. 6702. 6714. — Leg. wisheit 
unde sin 72. jämer unde pin 330. gelücke und seligez leben 574. 
richez top und ere 877. — Schret. des tiuvels välant und sin ge- 
spenste 92. — Ritterf. der pris und der gewin 282. 

In zwei Verszeilen: und leite im sine willekür und sines 
herzen willen vür 335. die tavel houbt noch ende hat nicht weder 
hie noch dort, nindert ecke noch kein ort 1340, vgl. 546. 2339. 
2489. 2869. 6258. 6618. 6662. 6766. 6776. 

Bemerkenswert ist, dafs sich mit dem Parallelismus des 
Gedankens der syntaktische Parallelismus verbindet. Be- 
sonders bei praepositionalen Ausdrücken, so dafs sich in der vor- 
stehenden Sammlung kaum ein Beispiel von praepos. + subst. 
findet, das nicht auch syntaktisch parallel, das heilst mit Wieder- 
holung der Praeposition gebildet wird. 

Substantiva mit syntaktischem Parallelismus: 
wd schcene rede, ivä blüende wort 2. mit aller tat, in alle wis 94. 
ir glastes und ir schines 249. alle sine vuore und alle sin leben 
203, vgl. 277. 300. 467. 689. 988. 1525. 1527. 1598. 2268. 2357. 
2513. 2878. 3325. 3573. 4529. 4586. 5959. 6302. Mit Praepo- 
sitionen: zu vrouwen und zu wibe 1076. in welche riche oder in 
welch lant 1243, vgl. 156. 1085. 1308 f. 1543. 2552. 2909. 3053. 
3555. 3709. 3842. 4261. 5437. 6304. 6709. — Leg. menschlich na- 
türe und menschen art 40. sin leit, sin trüren 171. — Schret. sine 
gestalt und sine gelider 102. zu trutze und zu tratze 326. — 
Ritterf. sin zoum und sin gereite 123. 

IL Adjektiva und adj. Adverbia: gröz und ungehiure 
1057. geblüemet schöne und hübeschlich 1302. so riche und also 
kostelich 1319, vgl. 366. 1109. 1275. 1283. 1335. 1339. 1684. 
1827. 1958. 2213. 2520. 2681. 2969. 3186. 3875. 4341. 4352. 4636. 
4706. 4790. 5419. 5523. 5924. 6255. 6850. — Leg. michel unde 
gröz 283. wise und wol bedächt 576. gewaltic und almechtic 606, 
vgl. 777. 830. — Schret. edel und höchgeborn 9. schcene und woh 
getan 330. — Ritt, michel unde starc 307. 

III. Participia: volwachsen unde wol betaget 98. beruofen 
und besprochen 510, vgl. 884. 1459. 1532. 1549. 1551. 1614. 2900. 
4478. 4481. 4672. 4952. 5213. 6150. partic. praes. wartende unde 
spehende 1686, ähnl. 2727. 3052. 3898. Auf 2 Verse verteilt: ge- 
denkende und mit gedanken wenkende 167, vgl. 3483. 3810. 3909. 
— Leg. gescheiden und gesundert 147. — Ritt, angegagert und 
gekaft 217. 



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IV. Adv. Ausdrücke: sä zuhaut und an der stat 1221. 
sunder sümen sä zuhant 1472. so gar vil und äne zil 2292. die 
wile und an dm stunden 3417, vgl. 5050. 6589. 6674. 6682 f. 

V. Infinitive: stille steigen unde dagen 1297. rumpeln 
unde wandern 2904. toben unde raste wüeten 2907, vgl. 2910. 
4025. 4123. 4294. 4430. 5863. 6351. 6486. 6593. 6839. In 2 Versen: 
4099. 4388. 5056. — Leg. walten unde pflegen 432, vgl. 841. — 
Schret. vüeren unde bringen 81. krimmen unde kratzen 232. 

VI. Verba finita: er mdnnete unde meinete 316. riet im 
und gebot 200. ivant und war sieh 701, vgl. 771. 1031. 1218. 2800. 
3462. 4416. 4801. 5027. In 2 Verszeilen 134. 201. — Leg. treip 
unde stiez 250. gewuochsen und ensprungen 419, vgl. 499. 518. — 
Schret. ez beiz, ez hratzte unde kram 241. sie bizzen unde lummen, 
sie kratzten unde krummen 259. 

Zugleich mit Parallelismus der Form (s. ob. subst.) : 

1. Adjectiva: ebenstarc und rollenJwch 1644. so kleinen und 
so ringen 2860. also viuehte und also naz 3221, vgl. 4000. 4396. 
4667. — Schret. so starc noch so gelenke 107. 

2. Participia: zurizzen noch zutraut 740. ungesungen und un- 
geseit 2130. — Leg. gewickelt und gebunden 320. vertilget und 
vernichtet- 805. — Schret. zustepret und zurüttet 130. zukratzet und 
zubizzen, zuzerret und zurizzen 315. 

3. Infinitive: geblicken noch gesehen 2632. verwerren und ver- 
weben 6885. 

4. Verba finita: nu minne ich dort und meine hie y ich minne 
hie und meine dort 160. üf sich vazzete und üf sich luot 3427. 
vil gevechte und vil gestrite 3900. — Leg. überstreit und übergie 
162. vertreip und verstiez 194. — Ritt, vollenpriset noch volseit 324. 

Aus dieser reichen Sammlung lernen wir die grofse Vor- 
liebe Heinrichs für zweigliedrige Ausdrücke und damit im Zu- 
sammenhange den reichen Gebrauch von Synonymen kennen. 
Diese Vorliebe äufsert sich, wie wir gesehen, auch in der syn- 
taktischen Angleichung verschiedener Begriffe. 

Im folgenden Kapitel sollen nun Ausdrücke verschiedener 
und ähnlicher Bedeutung, die aber im allgemeinen nicht Syno- 
nyma sind, in Rücksicht auf den syntaktischen Parallelis- 
mus zusammengestellt werden. Da die Scheidung von dem 
vorigen Abschnitte nicht immer leicht zu fassen ist, bitte ich 
bei manchem hier eingereihten Beispiele um Nachsicht. 

Der Vorliebe für doppelgliedrigen und parallelen Bau, die 



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schon in altgermanischer Zeit den epischen Stil kennzeichnet 
und zu noch heute lebenden stehenden Formeln geführt hat, ent- 
sprechen schon Beispiele wie: spehen unde riehen, schöne unde 
meisterlichen 17. offenbar und tougen 309. barüne und lantherren 
517. rieh und arm 531. Durch ein (sonst bei Heinrich selten 
gebrauchtes) vorgesetztes beide verbunden : beide ritter unde knechte 
519. — Leg. volc und vihe 500. tvip und man 737. 780. gröz und 
wunderlich 620. stuonden unde bluoten 630. — Schret. wit und 
tvunnesam 44. herze und öre 2. bier und bröt 154. — Öfter treten 
zwei Paare solcher Glieder einander gegenüber: schilt und heim, 
swert unde sper 3219. tvip noch man, Aiser noch der 4755. man 
und vrouwen, junc und alt 5156. 

I. Die einfachste Form ist die Verbindung der Glieder 
durch den Artikel. Bei ungleichem Geschlechte: der her- 
zöge und die herzogin 409. 427. 1125 u. ö. der künic und die 
künigin 1981. 2534. 2559. dem herzen und dem muote 1655, vgl. 
2760. 3011. 4019. 4036. 4863. — Schret. des hüses und des hoves 
89. die schüzzeln und die topfe 111, vgl. auch 162. 250. — Auch 
bei gleichem Geschlechte: die alden und die jungen 530. die sivcre- 
sten und die ringesten 514, vgl. 518. 675. 2415. 3999. 4368. 4862. 5224. 
6772. 6830. 6840. — Schret. sam mir daz öchsel und dazjoch 328. 

IL Das Possessiv-pronomen ist das Verbindende: gar 
siner tat und siner teere 81. irem vater titid ir muoter 459. iren 
gebrechen und ir not 988, vgl. 1421. 3827. 5839. 6884. — Leg. 
min vater und min muoter 292. den eitern din und den nächkomen 
sin 351. — Schret. min gesinde und al min vihe 122. er und sin 
tvip und sine kint 351. 

111. Die Verbindung wird durch das Attribut hergestellt: 
mit aller tat, in alle ivis 94. vür alle megde, vür alle tvip 364. 
des lieben tages, der lieben zit 467. die beste spise, den besten win 
537, vgl. 548. 705. 1855. 2585. 2666. 4038. 5322. 5428. 5828. — 
Kunstvoller, wenn die adjektiva verschieden gewählt sind; so: 
sin höhez adel, sin edele jugent 56. vollen wird und grözen schaten 
1158. trüt geselle, hübscJier kneeht 1351. der süezen küniginne, der 
blunden Isöte 1422, vgl. 2505. 2783 ff. 3339. In freierer Weise: 
der triuwen stic, der züchte pfat 58. Isöt die maget, Tristan der 
man 1106. sin neve Tristan, sin wip Isöt, sin tvip Isöt, sin neve 
Tristan 6676. — Leg. welcher ivise, in welcher not 843. von aller 
sueht, von aller pin 570. — Schret. durch iuwer Iwmsclieit und 
durch iuwer zueid 134. ovenbret und ovensteine 113. 



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IV. Die Wiederholung derPraeposition bildet parallele 
Ausdrücke: mit herzen und mit ougen, mit rede und mit geberden 
310. v'ür vater und v'ür muoter 395. Ebenso 469. 555. 595. 652. 
732 f. 885. 1157. 1538. 1612. 3329. 3330. 3353. 4350. 4714 4969. 
5285. 5317. 5920. 6242 f. 6324. 6869. Mit Wechsel der praepos. 
üf dem hüse oder in der stat 573. durch holz und über gevilde 
3575. — Leg. äne zal und äne zil 742. — Ritt, von dem künige 
und von den roten 294. 

V. Auch gröfsere syntaktische Verbindungen werden 
parallel gebaut: an manger ritterlichen schar und an manger 
vrouiven dar 557. umb ir megetlichen ruom und umb ir blüenden 
magettuom 689. weder daz megetliche nein noch daz ivipliche ja 
874, vgl. 1935. 2400. 3151. 4402. der die hosen, der den schuoch 
2913. von im gein ir, von ir gein im 2643, vgl. 2363. 2721. 2919. 
5699. 6587. — Aus der Legende 2 ff. 84 f. 425 ff. - Schret. an 
adele sime genözen, an richeit dem grözen und an gewalt dem 
starken 11, vgl. 236. 257 f. 321. — Ritterf. meisterlich gezieret, 
prislich gefurrieret 115. gelsiden unde ivol geivorcht 135. 

VI. Die Vorliebe Heinrichs für diesen Stilgebrauch dehnt 
sich auch auf ganze Sätze aus. 

a) in einer Zeile: ez mir gebot und mich sin bat 57. des 
nam sie minder und tet ir not 966, vgl. 2266. 2379. 3296. 5011. 
5315. 6587. Mit Kreuzstellung: der tae vergienc und quam die 
nacht 5341. üf sie sluoc er und stach in sie 6269. — Leg. daz 
man in üf zöch und ab nam 711. Mit Kreuzstellung: den tot 
äzen unde liden not 361. — Schret. swie groz er si, swie starc 
sin clage 100, vgl. 229. 265. 323. — Ritt, der ritter viel, der melm 
dö stoup 276. 

b) Der parallele Satzbau dehnt sich über mehrere Verse 
aus. Dafür lassen sich ganze Versreihen anführen : wol geblüemet 
und wol geberlt ist siner blüenden v'unde kränz, vil reine, lüter 
unde glänz ist siner richer künste Iwrt. die toten mit den töten 
dort, die lebenden mit den lebenden hie 34 ff., vgl. für diesen aus- 
gedehnten und kennzeichnenden Gebrauch v. 321 ff. 485. 868. 
895 ff. 983 ff. 1102 ff. 2093. 2592. 2735 ff. 3639 ff. 5103 ff. 5121. 
5171. 5865. — Leg. den boum er da mit umbegreif und in da 
mit gar raste bant 636. Mit Kreuzstellung: dar an man in sluoc 
und marterten in dar an 870. — Schret. sie bizzen unde lummen, 
sie kratzten unde krummen 259, vgl. 183 ff. 252 f. — Ritt, ndeh 
ritterschefte strebten, mit steten triutven lebten 27. 



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Mit anaphorischer Wiederholung eines Begriffes: iet- 
weder mir in herzen liget, iet weder hat an mir gesiget 151. er 
wolde ir beider haben nicht und wolde ir eine doch nicht hin 186, 
vgl. 96-106. 503. 1430. 1453. 1756. 2214 ff. 3144 ff. 4186. — 
Schret. dem bereu ez aber einez sluoc, der ber im aber daz ver- 
truoc 217, vgl. 134 ff. — Ritterf. dar in gestecket schone vergulter 
gires vedem vil, dar an gehangen äne zil von golde ivunnenclich 
talier 128. 

Diesem durchgreifenden Bestreben des Dichters nach Aus- 
bildung der Ausdrücke und der Sätze in parallelen Gliedern 
treten nur wenige störende Fälle entgegen. Und man sieht 
deutlich, dafs dann ein äufserer Grund für diese Unregelmäfsig- 
keit vorhanden ist; meist ist es die Notwendigkeit, den Vers zu 
füllen oder ein passendes Reimwort zu finden. So tritt Belastung 
am Versende, also im zweiten Gliede ein. sun and lieber eidem 
min 498. ir wille, ir megetlicher muot 759. lop und hohe wirdc 
2000. in schiffen und uf mangen wagen 536, vgl. 1426. 1659. 2867. 
3125. 3904. — Bei zweigliedrigen Ausdrücken wird der zweite 
Teil öfter auch nach gemeinmittelhochdeutschem Gebrauche durch 
oueh beschwert: von pfelle und mich von siden 569. mit rate und 
auch mit Ure 1543. 2343, vgl. 5482. 5497. 5598. — Ritterf. 326. 
Auch in gröfserem Zusammenhange: getengelt wart daz gr'üene 
gras und auch die bluomen under in 1782, vgl. 5322. 

Über die Behandlung dreigliedriger Ausdrücke merke 
ich folgendes an: Im allgemeinen treten nicht drei Glieder ohne 
oder mit Verbindung nebeneinander, sondern unde tritt zwischen 
die beiden letzten; um den Vers zu füllen, wird dieses Glied 
auch noch durch ein adj. beschwert: manheit, triuwe und 
milde 71. min sin, min herze und min muot 491, vgl. 1427. 3574. 
4488. 5610. 6489. 6857. moraz, clarH und guoten ivtn 4802. 6871. 
vil reine, lüter unde glänz 36, vgl. 366. 426. 1470. 4685. 6255. 
liset, singet unde seit 1218, vgl. 4294. 6486. 6839. — Leg. sin 
leben, sin ivesen und gestalt 21. 266. — Schret. bizen, krimmen 
unde kratzen 232, vgl. 108. 155. 156 f. 241. 331. — Ritt, leint, 
man unde vrouwen 151. 

Abschlief send können wir sagen: Ein Hauptkennzeichen 
von Heinrichs Stil ist seine ausgeprägte Vorliebe für den Ge- 
brauch von Synonymen und, damit im Zusammenhange stehend, 
sein Hauptmerkmal der syntaktische Parallelismus. In diesem 
Punkte stimmen alle Heinrich zugeschriebenen Dichtungen überein. 



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42 

Wir mufsten bei kritischer Auswahl der Beispiele aus dem Tristan 
180 Fälle anführen, aus der Legende 18, aus dem Schwanke 27, 
aus der Ritterfahrt 8 Fälle — und von diesen erstrecken sich 
manche über ganze Versreihen. Besonders der Schwank vom 
Schrätel ragt mit seinem durchgreifenden Gebrauche der paral- 
lelen Satzbildung hervor. Die Legende tritt in diesem Punkte 
etwas zurück, wenn sie auch durch zahlreiche Ansätze sich als 
Werk Heinrichs kundgibt. Wir finden hier aber öfter Fügungen, 
die sich geradezu als Variatio bezeichnen lassen ; man vergleiche 
der eine sun hiez Käin, so was der ander Abel genant 118, ähnl. 
372, vgl. 238. 

Der dem Mittelhochdeutschen vorzüglich eigentümliche Ge- 
brauch der Umschreibung findet sich bei manchem Dichter in 
ausgedehntem Mafse, so bei Wolfram, vgl. Kinzel, Zur Charakte- 
ristik des Wolfr.- Stiles. Diss. Halle 1873. Bötticher, Über die 
Eigentümlichkeit, der Sprache Wolfr. Diss. Wien 1876. Für Konr. 
von Würzb. bei Joseph QF 54, 37 ff. 

Allgemein gebraucht ist die Umschreibung eines pers. pron. 
durch llp, Trist. 176. 423. 507. 3489. 6515. 6737. Leg. 113. durch 
herze 70. 772. 1666. 1888. 2861. 2870. 3341. Ritt. 318. durch sin 
54. 1020. 1493. 2090. 2720. Schret, 47. 199. Ritt. 48. durch muot 
1006. 1134. Ritt. 298. durch munt 1039. Leg. 398. Ritt. 46. 300. 322. 

Der zu umschreibende Begriff steht im Genitiv bei dem 
Substant. lip: Isöten lip 3012. wibes lip 3917. 3962, vgl. 208. 
363. 371. 6490. bei mttnt: manges heldes 1987. 6488. hant: 
Kurvenäles hant 6816. endlich: des edelen küniges herze. 
Ritterf. 205. 

Der zu umschreibende Begriff steht als Adjektiv bei 
dem betreffenden Substantiv: von manger edelen zungen 529. ein 
vrölich Jierze 570. min swacher lip 3913. mit siner sigeberm hant 
103, vgl. Ritt. 259. uz siufzendem Jterzen 2827. üz listigem herzen 
3514. üz stolzem munde 1843. Auch andere Ausdrücke ähnlicher 
Art lassen sich hier aufführen : mit dienstlichen dingen 325. dinen 
vürstlkhen pris 340, vgl. 360. 719. 4799. 5814. 6182. Ritt. 329. 
ir megetliclien ruom 689. 727. von manger edelen geburt 923. näcfi 
herliclien siten Ritt. 56. 148. mit vriem muote Ritt. 75. 120. 

Hieher zu stellen sind auch Personifikationen wie: sin 
höhez adel y sin edele jugent gebot 56. sin ellenthafte jugent erwarp 
2004, vgl. 1660. din hnthcit räch 1889. sin manheit erstreit 2018. 
iuwer minne hat gegeben 284. din ellenthafte hant liät erstriten 



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43 

1990. 2054. diu gotheit hat gescliaffen Leg. 13. din Menschheit er- 
streit Leg. 80. 

Ein Pronomen wird durch herze im Genitiv umschrieben: 
suis herzen vromve 685. mines herzen ger 1048, vgl. 64. 344. von 
ir heider herzen guft 1748. mit innerliches herzen ger Leg. 102. 
stnes herzen gir Ritt. 111, vgl. 237. 

Ein Attribut wird durch einen ganzen Satz umschrieben: 
dem lwer eren vil gezam 88. an dem vil Jwer eren lac 901 u. ä. 

Im folgenden bespreche ich noch eine besondere Art von 
Umschreibungen durch Substantiva, die dem Mittelhochdeutschen 
charakteristisch sind und im Neuhochdeutschen meist unübersetzt 
bleiben müssen. Es wird zur Umschreibung ein allgemeiner oder 
den Begriff steigernder Ausdruck gebraucht : in sins Jierzen grünt 
78. 495. teer liebe pflicht hat 141. menschen bilde 3506. uz künic- 
liches sinnes kraft 1315, vgl. 2530. Leg. 763. an der rechten mäze 
zu Leg. 704. Solche Umschreibungen mit kraft, zil, name, site 
sind Wolframs Stil eigentümlich, vgl. Kinzel 32 ff., Joseph, QF 
54,33 für K. v. Würzb. — Das zur Umschreibung Gebrauchte 
gibt ein charakterisierendes Merkmal des Umschriebenen: gib mir 
rätes stiure 354. äne allen zivivels smerze 1670. 4864. zu grözes 
Iwiles tvunne Leg. 546. — Oder endlich die Umschreibung bringt 
ein bereits im umschriebenen Begriff liegendes Merkmal : in mines 
sinnes gelinge 27. spches sinnes list 1330, vgl. 886. 899. 4701. 
6312. — Leg. uz reines herzen sin 124, vgl. 130. 498. 518. — 
Ritt, mit viures vlammen 164. 

Umschreibung des Zeitwortes. Die Tätigkeit wird 
durch ein Hauptwort mit einem Hilfsverbum ausgedrückt : ez tvas 
zu mäze dem man 1645. ir rechter vriunt mit huse was = wohnte 
5014, vgl. 1778. 3212. Umschreibungen durch pflegen: vröuden 
gepflegen 2035. gevertes 1699. rede 2290. släfes 2664. 2710. 2716. 
4946. Schret. 184. sanges 5448. gedankes 3735. triuwe 6352. 
weinens 6405. sargen 6158. Schret. 7. sterbetis 6263. lebens 803. 
triegens Leg. 607. Im weiteren Sinne: ritterschefte irflegen 2033. 
kurzewile 2798. wiplicher siten 6059. 

Das verbum wird durch einen bildlichen Ausdruck im wei- 
teren Sinne des Wortes umschrieben: strit geben 1724. daz ros 
mit den sporn nemen 1739. sich niüich tragen 1749, vgl. 2020. 
mit volle sich ergeben 1752. manheit begän 2028. ml vräge tuon 
2140. des grözen tmrtes gewahen 2205. zu Intoze stän 1004. sechs 
wochen stän 2282. der Hute muntschal werden 2734. vil der eren 



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44 

absteht 3026. an den rät kamen 3060. kündikeite vol sin 3467. sinen 
lip verzern 3728. die rede in den muot vähen 3815. Schildes ampt 
gewinnen 3894. gröze not stellen 4052. sich üf die vart heben 4360. 
4363. vil triuiven walten 4593. munheit walten 6048. unibevanc 
geben 4991. mit dem stierte umbegän läzen 6249. 5219. — Leg. 
in der huote haben 179. in trachte stän 390. daz ende nemen 410. 
526, vgl. 413. — Schret. die rede kamt eben 346. — Kitterf. in 
ritterl. schine riten 169. daz im des siges wart bekant 260. mit 
gedanken dö behaft wart 204. 

Zugleich mit Personifikation: sin herze grözer mmiheit 
irnelt 1712. die wirtscliaft ende nam 985. 1094. der mantel sich zur 
erde erbot 4496. im wonet gröze manheit bi 5644. — Ritt, tam- 
büren gäben säezen schal 177. dm ritterlicher muot nie gemeit 224, 
vgl. 118. 124. 

Heinrich kennt auch die Umschreibung eines verb. durch sein 
partic. praes. mit wesen: ir minne ivas in vestende und sterkende 
üf menlkhe tat 1628. Ebenso 1234. 1685. 1653. 2166. 3051. 6514. 
6629. 6653. 6782. bin ich lebende, bist du gebende Leg. 69. Dazu 
noch bezeichnende Beispiele mit werden : er wart wandern 6608, 
wohl auch Ritt. 231. Vergleiche dazu Bech in Zft. f. d. Wortf. I. 
81 — 109, wonach besonders das md. Sprachgebiet reich an solchen 
Bildungen erscheint. Für den Nachbar Heinrichs Ulr. v. Eschenb. 
vgl. z. B. Alexand. 22600. 24635. 25046. Auch sonst verwendet 
Heinr. das Partic. in attributiver und praedicativer Stellung 
gerne, vgl. 1209. 1233. 1627 u. ö. Leg. 825. 

Ich spreche anhangsweise noch über die wechselnde Be- 
zeichnung, die einzelne Personen erfahren. Tristan ist des edelm 
liiwalines bam 304. 1508. Ohne dafs der Eigenname genannt 
wird, 2249. 4022. 5606. 6735. Ebenso des stolzen Biwalines kint 
1569 oder mines h/rren erendiej), Trist. 5544. Ahnlich heilst 
Isolde die küniclkhe geburt 3262. die künicliche vrucht 4640. Auch 
sonst wird der Eigenname vermieden und ein Relativsatz zur 
Kennzeichnung eingeführt; so für Isolde: der, die im an der süen 
lac 967. die ich in herzen kroene 4014. Oder der Eigenname folgt 
nach : den Foitenant lieplich erzogen hete, der crenriclie Trist. 5484. 
Ähnl. 6414 ff. Es wird also durch den Relativsatz etwas sehr 
bekanntes gekennzeichnet, ohne es zu nennen: ob er mich lät so 
lange leben, der lip und leben mir hat gegeben 51, vgl. 1071. 1780. 
Parz. 181, 25. 202. 21. Dafs Heinrich sonst auch in solche Namens- 
einförmigkeit Wechsel zu bringen weils, sieht man aus Beispielen 



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wie der Benennung desselben Schiffers: ein mamer 4057; der 
icazzerman 4080t; der schifman 4094 oder des beren meister Schret. 
32; des beren pfleger 33; der rillän 50; der Norman 61. 

Dafs Heinrich ein besondere Vorliebe für Verkleinerungs- 
wörter hat, ist oft hervorgehoben worden.') Wir haben eine 
stattliche Sammlung aus dem Tristan: amisei, biuchel, blüemelin, 
brievel, brierelin, brüstet, drunzel, engerlin, gelüstet, gugelin, heftet, 
hehnel lielselin, hinsei, hornelin, hundel, hundelin, kindel, lande- 
lin, kirchel, kliusel, kUrzel, knebelin, komelin, kreftel, krenzelin, 
krieget in, kunigelin, küsse) \ küsset in, memiel, mundelin, norzel, öre- 
ivetschelin, pf eitel, pfortelin, prisel, risel, rosset, schiffe!, schiffet in, 
stete!, ströel, (Tantrisel), vingerlin, vogelin, vriundel, wengel, uezzerl, 
uezzerlin, wörtel. Von den kürzeren Formen auf -et stehen im 
Reime: amisei, brüste!, gelüstel, hiusel, kliusel, kla'zel, ncpzel, pf eitel, 
prisel, risel Aus der Legende ist anzuführen: gertel, gertelm, 
kindel, kindelin, kömel, komelin, tüechet, tüechlin, zisterlin. Die 
Beispiele aus dem Schwank verzeichnet in Vergleichung zu denen 
aus dem Tristan Wiggers s. 31, welcher anführt: sehr et el, keppel, 
vleisclwl, Übel, ivichtel, öchsel In den 320 überlieferten versen 
der Ritterf. tritt uns diese Erscheinung nicht entgegen. Ent- 
weder liegt dies im Stoffe, Darstellung der rühmlichen Tat eines 
Gönners, was jene gemütlichen Verkleinerungen ausschlofs, oder 
die Überlieferung hat einzelne Beispiele getilgt. Übrigens kann 
bei dem geringen Umfange des Gedichtes auch das völlige Fehlen 
dieser Erscheinung nicht auffallen. — Den Gebrauch der Ver- 
kleinerungswörter auf -lin pflegt man den obd. Mundarten zu- 
zuschreiben. Doch ist ihre Verwendung für die Zeit unseres 
Dichters und bei seiner weitgehenden Rücksicht auf die Literatur- 
sprache nicht mehr auffallend. Ebenso nicht mehr für heutige 
Mundart. In dem mitteldeutschen Nordböhmen speziell ist die 
Verbreitung und Verwendung solcher Deminutivbildungen auf 
-el auch dort, wo kein äufserer Anlafs zur Verkleinerung vor- 
liegt, eine unglaublich grofse. 

Gleich Gotfried und Wolfram und anderen sprachkräftigen 
Dichtern hat Heinrich eine Neigung für seltene oder neue Wort- 
bildungen, die oft treffend und anschaulich sind, erbenöt 2718. 
erbespil (von Trist, und Isoldens Liebe gesagt) 3029. 2 ) minnen- 

l ) Vgl. Wiggers, Heinr. v. Freib. als Verfasser des Schwankes. Diss. Rostock 
1887, s. 30 und Zs. f. d. Philol. 35, 140 f. 

*) Vgl. Gotfr. erbesmerze 19131. erbeminm 19183. 



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diej) 5658. überleit 6224 (Hs. gebraucht ebd. iibersmerze)*) ivän- 
brüt 850 (vgl. Gotfr. 2171 wänbruoder). icilletöre- 5192. die siebe- 
lialderinne = Minne 2748 (vgl. Gotfr. 959 diu geualtatrinne, diu 
s'ueruerinne 17540). einecliche (= unverwandt) 2637.3433. dazjdmer- 
zil 48 ist eine Neubildung Heinrichs, ebenso urklein 2693, minnen- 
veige 6535, minnetot 6577. 6603. redegenöz 4411. sturmrüscliende 791. 

Participia durch oZ- verstärkt finden sich häufig: alsiufzende 
344. 1045. 2309. 3616. 6705. alweinende 3150. 6781. allachende 
5179. ahUezende 3211. ahvallende 5291. 

Eine sprachliche Erscheinung will ich hier nicht übergehen, 
die zwar nicht Heinrich allein angehört — ich vergleiche z. B. 
Gotfr. 2559 f. 9031. 15774. 16209. 16684. 17145. 17261. Parz. 
339,16. 432,9. Ulr. v. Eschenb., der sie besonders gerne ver- 
wendet, vgl. Alex. 3473 f. 3673. 4482. 4627. 16717. 17873. 21546. 
21635. 23495. 25663. 26946 — aber doch so oft auftritt, dafs 
sie als ein Kennzeichen von Heinrichs Stil mit zur Stilbeschrei- 
bung gehört. Es sind Praepositionalausdrücke, von denen 
zwei oder mehrere zusammentreten, um eine einzelne Handlung 
in ihre Momente zu zerlegen und so anschaulich zu machen. In- 
soferne tragen sie zur Breite der Darstellung bei. Ich führe 
nur jene Beispiele an, in denen beide praepos. Ausdrücke in einer 
Zeile stehen und Ortsbestimmungen sind: ahm die stat Af daz 
velt 568. vor dem tan Af dem plan 1710. durch die stat gein Jwve 
1960. uz dem satel Af den sant 2120, ähnl. 1314. 1429. 1573. 1969. 
2077. 2328. 3200. 4079. 4316. 4704. 4782. 5007. 5676. 5795. 6032. 
6080. 6154. 6447. 6466. 6474. 6501. 6668. 6680. 6711. Auch durch 
mehrere Verse: von der Jterbergen sän gein der äventiure tan hin 
Af daz wunnencl&he velt 1673 oder Az dem hage über daz velt 
zu der vrouwen in daz gezelt 4767. — Aus der Legende: zu 
Jerusalem in der stat 654. zu Kalvarie an die stat 868. durch 
die erde an den grünt 327, vgl. 425. 428. (Auch sonst diese Zer- 
legung der Umstandsbestimmung vgl. 222. 788. 814.) — Aus dem 
Schwanke: von stade Af den sant 30, vgl. 26. 28. 85. 128. 

Heinrich gebraucht wie viele mhd. Dichter, um die Dauer 
eines Zustandes oder einer Handlung zum Ausdrucke zu bringen, 
dasselbe verbum im praesens und praeterit. ; so blibet dln s wester 



*) Vgl. Ulr. v. Türlin, WUleh. XCV. 13 überteil Bildungen wie über- 
genöz, überlast, überleit sind ja häufig; vgl. z.B. Ulr. v. Eschenb. Alex. 5592. 
15867. 17929. 25579. 27539. 



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tnaget und ist bliben 3954. der mir ist liep und ie liep was 4323. 
dem ie zam und zimet lop Leg. 876. 

Charakteristisch sind auch Gegenüberstellungen zweier Ge- 
danken in einer Zeile, wie der künic reit hin, der töre bleip 5315. 
er bleip, hin reit der künic guot 4200. er mente sin ochsen, hin 
treip er Schret. 309. der ritter viel, der melm dö stoup Ritt. 276, 
vgl. Trist. 4054. Schret. 34. 299. 

Dafs eine Satzbestimmung durch ein pronomen vorweg- 
genommen wird, ist volkstümlich geläufig und auch mittelhoch- 
deutsch nichts auffälliges; doch sind die Fälle bei Heinrich recht 
häufig: da sie saz die kiinigin 3534. 5162, ähnl. 584. 2775. 4601. 
5803. 5850. Auffälliger liez der künic beizen einen rösendorn 
Marke 6823. Auch in obliquen Casus: durch ir edele minne der 
Munden küniginne 6457. — Aus der Leg.: an Abels stat sie 
enpfienc einen sun Eva zuhant 152, vgl. 410. 434. 603. 701. got 
nam sines opfers war Abels 126, vgl. 416. 586. 819. — Aus der 
Ritterf. : ir minne in betwanc Sigünen 36. 

Von besonderen syntaktischen Erscheinungen erwähne ich 
die Ersparung des pers. pronomens in einem mit und an- 
geknüpften Satze, oft wenn im vorangehenden das Beziehungswort 
in einem obliquen Casus steht ; vgl. Paul Mhd. Gr. 6 § 381. diz 
allez Mte Kurvenal wol vernumen und ivas im kunt 1616, vgl. 
gestriten Keie hat und ist im von der haut geslagen (daz gehilze) 
2202, vgl. 177. 1345. 2614. 2938. 5042. 5203. 5639. 6070. 6333. 
6461. 6509. — Leg. die stimme gienc den Juden in und horten 
sdn 759. — Wechsel des Subj. : dar an man sluoc und marterten 
in dar an Leg. 870. — Elliptisch steht im Trist.: sie liezm 
(die hunde) zu einem hirze 2391. Allbekannt: die ors läzen 2117, 
vgl. Ritt. 250. Wir finden also von dem häufigen Gebrauche der 
Anakoluthie und Ellipse, der Wolframs Stil kennzeichnet (Böt- 
ticher s. 34—46), bei Heinrich nichts von Bedeutung. Ein äno 
xoivov ist 5561 : unz daz er sach Tristanden an er rief und sprach. 
Es ist dem volksmäfsigen Gedicht geläufig z. B. Nib. 51,3. 881,3. 
1371, 3. 1384, 3. Haupt zu Erek 5414. Für Wolfram Bötticher 
s. 31. — Im ganzen wird man das Fehlen solcher aus der Um- 
gangssprache eindringender Konstruktionen, die die Klarheit der 
Diktion beeinträchtigen, dem Dichter zum Lobe anrechnen. 

v. 6417 und 6424 , die Bechstein in der Anmerk. zur Stelle anführt, 
sind nicht hieher zu rechnen, sondern einfache Anknüpfungen mit unde unter 
Auslassung des in anderem Casus zu ergänzenden relat. pron. 6431 ist den 
durch und in ausgedrückt mit Wechsel des grammat. Subj. Ähnl. 6459. 



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Zur Belebung der Erzählung wird mit grofser Vorliebe die 
rhetorische Frage benutzt. Heinrich folgt da seinem Muster 
Gotfried und verwendet sie wie dieser (Preuss, Straf sburger 
Studien I. 33 f.) zur Einkleidung eines negativen Gedankens oder 
um einen neuen Gedanken einzuführen, wie es alle höfischen 
Dichter lieben. Schon der Eingang des Werkes bietet eine Reihe 
solcher Fragen. Die Rede wird dadurch lebhafter, das Interesse 
des Hörers wird geweckt, öfters wird eine starke Verneinung 
bezweckt: betriebet? sprach ich also? 465. gelac er? ja. wer? 
her Trist 773, vgl. 2685. 2745. 3216. 6256. 6537. 6558. uar ez 
quam, wer tceiz daz? Schret. 275, vgl. Ritt. 302. — Um einen 
guten Übergang zum folgenden herzustellen : ivas nü der herzöge 
tuo? 533. ei y ivä quämen sie nu hin? 3318. ei, icaz tuot nu her 
Trist, 3676, vgl. 1961. 2772. 3348. 5015. 5022. 5672. 5697. 6234. 
Manchmal wird die Frage vom Dichter selbst durch ein kräftiges 
nein! beantwortet und mit der Antwort die Erzählung weiter- 
geführt 1760. 2625. — Sehr gern verwendet Heinr. die rheto- 
rische Frage auch, um abbrechen zu können, weil er nicht ein- 
gehender werden will oder kann: icaz rede ich oder tvd teil ich 
hin? 293. icaz sol diser rede nie? 441. icaz sol ich lange hie von 
sagen? 501, vgl. 617. 647. 889. 951. 958. 3001. 3526. 3713. 4037. 
4055. 4659. Besonders geschickt 2576 ff. Vgl. noch aus dem 
Schwanke 296: zu ril geredet, icaz touc daz? 

Eines der Mittel wirksamer Darstellung, ein Mittel, zu ver- 
anschaulichen und Interesse zu erwecken, ist im Mhd. der Ge- 
brauch der Negation. Ihrer mannigfachen Verwendung bei 
Heinrich soll hier ein kleiner Abschnitt gewidmet werden. 

I. nicht, sunder, äne* a) Wir treffen sunder und äne 
in Verbindung mit einem Substantiv, um den entgegengesetzten 
Begriff gesteigert auszudrücken. „Ohne Hafs" = mit Liebe. So: 
sunder haz 475. 3977. sunder dum 1769. sunder ile 1581. Der 
zu steigernde Begriff ist aufserdem vorangestellt: mit vröuden 
sunder leide 1575. mit vröuden äne plne 4931 (vgl. Wolfr. 137, 20 
aheeinende sunder lachen), sunder tadel 1372. sunder vräge 1415. 
2789. sunder sumen 1472. äne zil 1143. 2292. 2578. 4039. 6484. 
Leg. 566. 600. 742. 832. Ritt. 130. sunder zil 1240. 2186. 6077. 
Leg. 267. äne zal 742. äne zwivel Ritt. 39. äne tadel Ritt 283. 
äne Jutz Ritt. 325. 

b) nicht steht mit einem Begriff verbunden, um dessen 
Gegenteil auszudrücken. Meist tritt vor den Begriff noch eine 



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Steigerungspartikel : nicht alzu lüte = ganz leise 3787. nicht über- 
lanc = sogleich 4560. nicht lanc 1770. 5948. Ritt. 206. nkht gar 
verre 4621. nicht alzu groz 4616. nicht alzu we 6087. 

c) nicht äne wird gebraucht, um den doppelt negierten 
Begriff zu steigern, nicht äne zorn 3815. 

d) Ein Begriff wird zur Verstärkung mit seinem negierten 
Gegenteil verbunden (bei Wolfram formelhaft, vgl. Kinzel 12): 
lüte und nicht lise 589. 5355. offenbar], nicht tougen 4816, vgl. 
1828. 1878. 2154. ein grözer, nicht ein kleiner Schret. 18. — der 
tiuvel, nicht ein man 2210. in zit und nicht zu späte 2854, vgl. 
1613. 2403. 6799, ähnl. daz ros traf er nicht an die huf, er traf 
ez an daz houbet 5590. — gebieten und nicht biten 2500. 

II. Gebrauch von adjectiven und adverbien, welche 
ein Freisein von etwas, ein Geringsein ausdrücken. Sie werden 
verwendet, um eine starke Negation des Begriffes, bei dem sie 
stehen, zu bewirken. Bei Wolfr. Manier, Kinzel 3 ff. Heinrich 
verwendet folgende: vri: valsches wie 447. 668. 5048. 5486. 
6748. wandeis vri 482. 4500. 5458. 5757. wir sin der reise vil 
wol vri 2439. aller geste vri sin 6132. Eine andere Bedeutung 
hat die Wendung muotes vri Ritt. 175. — iveise: der aller ich ein 
weise bin 6. der valscheit ein weise 1350. — eine: wandeis eine 
6362. — enlende: der vröuden enlende 6726, vgl. Parz. 262,28. 
320,11. — lützel: ein lützel schinen 1955, vgl. 4818 und Ritt. 
266. — la#: Js. mit rede nicht zu laz ivas 3784. — kleine: er 
leit kleine swere 5269. er sümte kleine sinen ganc Schret. 35, ähnl. 
Schret. 168. Hieher gehört auch das adj. tot in derselben Be- 
deutung wie vri: Isöten an sorgen gar die töten 642. Isöten an 
vröuden nicht der töten 5426, vgl. Wirnt, Wig. 10 468 an vröuden 
tot; ebenso Ulr.v.Türh. 534,35. Parz. 255,20 Zur Konstrukt. 
vgl. z. B. Parz. 66, 12. 413, 2. 427, 8. Willeh. 102, 26. 

Zu diesem Gebrauche ist noch zu stellen: des getichtes bin 
ich ein erbelöser man 9. Auch min kranker sin 2542, vgl. 
Parz. 529,13. Auch Mint: du bist an witzen bl 5088. 5128, 
vgl. dazu Kinzel, s. 18. Bötticher 61. Endlich blö«: rinden unde 
loubes was der bäum blöz Leg. 284. Auch das subst. gast ge- 
winnt dieselbe Verwendung: sie was gedanken nicht ein gast 695. 

HL Hier behandle ich die bildliche Verstärkung oder 
Umschreibung der Negation durch Verwendung gewisser substan- 
tiva. Heinrich kennt davon wicht : swaz von jagen ist gesaget, 
daz ist ein wicht 2791, ebenso 6217. Ritt. 316. wint: swaz ich 

Bernt, Heinrich Ton Freiberg. d 



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50 

ie gestielten wart, zwar daz ist ein ivint da wider 2214. körn: 
Tr., der untriuwe nie gewan alsam ein hirsenkornelin 3146. här: 
ntt enweste ir iegliches sin nicht umbe ein här 2090. der untriuwe 
ie gewan so breit sam ein gespalden här 1384. böne = bunne 
(darüber in der Behandlung der Sprache) ich rase nicht ein bunne 
5399. Als Vorbild in diesem Gebrauche hatte er Gotfried, der 
darin unter den mhd. Dichtern obenan steht, s. Preuss 65. 

IV. werden gewisse negierte Verba derart mit einem (durch 
ne- eingeleiteten) Nebensatz verbunden, dafs dieser abhängige 
Satz den Hauptgedanken enthält und das Hauptverbum nur zur 
Umschreibung dient (Antiphasis): des mochte sin kein rät, er 
enmüeste in ritterlicher tat wem 1609. mochte sie des nicht ge- 
haben wider, sie enmüesten vollen 1767, ebenso 2380. Ritt. 318, 
danach zu beurteilen 1164. — Der Nebensatz wird mit daz ein- 
geleitet: ob in des nicht beträgete, daz er mich ichtes vrägete 813. 
nicht lange wart gespart, daz der künic hiez sich zieren Ritt. 206. 
Die Konstruktion kommt auch zur Negierung eines substan- 
tivisch ausgedrückten Begriffes vor: daz wir die reise nicht en- 
sparn 4287. der zit sie wminc dö verdröz 4412. Isöt des hundeis 
Meine verdröz 4581. — Bei Wolfr. ist die Antiphasis Manier ge- 
worden s. Einzel s. 5 ff. 8 ff. Die Beispiele für Eilhart bei 
Lichtenstein CLXXIEL 

Im folgenden bespreche ich die rhetorischen und poe- 
tischen Stilmittel des Dichters; über die rhetorische Frage 
s. S. 48. 

In der Antithese werden Worte, die miteinander in schein- 
barem Widerspruche stehen, verbunden oder einander gegenüber- 
gestellt, um dadurch den Gedanken schärfer hervortreten zu 
lassen. Heinrich hat dieses Stilmittel nicht in dem Mafse wie 
Gotfr. ausgebildet (s. Preuss s. 17). Es gehört dazu eine erhöhte 
Gabe des Witzes, die Fähigkeit, bei scheinbar Widersprechendem 
einen gemeinsamen Berührungspunkt zu finden. — Zwei wider- 
sprechende Begriffe werden in derselben Zeile gepaart: Isöt 
miner vröuden tot 2318. der lac vor leide in liebe tot 6420. vgL 
6428. 6436. 6448. 6464. 6472. wünschen — gebeten werden 442. 
gebieten — biten 2500. 2989. er ist tot bi lebendigem leben 282. 
warumme gelac er lebender tot 775. (Diese Art besonders bei 
Gotfried). der wise töre 5164 (Oxymoron). — Der Nachsatz 
schliefst den Vordersatz aus: swer mer liep hat dan eimz, der 
enMt nindert keinez 139, vgl. 141 u. 146 ff. 



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51 

Ein rhetorisches Stilmittel ist das Polysyndeton. Heinrich 
gebraucht es nicht häufig: 272 ff. 3640 ff. 3743 ff. 5886«. 6333 ff. 
6459 ff. 6475 ff. Ritt. 19 ff. Er liebt den Parallelismus der Glieder 
und damit die Zweiteilung, also smaragde und topazius, önichus 
und' sardius 4519. Selten sind Zusammenstellungen wie lant 
und Hute und swaz ich Mn 500. er az und tranc und tvas gemeit 
Schret. 174. Ein drittes Glied wird gerne durch Bestimmungen 
beschwert und füllt den folgenden Vers, also der herzöge und die 
herzogin und die wizgehande Isöt. Ein bezeichnendes Beispiel für 
Heinrichs Anordnung bei vielen Gliedern ist Schret. 154 ff. er 
gab im hier unde brot, vleisch, rüeben unde salz; er gab im eier 
unde smalz und vrischer butern gnuoc da mite. 

Das Asyndeton verwendet der Dichter bei Aufzählungen, 
so 230 f. 1141 f. 1529. 4354. 6243. Selten findet es sich bei drei 
Gliedern: ir leben, ir lip, ir minne 277. ähnl. 1611. 6008. Ritt. 17. 
Bei zwei Gliedern tritt Parallelismus ein, nur ausnahmsweise 
stehen sie un verbunden nebeneinander: körbe, kisten Schret. 114. 
tambüren, schalmien Ritt. 176. 

Allitteration hat Heinrich oft und viele von den Fällen 
müssen auf bewufste Bildung oder besser gesagt, auf unbewufstes 
poetisches Gefühl zurückgeführt werden : ob er mich lät so lange 
leben, der lip und leben mir hat gegeben 51. so liep bi liebem 
liebe liget 948. der lac vor leide in liebe tot 6420, vgl. 1798 f. 
3283. 6448. 6464. Leg. 35. 614. 794. 795. Schret. 232 ff. 
257 ff. Ritt. 238 f. Zwei gleichwertige Redeteile : ande und ange 
1109. vrech und vnwt 1203, vgl. 4472. 4790. 6242 (vgl. Wirnt 
10944. 11651). Leg. 87. 155. 500. 742. Schret. 31. 44. 114. 232. 
241. 260. 326. — Es allitterieren das subst. mit seinem adj. z. b. 
3. 5. 21. 80. 111. 674. 887. 2187. 2939. 3109. 3932. 4995. 5622. 
6866 u. a. Leg. 219. 755. 820. Schret. 243. Ritt. 129. Natür- 
lich ist manches davon formelhaft wie rösen rot und grüenez 
gras, grözer grim, volc und vihe, vrech und vrnot. 

Auch Assonanzen sind häufig: und trage sie doch in 
herzen mit rechtem herzensmerzen 149, vgl. 175 ff. sitzen uf die 
linde und singet uns da swinde vil sclwne in suezem döne 4689. 
Hier tritt das lyrische Moment in Wirkung. Aus der Ritterf. 
der Gleichklang der n -Verbindungen 239—43. 

Über den Gebrauch der Anaphora sind bereits zahlreiche 
Beispiele gesammelt in den synonymen Bindungen mit Parallelis- 
mus der Form s. dort und besonders VI., Zusatz. Ich kann auf 



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52 

diese Fälle verweisen. Es sind hauptsächlich die Typen: die 
beste spise, den besten uin 537. er rante und rante 5561, vgl. 
6134. sie rieten hin, sie rieten her 2851. er gerte ir, sie gerte sin 
765. Wiederholung in Ausrufen wie 586. 3246. 4750. 5547. 
Ritt. 228. Wiederholung eines Begriffes am Versanfange 6183 ff, 
oder 5103 ff. u. o. 

In welch hohem Grade Gotfried das Wortspiel verwendet, 
ist bekannt. Heinrich ist auch hierin seinem Meister gefolgt 
und bietet eine reiche Auswahl dieser Wortspielereien, die teils 
von wirklichem Werte für den poetischen und gedanklichen Ge- 
halt sind, oft aber den Stempel des Gesuchten an der Stirne 
tragen. 

Schon die Neigung des Dichters, einem Subst. ein Adjektiv 
desselben Stammes beizugeben, ist bezeichnend: lebendigez leben 
283. blüende blüemelin 702. liebez liep 948. 998. wunder tcunder- 
lich 1065. wunnende ivunne 1368. wertliche iverdikeit 1369. man- 
lieh man 1801. 1856. 2746. minnecliche minne 2355. tröstlich 
tröst 2809. Oder das Adj. hat wenigstens dieselbe Grundbedeu- 
tung: vlammic viure 1794. pinliche not 2807. tätlicher mort 3232. 
ie teesende hvikeit Leg. 34. glüendez viure (ardorem ignis) Leg. 
228. (vgl. Wirnt, Wig. 10693 viuric gluof). 

Der gewöhnlichste Fall des Wortspiels (Annominatio) ist 
der, dafs ein Wort durch ein zweites desselben Stammes auf- 
genommen, verstärkt oder wiederholt wird. Dabei wirkt der 
Wunsch, kennzeichnende Wortbildungen zu schaffen, mit der 
Freude am Gleichklang zusammen : in sinem sinne er sich versan 
134. ir magettuomes sie maget bleip 836. so liep bi liebem liebe 
liget 948. swenne der seiden tac betaget 1073. stvaz ie der man 
manheit began 2010, vgl. v. 14 f. 898. 1120. 1364. 1622. 1800 ff. 
1865. 1891. 2218 f. 2319. 2421. 2523. 2583. 2787. 2890. 2985. 
3450. 3587. 3693. 3788. 3896. 5350. 5441. 6224. 6226. 6414. 
6470 f. 6556. 6743. — Leg. der grözen sünde missetät, die sünt- 
liche begangen hat 341, vgl. 618. 692. — Schret: er luogete uz 
dem luoge 267, vgl. 292. Ritt. 248. 

In gröfserem Umfange tritt das Wortspiel auf, wobei die 
Vorliebe für den spielenden Gleichklang in den Vordergrund 
tritt: voltichtet und tichtende berichtet mit dem getichte sinen 41 ff. 
Beinmunt; ja, reim in sines herzen grünt ist er der rechten reinen 
reinekeit 77 ff., vgl 129. 167. 201. 221. 3790. 4265. — Leg.: die 
drie, die sich drien in driu 10. du barmherziger got erbarmetest 



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53 

erbermiclich 54, vgl. 339. — Schret hrimmen unde kratzen begonde 
er ez so grimme, daz ez in grimmer stimme 232, vgl. 243 f. 

Hierher stelle ich auch die beliebte spielende Wieder- 
holung desselben Gedankens, oft mit Kreuzstellung: guot unde 
vruot, vruot unde guot 1664. man unde ros, ros unde man 1754. 
gezieret und durchfrieret, durchwieret und gezieret 4509, vgl. 1605. 
4150. 6357. 6506. 6574. 6676 f. Ganze Sätze: nu minne ich dort 
und meine hie, ich minne hie und meine dort 160, vgl. 763. 4169. 
6853.0 

Ausgeführte Wortspiele, in denen dasselbe oder ein stamm- 
gleiches Wort durch Verse hindurch spielend hin und her ge- 
worfen wird, finden sich auch bei Heinrich. Man lese das Spiel 
mit dem Worte truric 111 ff. ärentiure 1447 — 66. iväpen 1631 ff. 
spil 2648 ff. schcene 3918 ff. werben und verterbm 4843 ff. tot 
6567—76 und 6603 ff. wunder Leg. 22 ff. Ein Beispiel der Künst- 
lichkeit dieses Spieles mit Worten und Gedanken ist v. 1647 — 71 
wo die Worte ros, man, herze, muot, rieh spielend von Vers zu 
Vers geworfen werden. 

Die Personifikation nimmt bei den mhd. Dichtern einen 
grofsen Raum ein. Die Verbindung aller möglichen Abstrakta 
als Subjekts mit raten, leren, gebieten, meinen, ivonen, heizen, 
twingen, varn, triben usw. ist bei den meisten schon überliefertes 
formelhaftes Gut. Wenn man also für die Frühzeit von der 
eigenartigen Verwendung und der Häufigkeit der Personifikationen 
auf die dichterische Kraft des Autors schliefsen konnte, so wird 
man bei Heinrich sich mit der Aufführung der wichtigsten Beispiele 
begnügen müssen und im übrigen sein Verdienst nicht zu hoch 
einschätzen. Nur eine historisch angelegte Arbeit, welche das 
Werden und die allmähliche Verbreitung der Personifikationen und 
Bilder bei den einzelnen Dichtern verfolgte, könnte über den 
subjektiven Anteil einzelner Persönlichkeiten Klarheit verschaffen. 
Für die zahlreichen Beispiele der mhd. Epik und Lyrik vgl. im 
allgemeinen Galle, Die Personifikation als poetisches Kunstmittel 
in der mhd. Dichtung. Diss. Leipzig 1888, s. 38 ff. Über den Beich- 
tum Wolframs Bötticher s. 61 und Förster 43 ff. 



l ) Man könnte, um alles Vergleichbare heranzuziehen, auch Ausdrücke 
anführen wie: alumbe und umbe 881. 977. 2705. vil und vil 1615. 6456. wun- 
der über wunder 3581. von ende zu ende 2692. 4336. 6725. von kinde zu kinde 
1296. 4304. 4982. 



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54 

Ich führe für Heinrich an 1 ): daz morgenröt quam glestende 
1627. ein siufzen gie 962. ir herzen sehen giene seilende under in 
entwer 2641. ir äugen blicke vlugen 4148. tröst vuor mite 825. — 
im stolzte herze unde muot 1417. sin muot und sin gedanc üf die 
reise stete ranc 2357, vgl. 200. 1424. 1712. 2720. 2761 f. 3009. 
3090. 3442. 3617. 3942. 6198. 6366. 6443. — die nacht treip sie 
dar abe 2420. die nacht begrifet mich 4650, vgl. 1207. 2422. 4649. 
6038. — min kranker sin gestatet mir zu redene nicht 2542. vrou 
Seide gan im des heiles 1390, vgl. 1391. 2396. 3926. 3377. 6541. 
— der erste bizze meldet in 1387. der tan gienc umbe die burc 
1601, vgl. 1943. 3666. — Schärfer tritt die Personifikation des 
Minnetrankes hervor 6833 f. und in der allerdings beliebten Dar- 
stellung der Minne 789 ff. 

Aus der Legende wäre anzuführen: din geist göz den men- 
schen adel und wisheit in 44. din menscheit erstreit 79, vgl. 162. 
203 (lebendez holz 178 hat sein Vorbild in der Vorlage: lignum 
vitae). — Schret.: als im der hunger geriet 171. die müede 
in dar zu truoc 176, vgl. 36. 178. — Ritterf. vrou Minne sie be- 
twungen hat und git ritterl muot 246, vgl. 36. 44. 78. 82. 132. 
327. Schön und für jene Zeit noch originell klingt in vröuden 
im dö lachte daz Jierze durch die ougen 80, doch vgl. Konrad 
Part. 6950. 

Metaphorische Ausdrücke als Bezeichnung für 
Personen: der z'üehte marsclialc Kurvenal 1540. aller tugent ein 
kamerer 1541. Artus die künicliclie vrucht 2950. der eren kiinic 
1584. Kassie des Wunsches amie 6096 (bei Wirnt heilst Larie 
gewöhnlich so). Isöt der triuwen muome, der kiusche base 6452. 
min tröstlich tröst, min sunnenschin 2809. Tristandes lioubetschatz 
4467. miner vröuden tot, mines lebenes leben 2318. mins herzen 
künigtn 2345. sins fierzen östertac 804 (vgl. Gotfr. 17559. Iwein 
8120. Walther 111,26). die seilende sunne von Irlant 4551. Js. 
daz schiene morgenröt 1626 (vgl. Gotfr. 7295. 9462. 10890. 11512. 
Eilhart 6462 f. 6513 f.). Js. miner vröuden hart 162, ähnl. 686. 
2096. Is. mins herzen ivunne 4542. mins lebens tröst 6613. aller 
lügende fundamint 2097. Isolde zu sehen, wäre Tristan ein tot 
miner sorgen und miner vröuden hvic leben 2338. Aus der Leg. : 
got aller wisheit ein begin 71. Christ unser tröst 869. — Solche 



*) Vgl. was schon oben im Kap. „Umschreibung" zur Personifikation 
beigebracht wurde S. 44. 



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55 

metaphorische Benennungen sind besonders bei Wolfr. häufig, vgl. 
Parz.122,13. 128,27. 130,10. 195,4. 252,16. 514,27. Für Konrad 
vgl. Joseph 34 ff. Im allgemeinen Weinhold, Die deutsch. Frauen 
I. 233 f. — Die Umschreibung mit hört ist zum Zwecke der Be- 
griffsverstärkung besonders beliebt s. v. 1. 37. 4852. 6538. 6702. 

Ich scheide die einzelnen Arten der Metapher und des 
Vergleiches nicht scharf voneinander, sondern suche eine Ein- 
teilung zu gewinnen, woraus sich der Anschauungskreis erkennen 
läfst, aus dem unser Dichter seine Bilder zur poetischen Ver- 
deutlichung nahm. Auch hier wird ein Schlufs aus diesem Ge- 
brauche auf die dichterische Individualität Heinrichs schwierig 
sein, da wir die Bilder z. t. als traditionell höfische erkennen, 
seine Abhängigkeit von Gotfried und Wolfram sogar feststellen 
können. Für die Bildlichkeit bei Gotfr. benutze ich Preuss 
s. 43 ff., für Wolfr. Bötticher s. 63 ff., für Konr. Joseph s. 42. 

I. Ich beginne mit den Bildern, die aus dem Naturleben 
genommen sind, a) Bilder aus der Pflanzenwelt: Im adjectiv 
liegend: blüende wort 2. bliiendez magettuom 690 (vgl. Gotfried 
12647. 14769). Trist, der trimven blüende 6513. vünde violin 
gevar 3, vgl. 12. 20. — Ausgeführt: der knappe was oueh rede- 
rieh, geblüemet schöne und hübeschlich was sine rede — rechte als 
der rasen würfe dar, sus bluoten in der stunde die wort üz sinem 
munde 1302, vgl. 34. 1809. 4390. — Als Vergleich ersichtlich 
gemacht: spr'üclie sam die rösen dar 4. lac er aber als ein ron 
957. 3714, vgl. Preuss 47. — nu blüet ein helt üz Bcheimlant 
Ritt. 40. Vgl. mit grüenen borten sam ein gras Ritt. 141. 

b) Vergleich des Menschen mit einem Tiere: er lac als 
ein erstochen boc 4914. Der Dichter entschuldigt sich für diese 
Vergleichung. Sie ist bei den höfischen Dichtern nicht selten, 
vgl. Parz. 241,29. stille swigende als ein daclis 5907. 5927, vgl. 
Isöt, der minne ein menschlich nwzel 723. sie liefen zu durch 
schüuwen, sam ob dar Jcumen ivere ein tier üz einer wilde Ritt. 154, 
vgl. Nibel. 1700. 

c) Licht und Sonne: lätere triuive 1372. blanJcez laut 
4289. 5037. die sunnenbreliende lichte Isöt 4495. heim spiegelvar 
1702. — dem taget da der seiden tac, der im in lichtem schine 
enstät 1364, vgl. 2809. 4440. Ausgeführt 785 ff. Breit durchge- 
führt und festgehalten 4524—51 (vgl. dazu Gotfr. 9792. 10165. 
10889. 11010. 11511. u. ö. Preuss. 46. Ulr. von Türh. 557, 22 ff.). 

d) Feuer: y tuende minne 50. 2(335. 2783. 3368. 6586. — 



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56 

die Minne quam dort her sturmrüschende , mit ir vlammen la- 
schende und mit ir herzen viure 791 ff. (vgl. Gotfr. 959 ff.) vgl. 
763. 2786. Ausgeführter 2769 ff. man sach gras und meinten be- 
ströuivet mit den vunken 1796. Charakteristisch in: dem mimte- 
töten wibe begonde ir herze krachen rechte als ob tüsent spachen 
krachten von des viures not 6577. ! ) Um die Pracht ritterlichen 
Auftretens seines Helden zu beschreiben, sagt der Dichter: als 
ob üz einem viure der Hure degen rente und ob in vlammen 
brente allez sin geivcte Ritt. 198. 

e) Metalle: die Sprüche guldin29. daz getwerc was im sam 
ein blien berc in äugen mtd in herzen 5284 (vgl. Gotfr. 17851). 
sin hant ist sicer alsam ein bli Schret. 98. als ein brehendez golt 
vil dar daz paradise erluchte gar Leg. 269 (multum fulgebaf). 

IL Bilder und Vergleiche aus dem menschlichen Leben. 
Jagd: swaz e von jagen ist gesaget, daz ist ein wicht: Trist er- 
jaget hJete an der küniginne daz wäre teilt der minne, daz er 
selbe äne hwnde erlief 2791. die jagenden jageten im dö nach, in 
allen was zu im so gäeh sam dem valken zu dent luoder 5669, 
vgl. noch 2014. 4898. •— Fischfang: in was enpfarn der visch 
(Trist.) mit kreften durch daz garn 3237. — Kampf und Ver- 
wundung: daz er dich minnenclich bestät, so rindet er dich bi 
tver 716. ietweder hat an mir gesiget 152. vgl. 6568. und die adj. 
der minnewunde degen 2801. minnetot 6577. 6603. — Lärm und 
Spiel der Kinder: sie toben rechte alsam die leint 2955. ir herzen 
blicke in dem sal hin und her als ein bal giengen, da die leint 
mite spilen 2645 (vgl. Gotfr. 1028). die sint im ringe alsam ein 
bal Schret. 109. Das spilende als Attribut zu vielen Erschei- 
nungen wurde kaum mehr als Bild gefühlt, doch führe ich Ver- 
bindungen an wie mit spilenden ougen 1966. 3457. 5260. 5859. 
5861; dazu ir ougen spiln 2621. — Schachspiel: allen iren 
vröuden mat wart da gesaget sunder schäch 1560, vgl der sinetn 
lebene schachte 3041. — Der Lärm der Ritter erscheint bildlich 

') Vgl. dazu Eilh. 9388 im krachte dl sin gelide unde starp Willeh. 70, 
30 des sin herze dicke erkrachte. Ulr. v. Lichtenst. 303, 18 vor jätner krachten 
mir diu lit als da man brichet spachen vil vgl. Parz 219, 9, noch deutlicher 
Wirnt Wig. 7680 von sinem töde sie erschrac so sere, daz ir herze brast lüte 
als ein dürrer ast, swä man den bricliet enzwei. Ulr. v. d. Türlein LIV, 7 der 
leit so lütez krachen gap, als der einen starken stap mit guotem toiUen breeche 
enzwei. XCVII, 27 er drucket üf die hende, daz si mit lütem krache sich 
brechent als ein spache. Ulr. von Eschen bach, Alex. 16587 sin herze tet so 
litten crach, als ein durrer spache ez brach. 



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57 

als das Rauschen der Mühle: ja mochte man eine harfen noch 
minner du vernumen han wan in den ruschenden müln 2188 mit 
deutlicher Beziehung auf Walther 65, 13. ') — Das Dichten wird 
dem Bereiten der Kleider verglichen und breit durchgeführt v. 
15 ff. (ähnL Gotfr. von Blikker von Steinach 4691, vgl. 10929). 
— Bereiten des Weges: der triuiven stic, der züchte pfat liät er 
mit an gebornen triten gebent 58. — Das Bild einer Festung der 
Jungfräulichkeit ausgeführt 728 ff. Material sind Kleider, Hände, 
Füfse. — Hieher stelle ich noch: er stiez der ritterschefte zil 
so ho mit rechter manheit, duz ez erreiclien konde da kein man 
2006. sin schilt vor sinem herzen lac rechte als er teere gelimet 
dar 1700 (vgl Gotfr. 710. 6625). Auch den verbreiteten Vergleich 
mit „ Karies lote" hat Heinrich 1676 (vgl. Gotfr. 275. Wigal. 10037. 
Ulr. .von Türh. Trist. 554, 13). 

III. Sachen und Raumverhältnisse. Ein Gegenstand 
wird für einen zweiten zur Veranschaulichung herangezogen: die 
tavel ist geformet alsam ein rat 1333. zuhant gelac er als ein 
stoc 4913 (vgl. Wigal. 5345). Keie tröf her alsam ein nazzer 
vilz 2168. die richte alsam an einer snuor der schifman mior 
4093. Vgl. die zelle oder den schrin des Herzens 798. 802. der 
Hut als houbtes dach 1956. brinnen als ein werc Leg. 752 (Vor- 
lage: ut stuppa). zwelf kerzen gröz alsam die boln Ritt. 162. — 
Bilder von der Ortsveränderung hergenommen: Isöt aas im 
gevallen in sin herze 121. die bete viirbaz geschoben wart 1480. 
ros und man mit volle mochten den sant 1755. alle dine hantge- 
tät mit Ursprünge gevlozzen hat Leg. 6. die Jielde schickten die 
Schilde nur die brüste Ritt. 234, vgl. dö sie die sper zu hunden 
gevangen Ritt. 239. — Bildliche Ausdrücke aus der Bezeichnung 
von Raumverhältnissen; derartige Wendungen sind bereits ver- 
blafstes Gemeingut: ez stuont zwisclien in also 2668. ez queme 
xtmbe mich 2740. ez enlit nicht eben 204. ez kumt eben 2320. 
Schret. 346. unser selikeit ivirt von im lanc, wit unde breit 425. 
1396. — Etwas wird bildlich als Last bezeichnet: die liebe 126. 
137. 142. 149. 313 u. ö. tugent 2506. arewän 1014. 2699. 3047. 
sorge 2849. schade 5434. Es sind abgebrauchte Wendungen 2 ) — 
Auch der folgende Vergleich ist traditionell: sie würben, als sie 
vüeren in engelischer tvise her uz dem paradise 1534 (vgl. z. B. 

J ) Andere Parallelen bei Bezzenberger zu Freid. 126, 27. 
. 2 ) Vgl. z. B. minne last Parz. 290, 26. schänden last Parz. 412, 20. icirde 
last Ulr. v. Eschenb. Alex. 188. triuwe last Alex. 16232. 



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58 

Ulr. von Licht. 215, 15. Die Heidin (Bartsch, md. Ged.) 
209. 254.) 

IV. Ich erwähne noch das Aneinanderreihen von Bildern, 
die alle denselben Zweck verfolgen, den verglichenen Gegenstand 
von mehreren Seiten anschaulich zu machen. 3263 ff. wird Isot 
mit einer Rose, einer Lilie (Glanz), einem Zisel (Zartheit) ver- 
glichen. 6626—50 wird die Welt und ihre vergängliche Freude 
geschildert. Sie streicht den Menschen Honig in den Mund, der 
zur Galle wird, ihre Rosenblüte bringt den Dorn, aus Weizen 
und Korn gehen Disteln auf, der süfse Zucker wird sauer, die 
Freude wandelt sich in Trauer, der Sonnenglanz selber bringt 
das Hagelwetter herbei. Es sind oft überlieferte Vorstellungen. 

Einen bispelartigen Vergleich bringt Heinrich 225 ff. 
Die Astrologen beschreiben uns die Gestirne und ihre Verhält- 
nisse, sie sagen uns von Sonnen- und Mondesfinsternissen. Ebenso 
geht es wohl auch den kleineren Sternen, dafs sie manchmal 
verfinstert werden. So scheint jetzt auch der Stern, den Tristan 
und Isolde gemeinsam haben, nicht. Das Gleichnis ist verschoben 
(s. Bechsteins Anmerk.). Es wäre recht hübsch, wenn die Liebe 
und ihr Nachlassen mit den Sternen und ihrer zeitweiligen Ver- 
finsterung verglichen würde. Das ist aber nur im ersten Teile 
der Fall. Im zweiten läfst der Dichter die Wirkung des Minne- 
trankes von den Sternen abhängen; er dürfte in seinem Bilde 
durch die Vorlage beirrt worden seien. Wir kommen dann in 
eine astrologische Frage hinein, die Heinrich benützt, um sein 
Wissen zu zeigen: swer nu haz beredet sie, der künste wirde ich 
im wol gern (vgl. den Ausdruck mit Freidank 129, 21. Parz. 
114,5). 

Ein schön durchgeführtes Gleichnis, das uns lebhaft an die 
Bibel erinnert und an die Redeweise der Mystiker anklingt, 
treffen wir am Schlüsse 6860 ff. Christus ist der blühende Rosen- 
dorn, seine Wundmale die roten Rosen. Wir sind die Wein- 
reben mit den Trauben (= Kraft des Denkens und Erkennens); 
wir sollen uns in den blühenden Rosendorn verflechten, wie Rebe 
und Rose auf dem Grabe der Liebenden. 1 ) 



*) Über letzteres Motiv vgl. Hauffen, Die deutsche Sprachinsel Gottschee 
s. 178—82, wo aus der Tristanliteratur und aus deutschen und fremden Volks- 
liedern das Motiv verfolgt wird, dafs die auf das Grab zweier Liebenden ge- 
pflanzten oder von selbst emporwachsenden Blumen oder Bäume sich liebend 
umschlingen. 



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59 

Heinrich zeigt Personifikationen und bildliche Ausdrücke 
in demselben Mafse wie die begabteren mhd. Dichter. Und sind 
auch diese veranschaulichenden Mittel der Poesie bereits zum 
ausgefahrenen Geleise geworden, schon der Umstand, dafs der 
Dichter sie an rechter Stelle mit Eindruck zu gebrauchen ver- 
steht oder dafs er sogar traditionelle Bilder in neue Formen 
giefst, sichert ihm unser Lob. 

Hat die bisherige Betrachtung des Stiles uns Heinrich von 
Freiberg als einen ganz auf höfischem Boden stehenden und in 
der Technik der ritterlichen Epik wohlbewanderten Dichter er- 
scheinen lassen, so mag das folgende Kapitel dartun, dafs die 
höfische Kunst unseres Dichters auch von der anderen Seite 
mhd. Epik, von der volkstümlichen Dichtung, befruchtet worden 
ist und dafs er bewufst und unbewufst erstarrte Gebilde volks- 
mäfsigen Sanges in seinem Schaffen mitverwendet hat; bewufst 
vielleicht die altepischen Heldenbezeichnungen, unbewufst alte 
Wörter der Volksdichtung und die Nachstellung des flekt. oder 
unflekt. adjektivischen Attributs. Auch in diesem Verhalten ist 
er keine Ausnahme; immerhin aber ist uns die volkstümliche 
Färbung seiner Dichtung von Interesse, weil sie vielleicht für 
den deutschböhmischen Dichter — so können wir Heinrich wohl 
nennen — Bekanntschaft mit den Volksepen vermuten läfst. 

Das adj. Tüuoc hat nicht den verblafsten Begriff wie dar, 1 ) 
sondern dient zur Kennzeichnung 620. 5258. 5332. 5502. 5601. 
5897. 6005. Im Versinnern 5924. Es tritt erst im letzten Drittel 
des Tristan häufiger auf und sucht die Reimstellung, nach der 
Beobachtung Steinmeyers, Epitheta s. 11. 

Auch das veraltende gemeit liebt Heinrich, obwohl seine 
Meister Gotfr. und Wolfr. es nicht verwendeten s. Steinmeyer 14 
und Anmerk. Heinr. kennt es wie die anderen höfischen Dichter 
nur in Reimstellung 1579. 1825. 1959. 3387. 5691. 5805. 6004. 
Schret. 174. 



l ) Das zum echt höfischen Worte gewordene klär tritt im Trist, in 27 
Reim-Bindungen auf, in der Leg. v. 16. 269. 273. 279. 633. Ritterf. 123, und 
zwar zur Bezeichnung von Personen und Sachen. Von 4395. 6553 und der 
attributiven Voranstellung v. 5632 abgesehen, immer in der Stellung hinter 
dem subst. {die vrouwe dar). Bemerkenswert ist, dafs es im Versinnern nur 
vereinzelt auftritt 2245. 4424. 5001 in Voranstellung und 4723 in der tradi- 
tionellen Nachstellung. Über den häufigen Gebrauch des adj. bei Wolfr. s. 
Steinmeyer, Über einige Epitheta der mhd, Poesie. Rektoratsrede. Erlangen 
1889, s. 8. 



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60 

Das adj. wert, welches erst allmählich als höfische Neuerung 
in Gebrauch kam und vornehmlich von Wolfram eingeführt wurde 
(Steinmeyer s. 9), ist Heinrich ganz geläufig, und zwar in Reim- 
stellung und Nachstellung 1528. 1820. 2179. 3656. 4191. 6072. 
6169.6211. der werde 312. 1867. 3613. 4553. 5009. 6822. Ritt. 85. 
Im Versinnern 1872. Ritt. 168. — Ähnlich steht es mit gehiure 
(Steinmeyer s. 12) im Reim v. 353. 794. 1259. 1447. 1451. 2038. 
2152. 2252. 2300. 3321. 4426. 5617. Leg. 227. Schret. 70 gehiure 
oder ungehiure. ungehiure allein in der alten Bedeutung 1057. 
2953. Schret. 195. 

Sind diese eben herausgehobenen Adjektiva allgemeine 
Kennzeichen späteren höfischen Stiles, so charakterisiert der im 
folgenden besprochene Gebrauch die der volkstümlichen Epik 
zugewandte Dichtart Heinrichs. Sein bezeichnendes Stilmerkmal 
ist nämlich die Verwendung der volkstümlichen Heldenbezeich- 
nungen xar egoxrjr wie lielt, degen, wigant und der damit ver- 
bundenen Epitheta. 

Die Bezeichnung fielt tritt im Tristan 44 mal, davon ein- 
mal 1 ) im Reim auf, in der Ritterf. 17 mal, davon 1 mal im Reim; 
degen im Trist. 27 mal, davon 9 mal im Reim, in der Leg. 2 mal 
im Reim, im Schretel 1 mal, in der Ritt. 3 mal ; tvigant in der 
Ritt. 6 mal, recke in der Ritt. 2 mal. 

f) dei % Uelt u allein als Bezeichnung eines Ritters im Trist 
1310. 1337. 1343. 1425. 1528. 1752. 1762. 1785. 1800. 1859. 1936. 
1987. 2018. 2026. 2380. 2893. 5563. 5864. 5960. 6107. 6118. 6165. 
6236. 6254. Mit Epitheten in der Gänze aus alter Volksdichtung: 
der helt gehiure 2038. 2152. 2300. die helde manlich 1815. wert 
1872. 6169. manlich muh icert 6211. gemeit 3387. vruot 5794. snel 
5803 (vgl. ein knappe snel 1184). küene 6035. die vrechen helde 
jungen 1773. fier 3398. die üz erweiten helde fier*) 2107. Mehr 
gebam 1740. 1995. 2116. 6173. den hehlen gar geslaehten 6199. 
die helde als erenbere 5825. — degen allein 2036. 2289. 5060. 
Mit zumeist der Volksepik angehörigen Beiwörtern: der degm 
ellenthaft 2046 (vgl. damit die ellenthafte haut 1990. 2012. 2054. 
2119. 2327. ellenthafte vreche jugent 2004. die ritter ellenthaft 
2279. der ellenthafte Trist 6445. ellenthaftez herze 70. der ellens- 
riche Trist. 6235). der üz erweite degen 2121 (vgl. üz erweiter win 
615). der degen vruot 2801. 3303. 6123. zierlicher degm 1285. 

l ) Auf degm findet sich leicht ein Reimwort, auf helt schwer. 
*) fier aufserdem noch 2082. 2242. 6241. 



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61 

zierlicher degen vruot 2872. stolzer degen vruot 3878. der d. man- 
lieh unde vruot 6101. d. manliche d. fier 6241 (vgl. sonst knappe 
vruoter 588. ritter vr. 1736. stolzer knappe vrech und vruot 1203, 
ähnl. guot und vruot 1664, vgl. 396. 411. 1283. üf ritter schaft der 
vruote 1656, ähnl. 1672. ein ritter vrech und gar kurtois 73, vgl. 
1732. 1773. 2004). die k'üenen degen 3725 (vgl. der küene Trist. 
3788). der degen halt 5140 (vgl. mit rede halt 5099). 2 ) der degen 
lobesam 5554 (vgl. der ritter lobesam 1711, vgl. 5337). ein degen 
gar rermezzen 5744. 5946, vgl. 920. der degen icert 1820. 3656. 
der degen fier 2242. der höchgemuote degen 673. 2476. ein junger 
degen 3711. der vrische degen junc 5521. der künicliche degen 6690. 
der sinnenrxclie degen 5834. Die letzten Beispiele allerdings nicht 
mehr so beweiskräftig, aber klar ist der reiche Formelschatz, 
den Heinrich den Volksepen entnommen, wohl kaum ohne ge- 
nauere Kenntnis jener Dichtungen. 

Dazu die Belege aus den kleineren Gedichten. Leg. der 
gotes degen 431. uz erweiter gotes degen 717. Schret. der künie- 
liche degen 78 (vgl. dem k'ünige üz erkom 10). Ritt, der lielt 
(Johann v. Mich, oder sein Gegner) 40. 54. 76. 87. 110. 121. 149. 
188. 231. 234. 251. 269. 310 (im Reim). 314. 329. Daneben der 
helt lobebere 153. der tiure degen 199. 287. der tiure degen un- 
ervoi-cht 136. Auch hier bemerken wir, dafs wie im Trist, „der 
helt u zumeist allein, selten mit schmückendem Beiworte, degen 
jedoch kaum ohne solches erscheint. Vgl. zum Formelschatze 
aus der Ritterf. der ritter lobesam 295. d. r. üz erkom 261. üz 
ertvelt 209. üz erivelter ritter guot 223, vgl. aufserdem vrecher 
ritterlicher muot 78. dem erenrichen vrechen (subst.) 102. mit ellent- 
riclier haut 259 (vgl. Trist. 6235). — Dazu wlgant, welche 
alte Bezeichnung im Trist, und den anderen Gedichten nicht 
auftritt. Wir finden der uigant 72. 138. 268. Im Versinnern 83. 
die ivigande 242. der tiure ivigant 108. Nach Steinmeyer, 
Epitheta 14 u. Anmerk. ist dieses Wort am Ende des 13. Jh. 
ziemlich ausgestorben und kommt dazu fast ausnahmslos im Reime 
vor. Zu den dort angeführten Werken (Versinneres) Roth., Orend., 
Eilh., Nib., Lanz., Reinbot, Heidin, Karlmeinet, Ulr. v. Esch., jung. 
Tit., Servaz tritt nun H. v. Freiberg mit seiner Ritterf. Ebenda 
findet sich das ausschließlich volksepische recke 22. 45. 

x ) vruot hat Hartm., Wolfr. u. Gotfr. nur ganz vereinzelt, Kraus sogen. 
II. Büchlein 61. 

») Sonst nur das tempor. adv. holde 1714. 4613. 5548. 6011. 6147. 6530. 



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62 

Neben üz erweit, welches im Trist. 615. 2107. 2121. Ritt. 
209 steht, stelle ich üz erkorn 61. 1996. 3918. 6426. 6823. 6888. 
Leg. 318. Ritt. 261. Schret. 10, durchaus im Reim; und /in 
2523. 3268. 3341. 4487. 4515. 4861. 5001. 5417. 6103. 6566, 
sämtlich in Reimstellung. „Worte, welche in der mhd. Dichtung 
stets oder zumeist im Reime verwendet sind, gehören der Sprache 
des täglichen Lebens nicht an, sind Bestandteile der Dichter- 
sprache", sagt Steinmeyer, Epitheta s. 15, vgl. s. 11 und Singer, 
Die mhd. Schriftsprache 1900, s. 7. Panzer, Das altdeutsche Volks- 
epos 1903, s. 17. Und das ist in Heinrichs Gebrauch bei fast 
allen angeführten Epitheten der Fall. 

Von den in die höfische Dichtersprache allmählich ein- 
gedrungenen, beziehungsweise von Anfang an gemiedenen Wör- 
tern gebraucht Heinrich häufig helt, degen, gemeit, dar, fxn, wert, 
gehiure, chwc, ellenthaft, vrech, vruot, üz erkorn, üz erweit, ver- 
mezzen\ weniger oft ivigant, recke, küene (3725. 3789. 5210. 6035. 
Ritt. 97), halt (5099. 5140); aufserdem noch veige 6543. minnen- 
veige 6535. verchvunde 6310. verschroten 2755. sarringe Ritt. 93, 
eilen 6470. künne 3207. Leg. 264. 545. wal 1771. mortwal 3257. 
3297. wdt ist häufig, im Reim z. B. 23. 1531. 1931. 1953. 3775. 
4225. 4483. 4609. 5137. Gar nicht kommen vor: mare (adj.), 
jedoch unmere 3492; marc, sarwät,*) gcr, nrliuge, ivcetlich, wie. 

Das in. der Volksepik erscheinende und bereits im 13. Jh. 
veraltete verb. dagen, verdagen, welches nur bei einigen höfischen 
Dichtern noch auftritt, bei Gotfr. ganz, bei Hartm. im Iwein (nach 
v. 1000) fehlt (s. Zwierzina, Beobachtungen 41, Mhd. Studien, 
Zfda. 45,40) wird von Heinrich ohne Bedenken gereimt: stille 
swlgen unde dagen 1297. hie mite wart der nicre gedaget 1412. 
verdaget : gesaget 2579. verdagende : sagende Leg. 825. unverdaget 
: gesaget Ritt. 159. Aber es steht nur im Reim und ist seit alters 
phraseologisch mit sagen verbunden, vgl. die Stellen bei J. Wiegand, 
Stilist. Untersuchungen zum K. Rother 1904 § 97. 

So sehen wir Heinrich — übereinstimmend in allen Ge- 
dichten — im vollen Gebrauche vieler Wörter, welche die mhd. 
höfische Dichtung in ihrem gröfseren Teile als unhöfische mied. 
Können wir auch einen Teil davon in Dichtungen Wolframs und 
seiner Nachahmer finden, so tritt bei dem grofsen Umfange dieses 
Gebrauches bei Heinrich, besonders in den Wörtern helt, degen 

») Jedoch sarringe Ritt. 93 und sarjant 1187, nach Hb. O auch 3286. 3307. 



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63 

und mehreren Adjektiven, der innige Zusammenhang mit volks- 
tümlicher Dichtung zutage. Denn aus rein höfischen Quellen hat 
er diese Kenntnis alter Formeln — und oft finden sich ganze 
Verse im Tone der Volksepen — wohl nicht geschöpft, wenn 
auch Zeitgenossen wie Ulr. v. Eschenb. und K v. Würzb. ähnliche 
Haltung aufweisen, umsomehr als Heinrich die Bezeichnung helt, 
degen, tdgant usw. nicht vielleicht vergleichsweise auf seine 
Helden anwendet, sondern ganz im Stile der Volksepen sagt: 
der wigant, der helt, der dsgen. Das vermied der feinere höfische 
Stil ganz. So Zwierzina, Beobachtungen 20—23. Dafs diese 
Formeln nur künstlich weiterlebten, ist sicher und wiederholt 
ausgesprochen der Gedanke, dafs sie von den Dichtern nur ver- 
wendet wurden, um den Helden des Romans durch solche Epi- 
theta vor den ritterlichen Lesern eine besonders auffällige Aus- 
zeichnung zu verleihen. 

Das Fremdwort plan als Ortsangabe des ritterlichen 
Kampfes hat Wolfr. sehr häufig, ebenso andere der Volksdich- 
tung näherstehende Dichter, wie Zwierzina, Mhd. Studien 45, 33 ff. 
ausführt, der auch zeigt, dafs Hartm. u. Gotfr. das Wort in dieser 
Bedeutung gar nicht kennen. Von Wolfram beeinflufst dürfte 
auch der Gebrauch des Wortes bei Heinr. sein. Wir finden es 
im Sinne von Kampfplatz 1710. 1721. 1753. 1788. 1802. 2087. 
2136. 2217, also in der grofsen ritterlichen Kampfschilderung, 
vgl. noch 1602. 1694. 2102. Dazu stimmend der Gebrauch in 
der Eitterf. v. 68 und 249. Daneben kennt Heinr. daz velt 
1675. 1737. den sant 2270. Auch 1755. 2328. Ritt. 221. 241. 
Aufserdem, aber schon charakterisierend der tan 1689. 2062. 
2209. 2329 u. ö. die heide in dieser Bedeutung kennt Heinr. 
ebensowenig wie Wolfr. 

Die Adjektiva auf -sam stehen nicht bei Wolfr. und nicht 
bei den Nibel. Aber sie sind doch im gewissen Sinne schon da- 
mals veraltet s. Steinmeyer, Ephitheta s. 13 f. Auch diesen Ge- 
brauch hat Heinrich, so im Reime: umnnesam 551. 608. 1082. 
4924. 5936. lobesam 5337. 5554. gruozsam 1195. mitesam 1228. Im 
Versinnern lobesam 1711. sarcsam 2849. Leg.: lobesam78.85. 782.788. 
tcunnesam 310. 427. 814. gehorsam 156. 875. heilicsam 792. 820. 
Schrei: uwnnesam 44. Ritt: lobesam 295. Von 24 Belegen 22 
im Reime, was der Beobachtung Steinmeyers entspricht. Hart- 
mann kennt diese Adj. nur im Büchlein, Erek, Greg., aH, im Iw. 
nicht. Zwierzina, Studien 44, 66. Gotfr. hat sie häufig. Vielleicht 



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64 

beruht Heinr. Gebrauch auf diesem Muster, denn den Volksepen 
ist diese Bildung nicht unbedingt eigen. 

Im Gebrauche des Wortes wip und vrauwe sehen wir be- 
reits wip durchaus im Vordergrunde zur Bezeichnung der höfi- 
schen Geliebten, so für Isolde z. B. daz reine süeze wip 215. 3927. 
dag vil süeze w. 3931. daz reine iv. 3292. daz minneneliche iv. 
3631. 6061. daz zarte w. 5058. daz schäme tv. 6516. Als allge- 
meine Bezeichnung für eine höfische Geliebte z. B. 364. 3727. 
3904. 3914. 4028. 4969. 5320. 6230. vroutve tritt wohl auch wegen 
der geringeren Verwendbarkeit im Keime zurück; so füllt wip: lip 
im Trist. 25 Keimbindungen, ttibe steht in 16 Bindungen, wibes 
1 mal, wiben 3 mal; vroutve jedoch nur lmal, vromven 10 mal, 
dazu juncvromven 2 mal. 

Auch in der Stellung der Ad jektiva sehen wir Heinrich 
noch im antiquiert traditionellen Gebrauche der alten epischen 
Sprache befangen, indem er den adj. häufig die Stellung nach 
dem Beziehungssubstantiv anweist, ein Gebrauch, der schon zu 
Heinrichs Zeit in der gewöhnlichen Rede veraltet war und von 
den höfischen Dichtern wenigstens in ihrer weiteren Entwicklung 
gemieden wurde. Über diesen Punkt Zwierzina, Studien 45, 253 ff. 
Ich betrachte zuerst das possess. min din sin. 

Wir finden es nachgestellt unflektiert im Trist. 136. 463. 
474. 487. 581. 670. 783. 788. 847. 910. 1137. 1165. 1248. 1475. 
1482. 1493. 2072. 2497. 2694. 2940 2999. 3017. 3027. 3066. 3078. 
3091. 3125. 3147. 3151. 3248. 3466. 3485. 3840. 3861. 3891. 3935. 
3944. 3970. 3994. 4006. 4019. 4044. 4111. 4154. 4158. 4217. 4419. 
4630. 4648. 4663. 4827. 4869. 4912. 4947. 4963. 4964. 4998. 5098. 
5238. 5267. 5477. 5584. 5679. 5723. 5842. 6050. 6065. 6155. 6206. 
6234. 6248. 6350. 6470. 6476. 6560. 6565. 6618. 6647. 6754. d. i. in 
79 Fällen mit merklicher Zunahme im zweiten Teile der Dichtung. 
Im Versinnern 3880. Dazu die Fälle, in denen es in der Anrede 
steht, im Reim: 369. 498. 2248. 2333. 2446. 2810. 2857. 3515. 3546. 
3892. 4005. 4089. 4218. 4282. 4588. 4629. 4721. Aufserdem im Vers- 
innern 2310. 3798. 4330 (20 Fälle), also zusammen 100 Fälle. Unser 
Dichter kann das Unkünstlerische dieses Gebrauches, der von 
Hartm. u. Gotfr. zusehends gemieden wurde (Zwierzina ebd.), 
nicht gefühlt haben, im Anschluls an Wolfr., der es in 39000 
Versen 291 mal verwendet. Der erstarrte formelhafte Gebrauch 
wurde zum bequemen Reimmittel. Auch den Reim von min: 
din : sin aufeinander kennt er 3891. 4005. 4217. 4629. 4963. 



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65 

Dazu noch 4869 sin: min (genit.) — Auch das flektiert nach- 
gestellte poss. pron. verwendet er häufig genug: 43. 330. 462. 
1893. 3282. 5580. 5622. 5836. 6012. 6294. 6305. 6682. (12 Fälle). 
Auch hier mit Zunahme gegen Ende der Dichtung. 

Stellen wir dazu den Gebrauch in den übrigen Gedichten. 
Legende: 74. 170. 179. 210. 225. 256. 323. 329. 343. 351. 352. 
365. 366. 403. 409. 410. 416. 452. 455. 460. 505. 526. 548. 621. 666. 
In der Anrede 665. 757. (27 Fälle). Reime von possess. auf ein- 
ander 351. 365. 409. 665. — Im flektierten Gebrauch kein Bei- 
spiel. — Schretel: 89. 117. 118. 194. 334. In der Anrede 66. 
min: sin 117. (6 Fälle). — ßitterf.: nur daz ors sin 186. Auf 
je 1000 Verse entfielen also in der Leg. 30, 6, im Schret. 17, im 
Trist. 14-5(16-4), in der Kitterf. 3,1 Fälle. Einen Schluls auf die rela- 
tive Abfassungszeit der letzten Dichtung will ich daraus nicht 
ziehen, wenn auch klar die Leg. als die künstlerisch unvollendetste 
Dichtung erscheint. 

Die formelhaft epische Nachstellung des Attributs 
hat bei Heinrich einen weiten Spielraum eingenommen. Wir be- 
trachten I. das unflektiert nachgestellte Adjektiv im Trist, 
ohne Rücksicht darauf, ob vor dem subst. vielleicht ein flekt. adj. 
steht; eine solche Zusammenstellung hat auf die epische Formel 
keinen Einflufs. 1 ) Als spielend und darum beabsichtigt könnte 
der Gebrauch nur angesehen werden in guot:vruot 1735 f. Wir 
finden a) nachgestellt die adjektiva: dar 4. 558. 840. 882. 2539. 2638. 
2799. 3265. 3336. 3520. 4350. 4386. 4580. 4723. 4804. 4865. 4900. 
5404. 5850. 5857. 5880. 6415. gevar 3. 3266. guldtn 29. 616. 1949. 
2071. 4567. sidin 735. 2524. 3766. 4452. rot 887. 1177. 4804. iviz 
1947. grüem 6036. glänz, viuwervar and rot 5419. gel, blä unde 
brün 4685. üzerkorn 61. 6823. 6888. tvunnesam 551. 608. 1082. 
4924? mmneclich 611. 664. sinnic unde Jduoc 620. guot 895. 3428. 
4200. 4702. hübesch unde guot 1284. Jwchgemuot 896. 2476. hoch- 
geborn 1740. 1995. 2116. 3561. 6173. 6829. vermezzen 920. min- 
nenclich 956. 1975. 5348. küene 6035. gehiure 1259. 1448. 2038. 
2152. 2252. 2300. 5617. groz und ungehiure 1057. gröz und ivit 
3331. 5740. gröz und michel gnuoc 5142. umnderlich 1065. zart 
1086. 1502. 3702. 4042. 6739. snel 1184. 5803. gemeit 3387. 5805. 
hübesch und gemeit 1579. 1825. 1959. hübsch und gruozsam 1195. 
vrech und vruot 1203. vruot 2801. 3303. 3878. 5794. 6123. manlich 



*) Vom adj. vol ist natürlich abgesehen 2835. 

Bernt, Heinrioh von Freiberg. 



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66 

1815. matiltch unde vruot 6101. manttch unde ivert 6211. wert 
1820. 8656. 6072. 6169. edel unde wert 4191. lobesam 1711. 5337 
5554. ellenthaft 2046. 2279. fier 2107. 2242. 3398. 6241. fin 2523. 
4487. 6566. reine und fin 3341. glänz unde fin 6103 (vielleicht 
praedic). kurtois 2595. manievalt 3071. 3930. 4858. ungeslacht 
3074. richlich 4364? ivolgestalt 4683. «eise «wd woZ bedacht 4706. 
Wo* 4812. 5296. glander 1922. 4407. 4513. 4807. 6820. tugenderich 
4990. *aft 5140. kluoe 5258. 5332. wandeis vri 5458. jtmc 5521. 
grimmeclich 6128? einborn 6880. Im ganzen vielleicht 62 ver- 
schiedene adject. in ungefähr 144 Fällen, davon im Versinnern 
nur die Beispiele 887. 1711. 1947. 4723. 4804. Am häufigsten 
sind dar (22), vruot, gehiure (7), hochgeborn, wert (6), guot, fin, 
glander, zart, guldin(5). 

t>) das unflektiert nachgestellte adj. mit Verstärkung 
durch gar, so, also usw.: wol gesniten 1938. gar züchticlich 928. 
so ermrich 1216. gar ritterlich 1665. also guot 2019. also fier 
2032. gar wunnmclich 2368. gar minnenlidi 3424. also zart 3779. 
w7 z. 6429. afo erenbere 5825. </ar vermezzen 5744. 5946. hierher 
auch : vraA *md #ar kurtois 73. seltsen getan 5133. (15 Fälle). 

c) in der Anrede nachgestellt: lieber vriunt gehiure 353. 
ritter wert 2179. swester guot 3816. ntfer gwo* 1837. degen 
vruot 2872. 

d) eines flektiert, eines unflektiert: min vriunt 
trüt unde guoter 180. muot vruot unde guoter 396. lip siech unde 
fozzer 4636. Mit Verstärkung: einen sprunc so gröz und also 
witen 5523. In der Anrede: Käedin verstendic unde vruot er 411. 

In den übrigen Gedichten finden wir denselben Gebrauch. 
Leg.: nachgestellt unflekt. dar 16. 274. 279. 634. lobesam 78. 85. 
782. 788. heiliesam 792. 820. ivunnesam 310. manievalt 44. 50. 383. 
gebenedit 84. viurin 180. minneclich 231. lichtgevar 306. uz erkorn 
318. wise und wol bedacht 576. inneclich 619. #w<tf 821. zart 839. 
— In der Anrede: herre Jesus zart 88. — verstärkt: vil dar 
269. lüter gar 273. jrar ivunnesam 814. Im ganzen 16 adj. in 
27 Fällen (5 dar, 4 lobesam). S ehret.: üz erkorn 10. einvaltic 
87. foemw 193. ungehiure 195. ungeslacht 225. edeZ tmd hochgeborn 
9. — Kitt.: tugenthaft 14. ritterlich 76. 207. Hermelin 117. jw&ttn 
126. umnneclich 119. cfär 124. unervorcht 136. lobebere 153. «* 
erirett 209. #mo/ 223. 248. 297. u* erfa>rn 261. lobesam 295. mic/«^ 
unde starc 307. ungezelt 309. Mit Verstärkung: #ftm# s&ftw 88. 
Im ganzen 16 adj. in 18 Fällen. 



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67 

IL Das adj. wird flektiert nachgestellt (vgl. oben die 
Fälle, in denen neben ein unflekt. ein flekt. trat). Weinhold 
Gr. § 524. 

a) Das flektierte adj. ohne Artikel nachgestellt 1 ): snit 
spehen und riehen 17. wille guoter 460. knappe vruoter 588. die 
vrechm helde jungen 1773. mit schimpfworten scharfen 2187. 
tuochen cldren 4786. maget junge 4910. mit ir munde röten 5572. 
segel wizen 6383. 

b) In der Anrede: vriunt lieber 343. 369. 1253. 1887. min 
vriunt lieber 2304. herre trüter 6612. Mit Ausnahme der letzten 
Stelle durchaus im Versinnern 

c) Mit adverbialer Verstärkung: sinen heim gar 
licMgemdlen 1716. zwo megde tvol getane 4934. 5374. den lielden 
gar geslachten 6199; zwei solche adj. füllen den folgenden Vers: 
an disen dingen, so deinen und so ringen 2860. mit steinen, gar 
tiuweren und reiften 4806. 

d) das flekt. adj. wird mit Artikel nachgestellt: Bl ansehe- 
mants die werden 312, ähnl. 1867. 6822. die maget die wizgehande 
526, ähnl. 3981. 6372. ir wizen bein die linden 699. üz geziuge 
dem besten 730. Isöt die blunde bele 805. Trist, der stolze und 
der Jcurtois 1130 (vgl. Trist, der kurtois 1822. 5040. 6520.) her 
Trist der kurteise 1349. 5840. 6202. Trist der muotes wie 1149. 
Trist der süeze junge 1440. got der süeze 3503. Trist der junge 
3206. sine jugent die gehiuren 1451. Artus der reine guote 2957. 
Trist der reine 3392. Marke der guote 5713. munt den finen 5418. 
Isöten der cldren 5632. Isöt die tugentriche 5956. Trist der triuwen 
blüende 6513. die künigin die zarten 6602. sin herze daz getriuwe 
6609. Nur einmal im Versinnern : Trist der höchgemuote 1587. 

e) zwei flekt. nachgestellte adj. füllen einen Vers: getiehte, 
dem reinen und dem finen 44. Isöten, der blunden bclen 127. 795. 
6371. Isöte, die sclwene wizgehande 171. Isöten, der kiuschen und 
der ivisen 445. Karsie, die kiusdie wandeis vrie 482. 668. die süeze 
valsches vrie 6748. lantherren, die minren und die merren 518. 
5224. 6772. Trist, der junge muotes reine 1683. Kamelinen, der 
kiuschen und der finen 4862. 5002. 

f) flekt. adj. mit Artikel und adv. Verstärkung: ge- 
tichtes des gar spehen 7. Das adj. füllt einen Vers: Isöten an 
sorgen gar die töten 642. 5426. 

*) Nicht in Betracht kommen Bildungen wie den Isöten beiden 148. 
6686. den Isöten zwein 193, ähnl. 897. 

e* 



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68 

g) ein adj. flektiert, eines unflekt.: Ttist. der Tcluoge 
und ivolbedächt 5924. 

Derselbe Gebrauch in den kleineren Gedichten, a) der engel 
wise Leg. 252. dem leimige guoten Leg. 587. mit den vrouwen zarten 
Ritt. 64. 182. den herren mnotes vrien Ritt. 175. c) ivort so süeze 
Leg. 75. den hof so schönen (wohl praedicat.) Schret. 46. der tiure 
gast ml werde Ritt. 85. die ors gar JceMiclien (adv. ?) Ritt. 232. 
kimder so starc noch so geleitke Schret. 107. d) got der genende 
Leg. 107. Seth der reine wise Leg. 235. Adämes sun der wise Leg. 
260. 272. Maises der guote (im Versinnern) Leg. 511. über den se 
den starken Schret. 27. der Minie, der crenriche v. Narw. Schret. 77. 

Ich habe den Gebrauch mit den Beispielen deshalb so ein- 
gehend vorgeführt, weil durch die Vielseitigkeit der Fälle der 
Stilgebrauch Heinrichs in einem weiten Gebiete beleuchtet wird 
und weil zugleich auf die Wahl der Beiwörter bei unserem 
Dichter ein helles Licht fällt. Man ersieht aus diesen Beispielen, 
dafs der formelhafte Gebrauch der Nachstellung des Adjektivs 
allen Gedichten gemeinsam ist. Kennzeichnend ist diese Überein- 
stimmung in der Verwendung des nachgestellten flekt. adj. mit 
und ohne Artikel und mit Verstärkung. Ein bestimmter Zweck 
in diesem Gebrauche, wie vielleicht die Absicht besonderer Her- 
vorhebung oder die Absicht spielender Verwendung, ist nicht er- 
sichtlich. Die mit so, also, gar verstärkten adj. haben öfter prädika- 
tiven Sinn. Tritt das adj. in die nächste Verszeile, so wendet 
Heinr. den beliebten Parallelismus durch Verdopplung an. Im 
allgemeinen wird man annehmen müssen, dafs Heinr. und viele 
andere mit ihm diese in der lebenden Sprache nicht begründete 
formelhafte Nachstellung der Beiwörter nur darum in so aus- 
gedehntem Mafse verwendeten, weil sie ihnen ein bequemes 
Mittel bot, den Vers zu füllen und Reimwörter zu geben. Sein 
feineres Stilgefühl mag übrigens auch öfter durch die Klang- 
wirkung der vollen Formen befriedigt worden sein. 

Formelhafte Praepositionalausdrücke als Flickwörter 
kennt Heinr. häufig, sie sind traditionell höfisch, aber ein Zeichen 
gröberer Technik. Ich führe eine Reihe Beispiele an, mit denen 
aber der Gebrauch von Flickwörtern bei unserem Dichter kaum 
erschöpft ist. mhant 999. 1717. 2774. 3314. 4034. 4720. 4742. 
4876 Leg. 153. 519. 582. 716. 833 Schret. 91. 348. sän auhant 
331. 381. 954. 1255. 1472. 1661. 1862. 1876. 2047. 2425. 3823. 
3848. 4007. 5026. 5577. 5881. 5905. 6121. 6221. 6381. 6684 Leg. 



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69 

470. Schret 51. ahuhant *) Leg. 551. sä zustunt 658. 1618. 2081. 
2570. 2889. 3277. Leg. 370. zustunt Leg. 793 wurde darnach ge- 
ändert, dö zustunt Ritt. 163. — an der stunt 2970. 3650. 4107. 
6292. 6605. 6831. Leg. 423. 572, ähnl. 612. in der stunt 4669. in 
der stunde 1305. 6487. an der stunde 5202. Leg. 652, ähnl. 851. 
zu der stunde 2405. in dm stunden 1703. 1983. 2929. 3588. an 
dm stunden 2764. 3328. 3417. 6309. 6321. 6746. Leg. 319. 860, 
ähnl. 751. — in der zu 939. 1840. 4231. 4329. 6112. 6165. in 
dirre zit 2181. 5983. Leg. 83. in der selben zit 2899. in den ziten 
486. 1779. 2438. zu den ziten Ritt. 173. — in der vrist 2868. 
3038. 3642. 3787. 5329. 5616. 5800. Leg. 827. in diser vrist 3630. 
in keiner vrist 5776. in kurzer vrist 2981. — an der stat 1221. 
3646 (phraseol.). — mit der vart 3134. 6589. — äne zil 1143. 
2186. 2292. 2578. 4039. 6484. Leg. 566. 600. 742. 832. Ritt. 130. 
sunder zil 1240. 2186. 6077. Leg. 267. äne zal 1615. 6438. — 
Hieher gehören auch die zahlreichen sän im Trist. 29 mal, in der 
Leg. 5 mal, ebenso sä im Trist. 7 mal, in der Leg. 4 mal in Reim- 
stellung. Auch das häufige phraseologische überal, das im Trist. 
20 mal im Reime steht. Weitere Belege zu diesem Punkte vgl. 
in der Metrik unter dem Abschnitte „Traditionelles Reimmaterial". 
Bemerkenswert ist, dafs das Flickwort zumeist an zweiter Stelle 
im Reimpaare erscheint und so seinem Wesen gerecht wird. 

Wenn ich im folgenden aus den Dichtungen Heinrichs 
Parallelstellen sammle, die das Bild der Übereinstimmung in 
Sprache, Metrik und Stil auch in Rücksicht auf Verwendung 
von Formeln und auf gröfsere wörtliche Entlehnungen abrunden 
sollen, wird ein solcher Versuch immer ein mangelhafter sein, 
denn die Übereinstimmungen lassen sich meist nicht als be- 
stimmte Verse aufführen, sondern sind so in den Wortschatz 
und Formelschatz übergegangen, dafs sie nur durch ein aus- 
gedehntes Tabellensystem halbwegs ersichtlich gemacht werden 
könnten. 

In Rücksicht auf die Legende werden wir allerdings zu- 
geben, dafs uns Heinrichs Art darzustellen hier in wesentlich 
anderer Gestalt erscheint. Im Tristan der formvollendete höfische 
Dichter, hier der gelehrte Übersetzer, der sich eng an die latei- 
nische Vorlage anschliefst. Dafs wir aufser den stilistischen 
Berührungen mit dem Tristan wenig wörtliche Anklänge finden, 



l ) Nur hier, alzustunt gebraucht er überhaupt nicht. Heinrich ver- 
wendet al- zur Verstärkung von adv. in aldä, Mar, cUhie. 



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70 

ist leicht begreiflich. Dazu steht der Stoff beider Gedichte zu 
weit von einander ab; und sicherlich sind die beiden Werke 
auch zeitlich weit getrennt. Ich führe die Parallelstellen durch 
das ganze Gedicht. 

Leg. 97 und er in swntticher wise I Trist. 1535 in engelischer wise 

uz dem vronen paradise. I her üz dem paradise. 

vgl. v. 195. 213. 

Leg. 433 diz was ein wunderlich ge- I Trist. 185 diz was ein wunderlich ge- 
schieht : nicht I schickt : nicht 

Leg. 576 dem künige wise und woh I Trist. 4706 her Tr. wise und wolr 
bedächt \ bedacht 



Trist. 3437 waz er nü tuon möchte, 
daz sinen wirden töchte. 



Leg. 589 wä er die heiligen ruoten 

hin nu pelzen möchte, 

daz iren wirden töchte. 
Leg. 731 eins siten man in der zit I Trist. 1723 man pflac des siten in 

pflac I der zit. 

Leg. 841 und die Juden trachten j Trist. 989 in iren sinnen achte 

und in ir herzen achten I und allez daz betrachte. 

Vgl. noch Leg. 145 u. 151 mit Trist. 981. Leg. 302 mit 
Trist. 724. Leg. 367 mit Trist. 4847. Leg. 313 mit Trist. 5159 
u. 5207 sowie Schret. 223. Leg. 375 mit Trist. 6862. Leg. 423 
mit Trist. 6831. Leg. 521. 588. 597. 631 mit Trist. 6822 ff. 
Leg. 755 mit Trist. 1810 und Schret. 243. 

Von der Ritt erfahrt wurde zu allermeist behauptet, dafs 
dieses Gedicht Heinrichs Tristan nicht vergleichbar sei. Be- 
sonders Ernst Kraus hat sich eingehend mit dieser Frage be- 
schäftigt Germ. 30, 1—18 ; darauf beruhend Knauth, Mitteil. des 
Freiberger Altert. -Vereins 23, 97 f. und wiederum E. Kraus, Jan 
z Michalovic Prag 1888. Wer unseren Ausführungen über 
Sprache, Stil und Metrik nachgeht, wird angesichts des er- 
drückenden Materials, das bis in die kleinsten Einzelheiten die 
Übereinstimmung von Heinrichs Gedichten beweist, nicht mehr 
an Heinrichs Autorschaft zweifeln. Ich werde im folgenden auch 
aus dem Wort- und Formelschatze Parallelen beibringen, wenn 
auch natürlich nicht der einzelne Beleg, sondern die Summe zum 
Beweise beiträgt. Man vgl.: 

Ritterf . 34 der tet daz offenlichen schin, : Tr. 1950 dar an wart offenlichen schin, 
daz er nach ritterschefte ranc. I daz der herre ritter was. 

Man vgl. Ritt. 42 daz er mit ritterlicher tat liM so IwJien 
pris erkrigen, daz sin name ist mir gestigen — Kitt. 49 von dem 
herren eine tat, da mit er erworben hat — Kitt. 313 stne ritter- 



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71 

liehe tat, die der helt begangen hat — mit Trist. 2054 sin muot, 
sin eilenthafte hant, die heten im den pris erlrigen, vgl. 3902. 
1884 f. 1988 ff. 1998 ff. 2021 f. 3723 f. 
Ritt. 146 daz dar in wiz Hermelin | Trist. 5136 dar üfgesniten hie und da 

ein gSnder lewe was gesniten I narrenbüde üz röter wät. 

Ritt. 165 zwelf herzen, I Trist. 691 zwo herzen ob ir brunnen 

die so schöne brunnen : sunnen I : sunnen. 

Ritt. 250 ouch liezen da zusamne gän | Tr. 2116 hurilich die helde höchgeborn 

die helde so niüiche I liezen da zusamne gän, vgl. 1740. 

Ritt. 274 stach, daz sich gein sin | Trist. 1744 ir beider sper unz an die 
selbes hant hant 

des herren sper mit krache Uoub \ sich von den hexten Stichen Hüben. 

Als einzelne Stellen von geringerer Beweiskraft, aber in 
der ganzen Kette doch beachtenswert sind zu vergleichen Ritt. 
36 mit Trist. 4992 — R. 57 mit Tr. 4889 — R. 128 f. mit Tr. 
4784 — R. 178 mit Tr. 1730 — R. 179 mit Tr. 58 — R. 248 
mit Tr. 1800 u. 1864 — R. 267 mit Tr. 4552 — R. 276 mit Tr. 
2078 — R. 303 mit Tr. 2496. Und zur Schilderung des ganzen 
Gedichtes vgl. Trist. 1932 — 2015. 

Steht der Schwank stilistisch auch dem höfischen Epos 
nahe, so werden wir doch wegen der stofflichen Verschiedenheit 
nicht viele Parallelen mit dem Trist, erwarten. Einen wenn 
auch nicht tiefgründigen Versuch des Nachweises der Autorschaft 
Heinrichs hat Wiggers in seiner Dissert., Rostock 1887, geliefert. 
Man vgl.: 

Schret. 37 daz er Ute vaste Trist. 1161 der hete gestrichen vaste 
gein herbergen durch raste I des tages und was durch raste 

Schret. 102 sine gestalt und sine gelider I Trist. 2236 herre, sine gestalt 

die enmochte ich leider nie gesehen I han ich werlich nicht gesogen. 

Schret. 172 u. 215 u. 219 mit Trist. 3357: 
sine koste er söt und briet \ schöne er ez briet und söt. 

Schret. 183 mit Trist. 2715 u. 2797: 

dö sie nü gelägen 
und alle släfes pflägen — 
dö nü her Tristan gelac 
und hurzewile vil gepflac. 

Schret. 208 f. mit Trist. 2636 u. 3433 u. 4413: 
niüich ez üf den beren sach; \ er sach doch mit dem herzen 

ez sach öt dar und alles dar I stete und einecliche dar — 

I und sach gar einecliche dar — 
I Käedin sach alles dar. 



dö nü der guote man gelac 
und släfes nach der müede pflac 



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72 

Schret. 223 ff. mit Trist. 5159 u. 5207 und Leg. 313: 



und swenne er den kolben zöch 
iegltchez vaste von im vlöch — 
der ihre sinen kolben zöch 
üf mit beiden Tuenden hoch. 



den spiez er mit dem braten zöch 

vaste üf über daz houbet hoch. 
Leg. 312 der boum 

an siner hahe sich zöch 

vaste üf in den himel hoch. 
Schret. 225 daz bcese tuster unge- ' Trist. 3074 die bcesen nider unge- 
slacht : macht I slacht : nacht. 

Schret 243 mit Trist. 1810 und Leg. 755: 

des rief in vröuden her Tristan 
und schrei in grözem grimme 
sin an geborne stimme 



sin an geborne hrte — 
sie rief in grözem grimme 
mit wissagender stimme. 

Schret. 318 mit Trist. 4676 und Ritt. 229: 



ez rief eislich und lüte gnuoc 
Wide sprach dem büman zu, 
ez rief wol dristunt — 



— wol dristunt und rief lüte gnuoc. 
wart geschrigen lüte und wurmenc- 
liehe gnuoc. 



Vgl. auch Schret. 2 mit Trist. 393 oder Schret. 9 ff. mit 
Trist. 5750 ff. u. Schret. 257 f. mit Trist. 1806. 

Betrachten wir nun den Kreis der Muster und Vorgänger, aus 
denen Heinrich Kraft und Anregung für sein Werk geschöpft 
hat, deren Einflufs mehr oder minder gewirkt hat oder wenigstens 
in Reminiszenzen nachzuweisen ist. Der Umfang der Lektüre 
Heinrichs ist, schon soweit er sich konstatieren läfst, ein be- 
merkenswert grofser und ist in Wirklichkeit gewifs bedeutend 
gröfser. Und wenn wir von Heinrich auch auf die anderen 
höfischen Dichter schliefsen dürfen, so mufs man vermuten, dafs 
die mittelhochdeutschen Epiker weniger durch angeborenes Talent 
als durch Lektüre und geistige Aneignung ihre oft staunenswerte 
stilistische Gewandtheit und Reimvollendung erreicht haben. Und 
diese Beobachtung beleuchtet auch die Frage der Literatur- oder 
Dichtersprache. 

Da Heinrichs Hauptwerk im ganzen Stilcharakter die Nach- 
ahmung Gotfrieds von Strafsburg verrät, sodafs Heinrich 
mit Recht derjenige mhd. Dichter genannt werden kann, der 
Gotfrieds Wesen und Dichten wie kein anderer erfafst hat, ist 
eine weitläufige Beweisführung für diese Nachahmung und Be- 
nutzung Gotfrieds nicht notwendig. Im folgenden mögen nur 
einige Stellen hergesetzt werden, in denen augenfällige wörtliche 
Herübernahme eines Gedankens stattfand. Man vergleiche: 



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73 

Trist. 497 gote und mir wiUekome 
sin — 
iuch sol wesen undertän 
lant und Hute und swaz ich hän. 
Trist. 3512 ersufzte sie 

gar inneclichen unde sprach 
uz listigem herzen: acht 
Trist. 983 dö nü die höchzit zurgie 

und sicJi die herschaft zxdie. 
Tr. 6540 sie teere gestorben an der stet, 
wan daz der tröst sie labete 
und der gedinge üf habete — 
daz sie — sehen solde. 
Trist. 1648 nu was daz ros gemannet 

baz 
wenne gerosset was der man. 
Gotfr. 9231 daz ich der not, in der j Trist. 1065 ez was ein wunder wunder- 
ich was, lieh 

ie dannen kom und ie genas, | und wundert sin noch hiute mich, 

des wundert unde wundert mich I daz ich dar inne nicht ertranc. 



Gotfr. 504 *) er sprach: „got und mir 
wtUekomen! 
lip unde guot und swaz ich hän, 
daz sol ze iuwerm geböte stan. a 

Gotfr. 784 ersufte in an 

vü tougenlichen unde sprach 
üz inneclichem herzen: ach! 

Gotfr. 1117 nu Markes höhgezit zergie 
und sich diu herschaft gar zerlie 

Gotfr. 1184 und in dem leide erstorben 
wan daz sie der tröst labete 
und der gedinge üf habete, 
daz st in benamen wolte sehen 

Gotfr. 6574 der man gezam dem rocke 
baz — 
vü mere danne der roc dem man 



Gotfr. 12556 dar kom manc wunnec- 
liehe schar 
von rittern und von vrouwen 
ir ougen wunne schouiven 



Trist 555 von rittern und von 
vrouwen. 
man mochte wunder schouwen 
an manger ritterlichen schar. 



Gotfr. 16083 (vgl. 2753. 3575. 2405. 4883) mit Trist. 2727 (vgl 
3051. 6653): 

gedenkende unde trahtende, ! gedenkende unde trachtende, 

in sinen sinnen ahtende. I mit allen sinnen achtende. 

Vgl. noch Gotfr. 3013 mit Trist. 4565. 

Auch das kurze Stück der Kitt erfahrt trägt in Wen- 
dungen und Gedanken den Stempel Gotfriedschen Geistes; sie ist 
z. t. freie, aber dem Original an Gewandtheit ebenbürtige Nach- 
ahmung von Tristans Eüstung gegen Morold v. 6538 — 6724; die 
Nachbildung liegt nicht blofs im Gedankenverlaufe, sondern auch 
in der Bildung der Sätze und in wörtlichen Parallelen. Besonders 
vergleiche ich Gotfr. 6545 mit Kitt. 90: 



dar über leite er edel werc, 
zwo hosen und einen halsperc, 
die wären lieht unde wiz, 
also der meister sinen vliz — 
an si heie geleit 



dar ob im schöne wart an geleit 
ein silberwizer halsperc, 
dar an lac meisterlichez werc 
105 wart gesant ein wäfenkleit, 
da riche kost hete an geleit 
ein vrouwe mit ir wizen hant. 



l ) Ich zitiere nach der Ausgabe von Golther. 



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74 

6609 ein schilt der wart oueh dar besant; 
an den hete ein gefüegiu hant 
gewendet allen iren fitz : silberwiz — 
rehte alse ein niuwe Spiegelglas 
ein eher dar üf gesniten was 

Gotfr. 6687. nu daz Tristan — 
nach kampfes gewoneheit 
wol und ze prise was bereit 



140 einen schilt — gevazzet wunneclichen 
mit grüenen borten sam ein gras — 
daz dar in wiz Hermelin 
ein gender lewe was gesniten. 

Ritt. 148 dö wol nach ritterlichen siten 
der hell zu velde was gereit, 
die Hute nach gewonheit — 



Auch zum Schwanke vom Schretel kann man eine ver- 
gleichbare Stelle beibringen. Gotfr. 247 u. 6145 mit Schret. 10 : 



wol an gebürte künege genöz, 
an lande fürsten ebengröz — 
allen künegen ebengröz, 
aller keisere genöz 



eime andern künige üzerkorn 

an adele sime genözen, 

an richeit dem grözen 

und an gewalt dem starken — 



Dafs Heinrich für seine Tristanfortsetzung Eilharts 
Dichtung gekannt und benutzt hat, wird nach Wiegandts Arbeit, 
Heinr. v. Freib. in seinem Verhältnisse zu Eilhart und Ulrich, 
Diss. Rostock 1879, der eine Reihe von Stellen anführt, die als 
Entlehnungen gelten können, und besonders nach Singers wert- 
vollem Aufsatze, die Quellen von Heinrichs von Freib. Tristan 
(Zfdphil. 29, 73 — 86) nicht mehr bezweifelt werden. Von beiden 
Forschern wurde auch die Benutzung Ulrichs von Türheim 
nachgewiesen, vgl. unser Kapitel über die Quellen. 

Heinrich hat auch Wolfram von Eschenbach gekannt. 
Wohl sind die Parallelstellen, die ich vorbringen kann, wenig 
zahlreich und auch nicht immer schlagend, weil eben die Über- 
einstimmung mit Wolfram mehr nach der Seite des Stiles zu 
suchen ist, und hier vornehmlich nach der sprachlichen Seite. In 
der Stilbeschreibung wurde wiederholt darauf hingewiesen und 
allenthalben Parallelen aus Wolfram hinzugefügt. Hier erwähne 
ich nur die volkstümlich gefärbte Sprache Wolframs (der degen 
fier 21,11. degen halt 26,6. degen guot 30,4. stolzer degen junc 
48, 17. degen wert 64, 7. hell vennezzen 32, 10. lielt küene 64, 28. 
der uigant 39, 1 usw.), in der Heinrich mit diesem grofsen Muster 
übereinstimmt. Wenn auch zahlreiche Vorgänger Heinrichs in 
diesem Punkte Wolframs Stil folgen wie Ulrich von dem Türlin, 
Konrad von Würzburg und der Heinrich ebenfalls bekannte 
Ulrich von Eschenbach, so zeigen andere Berührungspunkte, dafs 
Heinrich diesen Gebrauch wohl aus erster Hand übernahm. 
Stofflich und gedanklich hat Heinrich manchen Zug Wolframs 
Werken zu verdanken. Keies Fall und Verwundung 2065 ff. hat 



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75 

ein Vorbild im Kampfe Keies und Segremors Parz. 295. Auch 
Kampf und Erkennung Parzivals und Gawans Parz. 304 hat auf 
die gleiche Szene zwischen Tristan und Gawan gewirkt, vgl. 
v. 1845 ff. Die Schilderung des Hoffestes im Trist 601 ff. vgl. 
man mit Parz. 639. 

Im einzelnen stelle ich zusammen Parz. 16, 10 mit Trist. 6454: 

des lac er nach ir minne tot | der lac ouch in ir minne tot. 

Parz. 286, 18 wan daz er niht vor [ Trist. 6750 daz die nicht mit den 



liebe starp, 
daz ander was da gar geschehen 



töten tot 
vor leide lac, daz ander zwar 
tet sie mit geberden gar. 

Parz. 376,1 und 196,2 mit Trist. 4705 und 5341: 



der tac het ende und kom diu naht, 
diu naht het ende und Jcom der tac. 
Parz. 602, 13 (Gawan) nam daz ros 
mit den sporn: 
ez treip der degen xool geborn — 
Parz. 639, 21 och mochte man da 
schowven 
ie zwischen zwein vrouwen 



der tac sleich hin und quam die nacht. 

der tac vergienc und quam die nacht. 

Trist. 1739 nam sin ros mit den 

sporn; 

hurüich die helde höchgebom — 

Trist. 895 ie zwischen zwein vrouwen 

guot 
saz ein ritter höchgemuot. 



einen clären riter gen. 

Man vgl. noch Parz. 219, 9 u. 35, 24 mit Trist. 6579 (doch 
ist die Stelle wohl von Wigalois 7680 oder von Ulr. v. Licht. 
303, 18 beeinflußt). — Parz. 37, 26 u. 739, 6 mit Trist. 1746. — 
Parz. 87, 8 mit Trist. 445. — Parz. 93, 12 mit Trist. 194. 842. 
3102. — Parz. 116, 14 mit Trist. 825. — Parz. 553, 10 mit Trist. 
1770 u. 5948. — Parz. 720,5 mit Trist. 2686. — Auch die 
Ritterfahrt weist wörtliche Anklänge auf. Man vgl. Parz. 
121,13 mit Ritt. 220: 



dö kom geleisieret 

und wol gezimieret ein ritter — 
Parz 186, 4 dö het er der sunnen 

verkrenket nach ir liehten glast. 

des dühter si ein werder gast 
Parz. 435, 10 — geworht : 

der junge degen unervorht 



— gezieret. 

indes geleisieret quam ritterlichen — 
Ritt. 166 daz sie der lichten sunnen 

nähen benamen iren glast. 

Frankrich, da reit din werder gast. 
Ritt. 136 — geworcht: 

der tiure degen unervorcht 



Aus dem Sehr et el weifs ich nur heranzuziehen v. 206 
mit Parz. 300, 26. Die geringere Ausbeute an Parallelstellen 
aus Wolframs Werken wird man auf das Übergewicht zurück- 
führen, welches Gotfried für Heinrichs Dichten besafs. 

Auch Wirnts von Grävenberc Wigalois gehörte zu 
Heinrichs Lektüre. Denn die hübsche Szene v. 1155 ff. — Tristan 



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76 

trifft den Knappen, der als Bote von König Artus kommt — ist 
in ihrer Disposition und im gedanklichen Verlauf sowie auch im 
einzelnen Ausdruck von Wirnts Wigalois 1416 ff. abhängig. Ich 
setze die Stelle im Auszug her, wobei ich die Verse im Trist, 
zu den betreffenden Wirnts stelle. 

dar wnder min her Tristant 

einen garzun sitzen vant — 

von grüenem vritschäl ein tschabrun 

der lac da bi dem garzun — 

der linden loubes ein schapel 

hete üf sin houbt der knappe snel 

gesetzet harte stolzlich. 

nach sinem stabe bucte sich — 

sin roc was hübeschlich gesniten 

wol nach gendes boten siten 

von guotem sagite rot — 

des selben tuoches wären die 

hosen, die der knappe truoc. 

rot sine schuoch undhübeschgnuoc — 



nu kom gen im geloufen her 

üf dem wege ein garzun. 

der truoc einen schaprün 

gesniten von fritschäle: 

mit rotem zendäle 

was er gefurrieret. 

sin huot der was gezieret 

mit bluomen und mit loube. 

sus lief er in dem stoube. 

des röten seites von der gran 

truoc er einen roc an — 

den stap begunde er wenden 

nach der garzüne site — 

sin hosen wären guot genuoc. 

zwene brisschuoch er an truoc — 

Auch im weiteren entspricht der Verlauf der Szene bei 
Heinrich der Schilderung Wirnts. 

Eine Benutzung des Willehalm Ulrichs von dem Türlin 
kann ich nicht feststellen; die Anklänge in Bildern und im 
sprachlichen Ausdruck, die ich zum Vergleiche heranziehen 
könnte, sind überkommenes Gut. 1 ) Hier will ich nur den An- 
fang der Erzählung im Willehalm und Tristan mit der gleich- 
gebauten Einleitung und Anknüpfung an das Werk des Vor- 
gängers vergleichsweise herstellen. Sowie Tristan v. 85 ff. mit 
wie — wie — und wie — und wie — und wie — : daz hab wir 
allez wol verminten auf Gotfrieds Roman zurückweist, so heilst 
es bei Ulrichs Willeh. IV. 12 ff. wie — wie — und wie — und 
wie — : daz hat her Wolfram bescheiden gar. Diese Art der 
Zurückverweisung auf Vorgänger und Quelle kann Heinrich auch 
von Ulrich von Eschenbach haben, der Alex. 159 ff. ebenso 
einsetzt: wie daz dar zuo kam — und tvie — und wie — und 
wie — . Und dafs Heinrich diesen Dichter, der sein Lands- 

*) So spricht Heinrich von seinem Gönner 56 ff. ähnlich wie Eonrad im 
Partonop. 178 ff. von seinem Auftraggeber. Die Schilderung der Kampfes- 
rüstung dortselbst 5136 — 5241 oder 13 530 ff. ist der in der Kitterf. ähnlich 
und typisch. Vgl. noch Parton. 8628 mit Ritt. 198; Parton. 137Ö4 mit Ritt 
106. Beeinflufsung ist nicht erweislich. 



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77 

mann und Zeitgenosse war, gekannt hat, können wir nachweisen, 
denn die wörtlichen Anklänge sind sehr zahlreich und werden 
durch die hier vorgeführten Parallelen nicht erschöpft. Auch in 
verschiedenen Eigenheiten des Stiles und der Sprache finden wir 
Übereinstimmung, wenn sich auch nicht ausmachen läfst, was 
beiden zufällig gemeinsam ist und was der übrigens fast gleich- 
zeitig dichtende Heinrich v. Freib. von dem angesehenen Lands- 
mann übernommen hat, denn der Alexander ist nach Toischers 
Untersuchungen 1270 — 87 gedichtet, während das 11. Buch erst 
um 1300 anzusetzen wäre. Man vgl.: 

Alex. 2193 nü jähen sie des alle I Trißt. 5705 da wider sprächens alle 

mit gelichem schalle I mit gemeinem schaue 

Alex. 2919 und fragte in der mcere, I Trist. 2233 dö vrägete er Keien mere, 

wer sin vater wcere I wer der räter were 

Alex. 7431 (vgl. 10927 und 13457) mit Trist. 67, vgL 5745 
(übrigens formelhaft): 



daz er mit ritterlicher tat 

in strite pris erworben hat 
Alex. 8563 über heide und gevilde 

vaste gegen der wilde 
Alex. 9408 daz dö von ir beider kraft 

die splittern gegen den lüften stuben 

und sich ir beider schilte cluben 
11046. daz die splittern von den scheften 

hoch üf gegen den lüften vlugen, 
Alex. 14125 er begunde mit gedanken 

hin und her wanken 



daz er mit tugentlicher tat 
vil höer wirde erworben hat 

Trist. 6051 er reit über daz gevilde 
hin vaste gein der wilde 

Trist. 1744 ir beider sperunzan diehant 
sich — cluben; 

sie brächen; die drunzeln stuben 
zu tüsent stucken in die luft 

Trist. 195 daz er aber wanken 
begonde mit gedanken 



Alex. 17731 (ähnl. 18485. 21127 und bes. 24811) mit Tristan 
1495 (ähnl. 4641. 5695): 

daz er hie wolde bliben, 
mit uns die zit vertriben 
Trist 3909 ein äventiure, die ichverholn 

dir hän und lange vor gestoln 
Trist. 1739 nam sin ros mit den sporn 

hurtlich die helde höchgeborn 

Trist. 6277 — der sibende her 

quam mit eime gelupten sper 



(nü wolde) mit den vürsten bliben, 

die zit da vertriben 
Alex. 18241 daz er den rät hcete verholn 

und sinem Jierren vor verstoln 
Alex. 20147 die werden helde uz erkorn 

nämen die ros mit den sporn 
Alex. 20635 dö kam dort aber einer her 

mit einem scharpf gelupten sper 



Dazu vgl. man noch Übereinstimmungen in einzelnen Versen: 
Alex. 429. Trist. 152. — Alex. 1076. Trist. 210. — A. 1205 u. 
2889. Tr. 1909. 2374. 3320. 5749. — A. 2065. Tr. 6573. — A. 
2345. Tr. 921. — A. 2627. Tr. 5326. — A. 3406. Tr. 3438. — 
A. 3535. Tr. 2967. — A. 3885. Tr. 286. — A. 6301. Tr. 6859. 



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78 



A. 9886. Tr. 6640. — A. 13931. Tr. 4093. — A. 14532 t Tr. 
4508 f. — A. 16173. Tr. 21 u. 2537. — A. 17127. Tr. 509. — 
A. 18855. Tr. 1755 (vgl A. 3588). — A. 20062. Tr. 4210. — 
A. 21193. Tr. 1519. 

Eine ähnliche Lobpreisung, wie sie im Trist. 6414 ff. auf 
den toten Tristan zum Ausdrucke kommt, steht im Alex, in 
gröfserem Ausmafs, aber in demselben Aufbau 27250 — 27525, 
wo allerdings 8 Meister vorbringen, was Heinrich in 9 strophen- 
artigen Ansätzen von seinem Tristan sagt. Auch der Schlufs- 
passus: der ist hie tot tritt schon auf 27330. Ebenso ist schon 
hier die Lehre vom Weltlohn damit verbunden. Die zahlreichen 
Stellen, an denen Ulrich Klagen über den Weltlohn zum Aus- 
drucke bringt (4945. 7772 ff. 17388 ff. 18585 ff. 26876 ff.), zitiere 
ich weiter unten. 

Auch zu Heinrichs Ritterfahrt bietet Ulrichs Alex. 
Parallelstellen. Man vgl.: 



Alex. 3329 ritter unde vrouwen 
wären komen durch schouwen 

Alex. 7083 die teile daz sie lebten, 
nach strites prise sie strebten 

Alex. 13359 menlich der wigant 
gegen den vinden kam gerant 



Ritt. 151 kint, man unde vrouteen 
liefen zu durch schouwen 

Ritt. 27. nach ritterschefte strebten, 
mit steten triuwen lebten 

Ritt. 267 biz engegen quam gerant 
Grinet der ander wigant 



Man vgl. noch Alex. 2490 mit Ritt. 206. — A. 3358. R 118. 
— A. 11976. R. 44. — A. 15244 (15799. 17404). R. 35. — A. 
16231. R 58. — Die Turnierrüstung der Ritterf. vgl. mit Alex. 
3361 ff. 5671—5707. 7862—7904. 11016 ff. 13874 ff. Der beliebte 
Vergleich eines Helden (Ritt. 97 u. 178) mit bekannten Helden 
der Vorzeit findet sich auch bei Ulrich, Alex. 3388 ff. 3428 ff. 

Überzeugend sind die Übereinstimmungen mit Heinrichs 
Legende. Alex. 41 ff. bewegt sich in ähnlichen Wendungen 
wie der erste Teil der Leg. Sie sind aber hergebracht und 
nicht beweisend. Stärker ist die Übereinstimmung in folgender 
Stelle Alex. 1125 mit Leg. 425 (835): 

von Adam unz an Nöe — 
von Noe unz an Abraham; 
von Abraham unz gein den ziten, 
daz der Israeliten 
Möises der gotes degen 
begunde walten unde pflegen. — 
835 der träm lac unz an die vrist, 
daz unser herre Jesus Christ — 



die ersten zit von Adam 

unz zuo der zit daz Nöe kam; 

von Nöe unz Abraham wart — 

nach Abraham vürbaz me 

unz an den werden Moise — 

dar nach von der selben zit 

unz daz wart her Davit; 

von hern Davit unz an die frist 

daz unser herre Jhesus CJirist — 



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79 

Alex. 10013 mit Leg. 275: Tigris ] der natnen künde ich iuch gewis: 

mit wärheit si wir des gewis I Phison, Gion und Tigris. 

Leg. 443 van Phäraönes zorn mit 

her 
vuorte über daz röte mer. 



Alex. 11475 den Juden, die Moyses 
der her 

brähte über daz röte mer 
Alex. 15553 ninder so ungenannte I Leg. 131 daz was got widerzeme 

noch so widerzceme. I und gar ungeneme. 

Alex. 21063 got ist daz ende und begtn, 

der aller wisheite sin 

von siner craft gegeben hat 
Alex. 22194 von dem alter was er dar 
zuo bräht, 

daz in die kelte überquam 



Leg. 70 so bist du wisheit gebende, 

aller wisheit ein begin. 

nu gip mir wisheit unde sin. 
Leg. 162 und ouch die kelde in über- 
streit 

und in von alder übergie. 



Vgl. noch Alex. 23 199 ir hcehe ze der mäze zöch völlic drizic 
füeze hoch mit Leg. 313 an siner hcehe sich zöch. Ebenso Alex. 
19 690 f. mit Leg. 302 f., Alex. 25285 mit Leg. 96. 

Ich weifs natürlich, dafs in der ganzen vorausgehenden 
Sammlung die einzelne Parallelstelle nie Abhängigkeit beweist, 
besonders in der Zeit, in der Heinrich dichtete, wo die Pfade 
des höfischen Stiles so ausgetreten waren und die Quellen und 
Muster so vielseitig, dafs es kaum zu entscheiden ist, woher ein 
oder mehrere Verse, die Übereinstimmung zeigen, beeinflufst 
wurden. Und man könnte zu vielen der angeführten Stellen 
auch aus anderen mhd. Dichtern Belege beibringen und manches 
habe ich selbst gesammelt. Die Ausdrücke z. B., die Heinrich 
in der Ritterf. verwendet, um Rüstung und Zweikampf zu be- 
schreiben, gehören im einzelnen zum vielgebrauchten Handwerks- 
zeug, und doch meine ich, hier Gotfried als Muster nachgewiesen 
zu haben. Im allgemeinen ist wohl die Zahl der beigebrachten 
Parallelen mafsgebend und deshalb scheint mir die Benutzung 
von Ulrichs Alexander sicher zu sein. Stilistische Beobachtungen 
wirken hier mit. Auch Ulr. v. Eschenbach gehört wie Wolfram 
und Heinrich zu den Dichtern, die den höfischen Roman mit alt- 
epischen Wendungen zieren. Den Apparat, den Heinrich kennt, 
weist auch Ulrich auf, also der helt, der helt halt, der degen halt, 
die helde vermezzen, der tvigant, ellensrtch, ival, Minne, schroten, 
verdayen usw. 

Auffällig sind die verhältnismäfsig zahlreichen Parallelen 
Ulrichs zur Legende. Da nach Toischer Buch 1—5 des Alex. 
1270 — 78, das 6. und 7. zwischen 1278 — 83 und das 8.— 10. 
1283 — 87 gedichtet wurde, liegt nahe anzunehmen, dafs Hein- 



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80 

richs Legende der empfangende Teil war. Doch ist der Fall, 
dafs die Legende Ulrich von Eschenbach zu seinem Alexander 
schon vorlag, in Betracht zu ziehen. Es wäre vorerst zu unter- 
suchen, in welchem Mafse Ulrich sich fremdes Gut aneignete. 
Eine sichere Entscheidung über die Frage ist heute deshalb 
gewagt, weil wir die Entstehungszeit der Legende nur ganz 
allgemein zwischen 1270 — 90 ansetzen dürfen. 

Mit Herzog Ernst D, welcher nach Zwierzinas Darlegungen 
Zfda. 44, 289; 45, 411 Ulr. v. Eschenbach zugehört, stimmt Hein- 
richs Stil in kennzeichnenden Punkten ') sowie in hunderten von 
Wendungen wie mit keinem anderen Gedichte Ulrichs zusammen. 
Auch nach der sprachlichen Seite kann eine merkwürdige Ähn- 
lichkeit konstatiert werden, wenn auch Ulrich in Ernst D die- 
selben freieren Keimbindungen wagt wie in den übrigen Werken 
(also z. B. praeter. Formen het 4945. hcete 943. 3701. häte 1887. 
4909. hat 2299. 5285. Mt 5085). Vielleicht ist es mir vergönnt, 
den von Zwierzina ausgesprochenen Gedanken in einer be- 
sonderen Arbeit aufzunehmen und zugleich Ulrich und Heinrich 
nach ihrer sprachlichen und stilistischen Verwandtschaft in eine 
schärfere Beleuchtung zu rücken, als sie nach den vorliegenden 
Ausgaben möglich ist 



*) Häufige Deminutiva z. B. 2660. 5433. mundel mufs 2694. 2784 ge- 
schrieben werden, ebenso wengel 2659. 



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m. 
Die Sprache. 



Apokope. 

Apokope ist nach kurzen Liquidastämmen eingetreten 1 ): 
zu tal (: KurvmaT) 3201. 3305. 3393. (: überal) 3249. Schret. 313. 
von dem ival (: al) 1771. in dem sal (: überal) 2839. 2895. 2931. 
2963. ich zel (: Titurel) Ritt. 21. ich dol (: wol) Schret. 125. Aber 
zur Füllung des Versfufses tritt auf ich enpfele 6338, vgl. 1382. 
ich süle heg. 184. daz öle Leg. 110. 350. hsl. Überlieferungen wie 
in F man handele 6332. tavele 1382. vögele 3396. von himele 1088. 
engele 1089. an adele Schret. 11 kommen nicht in Betracht. — 
Nach kurzen Stämmen auf r:ich ervar (ivürwär) 3856. ich var 
(: lipnar) 4693. ich enpir (: dir) 177. er enper (: lier) 2493. ich gewer 
(: her) 4277. er ger (: Äer) Schret. 1. dem spor (: tw) 2467. 4227. 4709. 
5559. vor dem tor (: vor) 1919. 2547. Schret. 287. U der tür (: wir) 
3235. 5889. 5461. Leg. 253. Schret. 265. 283. Danach ist diese Apo- 
kope auch im Versinnern unbedenklich z. B. 2774. 5377. Und doch 
müssen in Heinrichs Ma. noch die vollen Formen in Geltung ge- 
wesen sein; man lese Versf üf se die türe 684. ich var e 3997. 4072. 
6337. ich getvere 2984. dem mere 6376. ich sivere Leg. 144. zu der 
türe Leg. 299. 310. Daneben noch fragliche Fälle; von dem Ge- 
brauch des jungen poss. pronom. ire als Versfufs sehe* ich hier 
ab, ebenso von handschriftlich überlieferten rittere 630. lütere 
1372. hungere 3351. jämere 6608. Wir finden also im Reime die 
Apokope nach kurzen Liquiden durchgeführt, im Versinnern 
scheinen sich volle Formen zu erhalten; ein sicheres Urteil wird 
erst das Folgende gestatten. Denn nach langen Stämmen auf 



') Zahlen ohne weiteren Zusatz beziehen sich immer auf den Tristan. 

Btrnt, Heinrich von Freiborg. £ 



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82 

l und r findet sich neben einzelnen Fällen der Apokope regel- 
mäfsige Erhaltung des tonlosen e. 

I: dem mal (iKiirvenäl) 1139. ohne Gewicht neben male 
(: Kurvendl-e) 1637. 2313 : zindäle Ritt. 103. quäle : Karvenale 6325. 
6427; natürlich mileiileiivtle 1581. 1599. 2099. 3413, ebenso 
durchaus im Versinnern. 

r: Im Trist, findet sich nur die Apokope diz mer (:her) 11. 
2167. 2483. 2851. 3241. 3275. (: ger) 63. die mer (: er) 3593. 3983. 
Sonst nur möre 453. 2233. 6767. Eitt. 191. Ebenso sw&re, were, 
lere, cre, here, leere, unmere (adj.), videlere, trügenere, erenbere, jedoch 
vruchtber (:er) 6873. ereimere Leg. 877. lobebere : were Ritt. 153. 
Dazu viere : schiere 3333. mit viure : gehiure und ähnl. Bindungen 
in 20 Fällen, gebüre : süre Schret. 55. 

Neben das Beispiel 6873 aus dem Tristan treten gröbere 
Bindungen aus der Leg. er wer (: er) 285. ser (: her) 243. Durchaus 
steht zwar. Im Versinnern steht mere als Versfufs 415. 1271. 
1299. 2887. 5125. Schret. 1. An Apokope könnte gedacht werden 
408. 1419. 1483. 2842. 3584. 3879. 5935. 6354, weniger 1259. 
1412. — were steht als Versfufs sicher 1697. 3531. 3985. 
5997, in Konkurrenz mit anderer Betonung 2132. 2622. 2725. 
4440. 4838. were 3550. An Apokope ist auch nicht zu denken 
487. 1244. 1400. 1497. 1701. 4189. 5630. 5917. 6260. 6540. Leg. 
317. 761. Wenn sich später zeigen wird, dafs zweisilbige 
Senkung für Heinrichs Dichtungen angenommen werden mufs, 
so lassen sich auch solche Fälle unterbringen. Wir vergleichen 
noch als der Apokope völlig abgeneigt im Versinnern die Wörter 
ere, sere, swere, die bare, järe, t&re (allein 19 Fälle), öre, h<ßre, 
ich vüere. Aus der Leg. järe 148. 643. ein märe 626. 628. stiure 
82. Schret. sere 39. öre 2. Ritt, äventiure 55. In kurzen Stämmen 
auf m, n findet sich Apokope im Reim der nam (: lobesam) 5338. 
Leg. 77, mit grozer schäm (: praet. nam) 2125. Im Versinnern 
aber steht name 3721, vgl. 2232. 5883. Reime in -ante, -eme, 
-ime, -ome, -ume fehlen, ebenso in n. Bei langen Stämmen auf 
m und n ist die Apokope vermieden, also Typus döne : ich lone 
in 7 Verspaaren; Typus schim : Käedine in 19 Verspaaren; Typus 
gemeine : deine in 11 Verspaaren; queme : gezeme 3563. 3945. 5677. 
5891. 6377. Leg. 131. 595. Ritt. 69. ruome : magetwmie 121. Einen 
vereinzelten Fall von Apokope hat die Leg. von dem träm (: sän) 
713. Ganz gewöhnlich und traditionell ist die Bindung üf dem 
plan Trist. 1721. 2087. 2101. Ritt. 249. 



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83 

Im Versinnern finden wir zur Taktfüllung z. B. äne in 
24 Fällen (davon 5 in Konkurrenz mit anderer Lesung), ztvene 
in 9 Fällen. Aus der Leg. vgl. ich schone 695. boume 301. 371. 
383. kerne 391. zorne 492. Schret. deine 35. küme 187. Ritt. 
schone 90. 165. 173. 219. zwene 209. äne 130. 280. 283. 325. 

Apokope in kurzen Labialstämmen tritt nicht ein, also 
abe : habe 1563. 2419. 2495. 5665. Leg. 857. Ritt. 303. ich gebe : 
lebe 5985. gebe : icinrebe 6881. Im Versinnern ist abe zur 
Taktfüllung verwendet 5062. Leg. 706. Ritt. 287. (abe ge- 2171). 
habe 5117. 5127. 5793. Leg. 255. dem stabe 1186. dem hove 8 Fälle 
im Trist., dazu Schret. 45. 53. 247. 291. lobe Ritt. 72. 

In kurzen Stämmen auf Gutturale: im Reim sage : tage 
: hage : zage : slage : clage 975. 1381. 2149. 3475. 3741. 4313. 4739. 
4977. 6039. 6105. Leg. 411. 583. Schret. 99. dem wege : mit pflege 
1155. 1281. Im Versinnern zur Taktfüllung ich sage 3855. 
3964. Leg. 338. sage (imp.) 3619. 5733? Leg. 183. zu slage 5589. dem 
wege 4233. ich lege 371. gelige 3294. lege (imp.) 5113. Leg. an dem 
tage 739. in ivege 211. 234. 238. 395. Ritt, ich sage 315. dem tage 
60. vgl. 190. 

In kurzen Stämmen auf Dentale, Reime: mite: site 825. 
853. 995. 1523. 1679. 1789. 2647. 2951. 4195. 4585. 5117. 5247. 
5469. 5633. site : rite 1687. 6041. Ute : site 2985. site : stritt 3899. 
trite : site 5171. 5489. Leg. mite : trite 207. 287. Apokope nur 
nach gebot (: got) Leg. 439 neben die rote : gein gote 489. Schret. 
mite : site 157. 303. gerade : stade Trist. 3213. 4059. 4097. Apo- 
kope neben Leg. 429 Trist, nach der bet (: tet) 3648. 3751. an 
der stet (: Antret) 4627. (: het) 6539. Leg. 539. 623. und üz dem 
glas (: was) Trist. 258 neben glase : base 6451. 

Im Versinnern zur Taktfüllung hie mite 378. 1041. 2461. 
3406. 3710. 4034. 4273. 5361 (doch hier wohl andere Lesung); 
ähnl. Leg. 598. Schret. 150. 308. rede zur Taktfüllung in 32 Fällen, 
rede (imp.) 5118; mit Apokope möglich nur 2496. 2579. 3519. 
4798. 6004. dem rade 3172. stade 3162. 4101. 6501. vride 2495. 
2514. smide 5974. gote 3508. bete 2985. 4297. state 320. 322. 2608. 
dem trite 3774. der stete 5131. 6142. 6381. 6683. in der Leg. gote 
unentschieden 122. 131. 135. 150. 631. 726. 

Nach langen Mutastämmen im Reime ist Apokope un- 
zulässig; man vgl. 169. 183. 355. 405. 437. 519. 571. 589. 885. 
1161. 1423. 1473. 1575. usw. Leg. 97. 145. 195. 213. Ritt. 201. 
213. 235. 265. Schret. 37. 85. 267. 



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84 

Dagegen können die anscheinend apok. formen von tcis 
93. 577. 1761. 2629. 3889. 5123. 5977. 6493, vgl. 709 als alte 
Nebenformen gelten. 

Apokope nur in dem Ms 1313. 2371. 2457. 2485. 2531. 2615. 
2737. 2901. 2987. 5921. Eine Apokope auffälliger Art bringt nur 
das vereinzelte gehilz (:vilz) 2169, wo die Reimnot zur Apok. 
gedrängt hat, denn dabei steht im Versinnern zur Taktfüllung 
gehilze 2198. 

Im Versinnern ist Apok. in langen Stämmen nicht zu 
belegen. Man vgl. Leg. v. 63. 74. 78. 85. 128. 177. 204. 222. 
455. 535. 577. 690. Ritt. v. 67. 96. 118. 122. 131. 149. 275. 316. usw. 

Wir fassen zusammen: Die Apokope ist nach kurzen 
Stämmen auf Liquiden gestattet im Reime, im Versinnern stehen 
volle Formen im Gebrauche. Ähnlich scheint es nach m (für n 
keine Belege). Nach langen Liquidenstämmen tritt Apok. im 
Reime und vielleicht auch im Versinnern vereinzelt auf (beson- 
ders daz rner, dem mal), sonst gelten die vollen Formen. In 
langen Silben stehen nur nicht apokopierte Formen. Nach 
kurzen gutt. lab. dent. Stämmen findet sich — von wenigen 
Ausnahmefällen nach der bet, nach gebot, uz dem glas, abgesehen 
— keine Apokope weder im Reime noch im Versinnern. Nach 
langen Muten gelten durchaus die vollen Formen; die Aus- 
nahme gehilz : vilz erklärt die Reimnot. Für den Beweis, dafs 
im Versinnern die nicht apokopierten Formen gelten, wurde 
überall das metrische Prinzip der Taktfüllung herangezogen. 
Dieser an sich anfechtbare Standpunkt wurde gestützt durch die 
hsl. Überlieferung und durch die gleichlautenden Ergebnisse im 
Reime sowie durch den Hinblick auf die Resultate der Sprach- 
betrachtung. Die Gedichte Heinrichs zeigen in Frage der Apo- 
kope Übereinstimmung. 

Synkope. 

Synkope 1 ) nach kurzen Liquidenstämmen beweisen die 
Reime: varn (: barn) 303. 1507. 2249. 4021. 4299. 6735. Ritt. 73. 
(: garri) 3237. gespart (: vart) 4359. (: wart) Ritt. 205. Danach 
zu beurteilen 1449. 2277. 3669. 4215. 4287. — erweit (:Mt) 1337. 
gezelt (: Mt) Ritt. 309. Danach zu beurteilen 5885. Ritt. 47. 
143. 209. Ebenso begert (: wert) 6071. er werte (: swerte) 5597. 6273. 



1 ) Formen von praeter, und part, die ohne Bindevokal und Umlaut ge- 
bildet sind, kommen hier nicht in Betracht, vgl. das Kapitel unten. 



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85 

bescherte (: verte) 1571. sie werten (: geverten) Schret. 255. enpern 
(: stern) 6807., auch (jagern) : gewern 2377. : enpern 2381. Danach 
zu beurteüen v. 433. 703. 977. 1111. 1359. 1453. 1455. 1611. 
2473. 3501. 3729. 6417. Schret. 15. 33. — Ebenso gespilt (: du 
wilt) 3857. geeilt (: schilt) 5609. bevilt (: du wilt) 3991. birt (: tvirt) 
1391. Leg. 391. reriWrt (: icirf) Schret. 139. Danach v. 3025. 
3609. 3909. Kitt. 161. — Ebenso geborn (: zorn) 2183. 3875. (: hörn) 
3561. erkorn (: dorn) 6823. 6887. geborn (: dorn) 6829. 6861. 6879. 
Danach zu beurteüen 61. 1739. 1995. 2115. 2191. 3917. 6173. 
6425. Leg. 317. Ritt. 261. Schret. 9. 

Sehen wir also, dafs die Synkope nach kurzen liquid. 
Stämmen im Reime durchaus gebraucht ist, so beweist der Ge- 
brauch im Versinnern, dafs die Synkope sogar nach kurzen 
liquid. Stämmen in der Ma. Heinrichs nicht Regel war. Ein 
bezeichnendes Beispiel ist im Schretel das Wort her. Während 
bern im Reim 15. 33. synkopiert anzunehmen sein wird, dient es 
unsynkopiert im Versinnern zur Füllung des Versfufses v. 19. 
32. 33. 51. 61. 159. 175. 198. 208. 211. 227. 239. 263. 269. 271. 
286., danach auch v. 145. 217. Ähnlich finden sich im Tristan 
29 Fälle (davon 9 in Konkurrenz mit anderer Betonung), wo 
Hs. und Rhythmus die zweisilbige Form irem, iren zur Takt- 
füllung bieten; daneben nur selten irm, im 2624. 5897. 
Dazu treten beweisende Fälle wie geboren 112. 5756. verloren 
2832. 3632. 6614. gevaren 2023. 3818. Schret. 96. unerweret 2217. 
Daneben allerdings Fälle möglicher Synkope wie 59. 3207. 3529. 
6473. — spiles 1111. 3858. 3939. spilen 4271. spilend 2642; aber 
gespilt und sputen 2651. sales 2757. 2805. verholen 4729. gugelen 
5134. distelen 6634. In der Leg. erwelet 673 neben erweit 415. 
717. öles 192. 406. vgl. 142. Die hsl. Überlieferungen anderen 
929. 1724. 1750. ritteren 1735. 1736. vorderen 2136. uweren 291. 
setelen 2328. tavelen 2227 u. ö. nach FO, oder unseren 1071. hinw- 
ies 4541 nach F haben keine Entscheidung; vgl. übrigens 25. 
6009. Leg. 185. 764. 

Wir schlief sen: Die Synkope ist nach kurzen Liquida- 
stämmen metrisch unbedenklich, aber nicht sprachliches Kenn- 
zeichen. 

Nach langen Stämmen auf l und r ist Synkope nicht 
anzunehmen. Man vgl. dreihebige Verse 09. 559. 675. 749. 921. 
1017. 1087. 1451. 1457. 1533. 1715. 2111 usw. Leg. 215. 557. 
631. Ritt, 115. 219. 255. 



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Für die unsynkopierten Formen spricht auch der Gebrauch 
im Versinnern; wärm zur Taktfüllung im Trist, in mehr als 
25 Fällen, ebenso ir weret, genieret, geleret, keret, geväret, geoffen- 
bairet, gezieret, durchwieret, wirret, verirret, gehoeret, gemeret, ver- 
müret als Versfüfse in ebenfalls ungefähr 25 Fällen. Vgl. in der 
Legende v. 35. 94. 166. 203. 359. 509. 510. 560. 612. 619. 719. 
Ritt. 14. 49. 68. 119. 157. 179. 202. 211. 249. 271. 293. Schret. 
130. 144. 182. 237. 240. 312. 316. Sämtliche Fälle sind, von der 
Legende abgesehen, auch hsl. überliefert. — Nur in vereinzelten 
Fällen kann man an Synkope denken wie Trist. 883. 2969. 3118. 
4489. 4297. 4745. 6591. 6483. Schret. 68. 81. 320. 321. Der 
Sprache , des Dichters lag sie sicherlich fern. — Auch nach l 
dieselbe Erscheinung vgl. v. 1473. 1668. 2270. 3140. 3144. 3149. 
Legende 309. 331. 546. 840. Schret. 101. Vereinzelte Synkope? 
1390. 2075. 

Für kurze Stämme auf m und n bieten die Reime Bei- 
spiele von Synkope : ermant (: hmit) 767. (: baut) 3131 (: Tristant) 
6195. (ibekant) 6067. des suns (:uns) 6877. Ohne Beweiskraft: 
gezimt : nimt 1093. In den anderen Gedichten keine Beispiele, 
Schon die geringe Zahl der Fälle beweist vielleicht, dafs der 
Dichter solche Bindungen zu meiden suchte. Im Versinnern da- 
her warnt 5644. 'kämet 6348. verneinet 1381. ez vrumete 6323. 
In der Legende kumet 515. zimet 877. kumest 365. ermanet 534. 
sunes 388. Daneben zweifellose Synkopen wie im Reim, so kumt 
205. 1205. 3287. 3663. 4231. 4402. 6347. Also auch hier erscheint 
die Synk. nicht regelmäßig, sondern dem Dichter ist die volle 
Form noch geläufig. — Natürlich steht neben lebenes 2400. 5012. 
5615. 6418. Leg. 172. 368. 409. lebens 803. Leg. 187. 243; ebenso 
morgens, trurens 113. winkens 3463. sümens 6146. Sterbens 6263. 
vliehens 6266. smeekens 6635. siufzens 5075. 

In langen Stämmen auf n und m ist Synkope nicht ge- 
bräuchlich: des schines : Riwalines 249. 461; ähnl. 5605; neben 
erscheinete : meinete 315. 1491, schomete : gekrcenete 6793 steht 
natürlich meinte : erscheinte 3455. 5019. Jwenet : überschcenet 3919. 
beweinet : bescheinet Leg. 339. Danach auch im Versinnern 
erzürnet 2736. 3046. 3245. 5654. genennet 5565. 5575. 5758. 6189. 
Leg. 371. 538. 775. nennet 1847. 5402. wertet 2937. vereinet 3421. 
ersteinet 6529. meinet 5391. Leg. kennest 205. gewarnet 207. 221. 
229. erschinet 259. beweinet 344. — gerüemet 4117. gesümet 601. 
gelimet 1701. magettuomes 703. 708. 750. An Synkopen kann 



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gedacht werden 1001. 4265. 5250. sines erscheint synkopiert sins 
in der Senkung in 17 Fällen, mins in 4 Fällen, sins im Auftakt 
866. 5277. dins 5800. 6018. 6617. Daneben überwiegend die volle 
Form in allen Gedichten. Nicht synkop. praeter, er meinete 3845. 
rümete 5471; aber meinte 1041. Sogar dienest als Versfufs 6231. 
6622. Leg. 558; gewöhnlicher dienst 

Die Synkope nach kurzen Stämmen auf Labiale scheint 
nicht ausgeschlossen, ist aber nicht Regel. Reime : gehabet : ge- 
stehet 503 : gelabet 3499. gelabet : ir habet 4625, wo Hs. 0. syn- 
kopiert; labete : habete 6541, wo F synkopiert, übel : hübet 3193. 
gelebet : überstrebet Leg. 157. strebten : lebten Ritt. 27. Im Vers- 
innern die vollen Formen zur Taktfüllung: habet 721. 1258. 
3472. 3978. 4186. 5070. frgl. 4959. 5244. ir lebet 5986. erbibete 771. 
du gibest 6621. gelobet 4277. Leg. 76. Daneben wohl zu lesen 
habt 1105. 3548. 4679. gebt 2176. lebte 3348. 3606. 5716. 5963. 
6534; gelobete vielleicht 4280. 

Die Synkope ist auch in kurzen gutturalen Stämmen nicht 
beliebt, aber nicht völlig auszuschliefsen. Reime: maget : betaget 
: saget : gedaget : erjaget 27 Fälle, dazu verjaget : verzaget Schret. 
205. gesaget : verdaget Ritt. 159. maget : saget Ritt. 37. zagel : 
hagel 6639. liget : gesiget lbl ijifliget 809. 947. ligest : enpfligest 
3851. — sagete : tagete in 3' Versen 1619. tagete ijagete 6037. vgl 
sageten : bdgeten 3177. Bemerkenswert ist schon, dafs Heinr. 
zwar die Reime auf — aget häufig gebraucht, jedoch die nicht 
minder naheliegenden auf — eget {pfleget, reget, weget usw.) nir- 
gends verwendet. Natürlich synkopiert ersieht, geschieht, gebricht, 
spricht 153. 233. 241. 871. 1031. 2673. 4131. 4843. 5115. 6347. 
6407. Leg. 143. Unsynkopierte Formen im Versinnern: maget 
im Tristan in 24 Fällen, saget 1010. 1202. 1837. 1844. gesaget 
1561. 3775. 3986. 4012. 4055. 4221. sagest 3866. clagete 3168. taget 
1364. pfliget 997. liget 4978. 5464. fragl. 352. 1029. 5382. ligest 
3869. geleget 4784. In der Leg. : saget 29. gesaget 426. 700. 867. 
Ritt, des siges 260. 

Im Praeteritum scheint sich die Synkope zuerst festgesetzt 
zu haben. Wohl wird man zur Vermeidung des Hiatus unsyn- 
kopiert lesen sagete 1 5843. clagete 3168. 6307. 6309. 6730. 6743. 
6747. legete 2682. 5424. 5140. 5828. Leg. 592. erivegete Leg. 790. 
zogete 1682. Ähnl. sageten 4781. jageten 2409. Aber vielleicht schon 
sagte 3638. 4938. 5325. 6685. sagten 3170. clagte 6728.. clagten 
6491. legte (F legete, lechte) 851. 4582. 4905. 4912. 4921. 5279. 



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88 

5347. 5453. 5675. 5903 (F legete, leite). 797. 801. 2788 (F legte, 
leckte). 1231. 2966, ähnl. legten 4035. Notwendig scheint die 
synkopierte Form legte 4908. 4920. 5914. legten 4947. Ebenso 
im Auftakt 5913. 6762. Daneben noch legte Leg. 699. 707. regte 
4916. 5922. zogete 1581. 4378. Immerhin sind die beweisenden 
Fälle für Synkope recht spärlich. Ich schlief se: dem Dichter sind 
hier synkopierte Formen mit Wahrscheinlichkeit zuzurechnen, 
wenn auch der Charakter von Heinrichs Ma. für die vollen 
Formen spricht, die übrigens zahlreich zur Taktfüllung ver- 
wendet werden. 

Für Synkope kurzer Stämme auf Dentale sind Beispiele 
nach der positiven oder negativen Seite nicht zu finden. Im 
Versinnern aber erscheinen Versfüfse beredet 264. 4835. redet 
1031. 1052. 1103. redist 5087. er liset 1218. geniset 4222. redete 
6665. redeten 5866. 5871. edeler, edele im Trist, in 38 Fällen, dazu 
Eitt. 71. 205. 

In langen Labialstämmen ist die unsynkopierte Form 
Regel. Man vgl. in 3* Versen 753. 1495. 2085. 3011. 3953. 4291. 
4641. 4649. 4847. 4969. 5213. 5319. 5591. 5611. 5695. 6229. Leg. 
367. Beweisend sind zur Füllung des Versfufses verwendete 
unsynkopierte Formen: betrüebet 2739. 2837. 2975. 3662. betriebet 
1020. blibet 3037. schaffet 4235. ruofet 1035. 1831. Leg. 245. ge- 
üebet 1614. gelonbet 1846. 2383. 5999. geverwet 2806. geschimpfet 
4952. 6401. wirfest 6633. tcirfet Schrei 115. hilfet Schret. 137. 
gekaffet Ritt. 292. begäbet Ritt. 310. Vereinzelt an Synkope zu 
denken v. 1206. 2452. 

Auch hier scheinen im Praeteritum Doppelformen möglich: 
stoubeten 938. stoubte 3296. erlaubten 1479. überliefert prüefete 
3462. herpfete Leg. 562, vgl. liebesten 1834. 2810. houbet ist un- 
synkopiert 4512. 4559. 4869. 4949. 5214. 5591. 6791. Schret. 224. 
Ritt. 243; vielleicht Synkope 1184. 1340. 1704. 4615.5167.6243. 
Leg. 255. 262; der dat. Iwubte 1718. 1862. 1948. 5102 (fragl. 
im Hiatus 6112). Leg. 824. Ritt. 233. 

Lange Gutturalstämme in 3' Versen unsynkopiert vgl. 
7. 509. 725. 941. 993. 1049. 1151. 1355. 1405. 1941 usw. Leg. 
625, vgl. auch 513. 711. 813. 6835. und Aj\s Kapitel über drei- 
silbige Reime. Beispiele von unsynkopierten Formen zur Takt- 
füllung: bringet 6641. singet 4690. gemerket 3694. gedenket 4851. 
danket 2862. 2938. 3470. 4161, fragl. 2876. 3474. verdecket 1642. 
geblicket 3446. gezücket 6539. verrücket 4168. gedrücket 5980. 



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versttochet 4853. 4854. gemacM 2689. 3710. 6875. gemacht ? 2942. 
6104. bedeckt? 4786. heg. gesprächet 833. betriuget? 608. genüeget 
408. tüechel 469. Schrei erreichet 99. dunket 143. Ritt, erzeiget 
41. gestecket 128. 

Praeterita 1. Fälle, in denen zur Vermeidung des Hiatus 
vor folgender vokal. Hebung keine Synkope anzunehmen ist: 
t»%ete 1241. 2197. 2301. 3984. 4077. 4418. 6705. miegete 2370. 
reckete 5238. besorgete 688. artete 6509. walgete 4569. senkete 
1063. — Zacfote Leg. 400. Zwo^ete Schret. 267. 323. erzeigete Ritt. 
59. 284. — 2. Fälle, die der Annahme von Synkope günstig 
sind'): 2233. 5698. 6509; 3456. 4861. 6536. 6551; 2889; 4169; 
2354. 3384. 3741. 5286. 6571. 6662; 2921; 2564. 2617; 4812; 
5182. 4820; 3184; 3296; Leg. 238. Ritt. 180. 298. 

Nach langen Dentalstämmen in 3 X Versen unsynkopiert 
vgl 445. 677. 697. 723. 729. 911. 1377 usw. Leg. 217. Ritt. 65. 
Schret. 11. 191. Unsynkopierte Formen werden im Versinnern 
zur Taktfüllung verwendet: erlceset 3312. stözet 5736. beivtset 
5500. behüset 6703. heizet 1213. 4779. wizzet 1036. 1254. 1623. 
2443. 2448. gesetzet 2583. ergebet 6086. Leg.: gewiset 96. 437. 
heizet 277. 372. 721. gewurzet 611. gepelzet 540. 631; doch 
gepelzt 625. pelzte 597. Schret. zukratzet 315. Ritt.: priset 324. 
gevazzet 140. Synkope ist möglich: 2460. 3468; 1533; 4254. 5943; 
5180; 3934. 5383. 6808. — Praeterita ohne Synkope vor vokalisch 
anlautender Hebung: grüezete 4064. erglenzete 4472. helsete 4b76; 
ersiufzete 3804. 6691; dagegen wohl stolzte 1417. hirzte 4893. 

Wir stellen fest: In den Reimen ist Synkope nach kurzen 
liquid, und nasal. Stämmen häufig, im Versinnern aber stehen 
daneben zahlreiche volle Formen in Verwendung. Die Synkope 
ist nicht Zeichen der Sprache Heinrichs; wir finden einen wohl- 
erhaltenen Stand der Nebensilben. In kurzen und langen 
Stämmen auf Muta ist Synkope sehr selten und fast ausschliefs- 
lich auf Praeteritalformen beschränkt. 2 ) 

*) Dabei kommt allerdings der Umstand, dafs Praeterita auch ohne Binde- 
vokal gebildet werden, in Betracht. 

*) Die Vorsilbe ge- ist unsynkopiert vor den mit l anlautenden Stämmen 
vgl. 1070. 1094. 1100. 1391. 1846. 2383. 2396. 2397. 3697. 3954. 4278. 4838. 
4505. 5895. 6264. Leg. 509. 515. 559. gelich (1023. 1320) ist zweifelhaft, da- 
rüber zu v. 693. Vor mit n anlautendem Stamme 3509. 3807. 5615. 5751. 6328. 
6881. Leg. 125. 312. 373. 448. 507. 522. 538. 775. zweifelhaft 403. 1005. 5031. 
Leg. 69. 371. doch ausnahmslos gnuoc für alle Gedichte z. B. 4959. 5143. 5456. 



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Vergleichen wir dieses Ergebnis mit der Zusammenstellung, 
die Toiscker, Über die Sprache Ulrichs von Eschenbach, Progr. 
1888, s. 21 f. für Ulrichs Werke gegeben hat, so wird man ein 
ganz ähnliches Resultat für diesen Landsmann Heinrichs finden, 
wenn dieser Dichter auch in seinem Reimgebrauche viel sorg- 
loser vorgeht. Denn die von Toischer angeführten Beispiele für 
Synkope geben mit Ausnahme der kurzen Stämme auf l r, n, 
keine Entscheidung oder stimmen für Beibehaltung der vollen 
Formen. Nur durch wenige Belege ist Synkope nachgewiesen. 

e- Laute. 

Im Gebrauche der Reime von e- Lauten zeigt Heinrich von 
Freiberg das Verhalten md. Dichter. Er reimt seiner Ma. ent- 
sprechend genau. Er hält demnach e und ce auseinander, ebenso 
Umlaut -f und Brechungs-e, letzteres im Gegensatz zu österr. 
Dichtern sowohl vor Muta als Liquida. Über dieses Verhalten 
der mhd. Dichtern vgl. K. Zwierzinas Mhd. Studien, Zfda. 44, 249 ff., 
besonders 280 ff. u. 45, 398 ff., besonders 410 ff., an dessen grund- 
legende Aufstellungen sich ein grofser Teil der folgenden Aus- 
führungen anschliefst. 

Danach ist in md. Dialekten ä (jüngerer Umlaut) in der 
Lautung = m, ä anderseits = e, und es reimen demnach auch 
ce:e, e:f f da diese Dichter aufserdem quantitativ verschiedene 
Reime zulassen. Von diesem Gebrauche kennt Heinr. ce:e nur 
vor r + conson. und vor r im Auslaut, bindet aber sonst ce und e 
ebensowie $ und e nur in sich selbst. Nicht in Rechnung ge- 
zogen sind bei der folgenden Betrachtung die Eigennamen. 1 ) 

e : e reimt im Tristan in 199 Fällen ; eingerechnet sind die 
Reime snel : schapel 1183 icastel 2477. 5803. snelle : mpelle 3163. 
Die Form tet und het, die ich später bespreche, kommt hier nicht 
Rechnung. — e:e in der Legende 16 Fälle, im Schret. 18 Fälle 
(v. 7. 25. 77. 165 einbezogen); in der Ritt. 10 Fälle. — fif 167 - 
661. 703. 711. 717. 729. 1337. 1339. 1377. 1571. 1627. 1657. 2911. 



Vor mit w anlautendem Stamme 3185. 5012. 5879. Leg. 46. 191. 207. 229. 
275. 278. 384. 437. 495. 563. 614. 642. Ritt. 264. 282. Ausschliefslich ist 
bliben im Gebrauch vgl. 2068. 3955. 4292. 4761. 5785. Leg. 211. Schret. 124. 
*) Die in Betracht kommenden Bindungen sind Antret : het 4475. 4655 
: stet 4627. Seth : het Leg. 181. 413. Gamuret : Lanzüet Ritt. 19. Euphrates : des 
Leg. 277. Möises : des Leg. 437. 533. Tüurel : ich sei Ritt. 21. Arundel : castel 
1153. 1265. Arnndeleibele 119. S05. Arundde aber 583. 3679. 3957. 5721. 
5735. 5811. Jörne :me Leg. 515. Noeime Leg. 425. 



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3083. 3269. 3501. 3729. 3827. ») 4503. 4611. 4667. 4903. 5033. 
5167. 5429. 6171. 6409. 6725. 6855. 6869. Leg. 107. 443. 879. 
Eitt. 47. 199. 209. 243. 309. Schret. 107. 255. Wir finden 
also 30 Fälle aus dem Trist., 5 aus der Eitterf., 3 aus der Leg., 
2 aus dem Schret., demnach Gleichmäßigkeit in allen Gedichten, 
was bei der grofsen Zahl der Fälle neben den 243 Verspaaren 
mit e auf sprachliche und reimtechnische Feinheit des Dichters 
schliefsen läfst. Denn hier haben wir es durchaus nicht mit 
einer Eücksichtnahme auf literarische und sprachliche Vorbilder 
zu tun, weil sich diese praktisch als eine Unmöglichkeit erwiese, 
wenn nicht die Sprache des Dichters selbst diesem Befunde ent- 
spräche, ich welle, ich weste, ich brenge (als factitiv. zu bringen) 
sind mit j angesetzt. Die nach dem Stammvokal unsichere 
Bindung ivegen: pflegen Eitt. 243 habe ich hier eingestellt. 

Wie bei allen md. Dichtern, die Zwierzina Zf. 44, 304 an- 
führt, ist der jüngere Umlaut ä mit seiner ganz offenen Qualität 
: e gereimt. Bei Heinr. finden wir ihn nur im Worte pfärt. Ihn 
von e orthographisch zu unterscheiden, ist daher kein Grund 
vgl. Zwierzina 44, 295. Heute in Nordböhmen pfä r neben pfä r 
und färt, aber geschlossen di g$st. pfert : wert (ad].) 1527. 2179. 
3655. 4191 : swert 2195. 5547. pferäe : werde 3613. 4553: erde 4497. 
pferden : werden (adj.) 5009. Zwierzina führt 44, 305 unsere Bei- 
spiele an. geslähte, ähte findet sich bei Heinrich weder im Eeim 
noch im Versinnern. Auch gegen kennt Heinrich nicht im Eeim, 
wohl weil seine Form gein war. Die Bindung ä : e nennt Zwier- 
zina 306 eines der ersten und untrüglichsten Zeichen des md. 
Sprachcharakters. 

ce:ce reimt Heinrich 7. 453. 621. 1087. 2153. 2233. 3491. 
3563. 3945. 5269. 5677. 5825. 5891. 5993. 5995. 6377. 6663. 6767. 
Leg. 131. 595. Eitt. 69. 153. 191. 201, d. i. 18 Fälle aus dem 
Trist., 2 aus der Leg., 4 aus der Eitt. Wiederum Überein- 
stimmung, wenn auch der Schwank die Bindung nicht belegt. 

e:e ist durchaus nur zu einander gereimt in 47 Fällen: 
me:e:schre:cle:we:se:vle: steige 441. 647. 1813. 2221. 4967. 
5513. 3371. 3525. 3595. 3715. 4055. 4563. 4605. 5943. 6087. 6399. 
6711. 6759. Aus der Leg. Noeinw 425. Josue:me 515. Schret: 
we-.schre 235: nimmerme 343. bele : Arundele 119. 805. stenigen 
833. 1223. 5121. 5445. stH : gvt 1365. Jcrte : verirrte 5165. hre : ere 



l ) Vgl. Braune, Ahd. Gramm. 8 385, Anm. 3. 



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5563. 6183. lere : ere 1543 : here 2343 : mere Leg. 877. tren : heren 
2557 : leren Ritt. 255. ersten : hersten 605. Dazu Arundele : scÄre 
583. : se 3679. 5721. 5735. 5811 : nie 5957 und den herren : merrerc 
517. 5223. 6771. 

(B : e reimt bei Heinr. vor r -f- conson. und vor r im Auslaut, 
die wer:Ä£r 11. 2167. 2483. 2851. 3241. 3275. :ger 63 :er 3593. 
3983. "kamerer : #er 1541 : der 4755. ferner : er 3099. marner : ģr 
4057 : er 6343. valkener : der 4361. Hefter : her 4445. minner : Aer 
6847. jagfrn : gewern 2377 : 6npm» 2381. vruchtber : er 6873, d. i. 
20 Beispiele. Sie sind bei Zwierzina Mhd. St. 44, 293 f. angeführt 
mit Ausnahme von 4445 und 4755. V. 3000 dortselbst ist Druck- 
fehler für 3099. Aus der Leg. kommt hinzu teer \ er 285. Aus 
der von Heinrich in allen Dichtungen peinlichst beobachteten 
Regel über die Reimbindung der e- Laute fällt das Verspaar 
ser : her Leg. 243 heraus. Es mag dieser eine Fall auf Rechnung 
der noch ungeübten Reimkunst unseres Dichters gesetzt werden. 

Vor -rd : geberde: werde (adj.) 1867. Ritt. 85. geberden .werden 
(adj.) 311 :erden 1191. 1707. 5317 .werden (verb.) 3013. 7 Bei- 
spiele. Wie Heinrich verhalten sich auch seine Nachbarn Ulr. 
v. Eschenbach und Ludwigs Kreuzfahrt. 

a : ä. 

Heinrich reimt nach bair. ostfränk. Gebrauch (Zwierzina, 
Studien 44, 6) ohne Bedenken ä : ä, und zwar vor r, n, ht, sel- 
tener vor t, eh und rt und nur in einsilbigen Wörtern. 1 ) Vgl. 
Weinhold, Gr. § 32; Michels, Mhd. Elementarbuch § 144. Und 
zwar vor r im Trist, in 42 Fällen: 3. 557. 865. 881. 991. 1071. 
1079. 1133. 1385. 1497. 1963. 2027. 2219. 2339. 2435. 2447. 2459. 
2539. 2593. 2613. 2631. 2637. 2799. 3085. 3265. 3335. 3351. 3855. 
3985. 4279. 4349. 4385. 4395. 4803. 4865. 4899. 5437. 5849. 5879. 
6159. 6415. 6751. In der Leg. 22 Fälle: 3. 15. 115. 159. 273. 
279. 325. 385. 463. 475. 493. 523. 527. 531. 641. 657. 663. 681. 
761. 805. 829. 861. Im Schret. kein Fall. Ritt, offenbar : gar 45. 
gar : clor 123. Wir sehen den Gebrauch in der Legende weitaus 
am stärksten, im Tristan 42 Fälle, davon 27 in der ersten, 15 in 

J ) Die einzige Ausnahme sageten : bägeten 3177 mag mit der in der 
Metrik zu erwägenden Längung der Stammsilben zusammengebracht werden. 
Vgl. z. B. Reime sagen : vrägen in Philipps Marienleben 6360. 6594. Die Bei- 
spiele für Ulrichs v. Eschenb. ausgedehnten Gebrauch s. bei Toischer, Über 
die Sprache usw. s. 7. sageteipägete Ernst D 4149, 



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der zweiten Hälfte, Schret. 0, Ritterf. 2 Fälle. Danach ein be- 
merkenswertes Abnehmen dieser Bindungen, was, wenn nicht 
auf bewufstes Vermeiden, so doch auf zunehmende Reimgewandt- 
heit schliefsen läfst. 

ä : ä vor r im Trist. 11 Fälle, Leg. 2 Fälle, Schret. u. Ritterf. 
kein Fall. 

Vor n im Trist, in 49 Fällen: 109. 165. 261. 389. 565. 659. 
815. 851. 943. 1095. 1105. 1199. 1273. 1291. 1335. 1345. 1601. 
1673. 1689. 1693. 1721. 1731. 1753. 1801. 1899. 2051. 2101. 2143. 
2513. 3087. 3481. 4119. 4699. 4839. 5133. 5157. 5189. 5219. 
5383. 5465. 5503. 5883. 6151. 6249. 6387. 6413. 6521. 6561. 
6875. 1 ) — Aus der Legende damsän 357. mamsän 719 -.bestem 
601 : hän 521, 685. an : hän 871 : stän 281 : sän 759. — Schret 
villän : Norman 21 : man 49 : began 301. man : stän 53 : hän 
149. gewan: getan 329. an: getan 189. — Ritt, hän : kan 11. 
daran: plan 67. (mamPfetan 97 kommt nicht in Betracht.) 

Relativ am öftesten steht die Bindung im Schret. mit 7 Fällen, 
dann in der Leg. 8 Fälle, 2 ) Ritt. 2 Fälle; im Trist, kommen auf 
die erste Hälfte 30, auf die zweite 19 Fälle. 

Vor ht in nacht : bedächt 235. 1589. 4705. 5341. 5923 : er- 
dacht 829 : verdacht 1419 : brächt 4623. unmacht : brächt 6529. 
Also in 9 Fällen, dazu Leg. macht : bedächt 575. 

Vor t könnte man bei er bat: hat 419. die stat:Mt 3793 
an die von Zwierzina, Studien 44, 363 Anmerk. und 404, für 
alemann. u. hess. Dichter angenommene dialektische Kürzung von 
hat denken, aber daneben stehen in unserem Heinr. hat: tat: rät 
: stät : tvät :potestät : gät in 18 Reimpaaren im Trist., in der Leg. 7, 
Ritterf. 4. — Dazu kommen aus der Leg. pfat : gät 201. stat : hat 
543. 673. 699. 867 : missetät 653 : rät 855. Ritterf. pfat : hat 245. 

Vor ch im Trist, sprach : scliäch 4155. räch: darnach 6433. 
Da -äch : -äch in zahlreichen Bindungen auftritt, ist anzunehmen, 
dafs die Bindung ungleicher Quantitäten hier als nicht rein auf- 
gefafst wurde. 

Vor rt nur art : verkärt 297. 

Aus der Legende sind weitere Bindungen von a:ä als 



') Von den Bindungen mit Eigennamen Tristan, Oawdn usw. ist ab- 
gesehen. 

*) Vgl. unter -am: -am. 



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Zeichen gröberer Reimtechnik aufzuführen. Vor m namiträm 
697. 705. quam : träm 743. 771. 809, und vor z Leg. 461 üaz : wäz. 
Bei diesen Bindungen im stumpfen Reim 1 ) darf man 
nicht ohne weiteres an eine Kürzung resp. Längung der Vokale 
denken (Zwierzina 45, 68 Anm. 2), wenn Längung auch bei Heinr. 
näherliegt als für die früheren höfischen Dichter. Auch bei be- 
dächt, brächt ist nicht schlankweg an Kürzung vor ht zu denken. 
Vgl. noch erdächt : volbrächt 1317. umerdacht : bräcld 3553. brächte 
-.gedachte 597. 5287. 6355. scliachte : brächte 3041. Zur Sache 
Michels, Mhd. Elementarbuch § 144 u. Zwierzina, Studien 44, 20 f. 
und Anmerk. Die Dichter, die a : ä (in stumpfem Reim) zulassen, 
reimen aber nicht X\i, u:ü; abzusehen ist dabei von dem femin. 
Suffix -in. 

Suff, -inne, -in. 

Im Gebrauch der Feminina auf -inne (-in, -in) steht Heinr. 
unter einer Gruppe heterogener Dichter: Wolfr., Reinbot, U.v. 
Türl., Nib., Biter., Klage, K. v. Heimesf. und Albr. v. Halberst, 
mit letzterem zugleich hat er im adv. nur in (vgl. Zwierz. Studien 
45, 79 und Anmerk. 3). Mit diesen Dichtern verwendet Heinr. 
regellos bald -inne, bald -in, bald -in. 

Wir finden -i/nne im Reim: küniginne : sinne 205. 3053. 
3579. 3659. 5199: minne 299. 1421. 2355. 2793. 3043.3155.3367. 
5177. 6081. 6187. 6457. 6583. 6671. 6851: inne 3227. 3411.4521. 
6789. Daneben noch Nampotenisinne : minne 6089. stürmerinne : 
minne 789, ähnl. 2747. Im ganzen 26 Fälle, 18*7 o/ aller Fälle 
des Vorkommens dieses femin. Suff, im Trist. 

-in: künigin : vingerlin 777. 4125. 4175. ihundelin 4257. 
4595. 4601. : kindelin 5069. : vogelin 4677 : kriegeUn 4181 : guldin 
4567 : in 2533. 2783. 3667. 5393. 5459. ischin 4433. 4543. isivin 
3591. : min 2333. 3545. 4157. 4281. 4647. 4721. 6647 : sin (inf.) 
2345. 3375. 3429. 3603. 4357. 5251. 5389. 5493. 5715.6717. :sin 
(poss.) 783. 3017. 3027. 3091. 3125. 3151. 4419. 4663. 5237. 
5267. 6617. : sie sin 4075 : Käedtn 4347. 4399. 4779. 4841. : Pfele- 
rin 5497. herzogin : sin (poss.) 669. 1475. : Käedin 409. 427. 1125. 
1553. 3683. : Joveltn 89. 3743. 5953. und aus der Leg. künigin : 



>) Die Bindung slahen : gähen 4687 ist als nach Analogie heraus- 
gebildetes slahen, slän wie vähen, van anzusehen, vgl. Zwierzina, Studien 
44, 402 Anmerk. 



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95 

in 817. martrerin : pin 767. Also 62 Fälle aus dem Trist, und 2 
aus der Leg. Das sind 44*6 % aller Fälle im Trist. 

'in 1 ): künigin : hin in 33 Fällen; künigin : in (iis) 219. 
1981. 3117. 5275. — (mm) 2823. 5205. 6587. 6705. : sin 267. 
2743. : ungewin 275. : bin 2307. 2581. 4197, 5185. vürstin : in 
4249. herzogin\sin 451. :hin 4049; also 51 Fälle, 367 °/o aller 
Fälle im Trist. 

Im Versinnern ist künigin überliefert 253. 281. 1625. 
2316. 2571. 2595. 2633. 2776. 3424. 3618. 4561. 5077. 5173. 5266. 
5468. küniginne 223. 1974. 2311. 2590. 2638. 2799. 4156. 4580. 
4625. 4702. 4742. 4747. 4986. 5034. 5122. 5258. 5332. 5337. 5371. 
5384. 5708. 6795. wirtinne 6059. gotinne 4458. 4503. Die Auf- 
zählung ist kaum erschöpfend. Aus dem vermehrten Gebrauche 
der Form mit -inne im Versinnern wird sich für die Sprache 
des Dichters kaum ein Schlufs ziehen lassen, da hier die Form 
oft nach metrischen Gesichtspunkten gewählt wird und im Reim 
die kürzere Form mehr Reimmöglichkeiten hat. 

-lieh. 

Wie im Suffix -in hat Heinr. auch in der unflektierten 
Form auf -lieh bunten Wechsel von Reimen in -lieh und -lieh. 
Er steht mit Konrad v. Heimesf., Konrad v. Fussesbr., obd. Servaz, 
Ernst B, Renner, Nib., Klage, Bit., Alph., Walther zusammen, 
Zwierzina Stud. 45, 87 — 89. In der folgenden Besprechung finden 
die Reime zu Eigennamen auf -rieh (z. B. Leg. 93. Ritt. 61) 
keine Beachtung. 

Wie fast alle obd. Dichter, welche i vor eh in einsilbigen 
Wörtern nicht kürzen, hat Heinrich nur gelich, so beweisend 
gelich: rieh 3915. 3923; ebenso zu beurteilen gelich : megetlich 
693 : kostelkh 1319 : Mrlich 1347 : v'ürstelich 1957 : tugentlich 
4831. gelich : sunderlich Leg. 25 : minneclieh Leg. 231. gelich : 
herlich Schret. 331, vgl. Zwierzina 45, 81. 

Die Länge des -lieh im Reime beweisen küniclich : erenrich 
1215 : rederich 1301 : rieh 1665 : tugenderich 4989. Sonst noch 
-lieh : -lieh 1975. 3023. 4929. 6743. Leg. 619 und die unter gelich 
aufgestellten Fälle, inneclich : estrich 2757 ist mit Rücksicht 
auf 2805 estrich : sich kurz anzusetzen, danach auch im Vers- 
innern, vgl Zwierzina, Stud. 45, 82 Anmerk. 



*) Denn Heinrich reimt sonst -in : \n nicht. 



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96 

-lieh im Reime auf -fch ist bei Heinrich überwiegend :sich 
(refl.) in 48 Fällen; : mich 737. 1065. 1901. 2263. 2739. 4285. 
5981. : dich 5661 : ich 4321 : stich 2211, also in 58 Fällen, dazu 
-lieh : sich Leg. 11. 165. 399. Schret. 261. Ritt. 75. 119. 207. 
: mich Leg. 649. Schret. 143. : dich Leg. 55. 203. 

Beim adv. -liehe, -licJwn wechselt Heinrich wie eine grofse 
Anzahl alem., fränk., bair. österr. Dichter zwischen -e und -en 
Ausgang. Er gebraucht sie sowie geliehe nur mit Länge, also 
züchticliclie : riche 1245. lesterliche : tugentriche 3543. minnecliche : 
seldenriche 5407. liepliclie : tugentriche 5955. Dazu durftieliche : 
künicriche Leg. 691. Frankriche : ritterliche Ritt. 195. 211 : kref- 
ticliche Ritt. 271. nitliche : ertriche Ritt. 251. 

Ebenso -liehen : meisterliclien : riehen 17. offenlichen : bestrichen 
1249. skherlicJien : riehen 1567; dazu aus den andern Gedichten 
nur prisliclien : wunneclichen Ritt. 139. wichen : keklichen Ritt. 231. 

Das Verhältnis ist ähnlich wie bei Gotfr. : 2 liehen, 48 KeJie, 
Wolfr. 8 liehen, 138 liehe (Wirnt hat nur -liehe), Zwierzina, 
Studien 45, 93. Mit Kürze gereimt findet sich das Adv. nur bei 
Hartm., K v. Würzb., G. Frau, K. v. Stoff., obd. Servaz; s. Zwierzina 
45, 89 ff. 

Reime in ü, uo; ie, i. 

In den Bindungen du, nu :mhd. zuo, vruo ist für Heinrich 
zweifellos Monophthong anzusetzen. Wir finden du : zu 387. 1487. 
2311. 3797. 5293. Schret. 319. nu : zu 443. 4659. 4881. 5187. 
Leg. 491. du : nu 5071. Leg. 187. tu : zu 533. 4297. 1 ) Dazu tritt als 
besonders dialektisch gefärbt dar zu : dö Leg. 693; sonst dö : so : vrö 
: ho im ganzen in 16 Reimpaaren. Dafs wir es mit einer Diphthongi- 
sierung zu tun hätten, wie Weinh. Gr. § 139 will, ist ausgeschlossen. 
Zwierzina, Studien 44, 403 Anm. und 45, 70 Anm. 1 erklärt die 
Bindungen nu, du : zuo, fruo bei Baiern und Mitteldeutschen als 
ungelängte Formen du, nu, zu. Ich begreife solche Formen in 
heutiger Sprache und Mundart, aber in unbetonter Stellung, so- 
wie auch so (dial. sü, sü) verschieden erscheint. Jn den obigen 
Reimstellungen könnte man erwarten, dafs eine Kürze gelängt 
werde, nicht umgekehrt. Dazu steht Heinrich auf md. Sprach- 
boden, wo die Erscheinung der Monophthongisierung ausreicht, 

*) Vgl. die Belege für Bruder Philipps Marienleben bei Juvet, Beitrage 
29, 143 und 149 f. Für Ulr. v. Eschenb. bei Toischer, Ulr. Sprache s. 12, der 
übrigens Zerdehnung des nü annimmt, du, nu usw. :ü reimt Heinrich nicht 



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97 

um Keime von nü : zu : du : vrü zu erklären. Zwierzina scheint 
diese Regel von der Kürzung zur Übereinstimmung mit der fol- 
genden Hauptregel geschaffen zu haben. Er zeigt nämlich, dafs 
bei md. Dichtern Reime von ü : uo, ebenso von i : ie selten vor- 
kommen, dagegen öfter Reime von ü : uo, X: ie. Mhd. Studien 
45, 69. Das könne nicht beweisen, dafs mhd. uo, is durch kurzes 
u, i vertreten war, sondern dafs i und das md. monophthongisierte 
ie, ebenso ü und das monophthongisierte uo sich qualitativ unter- 
schieden und nicht rein gereimt werden konnten. Diese Schrift- 
steller binden auch nicht u : ü, i : i\ wohl aber in geschlossener 
Silbe ü : uo, X : ie. Zwierzina Stud. 44, 402 und 45, 68. Dieser 
Beobachtung entspricht der Reimgebrauch Heinrichs. Er reimt 
wie alle diese Dichter te : e, ä\ a : ä ohne Bedenken, widerstrebt 
aber der Bindung i:i, ü : ü l ). 

Heinrich reimt auch trotz der Monophthonisierung nicht 
ü : uo, % : ie, sondern mhd. \io, ie nur in sich. 2 ) Aber in ge- 
schlossener Silbe sun : tuon 1225. 5241, nach Zwierzina als Kürzen, 
vgl. suns : uns 6877. 

Den md. Charakter der Sprache Heinrichs auffällig be- 
zeugend und dem Gesetze Zwierzinas entsprechend scheint die 
Bindung i:ie, allerdings nicht in geschlossener Silbe: wizzet-.ge- 
spiezet Schret. 191, vielleicht auch ziehe : vihe Schret. 121 ; auch 
girilankenier Ritt. 111, hier allerdings vor r im Silbenauslaut, 
mag hierher gerechnet werden. 3 ) 

Der Reim üfihuf 5589 ist eine spezifisch md. Bindung von 
der Bedeutung des md. uff als Kürze; vgl. Weinh. Gr. 122 und 
die zahlreichen Beispiele, dann Rosenhagen Untersuch, zu Stricker 
42, Seemüller Afda. 19, 249, Zwierzina Studien 45, 67 f. 

adv. in. 

Heinr. gehört mit Wolfr., Gotfr., Kv.Würzb., H.v.Trim- 
berg u. a. (Zwierzina 45, 74 f.) zu den Dichtern, die das adv. in 



') li vilüs : alsus 1907 kann man nicht als Ausnahme gelten lassen. 

*) Die Bindung hie : beredet si, die nach Benecke und Lexer v. 263 an- 
zunehmen wäre und die Zwierz. Stud. 45, 70 Anm. 1 und 419 als M : si er- 
klärt, kann auf Grund der Überlieferung durch die Auffassung hie : sie 
beseitigt werden. 

8 ) Derartige Bindungen zahlreich bei Ulrich v. Eschenb. s. Toischer, 
Sprache S. 10, allerdings zumeist in einsilbigen Wörtern, doch girde : zierde ; 
wir de : vier de ; dise : bliese u. ähnl. 

Berat, Heinrich von Freiberg. g 



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98 

im Keime nur lang gebrauchen, in: sin 847. 2471. 3181. 4905. 
5193. 5773. 6629. 6811 : min 1063. 4089 : schin 561 : sidin 735 
: schrin 801 : win 4801 : blüemelin 701 : Mndelin 4731 : hortielin 
4745 : Mnigtn 2533. 2783. 3667. 5393. 5459 : Käedin 4375 (23 Fälle); 
dazu in der Leg. in:din 255 : sin 525 : min 757 : zisterlin 591 
: Mnigtn 817. Schrei in: sin 135. 

66it, geleit usw. 

Die Vertreter der md. Dichtung, wie Renner, Herbort, 
M. v. Craon , die Heidin u. a. haben zwar die Formen treit, leit, 
geleit, aber nur saget, nicht se#, oder manche doch nur vereinzelt 
seit neben regelmäfsigem saget (Stricker), Zwierzina Studien 44, 
347 — 50. Bei anderen md. Dichtern ist seit nur literarischer 
Keim, Regel aber saget : maget a. a. O. 353. 

Der Gebrauch Heinrichs pafst zu diesen Aufstellungen. Wir 
finden im Reime ausschlief slich die partic. {er leit ist unbelegt): 
geleit: eleu 21. 2537. 4489. Ritt. 105 -.bereit 603. 1275. 1549. 2675. 
2707. 5263. 6149. Ritt. 89 : arbeit 53 : -heit 637. 5929 : reit 553 
: versneit 2753. beleit (becleit 0) : gespreit 2525 : geseit 4335. 5901. 
Im Versinnern, das, wenn auch ohne Beweiskraft, doch zur Ver- 
gleichung herangezogen werden kann, findet sich geleit öfter 
tiberliefert, so Trist. 3702. Ritt. 113; daneben aber durchleget 
zweifelhaft 4805, sicherer geleget 4784. 

er treit im Reime: -heit 69. 2869. 4469. 5759. Leg.: 349. 
387. 801, ebenso im Versinnern überliefert 142. 5788. Die volle 
Form ist unbelegt. 

Die zahlreichen Reime mit geseit, er seit, einmal ir seit 
verdienen nähere Betrachtung. Es ergibt sich, dafs der gröfsere 
Teil literarische Reime sind: als die dventiure seit : reit 2039, 
ähnl. 2619. 6359. daz ich dir war hün geseit : reit 4405. werlich 
du Mst mir war geseit : cleit 5129. 4437. ob ir die ganzen ivarheit 
mir nicht an stender stete enseit 6141. und waz iueh von mir ist 
geseit : daz ist die ganze wärheit 1261, ähnliche Fügungen: un- 
gesungen und ungeseit : leit 2129. geoffenbaret und geseit : wärJteit 
4671. und Mte im die gelegenheit : von ende zu ende geseit 2691. 
6733. daz wart im schiere geseit : von ende zu ende vür geleit 4335. 
liset, singet unde seit : vrumekeit 1217. mit der schrifte was geseit 
: geleit 5901. waz tone hie lange von geseit : bereit 889 : cleit 4037. 

Können diese Verse für die literarische Tradition in An- 
spruch genommen werden, so sind folgende analog gebildete eben- 



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falls als literarische anzusprechen: daz im von vr die wärheit — 
nicht wart geseit 6391. also hän ich iuch die tvärheit — geseit 
6845. alle die gelegenheit : und als sie in ez het geseit 4939. 
Schlief slich : da von du mir hast geseit : Schönheit 4009 ; dö wart 
ez geseit : bereit 6009 (im ganzen 22 Fälle). — Auch in der Le- 
gende sind die Verse mit seit, geseit literarische: als mir die 
schrift hat geseit 103. 197. 769. als ich dir hän geseit 353. als 
uns seit die schrift 783; danach nicht mehr auffällig daz wart 
geseit (:heU) 345. — Am wenigsten literarischen Charakters 
tragen die Beispiele aus der Ritt er f.: wurden geseit: werdikeit 
189. wart geseit : werdikeit 299. volseit : werdiJceit 323. 

Wir können vermuten, dafs alle geseit (25), er seit (5), ir 
seit (1) nicht Heinrichs Mundart, sondern seiner Dichtersprache 
angehören. Diese Annahme unterstützt vielleicht auch die Beob- 
achtung, dafs von den 22 Fällen im Trist, auf das erste Viertel 
des Werkes 3, auf das zweite 4, auf das dritte 8, auf das vierte 
7 Beispiele kommen und dafs die 5 freier gebildeten Fälle nach 
v. 4009 liegen. Die Fälle der Legende sind gröberer Art. In 
der Annahme literarischer Übernahme der Formen geseit, seit 
bestärken uns vornehmlich die sonst vom Dichter gebrauchten 
beweisenden Reime gesaget : taget 4301 : gedaget 1411 : verdaget 
2579, weniger sicher gesaget : jaget 2361. 2791. 3279. 5709 (vgl. 
betaget : erjaget 3589) er saget : jaget 2417. 3421. Hieher sind 
auch die Reime maget (nom., acc): er saget zu stellen 317. 649: 
ir saget 1097: gesaget 1039. 3699. 3833. 3883. 3995. 4045. 4401 
(dat.). 5387. So schreiben auch beide Hss. mit Ausnahme von 
3699, wo meit : geseit überliefert. Dazu noch Ritterf. gesaget 
: unverduget 159. In v. 37 ist mit Rücksicht auf das eben Ge- 
sagte auch gesaget : maget (gen.) zu lesen. Der Sprache des 
Dichters eignet die Form meit nicht, trotz des einen Reimes 
meit (acc.) : herzenleit 4999, der eben nur literarisch ist gegen- 
über den beweisenden Bindungen maget : betaget (nom.) 97. 869. 
1073. 1083. (acc.) 3869. (dat.) 4979.') — In der Annahme liter. 
Übertragung der Formen geseit, seit werden wir auch bestärkt 
durch die Heranziehung des Versinnern, wo wir regelmäfsig ge- 



') Die endungslose Form meit kennt auch Wirat nicht. Zwierzina 44, 
357. Die Flexion von maget wird durch das Versinnere allerdings ohne Be- 
weiskraft Deleuchtet. Wir finden im genit. dat. Sgl. der magde (0 mede) 328. 
(0 megede) 646. 672. 3776. 3797 ähnl. 1070. megde (0 megede) 746. 1053. 3716. 
(0 maget) 3712. plur. megde (0 megede) 364. 828. 3904. 4760. 4931. 4969. 4975. 



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100 

saget als Versfufs lesen 1561. 3775. 4012. 4055. 4221. geseit bietet 
F 6721. Auch man saget 2161. Natürlich ir saget 1002. 1010. 
1104. 1202. 1837. 1844. 2426. 

Nicht so klar steht die Frage der literarischen Übertragung 
bei den vereinzelten Reimen sie leite : sie seite Trist. 671 ; seite 
: bereite Schret. 169. Diese Reime finden wir bei keinem sprach- 
lich verwandten Dichter, 1 ) denn sie meiden, wenn sie schon seit 
reimen, doch die Bindung von leite: seite; s. Zwierzina 44,357 
und seinen Versuch der Erklärung 365. Die ganz vereinzelten 
Bindungen in seite und leite bei Ulr. v. Eschenb. (s. die Anmerk.) 
sind auch bezeichnend. Dem entsprechend lesen wir auch bei 
Heinr. daneben sagete : tagete 1619 (natürlich tagete ijagete 6037). 
ver saget en:bägeten 3177. Schon die spärlichen Belege bei den 
vielen Reimmöglichkeiten zeigen den Zwiespalt der Sprache 
Heinrichs. Aber das Versinnere läfst es bedenklich erscheinen, 
die Formen leite und seite ohne weiteres der Sprache des Dichters 
abzusprechen, wenn wir auch daselbst den unsicheren Angaben 
der Hss. ausgeliefert sind. 2 ) 



l ) Die ostmd. Dichter will Zwierzina 347 in diesem Punkte an die bair. 
österr. Gruppe angliedern. Eine nähere Untersuchung darüber steht noch aus. 
Dafs Ulr. v. Eschenb. treu, leit, geleit, geseit, er seit, sogar meit, er jeit, gejeit, 
eleu, gecleit, verzeü und endlich auch leite und seite reimt, scheint mir nicht 
beweisend. Denn dieser Dichter huldigt in den Reimbindungen sehr freien 
Anschauungen. Der Umfang des Gebrauches geht aus der Notiz Toischers, 
Die Sprache U. v. Eschenb. s. 8 und 21 nicht hervor. Ich kann das Material 
hier nicht vorbringen und führe nur er seit auch in nicht literarischen Versen 
an Alex. 2439. 5555. 7509. 19721. 22563. 26197. 26623. er leite (ibeite) 4063. 
er seite (: bereite) 11247. 26413. Daneben kommen aber die vollen Formen 
vor : gesaget (Toischer schreibt gesagt usw.) : behaget 1081 : jaget 15769 : er 
claget 19585. 27205. verseit : beheit 2029 wäre wohl zu bessern, vgl. Wilh. 
gesaget : er behaget 6021. behaget : ir traget Alex. 18943. verzaget : er behaget 
5415 : claget 16722. 23781 : jaget 14265 : er saget 1968. 7233. 19085. 20107. 
26313. Wilh. 7588 .ich saget 7119. er jaget: er saget 15897 imaget 27421 
(daneben allerdings wieder^ z. B. 14153. 18959). er saget : gevräget 3989 
imaget 11757. 11345. Daraus geht hervor, dafs der Gebrauch Ulrichs einer 
genaueren Darstellung und Aufklärung bedürfte. Da er auch sonst allent- 
halben fremde Reimformen herübernimmt, halte ich sein Beispiel dialektisch 
nicht immer verwendbar. Über den Gebrauch in Ernst D Zwierzina 44, 357. 

J ) Wir lesen leite FO 335. 450. 663. 742. 2041. 2816. sie leiten 927. 
955. 2667. leite F (lechte 0) 755. 2962. leite {legete F) 797. 801, ähnl. 2788. 
Daneben aber legete (0 lechte) 851. 4582. 4905. 4908. 4912. 4920. 5140. 5347. 
5449. 5453. 5675. 5828. 5903. 5913. 5914. 6762. legte (0 lechte) 1231. 2966. 
legeten (0 lechten) 2682. 4947. legten (0 legeten) 4035. — In der Leg. leite 



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101 

Beide Hss. des Trist, von denen F auf eine wohl mehr 
md gefärbte Vorlage zurückgeht, sowie die kleineren Gedichte 
überliefern in einer grofsen Anzahl der Fälle übereinstimmend 
seite und leite, was mir eine unbedingte Ausscheidung dieser 
Formen aus dem Texte gewagt erscheinen läfst. Dafs Kon- 
traktionsformen dem Dialekt Heinr. eigen gewesen sein können, 
kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden, da sie heute 
im md. Nordböhmen als lejte, sojte, s$te auftreten, wenn diese 
auch phonetisch als Weiterentwicklung älterer leckte, sochte ge- 
deutet werden können. Nahe liegt die Vermutung, dafs sich 
seine Kontraktionsformen nicht zu Bindungen auf altes -ei 
eigneten. 

Für die Kontraktionen Ut<Uget, git < gibet, pßt<pßget 
hat Zwierzina 44, 397 ff. das Material aus den mhd. Dichtern ge- 
sammelt. Der nicht nach Landschaften streng geschiedene Ge- 
brauch läfst eine Entscheidung, was überliefert, was mundartlich 
ist, nicht zu. 

Heinrich hat lit : dt 4231 : mt 5739. Daneben liget: gesiget 
151. Aufserdem überliefern die Hss. im Reime liget : pfliget 809. 
947. ligest : pfligest 3851 ; im Versinnern lit Trist. 204. Leg. 854, 
aber auch er liget z. T. zur Taktfüllung bequem 5382. 5772. 
5799. 6616. 6646. du ligest 3869. Natürlich ir liget 1022. 1029. 
4978. 5464. Es ist möglich, dafs wie in heutiger Mundart die 
Doppelformen nebeneinander lagen. So im Nordböhmen unter 
dem Erzgebirge du laist, er lait neben du liehst, er licht Immer- 
hin ist auch die Herübernahme einer literarischen Form für 
Heinr. nicht ausgeschlossen. 

git : die iverlt uns Urkunde git : nit 3035. als uns die schrift 
Urkunde git : zit Leg. 529. 785. 807. ob sorge mir die muoze git : 
zit Schret. 6. Im Versinnern überliefert du gibest 6621. gibet 
Schret. 3. er git ohne sichere Gewähr Leg. 351. Ritt. 247. Die 
angeführten Reimbindungen zeigen literarischen Charakter. Die 
Seltenheit der Bindung bei so gehäufter Reimmöglichkeit — 
Heinrich kennt zit : sit : strit : beschrit : nit : wit : ravit : gebenedit : 
lit in 29 Reimpaaren — erklärt sich vielleicht durch den litera- 
rischen Charakter der Form. Anderseits hat Heinrich für gibet 

416. 525. legte 592. 699. Im Schret. leite 177. 181. 277. — seite 2483. 

2512. 3593. satte (0 sagete) 3600. 6708, ähnl. 6145. du scites (0 sagetes) 4743. 

Umgekehrt 5325. Aber sagete 3638. 4938. 5843. 6685. sageten 3170. 4781. 
5947. seite in der Leg. 294. 333. Schret. 161. 



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102 

keine Keimmöglichkeit. In heutiger nordböhm. Mundart leben 
übrigens gipst, gipt neben gist, gXt zusammen. 

Auch pflit und pßget findet sich nicht in beweisenden 
Reimen ; Heinr. kennt nur pßget : liget 809. 947. pfligest : ligest 
3851. Im Versinnern pßget 997. 

Kurze Praeteritalformen. 

Die Particip. Formen der verba nennen, kennen, rennen 
usw. heifsen im Reime bei Heinr. nur genant 75. 1219. 1841. 
2029. 2695. 3323. 5651. 5737. 6805. Leg. 119. 153. 373. 507. 
519. — erkant 163. 1357. 2023. Ritt. 53. — gerant 3287. 3577. 
4551. 5505. 6121. 6163. 6221. 6235. 6279. Ritt. 267. — verbrant 
1059. 3287. 3453. — zutraut 739. Auch im Versinnern herrschen 
genant 1393. 1838. 5742. 5748. benant 552. Leg. 312. 522. Trist. 
77 ist genennet überliefert und gilt auch 5565. 5575. 6189 und 5758, 
von genant liest, erkennet 66. genennet Leg. 371. 538. 775. 

Auch bei den verben auf -enden kennt Heinr. im Reime 
nur die kurzen, nicht umgelauteten Formen besant 331. 471. 
515. 1207. 1211. 1243. 1307. 1403. 4457. 6369. 6769 gewant 471. 
5767. verswant 5245. volant Ritt. 287. Im Versinnern gesant 
Leg. 244. Ritt. 105. jedoch gesendet Trist. 401. Schret. 80. ge- 
wendet Trist. 421. Natürlich wante 301. 6245. sante 331. 1519. 
3970. 5049. 6432. Schret. 76. Ritt. 285. rolante 2924. 

Welche Formen ursprünglich waren, welche später, vielleicht 
literarisch übernommen, ist auch für Heinrich schwer zu ent- 
scheiden. Für Hartm. und Wolfr. vgl. Zwierzinas Beobachtungen 
zum Reimgebrauch Hartm. u. Wolfr. 1898. (Abhandl. z. germ. 
Phil. 473. ff. Sonderabdr. 37 ff.) Auch sonst zeigt Heinrich im 
Reim den überwiegenden Gebrauch der kurzen praeterita und 
participia schwacher Verba. 1 ) achte : betrachte 201. 273. 989. sie 
trachten : achten Leg. 841. raste Ritt. 265. bereite Schret. 169. 
bereiten : beleiten 1557. enpfette 661. 4903. Mit sogenanntem 
Rückumlaut stracte : stacte 1189. erschracte 5987. erkande : lande 
539. : Tristande 5261. 5807. 5933. löste : tröste, röste 2891. 3451. 
6477. dructe : smucte 4575. lüchte : duckte 4415. puorte : rworte 
2243. sie bluoten Leg. 629. kuste 4577. rüste Ritt. 213. Be- 
achtenswert und für das Md. bezeichnend ist dabei die Bindung 
rente : brente Ritt. 199, vgl. Weinh. Gr. 388. 393. Dazu stelle 

l ) Heinrich reimt weder redte noch redete, wie überhaupt reden im 
Reime nicht auftritt. 



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103 

ich aus dem Versinnern die Formen erkente 4696. wentet 289. 
hehefle 6251. sperte 4604; auch schrotete: lenete 711. 

Participia: ertracht : gemacht Ritt. 171. bereit 604. 890. 
1275. 1370. 1402. 1549. 2676. 2707. 4351. 5263. 6003. 6009. 6150. 
Leg. 197. Schret. 173. Ritt. 89. gecleit 1929. 4351. 4409. Ritt. 109. 
gespreit 2525. gerieht 601. 2463. 2527 (neben berichtet 13. 41. 
4241.) gekaft Ritt. 217. Mit sogenanntem Rückumlaut: behaft 
Leg. 567. 763. Ritt. 203. gestalt 819. 4683. 4857. 5099. 5139. 
5155. Leg. 31. gevalt 2235. erlöst 2261. Leg. 67. gezunt 657. 
6715. Ritt. 163. gekust 5573. 

Die kurzen Formen stehen auch im Versinnern : er bereite 
1511. sie warten 3235. druete 706. 713. 6563. smuete 747. ruete 
4169:*tttfeti 6213. buete 1186. huste 3537. 3649. 4108. 6604. 6606. 
schütte 4570. behalte 4585. enzunte 6636. raste Schret. 278. Da- 
neben aber mit Bindelaut und Umlaut gebildete Formen wie 
drückete 5908. vellete 2270. vüegete 3741. 6571. 6662. prüe- 
fete 3462. 

Auch die participia kennen manche Reimbindungen und 
das Versinnere in der vollen Form, so gedrücket : gesmüeket 725. 
gesetzet : ergetzet 1377. (vgl. Zwierzina Studien 45, 44 Anmerk.) 
Und im Versinnern gezücket 6539. gedrücket 5980. verrücket 
4163. gedecket 4786. gestecket Ritt. 128. gemerket 3694. gesetzet 
1185. 2163. 2583. ergetzet 6086. betrüebet 2837. 2975. 3662. #e- 
wierd 3158. gerüeret 3794. erzürnet 2736. 3046. 3245. 5654. er- 
tese* 3312. fore&tf 3069. 4041 und die Beispiele S. 86—89. 

haben und tuotu 

Zwierzina macht für Wolfram (Beobachtungen 491—497 
Sabdr. 55—61) wahrscheinlich, dafs dieser hete und het gekannt, 
aber aus Gründen der Reimtechnik nicht gereimt habe, ebenso 
nicht wie tete. Wirnt, Wolframs Nachbar, reimt het t bevor er 
Wolfr. kennen gelernt hat, dann hat er weder diese noch eine 
andere Form (Beobachtungen 493(57)). Dieser interessante 
Umstand beschäftigt uns auch bei Heinrich. 

Die so häufigen Formen des praeterit. von haben und twn 
kommen auffallend selten im Reime vor. Wir finden tet : het 
2607. 3443. getet : der bet 3647. tet : der bet 3751. er het: der 
stft 6539. Leg. 539. 623. Jiet : Äntret Trist. 4475. 4655 (vgl. 

») Über diesen Vers vgl. noch unten. 



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104 

anderseits Antret : der stet 4627). Dazu noch het : Seth Leg. 
181. 413. «) — Die Reime getet : b'ct und tet : het anderseits, das 
durch Bindungen mit stet, Antret als f-Laut gesichert erscheint, 
wäre eine auffällige Mifsachtung der sonst von Heinr. peinlich 
eingehaltenen Scheidung der e-Laute, wenn auch nach Zwierzina 
(Studien 44, 288 Anmerk. u. ö.) bei manchen Dichtern vor t das 
£ und e nicht mehr auseinandergehalten wird. Dieselbe Aus- 
nahme bei Ulr. v. Eschenbach (gebet : stet, -ete : -ete Studien 44, 
108 Anmerk.) und Wolfram, der ? und e sonst nach fränk. Art 
genau trennt (Zwierzina 44, 310) hier heranzuziehen, ist zweifel- 
haft. Eine mögliche Erklärung der Bindungen bei Heinrich will 
ich selbst vorbringen. Läfst sich beweisen, dafs die Form het 
nicht Heinrichs Sprache angehört, sondern literarisch übernommen 
ist, so wäre der Zwiespalt, dafs er diese Form einerseits zu tet, 
welches wiederum im Reime zu e steht, anderseits zu stft : Antret 
reimt, welches mit f anzusetzen ist, leicht erklärt, da die Lautung 
des het nicht organisch festgewurzelt wäre. 

Heinr. hat weiter den Konjunkt. hete : tete 5993. hete : wete 
Ritt. 201. als h<ete und trete. Dazu sie täten : Kemenaten 677. 
5409 : preläten 6801. wir getäten : träten Leg. 217. Das ist alles. 
Wir finden also nur 9 mal het (5 mal im Trist., 4 mal in der 
Leg.), davon 2 mal im Reim auf tet Letzteres aufser diesen 
Fällen auch nur noch 2 mal. Das ist bei 8444 überlieferten 
Versen Heinrichs eine geringe Ausbeute. 

Es scheint, dafs Heinrich eine Form gekannt hat, die er 
nicht gut reimen konnte oder nicht reimen wollte; und diese 
war Mte (= hete). Dieses luete ist nach Zwierzina 44, 294 und 
403 eine echt md. Form. Eine Zusammenstellung der von Heinr. 
im Versinnern verwendeten Formen kann Licht in die Frage 
bringen. 



l ) Einem Ansätze der zweisilbigen Formen tete, hete, die sich durch 
die Bindung: der bU, der stet nahelegen, stehen mehrere Bedenken entgegen. 
Man müfste, wollte man nicht eine Nebenform het gelten lassen, auch Antrete 
als nom. einsetzen und müfste ein het (?) : Seih aufstellen. Dazu kommt, dafs 
die wechselnden Bindungen hete : stete einerseits und hete : tete : bUe ander- 
seits die scharfe Scheidung der e-Laute bei Heinrich (s. 90 f.) in Zweifel zögen, 
wenn auch Zwierzina Beobacht. 59 (495) für tete schwankende Qualität des e 
in Betracht zieht. Der Änderung steht auch die übereinstimmende Über- 
lieferung der Hss. entgegen, die nur het im Reim und nur tet (auch im Vers-r 
innern) sowie nur Antret bieten. Befürwortet würde die Änderung durch 
die bei Heinr. naheliegende Vermeidung der apokop. Form der bU, der stet. 
Vgl. aber b. 83 f. 



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105 

Hs. F bietet het, hatte in 56 Fällen, unter denen in 38 
Fällen eine zweisilbige Form möglich ist. 1 ) — 

F hat het, hette, wo beide Eormen im Verse möglich 728. 
1577. 2793; wo die einsilbige Form vorzuziehen 489. 3529. — 
F hat hette, hatte in 23 Fällen, unter denen eine zweisilbige 
Form vorzuziehen v. 918. 2022. 2028. 2702. 3083. 3572. 3609. 3699. 
3703. 5038. 5217. 5343. 5508. 5684. 5902. 5909. 6067. 6071. 6425; 
die einsilbige Form wäre vorzuziehen v. 1161. 2123. 5009; beide 
sind möglich 6291. — 

F hat hete, hatte, wo zweisilbige Form erwünscht, 919. 
5485. 5491. 5500. — 

Der Indic. plur. ist in F hetten, in Jiatten in 14 Fällen v. 
442. 1858. 2055. 2369. 2535. 2583 usw. 

Danach wäre in den angeführten Fällen die zweisilbige 
Form des praet. sing, für den Vers möglich in 65, die einsilbige 
wünschenswert in 23. Die Überlieferung von F allein v. 6825 
het, 6769 hette ziehe ich hier nicht in Rechnung. Ebenso nicht 
die Stellen zweifelhafter Überlieferung 638. 708. 736. 6102 F hat, 
hatte. Ebenso 113. 766. 3075 F het, hat, in denen übrigens 
meist Mte gelten kann. 

Dafs der Dichter die Form het gekannt hat, beweisen die 
Reime. Für die Entscheidung, was der Mundart des Dichters 
entspricht, sind jene Fälle von Wert, in denen die von der Hs. 
F, welche grofse Vorliebe für het aufweist, für den Indic. über- 
lieferte Form hette auch den metrischen Anforderungen, die wir 
an Heinrichs Verse zu stellen genötigt sind, entspricht. Das 
sind 19 Fälle; dazu kommen als wichtig die 4 Fälle, in denen 
F hete schreibt, 3 davon 5485. 5491. 5500 fallen, was bemerkens- 
wert ist, in die Abschrift des zweiten Schreibers. Vergleichen 
wir dazu die Überlieferung des indic. plur., der in F durchaus 
hetten lautet. Es scheint mir nicht zweifelhaft, dafs Heinrich 
als Praeteritalform eine zweisilbige Form, und zwar Iwte ge- 
kannt hat. Sie wird von F im Indic. als hette 24 mal, als hete 
4 mal überliefert, von im ganzen 5 mal. het bietet F 65 mal; 
hatte ist die fast ausschliefsliche Form der Hs. 0. Dazu beachten 
wir als Merkwürdigkeit jene Fälle (es sind 43 von 65 s. ob.), in 
denen das het der Hs. F ebensogut als Mte gelesen werden kann 
(0 hatte, hette), weil durch folgenden Vokal Elision erfolgt. Für 

l ) Das Zahlenmaterial habe ich natürlich genau gesammelt. 



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106 

den Indicativ het anzusetzen, wäre nach dem Rhythmus nur in 
26 von 92 Fällen erwünscht (s. ob.), alle übrigen vertragen hetel 
Und für diese restlichen 26 Fälle kommt noch in Rücksicht, dafs 
Heinrich zweisilbige Senkung mit Sicherheit zugelassen hat. 

In der Legende finden wir den Indic. het in 7 Fällen über- 
liefert (157. 158. 295. 399. 405. 450. 547. 862). Überall wäre 
ein hete zu schreiben möglich, da nur leichte Typen zweisilbiger 
Senkung einträten. Der plur. ist auch hier täten 559. Dafs 
Heinrich ein seinem Dialekte fremdes het verwendet, kann mit 
Rücksicht auf die literarische Tradition besonders in der Legende 
nicht auffallen. — Im Schretel stehen 3 het (190. 192. 290), die 
alle als hete erscheinen können. — In der Ritterf. steht het in 
der Senkung v. 106. hete 219. Es kann hete stehen. Das het 288 
ist mit Rücksicht auf den Vers als hete zu lesen. Das hsl. hete 
194 ist Konjunktiv. Der plural ist heten 238. 

Ich glaube mit einiger Wahrscheinlichkeit schlielsen zu 
können: der spärliche Gebrauch der Praeteritalform im Reime 
deutet auf eine andere Form als das literarische het. Im Vers- 
innern ist fast in einem Drittel aller Fälle hette f hete gegenüber 
dem literarischen het überliefert, in fast drei Viertel aller Fälle 
kann hete stehen. Heinrichs mundartliche Form wird das mittel- 
deutsche hcete gewesen sein. 1 ) 

Die Form des Konjunktives ist hcete (s. ob.). Sie steht im 
Versinnern als hette 1669. 2235. 3255. 3543. 5250. 5710; 
nur F 6736 f. du hettest 6732 f. hete in F, hette 3594. hette in F, 
hatte 2263. 2503. 6370. ir hettet (F het) 1050. ir hetet (0 hettent) 
3554. sie lietten 2825. 3379. 3590. 4954. F het (0 hette) 2281. 3953. 
3986. 2997. 5587. 

Sonst: ich hau 390. 1849. 1852. 2665. u. 0. ich hohe 2419. 
Leg. 858. Ritt. 304. Konjunktiv ich hän vielleicht 500. 2218. 
4012. und Schiet. 150. er Iwbe (conj.) 2495. plur. wir haben 6113. 
6316. 6797. Leg. 627. 678. vielleicht conjunct. 6126. indikativ 
wir hän ist anzunehmen Leg. 521. weniger sicher Trist. 6875. 
sie hän 1345. Leg. 292. 872. Indik. scheint auch vorzuliegen 
1336. 3482. Ritt. 17. ir lmbet 4625. partic. geJmbet 503. 3499. 

Wie weit der Begriff „Literatur- und Dichtersprache" ge- 
fafst werden kann, beweist der Umstand, dafs Heinrich die ihm 

x ) ülr. v. Eschenb. gebraucht indic. hoste nur einmal 25984. Sonst eine 
wahre Musterkarte von Formen: häte, hat, hat, het, hete, het, vgl. Toischer, 
Über die Sprache s. 23 f. Für Ernst D vgl. oben S. 80. 



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107 

literarisch überkommene praeter. Form het sogar gegen seine 
sonstigen Reime (5993. Kitt. 201.) und gegen den klaren Gebrauch 
des Versinnern als Konjunktiv verwendet v. 3443 sam sie sin 
nicht gesehen enhet : tet. 1 ) 

Zu tum ist tet ausschließliche Form im Reim (s. ob.) und 
ebenso im Versinnern, im Trist, in 30 Fällen, dazu 3 Fälle, die 
nur Hs. F überliefert, aufserdem v. 2184, wo ivas bietet, und 
v. 3596, wo wohl conj. zu denken ist. Der conjunct. tele v. 1327. 
2859. — In der Leg. steht tet v. 52. 261. 397. 439. 552. 609. 
Dazu plur. Uten statt täten 715. Schret. tet 166. 343. Ritt. 34. 87. 

gän, stän 9 läzen (läri) usw. 

Die beiden verba gän, stän treten bei Heinrich in den dr 
und e-Formen auf. Dafs Heinrichs Dialekt beide Formen neben- 
einander gebraucht habe, ist ausgeschlossen, vgl. zur Frage 
Singer, Die mhd. Schriftsprache, Zürich 1900, s. 9. 

Die a-Form in beweisendem Reim stän (infln.) : Tristan 
645. 1433. 1565. 3127 : Litän 4171 : Urgän 1905. : Aquitän 5281 
: getan 100S: plan 1709 : sän 4935 : hdn 2190 : getan 3885 : tan 
1731. 2051 : man 1899. sie st t dn : hdn 3781. stät : rät 1525. 4121 
: hat 2201. — Leg. stän (infin.) : an 281 : man 601. stät : hM 
177. 389 : missetät 289. — Schret. stän : man 53. bestän : getan 
201. Ritterf. keine Belege. 

gän (inf.): Tristan 2117. 2723. 4311. 4331. 4825. 5423. 5443 
: Gawän 2765 : Litän 3179 : capelän 4367 : sän 4747. 5371 : ge- 
tan 6043 : man 659. 6249 : dan 5219. gätipotestat 3301 : wät 
4225 : lät 4643 : hat 5781 : sät 6633, endlich gegän (partic.) : Tristan 
5667. — Leg. gän : sän 307. sie gän : getan 803. er gät : pfat 201. 

— Schret. gät : rät 147. — Ritt, gän : plan 249. 

Reime von beiden Formen aufeinander bringen keine Ent- 
scheidung, so stän: gän 5873. gät : stät 715. 4533. 4539. 6119. 

— stm : gen 833. 1223. 5121. 5445. stet : get 1365. 

Die e-Formen stehen in beweisendem Reime nur Trist. 3371 
als iehz verste : me und swie ez im erge : we 6087, also beidesmal 
der Konjunktiv. 2 ) Dieselben vereinzelten e-Formen des Konjunktivs 

l ) Dasselbe tut Ulr. v. Eschenb. Alex. 26546. 26902. 

8 ) 3371 den Konjunktiv anzunehmen, veranlafst mich aufser der Ana- 
logie 6087 der Umstand, dafs Heinr. im Indic. sonst nur sichere d- Formen 
kennt, dann die sprachliche Erwägung, dafs für eine Indicat-Form bei Heinr. 
doch ich verstän, versten zu erwarten wäre. Die Analogie der konjunktiyen 



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108 

finden wir bei Hartmann s. C. Kraus, Das sogenannte IL Büchlein, 
Abhandl. z. germ. Philol., Halle 1898, 154 (44) und R. v. Ems, Junk 
PBBXXVII. 485. Die e-Formen gehören dem bair. Dialekte an, 
s. Bohnenberger Beiträge 22, 209 ff. Doch treten schon in ältester 
Zeit d-Formen in bair. österr. Hss. auf, vgl. Singer, Schriftsprache 
9 f. und Anmerk.; anderseits e-Formen bei Wolf r., H. v. Trimberg 
und der hess. Elisabeth, vgl. Zwierzina Beobacht. s. 31 f. und 
Studien 45, 67. Ich erwähne als interessant, dafs im Freiberger 
Recht (herausgeg. von Ermisch) fast ausnahmslos die e- Formen 
auftreten. Da Heinrich nur im Konjunktiv e- Formen kennt, 
sonst die d-Form ausschlief slich verwendet, können wir diese 
letztere als seiner Mundart entsprechend annehmen und zugleich 
vermuten, dafs wie bei Heinr. so auch bei anderen md. Schrift- 
stellern die e-Form durch den Konjunktiv allmählich in den 
übrigen Formen herrschend geworden sei. 1 ) 

Im Versinnern bieten die Hss. regelmäfsig e-Formen, aller- 
dings ohne Beweiskraft, so er git 4240. 5774. Schret. 116. ich 
ge(n) 418. 4709, imp. ge (0 gang) 4710. 4732. 5396. Leg. 253. 
sie ge (conj.) 4751. gendez 1079, doch gtn F, gän 5397 und 
gän FO 5383. gen Leg. 816. Schret. 179. — er stet 1215. 4683. 
stender (0 Stander) 6142. sten 5460. imp. stant 5926. Änderungen 
gegen die Hs. habe ich nirgends vorgenommen. 

Die partic. Formen sind bestanden : randen 1799 : handen 
2049. ergangen: gevangen 3255 (vgl. 5107. 5415. Ritt. 239); aber 
auch gegän : Tristan 5667. Im Versinnern gegangen 2029. 3081. 
4096. 4525. begangen 3811. verstanden 377. enstanden 3630. be- 
standen 4609. 

Nach Analogie von gän, stän ist län gebildet. Wir finden 
im Trist, den inf. län : Tristan 187. 2991. 3863. 4589 : hän 157. 
1077 : arcwän 5707 : man 165. Die partic. getan, vertan : Tristan 
287. 917. 933. 949. 3075. 3079. 3831 iLitän 5683 : getan 1091. 
4965 : verstän 3885 : began 109. In den anderen Gedichten findet 
sich die Form nicht im Reim. — Konjunkt. geläze : sträze 3671. 

e-Form bei anderen Dichtern ist bezeichnend. Die potentiale (selbständige) 
Färbung, die der Konjunktiv an unserer Stelle zu seinem Verständnis braucht, 
aufzuzeigen, ist allerdings schwierig. Es ist ein „einschränkender Konjunktiv", 
vgl. Walth. 61, 6. 

*) Ulr. v. Eschenb. hat tiberwiegend ä- Formen, doch auch Reime der 
«-Form im Indikat, im Konjunkt. nur e- Reime. Toischer, Sprache s. 18 f. 
Im heutigen Nordböhmen hört man, von Westen nach Osten, geit, git, git 



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109 

Treffen w so im Infin. und Partie sowohl als Hilfsverbum als 
in prägnanter Bedeutung im Reim nur län, gelän, so steht im 
Versinnern für den Infin. nur läzenS) Bezeichnend für den Ge- 
brauch v. 1092 duz ich hart gelän : und läzen muoz; allerdings 
partic. und infin. läzert sonst 1507. 3180; doch das Partie, gelän 
3479; sie län 1311 ; er lät 51. 829 (F let). 5783, wo Uzet bietet. IM 
2492. ich läze 1072. 3865. 3977. 4693. 5546. 6140. ich läz (0 län) 
5660. läze wir 303. 3603. 5972. du läzest (0 lesest) 3869. imp. läz 
3876. 5385. 6000. Leg. 82. lä (0 lais) 5300. läz (0 lä) 6186. lät 
imp. 1101. 2467. 4227. 5493. 5715. Schret. 84. 134. 136. laissent 
1004. conj. läze 4215 (vgl. den Reim 3671), daneben er lä 6878. 

Es ist anzunehmen, dals dem Dichter Doppelformen bekannt 
waren, wie auch dem heutigen Dialekte des wahrscheinlichen 
Heimatsgebietes des Dichters. 

vähen, vdn 9 vie 9 gie 9 lie. Heinrich hat kein van, rät; 
auch nicht vervän, enpfän oder versmän, vgl. über diese Bildungen 
Zwierzina, Studien 45, 47 ff. 

Das einzige gevieisie 6531 möchte ich als literar. Reim 2 ) 
auffassen gegenüber dem durchgängigen gierte \ vienc 1413. 1973. 
2013. 3187. 3813. 3905. 4105. 4327. 4769. 5411. 5451. 5467. 5599. 
5815. 6271. 6281. Leg. 105. 151. 223. Schret. 307. — Aber gie 
: sie 859. 2917. 2947. 2971. 5937 : hie 935. 1435. Leg. 733. End- 
lich lie : gie 961. 983. Leg. übergie : verlie 163. lie : hie Trist. 39. 
: sie 5875. Aber liez : hiez 1299. 2379. 3019. 4205. 4743. 4901. 

Das Verhalten mhd. Dichter, auch Heinrichs, bespricht 
Zwierzina, Studien 45, 66 Anm. bes. 2. gienc, vierte, liez sind die 
regelmäßigen Formen. Ob man aber auch für die Reime mit 
gie, lie mit der Annahme literar. Herübernahme auskommt, wage 
ich nicht zu entscheiden, da Zwierzina auch für Nachbarn Hein- 
richs (Ludwigs Kreuzfahrt, Heinr. v. Krolewitz) diese Doppelformen 
nachweist. Wolfram sagt nach Zwierzina. Beobacht. s. 32 und 
Anmerk., nur liez, gienc, vienc. Auch im Versinnern überliefern 
die Hss. mit Ausnahme der Legende und Ritterf. gienc und vierte. 
Im Trist, nach FO 37 mal gierte, kein gie; 8 mal vienc, kein vie. 
Leg. gie 293. 305. 331. 604. 758. enphie 41. Schret. gienc 163. 
167. 299. 300. Ritterf. gevie 139. — liez im Trist. 20 mal, kein 



x ) Reimmöglichkeiten bietet Heinrich säzen : äzen 911 : mäzen 4783. 

*) Ebenso scheint es nach Zwierzina, Studien 45, 60 bei dem Stricker 
der Fall zu sein, der wie Heiur. ganz vereinzelt vie neben durchgängig vienc 
und gienc, gie aufweist. 



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110 

lie. Ich habe darum gienc, vienc, lies auch im Versinnern durch- 
geführt. 

schre, weste, began, begunde, quam, azS) 

Eigentümlich ist das Verhalten Heinrichs in der Form 
schre, die er ausschliefslich verwendet, während seine Vorbilder 
und seine sprachlichen Nachbarn entweder nur schrei (Wolfr., 
Gotfr.,Ulr.v. Türh.) oder schrei und schre nebeneinander gebrauchen 
(Wirnt, Ludw. Kreuzt). Auch Ulrich v. Eschenbach hat 6 schre 
gegen 2 schrei, Toischer, Sprache s. 13. schre : ArundeU 583 : me 
1813 : de 4563 : we 6399. Schret. 235. Er stimmt hier mit den 
Nib., Hartm. und den alem. Dichtern überein. Das Verhalten 
der mhd. Dichter vgl. bei Zwierzina, Studien 45, 30 ff., der schrei 
als fränk. Form bezeichnet (45, 32) und wahrscheinlich macht, 
dafs ein Dichter, der schre verwendet, durch die gute Reimbar- 
keit dieser Form dazu verleitet werden konnte. Das kann bei 
Heinr. der Fall sein , denn er kennt e : nie : we : de : se : vle : erge 
: verste : ArundeU : Noe : Josue in 28 Reimpaaren. Im Versinnern 
steht schrei Schret. 243, dieselbe Form, die uns auch im Frei- 
berger Stadtrecht entgegentritt. Das partic. lautet gesehnt : höch- 
gezit 511 : vesperzit 579 : zit 2899. 3479; jedoch geschrigen : gestigen 
Ritt. 227 von der Nebenform schrigen. Hier erwähne ich auch 
das spezifisch md. und nd. verbum h/igen (erreichen) in der partic. 
Form erkrigen : geswigen Trist. 2055 und erkrigen : gestigen Ritt. 43. 
Im Versinnern 3902. 

Das praet. zu wizzen ist weste. Im Reim nur daz beste : 
tveste 5033. Darüber und über die Haltung der mhd. Dichter zu 
dieser Form, Zwierzina 45, 95. Im Versinnern bietet F nur weste 
(0 iviste) in 17 Fällen. 

Interessant ist der Gebrauch von began begunde. 

began begegnet im Reime: Tristan 101. 683. 1809 :man 997. 
2009. 3339. 3853 : daran 2777. 4571 : vertan 109 : getan 943. 
(11 Fälle); dazu noch Schret. began : Norman 61 : villän 301. 
Daneben begunde : stunde Trist. 1147. 4893 : er künde 3015. Dazu 
begunde : stunde Leg. 643. 651. plur. begunden : stunden 6745. 
Leg. 751. — Trotz des überwiegenden Gebrauches von began 
im Reime ist für Heinrich sicher, dafs began nur literarische 

*) mochte reiint nur zu föchte, und zwar indic. und conj. 541. 3437. 
G31Ü. Leg. 589. Es ist die sonst auch häufig auftretende Form mit o anzu- 
setzen, vgl. 0. Kraus, sogenanntes II. Büchlein s. 42. 



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111 

Form war und begunde seiner Sprache eignete. Denn er ver- 
wendet im Versinnern nach beiden Hss. und in Übereinstimmung 
mit dem rhythmischen Bau nur begunde (hsl. begonde), so Trist. 
196. 326. 596. 700. 748. 753. 1407. 1434. 1877. 2238. 2601. 2718. 
2823. 2948. 3138. 3521. 3562. 3786. 4016. 4190. 4898. 5056. 5259. 
5338. 5612. 5642. 6111. 6579. 6593. Dazu noch 5167 und 5240, 
wo ging und wart überliefert. Das sind 31 Fälle; nur in 3 
Fällen könnte ein began auch dem Versbau besser entsprechen. 
Der plur. begonden nach F in 11 Fällen. Dazu in der Legende 
im Versinnern begunde 285. 335. 363. 432. Schret. begonde 233. 
(plur. 251. 342.). Ritterf. begonde 66. 94. (plur. 240. 243). 

Wir haben hier ein glänzendes Beispiel für die Rücksicht 
Heinrichs und der mhd. Dichter überhaupt auf die traditionellen 
Formen der Dichtersprache. Nach dem Stande der Reime im 
Trist, wo 11 began gegen 3 begunde stehen, wäre ein Schlufs 
auf die mundartliche Form des Dichters verfehlt. In den Reimen 
der Legende steht begunde (2 Fälle). Im Trist, starkes Über- 
wiegen von began im Reim, im Schretel kein Fall für begunde, 
2 Fälle von began im Reim, in der Ritterf. weder das eine noch 
das andere im Reim. Auch hier wäre eine Stufenleiter zu be- 
merken, nach der Heinr. vom Gebrauch seiner Dialektform ab- 
gekommen und der traditionellen Reimform gefolgt wäre, bis er 
im Zwiespalt zwischen beiden beide mied. Es mufs die Absicht- 
lichkeit nicht vorhanden sein, aber nach vielseitigen Beobach- 
tungen sind solche Ansätze nicht ohne weiteres abzuweisen. 
Zur Sache vgl. Lachmann zu Iwein 3560. Haupt zu Erek 2 9753. 
Zwierzina, Beobachtungen 29 und Mhd. Studien 45, 29 f. Nach 
diesen hat Wolfr. zwar einige began im Reime, sprach aber be- 
gunde, ebenso Wirnt, der auch begunde reimt. Dals began auch 
bei Dichtern auftritt, deren Form begunde war (Wolfr., vielleicht 
auch Stricker), hat gewiss die leichte Reimbarkeit der Form als 
Ursache. 1 ) Merkwürdig ist bei unserem Dichter noch, dafs er 
seine sicher literarische Form so oft im ersten Teile des Trist, 
zu reimen weifs (bis v. 3000 stehen 8 von den 11 Fällen), was 

*) In Ulr. v. Esch. Alex, finde ich began 845. 1259. 1281. 2609. 3055. 
4273. 5047. G423. 6687. 6750. 6933. 7981. 10553. 11659. 24353. 24589. 25425. 
Konj. begänne 12851. begunde 413. 1385. 2983. 3725. 4137. 5147. 6581. 10557. 
23119. 23427. 24 789. 24797. 25503. 26473. begunden 7625. 7627. 9749. 15465. 
21159. 23185. 26077. Bemerkenswert scheint die Lücke an Belegen vom 
Anfang des V. Buches his v. 23000. 



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112 

also auf eine grölsere liter. Unfreiheit im Beginn seines Haupt- 
werkes hinweisen könnte. In die letzten 3000 Verse fällt nur 
ein began und ein begunde (4571. 4893). Eine merkwürdige 
Analogie zu anderen Dichtern! vgl. für Hartmann Zwierzinas 
Beobachtungen 29. 

Eine für md. Heimat beweisende Form ist quam, das bei 
Heinrich ausschliefslich im beweisenden Keime steht 87. 333. 
551. 635. 985. 1081. 1267. 2479. 3243. 4101. 4139. 4379. 5253. 
5553 (14). Leg. 57. 111. 309. 321. 395. 447. 487. 517. 535. 549. 
585. 723. 743. 771. 787. 791. 809. 813. (18). Schret. 43. 285 (2). 
quämen: 609. 891. 1517. 2841. 3583. 4765. 5951. 6033. queme: 
3945. 3563. 5677. 5891. 6377. Ritt. 69. 

Wir finden, dafs der Gebrauch des quam im Keime auf- 
fällig grofs ist in der Leg., relativ gering im Tristan, im Schretel 
noch zwei Fälle aufweist, während er in der Ritterf., die aller- 
dings sehr mäfsigen Umfanges ist, nur durch ein queme vertreten 
ist. — Die Übereinstimmung auch in diesem Gebrauche ist für 
alle Gedichte sicher. 

Das praet. az reimt Heinrich mit Kürze (g)az : claz 951. 
2655. 3001 : gesaz 2229. 5265. 5847 : baz 3369. gaz : laz Schret. 
179. Heinrich stimmt im Gebrauch der Form mit ä mit Wolfr., 
Gotfr., Wirnt, K. v. Würzb. und den hessischen Dichtern überein ; 
s. Zwierzina, Studien 44, 12, der es s. 24 als fränkische Form in 
Anspruch nehmen möchte. 

Deklination starker Feminina. 

Der genit. und dat. Sgl. der starken Feminina der i-Klasse 
findet sich bei Heinrich im Reime fast durchaus ohne Flexion und 
damit ohne Umlaut. Während Wolfr. nach Zwierzina, Beobacht. 
50 ff. einen regellosen Wechsel von vollen und einsilbigen Formen 
aufweist, gebraucht Hartm. schon im Erek mit Vorliebe die ein- 
silbigen und durchgängig im Iwein. Bei Heinrich werden wir 
möglicherweise annehmen, dafs die literarische Tradition ihn im 
Reime nur die einsilbigen Formen verwenden liefs, die sich durch 
gute Reimbarkeit empfahlen, während im Versinnern neben den 
kurzen Formen mancher Wörter noch die flektierten Formen in 
Kraft stehen. Ich stelle im folgenden den Gebrauch für eine 
Reihe solcher Substantiva zusammen. Es ist immer genit. oder 
dat. Sgl. gemeint. 



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113 

macht : bedächt Leg. 575. Schrei 225. — vart im Keim 1979. 
2413. 4337 (phraseol. 3133. 6589. Leg. 355); aber tif diser wazzer- 
verte : bescherte 1571. Im Versinnern üf der verte Schret. 25. — 
stat in allen Bedeutungen unflektiert im Keime 573. 3665. 5975. 
6799. — 3645. 4315. Leg. 653. 855. — 673. Ritt. 187. Ebenso 
im Versinnern 4079. 3284. Leg. 152. 527. 571. 735. 765. Daneben 
aber an der stet im Reim 4627. 6539. Leg. 539. 623. Dem ent- 
sprechend im Versinnern an stender stete 6142. an der stete 5131. 
6381. 6683. — kraft unflekt. 1315. 2279. 2529. Leg. 5. 27. 567. 
Im Versinnern krefte 6538. Leg. 18. — wät unflektiert im Reim 
4483. 4609. 5137; aber wete im Versinnern 898. 1922. 2539. 
4407. Leg. 100. Doch auch hier ivät 4963. wede 1538. — 

schaft im Reim durchaus unflektiert im Trist; ebenso Ritt 

13. 203. 217; im Versinnern scheint es regelmälsig flektiert ge- 
braucht, so 1359. 1431. 1526. 1604. 1680. 2006. 2033. 2096. 3726. 
6455. Ritt. 27. 35. 245; daneben Mrschaft 1348. Ritterf. 30. — 
arbeit unflekt. 3477. Leg. 161. — -lieit durchaus unflekt. im Reime, 
auch im Versinnern, doch gelegenheite 4111. kündekeite 3467. — 
geschieht im Reim unflekt. 2273. 2711. 3461. 6115. Im Versinnern 
wohl geschichte 2839. — Hieher stelle ich auch hant, unflekt. im 
Reim 739. 767. 2069. 2011. 2119. 2327. 3965. 4583 usw. Schret 
67. Ritt. 107. 259, doch von der hende : gebende 4503. Auch im 
Versinnern zwiespältig hant 1705. 2203. 4173; doch hende 475. 
4154. Schret. 194. 1 ) — vrist, tat, zit, not, jugent und tugmt haben 
weder im Reim noch im Versinnern flekt. Formen. Während 
also im Reime bis auf wenige Fälle keine flekt. Formen dieser 
starken i- Feminina auftreten, finden sie sich in einzelnen Wör- 
tern mit Vorliebe im Versinnern, so für -schuft, lumt, stat, wät. 
Vergleichen wir dazu noch Formen wie der künste 265. 6005, 
wo der sing, allerdings fraglich ist, ähnlich siner kaufte 
6070; schrifte 5901. Leg. 583. üz der bürge 3078. 5517. 5743. 
5806. 6108. 6154; mit vlüchte 6260. unzüchte 2954 nach F. 
machte Leg. 390. Dagegen sucht Leg. 570. brunft : kunft 2401. 
leimst 2541. 



J ) Plural : hende 3096. 3118. 3524. 4675. 6781. phraseol. swelcher, drier, 
manger hande : Reim 2606. 3396. 4290. 4814. 4892. Im Vera 1521. 3014. 5021. 
Schret. 49. Dat. plur. mit handen im Reim 484. 2049. Im Vers (0 henden) 
3135. 4929. Ritt. 239. — Daneben henden : wenden 6869. Im Vers 4812. 
5208. 6263. 

Bernt, Heinrich von Freiberg, h 



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114 

Schwankungen in der starken Deklination. 

Zu dem Kapitel über vereinzelte schwache Formen mhd. 
st. mascul. bei Weinh. Gr. § 459 merke ich an. 1 ) 

arm wird von der Hs. F nur stark, von nur schwach 
überliefert; im Reime tritt es nicht auf. Sehen wir uns die Fälle 
an: Tristanden an den arm sin 670; den arm liez er slifen 754; 
und legten sie an den arm sin 4947; an sinen arm er in twane 
5353. Es ist mit Rücksicht auf die sonstige Behandlung der 
Senkungen bei Heinrich (s. Metrik) kaum ein Zweifel, dafs die 
Hs. mit ihrer Überlieferung der sw. Form armen den Gebrauch 
des Dichters trifft. Ohne Entscheidung sind die Fälle 807. 4963; 
der plur. steht 710. Danach wird auch der einzige Fall, wo 
man mit der starken Form im Vers besser auskäme, v. 1189, 
nicht gegen den sw. Gebrauch beweisen. 

heim erscheint schwach im beweisenden Reim 1795 dem 
keimen : melmen nach beiden Hss. Vielleicht ist 937 under helmen 
: melmen ebenso zu verstehen. Danach könnte man im Versinnern 
2138 und 6242 an keimen denken, im letzteren Falle würde die 
fehlende Senkung hergestellt. Doch kennt Heinr. daneben auch 
die starke Flexion under den keim 2077. Und im Versinnern 
steht Jielmes 2241. üf dem keime 2243. 

schate im acc. Sgl. schwach im Reime grölen sckaten : blaten 
v. 1157, sonst unbelegt; Ulr. v. Eschenb. hat diese Form öfter, 
z.B. Alex. 14082. 

site. Auch von diesem Worte kennt Heinr. im dat. sing, 
und genit. plur. schwache Formen; doch treten sie neben den 
starken isoliert auf. Wir finden dat. Sgl. (FO) mit leidtcliekem 
siten : gesniten 2826, ähnl. 3203. 4369. 5323. Daneben dem site 
853. 1523. 1790. 2647. 2985. 4195. 5247. 5633. 6041. Schret. 157. 
— acc. Sgl. site 1687. — nom. pl. site 5171. 5470. 5489. — genit. 
pl. küniclicJier siten 2941. 6057 ; daneben der site 995. — dat pl. 
19. 59. 549. 1175. 1885. 1917. 1933. 1989. 1999. 2021. 2499. 3723. 
4261. 4275. Ritt. 55. 147. Doch kann manches davon ebensogut 
als schwacher dat. Sgl. angesehen werden. Hs. bietet auch 
wiederholt dem siten. — acc. plur. site 3899. 5117. 

Von den übrigen bei Weinhold angeführten Wörtern belegt 
Heinr. nur kirz als st. acc. Sgl. 2384 ; sckuock acc. sgL 2913 und 
die zvigande nom. pl. Ritt. 241. 

x ) Bei ist vride vereinzelt schwach gebraucht, so 2470. 2495. 2514. 
Auch gedanc tritt im genit. plur. bei F in der sw. Form auf 822. 



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115 

Von den Femininen, welche neben ihren alten starken For- 
men schwache gebrauchen, finden sich bei Heinrich schwach ge- 
braucht bare, brücke, erde, kemenateS) 

bare im dat. Sgl. üf der baren : clären 6553. acc baren : 
waren 4447. 

brücke im acc. zogebrücken : nüeken 6109. 

erde im dat. Sgl. erden 1707. 5317. 5755. 6821. Leg. 579. 

— acc. Sgl. erden 1191, doch üf die erde ipferde 4497. Dasselbe 
Verhalten bei Ulr. v. Eschenb. bei Toischer, Sprache s. 27. 

kemenäte. Dat. Sgl. kemenäten 677. Im Vers 5459. 6097. 
nach 5890; acc. kemenäten 5376. 5409. 

Die Feminina tre, crom (vgl. 2535. 6791. Ritt. 127), minne, 
nacht (s. ob.), quäle (vgl. 6325. 6427), schar, stimme (Leg. 755. 
Schret. 233), sträze (3671), stunde sind in allen vorkommenden 
Fällen im Reime nur stark zu finden. Von mäze ist nur die 
Formel ane mäzen 4783 zu belegen, schände steht im Reim nur 
im nom. 6257. rede und sele fehlen überhaupt im Reime; rede 
wird im Versinnern von Hs. fast durchgehends schwach ge- 
braucht, vgl. die Anmerk. zu v. 262. Ähnlich wird äventiare von 
schwach dekliniert, vielleicht auch mere z. B. 5125. 

adv. sit 9 8än, nie, nach. 

Das tempor. adv. stt, sider, sint. 2 ) Heinr. hat vorzugs- 
weise sider: ander 1879. 2511. 2639. 3605. 5367. 5569. 5961 :nider 
2227. 2323. : wider in der Leg. 149. 293. Schret. 159. 349. Ritt. 
285. — stt: stt 1287. — sint : kint 2649. Leg. 347. Schret. 351. 

— Als Konjunktion findet sich sint im Versinnern bei Heinrich 
so häufig (niemals stt), dafs diese Form seiner Mundart angehören 
wird, vgl. Trist. 40. 192. 420. 1460. 1499. 1504. 3290. 3489. 4074. 
4122. 4286. Schret. 148. 294. 

Über diese Partikel handeln C. Kraus, Veldeke 29 ; Singer, 
Schriftsprache 9, 18, 20; Zwierzina, Beobacht. 9 u. 42; Mhd. Stu- 
dien 45, 96. Zwischen stt und sider wechseln die meisten Dichter, 
so Wolfr., Wirnt, Gotfr. Nur sit hat Hartm., Fleck, Stricker; 
nur sider Mor. v. Craon. sint findet sich fast bei allen österr. 
Dichtern, aber immer nur vereinzelt. Es gehört der Heldensage 



*) Auch veste stf. zeigt schwachen Gebrauch v. 729, 8. Beckstein zur 
SteUe, der es dem Md. zuweist. 

*) Über sit, sint vgl. Frank, Zfda. 46, 168 ff., der sint als Kürzung des 
sint in unbetonter Stellung erklärt. 

h* 



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116 

an und ist nach Singer eine md. Partikel, darum bei Herbort, 
Otte, Elis. Dals Heinr. sint im Reime kennt und im Versinnern 
ausschlief slich gebraucht, weist auf seine Mundart. Bei Ulrich 
v. Esch. Alex. z. B. 2818. 

Über sän, sä vgl. Zwierzina, Beobacht. 1 ff., Studien 44, 8 
Anm. Wolfr. gebraucht sän, Hartm. sä. Wolfr. mied es in seinen 
späteren Werken aus literar.-stilist. Rücksichten ; nach Zwierzina 
unterliegt der Gebrauch der literar. Tradition. 

sän eignet der Sprache Heinr. v. Freiberg, der es fast aus- 
schließlich verwendet: Tristan 493. 969. 2781. 3157. 4941. 6073. 
6509 : Gawän 2465. 2487 : hän 1353. 4091 : getan 1823. 2139. 
4159. 5625 : gän 4747. 5371 : stän 4935 : man 1273. 5465. : hindan 
1291. 5383 : tan 1673 : an 5157. 5189. 5883. 6521. 6561 (28 Fälle); 
dazu Leg. : gän 307 : träm 713 : dun 357 : mom 719 : an 759. 

sä : da 1631. 3169. 3531. 4383. 4657. 6137. iesä : da 3285 : zä 
4565 (8 Fälle). Dazu Leg.: da 239. 295. 593. 661. — sän, sä 
ist auch im Versinnern häufig, auch Schret. 347. Besonders be- 
liebt ist das phraseologische sän zahant, sä zustunt im Reime, vgl. 
s. 68 f. 

Da Schret. und Ritterf., die wir als die letzten Werke an- 
sehen, weder sän noch sä im Reime aufweisen, könnte man ein 
literarisches Prinzip annehmen. Vielleicht aber bedurfte die vor- 
geschrittene Reimtechnik des Dichters nicht mehr dieses Flick- 
wortes. 

Zum Wechsel zwischen mere, mör, m$ vgl. C. Kraus, 
II. Büchlein 20. Hartm. hat nie und mere, Gotfr. hat mer nur 
2 mal, Wolfr. aber häufig, niemals me. Heinr. zeigt nur mS, das 
sich leicht reimen liefs : e 441. 647 : schre 1813 : we 2221. nim- 
merme : we 4967. 5513 : verste 3371 : cle 3525 : Arundele 3957 
: se 4055; ebenso Leg. me : Noe 425 : Josue 515. Schret nimmer- 
me : we 343. Eine Ausnahme macht auch hier wieder die Leg., 
die aufserdem ere : nimmermere zu reimen weifs 877, eine Form, 
die übrigens auch Heinrichs Sprache kaum fremd sein wird. Im 
Versinnern steht fast ausschließlich nw nach FO 906. 1289. 3589. 
3713. 4185. 5242 und 1759, wo O nie liest. O me, F mer steht 
958. 5614. 6078. mer F (O kein) 6169. In Zusammensetzung 
nimmerme FO 361. 3507. 5078. 6141 (O) und 5232, wo achter nie 
bietet. Der Gebrauch entspricht also im allgemeinen dem des 
Reimes. In der Hs. der Leg. steht, allerdings ohne Bedeutung, 
mer 100. 256. 



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117 

Heinrich reimt nur nach, nicht nä und nähen, nach 
: scliäch 1561 : gäch 5639. 5669. dar nach : räch 6433. In den 
ersten 3 Fällen als loc. praepos. adv. beim Verbum. 1 ) Als adv. 
in der Bedeutung „in der Nähe, beinahe" steht nur die Form 
nähen, aufser Reim 693. 747. 1062. 2440. 2491. 3441. 3571. 4632. 
4734. 5529. 5582. Ritt. 167. Doch findet sich in der Verbindung 
mit vil nur vil nach (vil nach ein halbez jär 1133. 3471. vil nach 
erlöst 2262) ; nur 4632 scheint vil nahen nach F (0 bietet überall 
na) das Richtige zu sein. 2 ) 

Umlaut. 

Ich habe im Text mit Rücksicht auf die gewöhnliche 
Schreibung überall in eingesetzt, wenn auch anzunehmen ist, 
dafs Heinr., seinem md. Dialekte entsprechend, den Umlaut des 
ü nur in beschränktem Mafse gekannt habe. Entscheiden läfst 
sich die Sache nicht. Es ist interessant zu sehen, dafs Heinr. 
dieselbe Konzession wie wir an die mhd. Literatursprache ge- 
macht hat und es vermeidet, iu (mhd. Umlaut) und sicheres ü 
zu binden. Wir finden also gehiure : stiure 353 : viure 793. Leg. 
227 läventiure 1259. 2037. 2151. 2251. 2299. 5617 : Scheteliure 
4425. gehiuren : aventiuren (v.) 1451 : fossiuren 3321. ungehinre 
: viure 1057. Schret. 195 : creatiure Schret. 69. ungehiuren : ge- 
stiuren 2953. stiure : menschiure 857 : äventiure 1465. 4031. Schret. 
3. creatiure : viure 1793. Ritt. 197. Und doch entschlüpft dem 
Dichter eine Bindung, die auf die md. Lautung hindeuten kann. 
Es ist figüre : creatüre, allerdings in der roher gereimten Leg. 
v. 41, wozu etwa noch Blanscheflüren : äventüren 1457 gesetzt 
werden kann, und in nicht streng beweisenden Bindungen. Über 
Ulr. v. Eschenbachs Reime ungehür : tür : sür : ür vgl. Toischer, 
Ulrichs Sprache s. 14. — Man sieht auch hier wieder, um wie 
viel feiner Heinrichs Reimtechnik gegenüber Ulrich ist. 

Aufser vor r finden sich Reime in iu selten ; von den zahl- 
reich zu Gebote stehenden Wörtern bieten sich nur wenige Bei- 
spiele: getriuwe : niuwe 6609 (wo sich das ü zäh bewahrt s. Weinh. 
Gr. § 130). riuiven : ungetrkiwen 3159. hiusel : cliusel 4603. triutm 
: riuten 4975. driu : Petitcriu 4809. 



l ) In dieser Form auch bei Hartm. vgl. Kraus, II. Büchlein 53. 
*) Wolfr. und Gotfr. haben nach und nalien, letzteres = prope, vgl. 
Kraus, II. Büchlein 55, Anm. 



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118 

Für den Umlaut des kurzen u kommen in Betracht die 
Reime übel : hübet 3193. müln : vüln 2191. willekür : vür 335. 3115. 
4035. kür : mir 371. vür : tür 679. 3235. 5461. 5889. 5911. Leg. 253. 
Schrei 265. 283. brücken : nücken 6109. drücken : zücken 5887. ge- 
drücket : gesmücket 725. — Doch ist er käste : brüste (s.) 4577 zu 
lesen auch im Hinblick auf tjuste : brüste (s.) Ritt. 235. tjuste 
: rüste (v.) Ritt. 213 (vgl. löste : fnfete 2891. 6477 : röste 3451. 
Natürlich dructe : smucte 4575. stracte : sfocte 1189 vgl. 5987. 
bluoten : ruoten Leg. 629. tworte : rworte 2243. Zw^f : gehist 5573, 
Vgl. #os£ : erWstf 2261. erWstf : tröst Leg. 67.) 

Auch sonst sind die Bindungen des w-Umlautes so gewählt 
(der Ausdruck ist vielleicht in Hinsicht auf die sonstige Rück- 
sichtnahme der Dichter auf Tradition und Muster nicht unbe- 
rechtigt), dafs entscheidende Folgerungen nicht gezogen werden 
können. 1 ) Man vgl. betrüge : züge (v.) 6643. gehüge : tilge (v.) 27. 
folgende : tilgende (v.) 1653. lüge (s.) : trüge (s.) 3517. gehüttet : zu- 
rüttet Schret. 129. vürsten : dürsten 1309. bürden : würden 2849. 
Doch habe ich gelüste! : brüst el 713 mit Rücksicht auf v. 4577 
und Ritt. 235 und heutige Dialektformen geschrieben. 

V. 4017 ist aber vrunden : künden (inf.) als md. beweisender 
Reim aufzufassen, vriunt ist vornehmlich im Mitteldeutschen in 
der monophthongen Form frunt allenthalben zu belegen. Und 
für Böhmen im besonderen gilt es mindestens durch das ganze 
14. Jh. vriunden : künden in Ulr. v. Eschenbachs Alex. 15645. 
vriimde : vünde 3025. : ünde 4449. erkundet : gevrundet Ernst D 
3791. Haben wir so betrüge, züge, tilge als conj. praeter, mit dem 
Umlaut eingesetzt, so ist es bei solchen Konjunktiven mit Liquiden- 
verbindungen anders, entrunne : kunne lese ich 3207 ; das erhellt 
aus den Reimen kunne : wunne Leg. 263. 545. wunne : sunne 1367. 
4525. 4541. wunne : bunne (s. unt.) 5399. sunnen : wunnen 4441. 
4527. sunnen : sie brunnen 691. Ritt. 165. — Ebenso ohne Umlaut 
stelle ich auf er vunde : überwunde 3057 ; verturbe : würbe 4849. 
5837. Die praeter. Form von kan ist als künde durch den Reim 
gesichert 3015. 5991. Bemerkenswert ist, dafs Heinr. vermeidet, 
eine solche konj. Form {er vunde, überwunde u. a.) mit sicheren 
w-Formen (künde, munde, stunde, begunde usw.) zu binden, die 
sich so leicht einstellen. Dafs die Scheu vor solchen Bindungen 

») Über dieses für md. Dichter charakteristische Verhalten vgl. A. Juvet, 
Über den Reinigebrauch in Bruder Philipps Marienleben, Beiträge 29, 132. 



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119 

den Umlaut dieser Konjunktivformen beweisen, glaube ich nicht. 
Ulr. v. Eschenb. Alex, reimt richtig er winde : stunde 6728. 

Für uo sowie für dessen Umlaut üe wird Heinrich ü ge- 
sprochen haben; aber wiederum ist merkwürdig und mit allen 
Beobachtungen über Heinrichs Dichtersprache übereinstimmend, 
dafs er einen Zwiespalt zwischen seiner Mundart und der ihm 
vorschwebenden Mustersprache durch einen beweisenden Reim 
zu verraten meidet. Wir finden nur neutrale Reime: müeniglüen 
2769. blüende : müende 6513. Miene : yrmne 6035. wüeten : hüeten 
2907. snüeren : liieren 1533. geriieret : zuvmret 2111. — Der konj. 
impf, müete (: güete) 5273. 6367 ; bl'üete (: güete) 3263. trüege (: ge- 
vüege) 2979. 5053 ist wohl mit Umlaut anzusetzen, vgl. noch 
güete : gemüete 289. süeze : büeze 3503. süeze : müeze Leg. 75. 

Für den Umlaut von a findet sich der ins md. Sprachgebiet 
weisende Reim rente : brente Ritt. 199 s. oben s. 102.») Für die 
umgelauteten Formen von hant s. ob. s. 113. 

Bei o käme für den Umlaut in Betracht das praeter, mochte 
: tochte (indic.) 6319. (conj.) 3437. Leg. 589. fragl. 541. Über den 
Lautwert des Konjunktivs läfst sich keine beweisende Bindung 
vorbringen. Wir haben nur noch die indikative Form sockte : 
tochte 5027. 

Für den Umlaut des 6 lassen sich keine beweiskräftigen 
Reime finden. Man findet ncezel : klcezel 723. tceten : nceten (dat. 
plur.) 3311. getastet : genwtet 3541. hcenet : überschwnet 3919. sclwß- 
nete : gecrcenete 6793. schcene : trcene (s.) 3921. schcene (s.) : hrcene 
(v.) 4013. 

Das verbum sabstantivum. 

In der Flexion finden wir folgende Formen durch den Reim 
gesichert. Infin. sin regelmäßig und häufig ; daneben ausnahms- 
weise (vielleicht formelhaft?) sie welle mir genedic wesen : genesen 
6335. partic. gewesen : genesen 2133. 2259. 3495. 4653. 5545. 5555. 
5659. 6139. 6259. 6741: gelesen 3381. 1. pers. ich bin sehr häufig. 
du bist 3509. Leg. 2. 64. er ist häufig, wir sin 1. plur. indic. 3497. 
3516. 4020. 5802. wir sint 3494. ir stt 1839. 2182. 5243. sie sin 
4076. 5773. 6629. 6811. fragl. 3247. Leg. 209. 506. sie sint 2956. 
5436. — Konjunktiv wh si 1101. 4733. du sts 5124. er si 225. 



l ) In Ulr. v. Eschenbach Alex. 17667 verbrente : erwente, 8989 erkenten 
: nenten, darnach wäre 21 141 zu lesen rente : verbrente. Im Yersinnern brente 
z. B. Alex. 1093. 1724. 



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120 

2492 u. o. Schret. 97. 337. Ritt. 317. wir stn 2939. 6025. ir sit 
5984. Imper. 2. pl. sit 4330. — Dabei ist die konjunkt. Form 
sie sin für den Indic. sie sint, die wir bei Heinr. in 6 Fällen be- 
legen (neben 2 sie sint) md., sowie umgekehrt die Übertragung 
des sint in die 1. plur. wir sint (1 Fall gegen 4 wir sin) eben- 
falls als md. Erscheinung angesprochen wird. Weinh. Gr. § 364. 

Einzelne dial. Erscheinungen in den Reimen. 

Zwierzina, Studien 45, 19 ff. weist Mrre mit langem e nach 
bei Wolfr., Gotfr., M. v. Craon, Tristan als Mönch, G. Frau, 
M. Himmelf. — Wolfr. hat es ausnahmsweise im Parz. auch im Reime 
auf -erre. Heinr. kennt nur die Form mit langem e: lantMrren 
: den nierren 517. 5223. 6771, vgl. Zwiezina 45,24, der die Bei- 
spiele anführt. Mrre tritt bei Heinr. sonst nicht im Reim auf; 
der Dichter konnte nur seine formelhafte Wendung mit dem ver- 
altenden compar. merre anbringen. Zwierzina nimmt herre als 
Merkmal fränkischer Sprachfärbung in Anspruch. Sonach ist 
für Heinr. nicht literarische Übertragung, sondern sprachliche 
Eigenheit anzunehmen. 1 ) 

Der Reim sivär : gar 2435 weist uns nach Mitteldeutschland 
vgl. Weinh. Gr. § 94. Daneben steht aber stvere (adj.) : were 5995 
und swere (s.) : were 5269. 6663. 

Als md. Sondererscheinung ist das Brechungs-e im ind. Sgl. 
praes. bei Heinr. zu finden im Reime ich spreche : ein gebreche 
239. (Im Versinnern s. ob. s. II.) 2 ) Dazu stelle ich das charakte- 
ristische brenge (imp.) : lenge 4611, vgl. Weinh. Gr. § 46. Der In- 
finitiv ist allerdings in der Form bringen : dingen belegt 4737 
und Leg. 121. Bei Heinrichs Nachbar Ulr. v. Eschenbach brengen 
: mengen Alex. 26879. : lengen 15599. Daneben öfter bringen. 
Ebenso beweist der Reim fundamint: kint 2097 die md. Elemente in 
Heinr. Sprache. Auch diese Bindung findet sich bei Ulrichs Alex. 
20921 ; doch daneben firmament : stent 8389. firmamint : kint kennt 
auch Wolfr. Parz. 740, 5. — Ob wir in dem eigentümlichen Reim 
mursel : triel 5279 auf eine Monophthongisierung schliefsen dürfen, 
ist zweifelhaft, vgl. unsere Betrachtung s. 97. Da das flektierte 
beren im Schretel im Versinnern durchaus in der unsynkopierten 



*) Über Ulr. v. Eschenbachs Gebrauch sagt Toischer, Sprache s. 13 : „Die 
Reime anf -erre und -ere lassen auf ein herre schliefsen, auf das freilich kein 
Reim wort ganz pafste." 

2 ) Bei Ulr. v. Eschenb. ich spreche Alex. 19872. ich jehe Alex. 18351. 



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121 

Form in Verwendung steht, s. s. 85, könnte man den Reim v. 33 
auch berin : er in lesen und würde damit eine neue kenn- 
zeichnende Bindung gewinnen. 

V. 5399 schreiben die Hss. ich rase nindert ein hvnne : wumie 
F — jch rasen nit ein Mnne in der Bedeutung: ich rase durch- 
aus nicht. Bechstein bespricht die Stelle in der Anmerk., doch 
ohne Resultat. Auch die Erklärung Hildebrands im D. Wörterb. 
5, 2665 „Art, Spezies, nindert ein kunne = gar nicht" kann 
nicht befriedigen. Über den Sinn der Stelle ist man einig. Ich 
begründe nun eine Erklärung, die uns auf einen eminent dialek- 
tischen Reim führt 

Mir ist bunn oder bunne (bunn Nordwestböhmen, bimne 
Nordböhmen) als einzige Bezeichnung für Bohne für das ganze 
Egergebiet und für Nordböhmen im Mittelgebirge an der Elbe 
sowie bis ans Lausitzer Gebirge allenthalben bekannt, und zwar 
steht neben dem sing, die bunn ein plural. die bunng, (bannen) 
und neben dem sing, die bunne ein plur. die bunn. So im Eger- 
land, im Kaaden-Komotau-Saazer, sowie im Teplitzer Gebiet, 
im Elbetal und bis Hainspach noch Osten. Die Form gilt auch 
jenseits des Erzgebirges in dem sächsischen Dialektgebiete, mir 
selbst aus dem Grenzgebiete von Platten und Weipert bekannt, 
und das als einzige herrschende Form der Mundart. Daneben 
tritt in einzelnen Strichen in Nordböhmen, sowie in dem Reichen- 
berg-Gablonzer Gebiet und nach der schlesischen Seite ein sing. 
bouna und büne auf mit einem plur. die bunn, so dafs auch hier 
die Tiefstufe erhalten ist. Was mir über literarische Belege der 
Form bekannt wurde, führe ich kurz an. 

Gradl, Der ostfr. Dial. in Böhmen (Zft f. vergl. Sprach- 
forschung, 19, 321—52) führt s. 336 unter mundartlich ü für 
mhd. 6 das Beispiel bunna-Bohne an und zwar für die Ort- 
schaften Haid, Weseritz, Gossengrün (Obereger-Gebiet). Dasselbe 
in Bayerns Ma. I. 439 btmna = Bohne, jetzt auch aus Tepl in 
Böhmen. Ebenso im erweiterten Sonderabdr. (s. Bayerns Ma. 
II. 376) „Die Mundart Westböhmens" München 1895, s. 70. — 
J. Neubauer, Altd. Idiotismen der Egerländer Ma. I. 20, b%na 
= Bohne und „Die im Egerlande benannten Pflanzen" (Bayerns 
Ma. IL 132) phaseolus vulgaris : bohna, auch bunna. 

Dazu stelle ich, was mir der treffliche Kenner deutscher 
Mundarten Prof J. Peters freundlichst zur Verfügung stellte. 
In dem mittellat. liochd. böhm. Wörterb., welches L. Diefen- 



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122 

bach nach einer Hs. v. 1470 herausgab (Frankfurt 1846), findet 
sich sp. 117 „faba ein bün u , das bedeutet also bün oder bunn. 
Da Prof. Peters die Entstehung des Vokabularius auf deutsch- 
böhmischem Boden wahrscheinlich machte (Frommanns D. Mund- 
arten VI. 175 ff.), so wird der Beleg vielleicht nicht ohne Wert 
sein. — Auch in dem Gloss. Lat. Germ. med. et inf. aetatis, von 
Diefenbach 1857 herausgegeben, wird aus einem „vocab. incip. 
teuton. ante lat. Argentine 1515" s. 75 angeführt „faba-pun u . 
Allerdings mit weniger Beweiskraft für unsere Lautung. — Dafs 
heute dieses bunne, bunn auch in den Nachbargebieten Böhmens 
lebt, zeigen Saalborn und Schmidt „Sprachproben in der alt- 
bäuerischen IIa. aus dem Kreise Sorau in der Lausitz" (Sorau 
1881. Sonderabdr. aus dem „Neuen Laus. Magaz. LVII. 24), wo 
in No. 169 „bunn 9 = Bohne" zu finden ist. — Ebenso bringt 
H. Bauch „Humor. Erzählungen in schlesischer Ma." (Breslau) 
an verschiedenen Stellen plur. bunn z. B. in „Huch de Schläsing" 
s. 14 de Schnietbunn plur. oder „Tälsches Vulk" s. 97 di bunn 
plur. Die Ausnutzung der deutschböhmischen Urbarien würde viel- 
leicht Belege für die ältere Zeit bringen. Soweit ich erreich- 
bares Material durchsah, fand sich nichts, da man wohl Getreide, 
Erbsen und Wicken, aber keine Bohnen anbaute. Doch zweifle 
ich nicht, dafs in ungedruckten oder mir nicht zur Hand ge- 
kommenen Urbarien sich auch die bunne finden wird. 

Wir haben es hier mit einer Dialektentwickelung zu tun, 
die auf den Ablaut au : u zurückgeht und auf Betonungsverhält- 
nissen beruht. Dafs diese Form schon in mhd. Zeit in dem 
Heimatsgebiete Heinrichs von Freiberg, das wir in dem md. 
Teile Böhmens sehen, zu Recht bestanden hat, ist in Rücksicht 
auf seine heutige Verbreitung wahrscheinlich, bunne kann ganz 
gut die einzige Form Heinrichs für böne gewesen sein und da 
der Reim mit böne in den literar. Mustern 1 ) und in der mhd. 
Literatur überhaupt, wie begreiflich, sehr selten begegnet, konnte 

>) Zingerle, Über die bildl. Verstärkung der Negat, Wiener SB. 39, 417 f. 
führt nur Gotfr. 15995 niht eine halbe böne : schöne (im Versinnern 16880 
niht eine böne); Walth. 26,26 kleiner danne ein böneilöne; JTit. 5081,2; 
Altd. Bl. I. 234; Ga. III. 372 und mehrere Reimbelege aus Langensteins Mar- 
tina an. Auf Walthers frö Böne : nöne 17, 25 macht mich Lambel aufmerksam. 
Wolfram und die sonst als Heinrichs Vorbilder in Betracht kommenden 
Dichter belegen es, soweit ich sehe, im Reime nicht. Für Heinrich fallen 
also nur vereinzelte Belege Gotfrieds und Walthers in die Wagschale. 



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123 

die auch von Heinrich allenthalben beobachtete Eücksicht auf 
literarische Tradition nicht zum Ausdrucke kommen. Auch Ulr. 
v. Eschenb. reimt Alex. 22930 geloffen : offen. Der Vers ich rase 
nicht ein bunne : wurme kann also Heinrich mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit zuerkannt werden. Der bekannte bildliche Aus- 
druck einer starken Verneinung war dem Dichter nicht unbekannt 
(wicht 2792. 6217. Kitt. 316. wint 2215. körn 3148. här 2090. 
1384.) und entspricht vollkommen dem noch heute in Nordböhmen 
allenthalben lebenden „netti ptinn", schriftsprachlich „nicht die 
Bohne". 1 ) 

Dals der Ausdruck „nicht ein bunne" nicht doch in mhd. 
Zeit zu belegen wäre, wäre verwunderlich, wenn man auch 
einen Reimbeleg wie bei Heinrich schwerlich erwarten wird. 
Ich glaube wenigstens die Möglichkeit eines zweiten Beleges in 
Prosa gefunden zu haben in Pfeiffers Deutsch. Mystikern I. 255. 
In Hermanns von Fritslar „Sankte Katherinen Tac" steht 255,8: 
Do stürben si in dem füre und niekein här wart an in vorsenget 
noch niekein kunne an iren kleidern. Pfeiffer bezieht kunne auf 
das vorhergehende här = niekeiner kunne häres. Und Hildebrand 
im DWb. V. 2665, der kunne als „Art, Spezies" erklärt, über- 
setzt niekein kunne mit „gar nichts." Es ist vielleicht derselbe 
Fall. Das Nebeneinanderstehen von nikein hch- noch nikein bunne 
ist bezeichnend. Man vgl. Suchenwirt X. 38 der schänden miet 
sam um ein pon emphieng er nie sam um ein här. Hier kunne 
als „Faden" oder etwas Ähnliches aufzufassen, wie Prot Lambel 
mir einwendet, liegt ja nahe, ist aber kaum zu belegen, während 
das bildliche nicht ein här noch ein böne an den kleidern bei der 
verblafsten Bedeutung des Begriffes und der vielseitigen Ver- 
wendung als blofser Negation sowie bei dem Mangel sonstiger 
sprachlicher Erklärung sich nicht ganz von der Hand weisen lassen 
wird. Allerdings gibt Pfeiffer keine andere Lesart zur Stelle 
an, sodals sowie in der Stelle bei Heinrich auch in den beiden 
Pfälzer Hss. kunne überliefert sein dürfte, bei dem sich der 
Schreiber vielleicht mehr denken konnte als bei dem spezifisch 
ostmd. bunne. 

l ) Vgl. Philo vom Walde „Leutenot" 1901, 50 „man hört seit lange 
nicht die Bohne : Sohne", auf schlesischem Gebiet. Über die Verbreitung des 
Ausdrucks im späteren Mittelalter und in neuerer Zeit vgl. Zingerle 
WSb. 39, 418. 



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r 



124 

Zum Reim vorkArt : art 298 vgl. Weinh. Gr. § 101. und 
Heinrichs Landsmann Ulr. v. Eschenbach reimt ohne Bedenken 
karte : garte Alex. 6465. Mrte : lärte 18371. 24483. angekart : wart 
5604. Die a-Formen sind in leren, keren md. geläufig. Danach 
ist für Heinrichs Sprache auf den Lautwert von lerte : verkerte 
5165 zu schlief sen, wenn man auch die Überlieferung nicht 
ändern wird. Es ist einer der beliebten neutralen Reime. 

Der Reim unvernunst : kunst 2541 ist ohne Entscheidung, 
da dieser Wechsel zu st md. und obd. bekannt ist; s. Lexers Be- 
lege und Weinh. Gr. § 153. Dagegen steht brunft : hinkunft 2401. 
Auch Ulr. v. Eschenb. hat vernunst und Vernunft Alex. 14372. 
23389. — Der Reim gekaft : ritterschaft Ritt. 217 mufs bei Heinr. 
als Zeichen md. Aussprache angesehen werden, vgl. Weinh. Gr. 
§ 171 und 175. Darnach steht auch im Versinnern 1962 mit 
beiden Hss. gekaffet und v. 5158 kaften; sonach war Ritterf. 292 
gekaffet zu schreiben. 

Liquida erweicht die folgende Tenuis; also (ohne Scheidung 
der historischen Entwicklung) lande : er erkande 539. Tristande 
erkande 5261. 5807. 5933. einander : vander 383. 4145. melden 
seiden 3907. Natürlich begunde : stunde : er künde, wilde : schilde 
milde : bilde : gevilde. Darnach war die Überlieferung mute : schilte 
71 zu ändern. — Ebenso tvolde : solde : holde : golde : tolde : crisolde. 
Ebenso der werde : pferde : erde. Andere Bindungen sind ohne 
Entscheidung wie einvaltic : ungewaltic Schret. 87. Ebenso swarte 
: barte 6243. sivarten : zarten 6601. tiergarten : zarten Ritt. 63. 
181. er werte: dem swerte 5597. 6273. 

Der grammatische Wechsel unterblieb in sie lidemividen 
3095. J ) Ebenso im Versinnern nach beiden Hss. 3008 u. 3351. 
geniden 3038. Aufserdem im Reim sie luoden : bnoden 3405, vgl. 
Weinhold Gr. § 188. Der Wechsel liegt vor in der Form ge- 
vlogen : gezogen 5587. Schret. 119. Im Versinnern 6261. 

h schwindet häufig zwischen Vokalen, mit Kontrakt, ver- 
bunden ahe>ä, elw>c. So zär : clär 3519. vU : e 5944. ge- 
schuot : muot Ritt. 77, eine vorwiegend md. Erscheinung (Weinh. 
Gr. § 33. 244. 246.) Wir sehen, Heinrich hat nur vereinzelte 
und nicht gerade bezeichnende Beispiele, denn hsl. überliefertes 
übersen : gesclmi 877 u. ö. kommt, weil nicht entscheidend, nicht 
in Betracht. 



1 ) Bei Ulr. v. Esckeiibach Alex. 1071 erliden : befriden : smiden 9421. Im 
Versinneru z. B. 1122. 1124} doch erlüm : erbiten 4279 : geriten 9825. siten 23563. 



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125 

Schwinden des auslautenden h ist bezeugt in M\&6 2073. 
Aber daneben hoch : zöch 1643. 5207. Leg. 313. Schret. 223, vgl. 
vlöch : zoch 223. 321. 5159 : kroch Schret. 263. ho im Versinnern 2007. 

Reime von s:z, eine in Md. seltene Erscheinung (Weinh. 
Gr. § 205), treten ganz vereinzelt auf Ritt. 329 prisivliz-, hieher 
zu rechnen vielleicht auch ich gesagez : tages 2325, wie ich lieber 
als gesages lesen möchte. Auch bei Ulr. v. Eschenb. hüs : uz z. B. 
Alex. 2047. was : baz : saz vgl. Toischer, Über die Sprache s. 15. 

Reime von m:n y er natn : man Leg. 711. aniheilksam 819. 
trämisän 713. Diese übrigens auch md. häufige Bindung (Weinh. 
Gr. § 218) findet sich, wie man sieht, nur in der technisch un- 
vollkommenen Legende. Für Ulr. v. Eschenbach vgl. Toischer, 
Sprache, s. 16. 

Von pflegen sind ebenso wie bei Ulr. v. Eschenb. (Toischer, 
s. 18) beide starke partic. Formen im Gebrauch gepflegen : degen 
2290. 5059 : gelegen 3810. 4960. gepflogen im Reim 113. 1459. 
3973. 5483. 5761. Leg. 607. Im Versinnern Ritt. 18. Letztere 
Form ist namentlich md. Weinh. Gr. § 348. 

Aus der ganzen Sprachbetrachtung können wir 
folgende Ergebnisse verzeichnen: Der Charakter von Hein- 
richs Mundart hat sich in allen Teilen als vorwiegend mittel- 
deutsch erwiesen. Ich verweise hier nur auf das Verhalten 
in Apokope und Synkope, auf die Reimbindungen der e- Laute 
und auf die grofse Reihe einzelner als md. anzusprechender Er- 
scheinungen. 1 ) Die allenthalben durchgeführte Vergleichung mit 
seinem Nachbar Ulr. v. Eschenbach ergab im allgemeinen Überein- 
stimmung des mundartlichen Verhaltens, wenn auch letzterer 
gröberen Reimbindungen nicht aus dem Wege geht und nicht 
immer konsequent ist; man vgl. z.B. seine zahlreichen Formen 
(7) des praeterit. von hüben. 



*) Als md. Elemente seien hier noch aus dem Wortschatz angemerkt 
erkrigen 2055. 3902. preüen als intrans. verb. 2075. widerwenden intrans. vgl. 
Lexer in. 870 oder zogebrucke 6109. hülfe 3209. Oder praeter. Formen, aller- 
dings nur im Versinnern, vgl. oben: brente : rente Ritt. 199, erkente 4696. 
wertet 289. behefte 6251. sperte 4604. schrencte 711. mercte 4587. Oder die 
Konstrukt. bi beim accus, bi die maget 742. bi die linde 4704. bi einen stoc 
5676. bi daz viure Schret. 181. Oder das md. alle vgl. zur Textgestaltung 
v. 203 u. Bechstein, Einleitung XXV. Anm. Ich erwähne noch den Gebrauch 
der charakteristisch md. Form erdende, endende vgl. s. 10. Auch Überlieferung 
von Femin. du list 2569. 3208. 3608. 3641 (doch 3483!). die luft 1765, wohl 
auch die wange 5107. 6565. die lust 3411. 5573; ebenso die Form uober 5676. 



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126 

Durchgängig aber erwies sich Heinrichs Rücksichtnahme 
auf die Reimtraditionen der höfischen Zeit, also auf die Dichter- 
sprache, der er manche Konzessionen macht Bemerkenswerte 
Beispiele für diese Rücksichtnahme finden sich an allen Orten, 
man vgl. z. B. den Gebrauch von legan, begunde und das Praeterit. 
von luxben. x ) Eine Reihe Reimerscheinungen sind nur durch diese 
Beachtung der literarischen Tradition zu erklären, sei es, dafs 
er Formen der eigenen Mundart wenigstens im Reime nicht ver- 
wendet oder dafs er fremde, überlieferte Bindungen in gröfserem 
oder geringerem Mafse in seine Reime aufnimmt. Bemerkens- 
wert war bei unserer durchgängigen Betrachtung des Versinnern 
die Beobachtung, dafs der Gebrauch im Reime nicht immer mit 
dem im Versinnern übereinstimmt, was zu Schlüssen auf Hein- 
richs mundartliche Formen Veranlassung gab. 

Heinrichs Rücksichtnahme auf die Dichtersprache hat auch 
die Vermeidung von gröberen dialektischen Reimen zur Folge 
— von dem hervorragend dial. Reim bunneiwunne 5399 mufs 
man absehen, da bei dem seltenen Vorkommen dieses Wortes 
im Reime eine Rücksichtnahme auf Muster nicht eintrat. Die 
Behandlung der e- Laute z. B. stellt Heinr. unter die sprachlich 
genau reimenden Dichter. 

Heinrichs Werke zeigen in allen behandelten sprachlichen 
Fragen Übereinstimmung. In einzelnen Erscheinungen liefs 
sich eine Abnahme oder Zunahme eines sprachlichen Reim- 
gebrauches feststellen. 



*) Aufserdem vielleicht den erweiterten Gebrauch der Apokope und 
Synkope im Keim, Kontraktionsformen wie geseit, die Verwendung von sider, 
tint, die Deklination starker Feminina oder Heinrichs Reserve in den Reim- 
bindungen mit Umlaut 



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IV. 

Metrik. 



Als Beitrag zur Frage, inwieweit kürze Stämme allein 
oder mit folgender Kürze verbunden den Hebungston 
tragen, soll im folgenden aus den kleineren Gedichten das ganze 
Material nach Stämmen geordnet gegeben werden. Für den Trist, 
bringe ich nur die Endresultate nach genauer Zusammenstellung. 
Natürlich würde bei diesen verschiedener Auffassung unterliegenden 
Dingen eine erneute Zählung manche meiner Angaben ändern, 
doch würde das Gesamtergebnis wohl nur unwesentlich beeinflufst. 
Den sogenannten verschleiften Hebungen (Typus leben ge-) sind 
jene Fälle entgegengestellt, in denen ein kurzer Stamm allein 
Tonträger ist und mit folgender Kürze den Versfufs bildet (Typus 
leben). Abgesehen wird in der Zusammenstellung natürlich von 
Zusammensetzungen wie überal, von Fällen wie lesende in, jene 
Isöt, hmiges ge-, auch von den Formen stillen und sulen. Das 
Resultat wird beeinflufst durch die Möglichkeit anderer Be- 
tonung und die fragliche Synkope mancher Stämme. 

Stämme in &. Typ. leben sin: Leg. v. 21. 178. 719. 56. 633. 
822. Schret. 3. 27. 227. 120. 322. Ritt. 72. — Typ. leben: Leg. 
150. 300. 305. 477. 255. 538. 109. 457. 403. 724. 99. 859. 
76. 641. 649. 804. Schret. 148. 218. 19. 84. Ritt. 287. 283. 253, 
also L. 6 : 16 Fällen, S. 5 : 4, R. 1 : 3, Trist. 49 : 91 Fällen. 

Stämme in v. Typ. höve guot : Schret. 45. 287. 288. — Typ. 
haue: Schret 52. 89. 53. 117. 247. 291. 264. 280. 285. 266. 284. 
Ritt. 180. 216, also S. 3 : 11, Ritt. : 2, Trist. 9 : 31 Fällen. 

Stämme in w. Ritt, lewe 147. 

Stämme in g. Typ. niaget von: Leg. 756. 852. 369. 495. 
699. 707. Schret. 83. Ritt. 0. — Typ. mdget: Leg. 29. 183. 206. 
338. 426. 672. 700. 867. 739. 786. 211. 234. 238. 395. 623. Schret. 



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128 

36. 40. Ritt. 60. 225. 315. 136. 199. 287. 267. 260. 142. 18, also 
L. 6 : 15, S. 1 : 2, R : 10, Trist. 99 : 153 Fällen. 

Stämme in h. Typ. brehender: Leg. 269. Schret. 0. Ritt. 197. 
— Typ. sehen: Leg. 295. 531. 657. Schret. 0. Ritt. 124, also L. 
1 : 3, S. 0, R. 1 : 1, Trist. 16 : 12 Fällen. 

Stämme in d. Typ. ivider zu: Leg. 44. 396. 827. Schret. 9. 
11. 29. Ritt. 71. 205. — Typ. tvider: Leg. 298. 308. 585. 720. 
763. 834. 478. 483. Schret. 296. 346. 30. 180. 203. Ritt 74. Also 
L. 3 : 8, S. 3 : 5, R. 2 : 1, Trist. 71 : 112 Fällen. 

Stämme in *. Typ. vdterbe-: Leg. 377. 396. 629. Schret. 0. 
Ritt. — Typ. vdter: Leg. 140. 156. 186. 199. 221. 223. 230. 
241. 292. 343. 365. 384. 400. 417. 874. 103. 105. 128. 337. 348. 
421. 431. 655. 683. 717. 727. 743. 362. 483. 731. 488. Schret. 163. 
166. 186. 195. 214. 230. 252. 271. 338. 347. 308. Ritt. 95. 119. 
Also L. 3:31, S. 0:11, R. 0:2, Trist. 8:63 Fällen. 

Stämme in s. Typ. gewesen din: Leg. 33. 34. Schret. 279. 
Ritt. 0. — Typ. gewesen: Leg. 83. Schret. 129. Ritt. 191. Also 
L. 2 : 1, S. 1 : 1, R. : 1, Trist 7 : 99 Fällen (85 Fälle kommen auf 
das Wort dise). 

Stämme in m. Typ. himel und: Leg. 19. 788. Schret. 340. 
345. Ritt. 0. — Typ. himel: Leg. 91. 154. 275. 505. 769. 57.314. 
181. 365. 413. 515. 627. 669. 678. 877. Scliret. 15. 75. 163. Ritt. 
154. 304. Also L. 2 : 15, S. 2 : 3, R. : 2, Trist. 13 : 57 Fällen. 

Stämme in n. Typ. Tcünige: Leg. 2. 3. 587. 676. 714. 716. 
730. 813. Schret. 29. Ritt. 15. 71. 205. 294. 305. — Typ. künic: 
Leg. 388. 451. 534. 598. 604. Schret. 76. Ritt. 31. 62. 183. 207. 
Also L. 8 : 5, S, 1 : 1, R. 5 : 4, Trist. 75 : 111 Fällen. 

Stämme in *•'). Typ. leren der: Leg. 0. Schret. 61.? 145. 
217. Ritt. 0. — Typ. leren: Leg. 144. 146. 299. 310. 436. 590. 823. 
Schret 19. 32. 33. 51. 159. 175. 198. 208. 211. 227. 239. 263. 
269. 271. 286. 96. Ritt. 167. Also L. 0:7, S. 3: 16, R. 0:1, 
Trist. 2 : 47 Fällen. 

Stämme in l. Typ. spilenden: Leg. 0, Schret. 0, Ritt. 0. — 
Typ. spilen: Leg. 110. 192. 248. 406. 673. Schret 0, Ritt. 0. 
Also L. : 5, Trist. 10 : 8 Fällen. 

Wir finden darnach für das Versinnere das Gesamtverhältnis 
der sogenannten verschleiften Hebung zu dem Gebrauche, dafs 
die kurzstämmige Silbe als Tonträger genügt, in der Legende 



>) Hier sowie bei l Bind einige Fälle fraglich. 



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129 

31 : 106, Schretel 19 : 54, Ritterf. 9 : 28, Trist. 359 : 784, also ein . 
für alle Gedichte mit Berücksichtigung der Umstände ziemlich 
übereinstimmendes Ergebnis. Für Heinrich überhaupt stellt sich 
dieses Verhältnis der älteren und jüngeren Behandlung der 
kurzen Silben als Tonträger wie 418 : 972, also etwa wie 7 : 16, 
das heilst mit bedeutsamer Schwenkung nach dem neuhoch- 
deutschen Sprachgebrauche. Mögen auch Zufälligkeiten in der 
Verwendung einzelner Vokabeln mitspielen, so lälst sich doch 
diese in allen Stämmen auftretende Erscheinung vielleicht schon 
sprachlich auf die beginnende Längung der Stammsilben zurück- 
führen. Allerdings stehen die genaueren Untersuchungen darüber 
für andere gleichzeitige Dichter aus und so ist mein Versuch 
dieser Nach Weisung auf sich selbst gestellt. 1 ) 

Nehmen wir diesen Prozefs als bemerkbar an, so gehen 
sichtlich gewisse Stämme in der Entwicklung voraus, und zwar 
r (5 : 71). m (17 : 77), t (11 : 107), s (10 : 102), v (12 : 44 Fällen). 
In zweiter Reihe marschieren die Media b (61 : 114), g (106 : 180), 
d (79 : 126 Fälle). In der alten Wertung scheinen sich zu er- 
halten h (18 : 16), n (89 : 121) und l (10 : 13 Fälle). Bei h scheint 
mir das auffällige Resultat deshalb gegeben, weil durch den 
unserem Dichter wohl geläufigen Ausfall des h zwischen Vokalen 
ohnehin eine zweite Silbe zum Versfufs benötigt wurde, was in 
dem Verhältnis 18 : 16 seinen Ausdruck findet. Bei den Stämmen 
auf n fallen die meisten Belege auf künige usw., weshalb hier 
die Möglichkeit spirantischer Aussprache des g mit Synkope in 
Betracht kommt, ebenso wie die Synkope auch das Ergebnis für 
l beeinflufst haben wird. 



*) Wilmanns hat in seinen Untersuchungen zur mhd. Metrik, Bonn 1888 
die Verwendung zweisilbiger Wörter mit kurzer Stammsilbe als einsilbig bei 
den Minnesängern behandelt und die Stämme auf r, m, g y ä, b dabei häufiger 
gefunden als solche auf t, s, l, d, n. Vergleichen wir Wilmanns Reihe mit 
der yon mir aufgestellten r, m, t, s, b, g, d, n, l, so sieht man eine be- 
merkenswerte Übereinstimmung am Anfang (r, m) sowie am Schlufs Qdn — 
dnl). Da ich meine Untersuchung ohne Kenntnis der Arbeit von Wilmanns — 
er*t Prof. C. v. Kraus hat mich darauf hingewiesen — angestellt habe, ist 
diese Übereinstimmung sicher eine Folge objektiver sprachlich -metrischer Zu- 
stände. — E. Schröder kommt Afda 25, 367 für K. v. Würzburg Alexius zum 
Schlüsse, dafs die verschleifte Hebung auf ganz wenige Fälle zu beschränken 
oder ganz auszuschalten sei. Eine ähnliche Beobachtung macht Jantzen 
Zfdph. 36, 49 für die Kreuzfahrt Ludwigs in Hinsicht auf Reime wie vater:hat 
er 2538, wenn mir auch in diesem Falle Kürzung des hat nicht ausgeschlossen 
erscheint. 

Berat, Heinrich tod Freiberg. | 



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130 

Kann man sich der Möglichkeit der beginnenden Längung 
kurzer Stammsilben für Heinrichs Metrik nicht verschliefeen, so 
mufs man mit dieser Erscheinung Verse von dem Typus sölde 
haben getan erklären; sie sind immerhin häufig: uz dem glase 
von in 219; mit minem vater ich han 390; sw hete maget gelän 
918; ähnl. 413. 456. 818. 3233. 3698. 3829. 4246. 4255. 5370. 
6031. 6388. 6683. 6883. von sznem vater er gienc Leg. 223, vgl. 
234. 439. 616. 684. in sine hosen geschuot Eitt. 77, vgl. 171. 

Da sich H. v. Freiberg nach jeder Seite seines dichterischen 
Könnens als getreuer Schüler und Nachahmer Gotfrieds erweist, 
so ist bei der Frage nach der metrischen Gestaltung des Verses 
an sich wahrscheinlich, dafs er in den Spuren dieses Meisters 
gehen und sein Streben nach rhythmischer Behandlung der Zeile 
fortsetzen werde in der Eichtung des regelmäfsigen Wechsels 
von Hebung und Senkung. Und so gibt sich Heinrichs Versbau 
in der Tat. Dieses oberste Ziel wird überall erwiesen. Dabei aber 
verzichtet er allerdings nicht auf die überlieferten Mittel der 
Verstechnik: Zulassung der beschwerten Hebung, also fehlende 
Senkung durch Betonung der Nebensilben mehrsilbiger Wörter und 
sonstige traditionelle Betonungsschemen, so besonders xx xx x x x- 
Hauptzeichen seiner Ehythmik bleibt die regelmäfsige Abfolge 
von Hebung und Senkung. Mit diesem Grundsatze geht die 
Verwendung der schwebenden, beziehungsweise versetzten Be- 
tonung Hand in Hand. Doch ist auch dieser Gebrauch durch 
die Gewandtheit des Dichters auf wenige und im ganzen leichte 
Fälle beschränkt 

Zahl der Hebungen. 

Dreihebig stumpfe Verse scheint Heinrich nicht zu kennen. 
Leg. 18; 381; 412; 820 sind durch kleine Änderungen zu be- 
seitigen. Schlechtgefüllt zeigen sich die Verse der künstlerisch 
tiefstehenden Legende auch sonst, man vgl. 760 ff., aber die An- 
nahme dreihebig stumpfer Verse ist zu wenig gestützt. Dafür 
finden sich unter den klingenden Versen manche, die nicht leicht 
anders als vierhebig gelesen werden können: und sine muoter bi 
einander : Isöte sine swester vander 383 ; aide züchteclich und jungen 
: gemeine zu dem tanze drungen 631. ähnl. 403. 519. 525. 677. 
1049. 2849. 3227. 3255. 3367. 3559. 3811. 4783. 5239. 5269. 6083. 
6171. 6427. 6431. 6497. 6593. 6889. Bei Verspaaren, von denen 
nur ein Vers die Vierhebigkeit nahelegt, wird man mit zwei- 



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131 

silbigem Auftakt auszukommen suchen, so 587. 600. 1087. 5213. 
5685. 6204. 6208. — Aus der Leg. führe ich an: uz dem schcenen 
paradise : Cherubin der engel tvise 251, ähnl. 97. 259. 271. 429. 
495. 643. 751. 877 ff. — Ritt. 113. Schrei 113. 145? 231. 325. — 

Dreihebig klingende Reimpaare 1 ) finden sich im Tristan 
unter je 500 Versen: 62, 63, 46, 48, 32, 45, 50, 46, 35, 69, 65, 
60, 62, 63; es schwankt also die Zahl zwischen 128 °/o (zwischen 
2000—2500) und 323 % am Schlüsse der Dichtung (6500—6890). 
Dazu treten die dreisilbigen Reime mit kurzer Stammsilbe: 
1619. 6037. 6541. 1653. 1685, vgl. W. Grimm, Zur Gesch. des 
Reims (Kl. Sehr. 4, 146 ff.). Aus der Leg. 69. 825. Ritt. 133. — 
Mit langer Wurzelsilbe, „gleitende Reime": 167. 315. 1491 (da- 
nach auch 3455. 5019). 6781. 6793. 513. 1627. 791. 1233. 2165. 
4797. 5865. 813; auch 3177. 6835. 4983. 3897. 2727. 3051. 6653. 
2903. Vgl. W. Grimm, Kl. Sehr. 4, 226 f. Im ganzen aus dem 
Trist. 28 Paare, also 0*8 %, so dafs die Gesamtzahl der klingenden 
Reimpaare 774 (1548 Verse), also durchschnittlich 22*5 °A> beträgt. 
In der Legende kommen auf 882 Verse 53 klingende Bindungen, 
also 12%; im Schret. finden sich 36 Paare, also 20*4 °/ ; in der 
Ritt. 44 Paare, 28°/o. 

Dafs für die Zahl der klingenden Reime der Gefühlsgehalt 
der Stelle und der dichterische Schwung des Dichters mitspielen, 
scheint ausgemacht. Darnach finden Stellen bewegter Handlung 
oder stärkerer Gefühle eine gröfsere Zahl klingender Reime. Die 
rein epische Erzählung im Trist. 4037 — 4280 hat kaum ein oder 
das andere klingende Reimpaar; ebenso hat die Ritterfahrt im 
Schluf steile 288—330 nicht einen einzigen Fall. Andererseits 
weist z. B. die Schilderung des Aufzugs und der Schönheit Isol- 
dens 4379 — 4551 ganze Reihen solcher Bindungen auf, ebenso 
das Minnespiel 4861 bis 4922 oder die Kampf Schilderung 6173—6246 
oder die lyrische Partie 4678—4694 und die Klage 6591—6679. 

Da Heinrichs Erstlingsleistung, die Legende, nur mit 12% 
an den klingenden Reimen beteiligt ist und im Trist, die letzten 
2500 Verse über 30% aufweisen, scheint auch die gröfsere Zahl 
solcher Bindungen auf höhere dichterische Vollendung schliefsen 
zu lassen. Das ergäbe für Heinrichs Gedichte die Reihenfolge 
Leg. 12°/o; Schret. 20*4 °/ ; Trist. 22 5%; Ritt. 28%. Schret. und 
Trist, stehen sonach auf ziemlich gleicher Stufe, im Trist sinken 



1 ) Ich rechne die wenigen yierhebig klingenden in diese Zahl ein. 

i* 



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132 

nur wenige Partien auf die Armut der Leg., die Ritterf. be- 
hauptet den höchsten Rang. Und diese Reihenfolge ergibt sich, 
wie gleich gesagt werden kann, für fast alle Kapitel der Vers- 
kunst. 

Versetzte Betonung. 

Dieser Widerstreit zwischen der durch den Rhythmus ge- 
forderten Betonung und dem Wortakzent tritt begreiflicherweise 
mehr im Versanfang und Versinneren als im Versschlufs ein. 

Nicht von Bedeutung sind die Fälle, 1 ) in denen Zusammen- 
setzungen mit un-, ur-, ant- in Betracht kommen. Auf der Stamm- 
silbe betont sind untriuwe 1384. 3146. 4820. unprts 1758. 1760. 
unkunt 1208. 1777. unsanfte 2916. unrnere 3492. untät Schret. 119. 
Ebenso urlaüb 1437. 3003. 3549. 4049. 4325. 5148. 5940. Urlaub 
jedoch 286. 1510. 4915. 5719. 5875. Ähnlich Urkunde Leg. 529. 
785. 807. mit Ursprünge Leg. 7. antworten 812. 1193. 3466. Leg. 
512, fragl. Leg. 240. dntwurte aber 345. 493. antlitze 5296. 

In zusammengesetzten Wörtern läfst sich in folgenden 
Fällen die Annahme versetzter Betonung nicht leicht umgehen: 
Im Auftakt: herberge 6034. juncMrren 1546. Machen 2803. wilt- 
brete 3354. ivissagende Leg. 455. lancsitk Schret. 331. margräve 
Ritt. 21. gelsiden Ritt. 135. — Im Versinnern: eintrechtic 4020. 
seltsene 2273. zunvalt 2759. herbergm 2486. estrkh 888. sperlachen 
882. zivelfboten2\§h. türstudel 5929 (fragl. 5912). iviltbrcte fragl. 5289. 
Leg. barmherzk 54. barmlierzikeit 110. 192. 248. 350. 406. herberge 
448. Schret.: einvaltkhL kampfmüede 278. husrät 127. trucnüsse 
139. Ritt.: Wilhelm 21. — Hier füge ich an, was sich sonst an 
versetzten Betonungen in deutschen Namen findet: Heinrich 82. 
Ritt. 312. — Friberc Leg. 92. Norwegen Schret. 77. Frankrich 
Ritt. 62. 211. Diese 4 Fälle kommen schon auf den Versschlufs. 
Dazu: sturmrüschende 791. einborn 6880. juncMrren 5223. junc- 
vrouwen 2553. 5225. lantherren 6771. wärzeklien 1405; vielleicht 
auch icinrebe 6840. ivissagende Leg. 825. einvaltk Schret. 87. — 
Auch Zusammensetzungen mit -heit sind in versetzter Betonung 



») iedöch liest man im Auftakt 2562. 2566. 2742. 3368. 3736. 522a 5520. 
5990. 6283. Leg. 24. 229. Ritt. 318. — iedoch 4989. 6292. 6492. Leg. 52. — 
nietndn 4754. 5438. 5525. nieman 5319. 5475. Im Versinnern: iemän 3563, 
doch ieman 4078. 5557. 6696. nieman 5138, ebenso im Versschlufs 3817 in 
Übereinstimmung mit der Beobachtung E. Schröders, Beiträge 29, 200, dafs 
nie man im Versinnern „niemals ein Mensch" bedeute zum Unterschiede von 
niemen „nemo." nieman z. B. Trist. 4377. 5472. 5537. 6024. 



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183 

nicht ausgeschlossen. Man lese 1784. 3726 (Auftakt); 2010 (Vers- 
inneres); 1889. 2869 (Versschlufs). 

Ohne Bedenken scheinen adj. auf -lieh in versetzter Be- 
tonung gebraucht. Schwebend ist die Betonung im Auftakt: 
1622. 1639. 1884. 2044. 2116. 2701. 2970. 2974. 3050. 3791. 
4450. 4751. 4797. 4976. 4977. 5129. 5160. 5546. 6158. 6688. 
6832. Leg. 40. Schrei 59. 208. Ritt. 249. 259. 289. Im Vers- 
innern: 743. 801. 1281. 1629. 1801. 1985. 2093. 2244.2807.2872. 
2922. 2991. 3189. 3643. 3790. 3855. 4252. 4418. 4574. 4773. 5116. 
5484. 6058. 6393. 6470. 6471. 6865, fragl. 301. 508. Leg. 77. 545. 
696. Schret. 153. 292. 318. Ritt. 41. 56. 126. 186. Im Versschlufs: 
748. 1976. 2843. 4929. 5662. 5955. Leg. 11. Ritt. 251. 

Von adj. auf -de können hierher gehören: künßic 931. 
listic 2875. tvüetic Leg. 493?; auf -isch: kindisch 5634. 

Wichtig für den Gebrauch des Dichters sind jene Fälle 
einer Zusammensetzung aus praepos. oder adv. + verb., in 
denen es der Rhythmus nahelegt, den Stamm zu betonen. Ich 
finde im Auftakt: üf strichen 622. üfhuop Leg. 821. hin rät 2476. 
3297. 4655. hin gienc Schret. 167. hin quämen Leg. 644. vür legen 
3017, fragl. hin schiet 4997. — Im Versinnern: üf tosen 3134. 
üf gienc 4345. üf sten 5460. üz ritet 5782. ab hiwen Leg. 694. 
Mit Nachstellung der praep. stuont üf 4972. 5466. — Im Vers- 
schlufs: üf gät 1366. 4534. 4643. üf gie 5938. üf gän 6044. üf 
sten 4935. 5445. üf stiez 3089. üf jagete 6038. an sehen 2567. 
5259. an binde 6345. an stät 1526. amb vienc 5412. her strichen 
6379. an sach 2598. 5173. Von fraglichen Betonungen führe ich 
an: an sehen 4773. an tragen 4209. Leg. 711. Bemerkens- 
wert ist, dafs von allen 36 in Betracht kommenden Fällen 
16 auf die Zusammensetzung mit üf kommen, 8 auf die mit an. 
Man könnte vermuten, dals . md. Formen mit uffe und ane in 
Rechnung kommen. 

Aufserordentliche Verschiebungen des Worttons haben wir 
nicht zu verzeichnen. Was im folgenden dafür in Betracht 
kommt, ist fraglich und verteilt sich fast durchaus auf den Vers- 
anfang, der zu allen Zeiten versetzte Betonungen leichter auf- 
nahm als das Versinnere. Man lese 1699 snelles gevertes schone 
pflac; 2407 mochten im nicht gehaben an\ touher und blinder äne 
zu Leg. 566; naJien benämen iren glast Ritt. 167 und vgl. 3760. 
4210. 506!:». 5312. 6798. Leg. 520. 709. 873. Mit derselben Mög- 
lichkeit einer Tonverschiebung im Versinnern: ir manlich muot 



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184 

wachsen began 1809; daz im daz heil müeste geschehen 2455; 
ähnl. 2077. 5766 ; dö sinen pfluoc rüsten began Schret. 302. Es 
sind nur Möglichkeiten, aber doch in Rücksicht auf Zeit und 
Verstechnik in Rechnung zu ziehen. Man vgl. als fraglich im 
Auftakt 2665. 2843. 2969. 3194. 3480. 4489. 4743. 5617. 5885. 
6690. 6825. 

Ich finde also an schwereren und leichten Fällen, die frag- 
lichen eingerechnet, im Auftakt 60, im Versinnern 104, im Vers- 
schlufs 56, im ganzen 220 Fälle versetzter Betonung, für die 
Zahl von 8444 behandelten Versen gewifs ein für die Technik 
der Zeit günstiges Resultat. Auf die einzelnen Gedichte verteilt 
sich die Erscheinung folgendermafsen : Trist. 161, Leg. 29, Schret. 
15, Ritt. 15 Fälle. Zur Frage vgl. jetzt C. Kraus, Metrische 
Untersuchungen über Reinbots Georg s. 98 und besonders 105 
und 159 und H. Paul im Grdr.* II. 2, 81. 

Hier eine zusammenfassende Bemerkung über die Betonung 
der Eigennamen. 1 ) Das Betonungsschema der aus den höfischen 
Quellen übernommenen Fremdnamen ist einfach. Zweisilbige 
sind für jede Betonung verwendbar, also Antret, Antra und An- 
tret; ebenso Artus, Dalkors, Gäivän, Gäles, Gilän, tsöt (doch nur 
wenige tsöt), Litan, Morgan, Tinas (Tinäsen), Tristan, Urgdn. 
Aber Irldnt, Irldnde, Morölt, Moroldm, ganz vereinzelt Irldnt; 
nur Meldt. Marke und Karke sowie Gamarke wie deutsche 
Wörter betont. — Dreisilbige Wörter bekommen den Ton auf 
der 1. und 3. Silbe, also Lövelin; ebenso Affricän, Käedin, Kari- 
dol, Kurnewal, Kurvmal, Lifrenis, Paranis, davon Parantsel, 
Pfelerin, Riwalin, Salatin, Weisefort, aus der Ritterf. Gamuret, 
Lanzilet, Parzival, Titurel, Wigalois. Neben dem regelmäfsigen 
Ttntajöl (davon Tintajöle) legt der Versanfang 2440 f. die Be- 
tonung Tintdgol nahe, ähnlich Gamdroch 5812 neben sonstigem 
Gdmaröch. Vielleicht auch Pfelerin 5594. 5603. Käedin 5915. 

*) Zur Frage nach der Verwendung im Reime sei noch bemerkt: 
Kurvenal, Kurnewal (zusammen 20 Reimpaare) mit Kürze, nur 1139: mal', 
ebenso Tintajol, Karidol (zusammen 23 Reimpaare), Parzival : schal Ritt. 177, 
ebenso Tinas (15 Fälle), Proßias Ritt. 25 ; doch in obliquen Casus Kurvenäles, 
Kurnewäle (7 Reimpaare), Salomöne Leg. 671. 729; im Versinnern Karidöle, 
Tinäsen usw. Im Reim nur Adam, Abraham, Arabiam, Kain, Cherubin kurz; 
ebenso Phetan Ritt. 97. Johan Ritt. 291. Die Namen auf -an (Tristan, Litan) 
reimen kurz und lang, vgl. Zwierzina Zfda 44, 10 f. Die auf -in und -is (doch 
Tigris Leg. 275) sind nur lang; ebenso Isöt, Artus, in der Leg. Judä, Maxiüa, 
SibiUä. 



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135 

Kurvmal 6352. Nur Britdnje, ebenso Tantrisel, darum wohl auch 
Tantrisel 2695; auch nur Kar sie, Kassie-, Kassie vielleicht nur 
6017. — - Auch viersilbige haben ihren festen Ton. Nur Elan- 
schemanis, Blanschemanisen, Nampotenis, Nampotenisen, doch 
Ndmpotenisinne 6090. Nur Peilnetosi, darum wohl 5327 Peilne- 
toÄ Natürlich Pdrmenie. Das Land Arundele nimmt eine 
Sonderstellung ein schon wegen der wechselnden Form. Man 
liest meist AründeU 86. 583. 3680. 3957 usw., daneben Arundele 
120. 806 und Arundel 1154. 1266. 6207. 

Die für die höfischen Fremdnamen beobachtete Regel läfst 
sich auch auf die biblischen Eigennamen der Legende an- 
wenden. Zweisilbige sind anceps, also Adam, Adames, Adam, 
Addm. Ebenso Abel, Calep, Cedrm, Cipres, Davit, Davides, Ebron, 
Eva, Jesus, Juda, Kdin, Noe, Pinus, Thabor. Moises ist fast 
ausnahmslos zweihebig betont, weshalb sich vermuten lälst, dafs 
der Dichter Moises dreisilbig las. — Dreisilbige Wörter zeigen 
die natürliche Betonung, also Abraham, Cherubin, Eufrates, Is- 
rael, Josua, Pharaon, Salomon, Sibilla, wohl auch Maria Trist. 
6804. Schwanken herrscht nur bei Libanö 689 neben Libdnus 
721 und Maxilid 747. — Von mehr als dreisilbigen Wörtern 
finden sich: Jerusalem, so durchaus; Israeliten, Ardbidm und 
Cdlvarie. 

Deklamationstoii. 

Aus der verhältnismäfsig geringen Bedeutung der ver- 
setzten Betonung für die Metrik Heinrichs ergibt sich auch, dafs 
in seiner Ehythmik das deklamatorische Moment nicht vernach- 
lässigt ist, dafs Satz- und Wortton mit dem Ziele der regel- 
mäßigen Abfolge von Hebung und Senkung in Einklang gebracht 
ist, und eben darin zeigt sich die metrische Kunst dieses Epigonen. 
Die Lektüre eines beliebigen Stückes des Tristan oder Schwankes 
oder der Ritterf. wirkt überzeugend. 

So kommt es, dafs deklamatorisch hervortretende Wörter 
meist auch den Versiktus tragen, so zur Hervorhebung des 
Gegensatzes: daz aber ich dise arbeit 53; er gap ir sin vingerlin 
und sie im daz ire wider 654; ivere der dinge ichtes icht 871; so 
bin ich din vriunt Tristan 1851; Brangäne, die muoste üz gern 
5423; duz git got den eitern din Leg. 351; eins siten man in der 
zxt pflac Leg. 731 ; wan daz ich dte vür tvär muoz jehen Schret. 
104; nu habe ouch ich die f reise sin Schret. 118. 



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136 

Wichtiges führt er mit dem entsprechenden Tongewicht, 
häufig durch beschwerte Hebung an: machten kürz iren rät 431; 
Jiete an in einen geivant 471; in vröuden ganzer acht tage 976; 
der wart erteilet die hurt 3144, ähnl. 3149; so sol der segel swdrz 
sin 6349. Vgl. Leg. 137. 205. 381. Schrei 275. 337. 341. Em- 
phatisch in trincvdzzen güldin 616. So gerne vor unde : stuont 
üf ünde slöz 681; und huop an unde sane 5354. Vgl. Leg. 194. 
250. 499. 502. 722. Schret. 110. 154. 254. 274. 313, sowie die 
zahlreichen Fälle unter dem Abschnitt „Beschwerte Hebung" s. 142. 
— Ebenso gerne in Satzpause; ebenda. 

Bei Einführung einer neuen Person findet sich die von 
C. Kraus, Metrische Beobachtungen über Reinbots Georg 1902, 
s. 211 ff. für Hartm., Gotfr., Wolfr. beobachtete Betonungsweise; 
so: Gdivän? sprach her Tristan 1848; analog 1853; und was 
Ddlkors genant 2030; vielleicht auch und der listige Äntret 4475; 
ähnl. 4627, vgl. ir beider sün Käedin 91. 

Das Enjambement, das Heinrich aufs reichlichste verwendet, 
hat deklamatorisch häufig die natürliche Folge, dafs der durch 
Enjambement verbundene Vers mit dem Hebungston beginnt: 
in mtnes sinnes gehüge : rede 27 ; sin ellenthaftez herze treit : mdn- 
heit 70; ichn mac dem tränke nicht sin art : dbe gereden 260; tcan 
mit der rede, die getan: ist 262; die cldren : vroüwen 675; manch- 
mal mit guter Wirkung, vgl. 769. 863. 974. 1028. 1181. 1522. 
1563. 1608. 1769. 1858. 1956. 2155. 2201. 2369. 2647 f. 2676. 
2985 f. 3198. 3410. 3606. 3616. 3781. 3851. 3869. 4607. 4873. 
4933. 5095. 5633. 5864. 5876. 5971. 6010. 6043. 6201. 6419. 6581. 
6769. 6777. 6817. Leg. 51. 127. 385. 453. 545. 609. 612. 702. 766. 
Schret. 31. 317. Ritt. 191. Es wird nicht auffallen, dafs dieser 
deklamatorische Anschlufs öfters fehlt, wo man ihn erwartete, 
so 3785. 4465. 4475. 4876. 6469. 

Hieher zu stellen ist auch die häufige Erscheinung, dafs 
das ein zweites Glied eines Satzes oder Satzteiles durch einen 
neuen Vers anschliefsende und den Hebungston erreicht: und 
vierte Tristan den neven sin: und mit im die künegin 3092. der 
herzöge und die herzogin : und sin swäger Käedin ; und die mz- 
geliande Isöt 3684. Vgl. 3097. 4051. 4108 f. 4257. 4356. 4866 f. 
5354. 5666. 5922 f. Leg. 50. 132. 158. 160. 189. Schret. 135. 
178. Weitere Beispiele unter dem Abschnitt „Auftakt". Eine 
andere Erklärung für Auftaktlosigkeit Behaghel Litbl. 1883, 158. 
vgl. Paul im Grundr.' 2 II.2,80. 



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137 



Fehlende Senkung. 

Einer statistischen Behandlung der Verstechnik steht immer 
die grofse Schwierigkeit im Wege, dafs die Betonung einzelner 
Verse nicht eindeutig ist; und da wir für Heinrich zweisilbige 
Senkung annehmen müssen und aufserdem für manche Fälle die 
Möglichkeit versetzter Betonung besteht, ist die Entscheidung 
für eine bestimmte Auffassung oft schwierig. Denn Verse wie 
4929: bi den hundert gar lieplich oder 4773: under ougen sie liep- 
lich an sach lassen sich auf drei verschiedene Arten lesen und 
jede Betonung dürfte ihre Verfechter finden. Wenn man nun 
auch in der guten Verstechnik Heinrichs Verse solcher Art 
recht selten findet, so mufs der Statistiker sich doch auch bei 
ihnen für eine Auffassung entscheiden und also in einer Rubrik 
auch, isoliert betrachtet, fragliche Fälle vereinigen. Wer aber 
aus der Kenntnis des ganzen Materials heraus entscheidet, wird 
aus Gründen einer bestimmten Betonung zuneigen, wenn er auch 
den Fall mit einem Fragezeichen versieht. Mit diesem Vorbe- 
halte gehe ich an die folgenden statistischen Zusammenstellungen 
und Folgerungen für die Frage der fehlenden Senkung, der zwei- 
silbigen Senkung, des Auftakts usw. und das ist auch mit ein 
Grund, das ganze Material vorzulegen. 

A. Fehlende Senkung (= beschwerte Hebung) durch 
Betonung einer nebentonigen Silbe in Zusammen- 
setzungen 1 ) 
I. Im Versinnern. a): 87. 154. 515. 533. 550. 582. 616. 
639. 880. 900. 935. 950. 983. 984. 1151. 1177. 1223. 1401. 1565. 
1673. 1690. 1805. 1920. 2159. 2187? 2199. 2421.2479.2522? 
2525. 2849. 2906. 2917. 3035. 3173. 3183. 3569. 3573. 4081. 4094. 
4147. 4202. 4293. 4386. 4454. 4458. 4491. 4503. 4644. 4765. 4849. 
5092. 5289? 5369. 5584. 5912? 5953. 6059. 6137. 6198. 6443. 6526. 
6560. 6727. (64 Fälle.) Leg. 59. 103. 151. 170. 193. 209. 328. 352. 
360. 361. 567. 603. 657. 670? 693. 756. 762. 852. 871. (19 Fälle). 
Schret. 12. 57. 264. 306. Ritt. 83. 230? 

b) adjektiva auf -lieh: 60. 290. 325. 340. 875. 1285. 1369. 
1465. 1856. 1861. 1878. 1918. 2020. 2083. 2090. 2280. 2624? 2648. 



J ) Im weitesten Sinne, so dafs ich auch capelle 3183 und buhtirt 935 
hier einreihe. Ich unterscheide Versinneres und Yersschlufs und verweise 
auf die unten folgende Besprechung. 



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138 

2880. 2978. 2986. 3040. 3232. 3263. 3626. 3645. 3853. 3856? 4177. 
4352. 4401. 4462. 5388. 5463? 5599. 5704. 5814. 6019. 6239. 6241. 
6313. 6322? 6367. 6439. 6780. (45 Fälle.) Leg. 6. 27. 62. 65. 97. 
213. 482. 741. (8.) Schret 58. 71. 189. 201. Kitt 203. 264. 

c) adj. auf -ic: 111. 1044. 1046. 2703? 2890. 3514. 5029. 
6212. (8.) Leg.') 36. 54. 66. 376. 493? 565. 574. 634. 640. 772. 
783. 810. (12.) 

d) adj. auf -isch: 5117. 5154. 5174. 5199. 5255. 5303. 5322. 
5323. 5331. 5356. 5465. 5491. (12.) 

e) adv. -|- verb.: 3131. 5604. 

f) Eigennamen: Tristan 472. 715. 1148. 1242. 1280. 1836. 
1853. 3176. 3748. 4115. 4421. 6288. Antret 4628. Dalkors 2030. 
Gäwän 1848. Leg. : Davit 530. 656. (Möises fasse ich dreisilbig, 
s. ob. 135.) Ebron 414? Israeliten 430. Ritt.: Frankrtch 52. 

IL Im Versschlufs. a) Zusammensetzungen: 29. 53. 230. 
238. 305. 543. 547. 616. 637. 735. 850. 880. 907. 908. 1014. 1056. 
1142. 1153. 1172. 1187. 1195. 1262. 1265. 1441. 1530. 1640. 1904. 
1910. 1932. 1942. 1949. 1954. 2017. 2064. 2071. 2108. 2241. 2267. 
2306. 2377. 2381. 2401. 2478. 2524. 2529. 2658. 2679. 2699. 2706. 
2752. 2757. 2805. 2861. 2885. 2901. 2949. 2960. 3031. 3047. 3099. 
3119. 3163? 3257. 3297. 3345. 3352. 3385. 3395.3419.3478.3766. 
3866. 3997. 4010. 4057. 4250. 4295? 4445. 4447. 4452. 4455. 4469. 
448U. 4567. 4598. 4671. 4693. 4819. 4851. 4955. 5040. 5064? 5301. 
5550. 5707. 5804. 5920. 6013. 6141. 6261. 6310. 6343. 6391. 6446. 
6481. 6520. 6529. 6636. 6660. 6721. 6803? 6826. 6872. 6874. 6882. 
6886. (116 Fälle.) Leg. 5. 13. 32. 33. 61. 79. 113. 156. 161. 180. 
208. 288. 380. 401. 472. 497. 498. 524? 601. 685. 719. 875. (22 
Fälle.) Schret. 21. 50. 72. 79. 92. 151. 167. 197. 215. 295. 301. 
324. (12.) Ritt 33. 63. 72. 88. 91. 93. 108. 126. 138. 150. 176? 
181. 252. 268. (14). 

b) adjektiva auf lieh: 1185. 1347. 1815. 1865. 1871. 1902. 
1958. 2211. 2670. 2681. 2787. 2965. 4364. 4795. 6133. 6744.(16.) 
Schret 143. 331. Ritt 139. 232. 

Belege für c und d fehlen im Versschlufs. 

e) adv. oder praep. + verb.: 613. 833. 2376. 3280. 4099. 
4540. 4687. 5073. 5181. 5410. 5646. 5874. 6644. (13.) Leg. 45. 
201. Ritt. 84. 

') Man beachte die zahlreichen Fälle des Nebentons auf -ic in der 
Legende. 



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139 

f) Eigennamen: Tristan. 1 ) Es sind dies 112 Fälle. Dazu 
noch Antret 4475. 4627. 4655. Artus 1313. 1584. 2371. 2555. 
2615. 2902. Britün 1210. Friberc 82. Gäwän 1847. 1855. 
2253. 2330. 2359. 2488. 2585. 2666. 2927. Gilän 3968. 6467. 
Gotfrü 15. Irlant 1055. 1903. tsot 118. 132. 776. 973. 4333. 
5370? 5425. 6365. Litan 4079. 4326. 5023. 5683. Morgan 1892. 
Nithart 3780. Beinmunt 77. Tinas 3111. 3173. 3252. 3569. 4085. 
4095. 4135. 4141. 4165. 4180. 4307. 4340. 5013. 5032. Urgan 
3967. 6468. Petitcriu 4810, also 169 Fälle. Dazu Leg. Adam 
140. Cedrus 372. 377. 382. Cipressus 378. Heinrich 93. Judä 
679. Käin 118. 129. Maxilid 747. Thabor 537. (11). Schret. 
Norman 22. 61? Norwegen 8. 26. 165. (5.) Ritt. Frankrich 195? 
Franzois 258. Fn&erc 312. Tristant 23 (4). 

Die Gesamtzahl der Fälle nach A beträgt für Heinrich 
also 591, das ist fast 7 °/o. Wir haben es bei dieser Frage mit 
einer Erscheinung traditioneller Verstechnik zu tun. Nur die 
Ausbreitung ihres Gebrauches bei Heinrich ist uns von Interesse. 
Das Versinnere weist im Trist. 146, in der Leg. 43, im Schwanke 
8, in der Ritterf. 5 Fälle auf, also in der Reihenfolge Leg. 4*9 %, 
Schret 2-3 %, Trist. 21°/o, Ritt, 1-6 °/o. Auf den Versschlufs 
kommen im Trist. 314 (169), in der Leg. 35 (11), im Schret. 19 (5), 
in der Ritt. 21 (4) Fälle, wobei die eingeklammerte Zahl die 
traditionelle Verwendung der doppeltonigen Eigennamen be- 
zeichnet. Die Reihenfolge richtet sich hier nach der Menge der 
zu Gebote stehenden Eigennamen und da marschiert der Tristan 
an der Spitze. Die Verwendung der beschwerten Hebung in 
Zusammensetzungen (im weitesten Sinne) im Versinnern zu der- 
selben im Versschlufs weist von der Legende (43 : 35) zu Schret 
(8:19), zu Trist. (146:314) bis zur Ritt. (5:21) eine Abnahme 
auf, was das Bestreben kennzeichnen mag, diesen traditionellen 
Gebrauch aus dem Verskörper zu entfernen. Im Versschlufs 



») 83. 85. 111. 143. 251. 266. 292. 345. 358. 439 455. 483. 493. 505. 

627. 645. 683. 846. 855? 949. 970. 1013. 1159. 1220. 1232. 1252. 1408. 1433. 

1485. 1509. 1555. 1565. 1574. 1621. 1646. 1667. 1682. 1730. 1756. 1841. 1875. 

1961. 1968. 2011. 2057. 2069. 2105. 2118. 2135. 2287. 2297. 2566. 2700. 2723. 

2745. 2785. 2959? 2992. 2995. 3039. 3048. 3056. 3080. 3106 3145. 3348. 3449. 

3473. 3625. 3719. 3789. 3831. 4004. 4065. 4077. 4103. 4178. 4222. 4230. 4311. 

4393. 4531. 4589. 4620. 4741. 4825. 5006. 5091. 5120. 5256. 5380. 5424. 5443. 

5487. 5565. 5652. 5700. 5703. 5727. 5817. 6074. 6235. 6369. 6401. 6421. 6445. 
6465. 6473. 6510. 6552. 6731. 6779. 



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140 

allerdings bewahrt er sich gegenüber dem Bestreben der Bildung 
regelmäfsiger Senkungen. 

Da die ganze Erscheinung so viel Traditionelles enthält, 
dürfte es gut sein, die Fälle im Versinnern daraufhin zu prüfen, 
welchem Versfofse sie angehören, und da findet man für den 
Tristan das interessante Ergebnis, dafs von den 146 untersuchten 
Fällen gerade 100 den Verstypus ergeben xxxxxxx» und 
diese sind alle stumpf. Weitere 28 stumpfe Verse haben das 
Schema xxxxxxx» un d uur 18 Verse sind klingend, also mit 
dem Schema x x x x x x • Wir behalten diesen Umstand im Auge 
und bringen es im folgenden gleich zum Ausdruck. 

B. Beschwerte Hebung unter Betonung eines Flexions-e. 

a) Typus xxxxxxx: 101. 177. 212. 219. 234. 237. 242. 
368. 378. 390. 456. 471. 516. 602. 604. 607. 649. 656. 679. 684. 
918. 952. 995. 998. 1020. 1045. 1050. 1051. 1132. 1211. 1254. 
1267. 1335. 1346. 1479. 1501. 1589. 1709. 1722. 1755. 1819. 1900. 
1905. 2035. 2113. 2133. 2148. 2170. 2183. 2191. 2235. 2273. 2289. 
2339. 2413. 2432. 2484. 2487. 2503. 2622. 2675. 2692. 2695. 2702. 
2777. 2778. 2848. 2933. 3025. 3135. 3142. 3143. 3144. 3149. 3150. 
3161. 3165. 3233. 3243. 3251. 3262. 3340. 3382. 3388. 3434. 3463. 
3517. 3550. 3572. 3590. 3610. 3616. 3617. 3698. 3699. 3813. 3819. 
3829. 3867. 3872. 3885. 3886. 3952. 3974. 4076. 4140. 4163. 4235. 
4246. 4255. 4275. 4335. 4342. 4417. 4476. 4479. 4572. 4581. 4735. 
4960. 4971. 5005. 5038. 5074. 5245. 5283. 5291. 5335. 5338. 5479. 
5508. 5555. 5566. 5629. 5651. 5682. 5684. 5710. 5751. 5784. 5787. 
5872. 5895. 6003. 6031. 6144. 6197. 6228. 6245. 6259. 6382. 6388. 
6393. 6405. 6425. 6485. 6525. 6657. 6669. 6683. 6715. 6805, fragl. 
3888. 5073. 5365. 6883. Also 166 Fälle. 

b) Typus xxxxxxx: 444. 465. 2123. 2262. 2337. 2704. 
2827. 3020. 3337. 4005. 4043. 4795. 5031. 5179. 5506, fragl. 1906. 
5569; also 17 Fälle. 

c) Typus xxxxxx: 667. 725. 730. 749. 1296. 1368. 1423. 
3971. 4304. 4982. 5362. 5632. 5970. 6017. 6096. 6543. 6578. 6637. 
6638. 6725; also 20 Fälle. Im ganzen 203 Fälle aus dem Tristan, 
fast 3%. — Legende: 28. 31. 120. 139. 171. 191. 207. 212. 223. 
234. 246. 247. 282. 309. 313. 439. 479. 481. 490? 532. 535. 563. 
573. 615. 624. 638. 642. 655. 677. 679. 680. 684. 725. 726. 744. 
753. 761. 775. 787. 789. 795. 812. 844. 848. 849. 873. (46 Fälle.) 



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141 

Schret: 4. 50. 62. 97. 171. (5.) Ritt.: 55. 67. 77. 114. 164. 171. 
172. 210. 215. 238. 239. 288. 296. 297. 310. (15.) 

Wir beobachten also auch hier für den Trist, dasselbe 
Verhältnis in der Stellung der beschwerten Hebung wie oben, 
sie ist traditionell. Rechnen wir zu den hier gefundenen 166 
Fällen des Typus xxxxxxx di e °^ en summierten 100 Fälle, 
so stehen 266 Fälle den 45 Versen mit dem Schema xxxxxxx 
und den 38 klingenden Versen mit dem Schema xxxxxx 
gegenüber. 

Ähnliche Verhältnisse bestehen für die kleineren Gedichte. 
Für die Leg. fallen von 89 Fällen beschwerter Hebung 57, in 
der Ritt, von 20 Fällen 15, in dem Schret. von 13 Fällen 9 auf 
den Typus xxxxxxx- Stumpfe Verse mit beschwerter Hebung 
ersten Fufse kommen auf die Leg. 29, auf die Ritt. 4 (52. 203. 
230. 297.), auf Schret. 2 (12.50); ebensolche klingende sind in 
der Leg. 3 (213. 756. 852), in der Ritt, nur einer (239) und im 
Schret 2 (4. 71), und manche dieser letzteren Fälle sind fraglich. 

C. Beschwerte Hebung zwischen eng verbundenen 

Begriffen. 

a) Nach erster Hebung: der sun Blanschefliuren 1457. der 
sun Riwalines 5606. vil wol bezekhent hat Leg. 389. dort uzen 
vor der stat Leg. 855. 

b) Nach zweiter Hebung: ir beider sun Käedin 91, ähnl. 
339. 410. 428. 473. 640. 1481. 2118. 3862. 5801. 6066. da nü die 
zit ivunnesam 551. ie zwischen zwein vroawen guot 895. Vgl. 
noch 2450. 4876. 6105. Aus der Leg. 808 so lange unz an die 
zit, ähnl. 835. Schret 193: an einen spiez isenin; 304 wan er be- 
truoc sich da mite. 

c) Im Versschlufs vor der letzten Hebung: in vröuden 
ganzer acht tage 976, ähnl. 5310. Artus der liebe vriunt min 2497, 
ähnl. 4218. 4629. 5098. 5679. 6065. 6682? uns enwolle got selbe 
rät geben 2831, fragl. 389. Leg. 137 und in dem lierzen haz truoc. 
286 warumb der bäum so blöz iver\ aufserdem 616. 641. Schret. 
66 er sjyrach : vil lieber vriunt min ; 337 besieh doch, ob ez war st 
— Unter C fallen auf den Trist. 29 Fälle, auf die Leg. 8, auf 
den Schwank 4 Fälle. 

D. Beschwerte Hebung in Satzpause, 
a) Nach erster Hebung in der Pause zwischen dem die 
direkte Rede einführenden Verbum und dem Beginn der Rede, 



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142 

zumeist einer Anrede: er jach: „vater, unser not u 398; ähnl. 416. 
1307. 2260. 2303. 3800. 4004. 4208. 4266. 4278. 4739. 5100. 5620. 
5982. 6020. 6132. 6387. 6612. Natürlich ist die Möglichkeit 
anderer Lesung nicht ausgeschlossen, so 2236. Einen traditio- 
nellen Charakter tragen die Fälle 5419 glänz, viuwervar und rot, 
6255 tief, michel unde gröz] 6489 man, kint unde wip, vgl. 818. 
3773. Leg. 869. Schret. 155. 

b) Nach zweiter Hebung wie oben 1494. 2333. weniger 
sicher 3289. 3837. 5769. Aufserdem 2178. 4232. 4457. 4755. 
Leg. 155. 321. 521. 674. Schret. 275. 

c) Nach dritter Hebung ist der Gebrauch begreiflicherweise 
nicht zu belegen. Unter D fallen also auf den Trist 33, auf 
die Leg. 5, auf den Schwank 2 Fälle. 

E. Fehlende Senkung ohne ersichtlichen Grund. 

a) Nach erster Hebung: der tot im daz Jierze brach 6397; 
sprach zu hern Tristan 4393? 6510. min und der maoter din 
Leg. 210, vgl. 355. 797. Durch Konjektur liefsen sich die Fälle 
381. 740 beseitigen. 

b) Nach zweiter Hebung. Ich versuche Gruppierungen: 
verb., subst., adj. oder adv. und folgende koordinierende Kon- 
junktion : er jach : ich enmac noch enkan 346 ; dö man nu gaz und 
getraue 618; im zu junc oder zu alt 819. Ahnlich 681. 1222. 
1827. 4168. 4187. 4586. 5110 (vielleicht auch 5109. 5111). 5114. 
5354. 6103. 6148. 6250. 6389; es sind Lieblingsrhythmen, die 
durch den Deklamatiönston unterstützt werden. Aus der Leg. 
194. 250. 407? 483. 499. 502. 722. Schret. 110. 154. 254. 274. 313. 
— Dann subst. (seltener verb.) -f folgendem praepos. Ausdruck: 
alum die stat üf daz velt 568, ähnl. 1592. 1710. 1739. 1857. 
2077? 2265. 4188. 4753. 5007. 5921. 6113, fragl. 4320. Leg. 
542. 802. — Dann subst. + verb.: rieh und arm wären dö 
531, ähnl. 1077. 2145. 2278. 2367. 5442. 6710. Durch andere 
Lesung können beseitigt werden 2139. 5743; durch Annahme 
versetzter Betonung 1809. 2455. 5766, vgl. S.133f. Leg. 29. 104. 
198. 770. — 173. 205. 857. Schret. 302? — In ganz freiem Ge- 
brauche nu Käedin wart besant 332 (vgl. S. 134); ir beider sper 
ganz da bliben 2068, ähnl. 3655. 4120. 4149. 4365. 4371. 5026. 
5450. 5881. — Leg. 53. 237. 300. 658. 710. 760. 782. 866, 
fragl 141. 820. 



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143 

c) Vor dem Reim wort: daz alle die rede war tvas 1410. sä 
zuhaut so rief er 2935, ähnl. 3701. 5179. 5270. 5773. 5887. 
6349, fragl. 252. 2780. 3494. — Leg. 123. 278. 297. 675. Es 
sind meist in eine Konstruktion zusammengehörige Wörter und 
berühren sich so mit Punkt C. Sonstige Belege 2436. 2647. 5161, 
fragl. 3559. Leg 386. 746. 815. Schret. 43. 341. — Ich rechne 
also unter E auf den Trist. 64, auf die Leg. 36, auf den Schwank 
8 Fälle. 

Die Punkte C, D, E müssen uns von besonderem Interesse 
sein, da wir bei aller traditionellen Verstechnik, die sich auch 
hier allenthalben in beliebten Rhythmen äufsert, doch den freien 
Gebrauch des Dichters am reinsten ersehen können. Wir finden 
nach C, D,E für den Tristan 126 Fälle, 1'8%; für die Legende 
49 Fälle, 5-6 o/o, für den Schwank 14 Fälle, 4%, die Ritterfahrt 
gibt keine Belege. Da wir aus dem freien Gebrauch des Dichters 
auch auf die jeweilige technische Vollkommenheit wenigstens 
einen Schlufs wagen dürfen, und da bei dem im ganzen ersicht- 
lichen Bestreben des Dichters nach Ausfüllung der Senkungen 
geringeres Vorkommen der beschwerten Hebung dieser Gattung 
besonders auch auf spätere Entstehung des betreffenden Gedichtes 
schlief sen lassen wird, so bekommen wir die Reihenfolge: Leg. 
(6): Schret. (4): Trist (2): Ritt. (0). 

Betrachten wir auch hier die Stelle im Verse, die für be- 
schwerte Hebung besonders bevorzugt erscheint, so ergibt sich 
das Verhältnis der Fälle in L, II. und III. Hebung für den 
Trist, wie 29') : 71 : 26, für die Leg. wie 6:32:11, für den 
Schwank wie 1:9:4, das heilst, von 189 Fällen fehlender 
Senkung nach C, D, E ergeben 112 den Typus xxxxxxx, 
was unsere früheren Beobachtungen bestätigt, wenn auch hier 
das Verhältnis kein so auffallendes ist, da bei diesen Punkten 
die Kraft des traditionellen Verstypus weniger in Er- 
scheinung tritt. 

Resultat der Statistik einsilbiger Versfüfse: Die Gesamt- 
zahl der Fälle nach A ist für alle Dichtungen 591, nach B 269, 
nach C 41, nach D 40, nach E 108 Fälle, also zusammen 1049 
Fälle, das sind etwa 12 bis 13 Fälle auf 100 Verse, davon 
wieder nur 2 bis 3 „nach freiem Gebrauche." Wenn diese letz- 
teren sich im Tristan gegenüber dem stärkeren Auftreten in der 



*) Diese grofse Zahl nach erster Hebung erklärt sich durch das Auf- 
treten der Satzpause an dieser Stelle. 



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144 

Legende mindern und in der Ritterf. ganz ausbleiben, wird man 
darin erhöhte Kunst, deklamatorische und rhythmische Betonung 
in Einklang zu bringen, erblicken. Die Verwendung einsilbiger 
Versfüfse mufs im ganzen als eine sehr mäfsige bezeichnet 
werden und Heinrichs Verstechnik läfst sonach deutlich die 
Tendenz nach regelmäfsiger Abfolge von Hebung und Senkung 
erkennen, wie sie auch schon bei Gotfried und K v. Würzburg 
erkennbar ist. 

Das folgende stützt sich zum Teile auf die Grundsätze, die 
im Kapitel über Apokope und Synkope aufgestellt werden. Da 
beide sprachlichen Erscheinungen für Heinrichs Sprache nur in 
sehr beschränktem Mafse gelten können, so ist die Annahme 
zweisilbiger Senkung näher gerückt. Dazu tritt nun eine grofse 
Reihe beweisender Fälle. 

I. Unbetonte, vokalisch auslautende Endsilbe + 
unbetonte oder tieftonige Silbe. Typus meine dich: 108. 
163. 273. 303. 355. 452. 596. 700. 701. 702. 742. 745. 749. 789. 
824. 877. 879. 945. 982. 1012. 1036. 1165. 1224. 1722. 1877. 1892. 
1893. 1902. 1939. 2176. 2188. 2236. 2308. 2313. 2344. 2403. 2419. 
2455? 2459. 2467. 2730. 2814. 2816. 2831. 2852. 2877. 2951. 2973. 
3014. 3136. 3255. 3281. 3324. 3325. 3332. 3379. 3429. 3561. 3583. 
3665. 3744. 3776. 3907. 3936. 3966. 4165. 4194. 4206. 4242. 4308. 
4376? 4382. 4400. 4422. 4498. 4544. 4656. 4661. 4736. 4738. 4837. 
4897. 4906. 5039. 5112. 5257. 5334. 5339. 5348. 5431. 5458. 5504. 
5517. 5614. 5617. 5656. 5660. 5663. 5679. 5723. 5766? 5864. 5886. 
5958. 6024. 6080. 6092. 6185. 6343. 6386. 6410. 6428. 6436. 6442. 
6452. 6487. 6630. 6636. 6669. 6682? 6690. 6713. 6744. 6769. 6812. 
6825? 6876. (127.) — Leg. 11. 49. 217. 285. 371. 475. 489. 526. 
561. 646. 649. 758. — Sehr et. 102. 181. 277. 309. 336. — Ritt. 
21. 66. 90. In Konkurrenz mit anderer Betonung oder Lesart 
stehen die Fälle: Trist. 743. 3469, auch 747, wenn smuete her 
beibehalten wird. Schret. 332. — Daher ist auch Apokope nicht 
anzunehmen in Fällen wie wile mit 3938. Mme ge- 1061. 2261. 
äne daz 1121. Ebenso ist mere und sivere mit der hsl. Über- 
lieferung beizubehalten: mere ver- 408. 1259. 1412. 1419. 1483. 
2842. 3584. 3879. 5935. 6354. were der 1244. 1400. 1497. 1701. 
4189. 5630. 5917. 6260. 6261. 6413. 6540. In Konkurrenz 487. 
Ähnl. Leg. 317. 329. 761. 1 ) Schret. 76. 253. — Ebenso wird 

*) Vgl. Betonungen v. 116. 337. 464. 



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145 

man, wenn man zweisilbige Senkung zugibt, wenne in der vollen 
Form beibehalten: wenne ge- 159. 1649. 3287. 3409. 5677. 5775. 
5884. 6020. 6041. denne von 3883. 6170. Auch das überlieferte 
hete, welches der sprachlichen Form des Dichters entspricht (vgl. 
s.l04f.), schreibe ich 1161. 2123. 3255. 5009. 5250. 6370.— Be- 
merkenswert ist das md. alle in Verbindungen wie alle den, alle 
sin: 203. 861. 996. 1128. 1398. 1410. 1525. 1691. 3017. 3218. Leg. 
621. 691. 872. 

Gesondert stelle ich die Fälle, in denen die zweite Senkungs- 
silbe vokalisch endigt und vor vokalisch anlautender Hebung 
steht. Dafs hier die zweisilbige Senkung öfter zur einsilbigen 
übergeht, ist nicht ausgeschlossen, so dructe sie an 713; ähnl. 
2174. 3537. 3909. 3951. 4893. 5050. 5417. 5827. 5885. 6563. So 
besonders in ende zu ende 2692. 4336. Hieher stelle ich auch 
den Fall erheize, da erheize 4321. Ein Kriterium, mit Sicherheit 
die Verschmelzung festzustellen, habe ich nicht, vgl. Paul im 
Grdr.* II. 2, 67 f. u. unten. Ich zähle für den Punkt I, die letzten 
Fälle nicht eingerechnet, für den Trist. 194 Beispiele, für die 
Leg. 18, für den Schwank 8, für die Ritterf. 3. 

IL Die Senkung wird gebildet durch eine Silbe mit 
unbetontem e, welche konsonantisch auslautet, und einer 
zweiten Senkungssilbe, die 

a) vokalisch anlautet. Typ. geblüemet und. x ) Wenn man 
auch eine Reihe der Belege mit zweisilbiger Senkung durch die 
Annahme der Synkope beseitigen könnte (es sind dies folgende: 
34. 77. 486. 772. 1001. 1033. 1047. 1095. 1206. 2075. 2233. 2354. 
2452. 2460. 2564. 2617. 3378. 3427. 3456. 3468. 3474. 3492. 3620 
[doch ohem zweisilbig zur Füllung des Versfufses 3636. 3654. 
4718. 4721. 4741. 5091]. 3741. 4169. 4254. 4265. 4812. 4975. 5180. 
5182. 5250. 5286. 5383. 5943. 6662 oder Leg. 408. 493? 608. Schret. 
42. 68), so bleiben noch immer eine Reihe von Fällen, die die 
zweisilbige Senkung in dieser Form für Heinrich bezeugen, so 
Trist 231. 451. 612. 651. 755. 761. 966. 1143. 1530. 1727. 1883. 
2092. 2130. 2239. 2298. 2382. 2879. 3555. 3827. 3845. 3979. 4049. 
4081. 4164. 4591. 4667. 4684. 4768? 4912. 5452? 5611. 5627. 
5707. 5860. 5869. 5878. 6164. 6194. 6275. 6331. 6355. 6556, fragl. 
in Konkurrenz mit anderer Lesung: 2567. 3384. 3391. 6798. Leg. 
240. 566. Schret 81. Ritt 99. 

1 ) Hieher gerechnet sind auch die Fälle wie vrägete in, siufzete und, 
m ganzen 16. 

Bernt, Heinrioh von Freiberg. fc 



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146 

Hieher stelle ich noch den Fall ich werte ez in an 6120 und 
dise Isöt 916, ähnl. hörte Isöt 2780. 

Also nach IIa für den Trist. 85 Fälle, für die Leg. 5, 
für den Schwank 3, für die Ritterf. 1 Fall. 

IL b: unbetontes e in konsonantisch endigender 
Silbe + einer mit demselben Konsonanten beginnender 
Senkungssilbe: Typ. gemdehet duz: 425. 1184? 2942. 4648. 
4745. 6104. Schret. 36. 

II. c: Sind die angeführten Fälle und Formen zweisilbiger 
Senkung ohne Bedenken hinzunehmen und auch von C. Kraus, 
Metrische Untersuchungen über Reinbots Georg, aufgestellt 
worden, so bleiben uns in diesem Punkte noch eine Reihe von 
Fällen übrig, die sich nicht unterbringen lassen; nämlich Ton- 
lose Nebensilbe mit konsonantischem Ausgang + kon- 
sonantisch anlautender schwachbetonter Silbe. Typ. 
ndmen die. Fälle wie herzen zu dller 1463. liezen zu einem 2391. 
Marken zu ören 3042. legten sie an 4947. minnenclicJien sie in 
5412. helden zu ünguote 6118. Leg. kraft die in 605 können durch 
Verschmelzung erklärt werden. Auch in den folgenden Fällen 
könnte durch Synkope die schwere Senkung geglättet werden, 
wenn man auch mit Rücksicht auf Heinrichs Sprache dieses 
Mittel ungern heranziehen wird, v. 289. 883. 1390. 1533. 2246. 
2969. 3118. 3280. 3372. 4125. 4489. 4786. 4882. 5072. 5081. 
5100 (s. ob. den zweisilbigen Gebrauch des Wortes öhqm). 5530 
(wo Peilnetost mit Rücksicht auf 5536. 5650. 5702 gelesen wird). 
5733. 5819. 5917. 6626. 6808. Vgl. Schret. 320. 321. — Einzelne 
Fälle können auch durch die Möglichkeit anderer Betonung: 
1809. 2644. 2722. Ritt. 238 oder durch Änderung des Textes 
ausgeschaltet werden : 233 mdne als stm., 2015 alle den. Immer- 
hin bleiben noch eine Reihe von Fällen übrig, für die Synkope 
anzunehmen nur orthographische Täuschung wäre, 1 ) so ndtnen 
die 641. under den 2077?, ähnl. 2843? 2932. 3194? 4869. begangen 
mit 3811. blasen diz 4727. lieben ge- 5836. — Leg. 274. 308. 356. 
416. 520? 709? 786. Schret. 28. 55. 59. — Als besondere Formen 
dieser Gattung treten auf: sprach er wajst 4722. rät mir zuyinem 
5729. Darüber beim Hiatus. 

Das sind mit Einbeziehung vieler fraglicher Fälle für den 



l ) Vgl. waa H. Paul im Grundr.» IL 2, 71 ff. darüber so wirkungs- 
yoU sagt. 



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147 

Trist 38 Fälle, für die Leg. 7, für den Schwank 5, für die 
Ritt. 1 Fall. 

HL Die zweisilbige Senkung wird durch zwei un- 
betonte End- oder Anfangssilben desselben Wortes 
gebildet. Typ. heiligen. 1 ) An Synkope kann man denken bei 
den Fällen wägete 453. 5698. dankete 2889. erzeigeten 4820. 
vüegeten 2921. 6571. hosetm 4808. prüefete 3462. liebesten 1834. 
2810. Dazu treten offenten 3077. tengete 3296. tepiehen 2524. 
Leg. geheiliget 505. 560. herpfete 562. Ritt, schattete 308. heiligen 
Leg. 74. 85. 379. 393. 569. 575. 577. 588. 625. 744. 858. 880. 882. 
criuzigen 847; schwerer: vierzehen 6002 (vgl. 4293. Leg. 657). getriuwe- 
lieh 1484. teerischte 2903. weningez 5294. siufzende 5069? herzöge 
494. 1553. 3748. 6694. Noch stärker: die Eigennamen Nampotenis 
6161. Kurvenal 6352? Kurneival 6679. 6796 (mit Rücksicht auf 
v. 1638. 2314. 2515. 6427. 6437. 6666 u. ö.) — Leg. menschlichez 
264. 45 Fälle. 

IV. Nach C. Kraus Behandlung von Reinbots Metrik kann 
ein zweisilbiges schwachtoniges Wort in die Senkung 
treten, wenn die folgende Hebung vokalisch anlautet. Danach 
wären bei Heinr. zu beurteilen hüse oder in 573, ähnl. 591. 1243. 
1379. 1698. 4505. 6399, fragl. 3714. Leg. 799. Schret. 70. Doch 
scheint Heinr. auch über diese Grenze hinaus vor konsonantisch 
anlautender Hebung diese zweisilbige Senkung zuzulassen, wie 
folgende Fälle nahelegen: icht oder nicht 878, ähnl. 1488. 2161. 
2266. 3223. 3591. 4432. 5270. 5532. 5649. 6025. 6051. 6550. 
Könnte man auch an Kurzformen denken wie od, ab = aber, so 
bleiben doch noch über, weder und einmal under, so dafs ich 
dieses Auskunftsmittel verschmähte. 23 Fälle. 

V. Als Grenzfälle der vorausgehenden Gruppe treten ver- 
einzelte Beispiele auf, die ein zweisilbiges Wort als schwere 

*) Formen wie anderen, tiuwere sind streng genommen nicht hieher- 
zustellen, weil sie auch für Heinrichs Sprache bereits als mit Synkope auf- 
tretend angenommen werden müssen. Übrigens besitzen auch die synkopierten 
Formen andern usw., was Zeitläoge betrifft, rhythmisch denselben Wert. Wir 
finden hsl. anderen 929. 1681. 1724. 1804. 2061. 2587. 2628. 2659. 2689. 2838. 
3423. 3499. 4150. 4151. 4762. 6688. 6837. unseren 6884. iuweren 291. 2474. 
2495. 2991. 2992. 3554. 3556. 5178. besunderen 2684. vorderen 2136. minneren 
518. üzeren 2963. 3197. ritteren 1735. 1736. Uuweren 4493. 4785. 4806. ge- 
tiuweret 5984. gebalsemet 6590. slüzzelen 5979. drunzüen 1746. runzelen 5108. 
winkelen 6135. Auch durch Apokope könnten einsilbige Senkungen hergestellt 
werden in hsl. riitere 630. hungere 3351. jämere 6608. engele 1089. slüz- 
zeU 5979. 



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148 

Senkung aufweisen. Hier ist Synkope anzunehmen, aber gerade 
diese Ausnahmefälle beweisen des Dichters Widerstand gegen 
diese Sprachentwickelung: durch iuwer zucht saget mir 1002. daz 
zarte uip heizt ouch Isöt 3934. hcerst duz du? hoerst duz iedoch? 
Schret. 321. 

Wir konstatieren zunächst in der Verwendung der zwei- 
silbigen Senkung die völlige Übereinstimmung aller Gedichte 
des Freibergers, welche sich auch in den Ziffernverhältnissen 
bei den einzelnen Gruppen ausdrückt. Nur in der Gruppe I. 
tritt der Gebrauch in der Legende gegen die übrigen Gedichte 
etwas zurück , dafür hat in der Gruppe in. die Legende, aller- 
dings durch den zufällig häufigen Gebrauch des Wortes heiligen, 
ein Zahlenübergewicht. Im ganzen aber sind die Resultate dem 
allgemeinen Gebrauche Heinrichs entsprechend. 

Von den drei Fällen der Kategorie V. abgesehen, 1 ) haben 
wir als Gesamtzahl der zweisilbigen Senkungen für den Trist 
370 Fälle, also 5*4 %, für die Legende 49 Fälle, also 56 % für 
den Schwank 18 Fälle, also 51 %, für die Ritterf. 6 Fälle, 
also 19 °/o. 

Wollen wir mit Rücksicht auf das für die spätmittelhoch- 
deutsche Zeit überall erkennbare Bestreben nach regelmäfsigem 
Wechsel von Hebung und Senkung das seltenere Auftreten der 
zweisilbigen Senkung auf Rechnung höherer Kunstübung setzen, 
so haben wir für Heinrichs Gedichte die Stufenfolge: Legende 
5'6°/o, Tristan 5'4°/o, Schretel 51°/o, Ritterfahrt r9°/o. 
Werden wir auch bei dem geringen Umfange des Schwankes 
und der Ritterf. auf solche Zahlenergebnisse keine weitgehenden 
Schlüsse bauen, 2 ) so ergibt diese Berechnung der zweisilbigen 
Senkung doch sicherlich folgendes: 1) dafs Leg., Schret und 
Trist, sowie bei der Frage der beschwerten Hebung auch hier 
in erfreulicher Weise übereinstimmen und 2) dafs sowie dort 
auch hier die Ritterfahrt technisch die gröfste Vollkommenheit 
aufweist Dieser Abstand ist so grofs, dals er der Vermutung, 



*) Nicht in Betracht kamen auch die Fälle, wo die Negation en- mit 
einer zweiten Silbe in Senkung tritt. Man hat hier Enklise anzunehmen; 
es sind die Beispiele der trihät 140, ähnl. 142. 346. 1498. 1830. 2250. 2627. 
3994. 5546. 5776. 6670. Dieselbe metrische Bedeutung hat auch 4207. hat 
er enpöten. 

s ) Wie ja klar das etwas kleinere Prozentverhältnis im Schwanke 
keinen Schlafs auf spätere Abfassung zuläfst! 



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die Ritterf. sei nach den anderen Gedichten entstanden, einige 
Begründung geben kann. 

Als Gesamtziffer der zweisilbigen Senkung erhalten 
wir für Heinrichs Werke — mit Einbeziehung der fraglichen 
Belege — 443 Fälle, also 5*2 %. Und 5 Fälle von zweisilbiger 
Senkung auf je 100 Verse lassen den Gebrauch bei Heinr. als 
einen sehr mäfsigen erscheinen. 

Zusammenstoß von Yokalen. 

Hiatus ist dann anzunehmen, wenn durch die Elision ein 
Wort in beschwerte Hebung käme, das dem folgenden an Ton- 
gewicht inferior ist, so nach C. Kraus zu Reinbots Georg s. 153. 
Wenn auch dieses Moment wegen seines subjektiven Gehaltes 
nicht überall eine glatte Entscheidung zuläfst, so könnte man 
doch nach diesem Prinzipe für Heinrich Hiatus annehmen in 
folgenden Fällen: disem sinne an geleit 22. er gedächte aber hin 
197. 523. 1384. 2429. 2645. 2839. 2963. 3032. 3062. 3293. 3355. 
3460. 3727. 3772. 4039. 4341. 5041. 5469. 5911. Leg. 108. 444. 
523. 613. 628. 868. Schret. 30. Fraglich wäre nach Kraus die 
Annahme des Hiatus in folgenden Fällen, in denen das zu apo- 
kopierende Wort mehr Tongewicht besitzt als die folgende 
Hebung: er gedächte: ez enlit nicht eben 204. 216. 243. 511. 589. 
1112. 1228. 1417. 1429. 1443. 1471. 1573. 2482. 3319. 3330. 3539. 
3646. 3787. 3904. 3999. 4000. 4314. 4316. 4416. 4435. 4481. 4516. 
4703. 4704. 4767. 4901. 5106. 5109. 5111. 5309. 5318. 5427. 5532. 
5641. 5928. 5975. 5985. 6112. 6143. 6251. 6271. Viele davon 
kommen auf die Stellung vor unde. Dazu Leg. 73. 139. 164. 
201. 287. 327. 382. 440. 473. 474. 586. 641. Schret. 162. 212. 
326. Ritt. 60. Die Annahme des Hiatus scheint mir gesichert. 
Vgl. zur Frage jetzt Paul im Grundr. 2 IL 2, 67. 

Zahlreich sind die Fälle, in denen eine vokalisch aus- 
gehende Hebung mit vokalisch beginnender Senkung in Hiatus 
zusammenstöf st : ich minne hie und meine dort 161, vgl. 356. 
382. 383. 449. 539. 955. 967. 974. 1075. 1239. 1299. 2738. 2817. 
2947. 3088. 3285. 3354. usw. Ich zähle 84 Beispiele. Dazu Leg. 
87. 157. 160. 202. 364. 370. 375. 579. 669. 682. 688, fragl. 415. 
578. Schret. 43. 186. 283. 285. 307. Ritt. 243. 284. 288. 

Tonloses e einer zweiten Senkungssilbe wird vor folgender 
vokalisch beginnender Hebung regelmäfsig elidiert: ivere der 



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dinge ichtes icht\ und sterkende üf menlicJie tat. Die Fälle sind 
zahllos. Ebenso im Auftakt, vgl. dort 

Ist der auslautende Vokal einer Senkungssilbe vor vokalisch 
anlautender Hebung nicht tonloses e, ist Verschmelzung ausge- 
schlossen: daz man zu äbent ezzen solde; des morgens vruo, dö 
ez wart tac 600. 1432. 1997. 2754. 3381. 3635. 3667. 3957. 4133. 
4614. 4658. 4680. 4732. 4746. 4762. 4940. 5275. 5387. 5447. 5593. 
5670. 5769. 5799. 6047. 6084. 6512. 6725. Leg. 174. 355. 392. 
428. 603. 618. 671. 829. 

Verschmelzung von Vokalen oder Diphthongen zu einem 
Laut wird man nur zwischen Senkungssilben mit Sicherheit an- 
nehmen können, als Synalöphe im Auftakt (s. dort) und im Vers- 
innern, also unz du hesihest, wiez uns ergät 3301. 6379. Solche 
Enklise ist ganz gewöhnlich. Anders swa ez erheize, da erbeize 
auch ich 4321. zwar sie endorfte im senden 4668. Inwieweit 
solche Verschmelzung in einzelnen Fällen auch bei Hebung 
möglich ist, ist schwer zu entscheiden, zumal andere Lesemög- 
lichkeit vorhanden ist: daz sie im erloubten die vart 1479, ähnl. 
3209. 3435. 3646. Leg. 246. Verschmelzung liegt nahe: erkuste 
sie an den röten mimt 3537. 4893. 4947. 5417. 6145, sicher 5776 
so enwart nie in keiner vrist. Ein besonderer Fall ist zu + vo- 
kalisch beginnende Hebung: daz er iuch zu einem male gesehen 
2456. 1463. 2391. 3042. 5729. 6118. Ich habe die Überlieferung 
belassen, doch scheint die Verschmelzung mir sicher. Zur Frage 
vgl. schon bei der zweisilbigen Senkung s. 145 f. Die Verschmelzung 
zume bot sich 4150 t 

Auftakt. 

A. Kein Auftakt. Es finden sich für je 500 vv. im Tristan 
der Reihe nach 120, 122, 123, 114, 155, 137, 137, 138, 151, 142, 
131, 136, 158 und (für die letzten 390 Verse) 98 auftaktlose 
Zeilen, im ganzen 1862 Fälle, also 27*2 °/o. In den einzelnen 
Partien schwankt der Gebrauch zwischen 228 °/o (v. 1501 — 2000) 
und 31-6 °/o (v. 6001 — 6500). Gehen wir dem Grunde des 
Schwankens nach, so finden wir, dafs bewegte Partien, die leb- 
hafte Dialoge enthalten (2001—2500; 4001—4500) oder Kampf 
und Tod schildern (6146—6296), die auftaktlosen Verse lieben, 
während ruhige Erzählung zu regelmäfsiger Bildung des Auf- 
taktes neigt. In der Leg. haben wir 321 auftaktlose Verse, also 
36-4°«., in der Ritt. 86, also 26*9 °/«, im Schret. 56, also 15*9%. 



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B. Einsilbiger Auftakt wird entweder aus einem ein- 
silbigen Worte oder einer Vorsilbe gebildet. Dazu sind jene 
Fälle zu rechnen, in denen ein zweisilbiges mit unbetontem e 
schliefsendes Wort vor der ersten Hebung Elision erfährt, so im 
Trist. 18. 413. 464. 471. 476. 497. 513. 521. 711. 798. 994 usw.; es 
sind dies 62 Fälle, mit merklicher Abnahme gegen das Ende der 
Dichtung; nach v. 3000 stehen nur noch 22 Fälle. In der Leg. 
94. 125. 130. 384. 416. Ritt. 127. 196. Schret. 10. 15. 25. Hieher ist 
auch einsilbiger Auftakt aus Synalöphe zu rechnen. Trist. 308. 
1033. 1727. 1764. 1768. 2090. 2123? 2767. 2800. 2885. 3192. 3290. 
3866. 3992. 4083. 4132. 4297. 4439. 5116. 5623. 6336. Leg. 451. 
712. Schret. 103. Wieder auf je 500 Verse abgezählt, zählt man 
im Trist, einsilbigen Auftakt 371, 362, 370, 375, 333, 347, 354, 
353, 335, 342, 358, 352, 326 und (v. 6501—6890) 282 Fälle, im 
ganzen 4860, also 70*5 °/o. Zu dem Schwanken vgl. unter A. In 
In der Legende stehen 547 Verse, also 62%, in der Ritt. 231, 
also 72-2 °/o, im Schret. 287, also 81-5%. 

C. Zweisilbiger Auftakt beschwert den Rhythmus 
und wird darum als unkünstlerisch auch von Heinrich nach 
Möglichkeit gemieden. Die Fälle sind nicht zahlreich und im 
allgemeinen leicht zu nennen. Ich unterscheide a) unbetontes 
oder schwachbetontes Wort + Vorsilbe 1 ): Trist. 135. 
204. 260. 329. 730? 753. 756. 765. 806. 838. 876. 992. 1031. 
1112. 1610. 1619. 1898. 2161. 2179. 2222. 2240. 2381. 2402. 
2482 usw., im ganzen 74 Fälle. Leg. 164. 289. 790. Ritt. 303. 
Schret. 336. 342. 

b) Ein zweisilbiges Wort von geringerem Ton- 
gewicht. Es sind entweder leichte Fälle wie irem, dise, über, 
wider, weder, müge, saget, habet, künic und zwar v. 137. 459. 572. 
679? 855. 1003. 1519. 1940. 2147. 2426. 2443. 2582. 2656. 2698. 
2944. 2966. 2987. 3294. 3515. 3546. 3626. 4187? 4282. 4303. 4417. 
4446. 4466. 4515. 4845. 5713. 5772. 6007. 6055. 6331. 6357. 6574. 
6812? 6848. 6888. Leg. 534. Schret. 49. 327 oder schwerere Fälle 
wie alle, einen, swenne, meinet, solde, under, vrouwe, und zwar 
v. 61. 203. 392. 587. 590. 704. 833. 1024. 1073. 1087. 1451. 1525. 
1716. 1728. 1767. 1900? 2388. 2461. 2644? 2871. 2878. 2883. 
2907. 3453. 4265. 4725. 4761. 4773. 4843. 5166. 5201. 5601. 5913. 
6036. 6050. 6345. 6732. 6762. 6845. Leg. 183. 282. Ritt. 96. Schret. 

*) Hieher stelle ich auch Fälle wie ern tnimte, da sie phonetisch doch 
zweisilbig sind. 



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140. 186. Wenn auch einige Fälle fraglich sind und vielleicht 
durch andere Lesung zu beseitigen wären, im ganzen ist der 
Gebrauch sichergestellt. Es sind für den Tristan im ganzen 78 
Fälle, für die Leg. 3, Ritt. 1, Schret. 4 Fälle. 

c) Sichtlich gemieden wird ein zweisilbiger Auftakt aus 
zwei einzelnen unbetonten oder schwach betonten 
Wörtern, doch sind diese Fälle nicht ausgeschlossen: mit der 
reise müget ir bewarn 4216. an dem tcege da ir ritet hin 4233, 
ähnl. 4949. 5003. 5298. 5479. 5671, fraglich schon 2850 (ob vier- 
hebig). 3163. 4503. 4687 (11 Fälle). Verhältnismäfsig oft treffen 
wir ihn in der Leg. üz dem vrönen paradise 214, ähnl. 246. 350. 
730. 803, fragl. 631. 670 (7); fragl. auch Ritt. 238. Schret. 69, 
sicherer 187.*) 

d) Der seltenste Fall ist die Verwendung zweier Silben 
eines mehrsilbigen Wortes, deren Tongewicht gedrückt wird, 
so Parmenie 1812. 6204. Kurvendl 5685. Lovelin 6297. undenvilen 
3397. Salomön Leg. 678. Danach wird man Schret. 14 wohl 
auch lesen: künige von Tenemarken, weil sonst bei Herstellung 
eines vierhebigen Verses v. 13 ünde an gewalt dem starken mit 
Hiatus anzunehmen wäre. Wir finden sonach überhaupt zwei- 
silbigen Auftakt im Tristan (die fraglichen eingeschlossen) 168 
Fälle, d. i. 2 4%, in der Leg. 14 d. i. 16 %, in der Ritt. 3 d. L 
09°/o, im Schret. 9 d.i. 26°/o. Auch in diesem besonderen Ge- 
brauche stimmen die Gedichte zusammen. 

D. Dreisilbiger Auftakt scheint für Heinrich aus- 
geschlossen. Trist. 600 daz man zu äbent ezzen solde wird man 
durch Verschmelzung des zu erklären oder man hat 4' Verse an- 
zunehmen, indem man 599 ob man es liest. 

Dafs das Verhältnis der Verse mit und ohne Auftakt in 
mhd. Zeit nicht eine Sache äufserer Arbeit und nicht das Re- 
sultat eines Rechenexempels des Dichters ist, ist natürlich, denn 
es wirkt bei der ganzen Erscheinung das Moment des Gedanken- 
und Tongehaltes mit. Kampfschilderungen, lyrische Partien und 
einfache Beschreibungen dürften sich nicht gleich verhalten, s. ob. 
Aber auch sonst sind eine Reihe Faktoren wirksam, die be- 
sonders für das Wegbleiben des Auftakts entscheidend sind. Eine 
neue Rede oder ein neuer Gedanke wird gern mit starker Hebung 

*) Darum wird man auch zur Vermeidung dieses schwerfälligen Auf- 
takts mit zweisilbiger Senkuog 3391. 4253. 4768 und 2849 f. vierhebig 
klingend lesen. 



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eingeführt z. B. Trist. 173. 188. 236. 264. 304. 319. 357. 379. 386. 
441. 505. 509. 522. 624. 722 usw. So auch der Nachsatz einer 
Periode, bezeichnend z. B. 272 : 276. Sehr gerne wird und, wenn 
es ein zweites Glied in einem neuen Verse anknüpft, mit der 
Hebung eingeführt und so gleichsam das Interesse auch für 
dieses Glied wach erhalten, man vgl. 113 f. 117. 214. 224. 228. 
255. 273. 292. 333. 402. 428. 433. 480. 504. 524. 547. 558. 611. 
640. 655. 673. 688. 737. 748 usw. oder Leg. 50. 78. 132. 158. 
160. 166 f. 174. 189. 239. 256. 263. 287. 305. 333. 344. 352. 405. 
440. 449. 464. 487. 491. 504 usw., vgl. s. 136. Ähnlich ist es mit 
den Aaz- Sätzen, die sehr gerne mit Hebung beginnen, unter 
ihnen besonders regelmäfsig die Folgesätze; die Beispiele sind 
zahlreich. Durchgeführt ist dieser Gebrauch natürlich nicht, 
wie man überhaupt in diesem Punkte bewufstes Vorgehen ver- 
geblich suchen wird ; sondern hier wirken die Macht des Dekla- 
mationstones und die Zufälligkeiten der Umgebung. Vgl. darüber 
auch s. 150 und das Material, welches der Abschnitt „Enjambe- 
ment" zu dieser Erscheinung bietet. 

Wir werden nach diesen Erwägungen der durch die Zahlen- 
verhältnisse der auftaktlosen Verse erhaltenen Reihenfolge Leg. 
(36-4 •/.), Trist. (27-2° o), Ritt. (269 V), Schret. (15-9 %) oder durch 
die Verhältnisse des einsilbigen Auftakts erzeugten Reihe Leg. 
(62%), Trist. (70*5 °/o), Ritt. (722 %), Schret. (81'5 °/o) nicht zu viel 
Wert beilegen. Aber die trockene Arbeit der Zählungen wird 
doch nicht ganz ohne Nutzen sein, denn folgendes scheint ge- 
sichert: erstens stimmen die Gedichte Heinrichs auch im Ge- 
brauche des Auftakts in erfreulicher Weise überein, zweitens 
steht die Legende durch die kleinste Zahl der mit Auftakt ver- 
sehenen Verse und, damit zusammenhängend, durch die grofse 
Zahl auftaktloser Verse (364 °/o) ziemlich ebensoweit von Trist, 
und Ritterf. ab als nach der andern Seite der Schwank. Wir 
erkennen in der Legende die geringere, im Schwank die ge- 
steigerte Verstechnik des Dichters. Anderseits hat die Ritterf. 
das geringste Mafs zweisilbigen Auftakts. 

Reime. 

Rührende Reime, die von den meisten Epikern nicht 
gemieden werden, sind l ): Judä : da Leg. 679. Tristan : getan 2287. 

') Vgl. W. Grimm, Zur Gesch. d. Reims, s. ob. und Ernst Kraus, Genn. 
XXX. lff. 



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3233. 3697. 5537 (:daw 3003. 4985. 5005. 6055. getan :dan 4699. 
Litanidan 4325. 5147). Tristan : Litan 4071. 5719; auch eastd 
:Arundel 1153. 1265. Tinas: genas 5031. Euphrates : des Leg. 277. 
Peilnetosi : si 5535. 5649. Käedin.din 3935, nur einmal, was bei 
den 46 Reimbindungen mit Käedin (abgesehen von Käedine, 
Käedinen, Käedtnes) bemerkenswert ist. Tantrisel : risel 3401. 
4317. 4555. 4715. Lifrenis : Blanschemanis 3745. 3805 : Nampo- 
tenis 6209. LifrenUe : Nampotenise 6177. Lifrenisen : Nampote- 
nisen 6237. 

Gleichlautend reimende Wörter mit verschiedener Bedeutung 
sind Marke: marke 2365. zuhant:hant 4719. gebernde : enpernde 
6417, vgl. noch 591. 3415. 3791. 

Wirklich gleiche Reime im engeren Sinne sind an : an Leg. 
89 ') und leit : überleit Trist. 6223, im letzten Falle wortspielend. 

Rührende Reime im Suffixe finden sich in -lieh. Ad j. auf 
-lieh: gelieh 693. 1319. 1347. 1957. 4831. Leg. 25. 231. Schret. 
331. Dann -liehe : geliche Ritt. 113. -lieh: -lieh Trist. 1975. 3023. 
4929. 6743. Leg. 619. -liehen : -liehen Ritt. 139. Das Suffix -hat 
wird nicht in sich selbst gebunden, sondern nur vereinzelt zu 
neu entwickeltem -keit. manheit : nirdikeit 2007. Das ist auch 
das einzige Beispiel aus dem Trist, überhaupt, der doch 26 Reime 
in -hext und 9 in -keit kennt. Aus der Leg. allerdings tritt noch 
hinzu: gotheit : eivikeit 33 : blcedikeit 61. bezeiclienheit : drivaltikeit 
457. gewizzmlieit\barmherzikeit 191. 247. 405. Bei den anderen 
Suffixen finden sich solche Bindungen in rührenden Reimen nicht, 
was bei dem so häufigen Gebrauche mancher (ich zähle im Trist 
allein 43 Reimbindungen mit -lin) immerhin bezeichnend ist; 
ebenso bezeichnend ist das Fehlen von rührenden Bindungen 
von sin: sin (in allen Bedeutungen), wo doch die Reime in sin 
zahllos sind. Im ganzen kann also Heinrich zu den gut rei- 
menden Epikern gezählt werden. 

Mittelreime und Assonanzen finde ich: der lip und Üben 
mir hat gegeben 52. und achtende betrachtet 202; ähnl. Leg. 340: 
und weinende bescheinet in ir minne bran der man 764. dise Isöt 
van gedanken not 916. die vromven gimgen schauwen 926. list 
wider UM hie vunden ist 2697. swaz e von jagen ist gesaget 2791. 
und ervare ez allez gar 3998. der sunnen und der ivunnen 4528. 

*) Die Reimbindungeii an : an Leg. 759 , wider : wider 293 konnten als 
Schreibversehen leicht beseitigt werden. Der rührende Reim Trist. 3633 not 
-.not wurde nach gebessert, das Versehen 2414 wurt — vurt richtiggesteUt. 



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vil schone in süezem döne 4691. wan sie mit schaden sint beladen 
5434. der anger, der swanger 5970. daz aller leide ein überleit 
6224. den smerzen aller smerzen 6226. in triuwen stetes niuwe 
6610. sande wider heim zu lande 6432, vgl noch 964. 3922. 
4628 und besonders 4509 f. Leg. 478. 

Schlagreim: wider heim zu lande sande er sie 1519. mit 
äugen taugen sach sie dar 2594. ir tmmden bunden überal 2966. 

Doppelreime: begonde ir sehen spehen: sehen 2601. daz 
ir schiene hörnet: mit schcenheit überschomet 3919. in gedunJcen 
lac : gedankes pflae 5915, vgl. Grimm, Z. Gesch. d. Reims, s. 203. 
und Wiggers, H. v. Freib. als Verfasser des Schwankes 13 ff., den 
ich hier ergänze. 

Grammatischer Reim: ein vrölich herze liden : stinder leide 
570. mit schomheit überschcenet : gar aller wibe schoene 3920, vgl. 
4422 f. Kunstvoller: sunne : ivunne : sunnen : wunnen 4525 ff. ge- 
worben : vertorben : vertirbet : wirbet : verturbe : würbe 4845 ff. (vgl. 
dazu Freidank 65, 8, ähnl. 100, 12 ; 178, 2.). gern : wem : begert : ge- 
wert 1453. schöne : ordne : sch&nete : gecroenete 6791. lim : Jcrim : 
lummen : krummen Schret. 257. Heinrichs Vorliebe für das Wort- 
spiel kommt solchen Reimbindungen entgegen. 

Reimhäufungen : Gaivän : Tristan : Mn : Gaw. : Trist. : Mn 
: Gaw. : Trist. : Gaw. : man 1847 ff. (5 Paare), noch : doch : noch : doch 
4265, ähnl. vil : spil : spil : wil 2651. 

Enjambement. 

Enjambement nennt man die Durchbrechung eines Satz- 
taktes durch den Versschlufs. Dieses Kunstmittel wendet 
Heinrich so durchgreifend in allen Werken, auch sichtlich schon 
in der Legende an, dafs wir es eine bezeichnende Erscheinung 
seiner Verstechnik nennen müssen. Zur Übersichtlichkeit suche 
ich die Masse der Fälle in Heinrichs Gedichten in Gruppen zu 
bringen, wenn sich natürlich auch von logisch strenger Scheidung 
der Fälle nicht reden läfet. 

Der gewöhnlichste Fall ist der. dafs die einzelnen Teile 
des Prädikats (Hilfsverb + inf., oder auch verb + praedic. nom.) 
durch den Reim zerrissen sind, hat : gesprenzet 23. wanken : be- 
gonde 195. getan : ist 262. schouwen : wolde 862, vgl. 390. 420. 
621. 1164. 1310. 1330. 1392. 1406. 1548. 1566. 1634. 1800. 1956. 
1976. 2216. 2262. 2562. 2650. 2769. 2792. 2898. 2900. 3016. 3354. 
3382. 3486. 3508. 3542. 3587. 3629. 3850. 3909. 4145. 4388. 4474. 



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4482. 4606. 4680. 4693. 4697. 4875. 4894. 4904. 5484. 5964. 6110. 
6132. 6224. 6314. 6320. 6528. 6776. 6782. Leg. rnüeze : werden 
76, vgl. 220. 291. 521. 624. 660. 858. Schret. kratzen ibegande 
232, vgl. 56. 130. 316. Ritt, geseit : wurden 190, vgl. 60. 100. 196. 
210. Stärker sind die Fälle, in denen durch das isoliert an die 
Spitze des nächsten Verses tretende Satzglied (Teil des praedic.) 
der Satz abgeschlossen erscheint: da bi er etiswes ermant : wart. 
768. und er im unbekant : was 1608, vgl. 1916. 2016. 2675 2702. 
3197. 3615. 4464. 4491. 5094. 5342. 5998. 6009. 6169. 6499. 6797. 
6827. Leg. unbetrogen : wirt 608, oder noch auffallender: der verre 
harnende garzün : sprach 1209, ebenso 1245. 3179. 4196. 5634. 
5714. ob die ntt tinder imJieten 1857. dem herren sie nach: 
sähen 1562, vgl. 1521. 1606. 2368. 2983. 3136. 3409. 3530. 3780. 
3784. 4872. 5048. 5052. 5514. 5875. 6490. 6570. 6632. 6697. 6812. 
Leg. -ich sündehafter Heinrich : spriche 93, vgl. 50. 98. 361. 593. 
797. 832. 846. Schret. der guote Tene einvaUic : sprach 87, 
vgl. 344. 

Ein Nomen (subj. oder obj.) tritt, durch den Versschlufs 
getrennt, isoliert an die Spitze des Verses: ob ich indert vinden 
kan in mines sinnes gelinge : rede 27. sprach : Tristan 337, ähnl. 
3582. 3984. 4091. 5474. 5623. 6653. 6664. 6738. Leg. 784. Ritt. 
267. Das Attribut oder Objekt im Genitiv ist durch den Reim 
von seinem Beziehungswort getrennt: wo: der mere was 379. 
ein tot : miner sorgen 2338. die mit einander pflogen : släfes 2664, 
vgl. 1280. 1786. 2774. 2984. 3379. 3586. 3696. 4528. 5366. 6741. 
6790. Leg. in daz lant : des gelübdes 508. 514. 599. Ritt. 294. 
305. 318. Das Objekt ist vom Verb, abgeschnitten: sagen: die 
mere 1298. im erlauben zwar : die reise 1506, ähnl. 3966. 4696. 
5030. 5646. 6274. 6875. Leg. sach er stän: einen bourn 281. 
Schret 94. 

Allgemeiner: ein der Satzkonstruktion nötiges und den Satz 
abschliefsendes Wort tritt isoliert an die Spitze des nächsten 
Verses: und er beivacisich 2/ 76. sunder wägen :wol 2789. trat 
an die stat:hin 3772, vgl. 2397. 3605. 3823. 3868. 4141. 4481. 
5027. 6397. Praepositionalausdrücke : was : bi mir 1062, vgl. 1123. 
2223. 2492. 3818. 4972. 5579. 5772. Leg. er ersluoc:zu töde 138, 
vgl. 10. 149. 626. 659. Schret. 33. 

Umgekehrt wird ein vereinzeltes Wort das zugleich Reim- 
wort ist, durch Enjambement mit seinem folgenden Satze ver- 
bunden. Isöt und Tantrisel, die : liezen 3389. ez weste wol, wie : ez 



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4736. swenne der ivirt entsliefe, sän : solde sie 5884. duz er : einen 
wizen segel an binde 6344. ivizze, duz : sie dir enist gehaz 375 (be- 
sonders auffällig und bezeichnend), ebenso 1027. 1623. 2656. 3457. 
3597. 3849. 5413. 5863. Leg. 462. 750. Leg. des heiligen geixtes 
gäbe, die : manicvalt ist 393, vgl. 725. 

Das Adj. wird durch Enjambement mit seinem Hauptwort 
verbunden, die kiu-sclien und die clären : vrouiven 675. die gehiure 
:Isöt 794. der reine ikünic 2518, vgl. 3689. 4290. 4684. 5632. 
6656. 6768. 6828. Leg. da was er kurzer einer : eilen 701. Schret. 
dem starken : künige 13. Ahnlich der Name : Isöt : Blanscliemanis 
6365. daz hundelin : Petitcriu 4456. uz der gotinne lant : Gildne 
4458, vgl. 15. 4333. 

Besonders auffällig erscheint in diesem Gebrauche die Tren- 
nung des Artikels von seinem Hauptwort, wären die : lwsen 1180, 
ähnlich auch sande sie : alle 1519. Leg. 765 : vuorten die : vrouwen. x ) 

Zum Schlüsse eine Reihe Fälle, die sich nicht gut in die 
vorausgehenden Gruppen einreihen liefsen, aber immerhin für den 
häufigen Gebrauch des Enjambements bei Heinr. bezeichnend sind. 
Isöten ande und angeidoch was 1109. ob skh daz icht : dö teilte 
2625. da die kint miteispilen 2647, vgl. 1161. 1768. 2688. 3194. 
3254. 3270. 3949. 4725. 4749. 4932. 5045. 5066. 5175. 5561. 5666. 
5701. 5970. 6277. 6298. 6548. 6556. 6778. Leg. 32. 129. 178. 186. 
219. 258. 384. Schret. 30. 260. 262. Ritt. 72. 106. 120. 138. 152. 

Die im vorausgehenden angeführten Fälle (208 aus dem 
Trist., 39 aus der Leg., 12 aus dem Schwank, 14 aus der Ritt.) 
geben nur ein annäherndes Bild des Gebrauches bei unserem 
Dichter, der durch die kunstvolle und, wie man annehmen mufs, 
beabsichtigte Anwendung des Enjambements seinen Dichtungen 
eine eigene Farbe und manchen Stellen eine besondere Wirkung 
verleiht Als Nebenerscheinung des Enjambements führe ich die 
schon im Abschnitte „Deklamationston" s. 136 besprochene Beob- 
achtung an, dafs der durch Enjambement angeschlossene zweite 
Vers häufig mit dem Hebungston beginnt und dadurch eng mit 
dem vorausgehenden verbunden wird. Die Beispiele lassen sich 
aus den angeführten Fällen mehren und ich glaube, dafs auch 



') Daraus ersehen wir, dafs diese schweren Fälle der Zerreifsung der 
syntakt. Bindung durch den Versschlufs, wie sie Chr. A. Mayer, Rhythmik des 
H. Sachs (Beiträge 28, 479 f.) der mhd. Verstechnik absprechen möchte , schon 
H. v. Freiberg vereinzelt aufweist Auch andere Dichter kennen den Gebrauch ; 
vgl. für die Kreuzfahrt Ludw. d. Frommen Jantzen in Zfdphilol. 36, 31. 



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andere mhd. Dichter, die Enjambement lieben, Material fftr 
unsere Beobachtung bieten. Ich gebe für das Gesagte statt der 
Beispiele nur das Eesultat der Beobachtung. Von den 208 aus 
dem Trist angeführten Fällen beginnen 95 Verse im Enjambe- 
ment mit dem Hebungston, von den 39 Beispielen der Legende 
sind es 20, von den 12 Fällen aus dem Schretel sind es 6 und 
von den 14 Fällen der Ritterf. sind es 5. Also kommen auf die 
273 Fälle, die oben verzeichnet wurden, 126 ohne Auftakt, das 
ist 46°/o, während die durchschnittliche Zahl der auftaktlosen 
Verse für Heinrichs Werke nur 27*5 °/o beträgt. 

Traditioneller Bei mapparat. 

In der Stilbeschreibung wurden unter dem Titel „Flick- 
wörter" formelhafte Präpositionalausdrücke und ähnliches vor- 
gebracht, die zu dem traditionellen Reimmaterial der Epiker 
gehören und in gröfserem oder geringerem Mafse auch bei den 
Besten in Verwendung stehen. Im folgenden soll aus Heinrichs 
Dichtungen alles, was in den Reimen zum traditionellen Rüst- 
zeug gehört, kurz aufgeführt werden. 

dar: war: gar bilden im Trist, allein 84 Reimpaare, 28 in 
der Legende, man steht 50 mal im Trist., 8 mal in der Leg. 
was: las ist eine beliebte Reimbindung Heinrichs; wir treffen 
sie im Trist. 26 mal, in der Leg. 8 mal. was mit anderen Bin- 
dungen steht aufserdem noch 29 mal im Reime, wip : Up steht 
25 mal im Trist., libe:wibe 13 mal. wider : nider : sider bilden 
19 Reimpaare, geschieht (subst) : nicht steht 13 mal, geschieht (verb.) 
: nicht 5 mal (nicht überhaupt 30 mal) im Reime. Auch das stereo- 
type wunder : bemnder gehört hierher: 129. 221. 3581. 5533. Ähn- 
liche Bindungen mit besunder 1241. 1393. 1595. 1991. 2043. 2271. 
2301 und wunder 3975. 4459. 5301. Schret. 71. 105. 249. Die 
in höfischen Gedichten sonst zahlreichen Reime mit sunne : tounne 
hat Heinrich im ganzen selten : 1367. 4525. 4541. sunnen : wunnen 
4441. 4527. vlöch : zoch : hoch 223. 321. 5159. 1643. 5207. Leg. 313. 
Schret. 223. Auch das altüberlieferte ') in allen den geberden, als 
— erden (1192. 1707) fehlt nicht. Mm : melm 937. 1795. 2077. 3295. 

Die adj. auf -lieh (: mich, dich, sich, ich) finden sich im Trist 
57 mal, in den anderen Gedichten 11 mal; -lieh in anderen Bin- 



') Vgl. die Sammlung in J. Wiegand, Stilistische Untersuchungen zum 
K. Bother, Breslau 1904, § 62. 



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dangen 18 mal, in den kleineren Gedichten 5 mal. gienc : vienc 
füllt 20 Reimpaare; vil : teil : zil : spil füllen 26 und in den kleineren 
Gedichten 8 Reimpaare ; minnc verwendet Heinrich in 31 Reim- 
paaren, mir: dir: wir bildet 26 geschlossene Reimpaare, aufser- 
dem 6 in der Legende, in anderen Bindungen 6 und 1 in der 
Leg. site : mite im Trist. 14, in der Leg. 2 Bindungen ; site aufser- 
dem in 6 anderen Reimen, siten im Trist in 20, in der Ritterf. 
in 2 Reimen, dö : vrö 6 mal (1 mal Leg.), dö : also 4 mal (2 mal 
Leg.), dö : ho einmal, vrö : also 5 mal (1 mal Leg.), sol : wol 17 mal 
im Trist (2 mal im Schret, einmal in der Ritt.) ; wol überhaupt 
im Trist, in den Reimen 40 mal. hört : dort bildet 7 Paare {dort 
überhaupt im Reime 15 mal), tot: not bildet 18 Paare und 3 in 
der Leg. Isöt:töt 23 Paare, Isöt:nöt 28 Paare; tot überhaupt 
in Reimen des Trist. 46 mal, not überhaupt 52 mal. Isöt im 
Reime überhaupt 80 mal, dazu Isöte 3 mal, Isöten 9 mal. Tristan 
: an 20, : man 19, : gelän 11, : han 15, : gän 8, : sän 7, : kan 7, 
: gewan 7, : aretvän 5, : getan 4, : dan 4, : Gawän 5, zu verschie- 
denen anderen Reim Wörtern 17 mal; also im ganzen in 129 
Bindungen. Tristant (: bekant 13, : haut 10, : zuhant 7, : lant 6, 
zu anderen Reimwörtern 17 mal) im ganzen 53 Bindungen. 
Tristande in 15 Paaren, Tristanden 2 mal, Tristandes einmal, 
Tristanne zweimal, Tristanen einmal. — touyen : ougen findet sich 
6 mal und einmal in der Ritt. (junc)vrouwen:schoutven 12 mal 
und einmal in der Ritterf. vernumen : Immen 17 mal (dazu in den 
kleineren Gedichten 6 mal), stunt (zustunf) tritt 27 mal auf (dazu 
10 mal in den anderen Gedichten), munt 11 mal (dazu 5 mal in 
den anderen Gedichten). — gnuoc : truoc steht 22 mal im Trist., 
gnuoc : sluoc 9 mal ; gnuoc überhaupt im Reime 38 mal (dazu 
5 mal in den kleineren Gedichten), muot : guot bildet 12 Paare 
und 3 in der Ritterf. ; aufserdem gemuot : guot 3 Paare ; Artus : 
hüs bildet 16 Reimpaare. 

Reime in er, sie, ez, des, wes zeugen von geringer Reim- 
kunst Solche bei Heinrich zu finden, wird uns nicht wunder 
nehmen, da gröfsere Vorgänger sie nicht entbehren konnten, vgl. 
Zwierzina, Studien, Zfda. 44, 30 ff. Reime in er finden sich Trist. 
393. 1719. 2935. 3099. 3219. 3431. 3593. 3983. 4417. 4949. 5197. 
5603. 6135. 6343. 6463. 6517. 6873, aufserdem Leg. 101. 285. 
721. Schret. 41. 163. 299. 309. sie steht im Trist. 40 mal im 
Reime, darunter sie : die 629. 3389. Leg. 509. 765. sie aufserdem 
Leg. 435. 597. 725. Schret 335. die im Reime Trist. 1179. 5979. 



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160 

wes : des Trist. 2937. des : Eufrates Leg. 277 : Maises Leg. 437. 
533. Die Ritterfahrt ist von solchen Notreimen frei. 

Wenn man die Werke eines Dichters nach der Seite ihrer 
technischen Vollkommenheit untersucht, so wird das Er- 
gebnis in den Hauptfragen einen Schlafe auf die relative Ab- 
fassungszeit der einzelnen Stücke nahelegen. Diesen Stand- 
punkt haben wir im Vorausgehenden für die wichtigsten 
metrischen Erscheinungen, vornehmlich für die Frage der 
fehlenden Senkung und der zweisilbigen Senkung eingenommen 
und ein übereinstimmendes Resultat erhalten; dasselbe Resultat 
fand sich bei der Frage nach der Zahl der klingenden Verse 
im Gedichte und es wird durch anderweitige ähnliche Kriterien 
unterstützt, vgl. z. B. die soeben besprochenen Notreime auf er, 
die, sie, des. Es ergab sich für Heinrichs Werke, dafs sich die 
Legende überall als Erstlingswerk erwies, dafs Schretel und 
Tristan auf ungefähr gleicher Stufe stehen, während die Ritterf. 
als das verstechnisch höchststehende Gedicht hervortrat. Mit 
diesem Resultate stimmt die Betrachtung in einzelnen stilistischen 
und sprachlichen Fragen überein oder widerspricht ihm wenigstens 
nirgends. 

Die Verwendung der klingenden Reime ergab die Stufenfolge: 
Leg. (12 •/.), Schret. (204 ° .), Trist. (22-5 •/.), Ritt. (28 °/o), s. S. 181. 

Die beschwerte Hebung nach Punkt A ergab: Leg. (4*9 °/o), 
Schret. (2*3 °/.), Trist. (2*1 %), Ritt. (1-6°, o), s.S. 139. 

Die beschwerte Hebung nach freiem Gebrauche des Dichters 
ergab die Reihe: Leg. (5*6 °, o), Schret. (4%), Trist. (18 °/o), Ritt. 
(0%), s.S. 143. 

Die Betrachtung der zweisilbigen Senkung ergab die Reihe: 
Leg. (5*6 ü /o), Trist. (5*4 %), Schret. (51°/..), Ritt. (1*9 %), s. S. 148. 

In der Durchführung des einsilbigen Auftakts war die 
Reihe: Leg. (62 ü /n), Trist. (70*5 7n), Ritt. (72*2° •), Schret. (81*5 °/o), 
s. s. 153, wobei wiederum die Ritterf. in der Vermeidung des zwei- 
silbigen Auftakts den höchsten Rang einnahm. 

Die Nachstellung des unflekt. (oder flekt.) possess. pronom., 
die wir S. 65 untersuchten, gab für diesen als unkünstlerisch 
angesehenen Gebrauch die Abfolge : Leg. mit 30, 6, Schret. mit 17, 
Trist, mit 14, 5 (16, 4), Ritt, mit 3, 1 Fällen auf je 1000 Verse. 

Mag auch in dem einen oder anderen Resultate der Zufall 
eine Rolle spielen, angesichts der wiederholten Reihen mit dem- 
selben Ergebnisse scheint einerseits die künstlerische Tiefstufe 



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161 

der Legende, anderseits die relativ höchste technische Vollkommen- 
heit der Bitterfahrt ausgemacht und sonach wird der Schlufs, 
dafs dieses Gedicht auch als das zuletzt entstandene bezeichnet 
werden mufs, nicht von der Hand zu weisen sein. Dabei wurde 
die Behandlung der metrischen Fragen ohne Voreingenommenheit 
durchgeführt und das Ergebnis war umso überraschender, als 
die Rittert bisher als ein Gedicht von geringem Kunstwerte 
galt vgl. S. 26. Wenn nun die Betrachtung der historischen 
Umstände ergibt, dafs die Rittert auch von Seite der geschicht- 
lichen Anhaltspunkte als nach dem Trist, entstanden anzusehen 
ist, so wird unser vorläufiges Ergebnis in überraschender Weise 
bestätigt. 

Der Schwank vom Schrätel stimmt in allen Eigentümlich- 
keiten der Verstechnik mit den anderen Gedichten überein und 
steht künstlerisch zwischen Trist, und Ritterf. Ich habe die 
Frage der Verfasserschaft Heinrichs für den Schwank, die durch 
C. v. Kraus soeben in Zfda. 48, 99 — 102 wieder in Zweifel ge- 
zogen wird, 1 ) bisher nicht berührt. Durch Bechstein war der 
Schwank vom Schrätel, der mit der Ritterf. die Heidelberger Hs. 
beschliefst, wegen seiner weitgehenden Übereinstimmung mit 
Heinrichs Hauptwerke diesem zugeschrieben worden (Einl. XIX. 
des Trist.) und Wiggers hat in einer eigenen Arbeit einen be- 
sonderen Nachweis versucht. Seither fand sich das Gedicht 
immer in Verbindung mit Heinrichs echten Werken. Ich habe 
es auch in den vorliegenden Untersuchungen als echt behandelt 
und hoffe schon durch die vollständige, bis in die kleinsten 
Punkte reichende Übereinstimmung des Schwankes mit Heinrichs 
Stil, Sprache und Metrik die Zweifel an der Echtheit behoben 
zu haben. Eine Dichtung, die in hunderten von Belegen in den 
Eigentümlichkeiten des Stiles und der Verstechnik sowie im 
sprachlichen Charakter mit den Werken eines Dichters zusammen- 
stimmt und aufserdem durch auffallende Parallelstellen Berührung 
aufweist, kann mit Fug und Recht diesem Dichter zugesprochen 
werden; soweit bei einem anonymen Gedichte von Sicherheit 
oder Wahrscheinlichkeit geredet werden kann, ist sie hier vor- 
handen. Und dafs Heinrich neben den überlieferten und be- 
kannten Gedichten andere verfafst hat, ist für den Mann, der 

*) Herr Prof. C. v. Kraus hat mir in freundlichster Weise seinen im 
Korrekturstadium befindlichen Aufsatz zukommen lassen, sodafs ich an dieser 
Stelle schon darauf Bezug nehmen kann. 

Berat, Heinrich ron Freiberg. \ 



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162 

zur Vollendung von Gotfrieds Meisterwerk aufgefordert wurde 
(Trist v. 53 ff.), sicher. Die Ritterf. ist nach den Ergebnissen 
der Verstechnik, sowie nach den historischen Anknüpfungspunkten 
(s. im Kap. VI) nach dem Trist verfafst 

C. v. Kraus nimmt an der Überlieferung des Schwankes eine 
Reihe von Änderungen vor, die weder durch die Bedürfnisse des 
Verses noch durch die Sprache gerechtfertigt werden können 
und z. t. recht gewaltsam genannt werden müssen. So zur Aus- 
füllung von Senkungen v. 4 zeiner stiure. 50 darteert kerte. 62 
den teirt grüezen dö began. 66 friuwent. 97 waz ez creatiure si. 
171 als der hunger im geriet. \72 sin koste söt er tinde briet 
275 quwme. 304 ican er sich betruoc da mite. 337 besieh sie doch, 
ob ez tiär st. — Zur Unterdrückung der überlieferten zwei- 
silbigen Senkung: 9 edel hochgeborn. 11 adel sim. 28 quämn. 
29 Minges (ähnl. 14 und 76 l'ung). 36 tean des tages äbent tteanc 
in. 45 und 287 hof. 81 füern. 224. 227 überz. 288 des hoves teirt 
stuont vor der tür. 336 so getilgt Sonst zur Entlastung des 
Verses 268 und sach die ungevttoge; zur Beseitigung von vier- 
hebig klingenden Versen wird 232 unde getilgt. So erhält na- 
türlich das Gedicht durch Ausfüllung der fehlenden Senkung und 
Behebung der zweisilbigen Senkung einen ganz anderen Charakter 
als die Gedichte Heinrichs. Da manche Änderung auch an und 
für sich dem Sprach- und Stilgebrauch Heinrichs zuwiderläuft, 
werden weitere Unterschiede geschaffen. Andere Textänderungen, 
die von der Seite des besonderen Zweckes erklärlich, aber nicht 
notwendig sind, führt Kraus v. 12. 43. 49. 55 f. 58. 70. 110. 189. 
193. 201. 235. 254. 274. 279. 313. 322. 345 durch und schafft so neue 
Differenzen. Berechtigung hat nur die durchgreifende Schreibung 
beren, die ich schon vor Jahren auf Grund der sprachlichen Er- 
gebnisse (s. S. 85) durchführen mufste. Auch v. 219 vleischel mit 
Rücksicht auf 215, schretelin 310, Mman 319 mit Rücksicht auf 
346 und vielleicht 262 alse sind wohl gerechtfertigt. 

Die Einsilbigkeit der Senkung, die Vermeidung von zwei- 
silbigen Senkungen, die Durchführung der Synkope, die Ver- 
meidung von vierhebig klingenden Versen (vgl. Schret 113. 145? 
231. 325) ist keineswegs Zeichen dieser kleinen Dichtung. Ich 
bespreche kurz die von Kraus angeführten Reimunterschiede. 1 ) 
Der Reim ostiöst im Trist 2261 ist überhaupt der einzige von 



l ) Reime von dl : äl, dl : öl finden sich bei Heinrich nicht 



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163 

o:6 bei Heinr., sonst nur noch -oste 2891. 3451. 6477 und -ost 
: -öst Leg. 67. — Die aht : äht Reime kennt z. B. auch die Ritterf. 
nicht, ar : dir Reime hat auch die Ritt, nur zwei (45. 123), ebenso 
nur einen einzigen von at : ät (245), jedoch finden sich im Schret. 
an: an Reime häufig s. S. 93, so dafs das Fehlen der ersteren 
Bindung, die in den 6890 Versen des Trist, nur 2 mal (419. 3793) 
sich findet, wohl ohne Bedeutung ist. — Reime von -er (cere) : her, 
g'er hat z. B. auch die Ritterf. nicht, 1 ) s. S. 92, Reime wie geberden 
: erden finden sich auch in den 882 w. der Leg. nicht (Heinrich 
kennt nur 7 Beispiele) s. S. 92. — -iht : -icht Reime hat weder 
Schret. noch Leg. noch Ritt, und, wie ich glaube, auch nur zu- 
fällig. — lie und gie Reime hat weder Schret. noch Ritt. s. darüber 
S. 109, partic. gelän hat weder Schret. noch Leg. noch Ritt s. S. 108, 
verkart (: art) kennt allerdings Trist. 297, sonst kehrt der Reim 
nicht wieder, doch überliefert die Hs. für Schret. 348 harte. — 
tum : sun steht allerdings Trist. 1225. 5241, doch weder im Schret. 
noch Leg. noch Ritt. s. S. 97. — du sages findet sich Trist 415, 
aber sonst weder hier noch in den andern 3 Gedichten eine diese 
Endung beweisende Reimbindung. — Die Form sän und sä reimt 
auch die Ritt nicht s. S. 116. — Im Trist, reimt allerdings sit 
(und auch nur einmal 1287), sider und sint nebeneinander, aber 
die Ritt, hat nur sider, Leg. und Schret nur sider und sint; 
man wird also hier von erfreulicher Übereinstimmung reden 
müssen s. S. 115. — swär kennt zwar Trist 2435, aber weder 
Schret. noch Ritt. (s. S. 120) bieten einen vergleichbaren Reim. 
— Über die auffällige Apokope gehilz im Trist, vgl. S. 84 über 
mer S. 82 ; schier kennt Heinrich nicht, nur schiere; zwar ist die 
allen Gedichten zukommende Form. — Über den Bestand an 
einzelnen dialektischen Reimen vgl. in der Sprachbehandlung 
S. 120 ff., jedenfalls verteilen sich die unreinen Reimbindungen 
in ziemlich gleichem und entsprechendem Mafse (Legende) auf 
alle Gedichte. 

Nach diesen zum gröfseren Teile negativen Bemerkungen 
verweise ich auf meine eingehenden Darlegungen zum Stil, zur 
Sprache und Metrik Heinrichs, die überall die Übereinstimmung 
der Gedichte klargelegt haben. Ich führe hier nur noch ge- 
sondert an, indem ich auf die betreffenden Kapitel verweise, den 
Gebrauch von doppelgliedrigen Ausdrücken s. S. 36 ff. und des 



x ) Auch die umfangreichere Legende nur einen. 



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164 

syntaktischen Parallelismus S. 38 ff. als ein Hauptkennzeichen 
von Heinrichs Stil ; die Vorliebe für Verkleinerungswörter S. 45 ; 
die Verwendung der rhetorischen Frage S. 48 ; die eigenartige 
Verwendung der Negation in einzelnen Beispielen (18. 35. 168) 
auch aus dem Schret. s. S. 49 ; die bezeichnende Vorliebe für das 
Wortspiel S. 52 f.; die gleichartige Verwendung von Wörtern der 
volkstümlichen Dichtung (vgl. v. 10. 78. 174) s. S. 59 ff., von adj. 
auf -sam s. S. 63; die Nachstellung des adj. Attributs (possess. 
u. adj. , flekt. u. unflekt.) s. S. 64 ff. ; den auf ein Minimum be- 
schränkten Gebrauch der Apokope s. S. 81 ff. und der Synkope 
s. S. 84 ff.; die Übereinstimmung in den e-Reimen s. S. 90 f.; die- 
selbe Reimverwendung des -Tich, gelich s. S. 95; das Verhalten 
der Reime in ü, uo, ie, i s. S. 96 f. ; den Gebrauch von began, 
begunde s. S. 110 f., die Form quam s. S. 112, überhaupt den 
gleichen Sprachcharakter im allgemeinen und im einzelnen (vgl. 
noch S. 125 f.). Aus der Metrik die Frage der Längung der 
kurzen Silben s. S. 127 ff. ; die Zulassung von vierhebig klingenden 
Versen s. S. 130 f.; das Ausmafs der versetzten Betonung s. S. 134, 
der fehlenden Senkung in allen Formen in denselben Verhält- 
nissen wie in den übrigen Gedichten s. S. 137 ff. und besonders S. 143 ; 
ebenso der zweisilbigen Senkung s. S. 144 ff. und besonders S. 148; 
den Gebrauch des Hiatus s. S. 149; die Vorliebe für das En- 
jambement s. S. 155 ff. und verweise zum Schlüsse auf die S. 71 f. 
angeführten Parallelstellen zu den Dichtungen Heinrichs und auf 
die S. 160 angeführte Tabelle zum gleichartigen Gebrauche ver- 
schiedener verstechnischer Erscheinungen sowie zur Reihenfolge 
der Gedichte. 

Das Einzige, was mir aus der eingehenden Behandlung des 
kleinen Gedichtes als unterscheidendes Zeichen zu Heinrichs 
Werken anzuführen bliebe, ist der erhöhte Gebrauch des ein- 
silbigen Auftakts (815 °/o gegen Trist. 705 und Ritt 72'2%). 
Da dieses Moment keine sichere Entscheidung bedingt und auch 
im Trist. Partien zu 75 % dieses Gebrauches sich finden (v. 1501 
bis 2000), kann es gegen das Übergewicht der angeführten 
Übereinstimmungen nichts beweisen. 



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V. 

Zur Quellenfrage. 



Legende: Über den Stoff und die Überlieferung der Sage 
vgl. die Literaturangaben bei P. Piper, Die geistl. Dichtung des 
Ma. IL 41 ff. Die lateinische Quelle zur Legende Heinrichs finden 
wir bei W. Meyer, Die Geschichte des Kreuzesholzes vor Christus 
(Abhandl. der k. bayer. Akad. 16, II. 103 — 66), der s. 131 ff. einen 
aus zwei Münchner und einer Wiener Handschrift hergestellten 
Text der lateinischen Prosalegende veröffentlicht. Heinrichs 
Übersetzung geht sichtlich ohne Zwischenglieder auf das latein. 
Original zurück und ist im allgemeinen genau und fast wörtlich 
zu nennen. Ich beschränke mich darauf, kurz zu vermerken, 
worin unser Dichter über diese Vorlage hinausgeht. Er bildet 
doppelgliedrige Ausdrücke, die für seinen Stil charakte- 
ristisch sind: expuUt = vertreip und verstiez 194. sarrexerunt 
= gewuochsen und ensprungm 419. egressae sunt = vlöz und en~ 
spranc 499. diversis morborum generibus oppressi — von aller 
sucht, von aller pin 570. — Schmückende Beiwörter treten zum 
Substantiv: de paradiso = üz dem vronen paradise 214. herba 
= grüenez gras 219. Seth = S. der reine unse 235. 260, ähnl. 
252. 415. 427. 555. 788. Möises ist der gotes degen, ebenso Sä- 
lotno 431. 717. 

Gewisse Erweiterungen finden ihre Erklärung in der be- 
sonderen Vorlage Heinrichs, die bei aller Verwandtschaft mit 
dem von Meyer gegebenen Texte doch mit Lesarten der engli- 
schen Hss. zusammenstimmt. Die Übersetzung von virtus divina 
virgulas erexit als: gotes kraft, die in aller vrist gewaltic und 
almechtic ist, die nie triegens hat gepflogen und nicht betriuget 
und unbetrogen wirf, die tet ir wacht da schrn inid richtete üf die 
gertelin 605 ff. findet ihre Erklärung durch die von Suchier im 



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166 

Anhang zu Meyers Abhandlung aus den englischen Hss. gebotene 
Lesart: que semper provida et numquam fallit nee fallitur. — 
Das lateinische cumque adiudieatus esset Christ., ait quidam 
Judaeus bei Heinrich v. 835 — 50 wird durch den Zusatz bei 
Suchier erklärt : Christas, sciscitabant Judei, quomodo et quo tor- 
mento illum morti traderent. quoniam ergo a phbe erat dictum: 
crueifigatur ! querentes, unde facerent crueem, ait quidam. — Der 
Zusatz bei Heinr. 564 ff. findet sich aus der engl. Hs. bei Suchier: 
leprosi, aridi, ceci, claudi. 

Es hat gewifs auf deutschem Boden eine Reihe Hand- 
schriften gegeben, welche eine Mittelstellung zwischen der von 
Meyer wiedergegebenen Fassung und der englischen Überlieferung 
einnahmen. 

In seiner Vorlage fand Heinr. wohl auch v. 148 hundert 
Jahre, wo Meyer 200 bietet ; ähnlich v. 475, wo Heinr. 40 Jahre 
schreibt, während die Vorlage 44 bietet. Das Salamon filius tuus 
der Vorlage findet sich bei Heinr. merkwürdigerweise als Salomon 
der bruoder dm v. 666 ; die Maximilla erscheint als Maxilla 747. 

Der freieren Übertragung des Dichters dürfte angehören: 
fatigatus de exstirpatione februm bei Heinr. 162 : dö wart er krane 
von arbeit und ouch die kelde in überstreit (vgl. Ulr. v. Eschenbach, 
Alex. 22194). Wohl auch luminaria = schamer herzen äne zil 
600. Auch scheint Zusatz Heinrichs: wider irs gelouben kraft 
mit dem tiuvele behaft v. 763. 

Eigentum unseres Dichters wird die Einleitung v. 1—94 
sein, vielleicht noch der beste Teil des sonst nicht hochstehenden 
Gedichts. Es sind herkömmliche Gedanken über die höchsten 
Dinge, die übrigens auch einen traditionellen Ausdruck finden, 
wie für manche Stellen sicher ist. Immerhin ist die Fassung im 
allgemeinen Heinrich zuzuschreiben, wie auch die darin ver- 
streuten persönlich gefärbten Zeilen beweisen: 72 ff. 90 ff. Im 
ganzen verleugnet sich Heinrich bei der ganzen Versifikation 
nicht als Anfänger in der Dichtkunst; das Ganze trägt den 
Stempel einer Erstlingsarbeit. 

Schwank: Das Märchen vom Schrätel und vom Wasserbären, 
einstmals vielleicht im nördlichen Deutschland lokalisiert, findet 
sich heute fast über ganz Deutschland verbreitet. Vgl. W. Grimm, 
Irische Elfenmärchen 1826, 114 (jetzt Kl. Schriften I. 482 ff.); 
Mone, Untersuchungen zur Gesch. d. teutschen Heldensage 1836, 
281 ff.; Wackernagel, Zfda. 6, 174. Eingehend behandelt die 



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167 

Verbreituog der Sage v. d. Hagen, Ga. IIL Einl. LXXII. Gräfse, 
Literaturgesch. IL 3, 86 sagt darüber: „Dies ist echte deutsche 
Sage, die der Schreiber dieses in seiner Kindheit oft erzählen 
hörte"; und im Sagenschatz des Königr. Sachsen 1855, Nr. 484, 
„Die Katzenmühle bei Buchholz" erzählt er eine ähnliche Fassung 
aus obersächsischem Gebiete. Vgl. jetzt A. Meiche, Sagenbuch 
des Königr. Sachsen Nr. 5S3. Ganz ähnlich auch „Der Wasser- 
mann und der Bär in der Schliefermühle" bei Meiche Nr. 496. 
Fast dasselbe Märchen, wie es uns bei Heinrich entgegentritt, 
findet sich in Müllenhoffs Sagen und Märchen aus Schleswig 1845, 
Nr. 346 „Der Wassermann und der Bär", nur dafs hier der Haus- 
geist erst nach 7 Jahren wiederkommt, um nach der „groten 
katt" zu fragen. Auch die kleine Geschichte, die Urban, Mit- 
teilungen d. V. f. Gesch. 23, 300, von einem „grauen Männchen" 
— dies ist die Bezeichnung des Hausgeistes in Böhmen — er- 
zählt das im Kampfe mit einer schwarzen Katze zugrunde ging, 
scheint auf die gleiche Sage hinzudeuten. Sprenger weist Zfdphil. 
28, 429 auf eine Fassung aus dem Harzgebiete hin (Pröhlis Harz- 
sagen 1886, 1. 110). Prof. J. Peters verweist mich auf die von 
A. Schleicher, Volkstümliches aus Sonneberg (im Meininger Ober- 
lande), Weimar 1858, s. 76 erzählte Geschichte „Fan schlaazleen", 
die zweifellos auf das Märlein vom Schrätel zurückgeht. 

Und gewils würde sich noch mancher Beleg aus älteren 
und neueren sagengeschichtlichen Werken sowie aus dem Volks- 
munde beibringen lassen. Uns genügt, da wir für die alte Zeit 
keinen Beleg auffinden können, der Nachweis, dafs das Märchen 
von der Vertreibung des Kobolds heute in Mittel- und Nord- 
deutschland verbreitet ist Dafs diese Verbreitung im Volke 
nicht etwa auf Heinrichs Dichtung zurückzuführen ist, sondern 
als alte Volksüberlieferung anzusprechen ist, scheint zweifellos. 
Wir können annehmen, dafs Heinrich keine geschriebene Quelle 
besafs, sondern die Sage aus dem Volksmunde übernommen und 
treu nacherzählt hat; denn kein Zug ist in dem Gedichte, den 
uns nicht die Volkssage überlieferte. Heinrich hat die Erzählung 
mit feinem Sinn für das Komische verwertet und sein Schwank 
bietet uns in der Tat mehr als die meisten anderen jener 
schwankliebenden Zeit. Denn der Dichter gibt uns ein Stück 
des Volksglaubens in künstlerischem Gewände, frei von der 
Roheit und Unflätigkeit, die vielfach den Produkten dieser 
Gattung anhaftet. 



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168 

Zu seiner Ritterfahrt hat Heinrich keine andere Quelle ge- 
habt als den mündlichen Bericht der Zeitgenossen über die auf- 
sehenerregende Turnierfahrt Johanns von Michelsberg. Es ist 
sonach sein freies literarisches Eigentum, was er uns hier bietet, 
wenn auch der Ausdruck im einzelnen sich natürlich von den 
traditionellen Schilderungen der ritterlichen Eüstung und des 
ritterlichen Zweikampfs nicht losmachen kann. Doch werden 
wir Heinrich die Anerkennung nicht versagen, dafs er als einer 
der ersten unter den Dichtern der höfischen Epoche es gewagt 
hat, ein bedeutsames Ereignis seiner Zeit durch die Dichtung 
der Nachwelt zu überliefern, und zwar noch bei Lebzeiten des 
Bitters, dem die Dichtung galt Er hat damit das Vorbild zu 
einer neuen Dichtart gegeben, die sich in der Folgezeit zur 
herrschenden Gattung ausbildete. 

Die Quellen des Tristan. 

F. Wiegandt, H. v. Freiberg in seinem Verhältnis zu Eilhart 
und Ulrich. Diss. Rostock 1879, hat nachgewiesen, dafs Heinrichs 
Tristanfortsetzung zum grofsen Teile auf seinem Vorgänger Ulrich 
von Türheim beruht. Aufserdem wurde aus den beigebrachten 
Parallelen wahrscheinlich, dafs Heinrich auch Eilhart gekannt 
habe. S. Singer, Die Quellen von H. v. Freiberg Tristan, ZfdphiL 
29, 73—86, hat nun die Dichtung Heinrichs auf diese zwei Quellen 
hin durchgenommen und im einzelnen gezeigt, dafs unser Dichter 
nicht blofs Ulrich, sondern auch Eilhart zur Vorlage gehabt 
habe, wenn Heinrich auch v. 6842 ff. glauben machen will, dafs 
er der Version des Thomas nach einem wälschen Gedichte folge. 
Dafs Heinrichs Arbeit nicht mit dieser Quelle übereinstimmt, ist 
bekannt. Singer hat nun neben den beiden deutschen Tristan- 
dichtungen, die den Schlufs des Tristanromans überliefern, als 
weitere Quelle einen französischen Tristanroman herangezogen. 
Für die Benutzung von Eilharts Dichtung war seine Beweis- 
führung besonders überzeugend, da er für ganze Partien fort- 
laufende Berührungen und wörtliche Übereinstimmungen nach- 
wies. Was aber die Benutzung des französischen Prosaromans 
durch Heinrich anlangt (zur Kritik desselben vgl. neben Löseth 
vornehmlich W. Röttiger, Der heutige Stand der Tristanforschung, 
Hamburg 1897, 25 ff.), habe ich mich nicht überzeugen können, 
dafs für die wenigen Züge, die in Heinrichs Fortsetzung von 
Eilhart und Ulrich abweichend gebildet sind, eine dritte Tristan- 



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169 

dichtung zugrundeliege. Und ich hoffe, die von Singer ins Feld 
geführten Gründe überzeugend widerlegen zu können. 

Ich befasse mich naturgemäfs nur mit jenen Abschnitten 
aus Heinrichs Dichtung, die nach der Beweisführung Singers 
sich nicht eng an Eilhart und Ulrich anlehnen und sonach zur 
Annahme einer weiteren Quelle führten. 

Die Einleitung v. 1 — 84. Wer diese Verse für Eigentum 
Heinrichs hält, — und es wird niemand daran zweifeln — der 
wird dem Dichter eine Stilgewandtheit zuerkennen müssen, die 
an die besten Vertreter des höfischen Epos hinanreicht und ihn 
schon in dieser Partie als begabten Schüler Gotfrieds zeigt. 

v. 217 — 324. Heinrich bringt die scheinbar ausbleibende 
Wirkung des Minnetranks bei Tristan, der sich um Isolde Weifs- 
hand bewerben will, vergleichsweise mit den zeitweiligen Ver- 
finsterungen der Gestirne zusammen. In den Quellen findet sich 
von dieser Beziehung nichts. Die Vorstellung bei Eilhart (und 
der Berolschen Version) von dem völligen Erlöschen der Wirkung 
in der Zeit von 4. Jahren — Gotfried hat von solcher Begrenzung 
gar nichts — konnte unseren an Gotfrieds psychologisch feiner 
Entwicklung gebildeten Dichter nicht befriedigen. Die Tatsache, 
dafs Tristan um Isolde Weifshand wirbt, mufste wenigstens den 
Versuch einer Erklärung anregen. Also sagt Heinrich 217: daz 
was doch sere wider sin art des frankes, der getrunken wart uz 
dem glase von in — ez ivas ein micliel wunder und wundert mich 
besunder, daz er die küniginne vlöch und sich von ir minne zöch. 
Und dann bringt Heinrich seinen astronomischen Vergleich mit 
der zeitweiligen Verfinsterung des Sterns der beiden Liebenden, 
der eben wie alle Gestirne solcher Verfinsterung unterworfen 
ist. Und Heinrich fährt v. 259 fort: diz merke, swer ie sinnic wart 
: ich enmuc dem tränke nicht sin art abe gereden noch enkan wan 
mit der rede, die getan ist von dem gestirne hie. Also Heinrich 
gibt damit die vorgebrachte Erklärung als seinen eigenen 
Versuch, die Sache zu deuten, woraus hervorgeht, dafs wir nach 
einer Entsprechung in den Quellen nicht zu suchen brauchen, 
wenn wir Heinrich Glauben schenken. — Ich verweise in der 
Schlufsbetrachtung der Persönlichkeit des Dichters auf die astro- 
nomische Weisheit, die Ulr. v. Eschenbach im Alex. 8379 - 8415 
und 10 127 ff. auskramt. Wenn nun nachweisbar Heinrich Ulrichs 
Alexander für seinen Tristan hie und da benützt hat, so ist nicht 
ausgeschlossen, dafs jene astronomischen Betrachtungen zusammen 



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170 

mit dem dortselbst (v. 10148. 10160) ausgesprochenen Gedanken, 
dafs der Glanz der Sterne zeitweise erlischt, Heinrich zu seinem 
geistreichen Vergleiche mit der Wirkung des Minnetrankes ver- 
anlafsten, die nach der Vorlage Eilhart nur auf 4 Jahre be- 
schränkt war (v. 4729 ff.), wenn auch Heinrich aus eigenem 
astronomischen Wissen etwas hinzugetan haben mag. — Da 
dieser Teil nur ein Vergleich und nicht ein wesentlicher Be- 
standteil der Erzählung ist, wird man nicht gleich Veranlassung 
haben, eine neue Quelle anzunehmen, und auch Singer findet mit 
seiner sonst zur Aushilfe herangezogenen Quelle (dem franzö- 
sischen Prosaroman) kein Auskommen und läfst die Sache in 
Schwebe s. 75. 

v. 684—834 findet sich im allgemeinen bei Ulrich. Den 
Umstand, dafs Tristan durch Erblickung des Ringes von der 
ehelichen Verbindung mit Isolde Weifshand abgehalten wird — 
Heinr. 766 — hat nur Thomas und die von ihm abhängigen 
Versionen. Aber Singer weist s. 75 mit Recht die Benützung 
dieser Version mit Rücksicht auf die sonstige Stoffgestaltung 
Heinrichs zurück. Doch scheint mir nicht wie Singer eine von 
Thomas unabhängige Quelle, die das Ringmotiv enthalten hätte, 
hier Heinrichs Vorlage gewesen zu sein — auch der von Singer 
herangezogene Prosaroman hat dieses Motiv an dieser Stelle 
nicht. — Die Sache ist viel einfacher: Die eheliche Verbindung 
mit Isolde durfte nicht vollzogen werden, wenigstens jetzt nicht, 
das überliefert schon Eilhart 6139 was sie mer denne ein jär 
(daz horte ich sagin vor war) daz sie ni wart sin wip. Dafs 
aber Heinrich einen Ring als hinderndes Moment in die Erzählung 
bringt, hat er von niemand anderem als von Gotfried und auch 
hier zeigt sich Heinr. als treuer Schüler seines Meisters, dessen 
Andeutungen er in tiefem Verständnis für Gotfrieds Plan aus- 
nützt. Man lese Gotfried 18304: nu sehet, daz mich kein lebende 
wip iemer von iu gesclieide — und nemet hin diz vingerlin : daz 
lät ein Urkunde sin der trimven unde der minne, ob ir deheine 
sinne iemer dar zuo gewinnet '; daz ir äne mich iht minnet ; daz ir 
gedenket da bi, wie minem herzen iezuo si. Heinrichs Erzählung 
wiese geradezu mit Fingern auf diese Stelle Gotfr. hin, wenn 
es auch Heinrich v. 776 ff. nicht selber noch täte. 

v. 1129—1572 hat seine Quelle in Eilhart. Tristan kommt 
zu Artus Tafelrunde, durch die die neue Annäherung an Isolde 
herbeigeführt wird. Die Art und Weise allerdings, wie Tristan 



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171 

mit Artus Hof in Verbindung gebracht wird, ist Heinrichs Er- 
findung. Singer hält die Einladung durch einen Knappen des 
Artus für ungeschickt. Aber diese allgemeine Einladung an 
tüchtige Ritter, an Artus Hof zu kommen, ist ein bekanntes 
Motiv der höfischen Epik und auch die Art wie Heinrich dabei 
den Begriff der dventiure und die ritterliche Sucht danach schildert, 
ist ebenso wie die Schilderung der Tafelrunde nichts Fernliegen- 
des. Ich habe an anderer Stelle (s. 76) nachgewiesen, dafs die 
Einladung durch einen Knappen, sowie auch der Umrifs zur 
Schilderung des Artushofes Wirnts Wigalois v. 1416—64 nach- 
gebildet ist. Einzelheiten hat Heinrich übrigens selbständig hin- 
zugetan, wie wahrscheinlich den Umstand, dafs Artus hier als 
Begründer der Tafelrunde erscheint, und die Zahl von 500 
Rittern. 

v. 1573—2358. Dieser Abschnitt ist im ganzen und grofsen 
beeinflufst von Parz. 284 — 309, dem Kampfe Parzivals mit Seg- 
ramors und Keie sowie mit Gawan, der Erkennung dieser beiden 
und dem Ritte zur Tafelrunde. Bei Heinrich ist es Tristans 
Kampf mit Gawan, die Erkennung der beiden Freunde und Auf- 
nahme in die Tafelrunde, darauf Kampf Tristans, der unerkannt 
Dalkors und Keie in ähnlicher Weise wie Parzival seine beiden 
Gegner besiegt. *) Auf den vorbildlichen Kampf im Parz. wurde 
Heinrich schon durch Eilh. geleitet, der 5059 ff. einen in den 
Grundzügen ähnlichen Kampf Tristans mit Delekors 2 ) am Artus- 
hofe vorführt. Das Freundschaftsverhältnis zwischen Tristan 
und Gawan (Eilh. schreibt Walwan) ist bereits bei Eilhart als 
zu Recht bestehend angenommen und auch dort beweist Gawan 



*) In diese Partie fallen auch alle Beispiele des Gebrauches von plan, 
velty sant als Bezeichnung des ritterlichen Kampfplatzes (s. S. 63), wie ihn 
vornehmlich Wolfram ausgebildet hat. 

a ) Die Verschiedenheit der Namensformen (Delekors-Dalkors) beweist 
natürlich nichts gegen die direkte Abhängigkeit von Eilh. Man vgl. nur 
Heinrichs Namenbildungen Paranisel, Tantrisel, Käedin. Übrigens bietet 
eine Hs. des Eilh. Dalkors. Darüber Singer 79. Das b one schevelier bei 
Heinr. 2031 ist einer der verbreiteten französischen Brocken, wie sie Heinr. 
vornehmlich aus Gotfr. Werk herübernahm. In diesem Falle bot übrigens 
Eilh. bereits schevelier 5061. 5093. Darüber Singer 79, der auf Ulrich 556, 35 
hon beschelier verweist, schevelier hat auch Gotfried wiederholt. — Zur 
Frage der Namensformen der einzelnen Versionen vgl. W. Röttiger, Der 
heutige Stand der Tristanforschuug. Hamburg 1897 und W. Hertz, Tristan 
und Isolde 9 1901, s. 479 ff. 



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172 

diese Freundschaft später in der Tat. Doch ersieht man auch 
aus Heinr., dafs das Freundschaftsband erst jetzt geknüpft wird, 
da sich die beiden zum erstenmale sehen v. 1835; die Entstehung 
der Freundschaft bei Gawan wird geschildert 1887 ff. Die Ver- 
bindung Tristans mit dem Artushofe fand Heinrich also bereits 
bei Eilh. 4995 ff. und er hat die Sache nur in breit höfischer 
Weise näher begründet und durchgeführt, wobei er eine gröf sere 
Partie des Parz. zum Muster nahm. Einen Einflufs des franzö- 
sischen Prosaromans anzunehmen, wie Singer s. 78 will, sind wir 
nicht gezwungen. Denn auch bei der Benützung dieser französischen 
Quelle müfste Heinrich dennoch noch den Kampf mit Keie und 
überhaupt die Gestaltung der ganzen Erzählung ziemlich selb- 
ständig gefunden haben. Die Stelle bei Heinrich v. 2001 ff. ist 
direkt wieder im Anschlufs an Eilhart 5030—45 gebildet, viel- 
leicht auch mit Berücksichtigung von Wirnt Wig. 1607—21 (s. 
oben). Ebenso fand er die Enthüllung des Geheimnisses, wer 
Dalkors im Zweikampfe zu Falle gebracht, und die Vorbereitung 
Gawans zu einer neuen Zusammenkunft zwischen Tristan und 
Isolde schon bis in Einzelheiten bei Eilh. 5099—5151. 

v. 3005—3317 ist im Anschlufs an Eilhart v. 3792 ff. und 
besonders 3943 — 4367 gedichtet. Dafs Heinrich die List des 
Mehlstreuens, die bei Eilh. v. 3836 ff. und bei Gotfr. 15150 zur 
Entdeckung der beiden Liebenden führt, nicht verwendete, war 
ihm nicht zu verdenken. Diese naive Art, die Liebenden in 
Todesnot kommen zu lassen, konnte er nicht beibehalten und so 
verband er das bei Gotfried vorausgehende Motiv, dafs Marke in 
in den Wald reitet v. 14348 ff., mit der weiteren Darstellung 
Eilharts, dem er dann getreu folgt. 

v. 3318—3740: Liebesleben im Walde und Heimkehr; ebenso 
wie bei Eilhart an das Vorausgehende eng angeschlossen. Dafs 
man zu diesem poetisch und stofflich fruchtbaren Abschnitt 
keine weitere Quelle zu erschliefsen braucht, scheint sicher. 
Eilh. v. 4328 ff., 4355 ff., 4516 ff. und Gotfrieds Darstellung v. 
16683 ff. waren Quelle genug und die von Wiegandt beigebrachte 
Unterscheidung von Eilhart, dafs Heinrich Tristan und Kurvenal 
die Küche mit Fasanen und anderem Wildbret versehen läfst, 
ist in Rücksicht auf Gotfrieds Darstellung der Waldidylle 
(17216 ff.) nicht von Bedeutung und auch mit Bezug auf Eilhart 
nicht ganz richtig. Denn Eilh. 4532 ff. heilst es: und so Tristrant 
der tvise mit sime bogin icht irschoz und slner liste genoz, daz 



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173 

he etlichin tisch geving usw. Allerdings ist Eilhart selbst in der 
Überlieferung der Berol'schen Version, die ein hartes Waldleben 
voraussetzte — vgl. 4528. 4565 — nicht konsequent. 

Die Auffindung Isoldens durch Marke weicht allerdings, 
wie ebenfalls Wiegandt bemerkte, in Heinrichs Erzählung von 
Eilhart und auch von Gotfried ab. Aber die ganze Darstellung 
Heinrichs von dem Waldleben ist trotzdem aus keiner fremden 
Quelle zu belegen, sondern zeigt deutlich den Stempel eigener 
Erfindung; man lese nur v. 3321 ff: nu suochten die gehiuren aber 
die fossiaren, die meister Gotfrit hat genant la fossiure a la gent 
arnant. — und sie der nicht envunden, sie machten an den stunden 
von ri)iden und von loube usw. Man sieht, der Dichter stellt 
sich gleichsam humoristisch über die phantastische Erzählung 
Gotfrieds und schildert nun das Waldleben — allerdings im 
engeren Anschlüsse an Eilhart 4518 ff., eine selbstgebaute, dürf- 
tige Hütte, Jagd und Waldquelle — auf ganz natürliche Weise. 

Dafs dadurch Heinrich die Sache von der Auffindung durch 
den König (Blick durch das Fensterlein und das Schwert zwi- 
schen den Liebenden) nicht gut brauchen konnte, — Eilhart 
nimmt allerdings nicht Anstofs 4594 ff.; bei Gotfried scheint die 
Sache eher möglich, da seine Liebesgrotte ein ganzes Bauwerk 
ist — ergibt sich bei Heinrichs Bestreben, alles in den Bereich 
der Möglichkeit zu rücken, von selbst (s. ob. sein Verhalten zur 
List mit dem Mehlstreuen). So erfindet er geschickt aus dem 
Motive Gotfrieds von der Jagd Markes 17287 ff. ein zufälliges 
Wiedersehen zwischen dem jagenden Marke und Isolde, die 
Blumen sucht; von Blumen und Gras auf der Waldwiese spricht 
auch Gotfr. 16749 ff., 16885 ff., 17145 ff. genug. Man wird hier wie 
überall sehen, dafs Heinr. seine Quellen gut benutzt und dafs 
das, was er selbst gestaltet, öfter poetischer ist als die Über- 
lieferung seiner Vorlagen. 

v. 6316— 6890 (Schlufs), wie Wiegandt nachweist, haupt- 
sächlich aus Ulrich geschöpft mit Heranziehung von Eilhart vgl. 
Singer s. 85. Doch nimmt Singer für einzelne abweichende 
Punkte eine dritte Quelle an, welche mit der des Thomas nahe 
verwandt war. Nun ist diese Annahme schon an sich zweifel- 
haft, da Heinrich sonst in seinem ganzen Werke der Berolschen 
Version folgt Der französische Prosaroman, auf dessen mehr- 
fach mit Heinrich verwandte Darstellung sich Singer beruft, 
kommt auch hier nicht in Betracht. Doch sehen wir uns die 



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174 

Gründe Singers für das Hereinragen einer dritten Quelle näher 
an. 1. Bei Heinrich ist Kurvenal der Bote des kranken Tristan 
an Isolde. 2. Die weifshändige Isolde handelt aus Eifersucht 
3. Frage der zu Schiff Ankommenden nach der Ursache des 
Glockengeläutes, Mitteilung von Tristans Tod und Lob des Helden 
als Antwort eines Mannes aus dem Volke. 4. Die blonde Isolde 
wirft sich schweigend über die Leiche, küfst und umarmt sie 
und stirbt. Wenn ich nun Punkt 1., 2. und 4. als aus Heinrichs 
Vorlagen erklärlich oder als freie Gestaltung des Dichters nach- 
weisen kann, so wird man für den dritten Punkt nicht leicht 
eine besondere Quelle aufstellen dürfen. 

ad 1. Eilhart (ebenso Ulrich) überliefert den „Wirt aus 
Stadt" als Boten 9256 ff. Die Sendung des Kurvenal bei Heinr. 
ist aber ganz natürlich und geht aus dem Vorhergehenden mit 
Notwendigkeit hervor. Denn Kurvenal ist bei Heinr. der stän- 
dige Begleiter und Helfershelfer Tristans. Man vgl. z. B. v. 5008. 
5149. 5685. 5723. 6308. So konnte bei Heinr. v. 6327 ein Wirt 
aus der Stadt nicht in Aktion treten und soviel freie Bewegung 
in der Verwendung der Personen müssen wir unserem Dichter 
einräumen und zutrauen. Übrigens gleicht der Auftrag Tristans 
bei Eilh. 9289 ff. und bei Heinr. 6327 ff. einander im Wortlaut 
so, dafs man auch hier Eilhart als Vorlage Heinrichs ver- 
teidigen wird. 

ad 2. Heinrichs Darstellung weicht dadurch von Eilhart 
ab, dafs Isolde Weifshand aus Eifersucht handelt. Ulrich läfst 
uns über das Innere der Personen hier ganz im Unklaren. Nun 
vgl. man Eilh. v. 9378 ff. dö lotig sie leidir sere, daz ez ir stt 
wart gar leit. äne aller slachte valscheit sprach sie so tarn- 
liehen und sagete im lugelichen, der segil were wiz nit. Man 
sieht : Von diesem Wortlaut ist zur Annahme einer plötzlich auf- 
wallenden Eifersucht, wie sie Heinrich kennt, der Weg nicht 
weit, so dafs ihn Heinr. auch ohne besondere Vorlage beschreiten 
konnte. Übrigens schimmert auch bei Heinr. noch die alte Auf- 
fassung Eilharts durch ; man lese v. 6389 ff. : ez were ir ernst oder 
ir schimpf, ez was ein toerisch ungelimpf, daz im van ir die war- 
lieit in diser not nicht wart geseit 

ad 3. Es ist richtig: die Version des Thomas berichtet, 
dafs Isolde bei der Landung auf die Klagen der Leute und das 
Glockenläuten hin fragt und von einem alten Mann erfährt, dafs 
der allverehrte Tristan tot sei. Ähnlich Heinr. 6509 ff. Eilhart 



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175 

9411 weifs nur zu sagen: dö wart ein jemirlicher schal: man 
lüte die glocken öbir al. dö die Jconingin ze dem stade quam und 
daz gröze schrien vornam, dö irquam sie des vil sere. „owe mir 
nü und ummirmere!" sprach sie: „Tristrant der ist töd u . Bei 
Eilh. erkennt also Isolde aus dem Glockenläuten und den Klagen 
der Leute den Tod Tristans. Bei Heinr. heifst es 6499: die 
glocken wurden übir al geliutet 6505: dö hörten sie die Hute 
clagen dort und hie, hie und dort, öt über al, und hörten ouch 
der glocken sclial. daz argete in und vrägten sän daz volc um 
ern Tristan. Also auch hier die Vorausahnung der Schreckens- 
botschaft Das Einzige, was nun Heinrichs Bericht von Eilharts 
Erzählung unterscheidet, ist die ausdrückliche Frage der An- 
kommenden an die Leute und die Antwort auf die Frage, 4 Zeilen 
bei Heinrich. Soll dieser einfache, natürliche Zug die Benutzung 
einer weiteren Quelle begründen? 

ad 4. Eilhart 9418 und 9422: sie wart wedir bleich noch 
röd noch enweinete nicht me — al stvigene sie dare ging und 
Heinrich 6522 ff. stimmen wieder völlig überein. Damit ist auch 
der 4. Punkt Singers erledigt, da also auch nach Eilhart die 
Königin zuerst schweigend und ohne Weinen die Todesnachricht 
aufnimmt. Übrigens habe ich an anderer Stelle (s. 34) erwähnt, 
dafs für diesen schweigenden Liebestod wohl Gotfrieds Dar- 
stellung vom Tode Blanscheflurens Muster und Vorlage war 
v. 1726 ff. 

So glaube ich auch für den Schlufsteil gezeigt zu haben, 
dafs die Annahme von der Benutzung einer dritten Quelle neben 
Eilhart und Ulrich — von Gotfried immer abgesehen — nicht 
notwendig, ja durchaus nicht wahrscheinlich ist. 

Fassen wir zusammen, was als sicher über diese Frage ge- 
sagt werden kann: 1. Die Angabe Heinrichs 6842 ff., dafs er 
seinen Tristan nach „Thomas von Britanien" aus einer wälschen 
Vorlage umgedichtet habe, ist unrichtig, da Heinrichs Dichtung 
mit der Version des Thomas soviel wie nichts zu tun hat. Den 
Thomas kennt er aus Gotfried v. 150; 326. Das Übrige ist Er- 
findung wie die Quellenangaben anderer mhd. Epiker. 

2. Als Heinrichs Vorlage ist durch Wiegandt und Singer 
mit Sicherheit die Dichtung des Eilhart und die Tristanfort- 
setzung des Ulr. v. Türheim nachgewiesen worden. Der Dichter 
hat seine Vorlagen teilweise getreu, teilweise in freier Benutzung 
und zwar nebeneinander verarbeitet. Ein Beispiel dieser Ver- 



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176 

arbeitung ist v. 4095 — 5718. Daraus ergeben sich hunderte von 
wörtlichen Übereinstimmungen mit diesen Vorgängern s. Wie- 
gandt und Singer. 

3. Heinrich hat für einzelne Teile auch von Gotfried schon 
Erzähltes wieder aufgenommen und in freier Weise wiederholt, 1 ) 
ebenso hat er gelegentlich einzelne Motive aus Gotfrieds Werk 
überhaupt benutzt. Auf dieselbe Weise erklären sich auch die 
französischen Brocken bei Heinr. vgl. la fossiure a lu gent amant 
3324, bei Gotfried 16704. deus sal (oder de vus sal), hurtvis 
kumpan 1199 ff. 4067 ff. vgl. Gotfr. 741. 2679. 13137 ff. 13301 ff. 
Meldt petit von Aquitän 5282, vgl. Gotfr. 14244. Ein und das 
andere fand sich auch bei Ulrich. 

4. Heinrich hat für einzelne Züge und gröfsere Partien 
andere höfische Dichter ausgebeutet, so vornehmlich für eine 
gröfsere Partie Wolfram, auch ein gröfseres Motiv Wirnts 
Wigalois entnommen und, wie es scheint, die Anregung zu dem 
astronomischen Vergleiche 225 ff. aus Ulr. v. Eschenbachs Alex. 
geschöpft. 2 ) Kenntnis und Benutzung dieser und anderer höfi- 
scher Epen der Vorgänger wurde anderweitig nachgewiesen. 

5. Heinrichs Dichterbegabung ist die freie Gestaltung ein- 
zelner Partien sowie die Erfindung kleinerer Motive, die einer 
natürlicheren und poetischen Verwertung des Überlieferten zugute 
kommen, zuzutrauen. Beweis dafür sind die ihm sicher zuzu- 
schreibende Einleitung sowie die kleineren Schöpfungen der 
Ritterfahrt und des Schwankes, für die eine Vorlage nicht an- 
genommen werden darf. 

So glaube ich wahrscheinlich gemacht zu haben, dafs Heinr. 
v. Freiberg aufser Gotfried nur die Dichtungen Eilharts und 
Ulrichs v. Türheim zur Vorlage gehabt habe. Seine Tristan- 
fortsetzung ist sonach eine freiere Darstellung des letzten Teiles 
der Tristansage nach der Berolschen Fassung, wobei das freie 
Schaffen des Dichters sich mehr in der Verbindung als in der 
Erfindung der Motive ausspricht. 3 ) Die stilistische Fassung der 



*) Die Erzählung von der Minnegrotte wohl deshalb, weil sie nach der 
Berolschen Version eben erst an dieser Stelle folgte. 

2 ) Vielleicht gehen auch die strophenartigen Ausrufe auf Tristans Tod 
v. 6414 ff. auf Ulr. v. Eschenbachs Darstellung im Alex, zurück, wo 8 Meister 
Alexanders Tod beklagen. 27250—27525. 

8 ) Einen ähnlichen Vorgang schlug auch der tschechische Bearbeiter 
der Tristansage ein. 



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177 

Erzählung ist zum gröfsten Teile — soviel auch engere und 
wörtliche Anlehnungen an Eilhart und Ulrich sowie an andere 
höfische Dichter vorliegen — Heinrichs freies Eigentum und 
darum ist seiner Kunst auch von der Seite der stilistischen Be- 
wertung das gröfste Lob zu spenden. 

Der Einwurf liegt nahe, dafs Heinrich wirklich eine Quelle 
der Berolschen Version benutzt, in der die Sage schon in dem 
von Heinrich wiedergegebenen Zusammenhange vorgelegen habe, 
und vielleicht im engsten Anschlüsse übersetzt haben könne. Ein 
solcher Einwurf wäre hinfällig, da sich sonst die hunderte von 
wörtlichen Übereinstimmungen mit Eilhart und Ulrich nicht er- 
klären liefsen, die sich öfter über ganze Versreihen erstrecken, 
wie sie von Wiegandt und Singer, soweit sich das eben durch 
Parallelstellen zeigen liefs, nachgewiesen wurden. 

Der Hinweis auf eine wenigstens durch ein Bruchstück er- 
haltene niederdeutsche Tristandichtung, die die ganze Sage, sicher 
aber den Schlufs enthielt — Lambel, Germ. 26, 356. Titz, Zfda. 
25, 248 — ist für unsere Frage ebenfalls ohne Belang, da diese 
Version, soviel ersichtlich, dem Thomasgedichte folgte, also als 
Heinrichs Quelle kaum in Betracht kommt. Das Fragment selber 
stammt übrigens nach Lambels Bestimmung aus dem Anfang des 
14. Jahrhunderts. 



Bernt, Heinrich von Freiberg. m 



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VI. 

Persönlichkeit des Dichters. 



Die historische Persönlichkeit Heinrichs von Freiberg ist 
uns wie die vieler anderer mhd. Dichter auch heute noch ein 
schwankender Schatten. Auch meine eingehenden Studien der 
Urkunden Böhmens und der Nachbargebiete werden die Gestalt 
nur in schwacher Beleuchtung erkennen lassen. Und meine Ver- 
mutung über die Person des Dichters, die ich durch einige Ur- 
kunden zu begründen glaube, wird bis auf weiteres doch nur 
eine mehr oder minder ansprechende Hypothese bleiben. Was 
ich aber im hohen Grade wahrscheinlich gemacht zu haben 
hoffe, ist die annähernde Bestimmung der Abfassungszeit des 
Tristan sowie die zeitliche und äufsere Sphäre, in der unser 
Dichter gelebt haben mag. 

Bürger mit dem Zusatz de Friberc fanden sich in ver- 
schiedenen Städten Mitteldeutschlands, vgl. Bech, Germ. XIX, 
420 und Cod. dipl. Sax. reg. II 9, 11. II 1, 29. II 1, 27. II 1, 19—21. 
In Freiberg selbst gab es Männer dieses Namens genug; aus 
dem 14. u. 15. Jh.: vgl. z. B. cod. dipl. Sax. II 14, 413 ff. H 12, 
438 und 215, 256, 535. Aber auch ein adeliges Geschlecht mufs 
von dieser Stadt seinen Namen und Ursprung haben, vgl. cod. 
dipl. Sax. 14, 477. 12, 104. Ein Albert de Friberc verkauft sein 
Allod bei der Stadt im Jahre 1258 (cod. II 12, 17). Das Geschlecht 
kommt Mitte des 15. Jahrhunderts wieder in den Besitz des 
Gutes Freibergsdorf vor der Stadt und bleibt es bis 1591. In 
diesem Jahre stirbt Heinrich Freiberger, der letzte seines Stammes; 
Helm und Schild wird auf sein Grab gelegt. Vgl. zur Sache 
auch Kiessling, Mitteil, des Freiberger Altertumvereins 1892, 
1—34. 



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179 

Aber nicht der geringste Anhaltspunkt zeigt sich, unseren 
Dichter mit einem bürgerlichen oder adeligen Geschlechte in 
Freiberg oder einer anderen Stadt in Verbindung zu bringen. 
Dafs der Dichter aber in Böhmen gedichtet hat, ist der feste 
Punkt der historischen Voraussetzungen. 

Der äufserliche Anschlufs an den Ortsnamen Friberc könnte 
sonach noch auf zwei Vermutungen führen. Friedberg in Süd- 
böhmen liegt in der Nachbarschaft des Weleschin, welches von 
1283 an jenem Johann von Michelsberg gehörte, für den Heinr. 
die Ritterfahrt nach Paris beschrieben hat. Es erscheint in den 
Urkunden auch als Friberg, Fryburg, so noch im Taiding von 
1654 — 97 (Mitteilungen des Vereins f. Gesch. d. Deutsch, i. B. 
XV 191). Doch ist die Aussprache des Namens der Etymologie 
entsprechend noch heute Fribberc. Die Gegend gehört dem bair. 
österr. Dialektgebiete an und schon dieser Umstand genügt, ab- 
gesehen von dem Namen und sonstigen historischen Gründen, 
dieses Friedberg aufser Berechnung zu lassen. Auch das Frei- 
berg im nördlichen Mähren bietet keinen Anhaltspunkt. Das 
bedeutende Grafengeschlecht derer von Friburc, auch Friberc, 
Pribor hat mit unserem Dichter nichts zu tun. Comites Bludo 
et Henricus sind urkundlich von 1292 an zu belegen (Erben und 
Emier, Regesta dipl. Bohemiae II 687. 758. 794. 831. 924 ff. 
Boczek, Cod. dipl. Moraviae IV 392. V 13. 74. 143). Doch ergibt 
sich klärlich aus den Belegen, dafs dieser Graf Heinrich nie die 
Rolle eines armen Dichters, der für fremde Gönner schreibt, ein- 
genommen haben kann. Vgl. über das Geschlecht und seine Be- 
deutung auch Dudik, Mährens allgem. Gesch. VII 176. 

So sind wir von vornherein gezwungen, die Zeichnung der 
Persönlichkeit unseres Dichters an seine Werke anzuknüpfen 
und die dort gegebenen Fingerzeige auszunützen. Und diese 
weisen auf die böhmischen Adelsgeschlechter derer von Lichten- 
burg und Michelsberg. 

Der einzige sichere geschichtliche Anknüpfungspunkt für 
die Persönlichkeit unseres Dichters ist der junge Reimund von 
Lichtenburg, für den er seinen Tristan gedichtet hat (v. 53—84). 
Toischers Verdienst ist es, auf ihn zuerst aufmerksam gemacht 
zu haben, Mitteil, des Vereins f. G. d. D. in Böhm. XV 149—152. 
Daran schliefst sich auch unsere Untersuchung. Diesen Reimund 
historisch genau aus den Quellen nachzuweisen und sein Leben 
zu begrenzen, wird uns sehr wichtig werden. Unter diesem Ge- 
rn* 



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180 

Sichtspunkte ist die folgende breite Auseinandersetzung zu be- 
trachten. 

Die Herren von Zittau waren ein vornehmes Adelsgeschlecht, 
welches seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts allenthalben in 
den Urkunden Böhmens und in der Nähe der Könige auftritt. 
Wir beginnen mit dem Brüderpaar Tschastolaus und Heinrich 
(Söhne eines Smil) de Sittavia. Die beiden treten zuerst als 
Zeugen einer Urkunde Pf emysl Ottokars I. als Zcastolo et frater 
ejus Heim-iais auf am 6. Dez. 1219 (Erben u. Emier, Regesta dipl. 
Bohemiae 1 ) I 615). Tschastoslaus (er heilst gewöhnlich de 
Sittavia) tritt in den Urkunden von 1230 (Regesta I 763) 
bis 1250 (Regesta I No. 1247; diesmal mit seinen beiden 
Söhnen) auf. 

Seine Söhne sind Heinrich und Tschastoslaus. Heinrich mit 
seinem Vater zuerst Juni 1249 zu belegen (Regest. I 1232); 
dann wiederholt Endlich als Heinrims filius Chustolai in einer 
Urkunde Ottokars IL vom 22. Okt. 1264 (Regest. II 463). — Der 
zweite Sohn ist Tschastolaus. Er tritt zuerst mit seinem 
Bruder und seinem Vater in einer Urkunde vom 22. Juni 1250 
auf (I 1247). Nach diesen Urkunden wird man schliefsen. 
Tschastoslaus von Zittau, der zwischen 1219—1250 in böhmischen 
Urkunden zu finden ist, mufs vor 1200 geboren sein. Seine 
Söhne Heinrich (zuerst 1249, zuletzt 1264 belegt) und Tschastos- 
laus (zuerst 1250 belegt) dürften um 1225 geboren sein. 

Der ältere Tschastoslaus besafs einen Bruder Heinrich, 
der in den Urkunden des Landes eine nicht geringere Rolle spielt. 
Er tritt zuerst als Zeuge mit seinem Bruder auf 1219 (Regest. 
I 615), von 1229 an in ununterbrochener Folge [z. B. I 858 als 
Scaztolow cum fratre suo Heinrico praefecto Budisnensi; als 
Henrichs burgramus de Budisin, Mai 1235 (I 874); als bürg- 
gravius et advocatus in Budissin, Sept. 1240 (I 1007); als Hein- 
rimis de Sitauia 1241 (1 1056); als Heinricas de Sitauia 1244 
(I 1094)]; endlich als Henricus castellanus Sitaviensis, der dem 
Hertwig, Bürger von Leitmeritz, seinen Hof in Lobositz emphy- 
teutisch übergibt, 6. Nov. 1248. Leitmeritz (Reg. 1 1215) und noch 
einmal 1248 (Emier addenda 1 11) Henricus et Castolaus fratres. 

Wir finden also Heinrich von Zittau zwischen 1219—1248 
belegt, zwischen 1234 — 40 als Burggraf von Bautzen, dann als 

*) Von nun an blofs als Regesta zitiert. 



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181 

Kastellan von Zittau. Auch er mufs wie sein Bruder vor 1200 
geboren sein. 

Einer seiner Söhne ist Smilo von Zittau, später von 
Lichtenburg, der an der Seite Ottokars II. eine bedeutende 
Rolle spielte. 1 ) Wir finden ihn zuerst als Zmilo filius Henrici 
de Sytauia, Sept. 1243, als Zeuge einer Urkunde König Wenzels 
(1 1084); als Smilo de Syttauia, Juli 1249 (I 1235), ebenso Juni 
1250 (1 1247). In dieser Zeit geht in seinem Leben eine wichtige 
Veränderung vor sich; er erscheint nunmehr als Besitzer be- 
deutender Güter im südöstl. Böhmen, in der Nähe von Deutsch- 
brod, und tritt fortan als Herr von Lichtenburg auf. 

So verkauft er am 24. August 1251 als Smil de Ldchtenburc 
seine Güter in Lobositz an das Kloster Mariazell in Meifsen 
(Regesta IV 2084. Lippert, Gesch. d. Stadt Leitmeritz 1871 s. 152. 
Schlesinger 313). Im selben Jahre treffen wir ihn in einer Ur- 
kunde Pf emysl Ottok. als Smilo de Lvochtenburc mit seinem Sohne 
in Südböhmen (Regesta 1 1279). Weitere Belege als de Luchtem- 
burc, seltener als filius Henrici ununterbrochen bis 1269. In 

l ) Die merkwürdige Annahme Schlesingers (Mitteil, des Vereins f. Gesch. 
XXIII. 312), der gegen alle Geschichtsschreiber behauptet, dafs Smilo nicht 
der Sohn der älteren Heinrich sei, sondern des jüngeren Heinrich, also der 
ältere Tschastoslaus nicht sein Oheim, sondern sein Grofsvater, ist ganz un- 
haltbar. Sie wird auch schon durch die einfache Erwägung widerlegt, dafs 
Heinrich der Jüngere, Sohn des Tschastoslaus, der angebliche Vater des Smilo, 
erst seit 1249 in den Urkunden erscheint, während Smilo, der sein Sohn sein 
soll, schon 1243 als Zmilo filius Henrici de Sytauia auftritt, welcher Heinrich 
nur der ältere, zwischen 1219 — 48 zu belegende Burggraf von Bautzen sein 
kann, aufserdem dafs Smilo schon 1256 einen heiratsfähigen Sohn besitzt. Un- 
begründet ist auch der Zweifel Schlesingers (ebd. s. 313), dafs die älteren 
Brüder Tschastoslaus und Heinrich Söhne eines am Anfang des 13. Jahrhunderts 
zu belegenden Smilo gewesen seien. — Ich bemerke, dafs Schlesinger in seiner 
Monographie über die deutsche Sprachinsel von Iglau (Mitteilungen XX III. 
305 — 373) auch eine eingehende Darstellung des Wachsens und der politischen 
Stellung der Lichtenburger im 13. Jh. gegeben hat, die ich jedoch nicht zur 
Grundlage meiner auf selbständiger Benutzung der Urkunden beruhender Dar- 
stellung mache, umsomehr als meine Resultate, die vorwiegend auf Bestimmung 
der Lebensgrenze der einzelnen Generationen abzielen, in nicht unwichtigen 
Punkten von Schlesinger abweichen. Schlesinger stand übrigens der 3. und 
4. Band von Erben -Emiers Regesten, die wichtige Urkunden z.B. über Rei- 
mund enthalten, noch nicht zur Verfügung. Insoferne dürfte meine Zusam- 
menstellung über die Lichtenburger auch für den Genealogen nicht ganz ohne 
Interesse sein, wenn ich auch das politische "Wirken des Geschlechtes nicht 
in Betracht ziehe. 



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182 

einer Urkunde, die Fr. Ludwig, Kommendator des Hospitals St. 
Mariae vom deutschen Orden in Dobrowitz ausstellt (er verzichtet 
auf die Rechte um Deutschbrod) — Emier setzt die Urkunde 
um das Jahr 1270 (Reg. II 712) — heilst es: qnod ad instantiam 
et gratiam nobilis uiri, felicis recordationis d. Zmilmis dicti 
de Lichtenburg, baronis illustris etc. Am 8. Juni 1278, als seine 
4 Söhne die Rechte und Freiheiten von Deutschbrod bestätigen, 
erwähnen sie ihren Vater, der die Rechte verliehen hat (Reg. II 
1119). Smilo von Lichtenburg dürfte also nicht lange vor 1278 
gestorben sein. Sein Verstummen in den königlichen Urkunden 
der 70er Jahre bedeutet nichts, da er in den letzten Jahren die 
Gunst Ottokars verloren hatte. Das beweist uns eine Urkunde 
vom 7. Dez. 1278, Köln (Regest. II 1157), in welcher Otto von 
Brandenburg dem Heimannus de Luchtenbarch, Smilos Sohn, die 
seinem Vater von König Ottokar genommenen Güter und Rechte 
wiedererstattet. 1 ) 

Wir schlief sen: Smilo von Lichtenburg, in den böhmischen 
Urkunden von 1243 — 69 belegt, gestorben gegen das Jahr 1278, 
wird (auch mit Rücksicht darauf, dafs er im J. 1256 einen hei- 
ratsfähigen Sohn besitzt) um 1210 geboren sein. 

Heinrich, der älteste Sohn Smilos, ist wohl gemeint in 
der Urkunde Ottokars von 1251 (bei Netolitz), wo Smilo cum 
filio suo als Zeugen auftreten (Regest. 1 1279) ; dafs er damals 
noch jung gewesen sein mufs, ergibt sich aus der Tatsache, dafs 
Heinrich erst 1257 heiratet und erst von 1261 an in den De- 
kreten des Königs testiert. Wir belegen ihn in der päpstlichen 
Heiratslizenz (wegen naher Verwandtschaft) vom 28. Dez. 1256 
(Regest. II 121). 1257 schenkt Smilo cum assensu filii nostri 
Henrici den Nachbarklöstern den Zehent von seinem Silberberg- 
werke (II 165). Dann ununterbrochen in den Urkunden von 1261 
bis 1289, auch als marschalcus Boemiae. Zuletzt als Zeuge am 
16. Sept. 1290 apud Crummenowe (II 1513) und am 9. Nov. 1290 
als Zeuge einer Urkunde König Wenzels (Regest. IV 1880). Am 
9. Jan. 1306 wird Hinco didus Crussina filius qaondam Haymanni 
de Luchtenburch, also Heinrich selbst als tot erwähnt (Regest. 
II 2070). 

Nach diesen Belegen scheint Heinrich, der Sohn des Smilo, 
zwischen 1261—90 in den Landesurkunden belegt, da er 1256/7 
heiratet, um 1235 geboren zu sein. 

*) Darüber Schlesinger s. 319. 



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183 

Seine Brüder sind Smilo, Ulrich und Reimund. Ich 
schicke eine Bemerkung voraus. Als der Vater Smilo 1251 in 
Netolitz urkundet (s. ob.), heilst es cum filio suo\ das kann nur 
der älteste, Heinrich, sein. Und als Smilo im Jahre 1257 den Zehent 
von seinem Bergwerke an die Klöster Sedletz, Saar und Hra- 
diSte schenkt, heilst es cum assensu filii nostri Henrici (Reg. II 
165). Die jüngeren Söhne scheinen in einer Rechtsfrage noch 
nicht in Betracht zu kommen; der älteste, Heinrich, aber hat 
schon geheiratet. Sonach dürfte der Geburtsunterschied zwischen 
ihm und den jüngeren Brüdern ein ziemlich bedeutender gewesen 
sein. Die Urkunden bestätigen es. Am 17. Okt. 1267 aber, als 
Smilo in einer Urkunde auf den Hof Polet (Reg. II 562) ver- 
zichtet, heifst es schon „nos una cum pueris nostris ad honorem 
b. virginis . . . cedimus de omni jure nostro". 

Smilo, der zweite Sohn Smilos von Lichtenburg, wird 
zuerst namentlich erwähnt in einer Privaturkunde vom 14. April 
1262, in der sein Vater dem Kloster Saar eine Schenkung macht. 
Als Zeugen treten auf ipsa domina Elisabeth de Luchtmburc et 
ßius eins Zmilo, dann die Schwägerin Smilos, Eufemia, mit ihren 
beiden Söhnen und der Burggraf in Lichtenburg, Buslaus (Regest. 
II 354). Auch nach dieser Erwähnung scheint Smilo kaum selbst 
noch („ihr Sohn") oder wenigstens erst allein von den jüngeren 
Söhnen in Betracht zu kommen; denn die beiden jüngeren Brüder 
Ulrich und Reimund werden in der auf dem eigenen Schlosse 1 ) 
ausgestellten Urkunde noch nicht erwähnt. Smilo findet sich in 
den Urkunden erst im Jahre 1278, in der die 4 Brüder nach dem 
Tode des Vaters die Freiheiten von Deutschbrod bestätigen 
(Regest. II 1119). Er tritt nicht in wichtigen Landesurkunden 
auf; wir finden ihn 1281 (2 Urk.), 1282, 1283, 1287, 1288, in 
welchem Jahre er mit seinem Bruder Ulrich vom Kloster Wil- 
helmszeil zwei Dörfer zur Besiedelung übernimmt (Regest. II 1456). 
Im weiteren ist er nicht mehr zu belegen. 

Der dritte Sohn ist Ulrich. Er erscheint zuerst in der 
mehrfach genannten Urkunde mit der Bestätigung der Rechte 
von Deutschbrod zusammen mit seinen Brüdern 1278. Darauf, 
meist in Begleitung seiner Brüder, 1281 bis 1310. Endlich am 
5. Mai 1313, wo er als Ulricus de Leiwhtembury, purgravius Pra- 

*) Die Lichtenburg liegt beim Dorfe Pohrad der Ronower Herrschaft; 
das zweite Schlofs war die Sommerburg bei Deutschbrod. 



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184 

gensis, testiert (HE 135). Wann Ulrich gestorben, ist unsicher. Nach 
dem Gesagten scheinen die jüngeren Söhne Smilo, Ulrich und Rei- 
mund in einem bedeutenden Abstände von dem älteren Heinrich, der 
schon 1256/7 heiratet, geboren zu sein. Sicher kommen sie 1257 
noch nicht in Rechtssachen in Betracht, Smilo zuerst 1262, und 
da nur in Zusammenstellung mit seiner Mutter. Dafs die jüng- 
sten, Ulrich und Reimund, erst nach 1250 geboren sind, ist mir 
nach dem ganzen Stande sehr wahrscheinlich. Da Reimund bis 
1329 in den Urkunden auftritt, dürfte mein Ansatz, dafs er um 
1255 geboren ist, kaum Widerspruch begegnen. Diesen Ansatz 
wird das folgende Urkundenmaterial beleuchten. 

Reimund von Lichtenburg, der Gönner unseres 
Dichters, ist der jüngste Sohn des Smilo. Er urkundet zuerst 
in der mehrfach erwähnten Bestätigungsurkunde vom 8. Juni 
1278. Von da an tritt er in Urkunden privatrechtlicher Natur 
und später in den königlichen Akten auf, denn er scheint die 
politische Rolle seines ältesten Bruders Heinrich in seinem Ver- 
hältnisse zu den Königen des Landes übernommen zu haben. 
Vgl. darüber Schlesinger, Mitteilungen XXIIL 329 — 335. In 
privatrechtlichen Urkunden von 1281 an. In öffentlicher Stellung 
erscheint er am 28. Okt. 1298 (Regest. II 1820) als capitaneus 
Morauie. Dann wieder 1303 (3 Urk.). Dann als Günstling 
König Wenzels, der ihm ein Dorf zu freiem Besitze schenkt, am 
2. Dez. 1305 (Regest II 2065). Am 5. April 1306 als aistos sil- 
tiarum per Boemiam et Moraviam (II 2086). Am 8. Okt. desselben 
Jahres wird er durch König Albrecht in seinen Gütern und 
Privilegien bestätigt (II 2110). Am 23. Okt. erscheint er in einer 
Urkunde des Prager Bischofs Johann als subcamerarias (II 2112). 
Am 20. Aug. 1307 bezeugt ihm König Heinrich von Böhmen sein 
Vertrauen durch Übergabe des castrum Byetow (II 2136). Am 
27. Aug. (II 2138) erscheint der Unterkämmerer in einer für den 
König wichtigen Geldangelegenheit; ähnlich am 28. Aug. Dann 
in einem Gütertausche mit dem Abte von Wilhelmszeil am 
16. Okt. 1307 (II 2152), der am 16. Dez. vom Prager Bischof be- 
stätigt wird (II 2160). Am 19. Okt. war er übrigens bereits 
Kämmerer des Königreichs Böhmen (II 2154). Ich erwähne noch 
die folgenden Urkunden, um die wichtige Rolle, die er in der 
Zeitgeschichte spielt, wenigstens anzudeuten. 1308 (5 Urk.), 1310 
(3 Urk.), 1313 (2), 1314, 1316 (hier tritt sein Sohn Heinrich auf), 
1317, 1318 (2 Urk.); erwähnt wird er in Urkunden des Königs 



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185 

Johann am 3. Sept. und 19. Dez. 1319 als fidelis noster Remundus 
de L. (III 522 und 546); erwähnt wird er auch von Heinrich 
von Leipa als Oheim Reimundus de L. am 1. Dez. 1321 (III 740), 
endlich wieder von König Johann als fidelis noster am 4. Febr. 
1327 (Regest. III 1270) und am 1. Juni 1329 verspricht König 
Johann dem Remundo de Luhtemburch, wenn er seine Patronats- 
rechte im Kloster Jarmiritz auf Sedletz übertragen wolle, werde 
dies kein Präjudiz für die anderen Kirchen seines Gebietes sein 
(III 1568). — Mit diesem Datum scheidet sein Name aus den 
Urkunden des Landes, er wird um diese Zeit wohl gestorben 
sein. Da wir oben seine Geburt mit Wahrscheinlichkeit um 1255 
ansetzen konnten, wäre er, wenn wir 1329 als sein Todesjahr 
fassen, wozu übrigens ein zwingender Grund nicht vorliegt, min- 
destens 75 Jahre alt geworden. 

Nun die Folgerungen: Bei der Unmöglichkeit, die Ge- 
stalt unseres Dichters urkundlich sicher zu belegen, suchten wir 
möglichst sichere Daten für Reimund von Lichtenburg, und um 
das Ergebnis auf eine festere Basis zu stellen, haben wir das 
Geschlecht der Lichtenburger durch ein volles Jahrhundert ver- 
folgt, um die Altersgrenzen von drei Generationen mit einiger 
Sicherheit festzustellen. Mein Zweck scheint erreicht, denn die 
Lebensdaten unseres Reimund von Lichtenburg können wir mit 
ziemlicher Klarheit überschauen. Wir konnten ihn uns als Knaben 
denken, der in den Rechtsfragen der Familie nicht mitredet, und 
konnten sein reiches Wirken von 1278 bis 1329 verfolgen. 
Konnten wir sein Geburtsjahr um 1255 wahrscheinlich macheu, 
so mufs durch diese Lebensgrenzen auch für unseren Dichter 
Heinrich ein fester Hintergrund geschaffen sein. Denn in der 
Einleitung zu seinem Tristan sagt er: daz aber ich dise arbeit 
hän minem sinne vür geleit, daz niacliet eines Mrren tugent; sin 
höhez add, sin edele jugent ez mir gebot und mich sin bat usw. 
— er ist auch under schilde ein ritter vrech und gar kurtois und 
ist ein Lichtenburgonois. von Lichtenburc ist er genant, sin name 
in eren ist bekant und ist genennet er Reinmunt. 

Daraus ersehen wir, dafs Reimund als ein junger Ritter 
durch Auftrag und Bitte den Dichter zu seinem Werke angeregt 
hat. Und das Wort jugent v. 56 ist Heinrich nicht ein billiges 
Reimwort, dem keine Bedeutung zukommt, jugent wird in Hein- 
richs Gedichten als Reimwort überhaupt nur noch dreimal ver- 
wendet v. 1659. 1883. 2003 und steht jedesmal am rechten Platze. 



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186 

Es ist unleugbar, Reimund war, als Heinrich seinen Tristan 
dichtete, noch jung. Und gehen wir dem Begriffe junc hier auf 
den Inhalt, so werden wir keinem Widerspruch begegnen, wenn 
wir 35 Jahre als oberste Grenze der „Jugend" aufstellen. Wir 
dürfen, ohne Zwang anzuwenden, Reimund nicht älter machen. 
In der Überzeugung, H. v. Freiberg habe für den jungen Rei- 
mund gedichtet, bestärkt uns v. 1728 ff., wo von den Sitten des 
ritterlichen Zweikampfes gesprochen ist: pflege man des selben 
siten noch, man vunde in mangem lande noch junge Tristande. 
Dafs dieser lobende Seitenblick an die Adresse des jungen 
Gönners gerichtet ist, wird man mit Wahrscheinlichkeit ver- 
muten können. 

Nehmen wir 30—35 Jahre 1 ) als das Alter des jungen Ritters 
und c. 1255 als Geburtsjahr Reimunds, so kommt man auf die 
Jahre 1285—1290 als die ungefähre Entstehungszeit der Tristan- 
fortsetzung. Die Beendigung des Werkes ist also mit be- 
gründeter Wahrscheinlichkeit um 1290 zu fixieren. 2 ) 

Schon aus einem inneren Grunde müfsten wir auf diese 
Zeit raten. Man lese die Einleitung mit der Lobrede auf den 
ritterlichen, mit allen höfischen Tugenden (Treue und Zucht, 
Ritterwürde, Mäfsigung und Einsicht, Mannhaftigkeit und mildem 
Sinn) ausgestatteten Gönner. Man wird in dem Gegenstande 
dieses mit den höfischen Farben gemalten Idealbildes gewils nur 
den Reimund der jüngeren Jahre sehen können, nicht den in 
den Wirren und Kämpfen Böhmens vielbeschäftigten Mann der 
Jahre 1295 — 1320, der unter den verschiedenen Königen seine 
Machtstellung nicht immer mit den reinsten Mitteln wahren 
mufste. 

Neben der Widmung an Reimund von Lichtenburg ist in 
der Dichtung noch eine Stelle, die uns eine Beziehung auf die 
Lichtenburger zu haben scheint; es ist v. 6800 ff. Diese An- 
spielung Heinrichs scheint mir durch die alten Sitze der Lichten- 



l ) Zu jung darf man ihn natürlich auch nicht annehmen, weil in der 
Einleitung v. 66 ff. wohl doch nicht ohne Grund von Reimund als einem in 
Ritterdingen erprobten Manne gesprochen ist. 

8 ) Dafs Heinrich an dem Werke nicht lange Zeit gearbeitet hat, ist bei 
6890 Versen begreiflich. Auch ist der Tristan in Ton, Sprache und in allen 
Fragen der Kuustform so einheitlich, dafs wir die Arbeit kaum unterbrochen 
denken dürfen, v. 1728 ff. scheinen noch völlig auf den Ton der Einleitung 
gestimmt. 



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187 

burger, der Herren von Zittau, erklärlich zu sein, vgl. S. 180. 
Noch Smilo von Lichtenburg, der Vater Reimunds, der um 1210 
geboren sein wird, hat vor der Übernahme der Deutschbroder 
Besitzungen (im Jahre 1251) die Gründung des Klosters Marien- 
stern in der Lausitz als bemerkenswertes Ereignis erlebt. Denn 
am 13. Okt. 1248 überweisen Bernhard 111. von Kamenz und 
seine zwei Brüder dem von ihnen zu gründenden Cisterc. Nonnen- 
kloster als Ausstattung unter anderem die Pfarrei Kamenz mit 
allen Einkünften (Cod. dipl. Sax. II. 7, 2). Das Kloster führt den 
Namen Marienstern (daneben Mergenstern, Stella sanctae Mariae). 
1249 wird es von dem Bischof von Meifsen und 1264 von den 
Landgrafen von Brandenburg bestätigt. In den Ordensverband 
wird es 1264 von den Äbten zu Pforte und Osseg aufgenommen. 
Am 18. Okt. 1263 besteht das Kloster wohl schon, wie aus einer 
Bestimmung des Bischofs Alb. von Meifsen hervorgeht, der ihm 
grofse Einkünfte zuweist (Cod. dipl. Sax. IL 7, 3). Es wird auch 
sonst oft erwähnt. Vgl. A. Hitschfel in Xenia Bernhard. 111. 417 
und besonders H. Knothe, Urkundl. Geschichte des Jungfrauen- 
klosters Marienstern 1871, 2 ff., und Knauth, Mitteilungen des 
Freiberger Altertumsvereins XXIII. 97, der angibt, dafs der Bau 
1284 vollendet gewesen. So läge die Vollendung der Kloster- 
gründung nicht zu lange vor dem Abschlüsse des Tristan, an 
sich schon ein bedeutsamer Umstand. 

Für mich liegt eine Vermutung nahe. Wenn der Dichter 
im Tristan nach dem Tode der Liebenden den König Marke das 
Kloster Marienstern stiften läfst, „das in allen deutschen Zungen 
bekannt ist", so scheint mir dieses auffällige Zusammenbringen 
des „guten Königs" mit dem Lausitzer Kloster irgend einen Zu- 
sammenhang mit dem Geschlechte der Lichtenburger zu bedeuten, 
welchen der Dichter ein Kompliment machen wollte. Welcher 
Art diese Beziehung gewesen, kann ich nur vermuten. Das 
Urkundenmaterial für das Kloster, soweit ich es einsehen konnte, 
bot mir keinen Anhaltspunkt. Doch denke ich, dafs die Herren 
de Sittavia, vornehmlich Heinrich von Zittau, der Burggraf von 
Bautzen und Kastellan von Zittau, und vielleicht auch sein Sohn 
Smilo, der Vater Reimunds, mit der Gründung des Klosters in 
einem Zusammenhange gestanden seien ; denn das Kloster brauchte 
bis zu seiner völligen Ausgestaltung lange Jahre und leicht 
können die Lichtenburger durch Förderung und Schenkung mit 
dem Kloster in Verbindung gekommen sein. Vielleicht kann der 



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188 

Spezialforscher sichere Belege bieten. Unter den Gütererwer- 
bungen und Einkünften des Klosters, die Knothe 8 t und 21 ff. 
verzeichnet, findet sich keine Andeutung. Dafs die Stelle im 
Tristan eine Beziehung auf das Geschlecht der aus der Lausitz 
stammenden Lichtenburger habe, scheint der Erwägung wert 1 ) 

Ziehen wir nun den Dichter als Verfasser der Ritterfahrt 
des Johann von Michelsberg in Betracht. 2 ) Auch über diesen 
Ritter gab uns Toischer, Mitteilungen (des Ver. f. Gesch. d. D. in 
Böhmen) XV. 149 die erste Nachricht. Es war eine abenteuer- 
liche Ritterfahrt des böhmischen Herrn. In Böhmen hatte die 
deutsche Ritterpoesie vornehmlich unter Wenzel II. einen neuen 
Aufschwung erlebt, oder besser, sie hatte sich hier noch nicht 
überlebt, während sie im übrigen Deutschland längst ihren Höhe- 
punkt überschritten hatte. Ein Ausflufs der durch die höfische 
Dichtung angeregten Abenteuerlust scheint jene Aufsehen er- 
regende Ritterfahrt gewesen zu sein. 

Johann von Michelsberg findet sich in den böhmischen 
Urkunden zuerst am 28. Aug. 1283 (Regesta II 1298), in welchem 
Jahre ihm König Wenzel die Burgen Weleschin, Scharfenstein 
und Dewin schenkt, wofür Johann ihm drei Dörfer überlief s. 
Am 18. Dez. 1287 schenkt Johann dem Nonnenkloster Mariental 
das Dorf „Slekel" (Regest. II 1426). Am 10. Jan. 1289 tritt er 
als pincernu des Königs als Zeuge in einer Urkunde des Herzogs 
Kasimir von Oppeln auf (Regest II 1466). Er wird in einer Ur- 
kunde König Wenzels erwähnt am 3. Juli 1292 (II 1581), gewährt 
dem Kloster Goldenkron Zollfreiheit für sein Gebiet am 6. Mai 
1294 (II 1644) und erscheint am 20. Juni desselben Jahres als 



1 ) Denn dafs eine dichterische Identifizierung Markes mit Bernhard m. 
von Kamenz, dem eigentlichen Stifter und eifrigsten Förderer des Klosters, 
noch bei seinen Lebzeiten zu denken sei, wäre doch merkwürdig. Allerdings 
spielte diese bedeutende Persönlichkeit in den Jahren 1290—1293 am Hofe 
König Wenzels II. zu Prag eine wichtige Rolle, bevor die Wahl zum Bischof 
von Meifsen erfolgte, als welcher Bernhard 1296 starb. So hat er 1292 die 
Kurstimme Böhmens bei der Frankfurter Königswahl abgegeben, s. Knothe, 
Gesch. des Jungfr.-Klosters Marienstern 1871, 18. 

2 ) Die Michelsberge sind eine Seitenlinie der in Nordböhmen weit- 
verzweigten und bedeutenden Familie der Wartenberge. Darüber vgl. jetzt 
Fr. Bernau, Studien und Materialien zur Spezialgeschichte in Böhmen. Prag 
1903, s. 650 f. Die Michelsberge haben das alte Wappen der Familie, den 
Löwen, bewahrt. Die bedeutenden Trümmer ihrer Stammburg Michelsberg 
befinden sich bei dem Dorfe Michalowitz an der Iser. 



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189 

Zeuge einer Urkunde in Prag (II 1653). Am 22. Juni 1306 be- 
stätigt sein Sohn Benesch dem Kloster Goldenkron die oben- 
genannte Vergünstigung (II 2093) und erwähnt seinen Vater als 
tot. Da die Klosterleute wohl bald nach dem Tode des Ritters 
um Erneuerung ihres Privilegiums angesucht haben werden, ist 
anzunehmen, dafs Johann von Michelsberg etwa 1305/6 ge- 
storben ist. 

In welchem Jahre nun die abenteuerliche Turnierfahrt nach 
Paris stattfand, ist ungewifs. Aufser unserem Dichter haben 
wir darüber nur noch eine Erwähnung in einem tschechischen 
Chronisten, dem sogenannten Dalimil. Hier wird die Ritterfahrt 
zwischen Ereignissen der Jahre 1293 und 1296 berührt. Auch 
in der prosaischen deutschen Bearbeitung dieser Chronik wird 
die Fahrt erwähnt: daz geschach noch Chr. gepurt tausent zwey- 
hundert und lxxxxvii jar. dieselben czeyt her Jan von Michels- 
pergk czog noch ritterschafft pis gen Parys vnd Jcom denselben 
wegk her wider mit eren vnd an schaden. Danach werden wir 
in das Jahr 1297 verwiesen. Wir haben keinen Anhaltspunkt, 
diese Angaben richtig zu stellen, und müssen uns mit diesen 
Daten begnügen. Dafs ein Ritter auch noch in späteren Lebens- 
jahren solche ritterliche Unternehmungen lieben konnte, zeigt 
uns die abenteuerliche Gestalt Ulrichs von Lichtenstein. 

Ein Weg, von anderer Seite Licht in die Sache zu bringen, 
schien mir die Untersuchung französischer Quellen zu sein. Auch 
ein französischer Chronist konnte das Turnier des böhmischen 
Herrn erwähnt haben und vielleicht waren die beiden ritterlichen 
Gegner Johanns, die das Gedicht v. 222 und 268 überliefert, in 
französischen Urkunden zu belegen. Ich mufs gestehen, dafs ich 
diesen Weg aus Unkenntnis der französischen Chronikliteratur 
und des Urkundenmaterials nicht gegangen bin. Ich wandte 
mich an Herrn Professor Comu in Graz, der in liebenswürdigem 
Entgegenkommen in den Bänden des Recueil des historiens des 
Gaules et de la Irance nachschlug und konstatierte, dafs dort- 
selbst die Namen Johann v. Michelsberg, von Beiole Anschorant 
und Grinet oder Griuet oder Grillet nicht vorkommen. Aus dem 
Chronicon Guillelmi de Nangiaco {Recueil XX. 579) hob er mir 
freundlichst eine Stelle aus, die der Mitteilung wert ist : Philipjms 
rex Franciae contra Guidonem comitem Flandrianum, qui a fideli- 
tate ejus recesserat, magno apud Compendium congregato exercitu f 
ibidem in festo Pentecostes fratrem suum Litdovicum comitem civi- 



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190 

tatis Ebroicae et alium Ladovicum comitis Clarimontis Roberti 
primogenitum cum aliis centum viginti milites novos fecit Das- 
selbe wird beinahe in denselben Ausdrücken im Chronicon Gri- 
rardi de Fracheto (Reciieil XXI. 15) berichtet. Also am 2. Juni 
1297 fand dieses Fest in Gegenwart des französischen Königs in 
Compifegne statt und die Vermutung, dafs dem hier Erzählten ein 
Turnier vorausgegangen oder gefolgt sei, ist nicht unbegründet 
Wenn der Bericht auch keineswegs mit der Ritterfahrt, welche 
das Turnier in Paris und, wie es scheint, in Friedenszeiten statt- 
finden läfst, übereinstimmt, so mufste.das zeitlich nahestehende 
Ereignis doch erwähnt werden. Vielleicht ist auf dem Wege 
der französischen Quellen noch einmal eine genaue Nachricht 
zu finden. 

Aus dem Gedichte geht klar hervor, dafs der Dichter die 
Turnierfahrt Johanns unter dem frischen Eindruck des Ereignisses 
und noch bei Lebzeiten des Ritters besingt. Man vgl. v. 40 Nu 
blüet ein helt in BeJwimlant und lese den Schlufs des Gedichtes 
v. 318 — 30, der gleichsam eine Anrede an den besungenen Ritter 
ist und ein Versprechen, mehr von ihm zu berichten. Die Ritter- 
fahrt trägt auch ganz den Charakter eines Gelegenheitsgedichtes. 
Die Annahme, dafs das Gedicht nicht lange nach dem Turnier 
und noch zu Lebzeiten Johanns von Michelsberg entstanden sei, 
wird keinem Zweifel begegnen. Dann fällt das Gedicht, 
wenn wir für die Angabe der Chronik einigen Spielraum nach 
vorne und rückwärts zugeben, zwischen 1294—1300, also um 
1297. Dafs die Ritterfahrt nach dem Tristan gedichtet worden 
ist, wird uns nach den Ergebnissen der Stilbeschreibung und 
Metrik 1 ) nicht grofs Wunder nehmen, wenn der Zeitansatz der 
Abfassung auch in Rücksicht des Tristan allen bisherigen An- 
nahmen der Literaturgeschichte entgegen ist. Dafs unser Ansatz 
über die Abfassungszeit richtig ist, zeigt die Übereinstimmung 
des Resultates sowohl auf dem äufseren, historischen, als auch 
auf dem inneren Wege, der die Betrachtung der Form zur Grund- 
lage hat. 

Haben wir nun von den zwei Personen des Lichtenburgers 
und des Michelsbergers aus die zeitliche Entstehung der Gedichte 
Heinrichs zu umgrenzen versucht, so führt die weitere Unter- 
suchung auf die Person des Dichters selbst oder wenigstens auf 



») Vgl. s. 160 ff. 



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191 

die Familie, der er mit Wahrscheinlichkeit zugehört. Auch hier 
gehen wir den trockenen Weg der Urkunden. 

In dem Gebiete des Smilo von Lichtenburg lebte ein Theo- 
dericus Vriberch, dictus de Vriberch, Thiero de Wriberch, Ditricus 
dictus Vriberch als Besitzer von Bergwerken. Am 25. Okt. 1258 
(Sternberg, Umrifs einer Gesch. der böhmischen Bergwerke I. 
2, 20. Regesta II 195) bestätigt der Münzmeister Henricus dictus 
Avis, dafs der Münzmeister Eberhard dem Theoderieo, qui Vri- 
berch dicitur, viro veraci et fide digno und seinem Verwandten 
Gernotus dictus Niger einen Stollen, der „Stollen des Freibergers" 
(stollo Fribergeri) heilst, und einen zweiten Stollen (den „tieferen") 
übergeben habe. Die Lage des Freibergerschachtes wird genau 
angegeben; die Berge, welche ihn umgrenzen, tragen ausschlief s- 
lich deutsche Namen. 1 ) Darunter ist erwähnenswert der alte und 
junge Buchberg. Als Grenzpunkt wird das Dorf des Otto (heute 
Uttendorf) erwähnt. — Diese Zuwendung des Stollens bestätigt 
Zmilo dotninus de L. am 1. Jan. 1259 (Sternberg I. 2, 22. Reg. II 
208), und König Ottokar nimmt den Stollen des Ditricus dictus 
Vriberch von der Jurisdiktion der mährischen Münzmeister aus, 
Urk. vom 9. Jan. 1261, Deutschbrod (Reg. II 292). Bemerkens- 
wert ist der Eingang dieser Urkunde: Notum . . . quod nos dilecto 
fideli nostro Ditrico dicto Vriberch pro suae merita (!) probitatis 
harte gratiam feeimus; erwähnenswert auch, dafs auch hier der 
Stollen liegt apud montem dictum Puchberch. Diese drei Urkunden 
hat bereits Toischer in dem angeführten Aufsatz (Mitteilungen 
XV. 149—52) zum Nachweise eines Geschlechtes de Friberc in 
der Nähe der Lichtenburger herangezogen. Die erste Frage, die 
zu erledigen scheint, ist die, ob unser Ditricus (de) Friberc ein 
Adeliger oder ein Bürgerlicher gewesen sei. Der einzige An- 
haltspunkt in den Urkunden selbst ist die Benennung des Be- 
lehnten durch König Ottokar als dilectus fidelis noster. Die Nach- 
forschungen in den Urkunden Ottokars ergaben mir, dafs aus 
dieser Benennung noch nicht auf eine adelige Persönlichkeit ge- 
schlossen werden kann. Die Umgebung, in der Dietrich sonst 
auftritt, kennzeichnet ihn eher als Bürgerlichen. Das dilectus 

*) Jegerberch, Vberschar, HertwigesbercJi, Breübartesberch, Scubelerberch, 
Helmerichesberch,Buchberchjuvent8etBuchberch antiquus, Lettenberch, Clophur- 
berch, Hohalde, Haberberch et campus incidtm. Es wäre interessant zu wissen, 
ob diese östlich von Deutschbrod liegende und heute tschechisierte Gegend 
noch etwas von diesen alten Flurnamen behalten hat. 



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192 

fidelis mag er durch treue Dienstleistung erworben haben. Ein 
junger Mann scheint er nicht mehr zu sein. 

Ich glaube, unseren Ditricus didus Vriberch auch sonst noch 
belegen zu können. Am 13. Juni 1265 (Regest. II 488) entschied 
die geistliche Oberbehörde einen Kirchenstreit bei Deutschbrod. 
Der Leutpriester Jakob in Pohled l ) beanspruchte die zwei Dörfer 
des Sagittarius und Otto (später Schützendorf und Uttendorf) als 
zu seiner Kirche gehörig, betreffs welcher er mit einem Ditrims 
einen Streit hatte. Zur Verhandlung vor dem Vizearchidiakon 
von Kourschim fand sich Dietrich nicht ein, weshalb die Dörfer 
dem Priester Jakob zugesprochen wurden, welcher nun bat, ihn 
gegen den genannten Dietrich in seinem Besitze zu schützen, 
damit er nicht auch wegen der Kapelle auf dem Buchberg, 
die auf der Grenze beider Gebiete stehe, in neue Beschwernis 
komme. Ditricus jedoch erklärt, dafs er die erwähnte Kapelle 
nicht in seinem, sondern im Namen des Leutpriesters Siegfried 
aus Primizlaus beanspruche. Jakob erweist durch Zeugen, dafs 
die Kapelle zur Kirche Pohled gehöre, und sie wird ihm zu- 
gesprochen. — Hier haben wir also das Dorf des Otto und den 
Buchberg, wo der Freiberger Stollen lag, vgl. s. 191 ; es wird 
keinem Zweifel unterliegen, dafs es Dietrich von Freiberg ist, 
welcher hier im Streite den Kürzeren zieht Zu bemerken ist, 
dafs in dieser Urkunde der Zusatz de Vriberch fehlt. 

Wir gehen noch einen Schritt weiter. Am 1. Nov. 1266 
überläfst der Bischof Bruno von Olmütz, in dessen Diözese das 
erwähnte Gebiet lag, dem Theodorico de Broda, famulo suo, 
und seinen Erben pretextu seruitiorum tuorum nee nan fratris 
tui Johannis militis IV2 mansos, sitos in villa nostra Mathis- 
dorf, zu dauerndem Besitze (Regest II 527).*) 

Wir wissen nun folgendes. Theoderich, genannt von Freiberg, 
erscheint 1258, 1259, 1265 auf den Gütern der Lichtenburger in 
nächster Nähe von Deutschbrod, das als Stadt der Lichtenburger 
auch das Broda Smilonis heilst, und besitzt östlich von der 



*) Pohled ist Frauental , vaüis Mariae. Dortselbst ein Cisterc. Nonnen- 
kloster, also wie in dem oben besprochenen Marienstern. 

*) Bischof Bruno von Olmütz (1245—1281) ist für die Kolonisierung 
Mährens und des östlichen Böhmens, das z. t. zu seiner Diözese gehörte, von 
der gröfsten Bedeutung gewesen. Deutsche Ritter, Bürger und Bauern wurden 
ins Land gerufen und mit ihnen das Land nach deutschem Rechte besiedelt. 
Vgl. z. B. A. Huber, Gesch. Österreichs I. 578. 



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193 

Stadt mehrere Silberschächte, offenbar begünstigt durch dieses 
Adelsgeschlecht. Er scheint nach dem ganzen Auftreten kein 
Adeliger zu sein. Es liegt nahe, ja es ist für jene Zeit fast 
zweifellos, dafs dieser Mann, der als Deutscher den Bergbau in 
der Gegend betreibt, sich in der aufblühenden Stadt Deutsch- 
brod niedergelassen hat. Und in diesem Sinne verstehe ich die 
Urkunde des Olmützer Bischofs vom Jahre 1266, der dem Dietrich 
von Deutschbrod, der sich ihm zu Dank verpflichtet hat, eine 
Schenkung macht. Dafs es unser Dietrich sei, der ursprünglich 
de Vriberc hiefs, welcher Zusatz aber schon in der Urkunde vom 
13. Juni 1265 fehlt, und nun, weil er in oder bei Deutschbrod 
seinen Wohnsitz hat, in Ermangelung einer näheren Bezeichnung 
de Broda heilst, scheint mir sehr wahrscheinlich. Denn als 
Bürgerlicher — nach allem bisherigen ist er einer — der nun 
seit Jahren ortsansässig ist, heilst er naturgemäfs nach seinem 
Wohnsitz. 1 ) Ein ritterliches Geschlecht de Broda ist nicht nach- 
weisbar, auch in jenen ersten Jahren, als die Stadt nur das Brod 
der Lichtenburger war, gar nicht wahrscheinlich. Dafs der 
Bruder dieses Ditricus, der in den Verhältnissen seiner Zeit als 
Stollenbesitzer ein wohlhabender Mann gewesen sein mufs, als 
Ministeriale bei dem Bischof von Olmütz Ritterdienst übte, ist 
für das Jahr 1266 und vornehmlich im östlichen Böhmen und 
Mähren, das hauptsächlich durch deutsche bürgerliche Einwan- 
derung kolonisiert wurde, nichts auffallendes. Und Ritter der 
Lichtenburger oder Brunos von Olmütz zu werden, war sicher 
einem Bürgerssohne ein erstrebenswertes Ziel. Der Bruder des 
Dietrich von Deutschbrod heilst nun Johannes miles und, wie 
wir gleich sagen können, miles des Bischofs, denn unter den 
Zeugen der letzten und für uns äufserst wichtigen Urkunde 
treten auf: Henricus et Johannes de Broda, Otto de Livonia, 
Henricus Struz, milites nostri, et quam plures alil Dafs Hen- 
ricus und Johannes de Broda Verwandte sind, scheint in dieser 
Fassung natürlich, wenn auch nicht notwendig. Johann von 
Brod ist aber nach der Urkunde der Bruder unseres Dietrich. 
Wenn wir nun wissen, dals Dietrich noch einige Jahre zuvor 
sich Ditricus de Vriberch nannte, so hätten wir nun — unter 
Annahme, dafs die obige Zusammenstellung auch die Verwandt- 
schaft der beiden milites beweise — einen Heinrich und Johann 



l ) Derselbe Vorgang unten s. 197 Anmerk. urkundlich belegt. 

Berat, Heinrich von Freiberg, q 



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194 

derselben Familie, die 1266 als Ministeriale des Bischofs von 
Olmütz auftreten, und wir könnten einen Heinrich und Johann 
von Freiberg gefunden haben, vielleicht beide Dichter, denn der 
Verfasser des „Rädleins" ist doch naturgemäfs mit unserem Hein- 
rich in Beziehung zu bringen. 

Ich gehe die Urkunden noch einmal durch, um eine weitere 
Vermutung vorzuführen. In der Urkunde von 1258 (s. 191) stehen 
als Zeugen: capellani d. Zmilonis, videlicet Jacdbus, Henricus de 
ZlappanSy Henriais de Bela; milites Boezlaus burchgrauius,*) 
Beneda, Jursich, Wezzelo de Loh; Henricus curialis, Thiero 
de Wriberch, Gemotus Niger, Conradus Herstul, Stusso et 
alii Ebenso in der Urkunde von 1259. Also zuerst Kapellane, 
dann milites des Lichtenburgers, darauf vereinigt eine Gruppe 
von Zeugen — der von den Herausgebern der Urkunden durch 
Strichpunkt angedeutete Absatz muls doch wohl in dem Origi- 
nale irgend eine Entsprechung haben — unter denen ein Hein- 
ricus curialis und die beiden Verwandten Thiero und Gernot die 
erste Stelle einnehmen. Dieser Heinrich ist anscheinend ein 
Ministeriale der Lichtenburger. Aber die Art, wie er in der 
letzten Gruppe mit den beiden Verwandten Dietrich und Gernot 
vereinigt und doch von den übrigen Zeugen der Gruppe getrennt 
auftritt, legt die Vermutung nahe, dafs der Hofbeamte Heinrich 
den beiden durch Verwandtschaft nahestehe. 

Und diesen Henricus curialis treffen wir noch einmal. Am 
1. Juli 1261. Luchtinburg (Reg. II 324), legt Smilo von Lichten- 
burg einen Streit bei, der zwischen den Bürgern und dem Leut- 
priester in Deutschbrod entstanden war. Da heifst es: ex parte 
vestra qaerela ad nos delata per promratorem uestrum Henri cum 
cvrialem einem nostrum lacrimabilis continebat, quod frater Got- 
fridus y plebanus vester, ibidem divina suspendit. Hier erscheint 
also Heinrich zugleich als Bürger von Deutschbrod. 

Zusammenfassend sagen wir: Auf den Gütern der Lichten- 
burger tritt ein allem Anscheine nach bürgerliches Geschlecht, 
genannt von Freiberg, auf, welches einen Dietrich und seinen 
Verwandten Gernot den Schwarzen aufweist In dem miles Jo- 
hannes des Bischofs von Olmütz aus der Urkunde von 1266 sehen 
wir mit grofser Wahrscheinlichkeit einen Bruder jenes Dietrich, 



*) Uns schon ans der oben s. 183 angeführten Urkunde von 1262 als 
Burggraf von Lichten bürg bekannt. 



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195 

der seinen Wohnsitz in Deutschbrod haben mufs, in dessen 
nächster Nähe, bei Uttendorf und Schützendorf, seine Silber- 
schächte liegen. Auch dafs die als Henricus und Johannes de 
Broda erscheinenden Ritter des Bischofs Verwandte sind, ist 
ziemlich wahrscheinlich. In diesem Heinrich sehen wir den ge- 
suchten Dichter Heinrich von Freiberg. Wäre nun der Hen- 
richs curialis (der Hofbeamte des Smilo von Lichtenburg, dessen 
Sohn eben Reimund ist), der in den Urkunden von 1258/9 mit 
Dietrich von Freiberg zusammen auftritt und uns als Henriette 
curialis und Bürger von Brod wieder 1261 begegnet, derselbe 
Heinrich, den wir in der Urkunde von 1266 als Verwandten des 
Dietrich vermuten? Inwieweit meine Vermutung, die sich auf 
die angeführten Daten stützt, überzeugend wirkt, kann ich heute, 
durch meine Hypothese befangen, nicht entscheiden. 1 ) Wäre nun 
der Ministeriale Heinrich — sei es wirklich der Henricus curialis 
oder auch nur der Uenrims miles von 1266 — unser Dichter, 
so würde sich bei ihm ungezwungen jene Bekanntschaft mit 
ritterlichem Wesen erklären, die er in seinem Dichten auf Schritt 
und Tritt beweist und die sich kaum blofs als Frucht der 
Lektüre hinstellen läfst. Auch die Kenntnis des Lateinischen, 
die der Dichter der Legende brauchte, wäre bei dem Hen- 
ricus curialis, dem procurator der Bürger von Deutschbrod von 
1261, Voraussetzung. Im ganzen würde auch das Verhältnis 
unseres Dichters zu dem jungen Reimund seine ungezwungene 
Erklärung finden. 2 ) 



») Zeitlich wäre es möglich, dafs der Hofbeamte der Lichtenburger von 
1258 ff. und spätere Ritter des Olmützer Bischofs unser Dichter ist. Jener 
Heinrich könnte nicht gut nach 1235 geboren sein. Er wäre dann zur Zeit 
der Abfassung des Tristan (um 1290) etwa 55 Jahre. Und dieses Alter ist 
für den Dichter, der auf den etwa 30jährigen Reimund als auf einen jungen 
Mann zurückschaut, gar nicht unwahrscheinlich. Heinrich zeigt sich im Ge- 
dichte als gereiften Mann, der lehrhafte Seitenblicke auf die Gegenwart wirft 
s. 28 u. 34 und am Schlüsse der Dichtung als Laie Weltverachtung und Einkehr 
zur himmlischen Liebe lehrt. Auch hat der Dichter des Trist, eine dichterische 
Entwicklung hinter sich; denn die Legende kann als ein früher dichterischer 
Versuch Jahre vor dem Trist, liegen. 

*) Auch dafs der Hofbeamte des Lichtenburgers später in bischöfliche 
Dienste getreten wäre, kann nicht sehr auffallen. Denn schon 1261 erscheint 
Heinrich zugleich als Bürger von Deutschbrod; sein Dienstverhältnis zu den 
Lichtenburgern dürfte also nur ein loses gewesen sein. Übrigens wissen wir 
auch über die Dauer des Dienstes beim Bischof Bruno nichts. 



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196 

Woher stammt nun das Geschlecht des Dichters, den wir 
unter den Verwandten des Ditricus de Vriberc auf den Gütern 
der Lichtenburger bei Deutschbrod vermuten? Es ist zweifellos, 
dafs ein bürgerliches Geschlecht dieses Namens den Namen von 
der Stadt führt, aus der es stammt. Und wir werden hier unter 
Beachtung aller Umstände auf die sächsische Bergwerksstadt 
Freiberg geführt, von der übrigens nach allgemeiner Annahme 
der Dichter seinen Namen trägt. 1 ) Dafs die Familie also direkt 
von dort eingewandert sei, um auf den Gütern des Lichtenburgers 
den gewinnreichen Bergbau auf Silber zu betreiben, liegt sehr 
nahe, ist aber in diesem Falle nicht die einzige Möglichkeit. 

Ich lasse zuerst die Urkunden sprechen. Am 6. Nov. 1248 
überläfst Henriais castellanus Sitaviensis — es ist der Grofs- 
vater des Reimund s. S. 180 — dem Hertwig, Bürger von Leit- 
meritz, sein Dorf Lobositz bei Leitmeritz zu emphyteutischem 
Besitz. Die Urkunde ist in Leitmeritz ausgestellt und unter den 
Zeugen erscheint ein Heinrich Rex als Bürger dieser Stadt (Reg. 
1 1215). — König Wenzel gewährt am 23. Juli 1249 in einer zu 
Leitmeritz ausgestellten Urkunde den Praemonstratenserinnen in 
Doxan (südlich von Leitmeritz) gewisse Freiheiten. Unter den 
Zeugen erscheinen : Tsastolaus de Syttauia et Henricus filius ejus, 
dann Zmilo de Syttauia, dann Luthohlus judex de Luthomeritz, 
Heinricus Rex dictus de Luthomeritz et alii (Reg. I 1235). — 
In einer Urkunde des Probstes Hermann von Leitmeritz vom 
1. Jan. 1253 (Reg. 1 1318) stehen als Zeugen: Venerabües viri 
Jacobus et Johannes, beati Francisci ord. fr.; Henricus Rex 
dictus et filius ejus Johannes; Sifridus de Misna dictus 2 ) et 
Cunradus de Pehsan. — Anfang Dezember 1253 (Hieke, Mitteil. 
XXVHI. 351, Celakovsky, corp. jur. munic. II. 30, Iteg. IV 2097) 



2 ) So finden wir z. B. nach dem J. 1300 ein Geschlecht de Frtberc unter 
den Prager Bürgern. So weist das Zinsregister des Dorfes Sieghartsdorf, 
welches den Lichtenburgern gehört hatte, im 14. Jh. unter den fast durchweg 
deutschen Namen auch einen Freiberger auf (Schlesinger, Mitteil. XXIII. 356). 

*) Schon vor Jahren hat Prof. J. Peters auf Grund einer von Lippert 
gegebenen Zusammenstellung alter Leitmeritzer Bürgernamen die Vermutung 
ausgesprochen, dafs der von Lippert aus dem J. 1267 belegte Konrad von 
Meifsen es ist, den Ulr. v. Eschenbach in seinem Alex, meint, wenn er 214871t 
sagt : ditz was in des ougstes zit, der gerne gröze hitze git. üf der dürre vür 
ir golt einen ketter ich mir kiesen wolt ze Lütmei-itz in der stat, den min 
lieber friunt da Mit, von Misne heizt er her Conrät. da fund icli trinkens 
allen rät. 



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197 

gibt Ottokar IL allen denen, die sich in Leitmeritz am Stephans- 
htigel (dem heutigen Domviertel) ansiedeln, Steuerfreiheit für 
sieben Jahre und bestimmt die Ergiebigkeiten von 4 Dörfern 
zur weiteren Unterstützung derselben: ut recipientibus se ibidem 
iuxta discrecionem et ordinacionem nostrorum fidelium Liutoldi 
iudicis, Johannis de Myssena, Henrici de Vridberch,*) qui 
Rex dicitur, hispecta tarnen personarum protide qualitate, 
dentur etc. Wir konstatieren aus diesen Urkunden, dafs zwischen 
1248 — 53 in Leitmeritz als Bürger von bedeutendem Ansehen 
(man vgl. die letztgenannte Urkunde) ein Heinrich de Luthomeritz 
oder de Vridbereh, genannt der König, gelebt hat, der hinter dem 
Kichter Liuthold die erste Stelle einnimmt. Er ist offenbar 
bei der Besiedlung der Stadt nach deutschem Rechte, die um 
1230 stattfand, aus Freiberg eingewandert. Dafs die Lesung 
Friberc die richtige ist, dafs das Geschlecht in Leitmeritz Wurzeln 
gefafst hat, ersehen wir aus einer Leitmeritzer Urkunde vom 
10. Aug. 1262 (Reg. II 380), in der die Geschworenen und Schöffen 
von Leitmeritz einen Vergleich bestätigen, den das Kloster Doxan 
mit ihrem Mitbürger Johannes eingegangen war. Unter den 
Zeugen erscheinen Witgo quondam iudex Lutomericensis, Nicolaus 
fillus Adolfi de Vriberc, Herbertus quondam iudex Lutomeri- 
censis. Über die ältesten Bürgernamen von Leitmeritz, auch 
über die aufgeführten, vgl. Lippert, Gesch. der Stadt Leitmeritz. 
Prag 1871, s. 35, und seinen Vortrag: Die ersten Deutschen im 
Leitmeritzer Gau. Leitmeritz 1897, s. 16 f. 

Was hat nun das Geschlecht der Freiberger in Leitmeritz 
mit unserem Dichter zu tun? Wir wissen, dafs die Herren von 
Zittau in der ersten Hälfte des 13. Jh. in der Lausitz und in 
Nordböhmen ansässig und begütert waren, aber mit dem Jahre 
1251 als die Herren von Lichtenburg in den Besitz ausgedehnter 
Gebiete an der böhmisch -mährischen Grenze gelangen und für 
jene Gegenden als deutsche Kolonisatoren eine unschätzbare Be- 
deutung gewannen. Und diese Lichtenburger treffen wir zwischen 
1248 und 1249, also bevor sie zur Übernahme der neuen Be- 
sitzungen nach dem Südosten Böhmens gehen, in Leitmeritz. 

*) Die Urkunde ist zweimal in Abschrift überliefert. In der jüngeren 
nnd schlechteren steht de Vndberch s. Hieke s. 336 und 352. Wir haben hier 
einen analogen Fall, wie wir ihn oben s. 192 f. für Bietricus de Vriberc — de 
Broda annahmen. Auch Henricus Rex heilst einmal de Vriberc, ein ander- 
mal (z. B. in der Urk. v. 23. Juli 1249) dictus de Luthomeritz, 



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198 

Heinrich von Zittau überläfst sein Dorf Lobositz an Hertwig 
von Leitmeritz, auf der Urkunde erscheint Heinrich Rex, genannt 
von Freiberg. Dasselbe Dorf wird mit allen Einkünften am 
am 24. August 1251 an das Kloster Mariazell in Meifsen ver- 
kauft (Regest. IV 2084). In der am 23. Juli 1249 in Leitmeritz 
ausgestellten Urkunde erscheinen unter den Zeugen Vater und 
Sohn Tschastolaus und Heinrich von Zittau sowie Smilo, der spä- 
tere Herr von Lichtenburg, neben Heinricus Rex dictus de Liitho- 
meritz. Wenn wir nun nach dem Jahre 1258 in der Nähe der 
Lichtenburger bei Deutschbrod einen Dietrich von Freiberg samt 
Verwandten treffen, so liegt die Vermutung, dafs Smilo von 
Lichtenburg zur Gewinnung neuer Ansiedler auf dem dünn be- 
siedelten Gebiete von Deutschbrod auch Bürger der mächtig auf- 
blühenden Stadt Leitmeritz gewonnen habe und dafs das Ge- 
schlecht der Freiberger mit dem in Leitmeritz ansässigen 
Bürgergeschlechte de Friberc identisch sei, näher als die An- 
nahme, die Einwanderung habe direkt von Freiberg stattgefunden, 
in diesem Falle wenigstens, wo wir wissen, dafs die Lichten- 
burger bei Leitmeritz begütert waren, öfter in Leitmeritzer Ur- 
kunden mit Bürgern der Stadt zusammen auftreten und mit 
diesen geschäftliche Beziehungen pflegen. Und dafs die vor 
nicht langer Zeit aus Sachsen {de Friberc, de Missend) nach 
Leitmeritz eingewanderten Bürger dem Bergbau nicht fremd 
gegenüberstanden, läfst sich wohl denken. Ist so die Identität 
der beiden Familien in Leitmeritz und Deutschbrod glaubhaft, 
so könnten wir sogar eine nähere verwandtschaftliche Beziehung 
mit der Person jenes Heinricus Hex, genannt de Friberc ver- 
muten, denn der Bruder des Thiero de Friberc, Johannes de Broda, 
und Johannes, der Sohn des Heinrich Rex, Bürgers von Leit- 
meritz (Urk. vom Jahre 1253), könnte gut dieselbe Person sein. 
Dafs der Henricus curialis des Lichtenburgers von 1258, 
1259 und 1261 und, wenn es dieselbe Persönlichkeit ist, der 
Henrims de Broda vom Jahre 1266, der neben Johannes de Broda y 
dem Bruder des Dietrich, als miles des Bischofs Bruno v. Olmütz 
erscheint, unser Dichter Heinrich von Freiberg sei, dünkt mich 
der Erwägung wert. Darnach wäre Heinrich als Jüngling mit 
älteren Verwandten Anfangs oder Mitte der Fünfziger Jahre 
in das Gebiet und wohl auch an den Hof der Lichtenburger ge- 
kommen, dem er zuerst als Ministeriale diente. Dafs die Familie 
derer von Freiberg nicht direkt aus Freiberg, sondern aus Leit- 



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199 

meritz gekommen sei, meine ich glaubhaft gemacht zu haben. 
Der Dichter hätte dann seine Jugendjahre, er wird um 1235 
geboren sein, in Leitmeritz verbracht und als Sohn eines der 
angesehensten Bürgergeschlechter der Stadt auch Latein gelernt. 
Gelegenheit dazu fehlte nicht Es ist ein günstiges Geschick, 
dafs wir über den Bestand einer städtischen Schule in dem Leit- 
meritz des 13. Jahrhunderts urkundlich unterrichtet sind. Der 
Pfarrer Adolf zu Leitmeritz erklärt in einer Urkunde des Jahres 
1298, dafs er mit der Bürgerschaft Frieden geschlossen habe. 
Er wolle das Recht der Wahl des Schulrektors fernerhin nicht 
beanspruchen (ut cives Lluthimericenses ins eligendi rectorem ad 
regimen scole Lluthomericemis habeant, sicut ab antiquo et ab 
annis, qui memorari non possunt, . . . rectores ecclesie Omnium 
Sanctorum in Lluthoniericz Jibere habuerunt), Hieke, Mitteil. XXVIII. 
355 f. Daraus geht hervor, dafs die Einrichtung dieser Schule 
wohl unmittelbar nach der Gründung der Stadt (um 1230) statt- 
gefunden haben mufs. Gelegenheit zu gelehrter Bildung fand 
sich wohl auch in den Klöstern der Stadt, von denen das der Fran- 
ziskaner 1233 erbaut worden sein soll. Die Dominikaner kamen 
der Tradition nach 1236, sicher aber vor 1250 nach Leitmeritz, 
vgl. Lippert, Gesch. der Stadt L. s. 37. Aber auch in der Um- 
gebung der Lichtenburger gab es Klöster, denn das der Bene- 
diktiner in Wilhelmszell ist schon 1120, die Klöster Saar und 
Sedletz der Cistercienser sind 1251 und 1142, das der Prä- 
monstratenser in Seelau 1148 gegründet worden. Dafs der Dialekt 
der Ansiedler um Deutschbrod sowie der der Bürger von Leit- 
meritz durchaus mitteldeutsch ist, da die Einwanderer sich zu- 
meist aus MeiTsen rekrutierten, ist sicher. 

In welchem Verhältnisse der Dichter zu Johann v. Michels- 
berg gestanden, darüber Vermutungen anzustellen, wäre müfsig. 
Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dafs der durch seinen 
Tristan berühmt gewordene Dichter zeitweise auch mit anderen 
böhmischen Adeligen in Verbindung gekommen ist. 1 ) Und dafs 
ein allen ritterlichen Traditionen so sehr entsprechendes Er- 
eignis wie Johanns Turnierfahrt einen höfischen Dichter zur 
Verherrlichung anlocken konnte, ist begreiflich. Er mufs deshalb 

») Einen für die mhd. Literaturgeschichte interessanten Beleg und 
Nachweis solcher Beziehungen hoffe ich in einem Desonderen Aufsatz bei- 
zubringen. 



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200 

noch nicht als Wappendichter und Pritschmeister von Burg zu 
Burg gezogen sein. Als solcher figuriert er bereits in Literatur- 
geschichten; und zwar hat ihn seine Ritterfahrt dazu gemacht. 
Man verglich dieses Gedicht mit den Turnier- und Wappen- 
beschreibungen des 14. Jahrhunderts und fand grofse Ähnlichkeit. 
Aber in Böhmen war am Ende des 13. Jahrhunderts der höfische 
Sang noch nicht verschollen, man schätzte noch Minnelied und 
edle Ritterlichkeit. Heinrich wird seine Schilderung der Ritter- 
fahrt nach Paris nicht als Profanierung seiner Kunst empfunden 
haben. Dafs Heinrich seine Aufgabe höher suchte, geht aus 
seinem Hauptwerke hervor, er fühlt sich als Nachfolger eines 
Gotfried ganz durchdrungen von den alten Meistern und ihrer 
Kunst vgl. v. 1—52. 

Turnierbeschreibungen finden sich schon früher. Das Turnier 
von Nantheiz hat Konrad lange vorher gedichtet Dafs Heinrich 
dasselbe gekannt hat, ist nicht nachzuweisen; es ist aber wohl 
möglich. Wörtliche Entlehnungen finden sich nicht, wenn auch 
die typische Beschreibung der Rüstung teilweise wiederkehrt. 
Man vergleiche Turnei 475: Team dar in Uehtem schim. mit fri- 
schem baldeMne was er und ouch sin ors verdaht mit Ritterf. 
169 ff. und Turnei 742 man hörte banier snarren mit Ritt. 157. 

Damit kommen wir von der schattenhaften historischen 
Persönlichkeit Heinrichs von Freiberg zu seiner helleren dichte- 
rischen Gestalt. 

Dafs Heinrich nicht ohne gelehrte Bildung war und Latein 
verstand, wissen wir aus seiner Übersetzung der Legende. Dafs 
er Salomo zum Bruder Davids macht (Leg. 666), halte ich auch 
für jene bibelfeste Zeit für keinen so grofsen Lapsus. Nirgends 
aber tritt ein Prunken mit seiner Gelehrsamkeit hervor, man 
möchte denn den astrologischen Vergleich am Anfang des Trist, 
v. 225—265 dafür halten. Eigentum des Dichters scheint er 
wenigstens in der Ausdehnung und Form, wie er hier steht, zu 
sein. 1 ) Die Sterne und ihre Verfinsterungen werden mit der 
Liebe und dem Liebestranke verglichen. Er geht mit Wärme 



Auch Ulr. v. Eschenb. prunkt im Alex. 8379—8415 und 10127 ff. mit 
seinem astronomischen Wissen, und man könnte den Gedanken v. 10148 daz 
ouch dem mänen wirt benomen sin schin mit wandelunge kraft und v. 10160 
da von sin lieht erlischet als den von Heinrich herübergenommenen Kern 
fassen, vgl. Trist v. 234 daz in verlischet ir licht. Doch zeigen Heinrichs 
Ausdrücke selbständige Kenntnis, die übrigens in diesem Punkte damals 



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201 

in den Vergleich ein und sagt dann selbstbewnf st : „Wer mehr 
von dieser Kunst versteht, dem will ich diesen Ruhm gönnen." 
Die Kenntnis der „lampartischen" Sprache, die durch v. 6844 ff. 
vorausgesetzt wird, konnten wir ihm in der Quellenuntersuchung 
nicht zuerkennen. 

Der Dichter zeigt sich mit den höfischen Dichtungen des 
13. Jh. bekannt, wenn auch selbstgefällige Hinweise fehlen. Die 
historische Reminiszenz im Trist. 4513 ff. von Alexander und 
Saladin ist traditionell. Nur die ausdrückliche Erwähnung des 
„höfischen Neithart" in der anzüglichen Stelle 3780 gehört hieher. 1 ) 
Auch die prunkhafte Aufzählung literarisch berühmter Helden 
in der Ritterfahrt kann nicht als Selbstgefälligkeit ausgelegt 
werden, da sie dort den Zweck hat, für den „nimven Parzival" 
Johann von Michelsberg Folio und Hintergrund zu bilden. Doch 
beweisen diese Namen seine Kenntnis der ritterlichen Epik. Es 
treten da auf Athis und Profilias, Iwein, Erek y Lanzilet, Gaivan, 
Parzival, WilleJuilm, Titurel, Tschionatulander, Sigime, Wigalois 
und Alexander. Dafs für Albrant Tristant zu lesen sei, glaube 
ich in der Anmerkung zur Stelle wahrscheinlich zu machen. 
Gewifs kannte Heinrich die meisten der genannten höfischen 
Helden aus eigener Lektüre der Ritterromane. Tatsächlich 
konnte aufser seinem Muster und Meister Gotfried auch die Be- 
nutzung von Eilharts und Ulrichs von Türheim Tristandichtung 
nachgewiesen werden. Wirnts Wigalois hat er die nähere Ge- 
staltung einer hübschen Szene entlehnt s. ob. s. 76; Wolfram von 
Eschenbach hat er gekannt und die stilistischen Einflüsse, die 
dieser Mann ausgeübt, sind auch bei Heinrich nicht unbedeutend, 
wie in der Stilbetrachtung mehrmals hervorgehoben werden 
konnte. Dazu trat sein nächster Landsmann und Zeitgenosse 
Ulr. v. Eschenbach. Die Benutzung seines Alexander glaube ich 
aufgezeigt zu haben und auch in Eigenheiten des Stiles mag 
Ulrich, der zwischen 1270 — 90 eine nicht unbedeutende Rolle in 
den schöngeistigen Kreisen der böhmischen Adeligen gespielt 
haben mufs, auf den wohl nicht jüngeren, aber später zur Gel- 
tung kommenden Dichter gewirkt haben. Aber auch die Kenntnis 
Konrads von Würzburg ist nicht ausgeschlossen, die Kenntnis 



ziemlich allgemein war, man vgl. die Predigten Bertholds von Regensburg 
von den Planeten. 

l ) Vgl. Beckstein zur Stelle und Haupt zu Neithart XXVH. 9. 



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202 

wenigstens einiger Lieder Walthers (vgl. die deutliche Beziehung 
in v. 2191) sowie Neitharts, den er mit Anspielung auf ein ihm 
zugeschriebenes Lied ausdrücklich nennt (v. 3780), ist anzunehmen. 
Weiters liegt die Bekanntschaft mit der Bescheidenheit Freidanks 
nahe, vgl. s. 34. Die Kenntnis des „Athis und Prophilias", dessen 
Lektüre wir bei dem Dichter wegen der fragmentarischen Über- 
lieferung nicht nachweisen können, läfst sich wenigstens nach 
dem Zitate in der Ritterfahrt v. 26 vermuten. So zeigt Heinr. 
eine Belesenheit, die bei einem im äufsersten Ende deutscher 
Kultur angesiedelten Manne überraschen mufs. 1 ) Immerhin gibt 
es einen Begriff von dem höfisch feinen Leben, das sich damals 
in den böhmischen Ritterburgen auftat. 

Jedenfalls zeigt sich unser Dichter in allen Künsten des 
höfischen Ritters wohl bewandert, er brauchte deshalb nicht 
ritterbürtig gewesen zu sein. Die Art und Weise, wie er im 
Tristan von der Vergangenheit seines höfischen Stoffes öfter den 
Blick auf die Gegenwart richtet, ebenso die Anknüpfung der 
Gegenwart an die gröfsere Vergangenheit in der Ritterfahrt 
zeigt noch volle Fühlung mit höfischem Wesen. Wir können 
glauben, dafs er sich auf den Burgen der böhmischen Grofsen, 
wo eben damals ritterliche Übungen und höfische Kunst in An- 
sehen standen, viel in ritterlichen Kreisen bewegt haben mag. 
Und wenn der Hofbeamte Heinrich des Lichtenburgers wirklich 
unser Dichter ist, dann hätte ihm die bedeutende politische 
Stellung dieses Mannes und seiner noch mächtigeren Söhne sowie 
das reiche Leben, das sich in der Sommerburg und Lichtenburg 
entwickelt haben mag, genug Gelegenheit zur Betrachtung rit- 
terlichen Treibens und zur Idealisierung im Liede geboten, in 
einer Zeit, in der anderwärts das Interesse für die heitere, 
sinnliche Kunst der höfischen Epik und Lyrik längst ge- 
schwunden war. 

Aber auch Heinrich trägt schon den Stempel seiner Zeit. 
So wenigstens möchte ich den absonderlichen Schlufs des Liebes- 
romans fassen. Der Ruf nach der „wahren Minne", das Ab- 
wenden von der Nichtigkeit weltlichen Lebens und die Vertiefung 
in der Liebe zu Christus klingt in dieser Form zu ernst und 
wahr, als dafs es blofs hergebrachte Schlufswendung sein könnte, 

') Piper, Höfische Epik TTT. 40G (P. Nat. Lit.) stellt auch den Marner 
und H. v. Langenstein unter die Lektüre Heinrichs. 



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203 

wenn auch schon Ulrich von Türheim im Anfang seines Tristan 
ähnliche Gedanken ausspricht. 1 ) Die Zustände des Reichs am 
Ende des 13. Jahrhunderts, die Verhältnisse in der Kirche, be- 
sonders im niederen Klerus, hatten eine Reaktion gezeitigt, die 
wir in Böhmen schon um die Mitte des 13. Jh. in den ketze- 
rischen Bestrebungen zu beobachten in der Lage sind. Dann 
beginnen die Mystiker ihren Ruf nach Einkehr und Abwendung 
von der Welt. Schon lange bevor Meister Eckhart (1307) für 
kurze Zeit als Generalvikar nach Böhmen kam, gab es auch in 
Böhmen in allen Ständen Geister, die ein lebhaftes Bedürfnis 
nach wahrer Religion hatten. Über diese Zustände vgl. Wolkan, 
Gesch. d. deutsch. Lit. in Böhmen, s. 225 ff. — So zeigt Heinrich 
ein Doppelgesicht und das letzte scheint mir sein wahres. Die 
im allgemeinen religiöse Richtung seines Denkens mag schon die 
Übertragung der Legende vom Kreuzesholze bezeugen, für die 
ein Auftraggeber nicht genannt ist. 

Dafs er das Dichten oder wenigstens sein Hauptwerk erst 
in späteren Lebensjahren begonnen, habe ich oben s. 195 Anm. zu 
zeigen versucht. Die Gründe scheinen mir überzeugend. Nicht 
beweisend, aber doch der Erwähnung wert scheint ein Wort der 
Einleitung v. 47 ff. : daz ich ez volbringen wil, ob er mich lät so 
lange leben, der lip und leben mir hat gegeben. Das klingt für 
eine Phrase zu einfach und man hört vielleicht den bejahrten 
Mann, der im Beginn eines grofsen Werkes die Kürze des Lebens 
bedenkt. 

Bedauerlich ist der Verlust der Eingangszeilen zur Ritter- 
fahrt, in denen er, wie aus dem erhaltenen v. 12 f. hervorgehen 
dürfte, von sich selbst gesprochen hat. Vielleicht würde uns die 
Stelle das Bild des Dichters in wichtigen Punkten ergänzen. 
Heilst der v. 11 der Ritterf. wirklich des ich in vremdm landen 
hau und bezieht er sich dann, wie nicht zu bezweifeln, auf den 



*) Zu den verbreiteten Gedanken über der Welt Lohn (Trist. 6620—50), 
die übrigens Heinrich durch die oben besprochenen Auslassungen vertieft hat, 
vgl. Sachse, Über Konrads Gedicht „Der Welt Lohn" (Jahresber. d. Dorotheen- 
städtischen Realschule Berlin 1857), sowie Bezzenberger zu Freidank 55, 15. 
Aufserdem Parz. 475, 13 ff.; Armer Heinr. 108. 709; Friedr. v. Sonnenburg 21 
in MS. III. 72; Wirnt, Wig. 9417, sowie die zahlreichen Stellen aus Heinrichs 
Landsmann Ulr. v. Eschenbach Alex. 4972. 7772 ff. 15917. 16772 ff. 17388 ff. 
18585 ff. 26876 f. 27250 ff. Die angezogene Stelle in Ulr. v. Tttrheims Tristan 
ist 503,28 (Malsmann): swer rchte sich vcrsinne, der mfiinc die waren minne, 
diu da niemer zergät, vgl. Heinrich 6858 f. 



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204 

Dichter, so kann darin eine Andeutung auf einen Aufenthalt in 
fremden Ländern liegen. GewiTs wäre es von höchstem Interesse, 
über die Stellung des Mannes zu seinen Gönnern und den Strö- 
mungen seiner Zeit mehr zu erfahren. Denn die Zeugnisse über 
jene Zeit der lebhaft vorwärts schreitenden Germanisierung 
Böhmens am Ende des 13. Jh. sind durch die späteren traurigen 
Geschicke des Landes spärlich geworden. 1 ) 

Die ungefähre Entstehungszeit des Tristan liegt um das 
Jahr 1290, die der Ritterfahrt um 1297. Das Leben des Dichters, 
der allem Anscheine nach bürgerlicher Abstammung gewesen, ist 
etwa durch die Jahre 1240 — 1300 begrenzt. Aber über die 
persönlichen Geschicke dieses bedeutendsten deutschböhmischen 
Dichters im Mittelalter wissen wir soviel wie nichts. Bei seinem 
Landsmann Ulr. v. Eschenbach sind wir durch die freimütige Ge- 
sprächigkeit des Erzählers auf manche Beziehungen hingewiesen, 
Heinrich hat sich ganz in Schweigen gehüllt und wir sind auf 
wenig begründete Vermutungen angewiesen. Dafs er Gedichte 
ohne Angabe seiner Autorschaft verfafst hat, sehen wir aus dem 
Schwanke, der höchstwahrscheinlich Heinrichs Eigentum ist Er 
hat die kurze Erzählung nicht auf Anregung eines Gönners ge- 
dichtet wie den Tristan und nicht zur Verherrlichung eines 
Kitters wie seine Ritterfahrt, es ist auch kein Erstlingswerk, 
wo es gilt, sich bekannt zu machen, wie in der Legende. Dafs 
er aber nicht mit seinem Namen versehene oder wenigstens nicht 
erhaltene Gedichte verfafst hat, beweist schon der ihm durch 
den Lichtenburger gewordene Auftrag, die grofse Gotfrieddichtung 
zu vollenden; ein unbekannter und bedeutungsloser Versemacher 
kann Heinrich also auch schon vor dem Tristan nicht mehr ge- 
wesen sein, wofür übrigens die formelle und stilistische Voll- 
endung dieses Werkes an sich spricht. Die Bescheidenheit aber 
und die Überzeugung eigener Kunstlosigkeit, mit der Heinrich 



*) War der miles Henricus de Broda von 1266, der mutmafsliche Ver- 
wandte des Dietrich von Freiberg, unser Dichter, so würde sich über sein 
Leben eine, wenn auch keineswegs begründete Vermutung aussprechen lassen. 
Wenn H. v. Freiberg in jüngeren Jahren in den Dienst des Bischofs von 
Olmütz trat, so dürfte er bis zum Tode dieses gewaltigen Mannes (1281) nur 
wenige Zeit in Böhmen zugebracht haben und vielleicht erst dann, jetzt ein 
bejahrter Mann, in den Bereich der Lichtenburger zurückgekehrt sein, wo er 
dann nra 1290 für den jungen Reimund seinen Tristan dichtete und um die- 
.elbe Zeit auch zu dem Geschlechte der Michelsberger in Beziehungen trat. 



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205 

auftritt, ist vielleicht echt: ich künstelöser von Vrtberc Leg. 92, 
ich tummer, Jcünstelöser man Trist. 46 vgl. 5 ff. oder 2579 f. oder 
Ritt. 46 und 322 (min lazzer munt). Zwar hat schon K. v. Würz- 
burg solche Wendungen gebraucht ■) und nach H. v. Freiberg 
werden sie bei manchen Dichtern geradezu stehende Phrase. 
Vgl. Seemüller, Deutsche Poesie vom XIIL— XVI. Jh. (Gesch. d. 
Stadt Wien III. Bd.) zur Gestalt Suchenwirts. 

Auch Heinrichs nähere Verbindung mit Reimund v. Lichten- 
burg und Johann v. Michelsberg liegt ganz im Dunkeln. Als ein 
Mann, dem die Sorge wenig Zeit zu frohem Lachen lälst, erscheint 
er im Eingange des Schwankes und dieses Gedicht mufs nach 
den Ergebnissen der Stilbetrachtung und Metrik nicht lange vor 
oder nach dem Tristan entstanden sein, also zu einer Zeit, in 
der Heinrich schon als bejahrter Mann zu denken ist Dafs er 
nicht wie andere gleichzeitige Dichter trotz seines dichterischen 
Könnens am böhmischen Hofe in der Gunst der Könige eine 
Rolle spielte, gibt zu denken. Dafs seine wahrscheinlich bürger- 
liche Herkunft der Grund gewesen sei, ist nicht gut anzunehmen. 
Dafs aber seine Dichtungen nicht auf einen gar zu kleinen Kreis 
beschränkt blieben, wie es sich aus der kleinen Zahl von drei 
Hss. des Tristan, von denen wir Kunde haben, vermuten liefse, 
läfst sich erweisen. Denn wenigstens Suchenwirt hat ohne Zweifel 
Heinrichs Tristan sowie seine Legende und die Ritterfahrt ge- 
kannt, wie ich durch eine Reihe Parallelstellen darlegen will. 2 ) 
Schon die schwungvolle Einleitung Heinrichs zu seinem Tristan 
ist von Suchenwirt in der Ruhmrede auf Herzog Albrecht von 
Österreich nachgeahmt: III. 1 ff. wo nu getichtes rechter hört, 
wo witz und wol gelegne wort, wo wol bedachte sinne mit Weisheit 
auz und inne geplümt, der chunsten rant durchgraben, spech, fundik, 
maisterlich, erhaben? usw. vgl Trist 1 ff . Dazu noch XVIII. 15 
wo ist nu rechter chünste hart, die spähen fünd?) reim unde wort, 
ebenso die Einleitung XLL 1 — 25. 



*) Vgl. auch Ulr. v. Eschenbach, Alex. 27768 ob kranker sin mir daz 
benimt und ob mir gebricht der kunst, vgl. Trist. 2541 f. 

2 ) Ich benutze Primissers Ausgabe von 1827. 

3 ) Die spehen vünd sind ein Lieblingswort Suchenwirts geworden, vgl. 
noch XLL 18. 891; XLIIL 62. Ähnlich geplüemte wort XVI. 9, künste hört 
I. 6. 14, künste vunt I. 31, Phrasen, welche vielleicht auch auf die Bekannt- 
schaft mit dem Freiberger hinweisen. 



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206 



Vgl. XXV. 225 ff. : mit Trist. 1307 ff. : 

Umb die potschaft, als ich ew sant, herre, ich bin gesant 
Das ir sult raisen in di lant in alle riche, in alle lant, 

Zu chunigen und zu fürsten, zu künigen und zu vürsten, 

Ob dt noch ern dürsten. zu helden, die sich dürsten 

län nach ritterlicher tat 

Oder vgl. Trist. 58: der trimcen stic, der züchte pfat hat er mit 
an gebornen triten gebeut nach Mrltchen siten mit Suchenw. I. 146 : 
der ern straz gepatven hat er mit vJeiz und wol gepent IL 52: 
si hat der ern sträze gebeut mit ganzen vrewden. X. 86: er liät 
gepent der ern pan. 

Vgl. Trist. 744 ff. mit Such. XIV. 74 : sein herz, sein muot 
und auch sein sin stuond ie nach ritterleicher gir. 

Mehr Berührungspunkte wird Suchenwirt begreiflicherweise 
mit der Ritterfahrt Heinrichs haben. Man vergleiche 



Such. IV. 244: 
Vil panir sach man wirdichleich 
hoch in den lüften fledern: vedern 

XXVHI. 180: 
der mynn zaichen fürt der reich 
auf heim und auf schilde — 

Such. X. 74: 
was man in alten puochen sait 
von Parcival, von Gamuret, 
Von Wygulois, von Lanzulet, 
von manigen helden guote tat 



Ritt. 132: 
der minnen zeicJien, ein slogier 
vlouc ob des gir es vedern: vledern. 

156: 
sin banier, glich dem Schilde, 
die snurrete in dem winde. 



Ritt. 16: 
die schrift der buoche uns tuot bekant, 
waz Parzival, Iwein, Gawän 
ritterschaft gepflogen han, 
her Erek unde Gamuret, 
Wigalois und Lanzilet — 

Man vgl. Ritt. 125 mit Such. XII. 106 und XIV. 334. Man 
vgl. die Satzfügung Ritt. 113 ff.: dar üf geleit gar wunnencliche 
— und meisterlich — dar in — dar in — dar an — mit Such. 
XXIV. 115: dar auf gestrewt — dar in gefueget maisterleich — 
dar ob — da zxmschen — . 

Noch ausgiebiger scheint Heinrichs Legende benutzt. Man 
vergleiche Suchenwirt XLI. 79 ff. mit Leg. 72 ff.: 



di gib mir, fraw, zu steivre — 
so ticht ich, so ich pest mag 
dein lob — 

der hymel und erd beschaffen hat, 
der geb mir sin und weisen rat. — 
ich heb dein lob mit willen an, 
nu hilf mir chunstelosen man — 

vgl. aufserdem Such. XLI. 900 ff. und 

1514. 



nu gip mir wisheit unde sin, 

so daz idi 

läz dinen geist mir stiure geben 

nu wise midi, so hebe ich an 

ich künstelöser von Vriberc — 
spriche, als du, herre, lerest mich. 



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Suchenw. XL! 159 und Leg. 39: 
daz wort in dir zu fleisch wart, 
menschleich form und götleich art 
verainten sich zusamen. 

ebenso Such. XLI. 403 und Leg. 318: 



207 



daz wort geschach, der mensche wart, 
menschlich natüre und menschen art 
enpfienc die creatüre. 



daz chint wart zu den stunden 
mit tüechlein umbewunden. 

XLI. 591 und Leg. 341 : 
nach der schuld missetät, 
di er süntleich begangen hat. 

XLI. 627 und Leg. 411: 

nach der ewangelisten sag 
lag er unz an den dritten tag 

XLI. 955 und Leg. 437: 

die heilig schrift beweist uns des, 
wie durch den munt hern Moises — 

XLI. 1043 und Leg. 9: 

m y gleicher ierarchey 
geordent sind der chör drei 



und was daz kindel üzerkorn 
in tüechlin an den stunden 
gewickelt und gebunden. 

der grbzen sünde missetät, 
die süntliche begangen hat — 



Adam an dem dritten tage 

nach des engeles sage — vgl. 583 f. 



mich hat die schrift getoiset des, 
daz der prophete Moises — 



| der himel ierarchien, 

i die drie, die sich drien — 

Einzelne der angeführten Stellen beweisen klar, dafs Suchenwirt 
Heinrich von Freiberg gekannt und nachgeahmt hat, die übrigen 
Parallelen bestärken in diesem Zusammenhange diese Tatsache. 
Dafs Heinrich unter den Epigonen der höfischen Epiker der 
an Form und Darstellung höchststehende genannt werden kann, 
wird keine einseitig überschwengliche Hochschätzung sein. Er 
vereint als Nachahmer Gotfrieds aufs beste Anmut und Mafs in 
Inhalt und Form. 1 ) Dafs er sich von den Auswüchsen der höfi- 
schen Romane, vornehmlich von den endlosen und zwecklosen 
Schilderungen ferngehalten hat, können wir ihm nicht hoch 
genug anrechnen. Dafs er nicht gleich zu dem geworden, als 
welcher er uns im Trist, entgegentritt, zeigt seine Legende, in der 
er ohne dichterische Erfindung, ohne freiere Darstellung der über- 
lieferten Gedanken, ohne besondere Kunst in Stil und Metrik 
vor uns tritt. Dafs aber der Schwank vom Schrätel und die 



*) Man lese, was Ehrismann, Zft. f. deutsch. Wortforscbg. V. 175, in 
seinem Aufsatze über Duzen u. Ihrzen im Ma., also auf einem engbegrenzten 
und der Willkür der Dichter so sehr ausgesetzten Gebiete über „diesen ge- 
wandten Sprachkünstler" sagt. 



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208 

Ritterfahrt ebenbürtige Schwestern der Tristandichtung sind, 
meine ich gezeigt zu haben. Hoffentlich ist der Schatten, der 
von den Reimreden des 14. Jahrhunderts auf die Ritterfahrt 
unseres Dichters fiel, von ihr genommen. Neben der näheren 
Zeichnung des Künstlers in Stil, Sprache und Metrik glaube ich 
doch auch zeitlich die Persönlichkeit Heinrichs soweit begrenzt 
zu haben, dals eine weitere Forschung und Einreihung dieser 
Gestalt in das Literaturgetriebe des 13. Jahrhunderts möglich 
werden wird. Und so mag meine Arbeit auch hier nur ein 
Anfang, kein Abschlufs sein. 



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IL TEIL: 

TEXTE 



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Tristan. 



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\Vä nu richer künste hört, F pag. 205 a. 

wä schoene rede, wä blüende wort, 

wä vünde violin gevar, 

wä Sprüche sam die rösen clär, 
5 wä sinnic saz, wä vündic sin? 

der aller ich ein weise bin. 

getichtes des gar spehen, 

des riehen und des wehen 

bin ich ein erbelöser man 
10 nnd hän mich doch genumen an 

zn yolbringene diz mer, 

daz so blüende hat unz her 

mit schoener rede betichtet 

und meisterlich berichtet 
15 min herre meister Gotfrit 

von Sträzburc, der so mangen snit, 

spehen unde riehen, 

schöne unde meisterlichen 

nach durnechtiges meisters siten 
20 üz bittendem sinne hat gesniten 

und hat so richer rede cleit 

disem sinne an geleit, 

dise materien er hat 

gesprenzet in so lichte wät, 
25 daz ich zwivele dar an, 

ob ich indert vinden kan 

in mines sinnes gehüge 

rede, die wol stende tüge 



1-84 nur in F 1—5 wo 2 red 3 violin WGrimm] fiolen 7 in 
spehen : wehen vor h ein e oder c getilgt 10 hab 11 mere 13 red 17 vnde 
in F nur 17. 18. 469. 1615. 1630. 5173 und viüeicht sonst vereinzelt 20 sinnen 
28 red di 

Bexnt, Heinrich von Freiberg. 1 



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bi disen Sprüchen guldin. 
30 nu muge wir nicht gehaben sin: 

got unser schepfer daz gebot, 

daz in genumen hat der tot 

hin von dirre broeden werlt. 

wol geblüemet und wol geberlt 
35 ist siner blüenden vünde kränz, 

vil reine, lüter unde glänz 

ist siner richer künste hört. — 

die toten mit den toten dort, 

die lebenden mit den lebenden hie! 
40 sint daz er diz buoch verlie 

und sin nicht hat voltichtet 

und tichtende berichtet 

mit dem getichte sinen, 

dem reinen und dem finen, 
45 so hän ich mich genumen an, 

ich tummer künsteloser man, 

daz ich ez volbringen wil p. 205 b. 

mit rede unz an daz jämerzil, 

daz Tristan und die blunde Isöt 
50 in glüender minne lägen tot, 

ob er mich lät so lange leben, 

der lip und leben mir hat gegeben. 

Daz aber ich dise arbeit 

hän minem sinne vür geleit, 
55 daz machet eines herren tugent; 

sin höhez adel, sin edele jugent 

ez mir gebot und mich sin bat. 

der triuwen stic, der züchte pfat 

hat er mit an gebornen triten 
60 gebent nach herlichen siten, 

vrowen firen amis üz erkorn. 

in Behemlant ist er geborn, 

dem ich diz senecliche mer 

mit innecliches herzen ger 

29 guldin aus golden gebessert 31 schopfer 35 blunde 38—39 di 
39 lebnden beidemale 42 am Rancle nachgetragen 46 kunstenloser 48 red 
51 lebn 54 hab 55 minen 



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65 voltichten und volbringen sol. 

an dem ist daz erkennet wol, 

daz er mit tugentlicher tat 

vil höer wirde erworben hat, 

zucht, mäze mit bescheidenheit; 
70 sin ellenthaftez herze treit 

manheit, triuwe und milde. 

er ist ouch under Schilde 

ein ritter vrech und gar kurtois 

und ist ein Liuchtenburgonois. 
75 von Liuchtenburc ist er genant. 

sin name in eren ist bekant 

und ist genennet er Eeinmunt. 

ja reine in sines herzen grünt 

ist er äne allez kunterfeit, 
80 der rechten reinen reinekeit 

gar siner tat und siner werc, 

dem ich Heinrich von Vriberc 

voltichte disen Tristan, 

als ich allerbeste kan. 

85 Wir hän gehört, wie Tristant Bl. lUd. 

in Arundele daz lant 

.zu dem herzogen quam, 

dem höer eren vil gezam, 

den man da nante Lovelin; 
90 Karsie hiez die herzogin, 

ir beider sun Käedin. 

wie der tet an im triuwe schin 

(der junge stieze Lifrenis 

mit aller tat, in alle wis p. 206 a. 

95 er im geselleschaft erbot), 

und wie die wizgehande Isöt 

Blanschemanis die schoene maget, 

volwachsen unde wol betaget 

70 herce ausnahmsweise 71 milte : schilte 73 kurteys 74 luchten- 
burgonovs 75 luchtenburc 76 name] man 77 Reymvnt 79 an 81 rat? 85 hier 
beginnt 86 armidel O, nur 1154. 1266 arundel 88 hoher O 89 lovelin 
(louelin 0) FO durchaus 91 son O 92 tet fehlt O 95 erbort F 96 wie fehlt 
0\ wizgehand F 97 Blantschemanis F Blantsemaües O 98 wol gewaasen 

1* 



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in megetlichen jären, 
100 siner minne vären 

mit allem vlize began, 

und wie der edele Tristan 

mit siner sigeberen hant 

des vürsten vinde überwant 
105 und von dem lande sie vertreip, 

und wie er da zu Karke bleip: 

daz hab wir allez wol vernumen. 

nu sulle wir zu der rede kumen, 

da sie der meister hat Verlan, 
110 der dises buoches erste began. 

/ Der trürige Tristan, 

dem trüren was geboren an 

und vil trürens het gepflogen 

und in trüren was erzogen, 
115 gar trüric in gedanken saz: 

sin leben er in herzen maz Bl. 115 a 

und bedächte sine not 

umb ietweder tsöt, 

von Irlande umb die bele 
120 und umb die von Arundele. 

Isöt die maget von Karke, 

die was im also starke 

ge vallen in sin herze; 

iedoch twanc in der smerze 
125 der rechten herzenliebe gnuoc, 

die er zu Isöten truoc, 

der blunden belen üz Irlant. 

und er zwivalter liebe enpfant, 

des nam in selber wunder 
130 und wunderte in besunder, 

99 e in megetl. auf radiertem ei? F 102 edel 103 sigebern F 
104 der 105 sie fehlt 107 han 0; \Vnom5 : komE immer in 108 sullS O 
109 gelan 110 diz F duses O; erst 112 geborn F 113 hat O 115 ge- 
denken mit Vorliebe O 117 bedechte mit Vorliebe 118 ytweder F jeke- 
liche 119 jrlant 120 vgl zu 86 124 ydoch F 125 genug meist O 
127 Wunde belen F bluenden {mißverstanden als blüenden vgl. bluwende 
4568. 5708. 6363. 6371. 6615. 6687) bele 0; van jrlant 129 selbe 130 
wundert F 



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daz er leit herzeliche not 

umb ietweder tsöt. 

der wol besinnete Tristan 

in sinem sinne er sich versan 
135 und gedächte: „ez enmac nicht sin, 

daz ich in dem herzen min 

müge zwei herzenliep getragen. 

wan ich hän oft gehoeret sagen: 

„swer mer liep hat dan einez, 
140 dern hat nindert keinez ; p. 206 b. 

swer mit zwein lieben liebe pflicht 

hat, dern treit herzenliebe nicht." 

Alsus gedächte Tristan: 

„sol ich nicht herzeliebe hän, 
145 des wundert inneclichen mich. 

ei, h6rre got, und wie bin ich 

so wunderlich gescheiden 

von den Isöten beiden! 

und trage sie doch in herzen 
150 mit rechtem herzensmerzen ; 

ietweder mir in herzen liget, 

ietweder hat an mir gesiget. 

und ist daz herzenliebe nicht, 

als daz Sprichwort da spricht, 
155 daz ich sie beide minne 

mit herzen und mit sinne, 

s6 muoz ich eine Isöte län 

und eine Isöt zu vrouwen hän. 

ei, wenne geschiet daz oder wie? 
160 nu minne ich dort und meine hie, Bl. 115 b. 

ich minne hie und meine dort. 

Isöt, miner vröuden hört — 



131 herczelich 132 itweder F jekeliche 134 syme 0; er fehlt O 
135 dechte O; ez mac F 137 zwein h s czen liebe 138 want i. h. dicke 
hören s. 139 wer, ebenso wenne, wie usw. bis auf vereinzelte Ausnahmen 
durchaus] me 140 d s hat F der enh. O; da lieb k. O 142 hat der treit F 
hat fehlt 0; der endreit h'tzeliebe Hb wunder F 146 eya 0; und fehlt O 
149 doch sie F; dragen O 150 rechten F lblf. Itweder F jekeliche 
153 hertzeliebe 154 do F 156 sinne F lblf. ysoten F 158 frauwe 
159 Eya wane 0; geschiet FO 160 meine fehlt 161 beidemal* myüe 



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ich meine dich blunden üz Irlant — 

mir ist din triuwe wol erkant. 
165 sol ich dich uz dem herzen län, 

so werde ich triuwelös ein man." 

also saz er gedenkende 

und mit gedanken wenkende. 

er gedächte ouch ie genöte 
170 an sin ander Isöte, 

die schoene wizgehande, 

nicht an die üz Irlande. 

„Ei", gedächte er, „schoene Isöt", 

ich weiz wol, daz din herze not 
175 durch mine minne lidet; 

ob dich min lip vermidet 

und din zu vrouwen enpir, 

so werde ich triuwelös an dir. 

din vater und din muoter, 
180 min vriunt trüt unde guoter 

und min geselle Käedin, 

die müezen es betrüebet sin, 

ob ich nicht bi dir blibe 

und dich nicht neme zu wibe." 
185 diz was ein wunderlich geschieht: 

er wolde ir beider haben nicht p. 207 a. 

und wolde ir eine doch nicht län. 

„ei, verirreter Tristan," 

gedächte er selbe wider sich, 
190 „wer bin ich oder waz vfieret mich? 

wä bin ich oder wä sol ich hin, 

sint ich alsus verirret bin 

under disen Isöten zwein?" 

innerdes wart er inein, 



163 bluende 164 dine O 166 trulos F; so werde ich eyn t r weloser 
m. O 169 dechte O; ouch fehlt F 170 ouch an F; sine 172 di F; von 
jrl. 173 Eya dechter gedacht F 174 daz fehlt 176 obe 177 
dich O 178 truelos F-, werden und so meist 180 trat F 181 geseU 
182 di F; ez F des 0; müsset und so häufig in dieser Endung 183 bie F\ 
obe 184 neme 0; wieÄ F 185 geschit F 187 doch] buch 188 Eya 
veryrter 189 gedacht F gedechter 0; selber 0. 190 wer füret O 191 
wo F wer bin ich 192 so O 194 jnne des O 



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195 daz er aber wanken 
begonde mit gedanken. 

Er gedächte aber hin 

an sines herzen künigin, 

an die bele Wunde Isot. 
200 sin wisheit riet im und gebot, 

daz er in herzen achte 

und achtende betrachte 

alle sine vuore und alle sin leben. 

er gedächte: „ez enlit nicht eben Bl. 115c. 

205 und kumt von krankem sinne, 

daz du die küniginne, 

dines 6hems elich wip, 

hast liep vor aller wibe lip. 

du sündest sSre wider got: 
210 der tiuvel der hat sinen spot 

mit dir getriben alzu vil. 

von Isöten ich wil 

mich mitalle ziehen 

und ir minne vliehen, 
215 e daz reine süeze wip 

durch mich Verliese iren lip." 

daz was doch sere wider sin art 

des trankes, der getrunken wart 

üz dem glase von in, 
220 von Tristan und der künigin: 

ez was ein michel wunder 

und wundert mich besunder, 

daz er die küniginne vlöch 

und sich von ir minne zöch. 

225 Doch merke ez, swer da sinnic si, 
daz uns vorjehent aströlogi, 
die meister, die da kunnen sehen 
und an dem gestirne spehen 



197 gedacht F gedechte O 198 sins O 199 bluende O 200 sine O 
203 vur F; das zweite alle fehlt O; lebn F 204 ez lit F 207 dins ohemes 
208 Hb F 211 alze F 213 zihen : vlihen F; zumale O 214 vn wil F 217 
sine 223 kunygin O 225 sie : ast»logie F 2ZI di F 



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ir natüre und alle ir art, 
230 ir louf, ir spere, ir durchvart, 

ir kelde, ir hitze, ir trucken, ir naz: 

die jehent, daz underwilen daz p. 207 b. 

an sunnen und an mänen geschieht, 

daz in verlischet ir licht 
235 und werden vinster als die nacht. 

sinnic man und wol bedächt 

diz meinen rechte vornim: 

man nennet iz eclypsim. 

eclypsis, als ich spreche, 
240 daz heizet ein gebreche. 

wan den planeten daz geschieht, 

daz in irs schines gebricht; 

sint sunne und mäne iren schin 

(die des gestirnes vürsten sin) 
245 understunt vorliesen, 

so muge wir daz ouch kiesen, 

daz die andern himelstern 

underwilen ouch enpern BL 115d. 

irs glastes und irs schines. 
250 der sun Riwalines, 

der sorgenriche Tristan, 

der mochte ouch einen stern hän 

mit der künigin gemein, 

der im nu nicht als e erschein 
255 und ir beider minne pflac, 

an dem die kraft des trankes lac 

und genatüret nach im was, 

den sie da trunken üz dem glas. 

diz merke, swer ie sinnic wart: 
260 ichn mac dem tränke nicht sin art 

abe gereden noch enkan 

wan mit der rede, die getan 



229 jren art 230 jre lauff 0; spera 233 an der sonne vnd an de 
mane 0; geschieh F 234 u s blichet O 235 di F 238 iz F is 241 geschiht 
F ausnahmsweise 244 di F 245 vnderwilen 0; vorlisin F 246 möge 
247 ander hemels sterren 248 oveh vnderwilen F: enberen 249 ir F 
beidemal 252 mocht F\ sterre 253 gemeyne : erscheyne 257 genatnrt 
na 260 ich mac F ich enmach 0; sine art O 262,want O; reden 



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ist von dem gestirne hie. 

swer nu baz beredet sie, 
265 der künste wirde ich im wol gan. 

doch wizzet, daz er Tristan 

sinen muot und sinen sin 

zöch vaste von der künigin; 

wan er bedachte starke, 
270 daz der künic Marke 

siner muoter bruoder was. 

und als er in sin herze las 

und die Sünde geachte 

und daz unrecht betrachte 
275 und ouch der eren ungewin, 

dö liez er die künigin, 

ir lip, ir leben, ir minne 

üz sines herzen sinne p. 208 a. 

und was im ein gemeiner lip 
280 doch lieber wan ein ander wip. •' 

Ei, blunde künigin Isöt, 

ir lebet im noch und ist er tot 

iuch bi lebendigem leben, 

dem iuwer minne hat gegeben 
285 ofte richer vröuden vil! 

mit urloube ich daz sprechen wil: 

und westet irz, daz er Tristan 

iuch üz dem herzen hat gelän, 

ir wentet iuwer gemüete 
290 mit wiplicher güete 

an den künic iuweren man Bl. 116 a. 

und nicht an ern Tristan. 

waz rede ich oder wä wil ich hin? 

waz weiz ich, ob der künigin 
295 ouch der stern erloschen was 



265 d'wirde F\ der konet werden ich jm mede gan 266 wissen t 0; 
her 268 zoch er 269 want 272 jn syme hercze" 273 di F 276 
da F 277 jren lib. ir liebe 278 sins O 280 dan 281 Die bluende O; 
ei fehlt 283 bie lebendingem 1. F; vch fehlt O 285 dicke 286 mit 
loube F 287 wistet O; ir daz her 288 Eych F 289 wantet F 292 
hern O 293 red F; wo F 294 weiz fehlt F\ abe 295 yerlossche 



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10 

der minne, da von ich e las, 

und ob der minnetranc sin art 

gein ir als gein im het verkärt, 

so daz die küniginne 
300 ir meine und ir minne 

wante an irn glichen man 

und nicht an hern Tristan? 

swie dem nu si, daz läze wir varn. 

Tristan, Riwalines barn, 
305 der bedächte vürbaz 

in sinem herzen diz und daz 

um die wizgehande Isöt, 

diez im so minneclich erbot 

offenbar und tougen 
310 mit herzen und mit ougen, 

mit rede und mit geberden. 

Blanschemanis die werden 

gar lieplich er in herzen truoc 

mit rechter herzenliebe gnuoc, 
315 als er ez wol erscheinete; 

er minnete unde meinete 

von herzen die vil schoene maget 

ouch ist ez, als daz Sprichwort saget: 

vremde scheidet herzenliep, 
320 so machet State manchen diep. 

durch vremde er jene Isöten vlöch, 

zu diser er durch State zoch; 

durch vremde er jene Isöten meit, 

durch State er diser was bereit 
325 mit dienstlichen dingen. p. 208 b. 

Und in begonde twingen 
die minne vaste unde gnuoc, 
die er zu der magde truoc, 

297 abe O; m?ne" O; sine* art O 298 gen O fast immer) hat F hat O; 
bewart 300 vnd myne 301 jren O 303 sie F; laisse" 305 der fehlt 
308 die ims F die is jm so myneclichen bot O 309 yffentlich 312 Blancie- 
mans 313 liplich F 314 clug O 315 ersehene : meyte 316 myte 
319 herczelieb O 321 er je jsoten 0, ebenso 323 325 dinstlichen FO 326 
kein Absatz FO 327 vnd genüg O 328 der mede O 



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11 

er gedächte an Käedinen, 
330 den gesellen sinen, 

und sante nach im sä zuhant. 

nu Käedin was besant 

und er zu Tristande quam, 

Tristan in heimelichen nam 
335 und leite im sine willekür 

und sines herzen willen vür. 

üz innenclichem herzen sprach 

Tristan, des wortes er verjach: B. 116b. 

„ei, süezer vriunt Lifrenis, 
340 läz dinen vürstlichen pris 

an mir enlenden werden schin!" 

„waz meines du?" sprach Käedin, 

„vriunt lieber, oder waz wirret dir?" 

alsiufzende üz sins herzen gir 
345 antwurte im er Tristan, 

er jach- „ichn mac noch enkan 

gewenden mine sinne 

von diner swester minne. 

Blanschemanis die schoene Isöt, 
350 die tuot mir endelich den tot, 

ob sie nicht wirt zu vrouwen mir. 

nu liget al min tröst an dir; 

rät, lieber vriunt gehiure, 

und gip mir rätes stiure, 
355 wie sie mir werde zu wibe 

und ich hie bi ir blibe." 

Käedin der sach in an: 

„und meinet irz, er Tristan?" 

sprach der süeze Lifrenis. 
360 Tristan sprach: „ritterlichen pris 



329 gedachte F, das Schlufs-e radiert 331 80 zu hant meist 332 
in F am Rande; wart F 333 tristane F 334 heymeliche 335 willen kur O 
336 sins 0; wille F 337 jnneclichem O 338 diz w. F 339 Eya 340 
forstenclichen 341 eilenden 342 meystu 343 über F\ oder fehlt 
344 alsufzend vz sines F 345 antwurt F antworte 0; her 346 sp s ch O; 
ich mak F ich enmach 349 Blanczemanes 351 abe si 0; nich F 352 
lit alle 353 über F; geh»wer : stiwer F gehure : sture' 355 wi si F 
356 bie F; bi dir belibe 358 her 



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12 

den muoz ich nimmerme bejagen, 
ob ich dir unrecht welle sagen: 
ich minne diner swester lip 
vür alle megde und alle wip." 

365 Nu was der süeze Lifrenis 

verstendic, sinnic unde wis. 

und er Tristandes ernst ersach, 

gar sinneclichen er jach: 

vriunt lieber und geselle min, 
370 min rät der sol dir nütze sin. 

ich lege dines herzen kür 

minem vater gerne vür 

und darzu miner muoter; 

ouch wirt min rät dir guoter 
375 gein miner swester; wizze, daz 

sie dir ouch nicht enist gehaz, 

des hän ich e vorstanden mich." 

hie mite schieden sie sich. 

Käedin von herzen vrö 
380 der mere was und kerte dö Bl. 116 c. 

von Tristande sä zuhant, 

aldä er sinen vater vant 

und sine muoter bi einander. 

Isote sine swester vander 
385 mit züchten bi in sitzen. 

lachende und mit witzen 

sprach er der schcenen maget zu: 

„Isöt, min swester, sitze du 

von uns ein weninc hin dan! 
390 mit minem vater ich hän 

zu reden heimeliche dinc. 

vrouwe muoter", sprach der jungelinc, 

„nu neiget iuwer öre her!" 

361 den fehlt O 362 abe O; wille 364 vor F; megede 367 do 
er O; sach F 368 sinneclich FO 369 liber F] und fehlt O 370 der fehlt O 
371 jch legen din8 O 373 vnd ouch m. O 376 ist F; si enyst dir ouch nit 
g. O 377 e fehlt 378 mit O; schiden F 381 so zu b. O 383 bie F 
384 Isoten O 386 lachend F 387 schöner O; magt F 388 sitzi F; myne 
389 ewenich O 390 minen F 393 ore 



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13 

mit diser rede kniete ouch er 
395 vür vater und vür muoter. 

sin muot vruot unde guoter 

und sine zucht im daz gebot. 

er jach: „vater, unser not 

die wil mit vröuden enden sich. 
400 min vriunt, er Tristan, der hat mich 

her gesendet zu iuch zwein 

und ist worden des inein, 

mac er an iuch gnade vinden, 

daz er sich wil underwinden 
405 der swester min zu wibe; 

und daz er bi uns blibe, 

des begert er inneclich." 

der mere von herzen vrouten sich 

der herzöge und die herzogin. 
410 „min lieber sun Käedin, 

verstendic unde vruoter," 

sprach zu zim sin muoter, 

„wenne ist die rede geschehen 

oder wä hat er dir verjehen 
415 der lieben mere, die du sages?" 

her jach: „hiute dises tages 

tet er mir sie werlich kunt. 

ich ge von im an dirre stunt 

und werbe, als er mich werben bat, 
420 und rate ez ouch : sint daz er hat p. 209 b. 

gewendet sine sinne 

an miner swester minne, 

so sul wir sinem übe 

geben sie zu wibe; 
425 und wizzet, daz unser selikeit Bl. 116 d. 

wirt von im lanc, wit unde breit." 

394 red F; mit der reden 395 vor 396 «ine" mut fro 398 
sp s ch 0; vnse 399 di F 400 er fehlt 401 gesant F 402 des worden F 
406 bie F 408 mere" 0; freuwet 409 herczoch 410 liber F 412 zu 
jm 413 wanne O; red F 414 wo F; gescheen : verjeen O ziemlich häufig 
415 mere" 416 er 0; diz F duß 417 w^lich si F 418 gen 0\ duser O 
420 rat ez F radens 0; sint er mir 423 sulle O 424 si geben 425 
wisset O 426 wit fehlt 



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14 



Der herzöge und die herzogirt 

und ir sun Käedin, 

Lifrenis der jungelinc, 
430 um dise seliclichen dinc 

machten kurz iren rät: 

swes man sich vor betrachtet hat 

und von herzen hat begert, 

des rätes rede nicht lange wert. 
435 also geschach in ouch alhie. 

vil schiere sich berieten sie 

und wurden des zu rate 

in ir herzen dräte: 

sie wolden Tristande 
440 geben die wizgehande. 

waz sol diser rede me? 

des sie gewünschet heten e, 

des wurden sie gebeten nu. 

sie sprächen Isöten zu, 
445 der kiuschen und der wisen, 

der maget Blanschemanisen. 

die reine, valsches vrie 

ir muoter vrou Karsie 

hiez lieplich zu ir sitzen 
450 und leite ir vür mit witzen 

Tristandes willen und sinen sin. 

Karsie die guote herzogin 

vrägete sie der mere, 

ob ez ir wille were, 
455 daz sie herren Tristan 

wolde nemen zu man. 

Blanschemanis die schoene Isöt 
gar megetliche rede bot 
irem vater und ir muoter: 



430 ymb O; selecliche 432 vur berade 435 als F-, hie 436 
vil balde 0; beriten F 438 yre" O 439 tristande : wisgehande* 441 der 
rede 442 begert hatte 0; hetten F 445 der zvchen F 447 valches F 
falczes 448 jr mud s , die h s czogin karsie 449 liplich F 450 leit F 
453 si F; frachte si O 454 obe 455 hern F 457 Blanczemans O 
458 red F 



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15 

460 „swaz iuwer wille guoter 

ist unde Käedines, 

des lieben bruoder mines, 

daz ist ouch wol der wille min, 

solde ich sin halt betrüebet sin." 
465 betrüebet? sprach ich also? 

nein, zwar sie was von herzen vrö 

des lieben tages, der lieben zit 

und wuochs ir vröude in widerstrit 

in herzen und in sinne, 
470 wan sie meine und minne 

hete an in einen gewant. 

nu wart er Tristan besant. 

Lifrenis Käedin 

der gienc nach dem gesellen sin; 
475 an siner hende sunder haz Bl. 117 a. 

vuorte er in, da sin vater saz, 

sin muoter und die schoene Isöt; 

ietwederz im die wirde erbot, 

daz sie gein im giengen 
480 und in schone enpfiengen. 

Die herzogin Karsie, 

die kiusche, wandeis vrie, 

nam ern Tristanden 

mit iren wizen handen 
485 und satzte in an ir siten 

und vrägete in in den ziten, 

ob ez were der wille sin 

um die sache, als Käedin 

hete geworben wider sie. 
490 „genäde, vrouwe, mirn wart nie 

min sin, min herze und min muot p. 210 a. 



462 üben F 464 solt F; sin ouch bedr. O 465 Sprech F 467 liben F: 
vii d s 1. (lieber O) z. F 468 in fehlt F 470 want O 471 het F hatte O 
aUeyne - O 472 ouch tr. O 476 vurt F; waz F 478 Itwederz F Jekeliches O 
bot O 479 gingen : entfingS O 480 vrxmtlich F 483 he s n O 485 site O 
486 f rächte O; an d* zite O 487 obe O 488 vm die botschaft F vmb die 
s. O 489 hette O het F 490 gnade O; mir wart F mir enwart O 491 
hercz Ö 



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16 



zu keinen dingen nie so guot. u 
sus antwurte ir er Tristan, 
der herzöge Lovelin sprach san 

495 üz innecliches herzen grünt: 
„nu sult ir hunderttüsent stunt 
gote und mir willekome sin, 
sun und lieber eidem min. 
iuch sol wesen undertän 

500 lant und liute und swaz ich hän." 
waz sol ich lange hie von sagen? 
daz heilictuom wart dar getragen 
und wart Tristande viir gehabet 
und wart im der eit gestabet. 

505 nü swuor ouch her Tristan, 
daz er wolde Isöten hän 
und nemen sinem libe 
zu eime elichen wibe. 

Darnach über vier wochen 
510 beruofen und besprochen, 
bekriet schone und beschrit 
wart des vürsten höchgezit 
rechte üf die zit zu pfingesten. 
die sweresten und die ringesten 
515 in des herzogen lant 
die wurden alle besant: 
barüne und lantherren, 
die minneren und die m§rren, 
beide ritter unde knechte; 
520 gezieret wol nach sinem rechte 
solde ie der man zu hove kumen. 
nü die botschaft wart vernumen 
in dem lande über al 
und der süeze ruof erschal 



492 zu keyne wibe 493 antwurt F antwort jn her 496 sollet 
497 willekome 498 liber F 500 wir han O 502 heiltom 503 gehabt : 
gestabt 504 getabet F 505 swr F 506 jsote wulde 507 sine liebe F 
zu sine libe 508 einem FO 511 bekreigieret 512 vrusten hochgeziet 
(Hteschriet) F 513 Recht FO; pinxsten 514 swerstB 517 baryn F 
518 rayren 520 geziret F; synie 521 solt 524 nu d. s. 



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17 

525 von dem edelen Tristande, 

daz er die maget die wizgehande 

nü zu vrouwen solde hän, Bl. 117 b. 

des wart im heiles wünsch getan 

von manger edelen zungen. 
530 die alden und die jungen, 

rieh und arm wären dö 

sin gemeineclichen vrö. 

Waz nü der herzöge tu? 

er liez 6t vaste vüeren zu, 
535 beide triben unde tragen 

in schiffen und üf mangen wagen 

die beste spise, den besten win, 

swaz 6t guotes mochte sin 

aldä in sinem lande 
540 und swaz er rechte erkande, 

daz in gewirden mochte 

und im zu nutze tochte 

zu siner tochter hochzit. 

ouch zierten sich in widerstrit 
545 die herren von dem lande 

mit richlichem gewande 

und mit aller zierheit. 

riche wät und riche cleit 

wart in nach herlichen siten 
550 gein der hochzit gesniten. 

dö nü die zit wunnesam 

und der benante tac quam, 

als die hochzit was geleit, 

vil mange störie zu reit 
555 von rittern und von vrouwen. 

man mochte wunder schouwen 

an manger ritterlichen schar 

und an manger vrouwen clär, 

526 die fehlt F 528 wuns F wunezes 529 mancher edeler 532 
gemeinelichen F jnnecliche" 534 ot fehlt 536 mangen fehlt 538 jet 
539 da 540 recht FO 543 hogeezit 547 bit O öfter 549 waz in F 
herrelichen F herlichem 550 hogeezit O 551 da F 552 benannte F 553 
hogeezit O 554 m. geselleschaff 555 Ritters 557 mancher ritterlicher O 
558 mancher 

Kernt, Heinrich von Freiberg. 2 



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18 



die da gefeigetieret, 
560 schone und wol gezieret 
brächten engelischen schin 
aldä zu Karke mit in in. 

Do mit den gesten, als ich las, 

hüs und stat gevtillet was 
565 und man herberge in gewan, 

daz man ir nimmer mochte hän, 

dö sluoc man hütten und gezelt 

alum die stat üf daz velt 

von pfelle und ouch von sfden. 
570 ein vroelich herze liden 

wol mochte sunder leide 

dise vroelich ougelweide. 

swer üf dem hfise oder in der stat 

durch schouwen an die zinnen trat 
575 und ougelweide wolde spehen, 

der muoste in sinem herzen jehen Bl. 117c 

daz er sßhe in alle wis 

hin in der vröuden paradis. 

nu nähete iz der vesperzit: 
580 „holä vuoter!" wart geschrit, 

„zu dem hove des herren min, 

des herzogen Lovelin, 

des vürsten von Arundelß!" 

dise krie er ofte schrß 
585 ein knappe, wen er konde ez wol: p. 211a. 

„holä vuoter, holä, hol! 

holä vuoter, holä vuoter!" 

dar nach ein knappe vruoter 

rief lüte und nicht lise: 
590 „holä, holä küchenspise !" 

so rief aber einer: „holä tranc!" 



561 engelschen 563 Da F 565 ir gew. F in herberge 566 nume 
mocht gehan 567 da F 568 all vmb 569 pelle O ouch fehlt 572 
angenweide O 573 hns F 575 angenweide O biß müßt O syrae 577 sehe 
all wis 578 min in der vrowB p. F hin fehlt 579 nahet FO iz FO 
583 arvndile F armidele 584 dnse kreigerie er dicke schre 585 Ein 
jungeling wan er kondes wol O 588 jungeling guder 589 rif F 591 rif F 



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19 

swer sich 6t da zu hove dranc, 

dem gap man alles des zu vil, 

des ein herze wünschen wil 
595 von ezzen und von trinken. 

die sunne begonde sinken, 

die zit sie mit ir brächte, 

da bi man wol gedächte, 

ob mans bedenken wolde, 
600 daz man zu äbent ezzen solde. 

Nu wart ouch da gesümit nicht: 

die tische wurden gericht, 

tuoch und bröt dar üf geleit. 

nu was daz wazzer bereit; 
605 Isöt die maget des ersten 

mit juncvrouwen den hersten 

in züchten wazzer da nam, 

dar nach manch vrouwe wunnesam. 

die vürsten wazzer nämen, 
610 vil herren dar zu quämen 

und manch ritter wunnenclich, 

die nämen wazzer und satzten sich. 

mit züchten man in vür truoc 

wol bereiter spise gnuoc. 
615 und schancte in üz erweiten win 

in trincvazzen guldin. 

waz hilf et, ob ichz machte lanc? 

dö man nu gaz und getranc 

und man die tische danne truoc, 
620 Karsie sinnic unde kluoc 

hiez die videlere Bl. 117 d. 

üf strichen wunnebere 

und hiez sie machen einen tanz. 

daz geschach: manch richlich swanz 
625 von schoenen vrouwen wart gesehn 

an dem tanze, horte ich jehn. 

592 ot felüt O 596/*. di F 599 obe 604 do wasser 607 do wasser O 
608 manche 612 die felüt F 614 wol bericht spisen genüg 615 schenkten 
617 obe ich is mache 618 da F nu fehlt geaß O 619 dissch danne 
623 hiez fehlt F 624 richer O 625 geseen: jeen 626 tancz hört F 

2* 



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20 

der höchgemuote Tristant 
nam Isöten an die hant 
und vuorte zu dem tanze sie. 
630 vil herren, rittere, jene und die, 
alte züchteclich und jungen, 
gemeine zu dem tanze drungen. p. 211b. 

Do sie nu vroelich tanzten, 

in vröuden umbe swanzten, 
635 inredes ein bischof quam 

in den tanz, als ich vernam. 

sin ornät mit zierheit 

hete er schone an sich geleit. 

der herzöge Lovelin 
640 und sin sun Käedin 

die nämen die maget Isöten, 

an sorgen gar die toten, 

unde vuortens in den rinc. 

der höchgemuote jungelinc, 
645 von Parmenie Tristan, 

der muoste gein der magde stän. 

waz sol ich hie von sprechen me? 

der bischof im zu rechter e 

gap Isöten die maget 
650 und gab in ir, als diz buoch saget; 

und wart diz zwischen in beiden 

mit triuwen und mit eiden 

bestetet, als iz solde sin: 

er gab ir sin vingerlin 
655 und sie im daz ire wider. 

hie mit gesäzen sie nider; 

vil kerzen wurden üf gezunt, 

man brächte in trinken sä zustunt. 

dö sie getrunken, dö hiez man 

629 tancz F 630 ritter 631 die alten zuchtenclich vn die jung© 
632 tancz F gemeynclich zu dancze 633 Da F 634 vm F vmb 635 
jrren des F jn des 636 ichs O 637 zirheit F 638 hat er F hatter 
642 sorge 643 forte si 645 permenie F 646 megede 653 iz FO 
solt O 655 ir O 656 saisse O 657 uff entzünt O 658 brach F so zust. O 
659 da F 



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21 

660 Tristane sa zu bette gän. 

her Tristan gienc zu bette, 

vil schiere er sich enpfette 

und leite in grözen vröuden sich. 

Isöt die maget wunnenclich 
665 die wart gevüeret im aldar 

von der vrouwelichen schar. 

ir muoter Karsie, Bl. 118 a. 

die reine, valsches vrie, 

die höchgemuote herzogin, 
670 Tristanden an den armen sin 

ir liebe tochter leite; 

der magde sie dö seite 

und dem höchgemuoten degen 

mit worten mangen süezen segen. 
675 die kiuschen und die clären 

vrouwen, die da wären 

mit ir in der kemenäten, 

iren segen ouch dö täten 

über sie und giengen hin vür. p. 212 a. 

680 Karsie die tet zu die tür. 

Tristan stuont üf unde slöz 

da vür ouch einen rigel gröz. 

Die wile daz her Tristan 

die türe sliezen began, 
685 so lac sins herzen vrouwe dort, 

siner niuwen vröuden hört, 

Blanschemanis die schoene Isöt, 

und besorgete ire not 

umb ir megetlichen ruom 
690 und um ir blüenden magettuom. 

zwo kerzen ob ir brunnen: 

660 Tristan O so 661 ginc F ging 662 schire F entwete 663 
leit F 664 Isote F wonneclich 666 vrolichen F von den freuwelicher 
seh. O 667 In m. F 670 Tristande arm F 671 lieben F 672 megede 
da saite F 673 hochgemvte F 674 manchen 677 mit in d. kemi- 
naten F 678 ovch sie t. F 679 vor: dnr O 680 karsie det 0. 682 dar vor 
684 tur F dur 685 do sines F frauwe 686 nuen F nnwer 687 
Blanczemans 688 besorget F ir 689 jren O 690 vmb jr5 bluwende 
blunden F 691 zw F zwo obe" ir kercze" 



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22 

Isöt die maget der sunnen 

was mit ir schoene nähen glich. 

sie lac dort harte megetlich 
695 und was gedanken nicht ein gast. 

nu gap der kerzen widerglast 

ir hermelwize scheitel. 

tsöt nam ir pfeitel, 

ir wizen bein die linden 
700 begonde sie dar in winden. 

sie want und war sich vaste dar in; 

sie wolde daz bittende blüemelin 

irs bittenden magettuomes wem, 

eine wile vor Tristande nern. 
705 ir beide diech, ir beide knie 

an ir biuchel dructe sie 

vaste und minnenclichen zwar. 

sie hete irs magettuomes vär; 

die schoene maget Blanschemanis 
710 ir blanken arme criuzewis 

vaste über einander schrenkete, 

gein herzen sie die lenkete 

und dructe sie uf ir brustel. 

sie dächte: „ob ein gelustel Bl. 118b. 

715 von herzen Tristande gät, 

daz er dich minnenclich bestät, 

so vindet er dich doch bi wer. 

ob ich mich eine wile ner 

vor im durch megetlichen pris, 
720 der junge stteze Parmenis 

her nach mich habet deste baz." 

ei, wie wol bedächte daz 

der minne ein menschlich noezel! 

sie lac an einem cloezel 
725 zu samne gedrücket 

693 m. der Schönheit na gelich 695 gedenkens 697 hermilwize F 
699 wisse ir linden F 701 vn hark F 702 daz blunde hl. F 703 jr 
Munde" F 704 vnr 705 beiden d. O dich F 706 an daz hüchelen 707 myfiec- 
lichen 708 hat F hatte 710 arme" 711 schrencte: lencte F 712 sie sich F 
713 dmctes F 714 abe eyne glustel 716 niyfieclich 717 dich ovch bie 
wer F 718 obe 719 vnr 721 hat O dest s F 722 Eya 724 in eyme 
725 zu same 



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23 

und minneclich gesmttcket p. 212 b. 

in megetlichem ruome. 

sie hete ir magettuome 

gebüwet eine vesten 
730 üz geziuge dem besten, 

als ir muoter hete erzogen, 

üz armen und üz ellenbogen, 

üz henden und üz beinen; 

ir vesten dach, der reinen, 
735 daz was ein hemde sidin, 

da het sie sich geprisit in 

und vornet so minnenclich, 

daz sin noch hiute jämert mich, 

daz ez von Tristandes hant 
740 nicht wart zurizzen noch zutrant. • 

Her Tristan gienc zu bette wider 

er leite sich bi die maget nider 

und dacte sich lieplich zu ir. 

sin herze und al sins herzen gir, 
745 sin wille, sin sin und al sin muot 

was im gein der megde guot. 

an sie gar nähen smucte her sich 

und begonde gar vriuntlich 

gein der megde gebären; 
750 irs magettuomes vären 

gar minnenclich er wolde, 

als er zu rechte solde: 

er begonde näher grifen, 

den armen liez er slifen 
755 und leite in under ir helselin. 

„ja", gedächte Isöt, „ez muoz nu sin". 

sie het sich alles des erwegen, 



728 het F hette jre 730 gezogg 731 het F hatte 732 elle- 
boge F 735 heimde F 736 hat F hatte 737 vornehet F vernet myfiec- 
lich 738 daz sin halt noch iamert F daz is noch hude 740 vnd en tränt 
741 ginc F ging 742 zu der m. 743 kerte eich liplich F 744 
alle 745 alle 746 megede 747 na smücketer 749 gen die maget 
750 jr F 751 myneclich 753 na ir O 754 arm F liz F suchen 755 
lecht 756 dacht 757 hatte 



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24 



des er mit ir wolde pflegen. 

ir wille, ir megetlicher muot 
760 was ouch gein dem manne guot: Bl. 118 c. 

minne und lust, die giengen entwer 

under in hin unde her. 

die maget in siner minne bran, 

und in ir minne bran der man. 
765 er begerte ir, sie begerte sin. 

owe! nu hete ein vingerlin 

her Tristan an siner hant. 

da bi er etiswes ermant 

wart, da von er quam in not: 
770 swie wol ez im Isöt erbot, 

sin lip erbibete und erschrac, 

sin herze ersiufzete und er gelac. 

gelac er? ja. wer? her Tristan p. 213a. 

gelac rechte als ein toter man. 
775 . warumme lac er lebender tot? 

dö quam jene ander Isöt, 

von Kurnewal die künigin, 

die im da gap daz vingerlin, 

als ir triuwe daz geriet, 
780 dö er in triuwen von ir schiet. 

dort in dem garten daz geschach, 

dö der künic selber sach 

Tristanden, sun der swester sin, 

ligen mit der künigin. 

785 Die selbe Wunde bele Isöt, 

die quam rechte als ein morgenröt 

und als ein brehender sunnenschin 

Tristanden in daz herze sin. 

ir beider vrouwe die Minne, 
790 die vreche stürmerinne, 



759 megtlicher F 760 dein fehlt F 765 er gert ir sie begerte sie F 
766 auwe het F hat er 768 eczwas 769 do F 7712 in umgestellt 
771 erbibet F erbebete 772 herz ersvftzet F 774 recht 775 war vmb 
gelag 776 da quan ien F 777 Cnrntiwale 778 da fehlt 780/2 da F 
784 bi der 785 Absatz nur in F bluende bei F 786 rech F recht 
787 byrnSder 788 Tristande O 



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25 

die quam dort her sturmrüschende, 

mit ir vlammen lüschende 

und mit ir heizem viure 

und vuorte die gehiure 
795 Isöt, die Wunden fiz Irlant, 

durch der kemnäten ganze want 

und legete sie gar snelle 

rechte in die innern zelle, 

die in Tristandes herzen was. 
800 da nam sie Tristan, als ich las, 

und legete sie lieplich hin in 

in sines herzen inren schrin, Bl. 118d. 

aldä sin geist sins lebens pflac. 

da lac sins herzen östertac, 
805 Isöt die Wunde bele; 

und Isöt von Arundele 

die lac im an dem armen hie. 

„waz meinet er", gedächte sie, 

„daz er also stille liget 
810 und alles des mit dir nicht pfliget, 

des liep mit liebe pflegen sol? 

ich konde im doch geantwurten wol, 

ob in des nicht beträgete, 

daz er mich ichtes vrägete. 
815 nu hän ich disem lieben man 

nie kein ungemach getan. 

warumme zürnet er gein mich? 

ei, herre, weder bin ich 

im zu junc oder zu alt? 
820 oder bin ich als ungestalt, p. 213 b. 

daz er min nicht zu wibe enwil?" 

der gedanken treip sie vil. 

ob ichz mit loube sprechen tar, 

so weste sie wol, waz ir da war, 

792 irm F 793 jrem heissen viwere: gehiwere F füre: gehure ö 
795 bluende 796 kemnate" F kamere" 797 leite 798 recht F jnrC O 
800 do O 801 leite 802 sins 803 da leben F 805 bluende la bele F 
807 arm F 808 dechte O 810 nit mit dir enpliget 812 kond doch im F 
künde geantworte 814 jet frag. O 815 dusen O 816 ni F vngelnck 
817 war vm F war vmb wid'mich F 818 Eya 821 zv wiebe wil F 
822 gedenke 823 obe O 824 wiste O do O 



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26 

825 doch vuor ir meister tröst hie mite, 

daz sie gedächte: „ez ist ein site 

vil lichte in Parmenie, 

daz man die megde vrie 

und Wüsche 16t die erste nacht. 
830 ist sin durch ein zucht erdächt, 

so mac ez wol gevüege sin. 

sie haben dester lichtern schin, 

swenne sie des morgens üf sten, 

von bette zu den Unten gen." 
835 Swie vil sie der gedanken treip, 

irs magettuoms sie maget bleip. 

ob sie des willen were ein brüt, 

da bedarf man Tristant iren trüt 

nicht vil umbe vrägen zwar. 
840 nu wart ez tac; die sunne clär 

durch die venster üf sie schein. 

Karsie ir muoter wart inein, 

daz sie mit der vrouwen schar 

quam vtir die kemenäten dar. 
845 sie klopfte züchticlichen an. 

nu stuont ouch üf her Tristan. 

er leite an die cleider sin 

und liez die vrouwen hin in. Bl. 119 a. 

Karsien was ir tochter trüt: 
850 sie nam Tristandes wänbrüt 

und legete ir riche cleider an, 

als sie best« mochte hän, 

und baut sie nach der briute site 

und gab in beiden hie mite, 
855 irem eidem Tristanden 

und ouch der wizgehanden, 

zu briutelabe stiure 

825 meiste O 826 dachte 827 vil fehlt permenie F 828 megede 
829 lan erst F 830 Jst is d. eine 832 hant deste liechterS 833 
wan steent: gent O 835 gedenke 836 ir F maget si F 837 obe 
wille F were feMt O eyne O 838 ir F 839 vmb FO 841 eyne vinster 
844 kemenate 845 dopten 847 det an O 848 liz F 849 karsie 
850 wane brut F 851/2 in F am Bande nachgetragen 851 leget F lechte 
852 so si dye besten konde 855 tristande: wizgehande F 857 bmtlobe 
stYwer: menschvwer F sture: manse vre 



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27 

ein petit menschiure. 

daz äzen vor dem bette sie. 
860 dö daz geschach, gein kirchen gie 

die brüt vor alle den vrouwen. 

swer ougelweide schouwen 

wolde und herzen wunne spehen, 

der mochte wunnenclichen sehen 
865 an dirre vrouwelichen schar 

sins herzen ougelweide zwar. 

ouch gienc Isöt, Tristandes trüt, 

die mit dem namen was ein brüt 

und noch der werke was ein maget, p. 214 a. 

870 als ir benachtet noch betaget 

were der dinge ichtes icht, 

da von man brüt den briuten spricht. 

an ir geberden nicht erschein 

weder daz megetliche nein 
875 noch daz wipliche ja. 

sie gebarte tugentliche da, 

sie konde mit züchten übersen, 

ob ir was icht oder nicht gesehen. 

Do nü die messe gesungen was, 
880 des herzogen palas 

was alumme und umme gar 

behangen mit sperlachen clär, 

die meisterliche warn gebriten, 

wol geworcht und underspriten 
885 mit'siden und mit golde. 

manch gelwer bluomen tolde, 

rösen rot und grüenez gras 

üf den estrich geströuwet was. 

was touc hie lange von geseitV 



859 vur den bette F 860 da F zu k. 861 vur allen F all 
862 augenweide schowe F 865 an dnser frenwenclichen 866 augen- 
weide 867 ginc F ging O 868 eyne 869 wereke F eyne magt F 870 
vnd bed. 871 wer F nichtes nicht O 872 do F von brvte" F 877 sehen: 
gescheen 878 obe ir was jet gesch. O 879 die fehlt 881 alum vü vmme F 
al vmb vnd vmb 883 meisterlich FO worn F feldt O 884 geworch F 
gewirket O vnder sneden 885 seiden F 886 gelwe F 888 gestreuwet FO 
889 was sal hie van lange g. O 



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28 

800 die tische wurden ouch bereit. 

dö sie von kirchen quämen, 

wazzer sie dö nämen. 

er Tristan saz zu tische hin, Bl. 119 b. 

man sazte Isöten neben in: 
895 ie zwischen zwein vrouwen guot 

saz ein ritter höchgemuot, 

ein vrouwe zwischen rittern zwein: 

hie wät gein lichter wete schein 

und golt gein brehendes goldes schin. 
900 der herzöge Lovelin, 

an dem vil höer eren lac, 

der inren geste schone pflac; 

der üzern geste über al 

pflac Käedin und Kurvenal. 
905 vil guoter spise man dar truoc 

und gap in der me denne gnuoc, 

man goz in in die trincvaz 

lütertranc und möraz 

und edelen kyprischen win. 
910 Tristan und die vrouwe sin 

da mit züchten säzen. 

sie beide nicht vil äzen: 

gedanken an in machten daz, 

da ietwederz inne saz: 
915 Tristan gedächte an jene Isöt, 

dise Isöt von gedanken not p. 214 b. 

darumbe leit, daz her Tristan 

sie hete maget gelän. 

Dö man nu hete gezzen, 
920 die ritterschaft vormezzen 

890 auch F die disschlachen wurden uff geleit 892 da gen. 893 
her tr. 894 ysot F 895 vn ie F 897 Eyne vrowe" F rittere - 898 hie 
wait gelicher w. 899 Drehenden sehe! F 903 vzzer F ussere gestes F 
904 kvrnuual F, sonst kvruenal. O kennt nur Curaeual und schreibt anderer- 
seits Curnuual, Curnüual für das Land Kurnewal 906 dan 907 goz in 
die F 909 kipersen O 910 vrowe F 913 gedenke O 914 itweders F jeke- 
liches O 915 gedacht F dechte 917 dar vmb FO 918 hette F hatte 
919 Da F hete F hatte 



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29 

begonden sich rottieren 

und schone fegetieren. 

von manger edelen geburt 

huob sich ein wunneclich buhurt 
925 alhie vor den vrouwen. 

die vrouwen giengen schouwen 

und leiten in die venster sich. 

Isöt die brüt gar züchticlich 

gienc mit den anderen schouwen dar 
930 und nam doch Tristandes war 

in herzen üf künftige dinc. 

ir geviel kein jungelinc 

baz wen der edele Tristan, 

der sie doch maget het gelän. 
935 dö nü der buhurt zurgie, 

do sach man mangen ritter hie 

verbunden under helmen, Bl. 119 c. 

die stoubeten den melmen 

und ritterlichen in der zit 
940 üf einander widerstrit 

gar prislichen stächen 

und manich sper zubrächen. 

swaz kurzewile ie man began, 

die wart alle hin getan 
945 äne daz eine liebe spil, 

da von ich nicht vil sprechen wil, 

des man in dem bette pfliget, 

so liep bi liebem liebe liget: 

daz wart von hern Tristan 
950 zu dirre höchzit gelän. 

Waz hilf et, ob ich lenge daz? 
dö man des äbendes gaz, 

922 vil schone feigeteren 923 mager F mancher 924 michel 
buh. behvrt F 925 Yur O 928 zuchtenclich 932 beviel 933 dan der 
edel 934 hatte 935 behvrt F 936 magen F manchen 938 steübten 
O 939 yü ritttlich an d' z. 940 in wid^trit F uff eyn an weder st. O 941 
priselichen (oder prisclichen) F 942 manch 945 an F ayn libe F 947 
pleget 948 wan lieb O b. 1. libe Ö mit liebe liebe F 950 zu duser 
hogeczit 951 abe 952 da F 



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30 



Isöt unde her Tristant 

zu bette giengen sä zuhant 
955 und leiten bi einander sich. 

bi dirre maget minnenclich 

lac er aber als ein ron. 

waz sol ich sprechen me hie von? 

underwilen daz geschach, 
960 daz er ein wörtel gein ir sprach. 

und swen er daz von munde lie, 

da mit ein siufzen stete gie. 

diz underwilen ouch geschach, p. 215 a. 

daz er jach mit dem siufzen: „ach! 
965 ach, Isöt, Isöt, Isöt!" 

des nam sie wunder und tet ir not, 

der die im an der siten lac, 

und mit ir keiner liebe pflac; 

sie sprach nicht und gedachte sän: 
970 „Tristan, Tristan, Tristan! 

vriunt, wolt ir icht? ich bin alhie." 

ei, wie weninc weste sie, 

daz ez ein ander Isot 

was, durch die er leit die not. 
975 die höcbzit nach des buoches sage 

in vröuden ganzer acht tage 

al umb und umbe werte. 

Tristan 6t nicht begerte 

Isöten noch enwolde, 
980 als er zu rechte solde, 

gemeinschaft haben nicht mit ir. 

daz muote sie doch, geloubet mir. 

Do nü die höchzit zurgie 
und sich die herschaft zulie 
985 und die Wirtschaft ende nam, 



954 gingg si zu h. 955 zu eyn. 956 duser mynneclich 957 
aber zweimal 958 mer F 959 ynd wilen 960 wortlin zu ir 961 
wan 962 stedes 963 vnderwilen ouch daz g. O 965 ach ysot ach ysot 
F 971 willst jet 972 Eya wie wenich wiste 973 daz is was eyne 
974 duse not O 975 hogeczit 97G gancze 977 Ymb FO 978 ot fehlt 982 
geloubet sin mir F geleubüt in. 983 Da F hogeczit uergie 985 ein ende F 



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31 

eines nachtes ez so quam, B. 119d. 

daz die wizgehande Isot 

iren gebrechen und ir not 

in iren sinnen achte 
990 und allez daz betrachte, 

daz ir gen Tristande war. 

sie gedächte in irem herzen: „zwar, 

du wilt in iezu vrägen, 

solde es in ouch betragen, 
995 waz er meine hie mite, 

daz er mit dir alle der site 

nicht eines pfliget, der ie man 

mit liebem liebe began." 

hie mite sprach ouch sie zuhant: 
1000 „vriunt lieber und herre Tristant, 

war umme zürnet ir wider mich? 

durch iuwer zucht sagt mir, hän ich 

wider iuwer hulden icht getan? 

des läzet mich zu buoze stän 
1005 nach iuwern gnaden, hßrre guot!" 

Tristan die wort in sinen muot 

mit inneclichem herzen nam 

und sprach, als im wol gezam: 

„zürne ich, vrouwe?" „ja!" sprach sie. 
1010 „nein ich", „ir tuot. nu saget, wie 

oder wä von ist kumen daz, p. 215 b. 

herre, daz ir mir sit gehaz?" 

Mit züchten sprach her Tristan: 
„weder haz noch arcwän 
1015 trage ich gein iuch, schoene Isot. 
iuch wirret lichte ein ander not." 
„mir wirret, daz mir wirret, 



986 also F 987 gewizgehande F 988 gebreste" O 990 in F am Bande 
nacfigetragen 992 dechte O 994 solt F vnd suldes O in halt F 996 mit 
ir an> d s site F dir mit alle O 998 libe O 999 hie mit O ouch fehlt F 
1000 vrvnt lieber herre vii tr. F frtlt h^e. ynd liebe her tr. 1001 vmb 
1002 sageiit saget F 1003 hulde jet 1004 lat F laissSt büssen 
1005 genaden F na uwehi hulde" 1008 zam F 1010 sagent 1011 wo F 
is O 1012 siet F da sit ir mir g. 1013 Absatz nur in F 1014 argewan 
O 1016 licht eyne 



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32 



daz ich mit iuch verirret 

mannes unde liebes bin. 
1020 des ist betrüebet min sin." 

„sit ir vorirret?" „ja", sprach sie. 

„wie so?" sprach er. „da liget ir hie 

dem gelich, als ir sit tot." 

„meinet irz also, min schoene Isöt?" 
1025 „wie solde ichz anders meinen? 

ir mochtet mir bescheinen 

doch mit guoter rede, daz 

ir mir weret nicht gehaz. 

nu liget ir rechte als ein man, 
1030 der nie herzenliep gewan. 

irn koset noch enredet nicht; 

swen aber zu reden iuch geschieht, 

so ersiufzet ir und sprechet: Isöt, Bl. 120a. 

Isöt, Isöt! wes tuot iuch not, 
1035 daz ir so ofte ruofet mir? 

werlich, herre, nu wizzet ir 

wol, daz ich bi iuch lige alhie 

und daz iuch vriuntlich kosen nie 

von minem munde enwart versaget." 
1040 Tristan verstuont wol, daz die maget 

hie mite meinte ein ander dinc. 

mit züchten sprach der jungelinc: 

„vrouwe Isöt, erloube mir 

zu reden ein wenic mit dir!" 
1045 Isöt alsiufzende sprach 

uz listigem herzen: „ach, 

herre min, wes schimpfet ir her? 

nu ist daz mines herzen ger 

gewesen dise lange wochen, 
1050 daz ir mir hetet gesprochen 



1018 fehlt in O 1019 libes FO 1020 bedrübt O 1022 wiso F 1023 
glich O ßiet F 1024 meynet O myne O 1025 solt F ich O 1026 fehlt in F 
muchtet O 1028 daz ir O wäret F 1029 ligent O recht FO 1030 h^e liep 
F 1031 ir koset F ir enk. O enredent O 1032 wan O 1033 ersuffczSt, 
sprechet O. Von nun an gebe ich für O diese abweichende Flexion nicht 
mehr an. 1034 waz F 1035 dicke O 1037 hie F 1038 vch fehlt in O 1039 
wart F 1041 mit O 1043 erleube O 1044 ewenich O 1047 was O 1048 
nu duz ist myus O 1049 lauge lange O 1050 nvr(?) het F 



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33 

und gekoset mit mir. 

im redet an, waz meinet ir?" 

Her Tristan zu der megde sprach: 

„ein äventiure mir geschach 
1055 zu Weisefort in Irlant: 

da sluoc ich einen serpant, 

gröz und ungehiure, 

der werte sich mit viure. 

und als ich in überwant, p. 216 a. 

1060 dö hete er mich so gar vorbrant, 

daz ich vor hitze küme genas. 

ein trüebe lache nähen was 

bi mir; da senkete ich mich in 

durch genist des lebens min. 
1065 ez was ein wunder wunderlich 

und wundert sin noch Mute mich, 

daz ich dar inne nicht ertranc, 

wan ich unz an den heim versanc. 

und als ich was in dirre not, 
1070 der magde ich ein gelübde bot, 

die unseren herren Crist gebar. 

ich swuor ir unde läze ez war: 

swenne mir der seiden tac betaget, 

daz mir getrüwet würde ein maget, 
1075 die ich minem libe 

zu vrouwen und zu wibe 

in rechter e solde hän, 

daz ich sie maget wolde län 

und kiusche ein umbe gendez jär. Bl. 120 b. 

1080 dö ich den eit volbrächte gar, 

vil schiere mir zu helfe quam 

1052 nu sprechet O 1053 Absatz nur in O megede O 1054 ewetuwer F 
eyne O 1057 vngehiwer: vuwer F vngehure: füre O 1060 nv het F do 
hatter O tu gar O 1061 vur hiczen O 1062 lachen F Eyne trübe bach 
na w. O 1063 senket F senkte O 1064 lebnes F 1066 wunderte F 1067 
da jnne O nich ertr. F 1068 want O bis an O 1069 duser O 1070 magt F 
megede O eyne O 1071 vnsen O 1072 swur sin F lasens w. O 1073 swenne 
nur hier F wan O 1074 eyne O 1075 minen liebe F 1076 neme sulde zu 
O 1077 jn rechte wulde h. O 1078 sulte O 1079 kvsch FO vmb FO 1080 
da ich volbrächte den eit g. F vollenbr. O 1081 schire F helffen O 

Bernt, Heinrich von Freiberg. 3 



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34 

ein schoene vrouwe wunnesam 

und mit ir eine schoene maget, 

daz mir so schoenez nie betaget 
1085 in herzen noch in ougen wart. 

mit iren wizen henden zart 

hülfen sie mir von den sweren; 

ob ez von himele weren 

zwene engele, des enweiz ich nicht. 
1090 min vrouwe Isöt, durch die geschieht 

hän ich wider iueh getan, 

daz ich iueh maget hän gelän 

und läzen muoz, als mir gezimt, 

unz min gelübde ein ende nimt." 

1095 „Ei, waz sprechet ir, lieber man? 

und habet ir wider mich getan 

an disen dingen, als ir saget? 

nein ir, zwar; und ob ich maget 

blibe biz an minen tot, 
1100 dar umb gelide ich nimmer not. 

lät mich sin, als ich nu si, 

und sit mir sus mit triuwen bi 

und redet mit mir understunt 

und versaget mir iuwern munt 
1105 nicht, als ir e habet getan." 

Isöt die maget, Tristan der man, 

die beide hie versuonten sich 

mit rede harte minneclich. 

Isöten ande und ange 
1110 doch was, daz sie so lange p. 216 b. 

des lieben spiles solde enpern. 

sie gedächte: „ez enmac gewern 

doch immer nicht diz eine jär!" 

1082 Eyne O 1084 Schoners O 1085 yü noch F 1086 im F 1088 
obe hemel 1089 zween engel 1090 mine 1092 hab F 10&4 bis 
daz myne globde ende n. 1095 Eya lib s F 1096 hab F hait 1098 
obe O 1099 belibe O 1101 nv bin (gestrichen) sie F 1102 siet F jn tr. O 
1104 vnd nit uersaggt mir uwe s n m. 1105 nicht fehlt habt F hat 
1107 v^vndet F uersünet 1108 reden 1111 üben F solt enberen 
1112 si sp r ch is enmach geweren 1113 doch immer nit da ein j. 



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und nam ir guot gemuete zwar. 
1115 do sie siner meine enpfant 

und ir rechte wart bekant, 

daz ez nicht anders mochte sin, 

sie tet ir tugent an im schin 

und lebete mit im also wol, 
1120 als lieb mit liebe leben sol 

äne daz eine, daz sie nicht 

mit siner minne hete pflicht. Bl. 120 c. 

sus lebete er also minneclich 

mit ir, daz sin vrouten sich 
1125 der herzöge und die herzogin 

und ir bruoder Käedin; 

der vroute sichs vil swinde 

mit alle dem hovegesinde. 

Do nü der süeze Parmenois, 
1130 Tristan der stolze und der kurtois 

in Arundele aldä verbleip 

und mit Isöten vortreip 

der zit vil nach ein halbez jär, 

nu was sin muot vervlizzen gar 
1135 üf alle weideliche dinc. 

eines tages der jungelinc 

reit beizen mit den valken sin; 

mit im reit ouch Käedin 

und der getriuwe Kurvenäl. 
1140 die valken zu dem selben mal 

ervlugen mangen wilden ant, 

vil reiger, mangen vasant, 

hüener und vogel äne zil. 

do sie nu mit dem vederspil 
1145 der kurzewile düchte gnuoc, 

1115 da F «ine befant 1119 lebet F als 1120 mit libe F 
1121 an .F ayn 1122 hatte 1123 lebet F lebeter 1124 frauwete 
O 1127 freuwete 1128 dem gesinde 1129 permenoys F 1130 vnd 
kurtois 1131 da bleip F uerleib 1133 wol ymb eines halbes F 1136 
Eyns 1137 beissen O dem 1139 getriwe F Curneual 1141 manchen 
1142 magen F manchen 1143 hünre an 1144 da F 1145 genüg 

3* 



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36 



und sich die zit des tages truoc 

wol gen der vesperstunde, 

her Tristan begunde, 

der stolze, muotes vrie, 
1150 mit siner kumpanie 

gein herbergen gähen. 

dö sie begonden nähen 

dem wunnenclichen castel 

da zu Karke in Arundel, 
1155 dö stuont ein linde bi dem wege, 

die was erzogen mit sulcher pflege, 

daz sie mit esten und mit blaten 

gap vollen wint und grözen schaten; p. 217 a. 

dar under min er Tristant 
1160 einen garzün sitzen vant 

der hete gestrichen vaste 

des tages und was durch raste 

gesezzen zu der linden. 

her Tristant nicht erwinden 
1165 wolde mit den gesellen sin, 

er und sin swäger Kaedin 

und Kurvenal die kerten dar. 

der knappe schiere wart gewar, Bl. 120 d. 

daz der herre gein im reit, 
1170 üf spranc er mit hübescheit. 

von grüenem vritschäl ein tschabrün 

der lac da bi dem garzün, 

den begreif er schiere gnuoc, 

über sin aclisel er in sluoc; 
1175 sin roc was hübeschlich gesniten 

wol nach gendes boten siten 

von guotem sagite rot; 

der roc sich an der lenge bot 



1146 vn sie F 1148 begonde FO 1151 zu h. 1152 da F nachen F 
1153 wonne-clich 1154 da fehlt O arüdel 1155 Absatz FO DaFNvO 
eyne O 1158 vollen schaden 1159 dar vnde h're h s tr. 1161 hette F 
hatte 1162 durch fehlt 1164 t'stan 1168 jungeling schire F 
schier 1170 houescheit 1171 schaprün O 1172 da fehlt O 1173 schire F 
schier genüg 1174 sine 1175 honeslich 1176 behendes O 1177 
saniyt 



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37 

nicht verrer dan unz uf die knie; 
1180 des selben tuoches wären die 

hosen, die der knappe truoc, 

rot sine schuoh und hübesch gnuoc. 

der linden loubes ein schapel 

hete üf sin houbet der knappe snel 
1185 gesetzet harte stolzlich. 

nach sinem stabe bucte sich 

der wegemüede sarjant 

und nam in in die zeswen hant; 

den arm er von im stracte, 
1190 den stab der knappe stacte 

ein wenic in die erden 

und stuont in den geberden. 

als er antwurten solde, 

ob man in vrägen wolde. 

1195 Her Tristan hübsch und gruozsam 

den knappen gruozte, als im gezam; 

und er im under ougen sach, 

alsus gruozte er in und sprach: 

„deus sal, kurteis kumpän!" 
1200 der knappe im dankte und sach in an 

und sprach: „merzi, gentil sir!" 

her Tristan sprach: „nu saget mir, 

stolzer knappe vrech und vruot, 

durch iuwern hübeschlichen muot, 
1205 uz welchem riche kumt ir her, 

waz werbet ir, waz ist iuwer ger, p. 217 b. 

welch äventiure hat iuch gesant 

so verre in dise unkunde lant?" 

der verre kumende garzün 



1179 dan fehltF vntz vf an die F bit uff O 1181 jungelingO 1182schvhF 
schü O hvbsch F houesch O 1184 het F hatte O uff sing heubt der jungeling 
b. 1185 stolczelich O 1188 vn nam in die FO zeswen fehlt O 1189 arme O 
streckte: steckte O 1190 jungeling 1191 Ewenich 1194 hinter in ein 
ich (icoM icht) radiert F 1195 houesch O 1196 jungeling zam F 1197 
vnd als er O vnd^ die ovg. F 1198 sus gruster O grnzt er F 1199 deus tu 
sal 1200 jungeling 1201 gramerczi O geltel syr F 1203 jungeling 
1204 uwe s n hubschlichen F houeslichen 1207 abentuw s F 1208 dis 
1209 jm sagete d v v re k. g. O 



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38 

1210 sprach: „herre, ich bin ein Britün; 

Britänje heizet daz lant, 

von dannen ich uz bin gesant; 

min herre heizet künic Artus, 

zu Karidol da hat er hüs Bl. 121a. 

1215 und stet sin hof so küniclich 

und ist ein künic so erenrich, 

daz man von siner vrumekeit 

liset, singet unde seit." 

Do künic Artus wart genant, 
1220 der erenriche Tristant 

sä zuhant und an der stat 

den knappen hiez unde bat 

mit im gein herberge gen. 

der knappe sich wol konde vorsten, 
1225 daz erz billich solde tuon. 

des herren Riwalines sun 

was ie von kinde, als ich vornam, 

geminne unde mitesam, 

daz an im ouch do erschein: 
1230 dem knappen üf sin achselbein 

legte er sine zeswen hant; 

also reit er Tristant 

mit dem knappen kosende; 

der knappe was im losende. 
1235 durch sine zucht der knappe greif 

dem herren an den stegereif; 

alsus gienc im der knappe neben, 

vräge und antworte geben 

begonden sie ein ander vil 
1240 und schoener rede sunder zil. 

1210 sprach feJdt 1211 Britania heist 1212 bin ich uß 1213 
Ein h^re 1214 do F 1216 er ist O 1218 fehlt in F leest 1219 Absatz 
nur in 1221 da zun. vnd fehlt 1222 jüngeling 0' nies er bat 
1223 gegen h. F zu h. 1224 jüngeling 1226 der h<re 1227 ichs 
1228 geminnet F gemynich gemutsam 1229 ouch wol do fehlt 
1230 jungelinge sein a. F 1231 legt F lechter seine F rechte 1232 
h s tr. 1233 sus zu dem jungelinge 1234 5 jüngeling 1235 seine 
zvch F 1236 Stegreif F 1237 ginc F ging jüngeling 1238 vrog F 1239 
eyn' dem andern 1240 reden 



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39 

doch vrägete in hier under 
her Tristan besunder, 
in welch riche oder in welch lant 
er von Britanje were gesant. 

1245 Der knappe züchtecliche 

sprach: „herre, in alle riche, 

swä künige oder vürsten sin, 

den sol ich die botschaft min 

künden offenlichen, 
1250 swaz ich ir 6t bestrichen 

in einem ganzen järe kan." 

„waz botschaft?" sprach er Tristan, 

„vriunt lieber, des bescheide mich!" 

„herre, wizzet, daz ich", 
1255 sprach der knappe sän zuhant, p. 218 a. 

„so schoene mere iuch tn bekant, 

daz ir in allen iuwern tagen 

habet nie gehoeret sagen Bl. 121b. 

so hübsche mere gehiure 
1260 von schoener äventiure; 

und waz iuch von mir wirt geseit, 

daz ist die ganze wärheit, 

des hän ich wäre brieve alhie." 

inredes dö quämen sie 
1265 in daz schoene castel 

da zu Karke in Arundel. 

Do daz gesinde vornam, 
daz Tristan ir herre quam, 
dö wart der gegenlouf so gröz, 
1270 der schal so michel und der döz, 
daz sie die mGre liezen ligen 



1241 vragt F fraget hir F hie O 1241 er wer gegange oder ges. F 
1245 Der jungeling zuchtenclich 1247 wo FO kvnge F wursten F vnd 
1249 uffentlichen 1250 yet 1251 eyme g. jair 1252 h> tr. 1255 
jungeling so zuh. 1256 so schone ouch du bek. 1257 uwe^n 1258 
hant nye gehört 1259 houesche gehuwer: aventuwer F 1261 wirt 
feldt F gesait : warhait F 1263 daz han O brive F 1264 jnne des so käme" 
da F 1266 da fehlt O 1267 Absatz nur in O da F 1269 da F 



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40 



und der rede wart geswigen 

von disem enlenden man. 

nu wurden ouch die tische sän 
1275 schone und viirstelich bereit, 

tuoch und bröt dar üf geleit, 

als höen vürsten wol gezam. 

der wirt des hüses wazzer nam 

mit siner massenie gar. 
1280 her Tristan liez nemen war 

des knappen mit richlicher pflege, 

wan er was stete und alle wege 

vorbedechtic unde vruot. 

des knappen hübesch unde guot 
1285 hiez der zierliche degen 

so wol zu siner mäze pflegen, 

daz sin weder e noch sit, 

vor und nach, zu keiner zit 

nie me wart gepflogen baz. 
1290 dö man nü zu hove gaz 

und man die tische tet hin dan, 

den vürsten gap man wazzer sän, 

den rittern und den vrouwen gar. 

her Tristan rief dem knappen dar 
1295 und hiez daz gesinde 

von kinde zu kinde 

stille swigen unde dagen 

und bat im den knappen sagen 

die mere, da er e sie liez. 
1300 der knappe tet, daz er in hiez. 

Der knappe was ouch rederich, 

geblüemet schöne und hübeschlich 

was alle sine rede gar; p. 218b. Bl. 121c. 



1272 reden 1273 eilenden 1276 brot vfi tnch F 1279 massauie" O 
1280 fehlt in F 1281 kanppen F jungelinges richer 1282 want vnd 
fehlt vege F 1284 kanppen F jungelinges hnbsch F houes 1285 zir- 
lichen F 1287 nach sit F 12&8 vur 1289 nie nie w. F 1290 da F nu 
fehlt F zu hon 1291 vnd nara die d. bin dan hin dar F 1292 fehlt in F 
1293 rittet 1294 kanppe F jungelinge 1298. 1300. 1301 kanppe F 
jungeliüg 1299 si e 1. O 1301 redenrich 1302 hubschlich F houeslich O 



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41 

rechte als der rösen würfe dar, 
1305 sus bluoten in der stunde 

die wort üz sinem munde. 

er jach: „hßrre, ich bin gesant 

in alle riche, in alle lant, 

zu künigen und zu vürsten, 
1310 zu helden, die sich dürsten 

län nach ritterlicher tat: 

den künde ich, daz min herre hat, 

der edele künic Artus, 

zu Karidol in sinem hüs 
1315 üz künicliches sinnes kraft 

zu eren aller ritterschaft 

einer tavelrunde erdächt, 

die ist so meisterlich volbrächt, 

so riche und also kostelich, 
1320 daz nindert künic ir gelich 

mac in allen riehen hän." 

„tavelrunde?" sprach Tristan, 

„trüt geselle, waz ist daz?" 

„zwar, herre, ich bescheide iueh baz 
1325 des Wortes tavelrunde: 

spreche ich tavelrotunde, 

so tete ich dem namen recht; 

rotunde sprichet schibelecht. 

Tavelrunde ein tavil ist, 
1330 die ist üz spehes sinnes list 

genumen und hat ouch gröze recht 

und ist alumme schibelecht 

geformet rechte alsam ein rat 

und ist so breit, daz volle stat 
1335 wit und gerüme dar an 

wol vünfhundert ritter hän, 

1304 recht FO 1305 blutem F bluwete" 1312 künde ich 1313 
edel O 1315 von k. O 1316 alle F 1317 Eyne talvelrunde F 1318 vollen- 
bracht 1319 so rieh vn so k. kostlich FO 1320 daz keyn k. O glich FO 
1326 Sprech FO 1327 tet F 1328 daz spricht F 1329 eyne 1331 gros 
1332 si ist al vmb 1333/4 in F umgestellt und die richtige Stellung durch 
a, b bezeichnet recht FO als 



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42 



der ieteslicher si ein helt 

und zu der tavelen erweit, 

menlich und genende. 
1340 die tavel houbt noch ende 

hat nicht weder hie noch dort, 

nindert ecke noch kein ort: 

die helde, die mit ritters tat 

ir manheit so gewirdet hat 
1345 und ritterlich erworben hän, 

daz sie gesitzen dar an, 

die sitzen alle herlich, 

in einer herschaft alle glich." 

Her Tristan der kurteise, p. 219 a. Bl. 121 d. 

1350 der valscheit ein weise, 

sprach: „trut geselle, hübscher knecht, 

sage mir von der tavelen recht: 

wie gröze recht mac sie doch hän?" 

„hßrre", sprach der knappe sän, 
1355 „swelch ritter des geruochet 

und äventiure suochet 

da heime in mines herren lant, 

und wirt daz an im erkant, 

daz er ritterschefte gert, 
1360 der wirt er volleclich gewert. 

ist dan, daz er beweren kan, 

daz er ein ritter und ein man 

von ritters tat geheizen mac, 

dem taget da der seiden tac, 
1365 der im in lichtem schine enstet. 

ahie! wie spilende im iif get 

der vröude brehende sunne! 

die wunnende wunne 

der wertlichen werdikeit, 



1337 yschlicher F jekelicher sie F 1340 heubt 1341 nicht fehlt 
1342 nergen 1346 die wilt er seczen dar an 1347 sitzent 1348 
gelich 1349 Der tr. F 1&51 houesche 1353 gros 1354 jungeling 
1356 aventuwer F 1357 myns O 1358 bekant F 1360 vollenclich 1361 
danne F 1365 uff get O 1366 ach O spilend F lieblich uff stet O 1367 
d. freuden brehenden sonne: wonne 1369 wereutlicher 



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43 

1370 die wirt im wunnenclich bereit; 

er muoz ouch haben rechtez adel 

und lütere triuwe sunder tadel, 

die erben zu dem Schilde; 

und wirt ouch rechte milde 
1375 und zucht an im ervunden, 

schone an die tavelrunden 

wirt er sä gesetzet 

und alles des ergetzet, 

ob im leit oder ungemach 
1380 in sinen tagen ie geschach. 

Vernemet, herre, als ich iuch sage: 

an die tavele kein zage 

tar gesitzen noch kein man, 

der untriuwe ie gewan 
1385 so breit sam ein gespalden här. 

ist aber, daz er gesitzet dar, 

der erste bizze meldet in 

und wirt wan laster sin gewin. 

swer aber daz verschulden kan 
1390 und im des heiles vrou Seide gan 

und im den tröst Gelücke birt, 

daz er da zu hove wirt 

genant ein tavelrunder, Bl. 122 a. 

den hat man uz besunder 
1395 in so höer werdikeit p. 219 b. 

und wirt sin lop so wit, so breit 

und siner eren krie 

von alle der massenie 

wirt geruofen üf daz zil, 
1400 daz einem künige were zu vil 

der schalberen werdikeit, 

die im zu hove da wirt bereit, 



1370 wonneclich O 1371 rectes F rechten 1372 luter triwe F 
1373 erbn F 1377 sa fehlt 1379 obe 1382 tauel 1383 noch enkan 
J384 vnget'we 1385 als ein 1387 der eerste bis O 1388 ist nit dan 
1390 vw F frauwe 1391 der tr. 1394 dem 1395 groisser wirdicheit 
139G wit vnd br. 1398 massanie 1400 eyme w s F 1402 da zu 
hone 0- 



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44 

und wirt sins lobes schal gesant 

mit höer wirde in alle lant." 
1405 der knappe sin wärzeichen 

und sine brieve reichen 

begonde dem herren in die hant. 

der wol gelerte Tristant 

an den brieven selber las, 
1410 daz alle die rede war was, 

die der knappe het gesaget. 

hie mit wart der mere gedaget. 

Her Tristan sä zu bette gienc. 

ob sin herze muot gevienc, 
1415 daz weiz ich sunder vräge wol. 

sin herze daz wart muotes vol, 

im stolzte herze unde muot, 

sin muot der wart so rechte guot 

und üf die hübschen mßre verdächt, 
1420 daz er weninc slief die nacht. 

sin manheit und ir minne, 

der süezen kilniginne, 

der Wunden Isöte, 

die reizten ie genöte 
1425 den helt üf niuwe ritterschaft. 

sin lip und al sins herzen kraft, 

sin gedanc, muot unde sin, 

die stuonden im 6t alles hin 

gein Britänje in daz lant, 
1430 aldä man äventiure vant 

und da man ritterschefte pflac. 

des morgens vruo, dö ez wart tac 

und der herre Tristan 

begonde üf von dem bette stän 

1403 sines 1404 hoher 1405 jungeling 1406 brive F 1409 brifen F 
an dem breve 1410 alle rede F 1411 kanppe F jungeling hatte 
1413 sa fehlt 1414 vff sin h. 1417 stolczete 1418 der fehlt 1419 
honesche 1420 wenich slif F 1421 sine 1423 bluden F bluende O 
1424 reissete in 1425 niwe F 1426 al sinis h'cze kart F alle 1427 
sine gedenke 1428 jm allis da h. 1429 gen britanie* 1430 aventi- 
were F 1431 rittachaft F 1432 da F 1434 begond F gan ü 



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45 

1435 und er von keminäten gie, 

nü was ouck der böte hie; 

urloup er von dem herren nam. Bl. 122 b. 

der herre in liez, als im wol zam, 

mit guoter handelunge. 
1440 Tristan der süeze junge 

hiez im zu siner llpnar p. 220 a. 

zwo marc goldes wegen dar. 

die nam der knappe und wart vro, 

dem herren schone dankte er dö; 
1445 hin gähte der kurteise 

üf sine wegereise. 

Hie nähet äventiure: 

der Parmenois gehiure 

wil sine reise nü nicht sparn, 
1450 er wil nach äventiure varn, 

sine jugent die gehiuren 

die wil er äventiuren; 

äventiure wil er gern 

und äventiure wil er wern; 
1455 swer äventiure an in begert, 

äventiure er den gewert. 

der sun Blanschefliuren 

der was mit äventiuren 

von kinde erwachsen und erzogen; 
1460 sint daz er äventiure gepflogen 

mit eren hete unz an den tac, 

da von im äventiure lac 

in herzen zu aller stunde; 

im was die tavelrunde 
1465 mit stolzlicher stiure 

zu niuwer äventiure 

1437 frre F 1442 zwa wigen 1443 der jungeling nam daz O 
wrat (= wart) F 1444 er seh. d. er do F dankter schone do 1447 Hie 
nahet vns aventvwer: gehvwer F 1448 permenoys F 1449 nu fehlt F 
sparen: varen 1450 ewentuwer F auenture 1451 die fehlt F gehuwer: 
aventaren F 1453 aventuwer F ebenso im folgenden geren : weren 1455 im 
gert F 1457 blantachifluren : aventaren F blanczeflure 1459 erwaschsen F 
1461 het F hatte bis an 14G3 allen F stonden 1465 stvwer F 1466 
nver F 



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46 



in sin manlich herze kumen. 

nu hete ouch Kurvenal vernumen, 

daz sinem herren was sin niuot 
1470 stritic, willic unde guot 

gein Britänje in daz lant. 

sunder sümen sä zuhant 

mit Kurvenäles rate 

gienc her Tristan dräte, 
1475 da er vant den sweher sin 

und sine swiger die herzogin; 

mit züchten er da vür sie trat, 

gar züchticliche er ouch sie bat, 

daz sie im erloubten die vart. 
1480 die bete vtirbaz geschoben wart 

an iren sun Käedin 

und an Isöt die vrouwen sin. 

dö Käedin die mere vernam, 

er jach getriuweliche, als im zam: 
1485 „swä min swäger Tristan 

eren icht erwerben kan, 

da sul wir alle dienen zu. Bl. 122 c. 

Isöt min swester, wil aber du p. 220 b. 

gunnen im der reise?" 
1490 die kiusche und die kurteise 

ein siufzen da erscheinete; 

ob siez von herzen meinete, 

des wizzen nicht die sinne min. 

Isöt die sprach: „möchte ez sin, 
1405 daz er hie wolde bliben, 

mit uns die zit vortriben, 

daz were mir verre lieber zwar, 

wan daz er vert, wir en wizzen war; 



1467 menlich O 1468 het F hatte O Cvrneual FO genomen 1469 
Byrne 1471 gen britanie 1472 svmet F so zuh. O 1473 Curneualis O 
1474 gink F ging 1475 sweger 1476 swegerin 1477 do 1478 
zvchticlichen F zuchtenclich 1479 erleubten 1480 geschehen 1482 an 
fehlt frauwe 1483 Absatz in da F 1484 getruweliche" F get r welich O 
gezam 1485 woFwaO 1486 jet 1487 siülen dinen F 1488 wilt 
1491 sueffcze erschinete F erscheynte: ineynte O 1492 obe si is O 1493 
daz sinne F 1494 die feMt mocht F mochtes O 1495 wolde hie F 
1496 die zit bit vns 1497 lib^ F 1498 dan 



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47 



doch sint er hohes prises vil 
1500 erwerben mac, dar um ich wil 
im nicht leiden die vart." 
Blanschemanis die maget zart 
gedächte in irem sinne: 
„sint daz ich siner minne 
1505 doch muoz enpern diz halbe jär, 
so wil ich im erlouben zwar 
die reise und wil in läzen varn." 
des edelen Riwalines barn, 
von Parmenie Tristan, 
1510 ir aller urloup dö gewan. 

Her Tristan dö bereite sich 
üf die vart gar ritterlich; 
von rechter art der milde 
gap zwenzic rittern Schilde: 

1515 die hete er üz gesundert; 
dö im die vünfhundert 
von Parmenie quämen 
und sie den sie hie nämen, 
wider heim zu lande sande er sie 

1520 alle und behielt die zwenzic hie; 
ieslichem drier hande cleit 
gap er, die man stolzlich sneit 
wol nach ritterlichem site. 
er hiez in geben ouch hie mite 

1525 alle daz gereite und alle den rät, 
der ritterschefte wol an stät: 
schoene ros und schoene pfert; 
er gap ouch den helden wert 
giirtel, heftel, vingerlin, 

1530 hüben und biutel sidin. 



1499 sint daz F 1500 vmb 1502 Blanczemanes 1503 gedach F 
gedacht irm F 1505 ich enpern F enberen 1506 erleuben 1507 vil 
(= wil) F vare" 1508 den 1509 pmenie F 1510 vrlob da O 1511 da F 
1512 zu duser v. O 1514 rittere 1515 het F hatter 1516 da F nvn 
hvndert F 1517 permenie F parmenien 1520 dise zw. F 1521 jslichem F 
jekelichem 1522 m. jin stolczeliche O 1524 jra 1525 gerede O vü den 
alle de r. F vnd den rait 1526 rittecheft F 1529 hefftelen vnd v. 



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48 



mit borten was alle ire wät Bl. 122 d. 

wol bestalt und umbenät, 

gevazzet mit spehen snüeren. 

sie würben, als sie vüeren 
1535 in engelischer wise p. 221a. 

her üz dem paradise: 

sus was die ritterliche schar 

an libe, an wät geschoenet gar 

und wol gezieret über al. 
1540 der züchte marschalc Kurvenal 

und aller tugent ein kamerer 

mit innecliches herzen ger, 

mit rate und ouch mit lere 

was sines herren ere 
1545 mit ganzen triuwen vlizic; 

juncherren zwene und drizic 

riet er im cleiden üf die vart. 

allez sin gesinde wart 

schone üz gerüstet und bereit. 
1550 nu wart ouch an ein schif geleit, 

gevüeret und getragen dar an 

al sin gerete und siner man. 

Den herzogen und die herzogin, 

Isöten unde Käedin 
1555 bevalch der herre Tristant 

in des hosten küniges hant. 

mit im sie sich bereiten, 

den herren sie beleiten 

zu schiffe unz an des wazzers stat. 
1560 allen iren vröuden mat 

wart da gesaget sunder schäch; 

dem herren sie mit jämer nach 



1531 jr 1532 vmb 1533 gevast 1535 engelser wiese F 
1537 schone was die ritter schar ritterlicher F 1538 an libe vnd an wede 
gar O liebe F 1539 geziret F 1540 der zuchtige m. Curneual 1541 
dugende Cemerere 1542 gere 1544 sins 1545 ganczer tri wen F 
1546 jvncherre F zwen FO 1548 alle O 1550 ovch fehlt 1551 dran 
1552 alle 1553 die fehlt F 1555 beual 1556 hoestS 1558 geleiten 
1559 bit an 1560 vroweden F 1561 do F 1562 sie fe/dt 



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49 

sähen, do er nü stiez abe 

und hin vuor üf der wilden habe. 
1565 der wäcwise Tristan 

üf dem wäge sich verstän 

wol konde nach den riehen: 

des vuor da sicherlichen 

des stolzen Riwalines kint. 
1570 guot weter unde guoten wint 

sin schepfer im bescherte 

üf diser wazzerverte. 

Zu Britänje in daz lant 

quam der hßrre Tristant 
1575 mit vröuden sunder leide. Bl. 123 a. 

glich eine tageweide 

hßte er von der habe wol 

hin üf die burc zu Karidol. 

der herre hübesch und gemeit 
1580 die tageweide nicht volreit; 

er zogete sunder ile, 

unz er küme eine mile p. 221b. 

hßte üf daz wunnecliche hüs, 

da der eren künic Artus 
1585 mit siner massenie was. 

in einem stetel, als ich las, 

Tristan der höchgemuote bleip, 

dar inne er die zit vertreip 

unz an den morgen die nacht. 
1590 nu hete ouch sinneclich bedächt 

der wise, cluoge Kurvenal, 

daz daz lant über al 

was schoener äventiure vol, 

und umb daz hüs zu Karidol 
1595 da suochten ie besunder 

1563 da F nu fehlt 1564 für hin vf den F wilder 1566 sich uer san 
1573 Absatz nur in britanien O 1577 het F hetter von dem wasser 1578 
die bruc F 1579—80 in umgestellt hübsch F houesch 1580 vollen reit 
1582 bit er er qvam eine F 1583 her vf F hatte myiiecliche 1586 
eyme stetlin 1588 da jnne 1589 bit an 1590 het F hatte 1591 
Cumenal 1593 aventiw s F auSture" 1594 vräbe F 1595 si besonder 

Bernt, Heinrich too Freiberg. 4 



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50 

die werden tavelrunder 

äventiure in widerstrit 

alle tage und alle zit, 

alle stunt und alle wile. 
1600 breit einer halben mile 

gienc umb die burc ein schoener tan, 

manch bluomen bernder grttener plan 

gar wunneclich dar inne lac: 

hiu, waz man ritterschefte pflac 
1605 in dem tan und vor dem tan! 

swelch ritter da den andern an 

quam und er in gewäpent vant 

zu rosse und er im unbekant 

was, des mochte sin kein rät, 
1610 ern müeste in ritterlicher tat 

üf lip, üf guot, üf ere wern. 

da wart mit Schilden und mit spern 

ritterernst, nicht ritterspil 

gepflogen und geüebet vil, 
1615 vil und vil und äne zal. 

diz hete allez Kurvenal 

wol vernumen und was im kunt: 

sinem herren sä zustunt 

die gelegenheit er sagete 
1620 des morgens, dö ez tagete. 

Swie gar der küene Tristan Bl. 123 b. 

manliches herzen was ein man, 
doch wizzet sicherliche, daz 
in noch verre herzte baz 
1625 die Wunde künigin Isöt. 
ja daz schoene morgenröt 
quam in sin herze glestende, 
ir minne was in vestende 

1597 aventuwer F viderstrit F 1599 vn wile 1601 ginc F ging 
vmbe F den berch schone 1602 Mnach bl. borader 1604 hiv F 
Eya rittecheft F 1605 vur FO 1606 welich andere 1610 er 
mvste F er enm. 1611 vff 1. vnd g. vnd uff e. were" : spere 1613 
vnd nit 1615 ayn z. 1616 het F hatte Curnenal 1618 sime so 
czu st 1621 Wie F fehlt Der gar k. kyn F 1622 menliches m. h^e 
F 1625 bluende 



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51 

und sterkende üf menliche tat. p. 222 a. 

1630 übergnuoc und vollen rät 

hete er von wäpen mit im da, 

dar in er wart gewäpent sä 

so ritterlichen üf die vart, 

daz er so ritterlichen wart 
1635 gewäpent nie bi sinen tagen. 

er wart gewäpent, horte ich sagen, 

noch baz wan zu dem male, 

dö er zu Kurnewäle 

manlichen sluoc Morolden, 
1640 den gotes unholden. 

Do er nu wol gewäpent was, 

sin ros verdecket, als ich las, 

was schöne, daz man im dar zöch; 

ebenstarc und vollenhöch 
1645 was ez zu mäze wol dem man; 

dar üf sich swanc her Tristan. 

und er üf daz ros gesaz, 

nu was daz ros gemannet baz, 

wenne gerosset was der man. 
1650 vürbaz, als ich bescheiden kan, 

so was der man geherzet wol 

und ouch daz herze muotes vol; 

der muot was vröuden hügende, 

so was der man ouch tügende 
1655 dem herzen und dem muote. 

üf ritterschaft der vruote, 

gar sinnic und vorstendic, 

vornünftic und genendic 

üf manheit und üf alle tugent, 
1660 der weste wol, daz sine jugent 

des selben tages sän zuhant 

1629 vnd menliche 1631 het F hatte van harnasch 1633 rit- 
terlich 1634 fehlt F ritterlich 1636 fehlt hört F 1637 dan 1638 
da F Cnrnttwale 1639 slttg melich 1641 Da F 1642 ors F ebenso im 
folgenden ich fehlt F 1644 eben hoch 1645 ez fehlt 1648 do was 
1649 wan georset F 1650 vor bas 1651 gerosset wol 1653 was 
rnudis h. 1658 vor nvftic F 1660 in F am Bande nachgetragen Er wiste 
sin ivngent F 1661 so znh. 

4* 



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52 

äventiure in vollen vant. 
des wart sin junger stolzer muot 
guot unde vruot, vruot unde guot; 
1665 üf dise vart gar ritterlich 

wart sin herze muotes rieh. Bl. 123 c. 

Der muotes riche Tristan 

und solde er muot geteilet hän, 

er hete tüsent herze 
1670 äne allen zwivels smerze 

gerichet wol mit muote. 

nu huob ouch sich der vruote 

von der herbergen sän 

gein der äventiure tan 
1675 hin üf daz wunnencliche velt, 

da man der äventiure gelt 

mit Karies lote widerwac. 

Kurvenal sins helmes pflac p. 222 b. 

und vuorte in sinem herren mite, 
1680 wan im der ritterschefte site 

was vor den anderen wol bekant. 

nu zogete ouch her Tristant, 

der junge muotes reine, 

laneseme unde seine 
1685 und was sich umbe sehende, 

wartende unde spehende, 

ob im durch ritterlichen site 

ieman zu väre engegen rite. 

er reit, unz er küme an den tan 
1690 dri rosloufe mochte hän; 

ritterschaft was alle sin ger. 

nu vuor ein ritter dort her 

üz der äventiure tan 

1662 aventuwer F 1668 und fehlt sold F 1669 vnd hette er 
hette F herezen: smerezen 1670 an F ayn 1671 berichtet 1673 
den herb. F 1674 gen die aventuwer F ebenso im folgenden 1675 won- 
necliche 1676 auenture" 1677 karles lone 1678 Curneual O 1679 
Binen F Byrne 1680 want 1681 von den F vor d. a. was bek. 1682 
zöget F 1684 lanesem F langsam 1685 vuib FO seende 1687 ritter- 
liche F 1688 var F 1689 bis er vntz er qvam F 1690 leuffe 1691 
sine 1696 nu was 1693 auSture" 



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53 

leisierende üf den grüenen plan. 
1695 er vuor in sulcher zierde, 

als allez sin zimierde 

were brächt üz Indiä; 

sin ros under im mit Sprüngen da 

snelles gevertes schone pflac; 
1700 sin schilt vor sinem herzen lac, 

rechte als er were gelimet dar; 

sin heim was lüter, spiegelvar; 

den hete er in den stunden 

vaste üf sin houbt gebunden; 
1705 in siner zeswen hant ein sper 

vuorte er unde vuor dort her 

in allen den gebärden, 

als ob in üf der erden 

nieman törste bestän. 
1710 vor dem tan üf dem plan 

der ritter lobesam gehielt: 

sin herze grözer manheit wielt. 

Her Tristan wart ouch sin gewar. 

er hiez im balde reichen dar 
1715 den werden Kurvenälen 

sinen heim gar lichtgemälen. Bl. 123 d. 

dem herren Kurvenal zuhant 

den tiuren heim zu houbte bant 

und gap im in sin hant ein sper. 
1720 des herren ritterschaft und er, 

die muosten wichen ab dem plan 

von dem herren vaste hin dan. 

man pflac des siten in der zit, 

daz ein man dem anderen strit 
1725 muoste sunder helfe geben; p. 223a. 

1694 grynen fehlt 1696 aUe zimirde F 1697 brach 1698 ors F 
1700 vur syme 1701 recht FO 1702 spigel F 1703 het F hatter an den 
1704 heubt 1705 rechtf 1706 hatte er vnd 1707 gebernden F 1708 
recht als in 1709 niman F 1710 vur F den pl. F 1711 gehilt F 1715 
Curnenalen in F umgestellt 1716 den liechtgem. 1717 Curneual 
1718 heubte 1719 in die h. 1720 der h. 1721 van dem 1725 
sonder helffe mußte gebn: nebn F 



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54 

swie vil im helfer Melden neben, 
sie entorsten im nicht gehelfen doch, 
pflege man des selben siten noch, 
man vunde in mangem lande 
1730 noch junge Tristande. 

Als mnoste ouch eine hie bestän 

dem vrechen ritter üz dem tan 

der junge Parmenois Tristant. 

wart ie velt, anger oder sant 
1735 gezieret mit zwein ritteren guot, 

so was mit disen ritteren vruot 

gezieret wol daz selbe velt. 

ieslicher üf der minne gelt 

nam sin ros mit den sporn; 
1740 hurtlich die helde höchgeborn 

und nitlich üf einander triben; 

sie träfen beide, als ich beschriben 

an disen äventiuren vant. 

ir beider sper unz an die hant 
1745 sich von den herten Stichen cluben; 

sie brächen; die drunzilen Stuben 

zu tüsent stucken in die luft. 

von ir beider herzen guft 

die tjost so nitlich sich getruoc, 
1750 daz ieslich ros des andern buoc 

traf so rechte krefteclich, 

daz die helde beide sich 

mit valle ergäben üf den plan. 

man unde ros, ros unde man 
1755 mit valle suochten den sant: 

dort lac der herre Tristant, 

so lac sin tjostgeselle hie. 

1726 helfer helde n. F 1727 torsten F helffen 1729 manchem 
1731 Absatz nur in F eyne" 1732 den vur dem d. 1733 pmenoys F 
1738 islicher F jekelicher mynen 1739 ors F sporen : geboren 1740 
hertlich 1741 menlich 1742 sie dreben b. 1743 aventuwern F 1744 
bit an die 1745 s. van der harte juste stchyche" F 1746 drtinczel O 
1747 zn manchen 8t. loff 1749 jost 1750 d. islich ors den andehi b. F 
jekeliches anders 1751 crefftelich 1757 thyof F, ans f unsicher 
jost 



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55 

alsolch unpris in beiden nie 

zu keinen ziten me geschach. 
1760 ist ez unpris, als ich da sprach? 

nein ez, zwar, in keine wis: 

ez gap den helden hohen pris Bl. 124 a. 

und was ein ritterlich geschieht. 

sie enmochten sich gehalden nicht 
1765 an den himel noch an die luft. 

des touwes risel und sin tuft 

mochte sie des nicht gehaben wider, 

sie enmttesten zu der erden nider 

vallen sunder iren danc. 
1770 doch was ir ligen da nicht lanc. 

die ros hin liefen von dem wal, 

die vienc da beide Kurvenal. p. 223 b. 

Die vrechen helde jungen 

üf von der erden Sprüngen 
1775 und liefen beide einander an, 

der unverzagete Tristan 

und sin unkunder stritgenöz; 

ir beider swert der scheiden blöz 

wurden in den ziten; 
1780 sie zueten von der siten, 

daz in dar an gesegent was. 

getengelt wart daz grüene gras 

und ouch die bluomen under in. 

manheit und ritterlichen sin 
1785 ietweder helt in herzen truoc 

sie gäben beide einander gnuoc 

des selben, des sie mochten hän; 

niur siege brächtens üf den plan; 

die teiltens ouch einander mite 
1790 mit also ritterlichem site, 

daz ez got selbe mochte sehen, 

1758 al fehlt uolich 1759 nye gesch. 1764 mochten F enkonden 
1771 v. dem val 1172 Curneual 1773 Absatz nur in F 1775 eyn s den 
andern 1780 von den s. 1782 getenget F 1785 jtweder F jekelicher 
helt fehlt 1786 nu g. eyner dem andere genug 1788 nvr F nit dan 
br. si 1789 die deuten sie eyn* dem andere 



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56 

ob er wolde äventiure spehen 

von siner creatiure: 

sie sluogen vlammic viure 
1795 einander üz dem helmen; 

man sach gras nnd melmen 

beströuwet mit den vunken; 

ir scharfen swert versunken 

ofte in der Schilde randen. 
1800 helt helde dö bestanden 

hete unde man manlichen man; 

gein ritter ritter üf den plan 

was kamen ritterlichen gnuoc. 

ieslicher von dem anderen sluoc 
1805 da mangen stelinen rinc. 

nu slahä slach! na clingä clinc! Bl. 124 b. 

ir swert so suoze erclungen, 

daz disen stolzen jungen 

ir manlich muot wachsen began. 
1810 des rief in vröuden her Tristan 

sin an geborne krie: 

„Parmenie! Parmenie!" 

und als er Parmenie schre, 

nu was ouch strites hie nicht me 
1815 von disen helden manlich: 

sin kampfgenöz trat hinder sich, 

im was die krie wol bekant; 

er sluoc in sine linken hant 

zu dem Schilde daz swert, p. 224 a. 

1820 die zeswen hant der degen wert 

üf racte gein dem Parmenois. 

dö sprach Tristan der kurtois 

zu sinem stritgeverten sän: 

1792 obe aventuw s F 1793 creatuwer: vuwer F 1794 manch füre 
1795 eyner dem andere 1797 gestreuwet 1798 scharphe 1799 
dicke des Schildes F 1800 da bestände F 1801 het F hatte menlichen 
1802 dem 1803 ritterlich genüg 1804 jslicher F jekelicher 1805 
manchen Stelen 1806 Da slaga slag da kl. 1807 klüngen 1809 ir fehlt 
menlich 1810 her fehlt 1811 angeboren 1812 permenye F, ebenso im 
folgenden 1813 nu als parmanie 1814 do was hie hie 1815 von 
sinen h. F menlich O 1818 linke 1820 rechte 1821 reckte den 
1822 da F 1823 strit geseüs an 



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57 

„und ist daz ritterlich getan, 
1825 ritter hübesch un* gemeit, 
daz ir mir gebet Sicherheit 
und sit noch vrisch und gesunt, 
wol zu wer und nindert wunt?" 

Tristandes stritgenöz sprach dö: 
1830 „nein, herre, ez enist nicht also; 

ir ruofet Parmenie: 

die wunnencliche krie 

minen vriunt gehoeret an, 

den liebesten, den ich ie gewan, 
1835 den ich doch leider nie gesach." 

der herre Tristant dö sprach: 

„ritter guot, nu saget mir, 

wie ist genant der vriunt, dem ir 

so rechte holt in herzen sit?" 
1840 dö sprach der ritter in der zit: 

„von Parmenie Tristant, 

als ist min lieber vriunt genant." 

üz stolzem munde sprach Tristan: 

„lieber vriunt, nu saget an 
1845 durch iuwer tugent, wer sit ir?" 

„herre, ob irz geloubet mir, 

so nennet man mich Gäwän." 

„Gäwän?" sprach her Tristan. 

„ja, herre, als ich gesprochen hän." 
1850 „beamis, gentil Gäwän, 

so bin ich din vriunt Tristan; 

wol mich, daz ich dich vunden hän!" Bl. 124c. 

„Tristan?" sprach her Gäwän. 

„ja, lieber vriunt!" sprach her Tristan. 

1855 Her Tristan und her Gäwän, 
die zwene manliche man, 

1824 und fehlt 1825 hvbsch F houesch 1827 Trieb F 1828 
nergen wut F 1829 strit geselle 1832 wonecliche O 1834 liebsten 
1836 da F fehlt 1838 den 1840 d> ritter sp. in d. z. F an d. z. 
1842 also F litf F 1844 liber F 1846 abe geleubent 1849 ja h. sp s ch 
er als 1850 Beas g. 0. 1851 ichs O 1853 er gaw. 1854 er tr. 
1856 tzwen menliche 



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58 

ob die nit under in 

heten, der was gar da hin. 

die helde stiezen beide 
1860 die swert in die scheide; 

den heim ir ieslicher bant 

von dem houbte sän zuhant 

und stürzte in bi sich üf daz gras. 

vriunt vriunde willekum dö was; 
1865 die lieben mäge lieblich 

mit armen ummeviengen sich. p. 224 b. 

Kurvenal der werde 

sach alle die geberde, 

die sie da begiengen, 
1870 wie sie sich umbeviengen, 

und düchte in wesen vriuntlich. 

der werde helt erhuob dö sich 

mit der ritterlichen schar 

und reit zu sinem herren dar. 
1875 der wolgemuote Tristant 

Kurvenälen sän zuhant 

begonde von sinem mäge sagen. 

die manlichen, nicht die zagen 

üf die ros gesäzen wider, 
1880 gar vriuntlich mit einander sider 

riten sie gein Karidol; 

ieslichem tet in herzen wol, 

daz der ander in siner jugent 

manlich mit ritterlicher tugent 
1885 so hohe wirde hete erstriten. 

Gäwän sprach mit schoenen siten: 

„vriunt lieber unde mäc Tristan, 

min herze vröuden vil gewan, 

dö ich vernam, daz din kintheit 

1858 netten F hatte do 1861 islicher F jekelicher 1862 
heubte so czu h. 1863 storczte 1864 wilkome" da F 1866 vmb O 
vingen FO 1867 Curneual 1868 jr geb. 1870 vmb F vm 1871 js d. 
1872 hub da F 1873 ritterlicher 1876 Curneualen sa zu h. O 
1878 menlichen die tragen F 1879 vif ir ros ors F gesanczen F 1882 
jsüchem F jekeliche 1883 iungent F 1881 menlich ritterlich 1885 
hoher F het F hatte 1887 UV F 1888 mit tfze F 1889 da F dine 



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59 

1890 gerach din werndez herzenleit 

und daz du Dianlich als ein man 

slüege den künic Morgan 

und reche den vater dinen, 

den werden Riwalinen; 
1895 und do din hant den sie gewan 

ab dem grimmen Affrican, 

dem herzogen Morolde, 

den entorste noch enwolde 

bi sinen ziten nie kein man Bl. 124 d. 

1900 äne dich mit strite bestan, 

des vroute ich innenclichen mich; 

und dö du slüege so manlich 

bi Weisefort in Irlant 

den mortgiftigen serpant, 
1905 und daz du torste bestan 

zu Gäles den risen Urgän, 

den man da nante li yilüs. u 

Gäwän reit mit im alsus; 

ir kosen daz was manicvalt 
1910 und wunnenclich ir tagalt, 

ir beider muot was vröuden vol: 

sus quämen sie zu Karidol 

vür die wunnenclichen stat. p. 225 a. 

Tristan Kurvenälen bat 
1915 und hiez in sin gesinde gar 

und die ritterliche schar 

schicken, daz sie schone riten 

vor im nach vürsüichen siten. 

Kurvenal da vor dem tor 
1920 die juncherren schicte vor, 
ie zwene neben einander 



1890 werendes 1891 und fehlt menlich 1892 sluges 1893 
reches den den 1895 Absatz in F ünde F da FO dine 1896 an 
«L 1897 morolden 1898 dem gedorste 1899 In sine geeziden 1900 
an F ayn dn 1901 vront F frauwete jnnecliche 1902 da F slüege 
fMt F menlich 1907 da fehlt O 1909 manchfalt 1910 wonneclich 
1913 wonnecliche 1914 Cnrnenalen Cvrnalen F 1916 wonnecliche 
1918 voz im F vnr mit feretenclichem O 1919 Absatz nur in F Knrneual 
FO do vnr 1921 fwen 



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60 

in lichter wete glander; 

dar nach sins herren capellän, 

so vil als er der mochte hän; 
1925 dar nach die ritterliche schar. 

her Tristan brächte mit im dar 

widertratz des meien 

von mangem werden leien, 

der da gefegetieret reit 
1930 und gar richlichen was gecleit 

in stolze ritterliche wät. 

scharlachen gein dem nazzät 

was nach ritterlichen siten 

den rittern allen an gesniten. 
1935 ir aller herre, her Tristan, 

und sin mäc, der helt Gäwän, 

zallerlest die zwene riten. 

eine kappen wol gesniten 

die vuorte min herre her Tristan 
1940 über allem sinem wäpen an; 

die liez der herre machen 

von brünem scharlachen. 

sin erbezeichen dar üf lac, Bl. 125 a. 

der eber, den der herre pflac 
1945 zu vüeren an dem Schilde; 

des selben tieres bilde 

was von Silber wiz geslagen; 

üz sinem houbte sach man ragen 

zwene zende guldin: 
1950 dar an wart offenlichen schin, 

daz der herre ritter was. 

die tier geströuwet, als ich las, 

so dicke wären üf die wät, 

daz man daz brüne scharlät 
1955 da durch ein lützel schinen sach. 

1922 liechter 1923 caplan F 1924 so wil F 1928 magern F 
manche 1930 ritterlichen F richlich was geleit 1933 ritterlichem 
1934 rittere" gesiten F 1935 her fehlt 1937 zu aller leste 1938 ein F 
kappe 1940 alle" sine harnasch 1941 liz F 1943 vffe F 1948 vf s. F 
syme heubte dagen 1949 zwen 1950 da an uffecliche" 1952 
diere 1954 man br. 1955 ewenich 



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61 

ein huot des hßrren houbtes dach 
was, der reisekappen glich, 
so schöne und also vttrstlich 
der h&re hübesch und gemeit p. 225 b. 

1960 durch die stat gein hove reit. 

Ob der stolze Tristan 

icht wurde nü gekaffet an? 

ja, daz sage ich iuch vür war, 

manch hundert vrouwen giengen dar 
1965 in die venster leinen sich, 

mit spilenden ougen innenclich 

Mieten sie den herren an. 

nü quam ouch her Tristan 

durch die stat hin üf daz hüs. 
1970 der grenriche kttnic Artus 

und sine massenie gar 

giengen gein dem herren dar. 

der künic mit küsse in schöne enpfienc; 

die kttniginne ouch gein im gienc 
1975 mit manger vrouwen minnenclich. 

der herre Tristan wart vriuntlich 

enpfangen von* den vrouwen. 

man mochte an im da schouwen, 

daz nie kein gast üf keiner vart 
1980 so rechte schöne enpfangen wart: 

der künic und die künigin 

den herren vuorten zwischen in 

gar lieplich in den stunden 

hin zu der tavelrunden 
1985 und satzten in herlich dar an. 

„ahiu, Parmenois Tristan!" 

sprach da manges beides munt, 

1956 heubtes 1958 forstenclich 1959 hvbsch F houesch 1960 
*n houe 1961 Ab F 1962 jeht gekaffen nv wturd an F nit w. 1963 
vor war F 1964 m. brvder vrowe" F ginge" FO 1966 jnneclich 1970 
kynic F 1971 massame 1972 die giengen F 1973 mit kvssen F schon 
entfing 1974 die kvnige F gein in F, die Zeile war radiert 1875 mager 
F myfieclich 1976 der fehlt her tr. ynr n tlich F 1978 do 1979 
an k. v. 1980 schon 1985 herlich jn 1986 A h*re p. permenoys 
F 1987 da mages F 



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62 



„dise wirde in manger stunt Bl. 125 b. 

hat mit ritterlichen siten 
1990 din eilenthafte hant erstriten! u 

die werden tavelrunder 

die vrouten sich besonder, 

daz gemeret wart ir schar 

und gezieret schöne gar 
1995 mit disem helde höchgeborn 

and an manheit üz erkorn 

vor allen den, die in den tagen 

konden hohen pris bejagen 

und die mit ritterlichen siten 
2000 lop und hohe wirde erstriten. 

Her Tristan da zu hove was; 

der hof gezieret, als ich las, 

was wol von siner edelen tugent; 

sin ellenthafte vreche jugent 
2005 erwarp dö hohes prises vil. p. 226 a. 

er stiez der ritterschefte zil 

so ho mit rechter manheit, 

daz ez mit ritters wirdikeit 

erreichen konde da kein man. 
2010 swaz ie der man manheit began, 

so was ez 6t her Tristant, 

der mit ellenthafter hant 

so ritterliche werc begienc, 

daz er daz hoste lop gevienc 
2015 vor allen den tavelrundern. 

iedoch wii ich besundern 

iuch künden, wie sin manheit 

an einem helde pris erstreit. 

der was ein ritter also guot 
2020 und truoc so manlichen muot. 



an mancher O mager F 1990 die ellenh. F dine O 1992 frau- 
weten O 1995 hogeboren : vsaerkoren O 1997 vor O 2002 geziret F 2004 
sine O ellenthefte F 2007 mit ritter mann. F 2009 do O 2011 ez fMt F 
iß je h. O 2014 den hoesten loff entfing O 2015 vur O tauelrundVn F 
taulronderen O 1016 ydoch F bisonderen O 2017 vfi uch O sine O 2018 
eyme O 



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63 

daz er mit ritterlichen siten 

hete hohen pris erstriten. 

er was gevaren in manch lant 

und wart daz nie an im erkant, 
2025 daz er ie wurde sigelös; 

dar umme man den helt erkös 

an der tavelrunder schar; 

er hete gröze manheit zwar 

begangen in Britänjen lant 
2030 und was Dalkors genant. Bl. 125 c. 

Dalkors bone schevelier 

der was ein ritter also fler, 

swen er nicht ritterschefte pflac, 

so mochte er den selben tac 
2035 keiner vröuden gepflegen. 

eines morgens reit der degen 

gar vruo nach äventiure. 

Tristan der helt gehiure 

ouch nach äventiure reit. 
2040 Keie, als dise äventiure seit, 

ouch sine wäpen leite an sich 

und reit üz gar ritterlich 

und manich tavelrunder. 

ieslicher reit besunder 
2045 aleine suochen ritterschaft. 

Dalkors der degen ellenthaft 

fif dem velde sä zuhant 

sin zimier von dem helme bant, 

daz er mit ritters handen 
2050 dester e bestanden 

wurde in der äventiure tan; p. 226b. 

wen in getorste nicht bestän 

2021 mit menlichen 2022 hette F hatte 2023 gevarn F mach 
1. F 2026 dar vmb 2028 hette F hatte 2031 Dalk. von seh. F 
schaualier 2032 ritter als er 2033 wan 2034 mocht O 2035 plegg 
O 2036 eyns 2037 gar vnr F aventnwere F 2038 gehiwre F 2039 
aventuwre F aueture" 2040 daz buch s. aventuwre F 2043 manch 
2044 jslicher F jekelicher 2046 den degen F 2047 vff d. wege so zu h. O 
2048 zymmir F zymerden O 2050 deste bestände F 2051 aventuwre F 
2052 want betorste F 



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64 

kein ritter, dem er was bekant: 
sin nroot, sin eilenthafte hant, 
2055 die heten im den pris erkrigen. 
der rede si nu hie geswigen 
und hoeret, wie her Tristan 
und Keie einander quämen an. 

Ez was vruo vor der sunnen schin; 
2060 des mochte ez nicht so licht gesin, 

daz ein man den anderen man 

mochte erkennen in dem tan 

oder gespehen mochte schier 

schilt oder helmes zimier. 
2065 in der tunkel quam Tristan 

unde Keie einander an; 

üf einander sie da triben; 

ir beider sper ganz da bliben, 

doch wart gestochen Tristant 
2070 s6 krefticlich von Keien hant, 

daz die sträle guldin 

hin drete von dem helme sin. 

her Tristan ouch gedächte dö 

an dem rennen: „stich in hö, 
2075 so prellet er verre." daz geschach: 

her Tristan in mit kreften stach Bl. 125 d. 

rechte üf den bart under den heim, 

Keie der viel in den melm; 

sin ros lief hin gein Karidol. 
2080 sunder rede konde ez wol 

und äne sage sä zustunt 

der massenie machen kirnt 

äne wortlich verjehen, 

waz sinem herren was geschehen. 

2054 sine e. h. 2055 hetten F hatten erkriegen 2056 reden 
sie hie nv F 2058 eyn s den andern 2059 vur vor F fru vnr 2060 
mochtes Hecht 2063 gemerke* 2064 zymmer F zyffiyer 2065 jn 
dem 2066 eyn s den andere 2068 da fehlt 2070 krefftlich 2075 
so vellet 2077 recht FO jn den h. 2079 zn k. 2080 kvnde ich ez F 
kondes 2081 sa fehlt 2082 massanie 2083 ayn uerjeen : gescheen 
2084 syme 



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65 

2085 Keie lac vortoubet, 

mit molden gar bestoubet 

dort üf der äventiure plan. 

vürbaz reit her Tristan 

nach niuwer äventiure hin. 
2090 nu enweste ir iegliches sin 

nicht umb ein här, als ich da las, 

under in, wer der ander was: 

dirre, der prislich besaz, 

und gener, der den anger maz 
2095 mit der langen venjen dort. 

der rechten ritterschefte ein hört 

und aller tugende fundamint, p. 227 a. 

Tristan, Riwalines kint, 

reit in der selben wiie 
2100 küme eine welsche mile, 

dö quam in ritterlichen an 

Daikors üf einem grüenen plan, 

der ritter, von dem ich e sprach 

und im mit rede iobes jach. 
2105 Daikors unde Tristant 

einander wären unbekant, 

die üz erweiten helde fier; 

ieglicher kein zimier 

vuorte üf sinem helme dö; 
2110 ir Schilde wären ouch also 

mit speren stark genieret, 

die varwe also zuvüeret, 

daz die zeichen dar an 

nicht mochte erkennen wol ein man. 

2115 Die ros sie nämen mit den sporn; 
hurtiich die helde höchgeborn 

2085 bedeubt 2086 m. melme gar besteubt 2087 dor uff aven- 
tuwre F auenture* 2088 Yorbas 2089 ebentuwre F auenture" 2090 
weste F igliches F jekeliches O 2091 ichs las 2093 duser 2094 jener 
2095 langer venie 2096 rechter 2097 dugent 2098 zv Ryw. F 
2100 weltsche 2101 da F 2102 einen F eyne" 2106 waren eyner dem 
ande^ 2107 h. here 2108 iglich s F jekelicher zymmer F zymere 
2109 sinen F syme 2111 lantzen F 2114 nicht wol m. erk. e. m. F mocht 
2115 Absatz nur in F rosse namne F sporen : gebore 2116 hertlich 

Btint, Heinrioh von Freiberg. 5 



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66 

liezen da zusamne gän. 

der Parmenois Tristan 

stach mit ellenthafter hant 
2120 üz dem satel üf den sant BL 126 a. 

Dalkors den üz erweiten degen; 

er pflac d6, des er e gepflegen 

nie enhßte zu keiner stunt: 

Valien was im ie unkunt, 
2125 daz lernte er hie mit grözer schäm. 

Tristan sin ros da nicht ennam; 

ez lief 6t hin; ez weste ouch wol 

stige und wege gein Karidol; 

ez tet ouch kunt sins herren leit 
2130 ungesungen und ungeseit, 

äne dön und äne wort 

ez wßre bi der krippen dort 

verre lieber gewesen 

wen bi der tjoste hie genesen. 
2135 von danne reit her Tristan 

wider üf den vorderen plan. 

sine strälen er da vant, 

üf sinen heim er sie da bant; 

gein Karidole reit er sän. 
2140 nu wart im vräge vil getan 

umb ietwederen leien, 

Dalkorsen unde Keien. 

im wart schiere kunt getan, p. 227 b. 

daz ir ros beide sunder man 
2145 üf den hof wären kumen. 

Tristan sprach: „ich hän vornumen 

weder diz noch daz, 6t nichtes nicht 

umb ir beider geschieht. 

2117 lizen F zu samS O 2118 permenoys F 2120 den sedelen 2121 
dalkorsen den er weiten F 2122 da FO des e g. F 2123 nie hette F 
nye enhatte 2125 lert F lernter 2126 do sin ros ors F 2127 er 
lies is hin ouch fehlt F 2129 sine F 2131 ayn done ynd ayn 2132 
bie F 2133 vü leber 2134 dan bi der jost gen. bie F hy F 2135 
danne 2136 vf d s F 2137 strale do 2138 da fehlt 2139 karidol FO 
2140 frage 2141 jekeliche 2142 dalkosen F 2143 jin F schire F 
schier 2144 d. ir beider ros vnd nit die m. 2146 sprach fehlt 2147 
daz n. d. F ot fehlt 



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67 

mir widerruor ouch, als ich sage, 
2150 in alle disem langen tage 

nie kein äventiure." 

Tristan der helt gehiure 

den züchten was gemeze; 

verswigen und nicht ruomreze 
2155 was er alier siner tat. 

recht adel noch die tugent hat: 

swä adel und tugent entsament sin, 

da tuot daz adel seiden schin 

mit ruomworten sine tat; 
2160 swer guotes icht begangen hat, 

man gesaget ez wol, oder swer ez tuot. 

als hete ouch Tristan sinen muot 

gesetzet her von kinde. 

er hielt bi dem gesinde Bl. 126 b. 

2165 üf sinem rosse kosende; 

manch stolzer degen im lösende 

was siner hovelichen mer. 

inredes tröf Keie her 

zu vuoze alsam ein nazzer vilz; 
2170 im was sins swertes gehilz 

dort vallende abe gesprungen. 

die alden und die jungen 

im alle engegen giengen, 

mit schalle sie in enpfiengen. 
2175 Er leit von spotte gröze not: 

„her Keie, gebt mir daz botenbröt!" 

sprach ein ritter under in, 

„zwar als alt, als ich bin, 

so gesach ich iuch, ritter wert, 
2180 geriten nie so guot ein pfert, 

als ir nu tuot in dirre zit; 

ir und iuwer rössel sit 

2150 an allem 2151 nie fehlt kleyne a. auentuwre : gehiwre F 
2153 gemaze : rvmraze F rnmesse 2156 recht als adel 2157 wol eilen 
vn adel F 2158 der adel 2160 jet 2161 saget 2162 het F hatte 
2164 Mit hie F sus h. er 2165 sime 2166 mach F 2167 houelich* 
2168 jnrdes F jn des 2169 als 2170 sines F hilcz 2172 zu den j. 
2177 en ritter 2180 nye kein besser p. 2181 nv ritet F an duser z. O 
2182 rosgin 

5* 



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68 

zwar mit einander geborn." 

die rede Keien tet vil zorn. 
2185 sin wart gespottet harte vil 

mit grözem schalle sunder zil 

und mit schimpf Worten scharfen. 

ja mochte man eine harten, 

als ich mich rechte kan verstän, p. 228 a. 

2190 noch minner da vernumen hän 

wan in ,den rüschenden müln'. 

„Keie uf siner muoter vüln 

ist gesezzen!" einer sprach. 

dar nach aber ein ander jach: 
2195 „er ritet der zweifboten pfert!" 

sie sähen im ouch an daz swert; 

einer vrägete under in: 

„wä ist daz gehilze hin 

von disem vechtisen kumen?" 
2200 einer sprach: „ich hän vernumen 

wol, wie ez dar umbe stät: 

gestriten Keie Mute hat 

und ist im von der hant geslagen!" 

des grözen wortes, horte ich sagen, 
2205 Keie dicke da gewuoc, 

iedoch konde er zu schimpfe gnuoc; 

er jach: „der tiuvel mir daz riet, 

daz ich von hove hiute schiet. 

mich bestuont dort in dem tan 
2210 zwar der tiuvel, nicht ein man; BL 126c. 

er quam an mich so hurtlich 

unde stach mir einen stich 

so starc, so grimmeclichen hart, 

swaz ich ie gestochen wart, 
2215 zwar daz ist ein wint da wider; 

er stach mich, daz ich vailen nider 

2183 geboren 2184 was keyen vil z. 2189/0 in umgestellt 2189 
kan fehlt 2191 w. in eyner russchend s mulen 2194 dar na ber O 2195 
zweltbote F zwolff apostele" 2197 vraget F fragte 2198 wo FO 2201 
wol fehlt ymb FO 2202 biwte F 2204 bort F 2206 ydoch F kond 
genüg 2207 sp r cb 2208 bivte F 2211 hertelich O 2213 so stark, 
gryniieb vnd so b. 



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69 

muoste unerweret üf den plan; 
und swaz ich ie gevallen bän, 
daz überviel ich hiute zwar: 
2220 die zeswe huf, die rippe gar, 

die tuont mir von dem valle we; 
ichn viel 6t nie so harte me." 

Der künic was zu tische kumen 

durch ezzen und hete ouch vernumen, 
2225 daz Keie entschumpfieret was. 

die ritter säzen, als ich las, 

und Keie zu der tavelen nider. 

Dalkors der ritter quam ouch sider, 

an die tavelen er gesaz. 
2230 dö nü der künic ein lUtzel gaz 

und in der mäze fibernam, 

daz in zu redene gezam, 

dö vrägete er Keien mere, 

wer der ritter were, 
2235 der in dö hete gevalt. p. 228 b. 

Keie sprach: „herre, sine gestalt 

kan ich werlich nicht gesagen. 

dö ez alrest begonde tagen, 

in der tunkel er mich quam an; 
2240 ichn kante weder ros noch man, 

schilt noch helmes zimier; 

doch kos ich, daz der degen fier 

üf sinem helme vuorte, 

dö er mich hurtlichen ruorte, 
2245 von clärem golde etiswaz." 

der künic sprach: „hoeres du, Tristan, daz? 

zwar daz muost du gewesen sin." 

2217 vnerwert 2218 ich fehlt 2219 dar übel viel 2220 rechte 
rippe 2222 ich geviel F jch env. ot fehlt 2224 het F hatte 2225 
entschvmpiret F entschampheret 2226 Baissen neder 2229 tanel 
2230 da F do der kunyg nu ewenich g. 2232 jm reden 2233 da 
vraget F fragter 2235 nette FO da F 2236 sin 2237 ich uch 
2238 da F erst 2239 jn dem qua er mich 2240 enerkante F enk. 
2241 zimer F zymer 2242 merkte ich daz fehlt F d. her 2243 
syme do forte 2244 da jP hertliche" 2245 eczwas 2246 tr. horea 
du d. 2247 mvste dv F müstü 



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70 

„nein ich, zwar, künic herre min!" 

sprach dö Riwalines barn. 
2250 „mirn ist hiute widervarn 

nie kein äventiure." 

Artus der künic gehiure 

sprach zu herren Gäwän: 

„Gäwän, hast aber duz getan?" 
2255 her Gäwän sprach: „künic hßrre, nein." 

der tavelrunder da dekein Bl. 126 d. 

von diser äventiure jach. 

der künic zu Dalkorsen sprach: 

„Dalkors, bist aber duz gewesen?" 
2260 er jach: „herre, ich bin genesen 

ouch hiute küme vor einer tjost: 

ein ritter vü nach erlöst 

hete von dem lebene mich; 

er stach mich also grimmeclich, 
2265 daz ich viel üf daz gras. 

wer ich were oder wä ich was, 

daz was mir werlich unkunt 

lange wile und lange stunt. 

mir was der ritter unbekant, 
2270 der mich da vellete üf den sant." 

Die werden tavelrunder 
die wunderte ie besunder 
der seltenen geschieht, 
wan im bi sinen tagen nicht 
2275 alsulch unpris was geschehen. 

Tristandes buoch hat mir verjehen, 
daz in den ritterlichen scharn 
nie kein man konde ervarn, 

2248 h s F 2249 sp. die Ry valines bran F 2250 mir ist F enyst hivte F 
h. nye wede farii 2251 nie fehlt keyne aventuwre :gehiwre.F 2253 hern FO 
2254 du is 2256 da fehlt F keyn 2257 aventuwere F 2259 du is 
2260 er sp r ch 2261 van eyner jost thyost F 2263 hette F hatte 
den lebne min F leben 2264 der st. grimmeclin F grymelich 2266 
wa ich were wo F 2270 do vellet FO 2271 Absate nur in werde 
2272 wundert F wondert bisonder 2273 selczen 2274 want 
bie F jn s. d. 2275 waz svlch vnpr. F alsus 2276 v^echen F ge- 
scheen : u*jeen 2277 der ritterlicher 



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71 

wer disen ritter ellenthaft 
2280 mit so manlicher kraft 

dar nider het gestochen. p. 229 a. 

diz stuont wol sechs wochen, 

unz der kflnic zu Gäwän 

sprach: „neve lieber, nü sage an 
2285 und rät mit rechten triuwen mir, 

daz üf ein ende kumen wir, 

ob min neve Tristan 

dise äventiure habe getan 

an Dalkorsen dem degen." 
2290 Gäwän sprach: „ich hän gepflegen 

gein im dar umbe rede vil; 

so gar vil und äne zil 

hän ich in gevräget, 

daz mich sin halt betraget; 
2295 iedoch wil ichz versuochen baz." 

Gäwän eines tages saz 

und sin neve Tristant; 

sie täten einander vil bekant 

von schoener äventiure. 
2300 Gäwän der helt gehiure 

vrägete in hier under 

von Dalkorsen besunder. 

er jach: „beamis Tristan, Bl. 127a. 

min vriunt lieber, nü sage an, 
2305 vergich äne allez kunterfeit 

mir der rechten wärheit, 

alse lieb als ich dir bin 

und din vrouwe die künigin." 

Alsiufzende sprach Tristan: 
2310 „lieber neve min Gäwän, 

welch küniginne meines du?" 

2280 menlicher 2281 hette 2283 bit daz 2284 lieber neue 
lib s F 2285 jn r. tr. 2288 die a. aventuwre hab F 2291 vmb FO 
red F reden 2292 ayn z. 2294 d. ich sin bin b. 2295 ydoch F ich 
2298 jr eyn s dem andere 2299 aventuwer : gehiwer F 2301 jn vraget h. 
F fragte jn hie 2303 Er sp'ch beas amis O 2304 m. vnrnt M> s F m. 1. 
fr. 2305 verjee ayn alle an F 2306 rechter 2307 als FO 2308 dine 
2311 welche FO kvnigin F meynstu 



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72 



her Gäwän sprach im aber zu: 

„ich meine die lichtgemäle, 

die von Kurnewäle, 
2315 die über al in Engelant 

ist ouch ein künigin bekant, 

von Irlant die schoene Isöt." 

tsöt, miner vröuden tot, 

und Isöt, mines lebens leben! 
2320 neve, swaz dir nü kumet eben", 

sprach Tristan, „daz si geschehen." 

Gäwän sprach: „du solt verjehen, 

steche du Dalkorsen nider?" 

Tristan sprach mit züchten sider: 
2325 zwar ez geschach und ich gesagez, 

zwene ritter ich des tages 

stach mit ellenthafter hant p. 229 b. 

fiz den setelen üf den sant; 

ir ros hin liefen in den tan." 
2330 zuhant erkante Gäwän 

bi den rossen, als ich las, 

daz ez Dalkors und Keie was. 

Gäwän der jach: „neve min, 

woides aber du die künigin, 
2335 ob ez mochte dir geschehen, 

die blunde Isöt icht gerne sehen, 

la bele, die schoene Isöt?" 

„ja", sprach Tristan, „daz were ein tot 

miner sorgen vür war 
2340 und aller miner swere gar 

und miner vröuden ewic leben! 

neve, und kondes du mir geben 

den rät und ouch die lere, 



2312 her fehlt 2313 Hecht FO 2314 Curnuwale 2315 alle enge- 
lant engenlant F 2316 eyne 2317 zv yrl. F 2318 jst m. sorgen dot 
2319 myns lebnes lehn F 2320 komet kvnt ebn F 2321 tristant F 
sie F gescheen : verjeen 2323 stechs 2325 ich sach is 2329 hin 
fcldt 2331 orsen F 2333 G. spr T ch do 2334 wuldest 2335/6 in 
umgestellt dir fehlt F 2336 bluend O jet 2337 la belen 2339 vor war 
F 2340 alle myn s swar gar fehlt 2341 minen Tr. ein e. F 2342 neue 
knndstu gebn F 



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73 

daz ich gesehe die here, 
2345 min trüt, mins herzen künigin, 

din eigen wolde ich immer sin!" 

Gäwän sprach: „gehabe dich wol, 

mit listen ich daz viiegen sol, Bl. 127 b. 

daz du sie schiere solt gesehen, 
2350 und muoz in vröuden daz geschehen; 

des sich üf minen eit an mich." 

der rede Tristan vroute sich 

von inneclichem herzen, 

doch vüegete im niuwen smerzen 
2355 ir minnecliche minne, 

der blunden kiiniginne, 

wan sin muot und sin gedanc 

üf die reise stete ranc. 

Der sinnenriche Gäwän 
2360 truoc gar listeclichen an 

mit dem künige eine jaget. 

Tristandes buoch hat mir gesaget, 

daz der künic von Karidol 

und der künic von Tintajol, 
2365 Artus unde Marke, 

üf ir beider marke, 

da ir lant schieden sich, 

einen walt gar wunnenclich 

heten, der ir beider was. 
2370 Gäwän vüegete, als ich las, 

daz der künic Artus 

von Karidol üz sinem hüs 

reit jagen in den selben walt. 

Gäwänes sin was manicvalt p. 230 a. 

2375 und gar listic sin gevuoc. 

gar heimeliche er an truoc 



2346 wolt 2347 gehab F 2349 schire F geseen : gescheen 2352 
red F reden frauwete 2354 vnget F föchte 2356 bluende" 2358 
stedes 2359 synnench 2360 minne"clichen F listlichen 2366 hetten 
eine marke F 2367 ire F schiden F 2368 wonneclich 2369 hetten F 
hatten si 2370 fvget F fliehte 2371 der fehlt 2372 sime 2373 
wlat F 2374 gawans manchfalt 2375 gewe F 2376 heimelichen F vil 
heymelich 



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74 



mit des leimiges jagern, 

daz sie muosten in gewern, 

swes er sie bat und swaz er hiez. 
2380 der helt Gäwän des nicht enliez, 

ern spreche zu den jegern: 

„ir meister, ichn wil des nicht enpern 

und bite iueh sin, geloubet mirz, 

gevazzet ir vür einen hirz, 
2385 so schicket iuwer warte also, 

daz ir her nach sin werdet vrö 

und ich iueh immer riehen sol; 

schicket, daz der hirz gein Tintajol 

die richte loufe!" daz geschach 
2390 rechte als er wolde unde sprach. 

Sie liezen zu einem hirze dö; 

die jager ire warte also 

besatzten, wan sie kondenz wol, 

daz der hirz gein Tintajol 
2395 die richte des gevertes lief. 

Tristans geliieke da nicht slief, 

im gelucte dise vart 

gar wol, als ich bescheiden wart. Bl. 127 c. 

der hirz lief vor den hunden hin 
2400 durch sines lebenes gewin 

und durch sins libes hinkunft. 

ern was nicht in der rechten brunft; 

im selbe zu vrumen, nicht zu schaden 

was er noch nicht überladen 
2405 mit vleische zu der stunde; 

die überkrupften hunde 

mochten im nicht gehaben an. 



2377 jegeren 2378—81 fehlen in durch Abirren des Auges 2379 
wez aus waz gebessert F 2381 er ensp. F 2382 enwil FO enbere* O 2383 
bit F bedg uch des gleubent mirs 2385 warte so 2388 tytayol F 
2390 recht vnd als er sp. 2391 lezzen F eyme 2392 jeger O ir O 
2393 besatten (besacten?) want 2394 in F am Bande nachgetragen tytaiol 
F 2396 tristandes glucke do nit O 2397 gluckte an vor dise in F radiert 
2399 h. für Tur 2400 sins lebens FO 2401 hinkvmft F 2402 ez waz F 
js enw. O rechter 2403 vnd nit 2404 noch fehlt F 2406 über krefftige 



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75 

der künic Artus und sine man 

mit jageten in widerstrit 
2410 wol hin nach der vesperzit, 

unz daz ez halt gar äbent was. 

der hirz den hunden, als ich las, 

gar unerloufen entwart; 

sie vermisten ouch der vart; 
2415 die jager und die hunde 

sich in der selben stunde 

geloubten der vorlornen jaget, 

als mir die äventiure saget 

und ich rechte vernumen habe, 
2420 wan die nacht treip sie dar abe. 

ir hornzeichen hörnten sie, p. 230 b. 

daz sie zusamne brächte hie. 

Do sie zusamne wären kumen, 

der künic, als ich hän vernumen, 
2425 sprach zu den jagern sä zuhant: 

„saget an, ist iuch der walt bekant, 

so kündet äne lügen mir 

üf iuwer triuwe: wä sin wir, 

wie verre ist gein Karidol?" 
2430 „daz kan ich iuch gesagen wol", 

sprach ein jeger under in, 

„wol siben miie da hin 

hab wir, herre, in iuwer hüs. u 

„entriuwen", sprach künic Artus, 
2435 die reise wirt uns alzu swär; 

und sul wir dise nacht gar 

in der vinster über riten?" 

Gäwän der sprach in den ziten: 



2408 der fehlt sin F 2409 mit jm j. 2411 bit daz halt fehlt 
2414 wart F 2415 jeger vnd ouch 2417 gelowten F geleubten 
uHoren 2418 aventuw s e F 2419 vnd als recht 2420 want 
necht dar fehlt 2421 hornete" 2422 same" brachte 2423 Absatz 
nur in saine 2425 sprach fehlt F jegere so zu h. 2427 ayn 
2428 wo sie w. F 2429 w. v. sie wir von C. F 2433 haben O hys F 2434 
jn t r wen 2435 ist vns zu s. 2436 sullen necht (gewöhnlich) 2437 
uwer r. F 2438 der fehlt 



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76 

„wir sin der reise vil wol vri, 
2440 Tintäjol ist hie nähen bi." 

„Tintäjol?" sprach der künic Artus. 

„ja, höre, in iuwers öhems hüs Bl. 127 d. 

habet ir nicht verre, wizzet daz." 

der künic sprach: „bescheide mich baz, 
2445 wie verre dar doch müge sin." 

„küme eine mile, herre min, 

hab wir üf die burc al dar, 

daz wizzet sicherlich vtir war; 

herre, wolt ir volgen mir, 
2450 so sulen dar keren wir." 

sus des getriuwe Gäwän sprach. 

„der künic schaffet uns guot gemach, 

der erenriche Marke, 

der ie begerte starke, 
2455 daz im daz heil müeste geschehen, 

daz er iuch zu einem male gesehen 

da heime solde in sinem hüs." 

„wie retes du den?" sprach Artus. 

„herre, da sul wir keren dar; 
2460 her wirt sin vrö, wizzet vür war. 

feret in da mite." sprach Gäwän. 

der künic sprach: „nu hat Tristan 

des küniges Marken hulde nicht." 

„daz trüwe ich schiere hän bericht," 
2465 so sprach der edele Gäwän. 

„wie doch?" sprach der künic sän. 

„Herre, da lät mich riten vor p. 231a. 

und ritet nach üf minem spor; 
e ir denne nach sit kumen, 
2470 so hän ich einen vride genumen 

2439 reisen vil fehlt vrie : bie F 2440 Tytayol F na 2441 der 
fehlt 2442 in fehlt oheyms 2443 hab F hait 2445 dar noch 
2447 han 2449 willst 2450 sullen 2452gvt6F 2455 mucht gescheenO 
2456 mal F seen O 2457 solt F mnste sinen F syme 2458 redestü 
dan 2459 h. wir wille" k. d. 2460 er daz wisset v s war F 2461 
mit 2463 kvnges F 2464 habe F 2465 edel 2467 Absatz nur in F 
2468 myme 2469 dan 2470 freden 



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77 

und beteidinget dar in 

alle, die hie mite iuch sin. 

ich weiz wol, daz der künic begert 

der iuweren kunft und mich gewert." 
2475 den künic die rede dächte guot. 

hin reit der degen höchgemuot 
• und quam gein Tintajöle snel. 

und als er üf daz castel 

durch daz vorbürge quam, 
2480 der künic schiere daz vernam, 

daz her Gäwän kumen was; 

er enpfienc in schone, als ich las. 

her Gäwän Seite im dise mer: 

„min öhem ritet dort her, 
2485 von Britänje künic Artus, 

und wil herbergen hie zu hüs." Bl. 128 a. 

der künic Marke sprach sän: 

„Schimpfes du nicht, Gäwän?" 

er jach : „ich rede ez sunder schimpf 
2490 und äne Schimpfes ungelimpf: 

er ist hie gar nähen bi 

und let iuch biten, ob ieman si 

bi im und mit im kumen her 

und ob er iuwer hulde enper, 
2495 daz der selbe iuweren vride habe." 

der künic sprach: „da rede nicht abe: 

Artus der liebe vriunt min 

sol gote willekumen sin 

und mir und sol nach wirtes siten 
2500 hie gebieten und nicht biten." 

f Der edele künic Marke 

der vroute sich dö starke, 

2471 beteidinget, das Schlufs-t gelöscht F bededingt 2472 di F 
die da mit 2474 der feMt uwer 2477 tintaiol 2478 er fehlt 
2479 vnrbvrge FO 2480 ßchire F 2483 seit F 2484 oheym 2485 bri- 
tanien 2487 saanO 2488 lieber gaw. O 2489 sp r ch red F redens 
ayn seh. 2490 in F am Rande nachgetragen sonder seh. 2491 gar 
fehlt F na 2492 ob hie F 2493 b. j. der mit jm kome 2494 und 
fehlt obe der uwer hulden ger 2495 freden hab : ab F 2496 red F 
2497 libe vurnt F 2498 wilkome" 2500 hie gebiten F 2501 edel 2502 
frauwete da F 



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78 

daz er hete vernumen, 

daz in sin hüs solde kumen 
2505 der hohe künic, der edele gast, 

der küniclicher tugende last 

da vor allen künigen truoc. 

des vroute sich dö Marke gnuoc 

und was sin inneclichen vrö. 
2510 der herre Gäwän kerte dö 

gein dem künige Artuse wider 

und seite im die wärheit sider, 

daz sin gesinde und sine man 

alle solden vride hän p. 231 b. 

2515 des küniges da von Kurnewal. 

des vrouten sie sich über al 

durch Tristanden eine. 

inredes der reine 

künic dort zu Tintajol 
2520 hiez schone und küniclichen wol 

ummehengen sinen sal 

mit sperlachen über al, 

die glesten glänz von golde fin. 

mit tiuwern tepichen sidin 
2525 wart der estrich beleit 

und rösen vil dar üf gespreit; 

die tische wurden ouch gericht: 

da gebrach des alles nicht, 

daz man da heizet Wirtschaft 
2530 und daz mit grözer eren kraft 

mac haben ein künic in sinem hüs. Bl. 128 b. 

inredes der künic Artus 

zu dem bürgetor reit in; 

der künic und die künigin 
2535 die heten sich so schöne 

2503 hette F hatte 2504 solt 2505 ho edel 2507 vnr O 
kunygin 2508 frauwete da F fehlt gentig 2512 seit FO 2513 da 
sin gesin F 2514 freden 2515 kvnges F Cnrnuwal 2516 freuwete" O 
2517 t r stan 2518 jnn5 des 2520 kvniclich F 2521 Ymbe hangS O 
2522 sparlachen F 2523 glesten schone y. 2524 tephen F mit topiten s. O 
2525 der der becleit 2527 vnrden F 2528 alles des FO 2530 kaft F 
2531 han sime O 2532 jnne des 2535 hetten F hatten 



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79 

gesprenzet under cröne 

und so prislich an geleit 

in also künicliche cleit, 

daz ich von ir w6te clär 
2540 leider nicht gereden entar; 

wan mir gebricht sin an der kunst; 

min kranker sin, min unvernunst 

gestaten mir zu reden nicht. 

doch was die wät so richer pflicht, 
2545 daz mich sin immer wundert. 

kerzen wol zwei hundert 

truoc man da dem künige vor 

und Isoten gein dem tor. 

der künic Artus, als ich las, 
2550 gesezzen von dem rosse was. 

Vttr war die kerzen truogen 

mit züchten und mit vuogen 

ritter und juncvrouwen. 

swer ez nu wolde schouwen, 
2555 der sach, daz künic Artus 

enpfangen wart in Marken hüs 

nach küniclichen eren. 

mit küsse enpfienc den heren 

der künic und die künigin. 
2560 Tristan und Gäwän träten hin p. 232 a. 

von dem küsse hinder sich; 

iedoch wart Tristan minnenclich 

enpfangen da mit ougen. 

Isöt erblickete in tougen 
2565 und sach in mit vorchten an. 

iedoch getorste Tristan 

sie nicht wider envollen an sehen: 

er vorchte künic Marken spehen, 

wan sine list was im wol kunt. 



2538 jn so kunyglich 2540 reden tar F 2541 want mir brist 
2542 myne Ynv^nnft FO 2543 gestadent 2547 den F 2549 kunic fehlt 
2550 gestanden 2551 Absatz nur in F Uer war F 2562 ydoch F 
myneclich 2563 do 2564 erbHcket F erblickte 2566 ydoch F 2567 
envollen wid s F jn vollen sehn:spehn F seenispeen 2569 want 



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80 

2570 die künege beide sä zustunt, 

die künegin und die vrouwen gar 

gemeineclich an einer schar 

hin üf giengen in den sal. 

man gap in wazzer über al, Bl. 128 c. 

2575 zu tische sie da satzten sich. 

ob ich nu selbe süme mich 

und sage von ir Wirtschaft vil, 

war zu sol daz? gar äne zil 

ist sulcher rede vor mir gesaget 
2580 und von den meistern nicht verdaget, 

die bezzer wären, dan ich bin. 

künic Marke und ouch die künigin 

gesetzet heten küneclich 

den künic Artus zwischen sich. 
2585 her Tristan und her Gäwän 

die säzen beide wol hin dan 

an einer anderen tavelen ort 

gerichte gein dem künige dort. 

Zwivalt, als ich horte jehen, 
2590 so was der küniginne sehen, 

des herzen und der ougen: 

der ougen sehen was tougen, 

des herzen sehen was offenbar; 

mit ougen tougen sach sie dar, 
2595 Isöt die künegin kurtois, 

und gruozte dort den Parmenois. 

gar seiden aber daz geschach, 

daz sie mit ougen in an sach, 

wan sie vorchte starke, 
2600 daz der künic Marke 

begonde ir sehen spehen; 

aber ires herzen sehen 

2570 so zust. 2571 kunygyne 2572 gemeynlich ein F 2575 
do 2576 obe 2578 ayn 2579 red F vnr 2580 meistere 2581 
waren besser 2583 netten F hatten 2584 artusen 2586 wol fehlt 
Man F 2587 ander 2588 in F am Rande nachgetragen (ebenso 2590) 
die rechte 2589 Zwiylat F Zweyfeldich jeen : seen 2590 also 
kvngine F kunygyöen 2592/3 seen 2594 ougen helmge" sach die F 
2595 kunygyne 2596 permenoys F 2599 want 2601/2 seen 2602irsJTO 



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81 

konde ir vorbieten wip noch man, 

da mit sach sie öt alles an 
2605 ir zartez liep Tristande. 

ir sehen was zweier hande, 

daz sie mit den ougen tet: 

ie swan sie die State het, p. 232 b. 

so schöz sie mit ir ougen brehen 
2610 Tristande hin ein vriuntlich sehen, 

und was daz sehen tougen. 

daz ander sehen ir ougen, 

daz was mit züchten offenbar 

unde warf ez spilnde dar 
2615 üf den künic Artus, 

der da was gast in irme hüs. 

sie blickete ouch underwilen an 

den künic Marken iren man Bl. 128d. 

und was daz blicken kunterfeit, 
2620 als mir die äventiure seit: 

ir ougen spilen, ir vriuntlich sehn 

daz were lieber geschehn 

hin üf den Parmenois Tristan 

wen üf irn elichen man. 
2625 ir herzen sehen, ob sich daz icht 

dö teilte? nein ez werlich nicht, 

ezn was nindert denne dort 

an der anderen tavelen ort, 

da Tristan saz, ir beamis. 
2630 und er getorste in keine wis 

mit den ougen offenbar 

geblicken noch gesehen dar 

üf die künigin Isöt; 

des leit sin herze gröze not 
2635 von glüender minne smerzen. 

er sach doch mit dem herzen 



2603 kond* 1 2604 ot fehlt 2606 seen O 2609 breen : seen O 2611/2 
seen 2612 andere F 2614 speiende 2615 d. edelen k. 2616 jrem 
2617 blicket F blickte 2620 als vns aventnwer F 2621 seen : gescheen 
O 2622 lib s F 2623 permenoys F 2624 dann nff jren 2625 jrs seen 
obe 2626 da F werlich fehlt 2627 ez waz F js enw. neren dan O 
den F 2628 ander 2630 in fehlt 2632 geseen O 2635 mynne O 2636 
in F am Bande nachgetragen 

Bernt, Heinrich von Freiberg. Q 



O'- r; , r t \ 
Ü N/V£R^ T y| 



^J-rnp^w 



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82 



stete und einecliche dar; 

und sie die küneginne clär 

sach in vor unde sider 
2640 an mit ganzem herzen wider. 

ir herzen sehen hin und her 

gienc spilnde under in entwer 

von im gein ir, von ir gein im. 

leser dises buoches, vernim: 
2645 ir herzen blicke in dem sal 

hin und her rechte als ein bal 

giengen, da die kint mite 

spilen nach kintlichem site. 

doch wären sie des spiles nicht kint, 
2650 sie heten sin vor unde sint 

gespilt und spilten sin noch vil 

und was ir allerbeste spil, 

daz spil und noch ein ander spil, 

da von ich nü nicht sprechen wil. 

2655 Do man nü zu liove gaz, p. 233 a. 

künic Marke weste vil wol, daz 

der künic Artus müede was; 

er hiez im in dem palas 

betten und den anderen gar, 
2660 die mit im kumen wären dar. 

der künic Artus lac eine, Bl. 129 a. 

und dar nach ie gemeine 

zwene und zwene lägen, 

die mit einander pflägen 
2665 släfes, als ich vernumen hau. 

her Tristan und her Gäwän 

sich leiten an ein bette dö. 



2G37 inneclichen F 2638 kvnegine F 2639 vor F 2641 jrs sahen F 
seen O 2642 ginge spilnd F 2643 van ir gen jm van jm gen ir 2644 
ditz F duß u'nym van mir 2645 blicken 2646 recht F fehlt 2647 
kinder 2648 spelent siten F 2649 sie war des sp. doch n. k. F 2650 
betten F hatten O 2653 vü ovch ein F 2654 enwil 2655 Da F 2656 
vil fehlt 2657 der fehlt F 2658 im fehlt O 2660 waren k. d. O 2661 lag 
alleyne O 2662 die anderen dar na g. O 2663 je zwen vnd zwen-1. 2666 
das erste her fehlt O 



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83 

ez stuont zwischen in also, 
daz sie seiden schieden sich; 
2G70 mit einander lieplich 

sie sich begiengen, als ich las, 
und swaz ir eines wille was, 
daz widersprach der ander nicht, 
als under vriunden noch geschieht. 

2675 Do sich die geste geleit 

heten, nü was ouch bereit 

der künic und die künegin 

und giengen ouch zu bette hin. 

in des küniges palas 
2680 eine kemenäte was 

gebüwet schone und herlich, 

dar in legeten sie sich. 

der künic eines siten pflac, 

daz er besunderen eine lac. 
2685 wä von daz queme, wer weiz daz? 

ez was lichte umb den alden haz, 

den er truoc zu der künigin. 

Isöten was ein bette hin 

gemachet an die anderen want. 
2690 diz was Tristande wol bekant 

und hete im die gelegenheit 

von ende zu ende geseit 

ein urkleinez kindelin, 

daz was sun der muomen sin 
2695 und was Tantrisel genant; 

Tristan ez da bi Marken vant. 

list wider list hie vunden ist. 

künic Marke vant ouch einen list; 

er truoc den alden arewän 
2700 gein sinem neven Tristan 

2669 schiden F 2672 willen F 2675 Da F 2676 hetten F hatte 
2678 ouch fetdt F 2679 — 80 in F zuerst umgestellt und dann durch a, b 

berichtigt 2680 kemenaten F 2681 rich e lich F, ric ist radiert erlich O 

2682 lechten 2684 besonder 2685 wo F 2689 gemacht ander O 

2690 daz O wol kant F 2691 het F hatte O 2693 vil cleynes 2696 do 
0, fehlt in F 2698 eyne 2700/1 syine 

6* 



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84 

swerlich in sinem herzen noch: p. 233b. 

er het geheizen ein bloch 

bereiten, der listige man, 

zwelf sensen hiez er dar an 
2705 al umb und umbe machen, 

glich scharfen scharsachen. Bl. 129 b. 

daz bloch mit listen wart bereit 

und wart ouch listiclich geleit 

vür daz gadem, da sie lac 
2710 die künegin und släfes pflac. 

oder vil lichte slief sie nicht? 

sie lac doch in der geschieht, 

als ob sie släfen solde, 

und Marke wenen wolde. 

2715 Do sie nü gelägen 

und alle släfes pflägen, 

Tristanden und die schoene Isöt 

begonde twingen ir erbenöt. 

ir not was die minne, 
2720 die twanc ir beider sinne, 

Tristanden dort, Isöten hie. 

in ir herzen gedächte sie: 

„torste ez gewägen Tristan, 

daz er zu mir wolde gän, 
2725 daz were miner vröuden hört." 

nu lac ouch Tristan aldort, 

gedenkende unde trachtende, 

mit allen sinnen achtende, 

wie er zu ir queme dar, 
2730 so daz sin nieman würde gewar. 

drivalt bedächte er sine not: 

„wäge ichz, so wirt die schoene Isöt 

in dem lande über al 

2702 hette F hatte O 2704 hiz F dran O 2706 Gelich O 2708 liste- 
lieh O 2709 vor F den g. O 2710 d. k. nit slaffes p. O 2711 si ycht O 
2713 als felüt O abe O 2715 Absatz nur in F Da F 2717 Tristand F die 
fehlt F 2718 ebbe not F 2722 irm F fehlt O gedachte F zuerst gedachten, 
dann n getilgt O 2723 dorstes wagen O 2727 gedenkend F gedenken O 
2728 allem F 2730 niraant w v de F 2731 bedacht O 2732 wagen O schon FO 



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85 

aber der liute muntschal; 
2735 min öhem der künic Marke 

der wirt erzürnet starke, 

und sin vriunt der künic Artus, 

der hie ist gast in sinem hüs, . 

wirt sin betriebet inneclich, 
2740 swie ez queme halt umb mich." 

er bedächte ez allez gar; 

iedoch stuont im daz herze dar, 

sin muot und al sins herzen sin, 

da sie dort lac die künegin. 
2745 waz half ez, daz er Tristan 

was aller dinge ein manlich man? 

die sigehafte minne, p. 234 a. 

die sicbehalderinne, 

die zöch in überwunden hin: 
2750 er muoste 6t zu der künegin. 

Tristan stuont üf und gienc aldar. 

nu was die leide hälschar 

gerichte im in den wec geleit, 

daz bloch, da er sich an versneit. 
2755 die sensen scharf verschrieten in, Bl. 129 c. 

daz heize bluot ran von im hin 

vaste üf des sales estrich. 

Tristan erquam des inneclich 

und leit zwivalten smerzen, 
2760 des libes und des herzen: 

die minne in herzen mit im ranc; 

des libes smerze, der in twanc, 

daz wären vrische wunden. 

nu wolde er an den stunden 
2765 hin wider an daz bette gän * 

zu sinem vriunde hern Gäwän: 

2735 oheym 2737 der fehlt 2738 syme 2740 kome her Ymb 
2741 bedachtes 2742 ydoch F 2743 alle 2745 her 2746 menlich 
2750 ot fehlt 2751 uff er ging 2752 leid F 2753 die rechte im 
fehlt 2754 da jnne er sich v. 2755 u^neden 2756 vmb in 2758 
erschrag O 2759 zwifeldigen 2762 smerze F 2764 wolder 2766 syme 
hern fehlt 



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86 

im enliez in nicht die minne, 

die bluote im in dem sinne, 

ir glüenden vunkel in da müen 
2770 begonden und in herzen glüen, 

sin herze in glüender minne bran. 

ei, wie tet nu her Tristan? 

sin hemde er umb sin wunden bant, 

an die tür gienc er zuhant 
2775 der kemenäten, da sie lac 

die künegin, und er bewac 

sich, daz er rüeren began 

gar senf teclichen dar an, 

er clopte gar gemechlich. 
2780 daz horte Isöt und verstuont sich, 

daz ez were ir vriunt Tristan. 

sie stuont üf von dem bette sän, 

die minnenglüende künegin, 

und liez ir beamisen in, 
2785 den minnegernden Tristan, 

der ouch in ir minne bran. 

die zwei gelieben lieplich 

legeten an daz bette sich. 

ich weiz ez sunder vrägen 
2790 wol, wes sie da nu pflägen. 

swaz e von jagen ist gesaget, 

daz ist ein wicht: Tristan erjaget 

hete an der küneginne p. 234 b. 

daz wäre wilt der minne, 
2795 daz er selbe äne hunde erlief; 

der künic allez daz verslief. 

Do nü her Tristan gelac 

und kurzewile vil gepflac Bl. 129 d. 

2767 üy liez F 2768 blueten F bluwete 2769 gluwende funke O 
do muwg : gluwen 2771 gluwend s 2772 Eya 2773 er da F die 
wonde 2777 beruren F 2778 gar fehlt O senfftelich 2779 clopte F 
cloppte O gemehelich F geineclich O 2780 hört F 2783 gluwende O 2784 
jre" 2785 der m. gerende 2787 gelibe F 2788 leiten jn d. O 2789 
weis wol O 2790 wol fehlt O wes si zwei nu p. 2792 ein wint 2793 
het F hette alle an O 2794 d. wilt d. waren m. 2795 selber ayn hat O 
erlif F 2797 Da F 2798 vil plag O 



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87 

mit der küneginne clär, 
2800 dö enpfant er unde wart gewar, 

der minnewunde degen vruot, 

daz von siner wunden bluot 

lilachen, golter, diz und daz 

in dem bette wären naz 
2805 und daz des sales estrich 

mit bluote het geverwet sich. 

da von leit er pinliche not 

und sprach alsus: „min schoene Isöt, 

min trostlich tröst, min sunneschin 
2810 und allerliebeste vrouwe min, 

ich muoz in disen leiden 

aber von dir scheiden, 

e unser minne tougen gar 

der künic min öhem werde gewar." 
2815 er stuont üf und gienc hin wider 

zu Gäwän und leite sich nider 

zu im an daz bette dar. 

Gäwän schiere wart gewar, 

daz Tristan was von bluote naz; 
2820 er jach: „neve, wie kumt daz? 

sage mir, waz ist dir geschehen?" 

Tristan der wärheit im verjehen 

begonde von der künegin, 

und wie die scharfen sensen in 
2825 heten jemerlich versniten. 

Gäwän mit leideclichem siten 

uz siufzendem herzen sprach: 

„owe, owe und immer ach! 

wie des küniges Marken list 
2830 uns nu zu schaden kumen ist! 

uns enwolle got selbe rät geben, 

so hän verloren wir daz leben 

2799 kunygynne - 2800 da F befant O 2821 mynen O wunde 
F 2803 lielachen F kolter O 2804 von dem blude w. 2806 hatte 
gev s bet F 2807 er leit 2808 alsus fehlt F myne 2809 torstlich toret F 
sonne O 2810 liebste O 2813 m. heymeliche g. O 2814 oheim 2818 
scbire schier O 2820 er sp'ch komet O 2S21 gescheen : verjeen O 2824 
wie scharffe O 2825 hetten FO iemerlichen F 2820 leitlichem 2828 auwe 
auwe O 2829 kvnges F 2830 nu feJUt 2831 vns wille O 2832 vlorn F 



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88 



alle, beide dirre und der, 

die mit dem kflnige quämen her." 

2835 Artus der künic tugende vol 

erhörte ir beider rede wol 

und wart dar umb betrüebet gar. 

die anderen wurden ouch gewar 

der geschichte über al, p. 235 a. 

2840 die mit in lägen in dem sal: 

von herzen sie erquämen, Bl. 130 a. 

dö sie die mere vernämen; 

under den gesten ir ieglich 

vor dem töde vorchte sich. 
2845 sie gäben alle ein ander rät 

umb Tristandes missetät. 

in was ouch guotes rätes not. 

wan sie vorchten den tot; 

umb die sorcsamen bürden, 
2850 wie sie der entladen würden, 

sie rieten hin, sie rieten her. 

Keie vernam ouch dise mer; 

er quam zu disem rate 

in zit und nicht zu späte: 
2855 „pfüch!" sprach er, „daz so wisen rät 

ein hoher künic nicht enhät, 

als ir sit, künic herre min, 

der sine wisheit nu schin 

tete an disen dingen, 
2860 so deinen und so ringen! 

hat wol min herze wisheit, 

die dunket iuch doch kunterfeit. 

swie tump ich si, nu enruochet ir, 

und wolt ir alle volgen mir, 
2865 her künic und swer hinne si, 



2833 dir F duser 2835 (lugend 2839 geschieht F 2840 hi jn 
2842 da F 2843 ir fehlt O iglich F jekelich 2844 Yur 2845/6 in F 
umgestellt und dann mit b, a bezeichnet si g. ouch vnder eynander r. 
2848 want O 2850 in F am Bande nachgetragen entlande" F 2855 sprach 
er fehlt 2856 nicht ein h. k. h. F 2857 als ich siet h. m. 2858 nu 
fehlt 2860 deine F 2861 herz F 2862 iuch fehlt F 2863 ich sie F 
ruchet 2864 wol F willet 2865 h^re hie jnne 



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89 

ich mache uns diser sorgen vri 
mit vuocheit und mit speher list." 
künic Artus sprach in der vrist: 
„Keie, ich weiz wol, daz wisheit 
2870 und wisen rät din herze treit; 

swenne du ez keren wilt in guot, 
nu rät, zierlicher degen vruot, 
daz wir von disen sorgen kumen; 
des muost du immer haben vrumen." 

2875 Keie het listigen muot. 

er jach: „dunket ez iuch alle guot, 

so mache wir ein gewuofe, 

einen schal und ein geruofe 

und rumpeln under einander gar, 
2880 so loufe ieglicher dar 

zu dem bloche listiclich 

und versnide selbe sich. 

swenne des der künic wirt gewar, 

daz wir sin versniten gar, Bl. 130 b. 

2885 so enhät er keinen arcwän 

zu siner swester sun Tristan." p. 235 b. 

diser mere vroute sich 

der künic Artus innenclich 

und dankete Keien sä zustunt, 
2890 daz er so listigen vunt 

in allen vant zu tröste, 

der sie von sorgen loste. 

die helde dancten alle 

Keien dö mit schalle. 
2895 sie stuonden üf über al, 

die da lägen in dem sal; 

sie begonden sich rottieren, 

als ob sie turnieren 



2866 mach F mache 2867 mit fogen 2868 an d. f. 2869 i. w. 
w. k. 2871 wan 2874 mu8tu 2875 hatte 2876 dunkt alle F 
2877 machen gewuge F 2878 ein schallen vii ein rnfe F, am Schlufs ein 
n radien 2879 rtimpelen 2880 es lauffe jekelicher iglich s F 2881 
listich 2883 wan 2885 so gewinnet F 2886 zu syme neuen tr. O 2887 
mere frauwete O 2888 jnneclich O 2889 danket F dankte O so zust. O 
2894 k. dem m. s. F 2898 als fehlt O 



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90 



wolden in der selben zit. 
2900 vil geschattet und gesehnt 

wart in des küniges muoshüs. 

der edele künic Artus 

toerischte mit den anderen; 

rumpeln unde wanderen 
2905 muoste er mit in hin und her, 

in dem muoshüse entwer 

toben unde vaste wüeten; 

sie würfen sich mit htieten, 

mit küssen und mit polstern; 
2910 strüchen und holstern 

begondens über die bette; 

sie würfen da zu wette. 

der die hosen, der den schuoch; 

vil hemde und etlich ander tuoch 
2915 die wurden da zurizzen gar, 

der man dar nach unsanfte enpar, 

dö dirre turnei zurgie; 

der künige krie riefen sie: 

„Britänje hie, hie Karidol! 
2920 hie Kurnewal, hie Tintajol !* 

sie vüegeten daz mit kündekeit, 

daz ieglicher sich versneit, 

wan Keie, der in gap den rät, 

der volante nicht der tat: 
2925 er wolde sich mit listen 

vor den sensen vristen. 

dö begreif in Gäwän 

und stiez in kreftielich dar an, 

daz er in den stunden 
2930 enpfienc die grasten wunden, 



2899 wulde jn den ziden 2900 si schalte vn schriten 2901 wart 
fehlt 2902 edl 2903 dorste 2904 rüinpln 2905 must 2906 
mushus 2908 hvte F 2909 polstere : holstere" 2911 begonden si 
2912 do 2913 duser die hose O 2914 manch h. vnd ander d. 2916 da. 
nach F 2917 da F der t. O 2918 krii F 2919 hie br. hie k. 2920 
Curnuwale 2921 fliehten 2922 igliclr F jekelicher 2923 ayn keye 
2924 volle ante die dat 2920 von 2927 da F 2928 krefftlich 
2930 meiste w. 



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91 

die indert einer in dem sal 

hete under den gesten über al. p. 236 a. 

Do nu Keien wart kunt, Bl. 130 c. 

daz er was so grözlich wunt, 
2935 sä zuhant so rief er: 

„hat uns der tiuvel brächt da her? 

wes wenet dirre ktinic, wes? 

in dunket lichte und wenet des, 

daz wir wilde wolve sin. 
2940 ich spreche ez üf die triuwe min, 

ern hat nicht küniclicher siten, 

er hat gemachet, daz wir versniten 

uns alle haben in den tot." 

künic Marke erhörte Keien not; 
2945 er hete ouch e gehört vil wol, 

daz der sal was schalles vol; 

von sinem bette er zu in gie 

und begonde strafen sie 

umb die grözen Unzucht. 
2950 Artus die künicliche vrucht 

entredte sie hübeschlich hie mite, 

er jach: „ez ist ir ellich site, 

ichn kan die ungehiuren 

der unzuchte nicht gestiuren; 
2955 sie toben rechte alsam die kint-, 

da heime und hie und swä sie sint." 

Artus der reine guote 

sluoc Marken uz dem muote 

dise Unzucht und her Tristan 
2960 bleip von im äne arcwän. 

der künic gienc an sin bette wider 

unde leite sich da nider. 



2931 die ergen 2932 het F hatte 2933 Da F 2934 er s. g. was 
so fehlt F 2935 al zu hant rieff er 2936 brecht her 2937 d*> k. F 
doser O 2940 Sprechens die t r w 2941 er hette F enhat 2942 ge- 
macht 2943 han 2944 erh. duse n. 2945 het F hatte 2949 
groisse 2950 kvniclich F 2951 hvblich (!) F houeslich O 2952 degelich 
sit O 2953 enkan FO den vng. O vngehiwren : gestiw s en F 2954 vnczncht 
2955 dobent recht als O 295G hie wa wo F 2959 die 2960 an F ayn 
arge wan 2962 lechte O do 



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92 

die üzeren geste in dem sal 
ir wunden bunden über al, 
2965 und sä zuhant ir ieglich 

wider an sin bette legete sich. 

Des morgens, dö der tac erschein, 

sie stuonden üf; ir aller bein 

wären versniten unde wunt, 
2970 ieglicher hinkende an der stunt 

und wunder von dem bette gie. 

Tristandes zeichen vuorten sie 

mit smerzen alle gemeine 

ieglicher an dem beine. 
2975 des wart betrüebet starke 

der edele künic Marke 

und bat Artusen sinen gast, Bl. 130 d. 

daz er nicht vintlichen last 

gein im dar umb entrüege. 
2980 Artus der was gevüege 

und vant ouch in kurzer vrist 

durch Tristanden einen list, 

er jach : „vriunt, wiltu, daz ich dich 

gewere, so gewere ouch mich 
2985 einer bete, der ich bite 

dich in vriuntlichem site." 

künic Marke sprach : „min vriunt Artus, 

ir sit hie gast in minem hüs, 

nicht enbitet, wan gebietet mir!" 
2990 dö sprach Artus: „so sult ir 

iuweren zorn genzlichen län 

gein iuweren neven Tristan." 

Marke tet alsam ein man, 

der im wol eren selber gan, 

2963 den s. 2965 so zun. iglich F jekelich 2966 legte F 
lechte 2967 Abatz nur in O da F 2970 iglicfr F jekelicher hinkend F 
2971 wont den F 2974 jglicfr F jekelicher 2976 edel O 2978 vien- 
lichen O 2979 trage F 2980 der kunyg gefuge 2981 und fehlt 2982 
eine F 2983 sp s ch 2984 so gewer F 2987 knnic fehlt Ü diach kvnic a. F 2988 
minen F niyme O 2989 n. bietet wan gebitet F nit enbiedgt dan gebede"t 
2990 da F kvnic a. F sullent 2991 iweren F genczelichen 2992 iweren F 
2993 als 2994 selber wol eren O 



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93 

2995 und sprach: „ob mir Tristant 

min neve mit sin eines hant 

al mine mäge hete erslagen, 

die wolde ich durch iuch verclagen : 

Tristan, sun der swester min, 
3000 sol aber in minen hulden sin." 

waz hilf et, ob ich lenge daz? 

Artus daz mal mit Marken az; 

er nam urloup und reit von dan: 

bi Marken bleip her Tristan. 

3005' Owe, owe! der minnetranc 

die gelieben aber twanc, 

Tristanden und die blunde Isöt, 

daz sie von minne liden not; 

der herzenliebe smerze 
3010 der twanc ir beider herze, 

des mannes und des wibes. 

Tristan Isöten libes # 

wolde aber gewaldic werden, 

mit swelcher hande geberden 
3015 er ez gevüegen künde. 

Tantrisel er begunde 

vür legen alle die tougen sin; 

und swaz er gein der künigin 

daz kint mit triuwen werben hiez, 
3020 Tantrisel des nicht enliez: 

ez warp ez unde konde ez wol, 

wan ez was kfindikeite vol 

und was Isöten heimelich; Bl. 131a. 

von im wurden listiclich 
3025 ir beider tougen verholn. p. 237 a. 

alsus wart Marken abe gestoln 

aber vil der eren sin. 



2995 obe 2997 alle het F hette 2998 wold F 2999/3000 in 
umgestellt Tristan d s svn F 3000 nu sal aber O 3001 hilfet ez F abe 
3002 art. der kunyg mit m. 3003 reit dan 3005 Owe d s m. F Auwe 
auwe d s myfien 3007 Tristan bluende 3008 mynne 3009 lieben F 
3010 der fehlt 3013 wold F geweldich 3015 ers Ö konde F 3017 vor- 
legen F 3021 kond ez F kondes 3022 want O kundicheit O 3024 liste- 
Uch O 3025 verholen : gestolen 3020 marke ab F 



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94 



Tristan und die künegin 
die triben ir aldez erbespil 

3030 unde pflägen des so vil, 

da von ein niuwer muntschal 
wart in dem hove über al. 
swie verswigen Tantrisel was, 
ezn half sie doch nicht, als ich las. 

3035 die werlt uns Urkunde git, 
daz der biderbe sunder nit 
gar seiden blibet, swä der ist: 
als wart geniden in der vrist 
der erengernde Tristan 

3040 ouch von etlichem man, 
der sinem lebene schachte 
und Marken zu ören brächte 
ir tougen und ir minne, 
sin und der küneginne. 

3045 Nu % wart der künic Marke 
erzürnet aber starke 
und truoc den alden arcwän 
gein sinem neven Tristan 
mit leideclichem smerzen 

3050 swerlich in sinem herzen 
und was stetes achtende, 
gedenkende unde trachtende 
in herzen und in sinne, 
ob er die küneginne, 

3055 die blunde Isöten üz Irlant, 
und sinen neven Tristant 
mit einander vunde, 
so daz er über wunde 
sie beide mit der wären tat. 

3060 nu quam er genzlich an den rät, 
daz er Tristande tet bekant, 



3028 tristant F 3030 sol vil F 3031 niwer mutschal F 3033 Tantr. 
wie v s sw. daz w. F 3034 ez half F js enh. O 3035 werelt O 3037 wo F 
3038 sus w. beneden O 3039 gere tr. 3041 syme lieben O lehne F 3042 
oru F 3045 war F der feJUt O 3046 stake F 3048 syme 3049 leit- 
lichem 3050 syme 3055 bluende jsot 



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95 

er wolde in Britänjen lant 

riten zu dem künige Artus, 

und jach: „Tristan, läz dir min liüs 
3065 und min gesinde enpfolhen sin 

und pflic des üf die triuwe din, 

wan ich des wol getrüwe dir, 

du haldes dine triuwe an mir." 

der künic dö bereitet wart 
3070 gar listeclichen üf die vart; 

er reit mit listen manicvalt p. 237 b. 

bi Tintajol in einen walt Bl. 131b. 

und was dar inne unz an die nacht. 

die bcesen nider ungeslacht 
3075 Tristandes hete er bi Tristan 

aldä zu Tintajol gelän, 

die offen ten im ein pfortelin; 

der künic zu der bürge sin 

quam wider und wart in gelän. 
3080 nü was ouch her Tristan 

gegangen zu der künegin 

in die kemenäten hin 

und hete sich enpfettet; 

im was ouch wol gebettet, 
3085 er wänte ligen äne vär. 

nü quam ouch der künic dar 

und mit im alle sine man, 

die er da bi im mochte hän: 

die tür er mit gewalt üf stiez, 
3090 als sin zorn riet unde hiez, 

und vienc Tristan den neven sin 

und mit im die künegin, 

sin elich wip, die schcene Isöt. 

owe der schemelichen not, 
3095 die dise zwei gelieben liden! 

3062 er wode F 3063 zu künyg O 3064 vnd sp s ch zu testende 
3005 beuolen 3067 want ich wol des get r wen getriwe F 3068 heldest O 
triwe F 3069 da F bereit 3070 listlich 3071 vfi reit F manchfalt 
3072 enen wal F 3073 da jnne bis an 3074 d. b. vnd die vng. (ver- 
lesen) 3075 het F tr. viende hat er da gelan 3076 zu t. bi tristan 
3082 kemenate 3083 hettet F hatte sich entwetet 3085 wynde O 
ayn 3094 auwe schemelicher 3095 die disine(?) F 



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96 



ir hende bant man in mit widen 

und mit riemen starke; 

ouch hiez sie legen Marke 

in einen vinstern kerker. 
3100 aldä lac sie, da lac ouch er, 

unz daz der lichte tac erschein. 

der künic des morgens wart inein, 

daz er an daz gerichte saz 

und hiez offenlichen daz 
3105 künden in dem lande, 

man solde Tristande 

verterben und die künegin. 

nu quam zu dem gerichte hin 

von dem lande manic man 
3110 und der getriuwe von Litan, 

der erenriche Tinas, 

der ganzer vriunt Tristandes was 

mit triuwen in dem herzen gar, 

der quam ouch zu gerichte aldar. 
3115 Nu vuorte man sie beide vür 

nach des küniges willekür, Bl. 131c. 

Tristanden und die künegin ; p. 238 a. 

ir hende wären gebunden in. 

die schemeliche smäheit 
3120 was inneclich von herzen leit 

Tinäsen dem getriuwen man, 

den man da nante von Litan, 

der truchseze des küneges was. 

er bat den künic, als ich las, 
3125 durch got und durch die ere sin, 

daz er die edelen künegin 

und siner swester sun Tristan 

nicht also gebunden stän 

vor dem gerichte lieze 
3130 und durch sin adel hieze 



3099 yinstere 3100 lac da ovch F alda lag er 3101 bis daz O 
Hechte O 3104 uffentlichen 3108 qua ouch 3109 manch 3110 ge- 
triwe F 3112 der tristandes g. fr. w. 3113 triwen F 3114 dar O 3115 
Absatz nur in vor : wiüekor O 3123 truchtsede F trossesse O 312ü edel O 
3129 vur 3130 in F am Baude nachgetragen jren a. 



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97 

in üf loesen ire bant. 

der künic schiere wart gemant 

ir adels und ir hohen art 

und hiez üf loesen mit der vart 
3135 von iren handen die bant. 

swaz mir die äventiure bekant 

hat getan, daz muoz ich sagen: 

der künic begonde selbe clagen 

unde sprach in an den lip. 
3140 nu wart vorteilet man und wip, 

Tristan und sin trüt Isöt, 

die müesten liden den tot: 

Isöte, Isolden geburt, 

der wart erteilet die hurt, 
3145 und dem getriuwen Tristan, 

der untriuwe nie gewan 

in dem reinen herzen sin 

alsam ein hirsenkornelin, 

dem wart erteilet daz rat. 
3150 Tinas alweinende bat 

den künic umb den neven sin 

und umb die Wunde künegin, 

daz er durch got sie lieze leben. 

ezn half 6t nicht, sie muosten geben 
3155 ir leben umb die minne. 

nu wart die küneginne 

und ir lieber vriunt Tristan 

vür die stat gevüeret sän 

hin gein dem plan mit riuwen, 
3160 da man die ungetriuwen 

zu verterbenne pflac. Bl. 131 d. 

üf des wazzers stade lac 

an dem wege ein capelle; 

der wart her Tristan snelle p. 238 b. 

3131 jr b. 3132 schire F schiere ermant 3133 jrs a. 3136 
duse a. auentiw* F 3138 selber 3142 solden 3143 ysoten ysalden F 
jsot ysoldg 3144 ertelet F gedeilt 3145 getriwen F 3146 vntriwe F 
3147 reinen fehlt 3148 als 3152 vbm F bittende 3153 sie fehlt F 
3154 ez F js. enh. ot fehlt 3157 lib s vrut F 3158 vor F 3159 den O 
riwe : vngetriwen F 3161 vHerben F v s derben O 3162 wazzere F 

Beruf, Heinrich von Freiberg. n 



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98 

3165 in sinen noeten gewar. 

er bat, daz man in vüerte dar, 

durch daz er einer Sünden sich 

gein gote erclagete inneclich. 

die in gevangen vuorten da, 
3170 die versageten im daz sä 

und vuorten ungevuoclich in 

vaste gein dem rade hin. 

Der truchseze Tinas, 

der im so holt in herzen was, 
3175 der quam inredes geriten 

und horte Tristanden biten, 

und daz im jene versageten 

und vaste gein im bägeten. 

der getriuwe von Litän 
3180 sprach: „ir sult in läzen gän 

durch minen willen hin in 

und sul wir alle hüeten sin 

vor der capellen hie." 

swes er da jach, des volgeten sie, 
3185 wan bi dem künege sin gewalt 

was michel unde manicvalt 

her Tristan in daz kirchel gienc. 

ob er nu wislich an gevienc 

sin dinc, werlich des was im not, 
3190 wan er het gewis den tot. 

ein venster an dem kirchel was. 

nu ergienc daz Sprichwort, als ich las: 

swem got wol, dem nieman übel. 

under dem venster ein hübel 
3195 was ob eines toten grap. 

Tristande got zu seiden gap, 

daz die üzeren nicht gewar 

3166 in F am Rande nachgetragen 3168 erclaget FO 3170 v%agten 
F d. u'sagetens jm sa san F 3172 vast O 3173 truchtseze F trosesse O 
3175 inr des F jnne" des 3177 v^agten : pagten F 3181 vmb 3182 
vnd wir sullen alle h. O 3183 tut 3184 des er de volgete" F 3185 
want O sine 3186 mancvalt F manchfalt O 3188 an ving O 3190 want O 
hatte O 3192 vergienc diz F 3193 nimant F 3194 den F 3195 über eyns 
dodin O 



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99 

wurden, daz er gienc aldar; 

der Parmenois, des küneges mäc, 
3200 viel durch daz venster in den wäc 

und swam daz wazzer hin zu tal. 

Tantrisel unde Kurvenal 

in getriuwelichem siten 

wären vür die stat geriten 
3205 in sulcher hoffenunge, Bl. 132 a. 

ob Tristan der junge, 

geborn üz vürsten kunne, 

mit keiner list entrunne, 

daz sie im zu hülfe quemen dar. 
3210 nu wart her Tristan ir gewar, 

alvliezende in dem wazzer; p. 239a. 

ern was der lider nicht lazzer 

und swam snellich und gerade 

gein sinen vriunden zu dem Stade. 
3215 dö sie ersähen in nu hie, 

wer was vröer danne sie? 

sie heten mit in brächt aldar 

sin ros und alle sin wäpen gar, 

schilt und heim, swert unde sper: 
3220 nu wart ouch wol gewäpent er. 

also viuchte und also naz 

her Tristan üf sin ros dö saz 

und kerte über daz gevilde 

hin vaste gein der wilde; 
3225 in einen busch er da gehielt, 

sin herze grözer triuwe wielt 

gein der edelen küneginne; 

er wolde des ie werden inne, 

ob sie dem töde were ergeben 

3199 permenoys F 8202 Curneual FO ä203 getriwelichem F 3204 
vor FO 3206 obe 3207 gebor F gebore 3208 m. eynch s 1. 0. 3209 
si zu helffe jm k. 3210 her fehlt 3211 al vlizende F 3212 er F er 
enw. der lede 3214 zv den F 3215 da F nu si ersahen hie O 3216 
w s da vroer d. F dan 3217 netten F hatten brach F 3218 allez F 
sine 3219 schil F schilt heim swert vnd sp. O 3221 fucht 3222 da F 
3224 vaste hin gein dem gewilde F 3225 Absatz in O pusch F bussche 
do hielt 3226 t T wen 3227 edelen fehlt O 3228 woltes w. jnne O 3229 
obe gegeben ergebn : lebn F 

7* 



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100 

3230 oder ob sie behielde ir leben. 

nu stuonden jene noch aldort, 

die den totlichen mort 

solden haben getan 

an dem edelen Tristan; 
3235 sie warten vor der kirchentür, 

wenne her wolde gen her vür. 

ez enhalf sie nicht, in was enpfarn 

der visch mit kreften durch daz garn; 

her Tristan was entrannen in. 
3240 sie giengen in die kirchen hin 

linde suochten hin und her, 

sie vunden nicht, nu dise mer 

der künic Marke vernam, 

in herzen er des swinde erquam 
3245 und wart dar umb erzürnet gar; 

er jach: „nu dar, nu dar, nu dar! 

wol üf alle, die hie sin, 

und jaget nach dem neven min 

daz wazzer alles hin zu tal!" 
3250 daz volc erhuob sich über al, 

daz üf dem velde da was; Bl. 132b. 

und der getriuwe Tinas 

der muoste jagen ouch mit in, 

der Tristande lieber hin 
3255 hSte geholfen danne gevangen. 

Nu diz allez was ergangen, 
daz sie von dem mortwal p. 239 b. 

wären kumen über al, 
nu stuont die bele Wunde Isot 
3260 noch in bitterlicher not 

gevangen bi der glüenden hurt, 
die künicüche geburt, 
der ie wipliche güete 

3230 übe 3231 noch dort 3233 han 3235 vur dor : vor 
3236 wanne er 3237 ez half F entfaren 3240 daz kirchel 3242 da 
duse m. 3243 der fehlt 3244 er do sw. 3246 sp r ch 3250 wölk F 
3251 do 3252 getriwe F 3253 ouch fehlt F 3254 tristade lib s F 3255 
hette FO dan 3256 kein Absatz in FO aUez fehlt F 3259 Absatz in FO 
Dv st. F bluende 3261 glünder 



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101 

. üz reinem herzen blfiete 
3265 alsam ein niuwe rose clär 

und als ein lilje glanzgevar, 

die gein der lichten snnnen schin 

also wiz und also fin 

blüet schone üf einem Stengel; 
3270 die glicher einem engel 

was danne einem wibe 

und an ir zartem libe 

was linder den ein zisel. 

Tristandes neve Tantrisel 
3275 was von im geriten her 

und ervuor gar dise mer 

und reit hin wider sä zustunt 

und tet sie Tristande kunt. 

alsus wart von im gesaget: 
3280 „öhem, der künic dir nach jaget 

und mit im alle die sine; 

Isöt die vrouwe mine 

dort bi der hurt in huote hat 

üz der stat der potestät 
3285 und ist nieman bi im da 

wan sine Schergen, und iesä, 

swenne der künic kumt gerant, 

so wirt min vrouwe Isöt verbrant." 

„wirt sie verbrant?" sprach Tristan, 
3290 „nu enwelle got, sint daz ich hän 

min leben und gesunden lip, 

so brenge ich daz reine wip 

mit gotes helfe üz der not 

oder ich gelige mit ir tot." BI. 132 c. 

3295 nu wart verbunden im sin heim, 

er tengete gras und stoubte melm, 

hin reit er gein dem mortwal, 



3264 reinen F 3265 als eyne eine niwe F 3266 eyne 3267 
Hechten 3268 phin F 3269—70 eyme O 3271 dan O 3272 jrem O 
zarten F 3273 was fehlt O noch weicher dan O sidel F 3274 tristande F 
3277 is reit O so zust. O 3280 din ohem O 3284 die pot. O 3285 nimant 
F 3286 dan sine sariande sa O 3287 wan O 3288 min we F 3289 Absatz 
in O 3292 bringe O 3294 geligen O 3296 er trette gras vnd melm O 



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102 



mit im der werde Kurvenal. 

zu Tantrisel sprächen sie: 
3300 „vil liebez kint, nu blip alhie, 

unz du besihest, wiez uns ergät." 

hin ranten sie, den potestät 

sluoc Tristan der degen vruot p. 240 a. 

mit kreften durch den beckelhuot 
3305 unz üf die zungen hin zu tal. 

inredes ouch Kurvenal 

zu töde zwene Schergen sluoc. 

da was gesamentes bovels gnuoc, 

daz lief hin dan und vlöch den tot. 
3310 sus wart die minnecliche Isot, 

die man da solde tceten, 

erloeset von den noeten. 

vür sich huop sie her Tristant 

üf sin ros und reit zuhant 
3315 hin wider, da Tantrisel was; 

daz vroute sich, daz sie genas, 

Isot die blunde künigin. 

Ei, wä quämen sie nu hin? 

sie riten 6t vaste in den walt, 
3320 ir trachten daz was manicvalt. 

nu suochten die gehiuren 

aber die fossiuren, 

die meister Gotfrit hat genant 

la fossiure a la gent amant, 
3325 der minne gruobe, der minne hol, 

dar inne in vor was so wol. 

und sie der nicht envunden, * 

sie machten an den stunden 

von rinden und von loube, 
3330 üz schüfe und üz schoube 



3298 Curneual O 8300 libes F 8301 bis du besies besiehest F wie 
ez FO 3304 pekelhvt F jsenhut 3305 bis uff zunge 3306 jnne" des 
Curneual 3307 zween sariande O 3308 gesamtes bübels 3310 mifiec- 
lich FO 3312 erlost 3316 frauwete da sie F 3317 bluende O 3318 
kein Absatz in FO Eya wo F kome" 3319 ot fdUt 3320 manicwalt F 
manchfalt 3321 gehiwern : fossiwern F 3323 gotstrit F godart 3324 
la fossiwer alagant F 3325 myne gr. 3326 da jnne jn e was 3328 jn 
den 3330 Ton schelcz€ 



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103 

eine htttte gröz und wit, 
dar inne vortriben sie die zit, 
die gar getriuwen viere. 

Nu quam der künic schiere 
3335 wider unde wart gewar, 

daz die küneginne clär, Bl. 132 d. 

la bele die schoene Isot, 

was entrunnen üz der not. 

der edele kiinic, der guote man 
3340 mit vlize denken began 

in sinem herzen reine und fin: 

„diz muoz gotes wille sin, 

der hat in zwar geholfen hin, 

Tristan und der künegin; 
3345 sie geniezen lichte ir unschult." 

von den gedanken er gedult 

unde guoten muot gewan.^ 

wes lebete da her Tristan 

und die künegin Isot? 
3350 ob sie da keiner slachte not 

von hungere liden? nein sie, zwar 

sie heten guote lipnar 

äne bröt und äne win; 

wiltbrete, so ez beste sin 
3355 mochte in dem walde über al, 

des schoz in vil da Kurvenal; 

schone er ez briet unde söt 

und loste sie von hungers not 

und gap in dar zu lütertranc; 
3360 üz einem velse der enspranc; 

den trunken die gelieben hie 

werlich unde düchte sie 

der allerbeste welsche win, 

3333 getriwen wiere F 3334 kein Absatz in FO 3339 Absatz in F 
edel 3340 vlizen F 3341 sinen F syrae 3342 goicz wille" 3345 
genizen F genyesse"t O 3347 gar guden .-J348 lebte F lebet er nu h. 
3350 obe O sie die k. F 3351 hunger O &352 hetten F hatten O 3353 au 
brode vnd an wine (falsdie Auffassung) 3354 wiltberte F also F, das al 
gelöscJU 3356 do Curneual O 3357 er briet es schone vnd jsot O 3359 
lutere" dr. O 3360 einen F eyme steyne er in sp. 3363 d-beste F weltsche O 



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104 

der in den landen mochte sin. 
3365 unde swaz ie her Tristan 

guoter spise mochte hän 

mit der edelen küneginne, 

iedoch tet im ir glttende minne 

mit rechter herzenliebe baz. 
3370 swaz Tantrisel da gaz 

und Kurvenal, als ichz verste, 

so hete eines gerichtes me 

ie der edele Tristan, 

des besten, daz ieman gewan 
3375 und in der werlde mochte sin, 

mit der blunden künegin: 

daz was die süeze minne, Bl. 133 a. 

* die spisete in herze und sinne, 

daz sie des düchte, sie heten gnuoc 
3380 des alles, swaz die erde truoc. 

Do sie nu, als ich hän gelesen, 

in dieser wilde gewesen 

wären wol ein halbez jär, 

nu gevttegete ez sich vtirwär, 
3385 daz Tristan durch tagalt 

solde riten in den walt 

Kurvenal der helt gemeit 

mit sinem herren dö reit. 

Isöten und Tantrisel die 
3390 liezen bi einander sie 

in der buoden aleine. 

nur reit Tristan der reine 

und der werde Kurvenal 

den walt alles hin zu tal: 
3395 die schuzzen vasande 

und vögele mangerhande; 

3364 dem lande 3365 hie 0; aueJi in F ist vor ie etwas gelöscht 
3366 spieen 3368 ydoch F doch tet in gl. F 3370 da fehlt 3371 
Curnenal 3372 het F hatte O eyns 3373 edel 3374 des je 3375 
werelte 3376 hlüender 3378 spiset F 3379 netten FO 3380 alles des 
daz 3381 Da F 3383 w. vil nahen ein F 3384 gefaget F gefnchtes 
yerwar F 3387 Curneual 3388 syme O da F 3390 bi e. a. 1. sie O lisen F 
andir F 3391 d%ntte" 3393 Cnrnenal 3394 hin fehlt F 3396 vogel 



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105 

underwilen schuzzen sie ein tier. 

sus riten dise helde fier* 

in dem walde vaste hin. 
3400 die wile gienc die künegin 

und daz kint Tantrisel 

und brächen bittende risel 

von manges boumes aste; 

vil bluomen sie dö vaste 
3405 und kriuter üf sich luoden, 

da mite sie ir buoden 

wolden schöne zieren, 

beströuwen und florieren, 

swenne der edele Tristan 
3410 queme, daz er solde hän 

sine lust dar inne. 

sus gienc die küneginne 

in dirre kurzewile 

wol eine welsche mile 
3415 von der hütten hin dan 

bluomen lesende in dem tan. 

Die wile und an den stunden 

was ouch mit den hunden 

der kfinic durch sin tagalt 
3420 geriten in den selben walt; 

er het vereinet und verjaget, 

als mir die äventiure saget, 

von den anderen verre sich. 

die künegin gar minnenclich 
3425 die vant er in dem walde dort, 

dö sie der bluomen einen hört 

üf sich vazzete und üf sich luot. Bl. 133 b. 

der einvaltige künic guot 

gedächte: „herre, waz mac diz sin? 

marger h. F mächer h. Ö 3398 helde her 3402 blude r. F g r ne r. O 
3403 mäches 3404 da F 3405 krut lüten O 3406, mit hutten 3408 
bestowen vn florezieren F strauwe" 3409 wan edel 3411 da jnne O 
3413 duser kurczwile O 3414 welcz 3416 lese" de" 3419 syne 
3421 hatte 3422 dise aventiwer F 3421 die kunygyne myneclich 3426 
da F der fehlt 3427 vazzet F vud lüt 3428 eynfeldi$e 3429 ge- 
dachte was is mochte sin 



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106 

3430 ist ez Isöt die künegin? 

wer hat sie danne brächt da her?" 

und also gehielt ouch er 

und sach gar einecliche dar: 

dö wart er rechte gewar, 
3435 daz sie ez was, die schoene Isöt. 

dö leit er von gedanken not, 

waz er nü tuon möchte, 

daz sinen wirden töchte. 

inredes sach sie ouch dar 
3440 und wart des küneges gewar, 

daz er so nähen bi ir hielt. 

ir herze grözer liste wielt: p. 241b. 

sie gienc viir sich unde tet, 

sam sie sin nicht gesehen enhet. 
3445 der künic wart ouch nicht gewar, 

daz sie het geblicket dar. 

Isöt sprach zu dem kindelin: 

„sage an, wie lange mac daz sin, 

daz min swäger Tristan 
3450 mich so menlich als ein man 

von dem töde erlöste, 

dö man mich üf dem röste 

solde lesterliche hän vorbrant?" 

dem kindelin was unbekant, 
3455 waz die vrouwe meinte; 

sie winkete im und erscheinte 

mit ir spunden ougen, daz 

sie weste niuwes etewaz; 

unde nach der ougen gruoz 
3460 trat sie dem kinde üf den vuoz. 

der künic aller der geschieht 

prüefete noch enmerete nicht 

3431 dan bracht hie h. 3432 ?fi fehlt 3433 eyneclich 3434 
da F recht 3435 schon 3436 da F 3437 muchte : duchte 3439 june" 
des 3441 na hilt : wilt F 3444 als si geseen het F 3445 wart 
des nit 3446 hatte gebilket F 3448 sag F sage mir wie des sin F 
3449 mein F 3452 da F auf F 3453 han lesterlich F 3454 knebelin 
vmbek. F 3456 winket F 3457 splinden F jren speienden 3458 neuwes 
etwas F eezwas 3459 gruesse : die fuesse 3460 si jm uff 3462 merkte 
noch enpruffte 



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107 

und nam ir winkens nicht war, 
abir ir rede hörte er gar. 

3465 Tantrisel daz knebelin 

antworte alsus der vrouwen sin, 

wan iz was kündekeite vol, 

und jach : „ vrouwe, ir wizzet ez wol 

oder lichte vil baz dan ich." 
3470 dö sprach Isöt: „sin dunket mich Bl. 133 c. 

iezent vil nach eil* halbez jär." 

daz kint sprach: „vrouwe, ir habet war." 

sie sprach: swie gar er Tristan 

sich aller dinge dunket ein man, 
3475 doch tet er an uns als ein zage, 

daz er an dem selben tage 

vor vorchten also von uns reit 

und uns in diser arbeit 

hat gelän so mange zit. 
3480 zeter si über sie geschrit, 

die mich und den guoten man 

also lesterlichen hän 

mit ir valschem list vorlogen 

unde lügenlich betrogen 
3485 gegen dem lieben herren min, 

dem künige, der mir nicht gesin 

mochte lieber, den er ist 

und ie was in aller vrist, p. 242 a. 

sint daz ich sinem übe 
3490 gegeben wart zu wibe. 

nu hänt die trügenere 

mich im gemachet unmere." 

sie sprach: „Tantrisel, liebez kint, 



3463/4 in F umgestellt, aber durch b, a berichtigt jrs winkes 3464 
reden horter 3466 sus antw. antwort F 3467 want kundicheit 
3468 v. sp r ch vrow er w. F wissents doch w. 3469 leichte F 3471 je 
czu 3472 vrow F fehlt hant 3473 her 3474 dunkt 3477 
föchte 3479 manche zeit : geschreit F 3480 sei F daz hude si 3483 
mit ir feltscheit belogen 3484 vnd so 3485 gen den mein : gesein F 
3486 dem kVge F 3487 mochte gesin d. F dan 3489 syme 3491 
haben F valschen trug. F lugenere 3492 gemacht gar vngem s e F 
3493 libes F 



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108 



mich wundert, daz wir zwei sint 
3495 so lange aleine hie gewesen 

in dirre wlieste und wir genesen 

vor manchem wildem tiere sin 

und daz wir weder bröt noch win 

noch andere spise hän gehabet, 
3500 wan daz wir uns hän gelabet 

mit wazzer und uns hän ernert 

mit krüten, die wir hän verzert. 

min schepfer, got der süeze, 

der wil, daz ich hie büeze 
3505 min sünde in diser wilde 

und daz ich menschen bilde 

sol lichte nimmer me gesehn, 

und danke gote, daz geschehn 

mir die genäde von im ist, 
3510 vil liebez kindel, daz du bist 

bi mir in diser wüeste hie." 

mit diser rede ersüfzte sie 

gar inneclichen unde sprach 

üz listigem herzen: „ach! Bl. 133 d. 

3515 ktinic Marke, lieber hSrre min, 

daz wir alsus gescheiden sin 

von einander durch lüge 

und durch valscher nider trüge!" 

mit diser rede manch heizer zär 
3520 üz ir spilden ougen clär 

aldä begonde wallen; 

sie liez die würze Valien 

und die bluomen, die sie truoc, 

sie want ir wizen hende gnuoc 
3525 und saz nider in den cle. 



3495 hie fehlt 3496 duser wilde 3497 vur machem F 
3499 ander gehabt : gelabt 3502 mit erden 3503 schopfer F 3504 
ich fehlt buz F 3505 mine 3506 mentschen 3507 lieh geseen : ge- 
scheen 3508 danken 3509 gnade 3510 libes F kint 3511 dirser F 
d. wilde 3512 red F ers. sin F 3513 jnneclich 3514 mit 1. 3515 
lib s F 3518 vnd mit v. F feltscher 3519 der r. red F manich F 3520 
jren speienden 3521 begonden 3522 Hz F 3523 sie fehlt O 3524 
wante F wisse O genüg 



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109 

Waz sol nu diser rede me? 

diz sach und horte Marke 

und jämerte in vil starke; 

er het gesworn des einen eit, 
3530 daz die rede icht kunterfeit 

were, die er horte da, 

und saz von sinem pferde sä 

unde lief die richte hin, 

da sie saz die kttnegin; 
3535 vür sie viel er fif sine knie 

und umbvienc mit armen sie; 

er kuste sie an den roten munt 

und bat sie lieplich an der stunt, 

daz sie vergebe im die schult, 
3540 daz er in siner ungedult 

sie wolde haben getoetet 

und daz er sie genoetet 
. hete also lesterliche. 

dö sprach die tugentriche 
3545 Isöt, die blunde künegin: 

„künic Marke, lieber herre min, 

vor gote ich iuch vergeben hän, 

swaz ir mir leides habet getan; 

ich muoz daz mit urloube jehn: 
3550 und ob daz were geschehn 

an mir enlendem wibe, 

daz ir mich von dem libe 

äne schult und unverdächt 

in iuwerem zorne hetet brächt 
3555 in den schänden und in den schämen, 

zwar daz w6re iuwerem hohen namen 

doch ein vil cleinez prisel." Bl. 134 a. 

inredes Tantrisel 

3526 nu fehlt reden kein Absatz in FO 3527 Absatz FO make 
F 3528 iamert FO 3529 nette geswore O 3530 rede jet kvnterpfeit F 
3531 er hatte alda 3532 in F am Bande nachgetragen 3535 er viel vur 
si uff die vor F 3537 kust an jre" r. 3538 vt bat F liplich F 3540 
in fehlt F 3541 han 3543 hette FO 3544 da F dugende r. 0. 3545 
bluende 3547 v s gebn F 3548 hab F hant 3549 mit vrl. mvz ich des F 
jeen : gescheen 3550 ab F obe 3551 eilenden 3552 den F 3553 
ayn 3554 ivverem J? hettent 3556 iwere F 3558 jnnen des 



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110 

nani des küneges rosses goume 
3560 unde hielt ez bi dem zoume. 

Marke der künic höchgeborn 

begonde blasen dö sin hörn, 

ob ez ieman verneme, 

daz er zu im queme, 
3565 von sinem jagetgesinde. 

er hürnete also swinde 

und wart sin hornschal also gröz, 

daz der walt da von erdöz. 

Der truchseze Tinas 
3570 mit sinen jagetgesellen was 

dem künege also nähen kumen, 

daz er wol hete vernumen 

sin hornzeichen und sin hörn; 

durch mos, durch distel und durch dorn, 
3575 durch holz und über gevilde 

quam er in der wilde 

nach des hornes döz gerant, 

da er den künic sitzen vant 

bi siner küneginne. 
3580 des nam in in dem sinne 

wunder über wunder 

und wunderte besunder 

alle, die mit im quämen p. 243 a. 

und dise mere vernämen. 
3585 doch vrouten sie gemeineclich 

von inneclichem herzen sich 

des vundes, den sie vunden 

heten in den stunden. 

in wart da vröuden me betaget, 
3590 wan ob sie heten erjaget 

3559 ros FO gowe F 3560 vfi vü hilt F mit dem 3562 da F 3563 
iman F da u'Tieme 3564 er da 3565 vnd^sinem F jage g. 3566 
hvrnet F 3567 sin fehlt F so grois 3569 truchtseze F trossesse 3570 
sin F jage g. 3571 na k. 3572 in F am Bande nachgetragen hette F 
hatte 3574 disteln F vnd dorn O 3575 vfi durch vb s gev. F vnd geuilde O 
3579 bi der 3580 diz n. F 3582 in F am Bande 3584 mer F 3585 
frauwete O gemeyclich O 3588 hetten F hatten 3589 jn was wrowds 
F 3590 dan O hetten FO 



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111 

tüsent hirze oder tfisent swin. 

der künic von der künegin 

seite in gemeineclich die mßr, 

wie sie hete vunden er 
3595 clagende in dem grüenen kle 

und wie im tet von herzen we 

und in erbarmte swinde, daz 

sie so clegelichen saz; 

und swaz er horte reden sie, 
3600 daz seite er in allen hie, 

und daz allez so geschach, 

daz sie des küneges nicht ensach. 

Die rede läze wir nu sin. 

der künic nam die künegin 
3605 und vuorte sie mit im hin wider Bl. 134 b. 

heim und lebete mit ir sider 

gar minnenclichen alle vrist. 

Tantrisel mit grözer list 

hete sich hin dan gestoln 
3610 und quam geloufen verholn 

zu der hütten wider hin, 

Tristan suochte ez und vant in 

und was alrerst der werde 

gesezzen von dem pferde. 
3615 und er daz kint aleine sach 

kumen, alsiufzende er jach, 

als im sin triuwe gebot: 

„wä ist die künegin Isöt? 

vil liebez kint, daz sage mir!" 
3620 daz kint sprach: „öhem, ich sage ez dir: 

ich und Isöt min vrouwe, 

wir giengen in dem touwe 

und läsen bluomen unde krüt, 

3591 hircz vnd swin 3593 seit gemeyclich mere 3594 
hette 3595 den F 3597 erbannete 3600 da saite F daz sagete O 
3601 d. ez also g. F 3602 si sin nit 3603 laissen 3605 hin feJdt F 
3606 lebte F 3607 myüeclich 3608 mit schöner 1. 3609 hette F hatte O 
tfstolen : verholen 3612 Tristande F suchtes O 3614 gestanden 3616 
er sp T ch 3617 sine O triwe F 3618 wo F kunygyüe 3619 libes F 
3620 js sp. ohem daz s. ich d. 3621 jsot vnd ich 



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112 

dö quam der künic und nam sin trüt." 
3625 „welch künic?" sprach er Tristan. 

„künic Marke, ir glicher man, 

min öhem und der dine." 

„owS der herzenpine 

und des leides, des mir ist p. 243 b. 

3630 enstanden nü in diser vrist! 

so hat daz minnencliche wip 

verloren iren zarten lip, 

der mine hant behielt ir leben, 

do sie dem töde was ergeben." 
3635 daz kindel sprach zu im also: 

lieber öhem, nü bis vrö, 

ir wirret zu dem leben nicht." 

ez sagete im alle die geschieht, 

wie sie des küneges wart gewar 
3640 und wie sie brächte ir rede dar 

mit so hübeschlicher list 

und wie der künic in der vrist 

ir so lieplich engegen lief 

und sie so vriuntlich umbeswief 
3645 und also guotlich sie bat, 

daz sie im vergebe an der stat, 

swaz er gein ir ie getet; 

und wie er nach der selben bet 

sie kuste an iren roten munt. Bl. 134 c. 

3650 des wart her Tristan an der stunt 

von herzen inneclichen vrö 

und sprach zu dem kinde also: 

„sage an, sach aber der künic dich?" 

ez sprach: „ja öhem, er sach mich 
3655 und ich hielt im sin pfert." 

„owe!" sprach der degen wert, 

„vüere ich dich danne mit mir hin, 

3624 da F 3625 welcher O her 3626 elich O 3628 anwe O 3630 

zu d. f. 3631 mynnecliche 3632 vorlorn F 3633 dem die mine 
hant mit all s not F 3634 erlorst von des todes not F 3635 kint O 

3636 oheym oh. min b. F 3637 den F dem libe 3638 saget F 3639 

gevar F 3640 sie fehlt ire F 3641 subschlicher (!) F houeslicher 3642 

an d. 3643/4 engegg ging : lieblich vmb fing O 3652 d. k. so O 3655 
Mit F 3656 auwe O 3657 dan O 



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113 

daz wirt vil lichte ir ungewin, 

der blunden küneginne. 
3660 der künic hat scharfe sinne 

und versieht sich unser hie, 

so wirt betrüebet aber sie 

und kumt die bele blunde Isöt 

vil lichte des in eine not." 
3665 er vuorte daz kindel an ein pfat, 

daz ez truoc hin gein der stat, 

und sprach zu im: „nu louf hin in 

und sage der blunden künegin, 

daz sie müeze got bewarn; 
3670 ich welle in irem dienste varn, 

war mich got geläze." 

daz kint lief sine sträze 

hin üf daz hüs zu Tintajol; 

aldä wart ez enpfangen wol 
3675 unde vant da mäge und man., p. 244 a. 

Ei, waz tuot nu her Tristan? 

da kerte er aber dräte 

mit Kurvenälis rate 

wider üf den wilden sS 
3680 und vuor hin gein Arundele. 

und als er quam zu Karke, 

des vrouten sich vil starke 

der herzöge und die herzogin 

und sin swäger Käedin; 
3685 und die wizgehande Isöt 

gar minnenclich ez im erbot: 

die viere gein im giengen 

und in mit küsse enpfiengen. 

nu was aber die junge 
3690 Isöt in hoffenunge, 

3658 vil fehlt 3659 bluende 3661 u^tet 3662 s wirt 3663 
komet bluende 3665 Absatz in FO den knaben eyne 3666 der 
zu d. 3668 blunde F bluenden 3669 got mvze F bewaren : varen 
3670 irm F dinste FO 3672 der knabe O 3674 er O 3676 kein Absatz in FO 
Eya was du nu O 3677 kerter O 3678 Cumeuales O 3679 wider fehlt O 
3680 hin fehlt O armidele O 3682 vrowte F frauweten O 3683 herezoch O 
3686 myneclich O ez im fehlt F 

Bernt, Heinrich ron Freiberg. 3 



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114 

daz er ir vröude solde geben 

und daz er mit ir wolde leben, 

als liep mit liebe leben sol. 

sie het die zit gemerket wol 
3695 unde weste ouch daz vür war, 

daz ein ende het daz jär 

des gelübdes, daz Tristan Bl. 134 d. 

solde haben getan, 

als er ir hßte gesaget, 
3700 dö er so lange sie liez maget. 

Und aber als ez nacht wart 

und sich geleit die maget zart 

hete zu dem manne, 

nü lac 6t Tristanne 
3705 die blunde Isöt in herzen, 

von der er sulchen smerzen 

in rechter herzenliebe leit, 

daz er dise Isoten meit 

mit werken und mit aller tat, 
3710 da mite gemachet schiere hat 

eines jungen degenes lip 

üz einer megde ein schoenez wip. 

waz sol ich sprechen me hie von? 

her Tristan lac aber als ein ron, 
3715 als ich hän gesprochen e. 

daz tet der megde in herzen we 

und was ir leit und tet ir not. 

„mich wundert sin", gedächte Isöt, 

„daz der gevttege Tristan 
3720 nicht zu vrouwenliebe kan 

und ist sin name doch so gröz 

und ist wol aller der genöz, 

3692 vnd mit ir sulde 1. 3693 wesen 8. 3694 hatte 3695 
ouch fehlt F v^war F 3696 ein fehlt hatte 3697 Der globde die 
3698 jsolde h. F 3699 nette F hatte geseit : meit 3700 da F si lies so 
1. 3701 Unde F necht wrat F 3703 nette F hatte 3704 lach ouch 
3705 hinwende 3706 sulch* F 3707 hercze 1. Übe F 3708 dise fehlt F 
3710 da mit gemacht balde h. schire F 3711 Eyns jungen degens 3712 
maget schone s F schone 3713 sagen 3714 ab'' recht als F aber als 
3716 megede in fehlt F 3717 leit daz det 3718 wurdert F sin fehlt O 
gedacht FO 3721 nam F 



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115 

die mit ritterlichen siten 

pris und wirde hän erstriten. 
3725 und giht man, swaz die küenen degen 

manheit und ritterschefte pflegen, 

daz geschehe allez durch die wip, 

so hat her Tristan sinen Kp 

wunderlich unz her verzert, 
3730 wan im sulches nicht beschert 

ist gewesen in keiner vrist, 

daz wibes lön geheizen ist, 

wan er den wiben nicht entouc." 

ir selbes sin sie hier an trouc. 
3735 swie vil sie der gedanken pflac, 

iedoch her Tristan bi ir lac, 

daz sie von sinem libe 

nicht enwart zu einem wibe, 

und er lange daz getreip, 
3740 daz Isöt alles maget bleip. 

Nu vüegete ez sich an einem tage 

nach diser äventiure sage, 

daz der herzöge Lovelin 

und Karsie die herzogin 
3745 und Käedin Lifrenis Bl. 135 a. 

und Isöt Blanschemanis 

durch kurzewile riten jagen. 

sie hiez Tristande sagen 

und mit vlize biten in, 
3750 daz er rite mit in da hin. 

er werte schiere sie der bet, 

wan er ez doch vil gerne tet. 

als sie nu quämen üf daz velt, 

Isöten pfert gienc schone in zeit, 
3755 nü reit die kurteise 

3724 vnd ere hant 3725 man sprichet doch küne 3727 geschie 
3729 bit her 3730 want soliches 3733 vnd er O 3734 synne dar 
an sie dr. 3735 vil gedenkens daz sie p. 3736 ydoch F 3738 wart F 
einem fehlt O 3741 vuget F füchtes O eyme 3742 na der aventiwere F 
3743 der fehlt herczog 3746 blanczemaüis O 3747 kurczwile 3749 
vfi det bede 3750 er mit in rede O 3751 gewerte schire F 3752 want 
ere 3753 do si 3755 kurtesie F 

8* 



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116 



bi einer wagenleise; 

da was üz einem brunnen 

ein wazzer in gerunnen 

und bi dem wezzerline 
3760 stuonden in lichtem schine 

bluomen unde grüenez gras. 

Isöt also gesitet was 

und was ir ouch gezeme gnuoc, 

daz sie stetes gerne truoc 
3765 ein vrischez bluomenkrenzelin 

üf dem gebende sidin. 

und sie die blüemelin ersach, p. 245 a. 

nu muget ir hoeren, waz geschach: 

Isoten sie an lachten 
3770 und mit ir schine machten, 

daz sie von dem pferde trat 

und trat gerichte an die stat 

hin, da daz wezzerl vlöz. 

daz wazzer von dem trite schöz, 
3775 als mir diz buoch gesaget hat, 

der magde hin under ire wät; 

Isoten vuoz ez des betwanc, 

daz ez hin üf vil vaste spranc 

hin an daz engerl also zart, 
3780 da von der hübsche Nithart 

sanc, als ich vernumen hän, 

,aldä die brünen bluomen stän'. 

Und als daz engerlin wart naz, 
Isot mit rede nicht zu laz 
3785 was, und ir dise geschieht geschach, 
sie begonde smielen unde sprach 
nicht alzu lüte in der vrist: 
„diz wazzer verre küener ist 



3756 wanleise 3757 bruiie F 3758 e. wezzerlin in geranne F 3760 
Hechte 3761 gelwe bl. F 3762 so gesyt 3766 dem gebenden F 3768 
moget hörn F 3770 bit jre 3772 die richte 3773 wezzerlin FO 
3776 inegede die w. 3777 da betw. F 3778 vil fehlt F 3779 engerlin F 
den anger 3780 houesche nytart 3782 blumelin 3784 reden 3785 
enwas do ir daz g. 3786 smilen F jsote ersmyerte 



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117 

wen der küene Tristan; 
3790 der ieglichem man ein man 

manlichen wol gewesen tar, 

der entorste nie gertieren dar Bl. 135 b. 

an die minnencliche stat, 

da hin mich nü gerüeret hat 
3795 äne sin diz wezzerlin." 

die rede erhörte Käedin 

und sprach alsus der magde zu: 

„swester min, waz spriches du?" 

„nicht", sprach die wizgehande Isot. 
3800 er jach: „swester, ich muoz tot 

durch die rede endelich geligen, 

ob sie mir wirt von dir verswigen." 

und sie des bruoder ernst ersach, 

sie ersiufzete unde sprach: 
3805 „min lieber bruoder Lifrenis, 

ich arme Isot Blanschemanis 

sage ez üf genäde dir, 

daz her Tristan hat bi mir 

also lange zit gelegen 
3810 und alles des nicht hat gepflegen 

noch begangen mit minem libe, 

des ie man mit liebem wibe 

in diser werlde begienc." p. 245 b. 

die rede Käedin gevienc 
3815 nicht äne zorn in sinen muot 

und sprach: „Isot, min swester guot, 

swic und sage die rede nieman; 

vil wol ich dir ervaren kan 

an im, war umbe daz si: 
3820 ist da icht valscher kuste bi, 



3789 win d s F dan O 3790 iglichem F jekelichem mane O 3791 
menlich O 3793 myüecliche O 3794 dar an O 3795 ayn O 3796 dis erh. O 
3797 megede O 3798 sprichestfi O 3800 sp r ch O 3801 endelich fehlt F 
ligen 3802 obe von dir wirt F 3803 erst ers. F sach 3804 ersvfczet 
F 3805 lib s F 3806 blantschemanis F blanczemanis 3807 sagSs gnade 
3809 so 1. 3810 geftegS F 3811 noch nicht F myme 3813 werelt 
3814 duse r. 3815 ayn z. sinem F 3826 jsot liebe snster O 3817 und 
fehlt niman FO 3819 wurumb F war vmb 3820 valscher kvtte bie F 
jet feltscher ducke by 



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118 

ez gildet mir Tristandes leben, 
des wil ich dir min triuwe geben." 

Von ir gienc er sän zuhant 

hin, da er Tristanden vant; 
3825 mit diser rede huop er an 

und jach: „min lieber vriunt Tristan, 

min swäger und min geselle, 

des ich dich vrägen welle, 

daz solt du nemen vür guot 
3830 und sage mir, wes hast du muot?" 

„wes hän ich muot?" sprach Tristan. 

„daz du Isöten hast gelän 

also lange stunde maget." 

er jach: „wer hat dir daz gesaget?" 
3835 „ich weiz ez und wil wizzen daz, 

war umme du ir sis gehaz?" 

„ich ir gehaz?" sprach Tristan. 

„ja, als ich gesprochen hän", 

sprach sin swäger Käedin. Bl. 135 c. 

3840 Tristan sprach: „üf die triuwe min, 

daz ich Isöten minne 

mit herzen und mit sinne 

und daz ich die vil reine 

mit ganzen triuwen meine." 
3845 er meinete aber gene ander Isöt, 

die imz so minnencliche erbot, 

die bele blunde üz Irlant. 

Käedin sprach sän zuhant: 

„ei, wie mac immer kumen, daz 
3850 du Isöten nicht gehaz 

bist und also bi ir ligest 

und der dinge nicht enpfligest, 

der ie manlicher man 

3822 myne triwe F 3823 san fehlt 3825 reden 3826 sp'ch 
lib F 3829 saltu vor gyt F 3830 und fehlt hastu 3832 has gel. 
3835 wezzen F 3836 war vmb sies F 3840 triwe F 3843 vil fehlt 
3844 jn g. triwe F 3845 meinet F meynte jene 3846 die is jm 
minnenclichen F myfiecliche bot O 3847 bluende O 3848 so zuh. O 3849 
vnd wie O 3850 du bißt genczlich ir g. O 3851 wile du so bi O 3852 
alle der O 3853 menlicher O 



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119 

mit liebes wibes lip began? 
3855 ich sage dirz werlich vür war: 

ist daz ich genzlich ervar, 

daz du min swester smehen wilt, 

eins spiles wirt mit dir gespilt, 

daz dine vriunt beginnen clagen. p. 246 a. 

3860 ich wil ez minem vater sagen 

und ouch der lieben muoter min." 

„nein, lieber vriunt Käedin", 

so sprach der edele Tristan, 

„die rede solt du durch mich län." 
3865 „ich enläze ir nicht, uf minen eit, 

du ensages mir die wärheit, 

von welchen Sachen ez si, 

daz du miner swester bi 

ligest und sie läzest maget. 
3870 sie ist der järe wol betaget, 

volwachsen unde schoene gnuoc; 

nie keiser kröne getruoc, 

und solde er nemen ein wip, 

im enwere Isöten lip 
3875 gnuoc edel unde wolgeborn." 

Tristan sprach: „l&z dinen zorn 

und habe einen guoten muot! 

ich sage dir, stolzer degen vruot, 

ein sulchez mßre, da mit ich wol 
3880 die hulde din gewinnen sol." 

dö sprach aber Käedin: 

„waz meres möchte daz gesin? 

mir würde denne von dir gesaget, 

war umbe du so lange maget 



3854 m. lieben wibes libe gewan 3855 Yorwar F 3856 ichs (auch 
in F ist nach ich etwas radiert) 3858 eines F spils 3859 begynne"t 
3860 minen F 3861 liben F fehlt 3862 lib s F 3863 so fehlt edel O 3864 
d. r. la d. m. stä 3865 laze F enlaiß 3866 ensagest F 3S67 wo van 
daz si weihen F sie : bie F 3869 lesest O 3870 so bed. O 3871 vol 
waschen F vollen wassen schon genüg 3873 solt FC) nimen F ein 
feldt 3874 jm we s ysote F 3875 genüg wol geboren 3877 hab F 
h. geduldige m. O 3879 eync sulche sulch s F 38S0 gewinne F, darnach 
etwas radiert F erwerben 3881 da F 3882 me s mocht sin 3883 van 
dir werde mir dan 3884 vmb FO 



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120 

3885 hast mine swester gelän." 

„wilt düz in güete vorstan, 

so wil ichz gerne sagen dir." 

hie mite erlachte wol zwir 

der höchgemuote Lifrenis, 
3890 wan er Tristande in alle wis Bl. 135 d 

liep hete in dem herzen sin; 

er jach: „nu sprich an, swäger min!" 

Do sprach der edele Tristan: 

„dö ich Schildes ampt gewan, 
3895 des ersten dö ich ritter wart, 

dö vuor ich mange swere vart, 

äventiure suochende, 

begernde und geruochende, 

daz ich durch ritterliche site 
3900 vil gevßchte und vil gestrite. 

underwilen daz geschach, 

daz man mich wirde erkrigen sach; 

alsus urburte ich minen lip 

durch megde und durch reine wip; 
3905 under stunden daz ergienc, p. 246 b. 

daz ich dar umbe lön enpfienc; 

aleine geschach daz seiden. 

nü muoz ich dir melden 

ein äventiure, die ich verholn 
3910 dir hän und lange vor gestoln: 

ich erwarp mit ritterlicher tat, 

der weninc gnuoc begangen hat 

unz dö her min swacher lip, 

ein also minnenclichez wip, 

3885 jsot6 hast gel. O 3886 wilt du is vur gut tfstan 3887 ich 
ez F gerne fehlt F 3888 wol fehlt 3889 hochmvte F 3890 want 
t'stan 3891 het F hatte 3892 sp r ch nu fehlt F sage swage m. F 
3893 Absatz nur in da F edel 3894 da F amp F 3895 da F 3896 
da vure F manche 3897 aventiwer F 3898 begerde F begehi rügende 
3900 gey achte F vnd gestr. 3902 wirde mich F mich ere erwerben 
3903 erkerte ich 3904 megede 3906 dar vmb daz i. 1. dar vmb F 
3907 alley 3908 mit dem Worte ich tritt in F eine unbeholfene Schreiber- 
hand ein 3909 eyne aventeuw^ F u'holen : gestolen 3910 h. dir ynd 1. 
dir vur 3911 erwap F 3912 wenich gentig begannen F 3913 bit da 
her mein sw. leip F 3914 mynnecliches weip F 



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121 

3915 schoene und also tugendericb, 

daz an tagenden ir gelich 

wart nie wibes lip geborn, 

und an schoene als üz erkorn, 

daz ir schoene hoenet, 
3920 mit schoenheit tiberschoenet 

gar aller wibe schoene; 

ich wene, daz die troene 

dort oben in dem himelrich 

hän nindert engel, der gelich 
3925 ir mit rechter schoene si; 

adel und richeit wont ir bi. 

Daz selbe süeze reine wip 

gap mir iren zarten lip 

üf mine triuwe in min gewalt; 
3930 dö hete ich vröude manicvalt 

mit dem vil süezen wibe, 

die mit ir liebem libe 

mirz so minnenclich erbot. 

daz zarte wip heizt ouch Isöt 
3935 als min Isöt, die swester din. 

nu hoere, vil lieber Käedin: 

dö ich bi der vil schoenen bleip 

und kurzewile mit ir getreip, BI. 136 a. 

daz mich des spiles düchte gnuoc, 
3940 und sich min dinc also getruoc, 

daz ich von der trfiten schiet, 

ir reine triuwe ir daz geriet, 

daz sie mir gap diz vingerlin 

und bat mich üf die triuwe min, 



3915 als t. reich F 3916 jrn glich geleich F 3917 weibes l*ep F 
geboren : erkoren 3918 an dügent O schon F als fehlt 3919 ir schonde 
3920 über cronet 3922 wen F crone 3924 haben nergen nidert F 
ir gel. F glich 3925 siei F 3926 reicheit F pei F 3927 r. s. w. weip F 
3928 leip F 3929 mein trew in mein F myne g. 3930 het F hatte 
manchfalt 3931 vil fehlt svzzem weibe F 3932 jre suessen leibe F 
3933 myfieclich 3934 weip F heiset F heisset 3935 mein F myne 
dein F 3936 hör F kaedein F 3937 bei F vil fehlt 3938 kvrtzeweil F 
3939 deuchte F genuc F gentig 3940 mein F 3941 der zarten trauten 
F 3942 treuwe F 3943 ein v. vinglein F 3944 auf die treuwe mein F 



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122 

3945 ob mir min dinc so qußme 

und swen mir daz gezeme, 

daz ich neme ein elich wip, 

so solde ich miden iren lip 

mit strichen dingen, als ein man 
3950 mit vrouwen werben sol und kan, 

unz daz ich wider queme zu ir p. 247 a. 

und sie vorneme von mir, 

wie ich mich het gewibet. 

durch daz gelübde blibet 
3955 din swester maget und ist bliben, 

so lange und ich die zit vertriben 

habe alhie in ArundelS; 

Käedin, und sage dir me, 

daz gene ander blunde Isöt 
3960 mirz so minnenclich erbot 

und hielt so schone mich daz wip, 

daz nie man von wibes lip 

üf erden wart gehalden baz, 

und sage dir mit loube daz. 

3965 Dort in der Gälotten lant 

sluoc ich zu töde mit miner hant 

einen risen, der hiez Urgän. 

des landes vürste Gilän 

gap mir ein cleinez hundelin, 
3970 daz sande ich der vrouwen min 

bi einem Gälotten, 

vorworcht in einer rotten: 

daz was gar minnenclich gepflogen 

und heten feien erzogen 
3975 aldort in Avelunder. 

3945 obe mein F 3946 wan 3947 nem F weip F 3948 8. sold 
ich meiden i. leip F 3951 bit daz O quem F 3953 hette geweibet F 
3954 die globde bleibet F 3955 dine magt F 3956 so lang F czeit F 
3957 hab F han hie zu armidele 3958 sag F 3959 gen F jene bluende 
3960 myneclich 3961 hilt F weip F 3962 nye kein O weibes leip F 
3964 v. sage dir mit vrlaub 3966 mein* F 3968 dis F 3970 sant F mein F 
3971 pei F mit eyme O 3972 vorworchet ein (!) einer r. F v'wirkt O 3073 
des w. g. myfieclich 3974 netten phein F hatte eyne kunygynne O 3975 
dort jn galttnder O 



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123 

des sol dich nemen wunder 
und läz ez gar äne haz, 
daz sie daz hundel habet baz, 
min vrouwe dort, min ander Isöt, 
3980 wen mirz noch ie alhie erbot 
Isöt die wizgehande." 

Do nu von Tristande 

gehorte Lifrenis die mer, 

sän zuhant dö vrägete er 
3985 Tristanden, ob ez were war, 

daz er im het gesaget gar. Bl. 136 b. 

dö sprach der edele Tristant: 

„des sol min lip sin din phant 

unde nim daz leben mir, 
3990 ob ich habe gelogen dir, 

und ob dich sin nicht bevilt, 

so ervar die wärheit, swen du wilt." 

zuhant gedächte Käedin: 

„zwar, so ensol die swester min 
3995 nicht gar lange wesen maget. 

und ist ez, als er hat gesaget, 

ich vare mit im aldar p. 247 b. 

und ervare ez allez gar, 

daz eine und daz ander, 
4000 wie schoene und wie glander 

jene Isöt doch müge sin, 

und umb daz kleine hundelin, 

wie schöne sie daz müge hän. u 

er jach: „s wäger Tristan 
4005 und lieber geselle min, 

were ez an dem willen din, 

ich vüere mit dir sän zuhant 

durch beschouwen in daz lant, 



3977 is ayn h. O 3978 hüdely O 3979 die O mein F die schone 
js. O 3980 dan O noch hie ie F noch alhie erb. O 3982 kein Absatz in FO 
3983 gehört F horte kaedin O 3984 san fehlt O zustüt O vrogte F fraget O 
3985 obe O wer FO 3986 hette O 3987 edel O 3988 mein leip sein dein F 
3990 obe O hab F han O 3991 obe O sich din O sein F 3992 wan O 3993 
Absatz in O 3994 sol F mein F 3997 faren O 3998 ervar F erfarens O 
4004 sp r ch O 4005 und fefdt O lib s F 4006 wers O 4007 so czuh. O 



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124 



da von du mir hast geseit 
4010 so vil der grözen Schönheit." 

Tristan sprach: „daz si getan; 

wes ich dir gesaget hän 

einez von ir schoene, 

die ich in herzen krane, 
4015 der solt du hundert von ir sehen. 

Käedin begonde jehen: 

„und sol ich minen vrunden 

dise reise künden, 

dem vater und der muoter min, 
4020 der wir eintrechtic worden sin, 

war umbe wir nu wellen varn?" 

„nein!" sprach Riwalines barn, 

„war umb wir varen oder wie, 

des sul wir nicht berichten sie, 
4025 wir sul in sagen unde clagen, 

daz wir hie ligen sam die zagen 

und nicht urberen unsern lip 

durch die minnenclichen wip. 

wir sulen in daz tuon bekant, 
4030 wir wellen varn in vremde lant 

suochen äventiure, 

daz uns dar zu ir stiure 

werde minneclich bekant." Bl. 136 c. 

hie mite giengen sie zuhant 
4035 und legeten ire willekür 

dem vater und der muoter vtir. 

Waz touc hie lange von geseit? 
schoene pfert und schoene cleit 
und guot gerete äne zil, 
4040 des wart in gegeben vil 
und bereitet uf die vart. 



4010 grosser 4011 sie F 4015 saltu seen : jeen 4019— 20 fehlen 
in 4021 war vmb FO od s wie wir wellen v. F 4023 varn FO 4024 
sullen ber. hie F 4025 sulle clagen vnd sag. 4026 als die 4027 
vnsen 4028 niynecliche 4029 sul F sulle 4031 aventiwre : stiwre F 4034 
hie mit 4035 legten F ir willekor 4036 vor 4037 Absatz nur in F 
was sal 4038 seh. perde 4039 gerette F ayn z. 4041 bereit 
schone uff 



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125 

Isöten sine swester zart 

die tröste wol Käedin p. 248 a. 

und gap ir des die triuwe sin 
4045 und wart ir von im gesaget, 

daz sie nicht lenger blibe maget, 

wan biz er mit Tristande 

queme wider zu lande. 

sie nämen urloup und vuoren hin. 
4050 der herzöge und die herzogin 

und die wizgehande Isöt 

vor jämer stalten gröze not 

und gäben in da mangen segen. 

hin riten sie, got müeze ir pflegen! 

4055 Waz sol hie von gesaget me? 

dö sie nu quämen an die se, 

dö sähens einen marner 

gen in vaste schiffen her, 

sin ruoder strichen gar gerade. 
4060 dö gehieldens an dem Stade, 

unz daz er zu in queme dar. 

nfi wart er ir ouch gewar 

und vuor die richte gen in hin. 

dö er nu quam, dö grüezete in 
4065 der tugenthafte Tristant; 

sin gruoz wart im alsust bekant: 

„deus sal, cumpän kurtois!" 

„merci!" sprach der Litanois. 

„von wannen verstu, guoterman?" 
4070 „herre, ich vare von Litan." 

„von Litan?" sprach er Tristan. 

„ja, herre, ich vare von Litan 

und vare vürbaz von Tintajol; 

4042 jsot 4043 torste F 4044 des fehlt F triwe F 4046 langer O 
4047 dan bit 4048 weder queme 4052 van j. groze feJüt 4053 
nnd fehlt si g. im F da fehlt F manche 4054 mvz F muß 4056 
an daz s. 4057 sahen si merner 4058 gegen F 4059 sein reder F 
4060 hielden si 4061 bit daz er kerne zu jn O 4062 ouch er ir 4064 
grvzet F grüste 4065 dugenhafftige 4066 sein gr. F sine gruesse 
sus 4068 gramerzi 4069 getreuw^ m. F 4070 var F 4071 her 
4072/3 var F 4073 vorbas tyntaioel F 



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126 

sint ich die wärheit sagen sol, Bl. 136d. 

4075 der künic und die künigin 

mit grözen vröuden da sin." 

dö vrägete in er Tristant: 

„und ist dir ieman da bekant 

in der stat zu Litan?" 
4080 „ja, herre", sprach der wazzerman, 

„des truchsezen eigen ich bin: 

mich entriege den min sin, 

so erkenne ich alle die da wol, 

die ich zu rechte erkennen sol, 
4085 und min herre Tinas 

dannoch da heime nechten was." 

Tristan sprach: „vüere uns da hin, 

ez wirt an vröuden din gewin." 

„gerne", sprach er, „hSrre min, p. 248 b. 

4090 nu ziehet iuwer ros her in." 

an daz schif sie brächten sän 

allez, daz sie mochten hän. 

die richte alsam an einer snuor 

der schifman gein Litan vuor. 

4095 Der erenriche Tinas 

inredes gegangen was 

durch kurzewile zu dem Stade. 

nu sach er snel und wol gerade 

daz schif dort her strichen 
4100 und vaste gein im suchen. 

und ez zu dem Stade quam, 

dö ersach er und vornam, 

daz der herre Tristant 

was aber kumen in daz lant. 
4105 her Tristant von dem schiffe gienc, 

Tinas in minnenclich enpfienc 

4074 worheit F 4076 vreuden do F 4077 vragt F her 4078 ymant F 
da feldt F 4082 entrige F dan mein F 4083 ich fehlt da die do F 
4084 recht FO 4085 mein F 4086 nechten do heime F nechte 4087 vur FO 
do F 4088 feldt vreuden dein F 4089 mein F 4090 zihet euw s F 
zehent 4091 Absatz in In daz 4093 rieht F als na e. 4095 
Absatz nur in F reiche F 4096 jnne des 4097 kvrtzeweile F an dem 
4101 do is zu 4102 sach 4104 aber fehlt jn die 1. 4105/6 in 
umgestellt Tynas fruutlich entfing Tristan do er von schiffe ging 



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127 

und ummevienc in an der stunt 

und kuste in an sinen munt 

und vuorte in an sin gemach. 
4110 Tristant im zuhant vor jach 

der gelegenheite sin 

und war umme Käedin 

was mit im zu lande kumen. 

Tinas ouch schiere het vornumen 
4115 von ern Tristandes munt 

umbe Petitcriu den hunt, 

daz er het gerüemet sich, 

daz in Isöt so minnenclich 

und verre schöner konde hän 
4120 den etlich wip iren man. 

Tinas der gap im guoten rät, 

er jach: „sint iuwer dinc so stät, Bl. 137a. 

so wil ich ilen unde jagen, 

al iuwer sache wil ich sagen 
4125 miner vrouwen der künigin." 

Tristant gap im ein vingerlin 

und sprach gar minneclich zu im: 

„Tinas, diz vingerlin du nim 

unde vüere iz mit dir hin: 
4130 so schiere daz die künigin 

an dinem vinger daz ersieht, 

so enhät sie dar an zwivel nicht, 

ich ensi hie in dem lande." 

sust schiet er von Tristande, 
4135 der vil getriuwe Tinas, p. 249 a. 

und reit hin, da der künic was. 

4108 Tristande kustf an den seinen F 4109 vurt F sein F 4110 
Tristan O u^jach 4111 gelegenheit sein F 4112 vü ouch war vmb 
4113 mit jm was 4114 schire FO hatte n^nomS O 4115 heu 4116 
7m F vmb pitticrev F peticrev 4117 hatte 4118 mynneclich 4119 
verrer FO schone 4120 dan weip F 4121 der feJUt 4122 sp r ch euwer F 
also 4123 eilen F 4124 vnd alle uw. O euwer F Sachen wil ich fehlt 
O 4125 meiner 4126 Tristan O 4127 g. frütlich 4128 daz v. 
vingerlein F 4129 vur iz F fures 4130 schire F 4131 deinem F dyme 
daz fehlt 4132 hat 4133 ensei F hie fehlt F 4134 sus 4135 vil 
fehlt getriwe F 



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128 

stige und sträze konde er wol 
hin gein dem hüse zu Tintajol. 

Und er in die burc quam, 
4140 von dem gesinde vernam 

der wol bekante Tinas 

vil schiere, wä der künic was; 

da wart im gezeiget hin. 

den künic und die künegin 
4145 gar minnenclichen vander 

sitzen bi einander, 

dö sie ein schächzabel zugen. 

ir ougen blicke lieplich vlugen 

über daz bret ofte entwer 
4150 von einem hin zume anderen her, 

von einem her zume anderen hin. 

Tinas mit loube saz zu zin; 

Isöt ersach daz vingerlin 

Tinäsen an der hende sin. 
4155 inredes der künic sprach 

zu der küneginne: „schäch!" 

„da schäch!" sprach die künegin, 

„hie buoz mit dem ritter min!" 

„abschäch!" sprach der künic sän. 
4160 sie gedächte: „abschäch wirt iuch getan: 

mich dunket, er si aber kumen, 

von dem mir sorge wirt benumen." 

nu wart verrücket ein stein; 

des huob ein kriec sich under in zwein, 
4165 den muoste bescheiden Tinas, 

wan anders nieman bi in was. Bl. 137 b. 

Der stein wart üf dem brete entwer 
gerücket hin unde her, 

4137 staze F 4138 hvs F zu fehlt O 4139 Vnd als O 4142 schire 
wo F da 4143 do w. gewiset er da h. 4144 d s k. F der k. 4145 
myüeclich 4147 da FO daz seh. 4149 oft F dicke 4150 eyme O zv 
dein F zom 4151 fehlt in zv dem F 4152 vrlaube zu jn 4154 
fehlt in 4155 jnr des F jn des 4156 kunygynne" da . schäch F 4158 
bnz F btis 4159 aber schäch 0, auch in F rechts oben hinter ab eine 
Basur 4160 gedach F gedacht aber seh. O dir g. 4161 dunkt 4164 
kric F sich fehlt F 4166 want niman F 4167 Absatz nur in 



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129 

er rückete in her; hin rückete in sie. 
4170 inredes was Tinas hie, 

der getriuwe von Litan, 

und jach: „der stein alhie sol stän!" 

und greif mit der hant aldar. 

alrSrst sie rechte wart gewar 
4175 Is6t die Wunde künegin 

ir beamises vingerlin 

und wart ir werlich bekant, 

daz ir vriunt her Tristant 

da bi ir in dem lande was 
4180 und daz ez weste Tinas. 

zuhant Isöt die künegin p. 249 b. 

huob ein cleinez kriegelin 

mit dem künege umb daz spil; 

sie sprach: „er künic, ich enwil 
4185 nicht me spilen zu diser zit, 

habet iuch spil unde strit, 

habet iuch vorlust und gewin!" 

und stiez daz bret von ir hin, 

sam ez in zorne were geschehen. 
4190 Marke dö begonde jehen, 

der künic edel unde wert: 

„nu dar, man satel uns die pfert! 

wir sulen riten von ir hin, 

unz sie vorzürne die künegin. 
4195 Tinas, wilt du riten mite?" 

Tinas mit züchticlichem site 

sprach : „hfirre, ich gar müede bin." 

„so blip hie bi der künegin, 

vil lichte wirt sie wol gemuot." 
4200 er bleip. hin reit der künic guot. 

Tinas mit der künegin 
gienc an ein einoete hin; 



4169 rucket F ruckte 4170 jnr des F vnder des 4171 getriwe 
F 4172 sp r ch sal hie 4174 aller erst recht 4175 Jsot fehlt 
bluende 4177 genczelich 4179 ir fehlt 4182 krigelin F 4183 über 
dem sp. O 4184 her 4185 zu dür z. 4186 habt 4187 habt 
uerlost O 4189 als is gesehen F gescheen : jeen 4190 da F 4192 vnd 
sadel 4193 sulle 4194 bit si u s czurnet 4195 riten fehlt 4196 
zücht fehlt 4197 gar m. ich b. 4200 Tynas bl. 4202 in ey eyneit 

Berat, Heinrich von Freiberg. 9 



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130 

sie sprach : „Tinas, nfi sage an, 

wä ist min lieber vriunt Tristan?" 
4205 er jach: „zu Litan ich in liez 

und werbe gein iuch, als er mich hiez." 

„sage an, waz hat er enpoten mir?" 

er jach: „vrouwe, da sult ir 

mit dem künege daz an tragen, 
4210 morgen wen ez beginne tagen 

und nicht lenger bite, Bl. 137 c. 

daz er denne rite 

gein dem blanken lande hin 

und iuch, vrouwe künegin, 
4215 läze mit im da hin varn. 

mit der reise müget ir bewarn 

Tristande wol daz leben sin." 

„wie so? vil lieber vriunt min, 

ist Tristan in keiner not?" 
4220 „ja", sprach er, „vrouwe, schoene Isöt, 

tuot, als ich iuch gesaget hän, 

s6 geniset wol her Tristan. 

und als ich iuch noch sagen sol, 

ir sult iuch fßgetieren wol 
4225 in iuwer allerbesten wät; 

und morgen, so die sunne fif gät, 

so lät den künic riten vor p. 250 a. 

und ritet nach üf sinem spor 

hin gein dem blanken lande. 
4230 mit herren Tristande 

kumt ein speher in der zit 

in den hac, der da lit 

an dem wege, da ir ritet hin." 

„waz wil der?" sprach die künegin, 
4235 „oder waz schaffet er hie?" 

Tinas sprach: „ich sage iuch wie: 

4203 Tynas fehlt F ey nv s. F 4204 wo FO lib s F 4205 sp'ch 
4206 werben 4207 sage waz er hat F 4208 sp r ch suU6t 4209 daz 
fehlt F 4210 morne so is begynnet 4212 d. er da hin r. 4213 den F 
4216 reisen moget 4218 lib s F 4220 ja] is F schon 4224 suUEt uch 
smticke" 4225 iwer alle best. F aller beste 4226 morne 4228 rident 
ir na nff syme sinen F 4229 hin fehlt zu d. 4280 hern F 4231 
komet 4233 jn d. w. 4235 ir hie F 



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131 

er wil 6t iuwer schoene spehen; 

und ist, daz er ie hat gesehen 

bi sinen tagen schoener wip, 
4240 daz g6t Tristande an sinen lip. 

des hat her sich verpflichtet." 

„hast du mich rechte berichtet?" 

sprach sie, „vil lieber, sage mir daz!" 

„ich kanz iuch noch gesagen baz: 
4245 ein wetten ist von im geschehen, 

er hat dem speher verjehen, 

daz ir habet ein hnndelin, 

daz hundel si gewesen sin, 

daz habet ir schöner durch in, 
4250 den eteliche vürstin 

handelt unde haben kan 

mit Schönheit ir elichen man. 

weit ir im behalden daz leben, 

so müezet ir hie zu rät geben, 
4255 wie daz müge geschehen, Bl. 137 d. 

daz sie iuch morgen also sehen 

und mit iuch daz hundelin." 

„Tinas", sprach die künegin, 

„ich heize Isöt und binz Isöt, 
4260 Tristande helfe ich üz der not 

mit listen und mit schoenen siten." 

Nu quam der künic ouch geriten. 
und er von dem rosse saz, 
in sinem schimpfe sprach er daz: 
4265 „vrouwe küneginne, zürnet ir noch?" 
sie sprach: „ja, ich zürne doch, 
doch zürne ich unde zürne noch, 



4237 wilt ot fehlt iwer F Schönheit O 4239 bie F jn s. 4240 
hehl tr. an den 1. O 4241 er 4242 haistu recht F rech 4243 
lib s F 4244 kan vch ges. noch b. F k. is uch wol g. b. 4245 wenten ist 
im F gescheen : verjeen 4246 v4ehn F 4247 habet O 4248 sie F 4249 
haldet 4250 dan eczeliche etelich F 4252 schonhet F jre~.0 4253 
wüle"t 4254 müsset dar zu 4255 gescheen : seen 4256 morne O 
4257 vfi ouch d. h. 4258 Tinas fehlt sus spr. 4259 heiß bin 
4260 helf F 4262 kein Absatz och ger. O 4263 vnd als 4264 syme 
4265 zürnt 4265—68 in : ich zorn. jch zorn.jch zorn doch doch zorn 
ich vnd zorn noch 

9* 



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132 

ich zürne, ich zürne und zürne doch." 

„war umb?" „da krieget ir zu vil, 
4270 ob ich zu einem male ein spil 

des tages mit iuch spilen sol." 

er jach : „ich wil daz bezzeren wol." 

„wä mite weit ir bezzeren mir?" p. 250b. 

„rechte als mir gebietet ir 
4275 und swes ir turret gebiten 

mich mit züchteclichen siten, 

des selben ich iuch zwar gewer." 

sie sprach: „daz gelobet her!" 

ir wize hant sie bot im dar; 
4280 er gelobete iz ir und liez ez war." 

Do sprach Isöt die künegin: 

„künic Marke, lieber herre min, 

uns ist hie zu Tintajol 

lange zit gewesen wol; 
4285 ich bite iuch des innenclich, 

sint daz nu hie betraget mich, 

daz wir die reise nicht ensparn; 

wir sulen mit einander varn 

hin gein dem blanken lande: 
4290 da sul wir aller hande 

kurzewile triben 

und sulen aldä bliben 

wol kegen vierzehen tagen; 

beizen, birsen und jagen 
4295 sul wir mit vröuden aldä." 

„vrouwe", sprach der künic, „ja, 

da enhoeret nicht lange bete zu, 

wen ich ez selbe gerne tu." 

4269 w. v. liebe da zürnt ir 4270 obe einen F 4271 mit feldt F 
zeen boI 4272 daz wil ich 4273/4 in O umgestellt und mit b, a be- 
richtigt 4273 wo F mit wilt 4274 recht gebitet F gebiedent 
4275 gebieden 4276 zuchtlichen 4278 globet 4279 bot si 4280 
gelobet F globt irs O 4281 Da F 4282 über here mir F 4285 bit F 
biede O jnneclich O 4286 daz fehlt O belanget O 4287 nu nit spare : faren 
O 4288 sullen FO 4290 sullen 4292 sullen FO da beliben 4293 kegn F 
gen O 4294 pirsin F 4295 sullen vreuden FO al fehlt 4296 do ia F 
4297 da gehöret F leng s b. F 4298 want ichs O 



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133 

dö sprach Isöt, Isalden barn: Bl. 138 a. 

4300 „wenne weit ir, daz wir varn?" 

„morgen vruo, rechte als ez taget, 

sol ez geschehen." dö wart gesaget 

über al dem hovegesinde, 

von kinde zu kinde, 
4305 daz sie schone und ritterlich 

üf dise vart bereiten sich. 

Nu gienc Isöt, da Tinas 

an sime gemache aleine was; 

sus jach die schoene blunde Isöt: 
4310 „wol hin, gewin daz botenbröt 

ab minem vriunde Tristan: 

sprich, al sin wille sol ergän, 

und swenne ez morgen tage, 

daz er min warte in dem hage, 
4315 und swä er si, an swelcher stat, 

üz dem hage an daz pfat 

werfe er von loube ein risel; 

so sende ich viir Tantrisel, 

daz ez des rises neme war; p. 251a. 

4320 und rite ouch ich nach im dar; 

swä ez erbeize, da erbeize ouch ich. 

nu grtteze Tristande innenclich, 

der mir ist liep und ie liep was!" 

„gerne, vrouwe!" sprach Tinas. 
4325 her nam urloup und reit von dan 

die richte hin gein Litan. 

Tristan im ingegen gienc, 

gar minnencliche er in enpfienc. 

er dankte im schöne in der zit 



4299—300 in umgestellt 4299 da F jsolt jsolten 4300 wen F 
wanne 4301 morne recht 4302 daz sal geschenhen da F 4303 alle 
dg über fehlt 4305 richlich 4306 die v. sichn F 4307 geinc F 
4308 sinem F alleine zaz F 4309 die bl. seh. F bluende 4311 zu m. fr. 
he 1 * tr. 4312 sprich alle sprich fehlt F recht al F sulle 4313 vnd 
morne wan is 4315 wo F sie F 4316 an den p. 4317 werf F 4318 
yor F 4320 ouch fehlt 4321 wo F erbeizet F 4322 t'stande" jnneclich 
4325 er n. reit dan 4327 entgegen 4328 minnenclichen F myneclich 
4329 an der 



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134 



4330 und jach: „hörre min, vrö sit, 

getriuwer edeler Tristan, 

alle inwer wille sol ergän." 

und allez, daz im Isöt 

die Wunde bi Tinas enpöt, 
4335 daz wart im schiere geseit, 

von ende zu ende vfir geleit. 

Her Tristan diser lieben vart 

vrö von ganzem herzen wart, 

daz er ie dar kumen was. 
4340 und der getriuwe Tinas, 

von arte edel und geslacht, 

der pflac sin schone die nacht 

und also minnenclichen wol, 

also vriunt vriundes pflegen sol. 
4345 des morgens dö üf gienc der tac, 

Tristan der huop sich in den hac BL 138 b. 

und sin geselle Käedin. 

der künic und die künigin 

und mange wunnencliche schar 
4350 von rittern und von vrouwen clär 

wären üf die vart bereif 

schone und richlich gecleit 

wol nach irem rechte. 

der koche, küchenknechte, 
4355 buoben und garzüne 

und swaz da pedüne 

in beiden hoven mochte sin, 

des küniges und der künigin, 

der reise wart da nicht gespart: 
4360 die huoben sich vor üf die vart 

jager unde valkener, 

des küniges amptman, dirre und der, 



4330 here F 4331 getruer F 4332 alle fehlt iwer F 4333 alez F 
4334 die bl. fehlt bit jm da enb. 4335 schire F 4336 ze F 4337 Ab- 
satz nur in liben F 4339 ie fehlt 4340 und fehlt getruwe F 4341 
art F 4342 plhac F schon 4343 f rätlichen 4344 als 4345 mogens 
da vf ginc F 4346 der feUt 4349 manche wonnecliche 4350 heren F 
rittet 4351 vf dise v. waren F 4354 koch 4355 busen F 4358 knngez 
F 4359—60 in umgestellt die reise vur 4361 jeger vnd velken s 
4362 d. k. fehlt duser 



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185 

die huoben üf die sträze sich; 

vil mangen soumer richlich 
4365 sach man da soumschrin tragen; 

vil wol geladener kamerwagen p. 251b. 

begonden dar nach schone gän; 

die schriber und die capelän 

und kamerere dar nach riten. 
4370 gar nach küneclichem siten 

vür den hac reit aldar 

mit manger ritterlichen schar 

der edele künic Marke. 

nu bürgen sich vil starke 
4375 Tristan unde Käedin 

in den hac vaste hin in,, 

daz ir nieman wart gewar, 

unz daz sie verzogeten gar. 

D6 nü der künic hin vür quam, 
4380 Tristan ein grüenez risel nam 

und warf ez in den wec aldar, 

daz sin Tantrisel würde gewar 

und ez vunde ligen da. 

nü quam ouch geriten sä 
4385 die allerwunnenclichste schar 

von manger juncvrouwen clär 

und von den schoensten vrouwen, 

die man ie beschouwen 

dorfte üf erden oder gesehen. 
4390 ir roeselechter wangen brehen 

gap dem rösen widerglast. 

Käedin, des landes gast, 

sprach zu herren Tristan: 

„trüt geselle, nü sage an, 
4395 wer ist die wunnencliche schar, 

4364 manchen seymer O 4366 die wol geladen 4368 scrib s F caplan 
F 4371 riten F 4372 mancher ritterlicher 4373 edel 4374 vil fehlt 
4376 vast 4377 nyman F 4378 bit daz si her vor gerede" g. 4479 Da F 
knnyg vor qu. 4385 wonneclichste 4386 mag s F mancher 4387 
schonest« 4389 mochte geseen O 4390 roselechtez F rosenlechter 
4391 den O 4392 k. der g. 4393 her F fehlt 4394 nu fehlt 4395 
wonnecliche 



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136 

die also schoene und also clär Bl. 138 c. 

kumt in so lichtem schine?" 

dö sprach zu Käedine 

Tristan: „vil lieber Käedin, 
4400 ez ist min vrouwe die künegin, 

daz si dir wßrlich gesaget; 

die kumt mit manger stolzen maget 

und manger schoenen vrouwen. 

du solt noch hiute schouwen, 
4405 daz ich dir war hän geseit." 

selbander ie die vrouwe reit 

in richer wSte glander; 

ie zwo neben einander 

riten wunnenclich gecleit. 
4410 bi etlicher ein ritter reit, 

durch daz er was ir redegenoz; 

der zit sie weninc dö verdröz. p. 252 a. 

Käedin sach alles dar 

und nam ir besunder war. 
4415 swie schoene in eine düchte, 

so gleste unde lüchte 

aber eine schoener dort her; 

und von ieglicher vrägete er 

Tristanden den gesellen sin: 
4420 „Tristan, ist daz die künegin?" 

Tristan sprach alles: „nein!" 

also lange, daz in erschein 

in wunnenclichem schine 

die cläre Kameline, 
4425 die von der Scheteliure; 

bi der reit die gehiure, 

die süeze wolgetäne, 

4396 die so 4397 komet lichten F liechtem 4398 da F 4399 
lib s F 4400 myne 4401 sie F 4402 komet mancher stolczer 4403 
mager F v. mit mancher schöner 4406 selbe 4408 zwu F 4409 won- 
neclich 4410 jekelicher 4411 red F 4412 wenich da tfdorz F 4417 
eyne ander schöner 4418 iglicher F jekelicher vraget FO 4419 trists 
den seilen F 4420 die fraue din 4422 als 1. bit in 4423 wonnecliche" 
4424 kemeline F 4425 tscheteliwre F 4426 bie F bi der fehlt gehiwre F 
4421 bi ir die s. 



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137 

die schoene maget Brangäne. 

und als er Kamelinen 
4430 sach glesten unde schinen, 

daz minnencliche bilde, 

so schone über daz gevilde 

und sie gap so lichten schin, 

er jach: „ich sehe die künegin! 
4435 so mir sele unde lip: 

ich ensach nie schoener wip! 

Tristan, du hast mir war geseit!" 

dö sprach Tristan mit hübescheit: 

„sie enist sin nicht min vrouwe Isöt; 
4440 die were küme ein morgenröt 

gein jener brehenden sunnen, 

die du noch hiute in wunnen 

solt in grözen vröuden sehen." 

und er im des het verjehen, 
4445 dö truogen zwene zeiter 

über daz gevilde gein in her Bl. 138 d. 

ein schoene rosbären: 

die ros beide wären 

gar wunnenclich gezieret, 
4450 richlich verlankenieret 

gar mit edelem baldikin. 

mit schoenen tuochen sidin 

die bare was gezieret gnuoc, 

die daz hunthiusel truoc. 
4455 daz hiusel daz was guldin, 

dar inne was daz hundelin 

Petitcriu, daz gesant 

üz der gotinne lant p. 252 b. 

Giläne wart durch wunder 
4460 dort her von Avalunder 



4430 sach dort h* seh. 4431 mynecliche 4432 schon 4433 
Hechte - 4434 sp'ch seen 4435 so mit sele F 4436 jeh gesach F 
4438 da F hvbscheit F houescheit 4439 daz ist nit myne 4440 kvm F 
eyne 4441 Drehender 4444 do er hatte yerjeen 4445 da F zwen 
zeldere 4447 eyne schone e. r. F 4449 wonneclich geziret F 4450 
gelankenyeret 4451 edelen beldekin 4453 geziret F 4454 hythusel F 
4457 pitteteriw F peticrey 4458 uß atialünder 1. 4459 gylan 



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138 

und daz der edele Tristan 
mit strite manlich gewan. 

Dar nach reit die schoene Isöt, 

gein der alle schoene tot 
4465 was, die bi iren lebetagen 

maget oder vrouwe mochte tragen, 

Tristandes vüöuden houbetschatz. 

sie gebarte, als ob sie spreche tratz 

allem dem, daz Schönheit 
4470 in diser werlt von wiben treit. 

ir pfert hete einen senften ganc, 

von golde erglenzete und erclanc 

gar allez ir gereite. 

Tantrisel ir geleite 
4475 was und der listige Antret. 

ahiu, wie schöne sie het 

sich üz gefegetieret, 

gesprenzet und gezieret 

in ir bestez gewant! 
4480 ir mantel was ein bliant, 

durchworcht mit golde und durchslagen 

so richlich, daz ich nie gesagen 

hörte von so richer wät 

und ouch min ouge nicht enhät 
4485 so kostebere ein cleit gesehen. 

vier listen sach man drinne brehen 

von arabischem golde fin; 

vil saphir, Smaragde und rubin 

wären mit kunst dar in geleit. 
4490 diz riche kostebere cleit 

mit wizen harmbalgen was 

underzogen, als ich las. 

4461 edel 4462 m. mit str. F menlich 4463 schon 4464 aüer 
4466 m. vnd fr. 4467 hovbt F heubt 4468 geberte ob fehlt trocz 
4469 alle F allen 4470 van wibe jn d. werleit dr. 4471 het F hatte 
seinftg F sanffte" 4472 erglenzet F glenczet 4476 ahiw swie F o h*re 
wie O 4478 geziret F 4479 beste 4481 durch wirkt 4485 kostber FO 
geseen : breen O 4486 liesten dar vmb 4487 arabissem phin F 4488 
vil fehlt saphier smaragd F 4489 kunsten 4490 kosteliche kostbere F 
4491 hermbeigen 



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139 

den tiuweren mantel vuorte sie Bl. 139 a. 

ob alle iren cleiden hie, 
4495 die sunnenbrehende lichte Isöt; 

zu beiden siten sich erbot 

der mantel ab dem pferde 

vaste hin fif die erde. 

roc und suckenie 
4500 die reine, wandeis vrie 

vuorte sie dar under, 

geworcht in Avalunder 

von der gotinne hende. 

und swaz ich von gebende p. 253 a. 

4505 ie gehörte oder ie gelas, 

noch richer ir gebende was, 

daz sie da truoc die reine, 

mit edelem gesteine 

gezieret und durchwieret, 
4510 durchwieret und gezieret 

schöne und kostelichen gnuoc. 

ir houbet eine kröne truoc 

ob dem gebende glander: 

ich enwßne, daz Alexander, 
4515 künic Artus unde Salatin 

getruogen kröne ie so fin 

von arabischem golde. 

vil edeler crisolde, 

smaragde und topazius, 
4520 önichus und sardius, 

der lägen vil dar inne. 

sus reit die küneginne 

gein dem hage, die blunde Isöt. 

Nu was ouch durch daz morgenröt 
4525 gegangen üf die sunne. 



4493 tiweren F duren 4494 vber a. j. cleideren 4495 sonne 
liecht 4496 siten doppeltgeschrieben 4497 van dem 4499 sogkenie 
4502 gewirkt 4503 van kunygynS 4505 gehört F ader gel. 4507 
da fehlt 4510 durchzieret O 4511 kostlich genug kostlichen F 4512 
henbt 4513 vber d. 4514 jch wene 4516 nie gedrugS crone als f. 
phin F 4517 arabissem O 4519 smaragd F 4520 onichnüs 4523 die schone 
j. 4524 kein Absatz in FO 



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140 



Isöt die spilende wunne 

gap widerglast der sunnen. 

der sannen und der wunnen 

widerglast und widerschin 
4530 wart so groz, daz Käedin 

erschrac und sprach zu Tristan: 

„sich, sich, waz ich ersehen hän: 

dort an dem himel ein sunne stät 

und hie ein ander sunne üf gät! 
4535 ei, wie ist disem dinge also? 

sint nü der sunnen worden zwo? 

zwar, daz bezeichent etewaz." 

Tristan der sprach: „ich sage dir daz: 

jene sunne, die dort stat 
4540 und durch die wölken üf gät, 

die ist des himels sunne; Bl. 139b. 

so ist mins herzen wunne 

hie diser lichten sunnen schin, 

Isöt min vrouwe, die ktinegin, 
4545 die mit ir lichtem glaste 

her in min herze vaste 

kan so wunnenclichen brehen. 

Käedin, kanst du nu spehen 

wibes schoene", sprach Tristan, 
4550 „so sich die schoene Isöten an, p. 253 b. 

die spilende sunne von Irlant." 

Inredes quam her gerant 
daz edele und daz werde 
und erbeizte von dem pferde, 
4555 daz hübsche kint Tantrisel, 
und huob üf daz risel, 
daz von grüenem loube gar 
Tristan het geworfen dar. 
umb sin houbet ez daz swanc. 



4531 zu fehlt 4532 sech sech geseen 4533 Absate in F eyne 
4534 eyne 4535 eya so 4536 wurden FO 4537 daz etswas F 
etwas 4538 der fehlt 4539 dorte 4141 hymeles F hemels 4543 
dtir liechter 4544 myne 4545 jrem lichten FO 4547 breen 4548 
kanstu erseen 4549 schonde 4552 kein Absatz in FO jn des 4553 
edel 4554 stoynt 4555 houesche 4558 gew. hatte 4559 howbt F 



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141 

4560 nu quam dar nach nicht über lanc 

die künegin an die selbe stat; 

ab dem pferde sie dö trat 

und saz nider in den cle; 

dem hundel lockte sie und schre: 
4565 „zä, Petitcriu, zä, zä, zä!" 

daz hundel quam geloufen sä 

üz dem hiusel guldin 

her gein der blunden künegin. 

ez walgete in den bluomen sich, 
4570 sin houbt ez schütte weckerlich, 

sin 6ren claften im dar an; 

hie mit ez pfüchzen began 

und weibezegelte gein ir. 

sie nam ez mit lieplicher gir, 
4575 gein herzen sie ez dructe, 

sie helsete ez und smucte 

gar lieplich fif ir brüste. 

ob sie daz hundel kuste, 

des entar ich sprechen nicht vür war. 
4580 Isöt die küneginne clär 

des hundeis kleine verdröz; 

sie legete ez schone an ire schöz 

und nam mit ir wizen hant 

iren mantel von bliant 
4585 und behulte ez da mite. 

die geschieht und die site 

gar wol merkte Käedin Bl. 139 c. 

und sprach also: „geselle min 

und lieber swäger Tristan, 
4590 ich wil des eides dich erlän. 



henbt er 4561 kunygyne 4562 van d. da F 4564 hnndelin und 
fehlt 4565 tza pittecriw tza F zu peticrev 4566 hundelin 4567 
hvthusel F d. huselin 4568 die bluwende 4569 walget F 4570 weckert- 
lich F 4570 sine oyrgin 4572 winfferen b. 4573 weibzelte 4574 
liplich* F 4575 zu h. durete F 4576 helset F helst 4577 liplich F 
an ir 4578 obe si is k. 4579 tar F nit sprechen v^ar F 4580 
kunygynne" 4581 vMorz F 4582 leget F lechtes O schon jn jre" seh. 
4583 wisser 4584 den bl. 4585 in F am Rande nachgetragen behultes F 
streichtes mit F 4586 vnd s. 4587 gar fehlt 4588 also fehlt 4589 
und fehlt lib s F 4590 jeh dich eides erl. 



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142 

ich weiz wol, daz min swester Isöt 

ez dir nie so wol erbot, 

swie vil sie triuwen gein dir wielt, 

und dich so schöne nie gehielt, 
4595 sam Isöt die ktinegin 

tuot diz kleine hundelin. 

ich neme ez ouch üf minen eit p. 254 a. 

und ist die ganze wärheit, 

daz ich gesach nie schoener wip 
4600 noch also wol gestalten lip, 

alsam sie hat die ktinegin. 

Do nam ouch sie daz hundelin 

und satzte ez in sin hiusel, 

sie sperte zu daz cliusel 
4605 und saz wider in den cl6. 

„ach", sprach sie, „mir ist gar we 

worden an dem herzen; 

owe, owe des smerzen, 

der mich nü bestanden hat!" 
4610 sie viel mit der riehen wät 

tif daz gras die lenge. 

sie sprach: „ein wazzer brenge 

iuwer einez balde mir!" 

Kameline saz zu ir 
4615 und nam ir houbt in ire schöz. 

ir siuehe enwas nicht alzu gröz. 

ir was der minne smerze 

geslagen an daz herze. 

des enmochte ir wip noch man 
4620 gebüezen wen her Tristan, 

der ir doch nicht gar verre enwas. 

der half ir, daz sie genas 

dar nach in der selben nacht. 

nü wart ouch daz wazzer brächt; 

4592 dirs noch nye so wol enb. 4593 triwe" F wilt : gehilt F 4595 
als duse k. 4596 daz 4597 Absatz in FO nein F nemens ouch fehlt 
mein F 4598 warhait F 4601 als 4602 kein Absatz in FO da F ouch 
fehlt 4603 saezt 4604 sparte 4607 jn 4608 auwe auwe 4610 
si vil F richer 4611 jn d. 4613 iwer F eyns 4615 heubt jn jren 
4616 suchte waz F aleze O 4617 mynen 4619 den 4620 dan 
4621 gar fehlt waz F 4623 selber 4624 nu was 



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143 

4625 die küneginne wart gelabet. 

ich enweiz, ob irz vernumen habet: 

dö hiez sie kumen Antret. 

Antret quam an der stet; 

sie sprach: „vil lieber knecht min, 
4630 nu rit hin zu dem herren din 

und sage im, daz ich arme Isöt 

vil nähen si gelegen tot, Bl. 139 d. 

als du wol selbe hast gesehen. 

du solt im ouch des verjehen, 
4635 ich enmüge nicht über daz wazzer, 

min lip siech unde lazzer 

mac nicht die vart erliden. 

mich muoz der künic miden 

dise nacht durch sine zucht." 
4640 sus jach die künicliche vrucht: 

„ich wil hie disehalb bliben, 

die nacht alhie vertriben 

unz morgen, so der tac fif gät; p. 254 b. 

ob mich die krancheit verlät, 
4645 so wil ich vrölich zu im kumen. 

Antret, hast du daz wol vernumen?" 

„ja", sprach er, „vrouwe künegin, 

ob sich gevüeget die reise min, 

daz mir der tac entslifet 
4650 und mich die nacht begrifet, 

sol ich danne bliben dort?" 

sie sprach: „ja, daz ist wol min wort." 

er were ir lieber tot gewesen 

dort wen alhie bi ir genesen. 
4655 hin reit der hemische Antret; 

swaz in sin vrouwe geheizen het, 

daz warp er gein dem künege sä 

und bleip bi im die nacht aldä. 



4625 knnygin gelabt : habt 4626 ich fehlt F obe 4627 da F 
4629 Absatz in F Zie sp. F lib* F 4632 na sie F 4633 selber ge- 
seen :tfjeen 4635 muge F daz fehlt 4636 siech s F 4638 jch m. de 
4641 dissite 4642 necht 4643 bit morn 4644 obe 4646 hastu is 
4647 ja fr. spr. er k. 4648 obe 4650 die nach F necht 4651 dan 
4652 ja is ist 4654 dan bi ir fehlt 4655 houesche 4656 sine 
4658 die necht fehlt F 



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144 

Waz touc hie lange rede nu? 
4660 Tristan der hete allez zu 

beide gehört und gesehen; 

und allez daz da was geschehen, 

daz nam er in daz herze sin; 

und wä die nacht die künegin 
4665 wolde ligen, daz weste er wol: 

des wart sin herze vröuden vol 

dem stolzen und dem genenden. 

zwar sie endorfte im senden 

keinen boten in der stunt, 
4670 wan sie mit ir selbes munt 

hete im die ganze wärheit 

geoffenbäret und geseit. Bl. 140 a. 

doch lief sie hin an den hac, 

da engegen, da Tristan lac; 
4675 ir hende sie zusamne sluoc 

wol dristunt und rief lüte gnuoc; 

also sprach die künegin: 

„schü, schü, ir deinen vogelin! 

ir habt uns hie gesungen vil, 
4680 nu vlieget hin, da ich hint wil 

ligen an dem wazzer dort! 

ir seht wol, üf des wazzers bort 

da stet ein linde wolgestalt, 

dar under enspringen manicvalt 
4685 bluomen gel, blä unde brün: 

aldä wil ich min pavelfin 

bi der linden üf slähen. 

da hin sult ir gähen, 

sitzen üf die linde, p. 255 a. 

4690 und singet uns da swinde 

vil schone in süezem döne, 

4660 der feldt het F hatte 4661 geseen : gescheen 4664 wo F 
die nach F necht 4665 wist 4668 sie bedorfte F nit senden 4670 
want jrs 4671 het F hatte ganczen F 4674 entgen 4675 zu 
same" 4676 genüg 4677 so Eine vom Schreiber der Hs. am Rande 
gezeichnete Hand macht auf die Stelle aufmerksam 4678 cleyne 4679 
hait 4680 vliget F flegent hint 4682 sehent 4683 steit eyne 
4684 springet manchfalt 4686 dar vnden O paülün 4688 da sult i. h. F 
h. so sullet 4690 singg O 4691 vil fMt 



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145 

des ich iuch also lone: 

ich läze iuch iuwer lipnar 

da ligen, swenne ich danne var." 

4695 Diz tet tsöt umbe daz 

Tristan erkente deste baz 

die stat, da er kumen hin 

solde zu der künegin. 

diz was gar listeclich getan. 
4700 sie brach üf und vuor hin dan 

vaste gein des wazzers vluot; 

da liez die küneginne guot 

üf slahen schone ir gezelt 

bf die linde üf daz velt. 
4705 der tac sleich hin und quam die nacht. 

her Tristan wise und wol bedächt 

sprach zu Lifrenise: 

„nu slich mir nach gar lise, 

unde swä ich hin ge vor, 
4710 da ge mir nach üf minem spor!" 

sie slichen in dem hage hin 

und quämen, da die künegin 

in ir pavelünen was. 

nu was durch bluomen und durch gras 
4715 geloufen hin Tantrisel, 

von einem boume ez risel 

durch sine kurzewile brach. 

sin öhem ez vil wol ersach 

und begreif ez mit der hant. Bl. 140 b. 

4720 ez sach in an und sprach zuhant: 

„bist du daz, lieber öhem min?" 

„ja", sprach er, „wä ist die künegin, 

min vrouwe clär, die schoene Isöt?" 
ez sprach: „bi mir sie dir enpöt, 
4725 swenne sich die vrouweliche schar 



4693 laz F lais O iwer F 4694 bo ich daüe" 4695 vmb FO 4696 
daz trist destf F fehlt 4699 daz O listelich 4700 si sas uff vnd reit 
Tan d. 4703 vff slan ir seh. 4709 wo F ich dir ge O 4710 gang 
my 4713 jn jrem paülüne 4719 greiff 4721 bistu der 1. lib s F 
4722 wo F 4723 mine 4724 mit mir 4725 wan 

bernt, Heinrich von Freiberg. 10 



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146 

gelegete und daz gesinde gar, 
so sal ich blasen diz hornelin, 
so solt du und Käedin 
in daz gezelt verholne kumen." 
4730 und er die rede het vernumen, 
er jach zu dem kindelin: 
„nu ge zu ir hin wider in 
und sage ir, daz ich hie si 
in disem hage ir nähen bi." 

4735 Ez gienc und kniete vür sie p. 255 b. 

und rünte ir zu; ez weste wol, wie 

ez zu sulchen dingen 

sin rede solde vorbringen. 

ez sprach: „vrouwe, ich iuch daz sage, 
4740 alhie bi uns in dem hage 

ist min öhem Tristant." 

die kiineginne sprach zuhant: 

„seites du im, daz ich dich hiez?" 

„ja, und ich des nicht enliez. 
4745 swenne er hoeret diz hornelin, 

so kumet er zu iuch her in." 

die küneginne dö hiez sän 

daz gesinde släfen gän; 

zu der vrouwelichen schar 
4750 . sprach sie: „nu dar, nu dar, nu dar! 

iegliche g§ an ir gemach!" 

sie gierigen üz; und daz geschach, 

sie alle sie von ir treip, 

nieman dar inne bi ir bleip, 
4755 wip noch man, diser noch der, 

wan ir getriuwer kamerer, 

der hübsche Paranisel, 

4726 geleget F gelechte O 4727 wan ich blasen myn 4728 dan 
saltu 4729 verholen 4730 hatte 4731 sp s ch 4732 gang hin 
fehlt 4733 sie : bie F 4734 na 4735 gienc hin F knite vor F 4736 
rvmet(!) F 4738 sine vor FO 4740 in dusem 4742 kunygin 4743 
sagetes F 4745 wan horte ditz F 4747 d. kunygin hies do da F 4749 
frauwelicher O 4751 igliche F jekeliche 4752 in F am Bande nachgetragen 
4753 die frauwg si alle v. O 4754 nyman F da jnne bie F enbleib 
4755 w. nach m. F 4756 dan getriwer F 4757 hvlsche parananisel F 



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147 

und daz kint Tantrisel. 

Brangäne und Kameline, 
4760 zwo megde in lichtem schine, 

wären ouch dar inne bi ir bliben; 

die anderen het sie üz getriben. 

Tantrisel blies sin hornelin, Bl. 140 c. 

Tristan unde Käedin 
4765 den hornschal vernämen, 

vil schiere sie dö quämen 

üz dem hage über daz velt 

zu der vrouwen in daz gezelt. 

Isöt die schoene gein in gienc, 
4770 gar minnenclichen sie enpfienc 

Tristanden ir amisen 

und mit im Lifrenisen. 

under ougen sie lieplich an sach 

Tristanden lachende unde sprach: 
4775 „sit willekum, min bßamis! 

und ouch ir, her Lifrenis, 

gote und mir sit willekumen! 

ich weiz ez unde hänz vernumen, 

daz ir heizet Käedin." 
4780 do nigen sie der künegin 

und sageten ir grözen danc. 

vor dem bette üf eine baue p. 256 a. 

gar schöne sie da nider säzen, 

dar üf geleget äne mäzen 
4785 gar tiuwere polster wären, 

bedecket mit tuochen clären, 

geworcht üz edelin siden. 

her Tristan nicht erliden 

diz sitzen mochte lange, 
4790 im was 6t ande und ange, 

4759 prangane F 4760 zwa megede liechtem 4761 dar inne 
fehlt bie F 4762 hatte 4765 horschal F 4766 schire F da F 4770 
minnenchen F myfieclich 4771 Tristande F jren 4774 Tristande F 
lachen F 4775 sys wilkome 4778 ez fehlt F han is 4780 da F 4781 
sagten F 4782 eyn s 4783 da fehlt 4784 gelecht an masse 4785 
tiwere F dure 4786 gedecket 4787 geworch F gewirekt edeler 
sidin 4788 her fehlt 4789 ditz F daz 4790 ot fetdt 

10* 



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148 

wie er queme an daz bette hin 

und sie mit im die künegin. 

Brangäne und Kameline 

die nämen Käedine 
4795 und satzten in guotlich 

mit schoenen züchten zwischen sich. 

lieplich sie mit im köseten 

und siner rede sie löseten; 

diz schuof ir megetlicher pris. 
4800 Tantrisel unde Paranis 

die schancten unde guzzen in 

möraz, claret und guoten win 

und truogen in mit züchten dar 

in köpfen rot von golde clär, 
4805 durchleget mit edelen steinen 

gar tiuweren und reinen Bl. 140 d. 

von manger varwe glander. 

sie köseten mit einander, 

jene zwei und dise driu. 
4810 daz hundelin Petitcriu 

daz hete Isöt in ir schöz 

und streichete ez mit ir henden blöz. 

sie redete mit Tristande 

von liebe manger hande 
4815 und sach im in die ougen 

offenbar, nicht tougen: 

und swaz sie Marken dö verstal, 

vor disen sie daz lützel hal, 

die bi ir wären alhie 
4820 und ir untriuwe erzeigeten nie. 

Swie vil die minnencliche Isöt 
Tristande süezer rede bot, 

4792 sie fehlt O 4793 prangane F 4798 reden sie fehlt 4799 
ditz F daz ir feJät 4801 schenkten 4802 morot gnoten fehlt 
4804 v. g. var 4805 durchleit steyne 4806 tiweren F dure 4807 
mancher varbe F 4809 driv F dru 4810 pittetleriw F peticrev 
4811 het F hatte jrem 4812 streichet F streichtes jr5 hende F 
4813 rete 4814 mächer O 4815 di F 4816 vffenbar vn t. vn nicht F 4817 
da F 4818 disem F vur dnsen daz fehlt 4819 hie O 4820 vntriwe F 
erczeugete O 4821 mimcnclich F myfieclich 4822 red F reden 



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149 

doch stuont im herze unde sin 

alles an daz bette hin. 
4825 dar umbe sprach her Tristan: 

„wol üf, wir sullen släfen gän!" 

do sprach der geselle sin: 

„wä lige ich armer Käedin, p. 256 b. 

enlender gast dis landes? 
4830 min und hern Tristandes 

nachtsedel werden nindert glich." 

do sprach Isöt gar tugentlich: 

„wes schimpfet ir, er jungelinc? 

ich weiz wol, daz ir iuwer dinc 
4835 habet beredet mit in zwein, 

daz vil lichte under in ir ein 

noch hint wirt iuwer bettegenöz." 

„so were min gelücke gröz", 

sprach er ; „doch zwivel ich dar an, 
4840 wen ich sin nicht geworben hän." 

„geworben?" sprach die künegin. 

„nein, vrouwe", sprach dö Käedin, 

„leider ich enhänz geworben nicht." 

„aldester wirser iuch geschieht: 
4845 habet ir sin nicht geworben, 

so mac ez sin vortorben; 

wan manic dinc vertirbet, 

des man nicht enwirbet, 

daz nimmer vorturbe, 
4850 der ez mit vlize würbe. 

gedenket an daz Sprichwort Bl. 141a. 

und habet in herzen muotes hört 

und versuochet ez noch baz: 

unvorsuochet, waz touc daz? 
4855 Brangäne und Kameline, 

~~ 4823 hercz 4825 vmb 4826 sollen FO 4827 da F 4828 wo FO 
4829 eilender ditz F duß 4830 he^n 4831 nacht . solde w. nit gl. O 
4832 da F 4833 schyropSt ir her j. 4835 hait 4836 v. jn zwein 
4838 glucke 4839 sp. er da zw. ich an 4840 daz ich nich F 4841 
nit gew. O 4842 ja fr. da F 4843 hanz F nyt : geschiet 4844 all 
deste wirs 4845 hait nicht fehlt O gewoben F 4847 want manch FO 
dinc fehlt O 4848 daz m. sin nit 4849 daz nit 4850 is flislich O 4851 
so gedenket an daz selbe w. 4852 habt 4854 vn irtucht O 4855 Ab- 
satz in F Prangane F Brangene O 



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150 



die sint in solchem schine 

und also minnenclich gestalt, 

daz sie vröuden manicvalt 

wol mugen geben einem man, 
4860 der umb ir hulde werben kan." 

sie wincte Kamelinen, 

der Wuschen und der finen 

des libes und des herzen, 

die äne valsches smerzen 
4865 was vollenkumen ein maget cl&r, 

und warf ir ein küssel dar 

und sprach: „Kameline, 

diz küssel Käedine 

du lege under daz houbet sin, 
4870 daz er da bi gedenke min 

noch hint und hern Tristandes, 

wen er ein gast des landes 

ist; dar umbe man im sol 

betten h&rlich unde wol." p. 257 a. 

4875 der maget daz küssel wol bekant 

was und vorstuont sich zuhant, 

war umb ez ir geworfen wart, 

sie weste vil wol ouch sin art 

Her Tristan gienc zu bette hin 
4880 und sie mit im die künigin. 

swes sie da begonden nu, 

da vüeget mir nicht zu redene zu. 

dise vünfe bliben hie; 

zu einander säzen sie: 
4885 die maget Kameline 

die saz zu Käedine, 

dem jungen Llfrenisen; 

sie wolde im zucht bewisen, 

der ir in herzen nie gebrast, 



4856 suchern F 4857 myneclich 4858 freude manchfalt 4859 
moget 4860 w*be F 4862 phinen F 4864 die ayn alle feltschen sm. 
4865 eyne 4866 ey küssen 4868 küssen 4869 heubt 4871 hen s 
4872 want 4873 vinb FO in F 4875 f. was bek. vnd uerstoynt sich da z. 
4877 wor vmb F 4878 si tfstoynt ouch fehlt syne" 4879 ginc F 
4880 sie fehlt 4881 do 4882 reden 4886 die fehlt bi k. 
wolt F wolde- 4889 der in inn h. F 



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151 

4890 wen er ein enlender gast 

aldä was in dem lande. 

mit rede manger hande 

kürzte sie im die stunde 

so lange, unz er begunde 
4895 werben umb ir minne; 

üz megetlichem sinne 

konde sie guotlich im versagen. 

her begonde 6t vürbaz jagen 

mit sttezer rede vaste dar 
4900 und erbat die maget clär, 

daz sie ir minne im gehiez 

und ez doch nicht war enliez. Bl. 141b. 

sie vuorte in an ein bette 

und jach, daz er enpfette 
4905 sich und legete sich dar in, 

sie wolde sin släfgeselle sin; 

des wart er inninclichen vrö. 

her legete sich an daz bette dö 

in lieber hoffenunge. 
4910 nu nam die maget junge 

der zouberie küsselin 

und legete ez under daz houbet sin : 

zuhant gelac er als ein stoc 

oder als ein erstochen boc — 
4915 mit urloube ich daz sagen muoz. 

her enregete weder hant noch vuoz ; 

üf dem küssel er entslief. 

die schoene Kameline lief 

hin zu Brangänen wider 
4920 und legte sich an ir bette nider. p. 257 b. 

dö legete sich Tantrisel 

zusamme und Paranisel. 

4890 want eilender 4891 da 4892 macher h. 4893 kurczts 
4894 bit ir beg. begonde FO 4895 w s be F 4896 megetlichtem F 4898 
er b. ot fehlt O vaste iag. F 4899 mit zuser r. F 4900 vfi er bat F 4902 
liez F 4904 enwete 4905 lechte 4906 sie w. sie sl. F 4907 jnnecliche" 
4908 er lechte 4911 zowber'e F daz zawerie 4912 leget F lechtes 
houbt F heubt 4916 h^n reg. F er enreckte 4917 küssen 4919 
brangene* 4920 legete F lechte 4921 da F doch lechten 4922 zu 
samen 



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152 

Do nü die nacht ein ende nam 

und die sunne wunnesam 
4925 üf gienc durch daz morgenrot, 

her Tristan und die blunde Isot 

von dem bette giengen, 

einander sie geviengen 

bi den handen gar lieplich 
4930 unde giengen wunnenclich 

mit vröuden äne pine 

dort hin, da Kameline 

lac und ouch Brangäne, 

zwo megde wolgetäne; 
4935 die beide hiezen sie üf stan 

unde vrägeten sie sän 

von hern Käedine. 

dö sagete in Kameline 

alle die gelegenheit. 
4940 und als sie in ez het geseit, 

in iren vröuden her Tristan 

und vrouwe fsöt nämen sän 

Kamelinen zwischen sich 

und vuorten sie gar heimelich 
4945 zu Lifrenisen, da er lac 

und üf dem küssel släfes pflac, 

und legten sie an den armen sin 

und ructen im daz küsselin 

üz dem houbet endelichen her; 
4950 und alzuhant erwachete er. 

und als er was erwachet, Bl. 141c. 

geschimpfet und gelachet 

wart ob im dö harte vil. 

sie enheten zwar kein ander spil 
4955 vür in genumen alhie: 

4923 Da F die nach FO 4926 die schon js. 4928 eynes daz ander O 
gevigen F 4929 hie F henden 4930 frütlich 4931 ayn 4932 da 
hin 4933 ouch fehlt prangane F hrangene 4934 zwa megede O 4935 
hies 4936 vragen F fragete 4937 he^n 4938 da saget im F 4939 
die fehlt 4940 sie ins F si is hatte 4941 iren fehlt O 4945 zu 
kaedine 4946 küssen 4947 si lechten si legenten F arm F 4948 
zugten 4949 heubte endelich 4950 erwachet FO 4951 Und do er 
entw. O 4953 uher jn do vollen v. O 4954 enhetten FO zwar fehlt 4955 
zwar vur vor F hie 



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153 

„wo! üf, wol üf!" sprächen sie, 
„her briutegum und iuwer brüt, 
her Käedin und iuwer trüt, 
ir habet lange gnuoc gelegen, 
4960 minne und släfes gepflegen." 

Käedin do swinde erschrac, 

dö im die minnencliche lac 

in ir wät an dem armen sin. 

„zether über daz leben min!" 
4965 sprach er; „waz hän ich getan? 

hän ich die schoene maget gelän, p. 258 a. 

we mir hiute und immer we! 

daz überwinde ich nimmer me 

gein megden noch gein wiben; 
4970 ich muoz immer bliben 

ungevröuwet von in." 

die maget stuont üf und gienc hin 

von im; hin wider sie do sach 

im under ougen unde sprach: 
4975 „kunnet ir megde triuten? 

werlich ir soldet riuten 

billicher dort in jenem hage, 

wan daz ir liget als ein zage 

bi einer minnenclichen maget." 
4980 nu hete ez ouch so wol getaget, 

daz allez daz gesinde 

von kinde zu kinde 

üz dem släfe erwachete 

und sich von bette machete. 
4985 nü muoste aber her Tristan 

von der küneginne dan 

in liebe und ouch in leiden 

gar heimelichen scheiden. 



4957 brudegam 4959 hait 1. genug O 4961 K. vil sere da F 
4962 da F mynecliche 4963 arme F 4964 wafen über 4968 u^inde O 
4969 gen megeden vnd gen 4972 und fehlt ginc F 4973 da F 4974 die 
äugen 4975 meged 4977 bilger iemem F 4978 dan 4979 myn- 
neclicher 4980 het F hattes 4981 alles ges. 4983 erwachte : machte 
4986 kunygynne" 4987 ouch feldt F 4988 heymeliche Q 



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154 

iedoch schiet er minnenclich 
4990 von der vrouwen tugenderich; 

er gap ir mangen umbevanc, 

als in die herzenliebe twanc, 

und kuste sie wol hundertstunt 

an iren viuwerröten munt 
4995 und bot ir sinen süezen segen BL 141 d. 

und bat got ir eren pflegen. 

hin schiet er unde Käedin, 

der werlich in dem herzen sin 

truoc jämer unde herzenleit, 
5000 durch daz er die schoene meit, 

die clären Kamelinen, 

die reinen und die finen, 

nicht zu wibe het gewunnen. 

dö sie nü entrunnen 
5005 gar heimeliche von dan, 

Lifrenis und Tristan, 

durch den hac in ein tal, 

in dem gründe Kurvenal 

gewartet h§te der werden 
5010 selbander mit den pferden. 

sie säzen üf und riten hin 

durch ires lebenes gewin p. 258 b. 

geiu Litan, da Tinas 

ir rechter vriunt mit hüse was. 

5015 Waz tet sie nü die künegin? 

sie vuor 6t über daz wazzer hin 

zu dem künege Marken, 

der in sins herzen arken 

sie nü mit triuwen meinte, 
5020 daz er ir wol erscheinte 

4989 myneclich 4990 dugetrich 4991 magen F manchen vmb 
4993 si an der st, 4994 viw*r. F rosen r. 4995 Er bot 5000 
vmb daz 5001 dar 5002 reyne phinen F 5003 zv wiebe nicht h. F 
hatte 5004 da F 5005 gar fehlt heimelich FO 5006 kaedin 5007 
hin zn d. 5008 Curnenal 5009 nette F hatte O den O 5010 selbe a. 
5011 uf fehlt F 5012 jrs lebens lebnes F 5014 rechter fehlt mit kvsche 
w. F 5016 ot fehlt 5017 zu kunyg m. 5019 nu fehlt triwen F 
5020 bescheynte 



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155 



mit mangerhande dingen. 

wie disen jungelingen 

gelunge hie zu Litan? 

ich wol iuch daz bescheiden kan: 
5025 dö wart der edele Tristant 

aldä siech sa znhant. 

er siechte unde sochte 

so lange, daz im tochte 

zu vröuden wenic sin leben. 
5030 doch wolde im unser schepfer geben 

die genäde, daz er genas. 

und der getriuwe Tinas 

der tet im ie daz beste. 

die küneginne weste 
5035 alle sine siuche wol. 

und sie was nü zu Tintajol 

von dem blanken lande kumen 

und sie h6te vernumen 

von Tinäse dem Litanois, 
5040 daz Tristan der kurtois 

was von siuche also kranc, 

die krancheit sie von herzen twanc 

und truoc der siuche smerzen 

mit im an dem herzen; 
5045 sie sande im Paranisel 
! zu boten und Tantrisel, 

die brächten im erznie, 

die im die valsches vrie 

sande, sin amie Isöt 
5050 dicke und ofte sie im enpöt, 

daz sie den selben smerzen 

mit im an dem herzen 

dolte, den er trüege. Bl. 142 a. 

5021 mancher 5023 hie fehlt 5024 daz wil ich uch wisse* lan 
5025 da w. dir ed. F nu w. d. edel 5026 kräng vnd siech zuh. 5027 vn 
suchte 5028 duchte 5030 wold F wolt 5031 gnade 5032 ge- 
triwe F 5033 ie fehlt O 5034 kunygin 5035 alle fehlt s. suchte 
sin F 5036 die waz nv wid*> zv F 5038 vnd als hette F hatte 5039 
tinas 5041 suchten 5043 suchte 5044 in de O 5045 sante FO ebenso 
5049 5047 arczenie 5049 valches F falzes 5049 sine 5050 vn ofte 
fehlt 5052 bit jm jn h. 



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156 



Tantrisel was gevüege 
5055 und warb ez allez heimelich. 

Tristan begonde bezzern sich 

und kobern an dem libe, 

wan von dem zarten wibe p. 259 a. 

wart sin verrens wol gepflegen. 
5060 dö wol genesen was der degen 

und kumen von der siuche gar, 

sin reidez här er abe schar. 

Do quam ouch Tantrisel, 

der triuwen amisei, 
5065 her geriten zu Litan. 

und ez Tristant des ersten an 

mit innenclichen ougen sach, 

er enpfienc ez unde sprach 

siufzende zu dem kindelin: 
5070 „wie gehabet sich die künegin?" 

daz kindel sprach: „waz siufzes du? 

vil lieber öhem, daz sage mir nu!" 

daz kint er siufzende an sach: 

„vil liebez kindel", er jach, 
5075 „leider mir tuot siufzens not, 

daz ich die minnencliche Isöt, 

die künegin min vrouwen 

sol nimmer me beschouwen 

und muoz in disen leiden 
5080 sus von dem lande scheiden." 

daz kint sprach: „öhem, gehabe dich wol, 

dar zu ich dir wol raten sol 

unde wil dir werlich sagen, 

daz du sie bi dinen tagen 
5085 nie mochtes also wol gesehen 

sam nü." „wie möchte daz geschehen?" 



5055 allez fehlt 5056 bessere 5057 vö kobern an 1. O 5058 wät 
van eyme z. 5059 sin wart von v. F verres 5060 da F 5061 such F 
suchte O 5063 Da F Nv 5064 triwen F 5065 her feldt 5066 zom 
erste 5067 jnneclichen O 5068 vil liebes kint er sp. 5070 gehelt 
5071 wes s. 5072 lib s F 5074 vil fehlt kyt 5076 myüeclich 5077 
kvneginne F 5078 nymer me F 5080 sus fehlt vß dnse 5081 do spr. 
daz kint geh. gehab F 5083 werlich fehlt 5085 mochte F so O ge- 
seeu : gescheen O 5086 als nü O 



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157 

sprach er, „du redist als ein kint, 

wan du bist noch an witzen blint." 

daz sinnege Tantrisel 
5090 „des si min lip din gisel", 

sprach ez, „öhem Tristant, 

und min wärheit din pfant, 

daz du mine vrouwen 

nach dinem willen schouwen 
5095 macht, ob du wilt volgen mir, 

des trüwe ich wol gehelfen dir." 

er jach: „vil liebez kindelin, 

sage an, waz ist der rät din?" 

Tantrisel was mit rede balt; 
5100 ez sprach: „ohem, du bist gestalt 

glich einem rechten tören 

an houbte, an glänze, an ören:' 

daz vleisch ist dir entwichen, 

die varwe ist dir verblichen, 
5105 din ougen sint dir in gesmogen, 

din nase ist dir üz gebogen, 

din stirne und dine wangen Bl. 142 b. 

mit runzelen sint bevangen, 

din lip ist dürre unde mager, 
5110 din antlitz bleich unde hager, 

din hals ist deine unde lanc: 

mache nu teerisch dinen ganc 

und lege narrencleider an, 

so sprechen wip unde man, 
5115 du sis ein gief, swer dich gesicht. 

du ensolt wislich gebären nicht; 

du habe toerische site 

und rede nerrische hie mite, 

so wirt den liuten unbekant, 



5087 er fehlt F redes 5088 want 5090 m. triwe F 5092 myne 
5093 my 5095 machst abe 5096 jeh triwe sin w. F 5097 sp r ch 
vii fehlt F libes F 5099 der reden 5101 einen F eyme O 5102 hovbt F 
an heubt vnd an ore" 5104 varbe F 5105 dine jn gezogen O 5106 
vnd dyne die nase F dir fehlt 5107 Dine O wange F 5108 fehlt in F 
5111 ist dünne 5112 mach nu doris 5114 so spricht 5115 sist F 
ein dore 5117 dn fehlt O doresse 5118 da mede 



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158 

5120 daz duz bist, her Tristant, 

so macht du vür den künic gen 
und vür die küneginne stßn, 
so wenen sie in alle wis, 
daz duz ein rechter töre sis." 

5125 Her Tristan wart der mere vrö 

und sprach zu dem kinde also: 

„nu habe danc, vil liebez kint, 

du bist nicht an witzen blint; 

werlich, du hast mir war geseit." 
5130 er hiez im ein törencleit 

an der stete machen: 

von wunderlichen sachen 

einen roc seltsen getan 

und eine gugelen dar an 
5135 üz snoedem tuoche, daz was grä; 

dar üf gesniten hie und da 

narrenbilde üz roter wät, 

daz nieman gesehen hat 

so toerisch einen roc gestalt. 
5140 den legete an der degen balt, 

der nie tören wart genöz, 

und nam einen kolben gröz 

und michel gnuoc in sine hant; 

und einen kese hiez Tristant 
5145 legen in sin gugelin, 

so er weichest mochte sin. 

zu Tinäse von Litan 

nam er urloup und schiet von dan. 

Kurvenal und Käedin 
5150 die muosten aldä beiten sin. 

sus kßrte er dan und weste wol 

den rechten wec gein Tintajol. p. 260 a. 

des Ersten dö er in die stat Bl. 142 c. 

5121 mastu vor F 5122 vor die F vur der kunygynen 5123 wenet 
5124 du dor 5125 t r stant mere" 5126 so 5127 libes F 5129 du 
hais 5134 in F am Bande nachgetragen gugel F kogel ö 5135 van 5138 
da n. F geseen O 5139 doris 5140 leget F lechte 5141 nye w. d. 
5143 stark gentig O 5146 so der 5147 tynasen 5148 er fehlt von feJdt 
5150 die feJUt da O 5151 s. kerter dan er w. 5153 Das erste da F 



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159 

also toerischen trat 
5155 und also nerrisch was gestalt, 

man und vrouwen, junc und alt, 

die liefen alle gein im sän 

und kaften disen narren an, 

und swenne er den kolben zöch, 
5160 ieglichez vaste von im vlöch. 

sus quam er üf die burc hin, 

da sie saz die künegin 

und da der künic bi ir saz. 

der wise töre nicht vergaz, 
5165 als in Tantrisel lerte; 

sinen ganc er ouch verkerte, 

sin houbt begonde er vaste wegen 

unde mit den vüezen schregen. 

sus gienc er glgengarren 
5170 glich einem rechten narren: 

gar toerisch wären sine trite 

und nerrisch alle sine site. 

Und er die künegin an sach, 

mit nerrischer stimme er sprach: 
5175 „go, go, go, go, go, go, got 

grüeze iuch, vrouwe, sunder spot; 

sit irz die küneginne, 

so gebet mir iuwere minne." 

allachende sprach sie: 
5180 „guot man, der künic sitzet alhie." 

den künic er toerisch an sach, 

er vingerzeigete üf in und sprach: 

„phiu! sol der ein künic sin? 

er were küme ein künegelin 
5185 bi mir, als ich ein künic bin." 

der künic und die künegin 

5154 so doresse 5155 nerrich F nerresch 5156 m. fr. O 5159 
wan 5160 igliches F jekeliches 5161 er fehlt F 5164 dor 5166 ouch 
fehlt 5167 hovbet F h. ging er 5168 vn begonde m. vuzen F 5170 
einen F eyme 5171 dores trit : sit 5172 nerrich F narres alles 
sin F 5173 Als er 5174 mit nerresser st. er jach 5175 ein go feJUt O 
5178 gebent uwer 5180 hie 5181 doris O 5182 vingeneiget F 
vingerczetigte 5183 piw iu F phy eine F 5184 kvm F 



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160 



begonden vaste lachen nu. 

daz hovegesinde lief allez zu 

und sähen disen narren an. 
5190 dö greif er in die gugelen sän 

und nam den kese in sine hant; 

der willetöre her Tristant 

greif so grimmeclich dar in, 

daz im durch die vinger sin 
5195 ran daz kesewazzer. 

sin törenroc wart nazzer 

vor dem herzen hin und her. 

in den kese dö beiz er p. 260 b. 

in toerischem sinne 
5200 und warf der kiineginne Bl. 142 d. 

einen bizzen gein dem munde. 

daz muote an der stunde 

den künic und zöch den tören 

vaste bi den ören; 
5205 in grözem zorne hiez er in 

ziehen von der künegin. 

der töre sinen kolben zöch 

üf mit beiden henden hoch, 

nach dem künege er dö sluoc. 
5210 Antret sich düchte küene gnuoc 

und lief dem künege vür den slac: 

den sluoc er, daz er da belac 

unversunnen und betoubet; 

er hete in an daz houbet 
5215 troffen also swinde; 

swaz er im von kinde 

hete leides ie getan, 

daz mochte er nü gerochen hän. 

er liez mit siegen umbe gän. 
5220 sie vluhen alle von im dan: 



5190 da F kogel 5192 d. wise dor her fehlt F 5193 gryfiielich 
5196 dore" cleit 5197 vur 5198 da F fehlt in O 5201 eyne bicz 0, 
doch ist der n- Strich getilgt 5202 muwete 5204 mit d. o. 5207 dor 
5209 da F 5210 genüg 5211 vor F 5212 lag 5213 vnversvnne F 
bedeubt O 5214 het F hatte im F heubt 5215 so 5217 nette F 
hatte 5218 mochter 5219 vmb 5220 fluwen 



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161 

der künic und die kfinegin, 

einez her, daz ander hin, 

ritter und juncherren, 

die minren und die merren; 
5225 vrouwen und juncvrouwen, 

die mochte man da schouwen 

über einander vallen. 

iedoch tet er in allen 

nicht wen dem einen, der da lac, 
5230 dem worden was der erste slac. 

der lac noch unversunnen dort, 

ern gehorte nimmer me kein wort. 

von dem slage des tören 

wart er toup in den ören; . 
5235 im taten gar we sine gelide. 

dö sprach der töre: „nü si vride!" 

und sach hin gein der künegin 

und reckete fif den vinger sin: 

„vriundel machen, vriundel machen \ u 
5240 sprach er und begonde lachen: 

„nimmer tuon, nimmer tuon!" 

ei, süezer Kiwalines sun, 

wie gar ir nfi ein narre sit! 

ir habet doch alle iuwer zit Bl. 143 a. p. 261a. 

5245 me starker lanzen verswant 

wan torenkolben in der hant 

getragen nach der narren site. 

der künic satzte sich hie mite; 

in düchte, daz des tören muot 
5250 hete verzürnet und daz er guot 

wolde gein den liuten sin. 

bi im gesaz die künegin. 

daz kindel Tantrisel quam; 

die künegin von im vernam, 

5222 eyner her der a. h. 5223/4 fehlen in (Abirren des Auges) 
iunch-ren : meren F 5225 ritter vnd 5226 do 5228 ydoch F 5229 nich 
wen den F dan 5232 er eng. F enhorte dar achter nye 5233 den F 
5235 gar fehlt glidde 5236 da F dor O sie F 5237 gen die 5238 
recket F reckte 5239 vrnntel F 5240 ynd wart 5241 nuffle 5242 
eya 5244 hait 5245 st. sper me 5246 dan 5248 da mede 
5249 d s toren F 5250 hette FO verczurnt 5252 bi jn sas 5253 kint 

B«rot, Heinrich ron Freiberg. H 



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162 

5255 daz diser toerische man 

was ir amis her Tristan; 

daz düchte sie wunderlichen gnuoc 

die süeze küneginne kluoc 

begonde in minnencliche an sehen 
5260 und mit ir spilenden ougen brehen 

tet sie kunt Tristande, 

daz sie in wol erkande. 

Die tische wurden nü bereit, 

tuoch und bröt dar üf geleit. 
5265 der künic nam wazzer unde saz 

mit der künegin und az; 

der töre mit dem kolben sin 

sich satzte zu der künegin. 

er leit dar umbe deine sw§re, 
5270 swem ez liep oder leit were; 

und swaz man dem künege truoc, 

des az im der töre gnuoc. 

ob ez den künic müete, 

doch liez er durch sin güete 
5275 den narren sitzen da bi in; 

und sie die blunde künegin, 

sins herzen trüt, die süeze Isöt, 

die sneit im underwilen bröt 

und legete im vür manch guot mursiel, 
5280 die stiez er toerische in den triel. 

nu sach er vor dem tische stan 

Melöt petit von Aquitan, 

daz vervluochte getwerc, 

daz im was sam ein blien berc 
5285 in ougen und in herzen. 

wie er gevüegete im smerzen, Bl. 143 b. 

Tristan im des gedächte. 

5255 doressch 5257 wonderlich genüg 5259 minnöcliche" F mynec- 
lich O an seen : breen 5260 jre" 5268 nü zu 5269 vmb 5272 dor ' 
genug 5274 ers FO aber in das s getilgt sine 5276 bittende 5279 
leget F sneyt O vor mach F manch morschiel 5280 torischen F den 
giel O 5281 vnr 5282 Meloth pitit F 5283 gethwerc F 5284 Miere b^c 
F, das er übrigem nickt ganz sicher ala ein bien berg O 5286 im fehlt F 
5287 im dea feldt O 



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163 

inredes man brächte 

dem künege ein wiltprßte her 
5290 und da mit einen pfeffer, der p. 261b. 

was alwallende heiz. 

den nam der töre, als ich ez weiz, 

und sprach dem getwerge zu: 

„wSningez mennel, süf ouch du!" 
5295 den pfeffer also heiz er göz 

im under sin antlitze blöz; 

sin ougen im verbrunnen, 

daz sie üz dem köpfe im runnen. 

er gedächte selbe wider sich: 
5300 „lä sin, ich hän gerochen mich 

wol an dem unkunder." 

er treip 6t michel wunder 

mit teerischer wise. 

dem künege ich daz prise, 
5305 daz er disen ungevuoc 

durch sine törheit im vertruoc. 

Do man nu gaz und daz geschach, 

der künic zu siner vrouwen sprach : 

„vrouwe, ich wil riten jagen; 
5310 ich mac in disen acht tagen 

nicht her wider zu iueh kumen; 

werbet hie heime unsern vrumen 

und pfleget mir des tören wol, 

daz ich immer dienen sol." 
5315 der künic reit hin, der töre bleip. 

swaz er nu nerrischeite treip 

mit rede und mit gebärden, 

daz enmöchte üf der erden 

nieman vollenschriben. 
5320 den minnenclichen wiben 

5288 jnne des 5290 und fehlt F do mit eyme O 5291 als wall. O 
5292 der dor als heis 5293 gethwerge F 5294 cleynes menlin 5295 
als er groz F »297 sine 5299 dechte selber 5300 lais O 5302 ot 
fehlt 5303 doresser 5305 vnfug 5306 jm. d. s. t F doreit O im 
fehlt O 5307 Da F 5308 zu der kunygyne O 5310 in fehlt F 5312 werbent 
ynsen- 5313 plegent 5314 des tfdiene" 5316 narrescheite 5318 
des 5319 nyman F 5320 mynecliche 

11* 



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164 

vortreip er hie die stunde 

mit nerrischem munde 

und ouch mit toerischem siten. 

nu begonden in die vrouwen biten, 
5325 daz er in sagte sinen namen. 

er jach: „des wil ich mich nicht schämen: 

ich heize Peilnetosi 

und bin Isöten liep da bi." 

die vrouwen sprächen in der vrist: 
5330 „der name dir wol mezic ist 

und lütet toerischen gnuoc." 

Isöt die küneginne kluoc 

den namen Widersinnes las; Bl. 143c 

und waz dar inne verborgen was, 
5335 daz wart ir schiere bekant: 

Isötenliep sie drinne vant. p. 262 a. 

der küneginne lobesam 

begonde lieben der nam, 

mit schimpfe was sie dem tören bi 
5340 und nante in 6t Peilnetosi. 

Der tac vergienc und quam die nacht. 

Peilnetosi sich wol bedächt 

hSte, wä er wolde ligen: 

er gienc hin üf an einer stigen, 
5345 ein narrenströel er mit im nam, 

als einem tören daz gezam. 

vür die kemenäten legete er sich 

dar inne die vrouwe minnenclich 

zu släfen mit dem künege pflac; 
5350 der töre toerisch da gelac. 

sinen kolben, den er truoc, 

den smucte er zu im lieplich gnuoc, 

5321 die fehlt F 5322 nerreschen 5323 nerresschem 5324 vrowe 
F 5325 er seite 5327 heisse" perlnetosy F beilnetosi 5328 vfi J. bin 
ich 1. 5331 doris gentig 5334 da jnne 5335 schier 5336 dar 
inne F da jnne 5337 kunygyng 5338 üben F 5339 dore 5340 jn 
aüis 5343 nette F hatte wo FO 5345 narre str. F narre" strohel 
er fehlt 5346 als eyme narre" wol g. 5347 vor F kemenate leget F 
lechter 5348 da jnne vrowe F myneclich 5350 d. dor doris do lag 
5352 smückter lieplich zv im F 



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165 

an sinen armen er in twanc 

und huob an unde sanc 
5355 lüte und nicht gar Ilse; 

in teerischer wise 

lac er unde gölte, 

mit narrenstimme er holte 

und was diz wort ie da bi: 
5360 „Tosi, Tosi, Tosi, Tosi! u 

hie mite rief er genöte 

der Wunden Isöte. 

die küneginne erhörte daz, 

in irem herzen sie daz maz, 
5365 waz bediute diz wort. 

sie greif aber an daz ort 

des wortes unde las hin wider; 

dö vant sie verborgen sider, 

als ir wisheit gebot, 
5370 ir selbes namen Isöt. 

dö sprach die küneginne sän: 

„wol üf, wir sulen släfen gän!" 

mit ir gienc Brangäne, 

die maget wolgetäne. 
5375 dö sie nü geträten 

hin vür die kemenäten, 

in der tür der töre lac 

und alles sines golens pflac. 

Nu was Brangänen unbekant, 
5380 daz ez was her Tristant. 

zu im gar vreideclich sprach sie: 

„wes liget diser narre hie? p. 262b. Bl. 143 d. 

vrouwe, heizet in gän hin dan!" 

dö sprach die küneginne sän: 
5385 „nu läz den lieben tören ligen, 

sines rechtes unvorzigen." 

5353 jn s. arm F 5355 gar fehlt 5356 doresser 5361 hie mit 
5362 bluenden O 5363 die k. fehlt Isot erh. 5364 irme F daz fehlt 
5365 w. dudet 5368 da F 5370 jr6 n. 5371 da F 5372 sulien 
5373 prangane F 5375 da F 5376 vor F 5377 vn d s tore da 1. F dor 1. 
5378 goles 5379 prangane" F brangene" 5381 zu ir freudelich 
5384 da F 5385 liben F 5386 sins 



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166 

„waz rechtes?" sprach zu ir die maget. 

„daz si dir wßrlich gesaget," 

sprach Isöt die künegin, 
5390 „er muoz min bettegeselle sin." 

„pfüch!" sprach sie, „vrouwe und meinet irz?" 

„ich meine ez zwar, geloube mirz." 

nü gienc ouch die künegin 

zu der kemenäten in 
5395 und sprach zu Brangänen: 

„nu ge mir nach Tristanen 

und heiz in g§n her in zu mir." 

die maget sprach: „vrouwe, und raset ir?" 

„ich rase nicht ein bunne: 
5400 Tristant, mins herzen wunne, 

der liebe man ist uns hie bi 

und nennet sich Peilnetosi." 

Brangäne sprach: „und ist daz war?" 

„ja!" sprach Isöt. die maget clär 
5405 gienc, da sie Tristanen vant, 

und nam in lieplich bi der hant. 

die süeze, seldenriche 

vuorte in gar minnencliche 

hin in die kemenäten; 
5410 die tür sie zu täten. 

Isöt im ingegin gienc, 
gar minnenclichen sie in umbvienc. 
ouch mac ich wol sprechen, daz 
nie wiser man noch töre baz 
5415 von liebe wart enpfangen. 
ir rösenvarwen wangen 
die dructe sie an die sinen 
und iren munt den finen, 
glänz, viuwervar und rot, 

5387 zu ir fehlt F 5388 sie F sicher 5391 und fehlt 5392 
meynens geleube 5393 hie mit g. die 5396 gang mir zu 5397 
gan 5398 und fehlt raset 5399 rasen nindert ein kvnne F künne 
O 5400 tristan 5401 libe F 5403 prangene F brangena 5405 t'standen 
5406 mit d. h. 5408 jn mynecliche O 5409 hin fehlt 5410 tuer F 
5411 Js. gen jm g. 5412 gar fehlt lieblich 5416 r. varben F jr rode 
varwe 5417 sinnen F 5418 phinen F 5419 gl. vn rtibin rot viwer v. F 



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167 

5420 zu tüsent malen sie im bot, 

die süeze Wunde kunigin, 

und vuorte in an daz bette hin. 

Brangäne die muoste fiz gän; 

dö legete sich her Tristan 
5425 zu siner Isöten, 

an yröuden nicht der töten. 

ir lebete herze unde lip. fragm. w. 

der liebe man, daz liebe wip, p. 263 a. 

die lieben bettegesellen Bl. 144 a. 

5430 nu pflegen, swes sie wellen, 

der liebe Tristan, die liebe Isöt. 

Antret und petit Melöt 

die mugen in nu nicht geschaden, 

wan sie mit schaden sint beladen: 
5435 der eine ist toup, der ander blint 

Tristan und Isöt nu sint 

äne vorchte und äne yär, 

nieman ir tougen nimet nu war. 

Dö sie die nacht gelägen 
5440 und alles des gepflägen, 

des liep mit liebe pflegen sol, 

Isöt die zit weste wol, 

wenne ir vriunt her Tristan 

solde von dem bette gän. 
5445 sie hiez in minnenclich üf sten 

und vür die kemenäten g6n 

hin an die stat, da er e lac 

und sines narrensanges pflac. 

nu legete aber her Tristan 

5420 vnczelich si 5421 bluende 5422 und fehlt 5423 Bran- 
gena die fehlt muBt F 5424 nu lechte 5425 bi sine 5427 Hier 
beginnt fragment w; es enthält die w. 5428—29 5434—42 5444—50 5474—81 
5485—87 5513—21 5539—62; sowie fragmentarisch die w. 5427 5430 5433 
5443 5472/3 5482—84 5488 5505—12 5522 — lebte liebte w 5429 Üben F 
liebe betges. 5430 pflagen w 5431 libe F vS die F die lieb 5432 pitit 
F 5433 m. ir F 5434 want mit schände F 5435 and^e F ist blint Fw. 
5437 ayn 5438 n. nypt ir d. w v nv nymet xo. 5439 Da Fw. 5441 libe F 
5443 wan her fehlt 5445 myneclich 5446 vor Fw kemenate 5448 
sins sänge F segens w plane F 5449 leget Fw lechte 



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168 



5450 den törenroc wider an; 

sinen kolben er gevienc, 

vür die kemenäten er gienc 

und legete sich hin wider 

üf sin narrenströel nider. 
5455 er gölte sinen alten sanc, 

der toerisch gnuoc von im erklanc: 

„Tosi, Tosi, Tosi, Tosi!" 

Brangäne, die maget wandeis vri, 

gienc zu der kemenäten in 
5460 und hiez üf sten die künegin. 

sie stuont üf und gienc her vür; 

der töre lac da bi der tür. 

gar schimpfliche sprach sie: 

„er narre, liget ir noch hie?" 
5465 „ja!" sprach der toerische man 

und stuont üf von dem ströel sän, 

sinen kolben er gevienc, 

und swä die künegin hin gienc, 

da gienc der töre alles mite. 
5470 toerisch wären sine site. 

Isöten rümete er den wec; 

im sluoc da nieman keinen vlec, 

als man nu tuot den tören. 

in zöch ouch bi den ören 
5475 nieman wan die schoene Isöt p. 263 b. BI. 144 b. 

den schimpf im underwilen bot, 

daz sie greif an daz wange sin. 

„halt mir ein örewetschelin!" 

zu dem tören ofte sie sprach. 
5480 in rechter liebe daz geschach. 

in diser törenwise 



5452 kemenate 5453 lechte 5454 strohel 5456 doris genug O 
5457 tosi in nur 3 mal 5458 prangane F brangene 5460 in F am 
Rande nachgetragen di F 5461 her vor : dor 5463 schympflich F schimp- 
lich 5464 her n. 5465 der fMt 5466 stroelin F strohel 5468 
wo F kvneginne F 5470 alle sine siten F 5471 Absatz in FO rvmet F 
rumte 5472 Absatz in w do fehlt w niman keine F 5473 tut nv F 
5474 mit d. 5475 niman F dan d. schon O d. blvn(de) w 5476 der seh. w 
zu wilen O 5477 jm gr. an ein wengelin O w. sein w. 5478 od s wetzelin F 
vderwitzschelin w oreweczelin O 5479 si daz dicke O 5480 recter F 



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169 



wart sin mit guoter spise 

und ouch mit tränke wol gepflogen. 

den Foitenant lieplich erzogen 

5485 hete in Parmenie, 

der süeze, valsches vrie, 
der grenriche Tristan, 
der truoc hie narrencleider an. 
gar toerisch wären sine site, 

5490 toerisch gebarte er mit dem trite, 
her hete toerischen ganc, 
toerisch sin rede und sin gesanc. 

Nu lät in gar ein töre sin, 
er lac doch bi der ktinigin 

5495 alle nacht gar minnenclich, 

unz daz sie muosten scheiden sich, 
der töre und ouch die künigin. 
ein ritter der hiez Pfelerin, 
der was in beiden gar gehaz 

5500 und hete in ouch bewiset daz. 

her was eins boesen herzen gnuoc 
und was üf valsche rete kluoc 
und doch des libis gar ein man, 
als ich iz rechte vornumen hän. 

5505 von dem künege er quam gerant, 
Isöten her tet bekant, 
daz der künic wolde kumen. 
nu sie daz hete vornumen, 
den lieben tören endelich 

5510 hiez sie von dannen heben sich, 
daz gemerliche scheiden 
tet den gelieben beiden 



5482 w. sinem m. w. 5484 fortinant F Fortenant w. feytenant 5485 
het w hatte permanie F 5486 faltses 5488 der fehlt 5489 torichz F 
doris sit 5490 doris gebarttbit trit gebart F 5491 er hatte 
t. gan F dore" gang 5492 doris sang 5493 narre 5495 necht 
mynneclich 5496 bit daz scheide F 5498 der fehlt hiz phellerin F 
5500 hatte im F biviset F 5501 er hatte ein böse h-cze g. einiz F 
5502 feltsche rede 5503 vn waz dez F 5504 iz recte F ichs recht 
5505 kam er 5506 det er 5507 solde 5508 vnd si hette Fw 
hatte vern. Ow 5510 hisize von F 5511 gemerlichen F 



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170 

in herzen innenclichen wß. 
Isöt Tristanden nimmer m6 
5515 gesach, wen dö er nü was tot, 
daz ir zu sterben ouch gebot. 

Her Tristan üz der bürge hin vor 

gienc die richte durch daz tor 

in sinem törenkleide. 
5520 iedoch in diser leide 

tet der vrische degen junc p. 264 a. 

zu dienste Isöten einen sprunc 

so gröz und also witen, 

daz bi keinen ziten 
5525 nieman s6 witen sprunc gesach. Bl. 144 c. 

Tristan gienc hin. und daz geschach, 

dö sprach der valsche Pfelerin: 

„ei, wer mac der töre sin?" 

im stuont ein knappe nähen bi 
5530 und jach: „er heizet Peilnetosi 

und ist der hübschten tören ein, 

den sonne oder mäne ie beschein." 

des namen hete in wunder 

und wunderte in besunder 
5535 und jach: „swie disem dinge si, 

er enheizet nicht Peilnetosi: 

den sprunc mac nieman hän getan 

wen der verwäzene Tristan." 

Pfelerin geleret was; 
5540 den namen er Widersinnes las, 

dö wart der name im rechte bekant, 

Isötenliep er drinne vant. 

und er gelas Isötenliep, 

5513 jnnecliche" 5514 Isote F nit me 5515 wan w dan 
da Fw nu fehlt 5517 Kapitelüberschrift in w dem bürge dor 5518 
die rechte hin vor 5519 sinen F 5520 jdoch Fw an dieser w duse" O 
5522 dinste FO Ysote %o 5523 vn so O 5524 geziten F 5525 groissen sp. O 
5527 da F felteche O 5528 eya O dor O 5529 knabe na O 5530 sp'ch O 
5531 hübschen F houeste" dore O 5532 den die sonne je nber seh. O 5533 
het F hatte O 5534 wundert F 5535 sp T ch O 5536 heizet F 5537 getan 
mak niman han F 5538 dan d. verwaissen O v^wazne F 5540 weder syns O 
5541 da FwO nam rechte in F recht wO erkant w 5542 da jnne O 



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171 

er jach: „min« harren Sren diep, 
5545 her Tristan, der ist hie gewesen. 

werlich, ichn läze in nicht genesen. 

wä nu pfert? wä nn pfert? 

balde her schilt nnde swert! 

wol üf alle und sit bereit! 
5550 swem mines herren smächeit 

leit sl, der helfe mir in jagen 

und schaffen, daz er werde erslagen!" 

Pfelerin zu rosse quam, 

mit im manch degen lobesam, 
5555 dem lieber were gewesen, 

daz er Tristan wßre genesen, 

wan daz in ieman slüege tot; 

des quam ouch Pfelerin in not, 

wan er reit in allen vor. 
5560 sie jageten nach üf sinem spor; 

er rante und rante, unz daz er sach 

Tristanden an er rief und sprach: 

„k§rä, helt, nu kere 

durch aller vrouwen 6re! 
5565 bistü genennet Tristan 

und bist des libes ein man, 

so kSre durch die künegin!" p. 264 b. 

Tristan lief alles vür sich hin Bl. 144 d. 

und wolde nicht kören wider. 
5570 Pfelerin rief aber sider: 

„kSrä durch Isöten, 

die mit ir munde röten 

dich in minnenclicher lust 

ofte lieplich hat gekust!" 
5575 und dö genennet wart Isöt, 

5544 sp'ch mines w 5546 enlas FO ichn laz w 5547 wo Fw 5548 
balde fehlt 5549 vf sit alle F vf seit alle w und fehlt Fw 5550 myns 
5551 sie F helf F m. iriagen w 5554 lobsam F 5555 den w lib s F 5556 
her w hen s 5557 dan iman F 5558 ouch fehlt her ph. 5559 want 
5560 iagten w Byrne 5561 und rante fehlt bis daz 5562 er fehlt F 
hier endet das fragment w 5563 kere 5564 vmb 5568 vor F 5569 
er w. 5571 kere 5572 jre" 5573 dicke in myfieclicher minnenclich F 
5574 dich 1. 5575 nu gen. da F 



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172 

daz was ouch Pfelerines tot: 

mit sinem kolben sftn zuhant 

warf sich umbe her Tristant 

und stuont gein Pfelerinen 
v * 5580 zu wer dem vinde sinen. 

Pfelerines ros in truoc 

üf Tristande nähen gnuoc. 

nu sach Tristande Pfelerin 

an daz antlitze sin; 
5585 und im rechte wart erkant, 

daz er ez was her Tristant, 

dö hete er gerne gevlogen. 

nü hete ouch Tristan gezogen 

zu slage sinen kolben uf; 
5590 daz ros traf er nicht an die huf, 

er traf ez an daz houbet, 

daz ez wart betoubet 

und nider üf die erden sanc. 

Pfelerin von dem rosse spranc, 
5595 wan er des herzen was ein man, 

und lief manlich Tristan an. 

Tristane er kämpf es werte; 

mit Schilde und ouch mit swerte 

gar nitlich er gein im gienc. 
5600 Tristan mit sinem kolben vienc 

alle sine siege, wan er was kluoc 

und konde ouch rechtes schirmes gnuoc. 

Pfelerin sluoc; dö sluoc ouch er. 

e die nach jagenden her 
5605 quämen Pfelerines, 

der sun Riwalines 

hete im geslagen einen slac, 

da von der nider tot gelac. 

5577 syme O so zuh. O 5578 vmb O her fehlt F 5580 den vienden 
O 5582 fstande O na genüg O 5583 tristande fehlt O 5584 tristande in 
d. O 5585 recht w. bek. O 5586 ers w. hen s O 5587 da het F nu netter O 
5588 het F hatte O erczogen O 5589 uff: hoff O 5590 di F 5591 heubt 
: bedeubt O 5593 an die erde O 5595 want O 5596 er 1. O t r standen O 
5597 tristan O 5598 Tnd mit dem sw. O 5600 simen F syme O entfing O 
5601 want O 5602 ouch fehlt O schirme's F 5603 Absatz in F da sl. ovch 
her F 5604 je 5607 het F hatte O in getan F 5608 der nydige 



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173 

her hete im einen slac gezilt, 
5610 da von der man, swert unde schilt 

gelägen an einem houfen. 

Tristan begonde loufen 

vaste gein der habe hin p. 267 a. s. u. 

mer durch ir ere der künegin 
5615 wen durch sins lebenes genist. Bl. 145 a 

Nu was ouch kumen in der vrist 

Marke der künic gehiure 

zu diser äventiure 

und sach, daz Pfelerin lac tot; 
5620 er jach: „wer hat dise not 

gevrumet Pfelerinen?" 

vil der gesellen sinen, 

die im heten geholfen jagen 

Tristanden, die begonden sagen: 
5625 „ez hat der töre getan." 

„war umbe?" sprach der künic sän. 

dö was under in keiner, 

der ander noch der einer, 

der im des wolde verjehen, 
5630 war umbe diz dinc were geschehen, 

wan sie gemeine wären 

Isöten der Clären 

künegin mit triuwen mite. 

Tantrisel üz kindischem site 
5635 sprach: „herre, er zöch den tören 

gar vaste bi den ören, 

dö gap der töre im einen slac 

und vlöch da her in disen hac 

dö was Pfelerine gäch 
5640 und hiez uns alle rennen nach 



5609 her het F er hatte gezil F 5611 läge" an eyme hvfen F 
5613 in F wurde 1 Blatt beim Einbinden umgestellt, weshalb nun p. 267 u. 268 
folgt 5614 me 5615 Dan d. sin selbes gen. lebens F 5616 kein Absatz 
in FO an der 5617 ghiwer F 5618 aventiwer F 5620 sp T ch 5623 
hetten F hatte 5624/5 in F umgestellt und durch b, a berichtigt 5624 si 
beg. 5625 hette dor 5626 vmb FO 5627 da FO 5629 uerjeen : ge- 
scheen 5630 ymb 5631 wanne F want 5633 triwen F mit : sit O 
5634 kindessem 5636 gar fehlt bit den 5637 da F dor 5638 do O 
5639 da F 5640 uns fehlt O aüen F aües O 



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174 

und ist der schade im geschehen." 

der künic dö begonde jehen: 

„swie ouch disem tören si, 

im wonet gröze manheit bi. 
5645 ich enkan den ritter nicht verklagen; 

wol dan, wir sulen nach jagen 

dem tören, daz wir in gesehen; 

so muoz er uns ouch verjehen, 

wie er heize oder wer er si." 
5650 einer sprach: „Peilnetosi 

hat sich der töre genant." 

„ez ist min neve Tristant!" 

sprach der künic Marke 

und wart erzürnet starke, 
5655 dö er den namen hin wider las 

und dar inne verborgen was 

Widersinnes Isötenliep. 

„owe, du rechter minnendiep", 

sprach er, „bist du daz gewesen? 
5660 Tristan, ich läze dich nicht genesen, p. 267 b. 

und ist daz ich begrife dich." 

er jagete nach im gar nitlich. Bl. 145 b. 

sie jageten alle gemeine 

mit im gröz und deine. / 

5665 Tristan was kumen an die habe 

und sach, daz ein vischer abe 

sinem schiffel was gegän; 

in daz schiffel saz Tristan. 

die jagenden jageten im dö nach, 
5670 in allen was zu im so g&ch 

sam dem valken zu dem luoder. 

wä wart ie bezzer ruoder, 

5641 gescheen : jeen 5642 da F fehlt in 5643 dusen sie : bie F 
5645 yolclage* F 5646 wal an sulle" 5647 den F dore geseen : verjeen 
O 5648 ouch uns 5649 od s wie er sy F 5651 dor 5654 in F am 
Bande nachgetragen 5655 da F 5656 da jnne v s borger F 5657 weder 
syna lip F 5658 auwe dip F 5659—60 in umgestellt : sp'cher ich lan 
d. nit gen. Tristant bistu d. gew. du fehlt F 5662 gar fehlt 5665 Ab- 
satz nur in F in die 5666 wa ein 5667 was Tan syme schiffelin g. 
5669 jag. alle nach da F 5671 als Barn valk. F 5672 wa fehlt F wart 
ie kein b. F 



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175 



dan sin kolbe da was? 

der half im, daz er genas. 
5675 er legete sinen törenroc 

an daz uober bi einen stoc; 

swenne der vischer queme, 

daz im wol gezeme, 

daz er n£me den roc sin 
5680 zu gelde vor sin schiffelin. 

daz weter daz was stille gnuoc, 

daz deine schiffel in truoc 

wider hin gein Litän, 

da er hete gelän 
5685 Kurvenal und Lifrenise, 

dö er in törenwise 

was von in gescheiden. 

gar willekum in beiden 

was der edele Tristan. 
5690 doch hete er niur ein pfeitel an. 

Tinas sins kumens wart gemeit 

und cleidete in in riche cleit 

und pflac sin, als er solde, 

die wile er bi im wolde 
5695 aldä zu Litan bliben, 

die zit mit im vertriben. 

Ei, was tet nu Marke? 

der suochte und vrägete starke 

hie daz wip, dort den man 

5700 umb sinen neven Tristan. 

er jach: „der töre, der uns bi 
gewesen ist, Peilnetosi, 
daz ist min neve Tristant: 
daz ist mir werlich bekant." 

5705 da wider sprächens alle 



5673 der k. do O 5675 lechte O 5676 ofer O 5677 wan O 5678 daz 
er jm O 5680 zu gelde fehlt O vor F daz seh. O 5681 genug O 5684 in 
F am Rande nachgetragen nette F hatte O 5685 Curneual O 5686 da F 
5688 willekvmen F wilkom O 5689 edel O 5690 het F hatter O nyer F 
nit dan O ey hembt O 5691 sines F was O 5692 cleidet F cleite O in fehlt 
O 5695 da O 5696 mit fehlt O 5697 Eya O tut F 5698 vraget vfi Traget 
F s. vnd frackte O 5700 vmbe F 5701 dor O 5705 do O sp r chen Bi O 



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176 

mit gemeinem schalle 

und jähen, er solde äne arcwän p. 268 a. 

die blunde küneginne län. 

dem künege wart von in gesaget, 
5710 den man da hete gejaget, 

der were ein rechter töre gar, BL 145 c. 

sinne und aller witze bar. 

künic Marke der guote 

üz einvaltigem muote 
5715 sprach: „swiget unde lät daz sin!" 

und lebte mit der kfinegin 

gar lieplich unz an iren tot, 

den sie doch schiere nam Isöt. 

Urloup nam ouch Tristan 
5720 von Tinäse zu Litan 

und vuor üf der wilden se 

hin wider gein Arundele, 

mit im die zwene gesellen sin, 

Kurvenal und Käedin. 
5725 die wile daz sie vuoren hin, 

Käedin sprach wider in: 

„vil lieber swäger Tristant, 

tuo dine triuwe an mir bekant 

und rät mir zu einem dinge, 
5730 daz mir dar an gelinge; 

daz diene ich immer wider dich." 

Tristan sprach: „Käedin, nu sprich. 

swaz du meinest, daz sage mir, 

dar zu daz beste rate ich dir." 
5735 er jach: „da jenehalp der se, 

da stözet an Arundele 

ein richez und ein schoenez lant, 

daz ist Gamaroch genant, 

5707 an F ayn 5708 d. bluwende kunygin nü 1. 5709 do w. d. 
k. ges. 5710 nette FO 5711 Daz w. 5714 von eynfeldigem 5715 sp. 
nu swiget lat iß s. 5716 lebte FO 5717 bit an 5718 schire F 5720 
tynasen 5721 dem w. 5722 armidele 5723 zween 5724 Curneual 
5727 liber F 5728 triwe F 5729 eyme 5730 dar ane 5731 dine F 
gediene 5733 meynea 5734 rat F 5735 dort j. 5736 daz st. 
armidele 5738 da ist F Gainaret F gameroch 



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177 

dar inne schöne erbüwen lit 
5740 ein veste hüs, gröz unde wit 

als unser hüs zu Karke, 

daz ist genant Gamarke. 

üf der bürge ist gesezzen 

ein degin gar vermezzen, 
5745 der mit ritterlicher tat 

vil hoher wirde erworben hat 

und dar zu ritterlichen pris; 

der ist genant Nampotenis. 

sin manheit ist gar manicvalt, 
5750 sin triuwe reine und ane gewalt 

ist er wol vürsten genöz 

und mir an adel ebengröz: 

der hat ein so schoenez wip, p. 268 b. 

daz nie minnenclicher lip 
5755 von wibes libe üf erden 

geboren torste werden. 

die süeze, wandeis vrie 

genennet ist Kassie, 

gein der min herze liebe treit, 
5760 wan wir in unser kintheit 

mit einander sin gezogen Bl. 145 d. 

und grözer liebe han gepflogen 

mit einander von kinde unz her. 

nu ist daz mines herzen ger, 
5765 daz ich sie gerne wolde sehen, 

ob mir ein heil möchte geschehen 

mit dinem rate, vriunt Tristant." 

„wie ist ez umb daz hüs gewant, 

da sie da ist?" sprach Tristan. 
5770 „des ich dich wol bescheiden kan: 

üf einem berge hoch erhaben 



5740 schone Yiid 5741 vnse 5742 d- heisset gem. 5743 burc (bürg) 
FO 5744 gar fehlt 5747 dazu 5748 vnd ist 5749 sine tu manchfalt O 
5750 fehlt in triwe F 5754 myneclicher 5756 geborn F 5757 Absatz in F 
5758 ist genät 5759 libe F lieb 5760 want 5762 Tfi haben gr. libe 
gepfl. F 5763 Ton k. mit e. a. yntz h. F bit h. 5764 myns 5765 
wulde gerne 5766 obe m. daz h. mocht 5767 dyme 5768 vmbe F 
5769 da si ist 5770 vil wol ich dichs 5771 brege F hoge 

Bernt, Heinrich von Freiberg. 12 



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178 



liget ez und ist al umbegraben 

mit graben, die gar tief sin, 

und get niuwan ein tor dar in. 
5775 und swenne daz tor geslozzen ist, 

so enwart nie in keiner vrist 

so kleine ein vogel noch ein müs, 

der müge kumen in daz Ms: 

so gar ist ez vormachet, 
5780 vermüret und bedachet. 

der wirt die slüzzel selbe hat; 

swenne er üz ritet oder gät, 

so lät er ir von im nicht. 

und umb die selbe geschieht 
5785 hän ich so lange zit vertriben, 

daz ich bin ungetroestet bliben 

und ungevröuwet von ir. 

sie treit doch guoten willen mir, 

daz weiz ich sicherlichen wol, 
5790 ob ichz mit loube sprechen sol." 

Do sprach der edele Tristan: 

„dar zu ich dir wol raten kan; 

swic unde habe guoten muot!" 

nu quämen ouch die helde vruot 
5795 von dem wazzer an daz lant. 

Käedin tet im bekant, 

daz lant heize Gamaroch. 

Tristan sprach: „nu sage mir doch: 

wä liget daz hus, da sie ist p. 265 a. 

5800 dins herzen vrouwe?" und in der vrist 

sprach Lifrenis Käedin: 

„vil schiere wir dar kumen sin." 

sie riten vür sich die helde snel 

und quämen zu dem kastei. 



5772 vmb 5774 nuwan F nit dan eyne dar 5775 vnd als die 
dur 5777 vnd eyne m. 5778 da s m. F daz da 5781 selber 5782 
wan 5783 lesset 5784 vmbe F 5786 vngetrost 5790 sint ich die 
wairheit 5791 Da F edel 5792 vil wol ich dir geraden k. 5797 
hiesse gameroch 5798 sp. sage mir och 5799 Zur Umstellung des 
Blattes in F vgl. zu v. 5613 wo F die veste do 5801 sp. do k. 5802 
schire F schier 5803 si r. hin die vor F 



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179 

5805 inredes der wirt gemeit 

von der bürge gein in reit; 

sie beide er wol erkande, 

Käedine und Tristande; 

wol weste er, wie sie hiezen, 
5810 wan ir lant die stiezen 

an einander bi der se, Bl. 146 a. 

Gamaroch und Arundelß. 

des landes wirt Nampotenis 

durch sinen vtirstlichen pris 
5815 sine zucht an in begienc 

und sie gar minnenclich enpfienc: 

„sit willekum, her Tristant", 

sprach er, „zu mir in diz lant 

und iuwer geselle Käedin! 
5820 ir sult mine geste sin 

hint und vür biz morgen." 

ern was in keinen sorgen 

und getrüwete in des nicht, 

daz sie da würben ichtes icht, 
5825 die helde als erenbere, 

daz wider sin ere were. 

er vuorte sie üf die burc hin 

und legete allen sinen sin 

und allen sinen vliz dar an, 
5830 als noch tuot ein vrumer man, 

wie er ir gepflege wol, 

sam ein wirt lieber geste sol 

zu rechte in sinem hüse pflegen. 

Tristan der sinnenriche degen 
5835 gedächte an Käedinen, 

den lieben gesellen sinen. 

wie er also gewurbe, 



5805 jn des 5806 v. d. b. fehlt zu stüt gen 5807 wol er F 
er fehlt 5808 kaedin 5809 er weste wol F w. wister O 5810 want O 
5811 dem s. 5812 gameroch vn armidele 5813 des leides w. F 5815 
im F 581G wirdenclich 5817 willekome 5819 iwer F 5820 min F sullet 
myne geselle" 5821 hin Tfi vur F noch hint vnd fru 5822 er waz F 
er enw. O 5823 getriwet F 5825 eirbe s 5826 sine 5827 in die 
5828 leget F lechte 5829 alle O 5831 so wol F 5832 als lib s F 5833 sinen F 
syme 5835 dechte an kedine" 5836 üben F swager s. 5837 so 

12* 



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180 

daz im nicht verturbe 

sin arbeit und sin reise: 
5840 Tristan der kurteise 

schreip ein cleinez brievelin 

und gap ez dem gesellen sin 

und sagete im, waz stuont dar an. 

Käedin sich wol versan, 
5845 daz erz der vrouwen solde geben, p. 265 b. 

mit swelcher vuoge im daz qußme eben. 

Der wirt zu tische nü gesaz 

mit sinen gesten; und er gaz, 

dö vuorte er die geste dar, 
5850 da sie was sin vrouwe clär. 

und daz geschach durch sine zucht, 

Käedin Lovelines vrucht 

daz brievel hete in siner hant; 

der vrouwen schiere wart bekant, 
5855 daz daz selbe brievelin 

gein ir ein böte solde sin. 

Kassie die vrouwe clär 

torste iren vriunt nicht offenbar 

mit spilenden ougen an gesehen; 
5860 doch schöz sie underwilen ein brehen Bl. 146 b. 

im mit spilenden ougen, 

da bi er mochte tougen 

prüeven und erkennen, daz 

sie dem helde nicht was gehaz. 
5865 sie säzen unde köseten, 

sie redeten und löseten 

mit einander minnenclich. 

der wirt, die geste kanten sich 

vil wol under einander. 
5870 Kassien schin was glander, 

die saz und redete nicht vil. 

5839 sine arb. sine r. F 5841 brivelin F breüelin 5843 saget F 
5845 er ez F solde fehlt 5846 kern 5848 vnd als 5849 da FO 5850 
sine 5853 brivel F het F hatte 5854 schire F 5855 brivelin F 5856 
zu ir 5858 dürste kaedy nit 5859 geseen 5860 vnd s willen F zu 
wilen eyne" br. 5861 m. jren 5862 m. schauwen 5864 daz dem 
helde 58GÜ sie fehlt 58G7 myuueclich 5868 d^vrit F w. ynd geste O 



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181 

der wirt des hüses nu wil 

und die geste släfen gän; 

er jach: „wir sulen üf stan!" 
5875 urloup von der vrouwen sie 

nämen; Käedin ouch lie 

daz brievel nider vallen. 

des wart under in allen 

nie kein mensche gewar, 
5880 wan 6t sie die vrouwe clär. 

die huob ez üf sän zuhant; 

sie las ez. nü wart ir bekant 

mit dem lesene dar an: 

swenne der wirt entsliefe, sän 
5885 solde sie im die slüzzel Stelen 

und solde daz tougenlichen helen 

und in ein wachs drücken 

und dar üz wider zücken 

und solde daz wachs legen her vür 
5890 ob ir kemenäten tür, 

daz Käedin dar queme p. 266 a. 

und er daz wachs da neme; 

daz queme zu gewinne 

in beiden an ir minne. 

5895 Do sie daz brievel gelas, 

Kassie wol so wise was 

und in irm herzen also kluoc, 

daz sie mit listen daz an truoc, 

daz ir von Käedine 
5900 an dem brieveline 

mit der schritte was geseit. 

der wirt nü hete sich geleit, 

Kassie zu im legete sich. BL 146 c. 

und er entslief, gar listeclich 

5873 sl. vü d. g. g. F 5874 stdlen 5875 den vrowg F 5876 k. vnd 
1. 5877 brivel da n. F 5879 keyn mentsch nye g. 5880 dan sie 
5881 so zu h. 5882 vnd las is do w. 5883 lesen 5884 wan entslife F 
5885 so s. in F 5886 toygetlichen F heymelich 5889 her vor : dor 
5890 vber der k. kemnate F 5895 Da F brivel F 5896 w. sie 
w. F 5897 jrem 5900 an duse briueline F 5901 schlieft F schrifft 
5902 sich nu nette F hatte 5903 lechte 5904 der wirt e. 



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182 



5905 sleich sie von im sän zuhant 

und gienc, da sie die slüzzel vant, 
stille swigende als ein dachs 
und drückete sie in ein wachs, 
daz hete sie gemachet weich. 

5910 barvuoz sie gar stille sleich 
und tet gar lise üf die tür; 
üf daz türstudel hin vfir 
legte sie daz wachs und gienc hin wider 
und legte sich an daz bette nider. 

5915 Käedin in gedanken lac, 

Tristan mit im gedankes pflac, 

ob von der vrouwen daz were geschehen, 

als ir daz brievel het verjehen. 

dö allez daz entsläfen was 

5920 in gademe und in palas, 
daz da lac in dem hüs, 
und sich nindert regete ein müs 
und ez quam gein mitternacht, 
Tristan der kluoge und wol bedächt 

5925 der sprach zu Lifrenise: 

„stant üf und slich gar lise, 
stille swigende als ein dachs, 
und vorsuoche, ob daz wachs 
üf daz türstudel si geleit." 

5930 dö sleich er hin mit kündikeit, 

er vant daz wachs und wart vrö; 
er nam ez unde kerte dö 
hin wider zu Tristande, 
den er getriuwe erkande. 

5935 Dö Tristan dise mere vernam, 
sie wurden beide wunnesam; 



5905 sie sl. gan zvh. F so zun. 5908 druckte 5909 nette F 
hatte gemacht 5910 st. sweich 5912 drüstudel 5913 legete F 
lechte hin fehlt 5914 legete F lechte 5915 kein Absatz in FO 
5916 gedenkens F ged. mit jra 0. 5917 obe gescheen : u s jeen 5918 
brivel F hatte 5919 da F 5920 gademS F gadem 5922 nergen reckte 
regete nindH F 5923 zu m. 5924 clüg vfi d> F 5925 der fehlt F 
5928 obe O 5929 drüstudel sie F 5930 da F 5933 hin fehlt O 5934 
getriwe F 5935 Da F t'stant 



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183 

mit grözen vröuden lägen sie p. 266 b. 

unz hin, daz der tac üf gie. 

der wirt stuont üf, die geste alsam. 
5940 her Tristan urloup d6 nam 

und sin geselle Käedin. 

dö sprach der wirt: „daz mac nicht sin, 

zwar ir müezet enbizen e." 

er behielt sie da mit grözer vle. 
5945 dö sie nu hSten gezzen, 

die helde gar vermezzen Bl. 146 d. 

dem wirte sageten grözen danc. 

ir beiten machten sie nicht lanc; 

sie riten von Gamarke 
5950 die richte hin gein Karke. 

Dö sie zu Karke quämen 

und ez ir vriunt vernämen, 

der herzöge Lovelin 

und ouch die süeze herzogin 
5955 enpfiengen sie liepliche. 

Isöt die tugentriche 

die wart ervröuwet innenclich. 

sie vrouten alle gemeine sich 

der lieben zit, der lieben stunt, 
5960 daz die helde wol gesunt 

mit seiden wären kumen wider. 

Tristan mit Isöten sider 

lebte schöne und also wol, 

sam ein man zu rechte sol 
5965 leben mit liebem wibe: 

er wart nu gein ir libe 

noch küener wan daz wazzer, 

da von ir e wart nazzer 

der brünen bluomen anger, 

5937 jn gr. 5938 bit daz d. 5939 alsan F 5940 da F 5942 der w. 
spr. is mag da F 5943 enpizzen F müsset hie essen e 5944 behilt F sie 
fehlt F da fehlt 5945 da sie F als sie do hatten gessen h. enpizzen F 
5946 gar gewizzen F 5950 rechte h. 5951 kein Absatz in FO da F 
5952 vnd daz 5954 ouch felüt 5955 lobeliche 5957 jnneclich 5958 
freuwete 5959 üben F 5960 h. waren g. F 5964 als 5965 libem F 
5966 jrem 5967 dan 5969 bronne" bl. 



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184 



5970 der anger, der swanger 

was der brünen blttemelin. 
die rede läzen wir nu sin. 

Käedin sin wachs truoc 

zu einem smide künstic gnuoc; 
5975 der saz zu Karke in der stat. 

den smit gar vlizicliche bat 

der minnegernde Lifrenis, 

daz er im machte in alle wis 

slüzzele glich den sliizzelen, die 
5980 er gedrücket vant alhie 

in daz wachs bescheidenlich. 

er sprach: „meister, vürdert mich 

mit disem werke in diser zit, p. 269 a. 

des ir von mir getiuret sit 
5985 und ich iuch helfe unde gebe, 

die wile ir lebet und ich lebe. 

den smit da mit erschracter, 

wan im die karacter 

wären alzu meisterlich; 
5990 iedoch verstuont er des wol sich, Bl. 147 a. 

daz er daz werc wol künde, 

ob er dar zu die stunde 

und guote muoze hfete. 

der smit sprach: „harre, ich tete, 
5995 daz iuwer wille were, 

ob mir daz werc so swere 

were nicht, alsam ez ist; 

ich enkan sin nicht in kurzer vrist 

volbringen, des geloubet mir." 
6000 er sprach: „guot vriunt, läz sliunen dir 

und tuo ez, so du schierste macht." 

der smit sprach: „über vierzehen nacht 



5971 bronne" O 5972 laz F 5974 zu eyme sm. was k. O 5976 flisse- 
liche" O 5977 m. gerende O 5978 im fehlt 5979 in slussele O das Endungs-e 
getilgt 5980 gedruke F 5981 bescheidelich 5984 getiwe s et F 5989 alzo F 
5990 ydoch F wol des 5991 daz er dar zu k. konde FO 5992 obe O 
di F 5993 guote fehlt hede : dede 5995 was O 5996 zu swe s 5997 nit 
we s als is ist 5998 kan 5999 vollenbrenge" d. geleube"t 6000 gude O 
lais zauw5 6001 balder m. 6002 virtzen 



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185 

die slüzzel werden bereit." 
der rede wart K&edin gemeit. 

6005 Der smit was siner künste kluoc, 

er konde smidewerkes gnuoc. 

über disem werke er ilte, 

er smitte, er gruop, er vilte, 

unz die slüzzele bereit 
6010 wurden; dö wart ez geseit 

vil balde Käedine. 

der nam die slüzzel sine 

von disem wercmanne 

und brächte sie Tristanne 
6015 und liez in sie schouwen. 

Tristan sprach: „dine vrouwen, 

die schoenen Kassien, 

dins herzen amien, 

die soltu werlich nu sehen." 
6020 er sprach: „wenne sol daz geschehen? 

daz tuo mir, lieber vriunt, bekant." 

„ie e, ie bezzer", sprach Tristant, 

biz morgen sul wir riten dar, 

daz sin nieman werde gewar, 
6025 wä hin wir kumen oder wä wir sin." 

Tristan unde Käedin 

des morgens vruo von Karke 

riten gein Gamarke; 

sie zwene aleine riten da hin p. 269 b. 

6030 und ein mensche nicht mit in. 

dö sie geriten den tac, 

vür Gamarke in den hac 

des nachtes sie dar quämen; 

herberge sie da nämen, 
6035 die zwene helde küene, 

6003 w. d. sl. b. O 6004 reden 6008 smyte 6009 bit d. 
slüzzel \FO 6010 da F gereit F 6011 v. b. fehlt F von im k. F 6015 si 
jn 6016 d. schone kassie : amie 6017 dines F 6019 nu fehlt geseen 
: gescheen 6020 wanne mag is g. 6021 tu lib s vr. mir F lieber fehlt 
6022 wie E. wie b. 6023 biz fehlt morne sullen 6024 nyman F 6025 
wo F ader war 6027 morges vur F auf radierter Stelle 6028 zu gam. 
O 6029 zween O 6031 da F 6032 vor g. F 6033 nachte F da F 6035 
zwen 



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186 



under einem boume grttene, 

unz ez des morgens tagete 

und sie der tac üf jagete. 

sie lägen an dem selben tage Bl. 147 b. 

6040 alles wartende in dem hage, 

wenne der wirt des hüses rite 

Nampotenis nach sinem site 

jagen, als er e het getan. 

nu sähen sie daz tor üf gän; 
6045 der wirt des hüses reit her vor 

und slöz selbe zu daz tor; 

die slüzzel er bi im behielt. 

Tristan, der ie manheit wielt, 

und sin geselle Käedin 
6050 sähen alle die geberde sin. 

Er reit über daz gevilde 

hin vaste gein der wilde. 

und als sie gesähen in 

riten vaste von in hin 
6055 über daz gebirge wol hin dan, 

Käedin und Tristan 

die quämen an die burc geriten 

und sluzzen üf. wiplicher siten 

des hüses wirtinne pflac, 
6060 sie sach sie kumen und erschrac: 

„ach!" sprach daz minnencliche wip, 

„ir weit Verliesen mir den lip 

und iuch selber iuwer leben." 

Tristan sprach: „daz si ergeben 
6065 gote in die gewalt sin." 

Lifrenis Käedin 

die vrouwen hete schiere ermant, 

daz im ir minne wart bekant, 

wan er ir in herzen lac 



6036 bovinen F 6037 bis is d. morges 6041 want wirt fehlt 
6042 Byrne 6043 hatte 6044 die dur 6045 hin vor 6046 die dor 
O 6047 bie im behilt F 6049 s. gelle F 6050 geberden 6052 vaste hin 
6054 gen jn 6055 vast hin d. O 6058 williger s. 6061 mynecliche 
6062 wolt F willent 6063 selbe F 6064 sie F 6067 hette schire F 
schiere hatte 6069 want 



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187 

6070 und siner kttnfte manchen tac 

hete minnenclich begert. 

nu vuorte sie den ritter wert 

in eine kemenäten sän, 

und sin geselle Tristan 
6075 hie üze bi den vrouwen bleip ; p. 270 a. 

die zit kürzte er in und vertreip 

mit hübschen dingen sunder zil, 

der er konde mer dan vil. 

Her Tristan, was iuch e wol 
6080 in dem gezelde bi Tintajol, Bl. 147 c. 

dö iuch die küneginne 

gap ire süeze minne 

und die maget Kameline 

also efte Käedine 
6085 mit irem zouberküsselin? 

des wil er nü ergetzet sin. 

im ist ouch hie nicht alzu we, 

swie ez im dar nach ergg. 

ir edele süeze minne, 
6090 der Nampotenisinne, 

die koufte er leider tiure gnuoc, 

als mir dise äventiure gewuoc 

und ich her nach ez mache kunt. 

Käedin nicht lange stunt 
6095 aldä bi Kassien, 

des Wunsches amien, 

in der kemenäten bleip. 

die vorchte in von der vrouwen treip; 

er nam urloup und schiet von dan, 
6100 mit im sin vriunt her Tristan, 

der degen maillich unde vruot. 

nu hete einen schatehuot 



6071 hette F hatte myneclich 6073 ein F kemenate 6076 in 
fehlt 6077 houeschen 6078 der konder ne d. danne F 6079 Hern 
fstande was ouch e w. 6080 zu t. 6081 da F do ouch 6082 g. jm 
ir m. 6084 also fehlt O 6085 irm F 6086 wilt 6087 jm ouch 6089 
edel 6091 kofte F kaufft tiwer F dtir gen. 6092 aventiw*» F 6093 
uch her na machen 6095 da 6096 wttntsches 6098 die sorge 
6099 schiet dan 6101 menlich 6102 hat F hatte 



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188 



von bluomen glänz unde fin 

gemachet der hübsche Käedin 
6105 des morgens dort in dem hage; 

den vuorte er uff e, als ich iuch sage, 

der helt durch sine hübescheit. 

und er üz der bürge reit 

hin über die zogebrücken, 
6110 strüchen unde nücken 

begonde s§re sin ravit: 

von dem houbte in der zit 

viel im der huot in den graben, 

als wir wol vernumen haben. 

6115 Er liez in ligen und achte es nicht. 

sie riten hin. ach der geschieht, 

die von dem schatehuote 

den helden zu unguote 

üf diser leiden reise enstät! 
6120 ich wene ez in an daz leben gät. 

der wirt des hüses sän zuhant p. 270 b. 

quam wider üf daz hüs gerant, 

Nampotenis der degen vruot; 

er sach den leiden schatehuot 
6125 aldort ligen in dem graben. 

„mich dunket, daz wir geste haben", 

sprach er selbe wider sich. Bl. 147 d. 

in grözem zorne grimmeclich 

gienc er, da die vrouwe saz; 
6130 er jach: „vrouwe, ich wil wizzen daz, 

wer hie obene bi iuch si." 

sie sprach: „aller geste vri 

si wir, herre, werlich." 

er suochte und suochte alumbe sich 
6135 in allen winkelen hin und her: 



6104 gemacht d. houesche 6105 morges 6106 vurt er F fürter O 
vife F uff (gewöhnlich) 6107 sin hvbscheit F houescheit 6108 vnd als 
6111 b. vaste s. runtzit 6112 heubte 6114 wire O wol fehlt O 
6115 achte sin F achtes 6121 so zuh. 6122 wider fehlt 6125 dort O 
in d. g. ligen F 6126 dunkt O wi wir g. F 6127 selber 6128 grym- 
melich 6131 obne F oben 6133 sie wir F sin w. 6134 er s. vaste 
vmb s. 6135 winkelin F 



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189 

swaz er gesuochte, nicht vant er; 

ern vant 6t niemannes da. 

er gienc zu der vrouwen sä 

und jach: „wer ist hie gewesen? 
6140 ich enläze iuch nimmer genesen, 

ob ir die ganzen wärheit 

mir nicht an stender stete enseit." 

mit grözem zorne er dö ranc, 

unz er die vrouwen betwanc, 
6145 daz sie im seite alle die geschieht 

nü was ouch da sümens nicht; 

der wirt sprach: „balde wäpen her! 

wä nu schilt unde sper?" 

er wart vil schiere an geleit; 
6150 mit im gewäpent und bereit 

wurden sibene siner man, 

als er sie beste mochte hän. 

Der wirt des ersten rante vor 

üz der bürge durch daz tor 
6155 und nach im die gesellen sin. 

Tristan unde Käedin 

die wären kumen durch den hac; 

ieglicher keiner sorgen pflac, 

sie wänten riten äne vär. 
6160 nu was ouch üf sie kumen gar 

Nampotenis und die sine. 

Tristane und Käedine 

wart vil schiere dö bekant, 

daz jene quämen üf sie gerant. 
6165 die helde sähen in der zit, 

daz in tochte dö kein strit, 

wan sie wären kumen dar p. 271a. 

blöz und aller wäpen bar. 



6136 envant O 6137 er vant F er env. ot fehlt nymä do 
6138 fr. so 6140 laz F enlaiß nuffler me 6141 obe O gantze 
6142 mir fehlt Stander seit F 6143 da F 6144 bit er frauwe 6145 
saite F sage 6148 wo F 6149 schire F schier 6151 seben 6153 des 
erste F 6154 burc F bürg vnr d. d. 6158 jglich s F jekelicher 6159 
w. sie riten F ayn 6161 syne" : kaedine - 6162 tristande 6163 schire F 
balde da F 6164 daz sie F 6165 an d. 6166 da F 6167 want 



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190 



nicht iner wer die helde wert 
6170 heten denne zwei scharfe swert Bl. 148 a. 

und wären da des landes geste; 

vliehen düchte sie daz beste. 

die zwene helde höchgeborn 

in die ros mit den sporn 
6175 zu beiden siten sluogen. 

ir snellen ros die truogen 

Tristane und Lifrenise 

von Nampotenise 

über daz gevilde hin. 
6180 sie weren wol entrunnen in; 

dö rief ouch Nampotenis: 

„Tristan, durch ritterlichen pris 

kere gein mir, kere 

durch aller vrouwen ere, 
6185 kere durch alle vrouwen 

und läz bi wer dich schouwen! 

kere durch ir minne, 

der blunden küneginne, 

die genennet ist Isöt 
6190 und dirz ie minnencliche erbot! 

kere durch ir lichten schin! 

so keret ir, her Käedin, 

keret durch Kassien, 

min wip und iuwer amien!" 

6195 Käedin und Tristant 

die wurden mit dem ruofe ermant, 

da von sie quämen in not. 

ir manheit in daz gebot, 

den helden gar geslachten, 
6200 daz sie gein den achten 

kerten in die vreise. 

Tristan der kurteise 



6169 keine wer die helde 6170 netten F hatten dan O 6171 da 
fehlt F 6172 vlihen F 6173 zwen hogeboren : sporen 6176 snelle 
6177 tristan O 6181 da F ouch fehlt 6186 la 6188 bluende" 6189 
die nennet ist F 6190 ie fehlt minneclich F mynecliche bot 6191 
iren FO 6193 keret fehlt d. clare kassie 6194 amie 6195 Absatz 
nur m F 0196 wurden mit feMt ruff 6200 sie fehlt 6201 feise 



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191 

rief aber sine krie: 

„Parmenie! Parmenie!" 
6205 Lifrenis Käedin 

rief ouch alhie die krie sin: 

„hie Arundel! hie Karke!" 

„hie Gamarke! hie Gamarke!" 

rief ir wirt Nampotenis. 
6210 Tristan unde Lifrenis, 

die helde manlich unde wert, 

ir scharfen snidegen swert 

zucten von den siten. p. 271b. 

ob ich ein langez striten 
6215 hie gerne machen wolde, 

als ich zu rechte solde, 
• die rede würde mir ein wicht; 

wan leider sin geschach hie nicht, 

durch daz Tristan und sin genöz 
6220 wären aller wäpen bloz. 

Nampotenis sän zuhant 

üf Käedine quam gerant 

und räch sin herzenlichez leit, 

daz aller leide ein tiberleit 
6225 ist in mannes herzen. Bl. 148 b. 

den smerzen aller smerzen 

Nampotenis dö selber räch: 

durch Lifrenisen er stach 

sin sper unz an sin schiben: 
6230 der ie reinen wiben 

sin dienest ritterlich erbot, 

der lac hie durch die minne tot, 

der reine süeze Käedin. 

waz tet nu der geselle sin, 



G203 r. vf vb- 8. F 6204 permenie permenia F parmanie 6205 
kadin O 6206 alhie fehlt 6207 armidel 6209 ir viet O 6211 menlich 
O 6212 scharffe snydende 6213 z. ei van s. 6214 lange 6215 gerne 
fehlt 6219 wan t r standen 6221 so zun. O 6222 kaedinS 6223 hercze- 
liches 6224 leider F vbercleit FO, aber in das übergeschriebene c getilgt 
6226 sm. ublutfczen 6227 da F 6228 kaedynen O 6229 ein sp. bit an 
die 6231 s. dinest F sine dynst 6232 hie fehlt 6233 kaydin F 
6234 dut 



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192 



6235 der eliensriche Tristant? 

der quam rechte als ein helt gerant 

üf Nampotenisen, 

den süezen Lifrenisen 

räch er manlichen gnuoc. 
6240 Nampotenisen er dö sluoc, 

den manlichen degen fier, 

durch heim und durch hersenier, 

durch houbt, durch hirn, durch swarte, 

daz im ob dem barte 
6245 widerwante der slac: 

Nampotenis do tot gelac. 

Nu was gerochen Käedin, 

Tristan mit dem swerte sin 

liez 6t vaste umbe gän. 
6250 ez were ros oder man, 

swem her behefte einen slac, 

zuhant er vor im tot gelac. 

als gar grimmelich er sluoc, 

der helt enphienc ouch wunden gnuoc, 
6255 tief, michel unde gröz. 

solde er nicht? er was doch blöz. 

dem edelen Tristande 

werez nicht ein schände 

noch kein laster gewesen, p. 272 a. 

6260 ob er mit vluchte were genesen 

und were gevlogen dannoch. 

dö nu der von Gamaroch 

von sinen henden Sterbens pflac 

und Käedin ouch tot gelac, 
6265 er vlöch öt nicht, daz quam da von, 

daz er was vliehens ungewon. 

die sibene sluogen vaste üf in, 



6235 ellenthaffte 6236 der fehlt rechte feJdt O 6239 den räch er 
menlich 6240 da F 6241 der menlichen d. her 6242 hersenir F 6243 
d. hyrne vnd d. sw. 6244 über 6246 da FO 6247 kaeydin F 6249 
ot fehlt vmb O 6251 er behaffte 6252 vor lag 6254 genttch 
6255 michel fehlt 6256 solt O her F 6258 wers nit eyne 6260 wer F 
6261 gevl. w. F w. geflüwen O 6262 da F gameroch 6263 dot gelag 
6265 vlovch F ot fehlt 6266 want vliheus F 6267 seben 



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193 

er sluoc ouch vaste wider hin; 

üf sie sluoc er und stach in sie 
6270 und rief: „hie Parmenie, hie!" 

vil grdzer siege uf in gienc, 

der er etelichen vienc 

und schützte in mit dem swerte. BL 148 c. 

Tristan dö strites werte 
6275 die siben, unz daz sie quämen in not: 

ir vünfe da gelägen tot, 

der sechste vlöch; der sibende her 

quam mit eime gelupten sper 

üf den Parmenois gerant: 
6280 Riwalines sun Tristant 

eine wunden dö enphienc, 

die im an daz leben gienc. 

iedoch gelac er da nicht tot, 

den ritter brächte er ouch in not; 
6285 der in da stach, den sluoc er wider, 

daz er viel zu der erden nider 

und des grimmen tödes starp. 

wie nu Tristan gewarp? 

sol ich daz sagen, daz jämert mich. 
6290 mangen slac und mangen stich 

hete er und was sere wunt; 

iedoch huob er an der stunt 

den töten Käedinen, 

den lieben swäger sinen, 
6295 vür sich üf sin kastelän. 

gein Karke vuorte in hin Tristan. 

Lovelin, Karsie und Isöt, 

dö sie Käedinen tot 

sähen und Tristanden wunt, 

6269 er vn sluc F stach durch sie 6270 permanie F parmanie 
6271 gr. sl. vil 6272 etlichen er F etzlichen 6273 v. beschottes mit O 
6274 da F 6275 die selben bit si k. 6276 do 6277 seheste F seste 
sebende FO 6278 eine F 6279 permenoyz F 6280 Riewalines O 6281 
wonde da F geving 6282 di F 6283 ydoch F do O 6284 bracht F 
brachter O in fehlt 6285 do O 6287 grimmez F 6290 manchen vnd 
st. 6291 nette F hatter 6292 ydoch F so hub O 6295 vor F 6296 
karcke F vurte hin F hin fehlt 6298 da si F 6299 tristan waz wnt F 

Berat, Heinrich von Freiberg. 13 



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194 



6300 wart ie drin herzen jämer kunt, 

daz mochten dise driu wol sin. 

gröz jämer unde grözen pin 

sach man sie erscheinen 

mit clagen und mit weinen. 
6305 den lieben herren sinen, p. 272 b. 

den süezen Käedinen, 

daz volc clagete über al. 

und der guote Kurvenal 

der clagete an den stunden 
6310 Tristandes verchwunden; 

die vrumden im in herzen 

leit unde leides smerzen. 

wol nach vürstlicher art 

Käedin zu kirchen wart 
6315 getragen unde wart begraben. 

Tristan, als wir vernumen haben, 

der was wunt biz in den tot Bl. 148 d. 

und ranc ouch mit des tödes not. 

kein erzenie im tochte, 
6320 kein arzt im ouch nicht mochte 

geraten an den stunden 

zu den tötlichen wunden. 

daz gelüppe vrumete im smerzen 

an libe und an dem herzen 
6325 und bitterliche quäle. 

er sprach zu Kurvenäle: 

„Kurvenal, ob dir liep ist 

min leben unde min genist, 

so var hin gein Tintajol 
6330 und wirp, als ich dir sagen sol. 

„Sage miner vrouwen Isöten, 
man handele mich vür toten 



6301 milchten O drie F dra O sien F 6302 vnd pin O 6303 er 
schinen F 6304 clagene" F wenen F 6305 d. 1. kaedine" O liben F 6306 
d. s. hr^ sine" O 6307 cleget F 6308 der fehlt F Cumeual 6309 claget F 
6311 d. fromete" jm (der letzte Strich getilgt) h. 6313 forstelicher 6315 
wart fehlt 6317 an d. 6318 jamers not 6319 ertznie F keyne 
artzedie 6320 artzat im fehlt 6323 vrumet F fromet 6324 dem 
fehlt 632G Carueuale 6331 mymer F 6332 handel v^toten F 



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195 

und si verwundet starke 

und lige alhie zu Karke 
6335 und enmüge deheine wis genesen, 

sie enwelle mir genedic wesen, 

so daz sie vare her zu mir. 

ich enpfele daz besunder dir: 

ist daz die bele blunde Isöt 
6340 wenden wil mins todes not 

und wil her von Kurnewal, 

min vriunt, getriuwer Kurvenal, 

so schaffe daz mit dem marner 

unde schicke ez so, daz er 
6345 einen wizen segel an binde; 

des todes ich erwinde, 

ob sie kumt und daz geschieht. 

ist aber, daz sie kumet nicht, 

so sol der segel swarz sin, 
6350 daz mich von dem leben min 

scheiden unde bringen mac." p. 273 a. 

Kurvenal, der ie triuwe pflac, 

der vuor gein Tintajöle hin; 

die leiden mere der künegin 
6355 mit grözem jämer er brächte. 

Isöt sich nicht bedächte 

weder umbe diz noch umbe daz. 

an daz schif sie snelle saz, 

als mir die äventiure seit; Bl. 149a. 

6360 swem ez liep wSre oder leit, 

des achte sie vil deine: 

die süeze, wandeis eine 

Isöt, die blunde künegin, 

die vuor öt zu Tristanden hin. 



6333 sie F tfwont so st. 6335 mvge F keyne wis 6336 enwolde F 
enwiUe 6337 var 6338 beuele" 6339 blüende 6341 v. wil vare v. 
Curnuwal 6342 min fehlt getr. fr. Curneual 6343 mit merner 
6344 ez fehlt 6347 komet 6352 Curneual t T wen 6353 tyntaiol 
6354 leide O mer F 6355 er m. g. j. b. 6357 vmb vmb daz F' 6358 
jn ein seh. schief sie do s. F 6359 dise aventure F 6360 were fehlt F 
6361 were daz F vil fehlt F 6363 hinwende 6364 ot fehlt t r stande 

13* 



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196 



6365 Die wile pflac sin tsöt 

Blanscheinanis, als ir gebot 

ir wipliche güete; 

doch enweiz ich, ob siez müete, 

daz der halptöte Tristant 
6370 nach jener Isöten hßte gesant, 

der blunden üz Wände. 

Isöt die wizgehande 

an daz venster ofte trat, 

als sie Tristan hiez und bat, 
6375 und nam stetes vür sich dar 

des schiffes üf dem mere war, 

swenne ez gestrichen queme, 

daz ez Tristan vorneme. 

nu sach siez ouch her strichen. 
6380 sie tet dem tugentrichen 

an der stete sän zuhant 

die kunft des schiffes bekant; 

und einen segel wizen 

sweben unde glizen 
6385 hete sie dar ob gesehen, 

des sie nicht enwolde verjehen. 

er sprach: „liebe Isöt, sage an: 

wie ist der segel getan?" 

ez wäre ir ernst oder ir schimpf, 
6390 ez was ein toerisch ungelimpf, 

daz im von ir die wärheit 

in diser not nicht wart geseit 

Gar ernstlichen sie sprach: 
„einen swarzen segel ich sach." 
6395 „swarz?" sprach Tristan, „ja!" sprach Isot, 
und alzuhant gelac er tot. 

der tot im daz herze brach p. 273 b. 

so gähes, daz er nie gesprach 



6366 blantechemanis F blanczemanis 6367 wiepliche F 6368 jch 
enweis ob si is sis F 6369 halbe dode O 6370 bette F hatte 6371 
bluwende 6373 dicke 6377 wan 6379 sie ez (si is) FO ouch fehlt 
6380 dugende r. O 6381 san zeh. F so zuh. O 6385 het F hatte O da 
oben O geseen : ttfeen O 6386 n. im wolde F 6387 bele yso F 6390 do- 
recht O 6393 ernstlich O 6396 lag O 



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197 

diz noch daz, weder ach noch w6. 
6400 Isöt gar jßmerlichen schre: 

„ich hän geschimpfet, Tristan! Bl. 149b. 

der segel ist wiz, den ich da hän 

uf dem mer aldort gesehen!" 

swaz sie gerief, ez was geschehen, 
6405 und swaz sie weinens gepflac, 

her Tristan aldä tot gelac. 

der tot liez im die muoze nicht, 

daz vil mangem doch geschieht, 

daz er gein der wende 
6410 sich kerte und neme sin ende: 

rechte als er lac, gelac er tot, 

dö er die vräge Isöten bot, 

wie der segel were getan. 

Der aller manheit was ein man, 
6415 den die reine vrouwe clär, 

die süeze Blanschiflür gebar 

und mit im gebernde 

ir lebenes enpernde 

leit des bittern tödes not: 
6420 der lac vor leide in liebe tot. 

Der erenriche Tristant, 
den Eüal li foitenant 
zöch so rechte minnenclich 
und manges kummers niete sich, 
6425 dö er in hete vorlorn, 

unz er den hSrren üz erkorn 
bi Marken vant zu Kurnewäle: 
der leit in liebe des tödes quäle. 

Tristant der jungelinc vil zart, 
6430 der von Marken ritter wart 



6399 noch och noch we O 6402 d. 8. der ist wis gedan O 6403 den ich 
han uff dem se geseen : gescheen 6404 was fehlt 6405 weynes O 6406 
da 6408 manchem 6410 keret nemet 6411 recht FO 6412 da F 
6414 kein Absatz in FO was fehlt 6415 was den 6416 hlantschiflnr F 
hlanczeflür O 6417 geherende : enperende 6418 jrs lebens 6419 hittehi 
6420 van leide libe F 6422 lyfortenant F lifeitenant O 6423 lnynec- 
lich 6424 manches O 6425 hette F hatte 6426 bit er usserkorg 
6427 Cnrntiwal 6428 libe F quäl 6429 Absatz nur in F, ebenso 6437 
6445 6449 6455 6465 6473 so zart 



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198 



und in mit Lifoitenande 
sande wider heim zu lande 
gein Parmenie und er dar nach 
so manlich sinen vater räch 
6435 und sluoc den ktinic Morgan tot: 
der leit in liebe des tödes not. 

Tristan, der wider zu Kurnewal 
quam mit vröuden äne zal 
und da manlichen gnuoc 
6440 den Affricän Morolden sluoc 
unde vriete daz lant 
von dem zinse mit siner hant, 
als im sin manheit gebot: Bl. 149c. p. 274a. 

der lac hie durch Isöten tot. 

6445 Der eilenthafte Tristant, 
der den grimmen serpant 
sluoc in Irlant bi Weisefort: 
der lac vor leide in liebe mort. 

Tristan, der ie nach eren ranc 
6450 und üf dem s€ den minnentranc 
unwizzende tranc üz einem glase — 
der triuwen muome, der kiusche base 
tranc in mit im, die Wunde Isöt: 
der lac ouch in ir minne tot 

6455 Tristant, der ritterschefte pflac 
vil unde vil und mangen tac 
durch ir edele minne, 
der Munden küniginne, 
und im dö zu Tintajol 



6431 lyfortenande F m. feitenande 6432 sante FO heim fehlt 6433 
permenie F 6434 manlichen F menlich 6435 sluc tot F morgane" 6436 
libe FO 6437 Curnuwal 6438 ayn 6439 do menlich genuch 
6440 effrican 6441 machte fri van jm 6443 sein F sine 6446 
gryräigen O 6447 bei F 6448 van leide O 6449 Tristant ie noch F 
6450 auf F der myne" 6451 aus dem F glas 6452 treu wen F keusche F 
d. k. was 6453 ein tr. mit im F blnede 6454 auch F durch ir O 6455 
pfalc F 6456 manche 6457 edle F fefdt in 6458 bluende O 6459 vnd 
ir do O tyntayoel F 



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199 

6460 was mit Isöten also wol 

und durch sie vuor in vremde lant 
und ritterlich mit siner hant 
brach durch ir minne manic sper: 
vor leide in liebe tot lac er. 

6465 Der höchgemuote Tristant, 

der zu Gäles in daz lant 

vuor zu dem vürsten Gilän 

und den risen Urgän 

sluoc und daz deine hundelin 
6470 mit dem menlichen eilen sin 

Petitcriu menlich erwarp: 

von herzenliebe in leide er starp. 

Der wol ervarne Tristant, 

der in Arundel daz lant 
6475 quam zu dem vürsten Lovelin 

und in von den vinden sin 

mit siner hant erlöste 

und im aldä zu tröste 

erwarp die wizgehande Isöt: 
6480 der lac ouch hie zu Karke tot. 

Nu wart sin töter licham 

gebalsemt schöne, als im gezam, 

und üf gebert und würze vil 

üf in geströuwet äne zil 
6485 und wart gein münster getragen. 

weinen, schrien unde clagen Bl. 149 d. 

hörte man in der stunde 

von manges menschen munde; 

man, kint unde wip p. 274 b. 

6490 Tristandes jungen süezen lip 

clageten, wen er nü was tot. 

6460 w. mit jm so rechte w. 6462 seiner F 6463 manch 6464 
van leide 6465 hohgemvte F 6470 m. der menlicher ellenthaffte sin 
6471 pytticrev F pe:::crev O 6472 v. h. leide in liehe erst. O strah F 6473 
erfare" O 6474 arraidel 6477 seiner F 6478 aldo F 6479 wysgehanden F 
6480 zu fehlt 6481 sein F leichnam F 6482 gebalsamt seh. al schon F 6483 
geberet 6484 getreuwet F ayn 6485 gegen F vnd zu kirche" gedr. 6487 
hört F 6488 railches raentsche 6489 manne kinde weip : leip F 0491 want 



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200 



iedoch leit die meiste n6t 

um in Isöt Blanschemanis, 

sin ßlich wip. in mange wis 
6495 gienc sie n&ch der baren clagen, 

unz er zu mfinster wart getragen 

und man nach cristenlichen dingen 

im vigilie solde singen. 

die glocken wurden übir al 
6500 geliutet nü was Kurvenal 

zu Stade kumen vür die stat; 

Isöt ouch von dem schiffe trat, 

von Kurnewal die ktinigin, 

und gienc mit Kurvenäle hin 
6505 in die stat. dö horten sie 

die liute clagen dort und hie, 

hie und dort, 6t über al, 

und hörten ouch den glockenschal. 

daz argete in und vrägten sän 
6510 daz volc um ern Tristan. 

der vräge quämen sie in not: 

einer sprach: „nu ist er tot 

Tristant, der triuwen bittende, 

der ie durch 6re mttende 
6515 was sinen ritterlichen lip." 

„welch Tristan?" sprach daz schoene wip. 

sie hofte noch, daz etewer 

hieze Tristan alsam er. 

jener sprach: „der Parmenois". 
6520 Kurvenal der curtois 

Isöten jemerlich sach an. 

ir rösenlichte varwe sän 

under ougen ir vorbleich 



6492 jdoch F j. so leit O 6493 vmb O Blantscbemanis F blaczemanis O 
6494 sein elich weip F manche O 6495 ginc F 6496 bit er jn daz O 6497 
vnd jm na cristlichen O 6498 man v. O 6500 gelautet F Curneual O 6501 
vor F durch O 6502 uß d. seh. O 6503 Curnuwal O 6504 ginc F Curuenal F 
Curneuale O 6505 da 6506 leute F 6507 ot fehlt O 6508 der docke 
6509 arget F übelte O fregete 6510 vmb he 1 ^ 6513 treuwen F blu- 
wende O 6514 erenF vmb ere umwende 6515 seinen r.leip: weip F 6516 suesse 
w. 6517 ettewer F etzwer 6518 hise F tristant F als 6519 pmenoys 
F 6520 Curneual O 6522 Hechte varbe F 6523 v. ir ougen gar v. F 



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201 

und al ir kraft ir gar entweich; 
6525 zu der erden sie viel 

in unmacht; kein wazzer wiel 

üz ougen der vil Clären : Bl. 150a. 

lip und herze ir wären 

ersteinet von der unmacht. 
6530 nu wart ein wazzer balde brächt; 

Kurvenal der labte sie. 

ein cleinez creftel sie gevie, 

so daz man küme an ir enpfant, 

ob sie lebte; und mit der hant 
6535 die minnenveige künegin p. 275 a. 

wincte gein dem münster hin. 

sprach sie nicht? nein, nie kein wort. 

Tristandes tot ir krefte hört 

üz herzen ir gezücket het. 
6540 sie were gestorben an der stet, 

wan daz der tröst sie labete 

und der gedinge üf habete, 

die veigen Isöten, 

daz sie also toten 
6545 Tristanden sehen solde. 

Kurvenal, ir holde, 

die kreftelöse künegin 

under armen vuorte hin 

in daz münster; und sie sprach 
6550 nie kein wort, weder we noch ach, 

wan daz sie winkte mit der hant 

dort vaste hin, da Tristant 

lac toter üf der baren. 

Kurvenal die clären 
6555 hin vuorte zu dem toten. 

den grözen jämer Isöten 

zu sagene sere jämert mich. 

6524 alle O al ir varbe F 6526 ken F 6528 leip vü herz F 6531 
Curneual O labete O 6533 befant O 6534 obe si lebete O 6535 minne v. F 
6536 winkete O gen daz m. O mvnstfe F 6541 warn F dan O torst F labte 
: habte F 6542 die ged. O 6543 veige O 6545 seen O sulde : hulde O 6546 
Curneual O 6549 gesp r cb F 6550 weder fehlt O 6551 dan si winkete O 
sie vmbe mit F 6552 dort hin dan da O 6553 dot O 6554 Curneual O 
6557 zu sagen swinde O 



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202 



wie tet die vrouwe? daz sage ich: 

dö nam sie daz baldekin 
6560 von dem antlitze sin 

und sach in also töten an 

und viel üf in und aber sän 

dructe sie an der selben stunt 

iren munt an sinen munt, 
6565 ir wangen an die wangen sin 

und ir blanken arme fin 

den toten umbe viengen. 

des tödes stoeze giengen 

ir vaste gein dem herzen; Bl. 150b. 

6570 sin tot ir tödes smerzen 

vüegete, wan er ouch den tot 

durch sie leit und des tödes not; 

der tot inzwei daz herze ir brach. 

weder ach noch w6 noch we noch ach 
6575 gesprach die küneginne nie: 

tot üf dem töten lac sie hie. 

dem minnetöten wibe 

in sterbendem übe 

begonde ir herze krachen, 
6580 rechte als ob tüsent spachen 

krachten von des viures not. p. 275 b. 

sus gelägen die gelieben tot: 

Isöt die küneginne 

die starp in siner minne, 
6585 Tristandes, wan er ouch vertarp 

und in ir glüenden minne starp: 

er starp durch sie und sie durch in. 

Isöt die töte künegin 
sän zuhant und mit der vart 
6590 gebalsemet und beserket wart 



6558 gesage F 6559 da F den beldekin O 6560 angesichte O 6561 
also dete" O 6563 selber O 6564 jr müdelin vaste an O 6565 jre F jr 
wengel O 6566 arme sin O 6567 vmb O vingen : gingen FO 6571 want O 
6573 d. herze entzwey O 6575 kunygynen O 6577 mjne O wiebe F wib O 
6580 recht FO als fehlt O obe hondert O 6581 crechte" O viwers F 6582 
lagen gcliben F 6585 want O 6586 glunde F gluwende mynen O 
C588 kein Absatz in FO 6589 so zuh. O 6590 gebalsaraet v. gesalbet Q 



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203 

und üf gebßrt den jämers schal 

der vil getriuwe Kurvenal 

begonde ruofen unde schallen. 

üf sinen toten h&rren Valien 
6595 sach man in jSmerlichen gnuoc; 

mit beiden viusten er sich sluoc 

gar swinde gein dem herzen; 

die zeswen und die lerzen 

in sin här, ietwedere hant, 
6600 er vorwar und vaste want 

und brach ez üz der swarten. 

die künegin die zarten, 

die minnentöte Isöten, 

die kuste er also töten. 
6605 den toten Tristan an der stunt 

kuste er ouch an den toten munt. 

von einem zu dem andern 

wart er in jämere wandern. 

sin herze daz getriuwe 
6610 in triuwen stßtes niuwe 

was sam ein Spiegel lüter. 

er sprach: „hßrre trüter, 

tröst mines lebenes, Tristan, 

ach daz ich dich vorloren hau! Bl. 150c. 

6615 und die süeze Wunde Isöt, 

ach daz die mit dir liget tot, 

dins herzen trüt, die künegin!" 

manicvalt der jämer sin 

was und sin clegelicher dön. 
6620 er jach : „sich, werlt, diz ist din Ion, 

den du zu jungest gibest in, 

die dir zu dienest iren sin, 

lip und herze neigen: 

6591 geberet 6592 den der getr. Curneual getriwe F 6595 je- 
merlich 6597 gein d s h. F 6598 die rechte 6599 jekeliche 6600 
verwarr er vaste vnd w. 6602 die kunygjne z. 6604 koster 6605 Ab- 
satz in F 6606 kvst F koster O an fehlt F 6607 einen F eyme anderen 
: wanderen 6608 gienc er F jamer 6609 getriwe : niwe F 6610 triwen 
F t r we stete F 6611 als ein spigel F 6612 er spr. fehlt F min h. min 
tr. F 6613 myns lebens 6614 Ich daz vorlorn F 6615 bluwende 
6618 manchfalt 6620 er sprach werelt 6622 dinest F dinst 



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204 

den kanstu kurze erzeigen 
6625 die valschen in der letzten stunt. 

du strichest in honic in den munt 

den alden und den jungen: p. 276a. 

swan sie dan mit den zungen 

dar nach grifende sin, 
6630 so tröufest du in galle dar in. 

din rösenbluome birt den dorn, 

und swä du weize und ander körn 

hin wirfest, swenne daz üf gät, 

so birt niur distelen die sät. 
6635 din zucker ie des smeckens pflac, 

daz enzunte sin nächsmac. 

din süeze die süret, 

din vröude die truret 

zu jungest an des endes zagel. 
6640 din sunnenglast des schüres hagel 

bringet mit ir schine: 

daz wol an Kiwallne 

wart ouch schin, den du betrüge 

und im daz helmel vür züge, 
6645 unz daz er leit des tödes not. 

nu liget sin werder sun ouch tot, 

Tristan, der liebe herre min, 

und Isot die künegin. 

sich, werlt, die hat din süezikeit 
6650 gecleidet in des tödes cleit." 

Do der getriuwe Kurvenal 
alsus mit clageworten quäl, 
inredes was achtende 
der herzöge unde trachtende 
6655 in grözem herzenleide, Bl. 150 d. 

wä man dise beide 

6624 kanstu kvrke F ducke 6625 faltecheit lester st. 6628 so 
si mit der O 6630 treüffestu O 6631 eyne r. 6632 wo F witze F 
weis O 6633 jn wirffest wan 6634 gebirt nit dan 6635 smacke"s O 
6636 vß entzean sin na gesmag 6637 dine 6638 dine O die fehlt F 
6639 zu lest 6641 jrem 6642 Riewaline 6643 bedrüges : vurzoges 
6644 berael F 6645 bit daz 6647 libe F 6649 Ach werelt dine FO 
6651 Da F getriwe F Ourneual 6653 jnr des F jnne des 6654 uerczog 
6656 wo F si b. 



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205 

gelieben solde begraben. 

nu hete ouch Marke sich erhaben 

üf den se von Kurnewal. 
6660 im tet der niuwe muntschal 

aber we von herzen 

und vüegete im leides smerzen 

und bitterliche swere, 

daz im entrannen were 
6665 Isot; daz redete über al 

daz volc aldä zu Kurnewal. 

dar umb der künic Marke 

vuor über se gein Karke. 

aber umbe welche geschieht 
6670 lsot hin vuor, des enweste er nicht. 

er wolde der küneginne 

und Tristane durch ir minne 

geväret haben ir lebens. p. 276 b. 

weiz got, daz was vergebens 
6675 und umbe sus: sie wären tot; 

sin neve Tristan, sin wip Isot, 

sin wip Isot, sin neve Tristan, 

die wären tot. der guote man, 

von Kurnewal künic Marke, 
6680 quam in die stat zu Karke. 

Dem herzogen Loveline 
wart schiere die kunft sine 
und an der stete bekant. 
er zogete gein im sä zuhaut 
6685 und sagete im in den leiden 
von den gelieben beiden, 
wie Tristan und die blunde Isot 
ieglichez durch daz andere tot 

6657 die gel. O 6658 het F hatte 6659 daz se Curnuwal Ö 
6660 tet im F 6662 vuget F 6665 redet O 6666 da O Curnuwal O 6667 
vmbe F 6668 daz se O 6669 vmb O 6670 hin füre O weste F enwist O 
6671 wolt F 6672 t r stande O die m. F 6673 han O irs O lebnes : v s gebnes 
F 6674 is was O 6675 vmb O 6676 t r stant O vfi sin F 6677 sin wip 
fettt O jsot vnd tr. O 6679 Cvrnewale F Curnuwal O 6681 h s zoge F louelin 
O 6682 schire F schier O künff sin O 6683 stat O 6684 d s zog. F zoch O 
so zuh. O 6686 geliben F 6687 wi F t T stant O hinwende O 6688 yglicher F 
jekelichs O druch F ander O 



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206 



in herzenliebe was gelegen. 
6690 Marke der künicliche degen 

ersiufzite innecliche und sprach: 

„we mir, w6 und immer ach! 

und sint sie tot, wie kumet daz?" 

der herzöge sprach: „daz kan iuch baz 
6695 Kurvenal bescheiden 

dan ieman von in beiden." 

den künic gein dem mtinster hin 

vuorten sie. da vant er in, 

den werden Kurvenälen, 
6700 in clegelichen quälen 

alclagende bi den töten dort, Bl. 151 a. 

der jämer unde jämers hört 

behüset hete in herzen. 

der künic mit herzensmerzen 
6705 alsiufzende vrägete in 

von Tristan und der künegin. 

Kurvenal vorsweic im nicht; 

er seite im alle die geschieht 

von ir vuore und von ir leben, 
6710 wie in der tranc wart gegeben 

üz dem glase dort üf dem se 

und wie die minne in tet so we. 

„von dem tränke der minne 

ir herze und alle ir sinne 
6715 wart in beiden enzunt, 

daz sie enmochten keine stunt 

die lenge von einander sin." 

dö er im von der künegin 

und ouch von Tristande p. 277 a. 



6720 



und im gesaget dannoch, 
wie Tristan zu Gamaroch 



6689 jn h. lieben waren F 6691 h^sufzit inneclichen F ersüfftzte in 
hertzen O 6693 kmt daz F komet 6695 Curneual 6696 yman F 6699 
Curneualen 6700 clegelichem 6701 vn clag. F 6703 bhuset het F 
hatte 6704 jn jamers sm. 6705 vraget F freget 6707 Curneual 
6708 sagete 6709 jrer für5 jre" leben Hier bricht die Handsdirift O 
ab 6712 se we 6718 da 6720 feldt in der Hs. 6721 geseit 



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207 



wart mit dem gelüppe wunt, 
und er ez allez im tet kunt 

6725 von ende zu ende: 
der vröuden enlende, 
der trostlose Marke, 
der clagete dö vil starke 
sines neven toten lip. 

6730 er clagete ouch daz süeze wip. 

„Owe!" sprach Marke, „Tristant, 
hetes du daz erste mir bekant 
und hetest die gelegenheit 
von anegenge mir geseit, 

6735 du süezer Riwalines barn, 
ich hetez allez undervarn; 
ich hete dinem libe 
gegeben zu einem wibe 
Isöten, mine vrouwen zart, 

6740 e sie mir getrüwet wart, 
so were ich überic gewesen 
der sünde und werit ir genesen." 
er clagete also clegelich, 
daz sie alle gemeinlich 

6745 mit im clagen begunden. 

der herzöge an den stunden 
clagete und Karsie, 
die süeze, valsches vrie, 
und die wizgehande Isöt, 

6750 daz die nicht mit den töten tot 
vor leide lac, daz ander zwar 
tet sie mit geberden gar. 

In disen leiden Lovelin 
pflac wol die nacht des gastes sin. 
6755 des morgens vruo die toten, 
Tristan und Isöten, 
man gar heileclich besanc. 
daz volc zum opfer allez dranc 



6728 da 6730 claget 6732 hettez du dez erst 6733 vü hettest mir di 
gelegeheit 6735 suzen 6736 hettez 6737 hette 6740 e se mir getruhet 
6742 sunden 6744 daz se 6748—55 di 67^1 zewär 



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208 



wol nach cristenlicher §. 
6760 dar nach truoc man sie zu der se; 

dem edelen künige Marke 

legte mans in sine barke. 

der vuorte sie dö beide 

mit grözer herzenleide 
6765 mit im heim zu Tintajol. 

burc und stat wart jämers vol p. 277 b. 

und clegelicher mere. 

der vrume und der gewere 

künic hete schiere besant 
6770 Kurnewäle und Engelant, 

vürsten und lantherren, 

die minren und die merren, 

bischove und preläte; 

die quämen alle dräte 
6775 gemeine hin zu Tintajol. 

ir aller herze jämers vol 

wart und clegelicher not, 

dö sie vernämen, daz Isöt 

was tot und ouch her Tristant 
6780 vor leide ir ieglicher want 

sine hende alweinende; 

die vrouwen ouch erscheinende 

wären clegeliche not: 

daz half 6t nicht, sie wären tot. 

6785 Nu liez der künic Marke 

wirken zw6ne sarke 

von edelem mermelsteine : 

den reinen und die reine 

vorworchte man dar inne. 
6790 der toten küneginne 

houbet man da schone 

mit zweier lande cröne 

in dem sarke schoenete, 

wan sie die gecroenete 
6795 küneginne was bekant 

von Kurnewal und von Engelant. 



6759 cristelich s 6762 legete 6763 da 6769 hette schüre 6770 engeulant 
6772 meren 6773 platen 6777 wurde 6778 da 6780 iglicfr 6796 engenlant 



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209 

Zu Tintajöle sie begraben 

wurden, als wir vernumen haben, 

üf der burc, nicht in der stat. 
6800 der künic die bischove bat 

und alle die preläten, 

daz sie doch gerne täten, 

ein clöster stiften aldä: 

a bestelle sente Maria, 
6805 sus wart daz clöster genant, 

daz mangem manne ist wol bekant. 

ich sage ez iuch, weit irs nicht enpern: 

ez heizet zu sente Merienstern 

in allen diutschen zungen, 
6810 da die zwei süezen jungen 

bestatet und begraben sin. 

künic Marke sich selbe dar in p. 278 a 

begap und Kurvenäle 

gap er dö Kurnewäle 
6815 daz künicrich und Engelant, 

die beide Kurvenäles hant 

dienten unz an sinen tot. 

Tristan und sin vrouwe Isöt 

nicht verre von einander 
6820 in zwein sarken glander 

lägen in der erden. 

üf Tristan den werden 

liez der künic üz erkorn 

pelzen einen rösendorn, 
6825 Marke, der sich dar het begeben; 

und einen grüenen winreben 

liez er üf Isöten 

pelzen, den zwein toten 

gelieben edele und höchgeborn 
6830 der winrebe und der rösendorn 

wurzelten schöne an der stunt 

ieglichem in sins herzen grünt, 

da noch der glüende minnetranc 

in den töten herzen ranc 



6797 Tyntaiol 6804 aUe TeUe sente Maria 6807 wolt 6814 da 6815 
eugenlaut 6817 dinten 6825 da 6820 geliben 6832 jglichem 

Bernt, Reinriob von Freiberg. -m 



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210 

6835 und sin art erzeigete: 

ieglich ris dö neigete 

dem anderen ob den grebern sich; 

und in einander minnenclich 

vlechten, werren unde weben 
6840 den rösenpusch und den winreben 

gar bescheidenlich man sach. 

als Thomas von Britänje sprach 

von den zwein süezen jungen 

in lampartischer zungen, 
6845 also hän ich iuch die wärheit 

in diutsche von in zwein geseit. 

Nu dar, ir werlde minner, 

sehet alle in disen Spiegel her 

und schouwet, wie in aller vrist 
6850 hin suchende unde genclich ist 

die werltliche minne! 

Isöt die küneginne, 

swie die in siner minne bran 

und in ir minne her Tristan, 
6855 ez nam doch swachez ende. 

ein ieglich cristen wende 

herze, muot und sinne 

hin zu der wären minne, p. 278 b. 

die unzurgenclich immer ist 
6860 wir cristen sulen minnen Crist, 

der von der megde wart geborn 

und uns den blüenden rösendorn 

bezeichent wol in aller stunt; 

der an dem criuze durch uns wunt 
6865 wart in den tot pinliche gnuoc; 

und der die roten rösen truoc 

mit bitterlichem smerzen 

durch uns an sinem herzen, 

an vtiezen und an henden. 
6870 wir cristen sullen wenden 

an in lip, sßle und unser leben, 

6836 jglich r. da 6842 britania 6848 spigel 6856 iglich 6865 pimcliche 
6866 di rosen rote 



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211 

wan wir ez sin die winreben, 

die üz im liez enspriezen er 

und uns der trüben vruchtber 
6875 hat gemachet, daz wir hän 

sin und Vernunft, nu ruofe wir an 

den vater des himelischen suns, 

daz er lä vlechten sich in uns 

den wären blüenden rösendorn, 
6880 Crist sinen zarten sun einborn, 

und uns die genäde gebe, 

daz wir alsam die winrebe 

uns vlechten wider in in 

und unser herze und unseren sin 
6885 in im verwerren und verweben, 

als man sach den winreben 

sich vlechten in den rösendorn 

über den gelieben üz erkorn, 

die in der liebe ir ende nämen. 
6890 nu sprechet amen, amen, amen! 

6873 ensprizzen her 6874 trovben 6877 hymelichen 6888 geliben 
6889 libe 



14* 



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Die Legende vom heiligen Kreuze. 



Grot aller güete, süezer Christ, 
du keiser aller künege bist 
und künic ob allen vürsten zwar, 
du vürste ob allen herren gar 
5 und herre ob aller herschaft: 
üz diner gotlichen kraft 
gevlozzen mit Ursprünge hat 
gar alle dine hantgetät, 
der himel ierarchien, 

10 die drie, die sich drien 
in drie, besunder ir ieglich, 
und in niun koere teilen sich; 
dar inne hat din gotheit 
mit manicvalter underscheit 

15 geschaffen vil der engel schar, 
die diner majestete clär 
lop ewiclichen immer geben, 
in diner krefte ouch sweben 
himel und erde und allez daz, 

20 dem din vrone gotheit maz 

sin leben, sin wesen und gestalt. 
die wunder sint so manicvalt, 
da mit du hast gewundert; 
iedoch hast du gesundert 

25 üz allen wundern sunderlich 
ein wunder dir got selb gelich: 
du spreche uz gotlicher kraft 
nach aller dinge geschaft, 
als die geschrift saget mir: 



2 allr häufig künig 4 fürst 5 her 7 yrsprung 8 dein 10 drey; 
dreyn 11 driw 12 kör 14 manig s vald 15 engl so meist 16 mayestat 17 
ewikleich 18 kraft 19 erd 20 frön 25 wund^ 27 spreht 28 ding 29 all div g.sagt 



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214 



30 „machen einen menschen wir, 
ein bilde nach uns gestalt." 
da bi prüeve ich, daz einvalt 
nicht ist gewesen din gotheit 
in ie wesender gwikeit. 

35 daz wort uns wol beweret hat 
din ewige trinitat, 
wan du spreche selb zu dir: 
„machen einen menschen wir!" 

Daz wort geschach, der mensche wart. 
40 menschlich natüre und menschen art 

enpfienc die creatüre. 

nach gotlicher figüre 

was gebildet ir gestalt. 

adel und wisheit manicvalt 
45 din geist dem menschen in goz; 

du täte in an gewalt so gröz, 

daz er nach dir, als ich las, 

des paradises vtirste was. 

swie schoene du machtest sin gestalt 
50 und im wisheit manicvalt 

gebe, dar zu richez adel, 

iedoch tet er einen tadel, 

daz er zerbrach din gebot. 

du barmherziger got 
55 erbarmetest erbermiclich 

über din creatüre dich: 

din einborn sun von himel quam, 

die selben form er an sich nam, 

die gefigüret was 
60 nach diner gotheit, als ich las, 

und mischte dine gotheit 

zu menschlicher bloedikeit. 

Got und mensche, herre Christ, 
du wärer got min schepfer bist. 



30 ain 31 pild nah vnser 32 prüf 34 besender 35 pebert 37 Sprech 
38 ain 39 ffisch 41 enphie 45 de mensch 46 tet 48 fürst 49 schön du 
machst 51 geb dar (gebessert aus daz) zn reichs 52 ain 55 erpanntest 56 
cfatur 58 selb 59 gefigurt 61 mischost dein 63 mensch herr 



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215 



65 so hat din menschlicher tot 
mich von Ewiger not 
mit dinem tiuren bluote erlöst, 
sus bin ich veterlicher trost 
diner gnaden lebende, 

70 so bist du wisheit gebende, 
aller wisheit ein begin. 
nu gip mir wisheit unde sin, 
so daz ich brenge üz latin 
von dem heiligen criuze din 

75 in diutsche wort so süeze, 
da von gelobet müeze 
werden din gotlicher nam 
und daz criuze lobesam, 
dar an uns din menscheit 

80 mit bitterlichem töde erstreit 
daz ewic immerwernde leben, 
läz dinen geist mir stiure geben, 
so sage ich schone in diser zit, 
wie daz holz gebenedit, 

85 din heiligez criuze lobesam, 
sin anbegin des Ersten nam 
und wie ez wuochs und dar zu wart, 
daz man dich, herre Jesus zart, 
durch unser sünde sluoc dar an. 

90 nu wise mich, so hebe ich an 
in dinem namen dise werc; 
ich künsteloser von Vriberc 
und sündehafter Heinrich 
spriche, als du, herre, lerest mich. 

95 Nach Adämes missetät, 

als mich die schritt gewiset hat, 
und er in süntlicher wise 
üz dem vrönen paradise 



67 plut 68 sust 70 gebend 72 in der Hs. nur vfi und vnd 73 p*ng 
74 chrawtz 76 w s de" mttzze dein g. 78 chrawtz lobsam 80 tod 81 wernd 
82 dein; stewr 83 sag ich schon 85 sein heiligs chrawtz lobsam 88 h s r 
89 stind 90 heb 91 nam 92 kunstloser vö fridewerch, das de vom Schreiber 
gelöscht 93 sündhaft' 94 sprich ; herr lerst 95 adams 96 srift geweist 98 fron 



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216 



wart vertriben, als ich las, 
100 und siner wßte nicht mer was 
wan ein kosten, ruofte er 
mit innecliches herzen ger 
an gotes barmherzikeit, 
als mir die schritt hat geseit. 
105 von gotes güete daz ergienc, 
daz er daz geltibde enpfienc, 
daz im got der genende 
vor diser werlde ende 
zu geben wolde sin bereit 
110 daz öle der barmherzikeit. 

In Ebrön daz tal Adam 
mit Even sinem wibe quam, 
da sin lip vil arbeit 
mit betruobtem herzen leit. 

115 Eva von Adam gebar 

zwene sün, als ich vür war 

mit der geschrift bescheiden bin: 

der eine sun hiez Käin, 

so was der ander Abel genant. 

120 nu wart in beiden bekant 
von recht gesatzten dingen, 
daz sie got solden bringen 
ir opfer üf den berc hin. 
Abel üz reines herzen sin 

125 brächte ein genemez opfer dar. 
got nam sines Opfers war 
Abels, wan er was gerecht 
und was mit vlize gotes knecht. 
ein snoedez opfer Käin 

130 brächte üz sins boesen herzen sin. 
daz was got widerzeme 
und gar ungen&ne. 
dö nu Käin daz ersach, 
daz an sime opfer daz geschach, 



101 rawft 102 innerkleichs 104 div srift sait 105 gut 106 gelübt 
107 gnend 108 werld end 109 ze g. wolt 112 weib kam 116 zwen 119 abl 
gnant 122 p^gn 124 rains 125 praht ain genems 126 seins 128 fleizz 
gots 129 snüds 130 pracht seius pösn 132 vngenem 133 da nu 134 sehn 



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217 



135 daz ez got ungen&ne was, 
er wart erzürnet, als ich las, 
und in dem herzen haz truoc; 
Abeln sin bruoder er ersluoc 
zu töde, als ich vernam. 

140 ir beider vater Adam 
dise untät schiere ersach: 
„seht, so vil übeles", er sprach, 
„von minem wibe mir geschieht 
bi got ich swere, daz ich nicht 

145 gemeinschaft mit ir tribe!" 
er was von irem libe 
gescheiden und gesundert 
ganzer järe hundert. 

Do wart im gekündet sider 

150 von gote, daz er aber wider 
gemeinschaft mit ir begienc. 
an Abels stat sie enpfienc 
einen sun Eva zuhant; 
der wart mit namen Seth genant. 

155 er wuochs und was, als im zam, 
dem vater vil gehörsam. 
dö Adam nu het gelebet 
und mit jämer überstrebet 
in Ebrön niun hundert jär 

160 unde zwei und drizic gar, 
dö wart er kranc von arbeit 
und ouch die kelde in überstreit 
und in von alder übergie; 
die natürlich hitze in verlie. 

165 über sin haken leinte er sich 
unde trürete inneclich 
und gedächte, daz er sach, 
daz boeser dinge vil geschach 



135 vngenem 136 erzürnt 139 ze tod 141 schier 142 vbls 143 weib 
144 ich sw s 145 treib : leib 148 g. jar geleich h. 149 Da öfter ßr dö ; ge- 
kündt 150 got 153 ain 154 nam b. gnant 157 nu gelebt 158 j. het Vbr 
strebt 159 ebro 162 kelt 163 altr 164 hitz 165 laint 166 trawrot 
jnnerkleich 167 gedacht 168 ding vil gschah 



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218 



und in der werlde wurden schin 
170 von den nächkomen sin. 

sin leit, sin trüren wart gröz, 
daz in sins lebenes verdröz. 

Seth sinen sun rief er dö 
unde sprach zu im also: 

175 „sun, ich wil dich senden hin 
zu dem engel Cherubin, 
der vor dem paradise stat. 
die ttir des lebenden holzes hat 
der engel in der huote sin 

180 mit einem swerte viurin." 
dö ez der sun vernumen het: 
„vater, ich bin bereit", sprach Seth, 
„zeige mir den wec und sage mir, 
waz ich süle werben dir 

185 gen dem engele, daz sprich." 

der vater sprach: „sage im, daz mich 
verdrieze mines lebens nu 
und bitte in vliziclichen du 
unde sage im daz von mir, 

190 daz er enbiete mir bi dir 
die ganze gewizzenheit 
des öles der barmherzikeit, 
daz mir min schepfer gehiez, 
do er vertreip und verstiez 

195 mich üz dem paradise." 
in so getaner wise 
Seth üf die vart sich het bereit, 
als mir die schritt hat geseit. 

Der vater lerte in unde sprach: 
200 „in jenes gertines ende", er jach, 
„dort da die sunne üf gät, 
da vindestü ein grüenez pfat; 
daz vüeret wol bescheidenlich 



169 werlt 172 lebiis 173 sein 176 engl cheruin 178 holczs 179 hut 
180 swert 181 vhioffl 183 zaig; sag 184 süll 185 engl 186 sag 187 
verdriezz meins 189 pitt 189 vfi sag 190 enlnet 191 gantz gw. 192 öls 
197 het fehlt 199 lert 200 in Jens grtins end er gah 201 snnn 202 gruns 
203 fürt 



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219 



zu dem paradise dich. 

205 daz du den wec kennest baz, 
so wil ich dir sagen daz, 
und bis gewarnet hie mite: 
du vindest dürre vuoztrite; 
die selben vuozstapfen sin 

210 min und der muoter din, 

die an dem wege dürre bliben, 
dö wir wurden vertriben 
in süntlicher wise 
üz dem vrönen paradise. 

215 so gröz die sünde wären, 
die uns den jämer baren: 
swä unser vüeze hin träten, 
da wir sie nü getäten, 
daz da kein grüenez gras 

220 nicht enwuochs." do Seth nu was 
gewarnet von dem vater so, 
gen dem paradise do 
von sinem vater er gienc; 
und er den rechten wec gevienc, 

225 er erschrac in dem herzen sin 
von des paradises schin 
unjl wänte der gehiure, 
ez wSre ein glüendez viure; 
iedoch wan er gewarnet was 

230 von dem vater, als ich las, 
mit dem zeichen minniclich, 
daz was vil nähen gelich 
dem heren Tetragrammaton, 
in guotem wege da von 

235 quam Seth der reine wise 
hin zu dem paradise. 

Und in ersach Cherubin, 
von dem wege vrägte er in 
unde waz er schüefe da. 



205 kennst 207 gwarnet hie mit 208 dürr fuz trit 211 weg dürr 
pelibfi 214 fron 215 sünd 217 füz 219 grüns 220 n. wuchs d seth 221 
gewarnt 222 p. er do 224 guink 227 want der gehewr 228 wer ain glünds 
fewr 232 nahen fehlt 231 weg 235 koffi; rain 238 weg fragt 



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220 

240 Seth dem engel antworte sä: 

„min alder vater Adam jach: 

von krankeit lide er ungemach, 

sins lebens in verdrieze ser. 

er hat gesant mich zu dir her; 
245 er ruofet inneclich zu dir, 

daz du im enbietest bi mir 

die rechte gewizzenheit 

des öles der barmherzikeit, 

daz im der herre got gehiez, 
250 dö er in treip unde stiez 

üz dem schoenen paradise." 

Cherubin der engel wise 

sprach zu Seth: „nu ge hin vür 

zu des paradises tür 
255 und habe niur daz houbt hin in 

und nicht in§r des libes din 

und sich mit volliclicher gir 

und merke, waz daz si, daz dir 

erschinet in dem paradise." 
260 Seth, Adämes sun der wise, 

tet, als in der engel hiez; 

daz houbt er zu der tür in stiez 

und sach sulche wunne, 

daz allez menschlichez kunne 
265 nicht da von gesprechen mac: 

bluomen, vrüchte und süezen smac 

mangerleie sunder zil. 

er horte ouch süezer doene vil; 

als ein brehendez golt vil clär 
270 daz paradis erlüchte gar. 

Mitten in dem paradise 
sach Adämes sun der wise 
einen brunnen lüter gar, 
dar üz runnen vier wazzer clär. 

240 engl antwurt 242 leidet er vngmah 243 v s drewzt 245 ruft in- 
nerkleich 247 recht gwizzehait 248 öls 249 d^got 251 schön 255 hab 
256 leibs 258 merk 259 erscheint 260 adams 262 dacz d">tür 264 alls 
msleichs 266 pluffl frucht 267 manigerlay 268 hört 269 phends 270 erlaucht 
272 adams 273 ain 



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221 



275 der namen künde ich iuch gewis: 
Phison, Gion und Tigris, 
daz vierde heizet Eufrates. 
nu sin wir ouch gewis des, 
daz die selben wazzer clär 

280 die werlt mit wazzer vüllen gar. 
ob dem brunnen sach er stän 
einen boum, vil este dar an; 
der was michel unde gröz, 
rinden unde loubes blöz. 

285 dö begunde gedenken er, 

war umb der boum so blöz wer, 
und gedächte ouch hie mite 
an die dürren vuoztrite. 
er gedächte: „von der missetät 

290 diser boum ouch dürre stät 
und von den Sünden, die getan 
min vater und min muoter hän." 
Seth gienc zu dem engel sider 
unde seite im daz hin wider, 

295 waz er het gesehen da. 

Im gebot der engel sä 
Cherubin und hiez in, 
daz er gienge wider hin 
zu der türe; daz geschach. 

300 der guote Seth aber sach 
bi dem blözen boume ligen 
einen slangen, der gedigen 
an einem klöze alumbe was. 
des erquam er, als ich las, 

305 und gienc aber wider dar 
zu dem engel lichtgevar. 
zu dem dritten male sän 
hiez in der engel hin wider gän. 
des dritten mäles er quam 



275 künd ich ew gwys 277 vierd haizzt 278 gwis 280 füllst 282 
ain; est 284 lawbs wz er ploz 285 pegund 287 gedacht; mit:trit 289 
gedacht 290 dürr 293 gie; wid s 294 vn set 298 gieng 299 tür 300 gut 
301 pawm 302 ain sl. d s waz gedign 303 kloz al vmb 304 erkom 305 gie 
307 mal 309 mals er k. 



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222 



310 zu der tttre wunnesam. 

dö sach er unde nam des goum, 
daz der e genante boum 
an siner hoehe sich zöch 
vaste üf in den himel hoch. 

315 zu aller obrist wart im sclün 
üf dem boume ein kindelin, 
sam ez Srste were geborn, 
und was daz kindel üz erkorn 
in tüechlin an den stunden 

320 gewickelt und gebunden, 
dö erz gesach, er erquam. 
gßn der erde, als ich vernam, 
kerte Seth die ougen sin. 
dö sach er unde wart im schin, 

325 daz des boumes würzen zwar 
reichen in die hellen gar 
durch die erde an den grünt, 
dar inne wart im kunt 
Abels sele des bruoder sin, 

330 die leit da jämer unde pin. 

Des dritten mäles gienc er hin 
zu dem engel Cherubin 
und seite im, daz er da sach. 
gar minniclich, der engel sprach, 

335 also begunde ers im verjehen: 

„daz kindel, daz du hast gesehen, 
daz ist gotes sun vttr war, 
und sage dir daz offenbar, 
daz er iezunt beweinet 

340 und weinende bescheinet 
der grözen Sünde missetat, 
die süntliche begangen hat 
der vater und die muoter din 
unde muoz beweinet sin. 



310 ttir 312 gnant 314 vast 315 ze allr 816 pawm ain kindlein 
317 erst wer 318 kind 820 gewiklt 321 gsach 322 erd 823 kert 825 dac 
fehlt pawms 327 erd 828 dar inn 329 sei 331 mals gie 388 sait 885 
begund es 837 gots 838 sag 839 bewaint 340 waind beschaint 841 sünd 
342 suntleich 344 pewaind 



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223 



345 her nach wenn die volkomenheit 
kumt siner zit", daz wart geseit 
von Cherubin dem engel sint: 
„gotes sun, daz zarte kint, 
daz diner eitern Sünde treit, 

350 ist daz öle der barmherzikeit, 
daz git got den eitern din 
und den nächkomen sin; 
daz ist, als ich dir hän geseit, 
der wären liebe miltikeit." 

355 D6 Seth nu üf der vart 

von dem engel berichtet wart 
und von im wolde scheiden dan, 
er gap im driu körnel sän; 
die wären von der vrucht bekumen 

360 und üz dem apfel genumen, 
da von sin eitern den tot 
äzen unde liden not. 
der engel im begunde sagen: 
„wenn du in disen drien tagen 

365 kumest zu dem vater din, 
so nimet er daz ende sin. 
wenn er denn gestirbet 
und lebenes verdirbet, 
so lege die körnel im in munt, 

370 die enspriezen sä zustunt 

dri boume, die sint genennet sus: 
der eine heizet cedrus, 
cipres der ander ist genant, 
der dritte pinus ist bekant. 

375 hie bi uns got bezeichent hat 
sin 6wige trinität: 
den vater bezeichent cßdrus, 
den sun der cipressus, 
der pinus zeichent den heiligen geist 



346 wirt gsait 347 emgl 348 gots 349 sünd 354 lieb 356 beriht 
357 wolt 358 körnilein Barn 359 bekoffl : genoffi 361 elter 362 litfi 363 
pegund 365 kraust 366 nempt; end 367 gestirbt 368 lebfis verdirbt 369 
leg div körnlein 370 enspriezznt sa ze st 371 pawm; gnant 372 ain haizzt 
373 gnant 374 dritt 376 ewig 377 Absatz 



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224 



380 mit eigenlicher volleist, 
daz sult ir merken alsus: 
rechte als der cedrus 
verhoehet boume manicvalt, 
alse ist der vater an gewalt 

385 hoch ob allen dingen gar; 
der cipres süezen smac zwar 
gar ob allen boumen treit, 
der uns des sunes süezikeit 
vil wol bezeichent hat; 

390 und der pinus in vrüchte stät, 
der so gar vil kerne birt, 
da bi uns bezeichent wirt 
des heiligen geistes gäbe, die 
manicvalt ist und was ie. 

395 Seth in geliickes wege quam 
wider zu sinem vater Adam; 
und er im allez daz tet kunt, 
daz er von des engeis munt 
het gehört, dö vroute er sich; 

400 der vater lachete inneclich. 
nu seit die schrift mir also, 
daz niur zu einem male vrö 
Adam wart bi dem leben sin. 
als im die vröude nü wart schin 

405 und er het gewizzenheit 
des Öles der barmherzikeit, 
er rief gen gote unde sprach: 
„herre, mich genüeget", er jach, 
mins lebenes der sele min." 

410 er starp und nam daz ende sin 
Adam an dem dritten tage 
nach des engeles sage, 
und er den tot genumen het, 
in Ebrön begruop in Seth 



381 m. aus 382 recht 383 für höhet pawm 384 also 388 suns 390 früht 
391 kern 393 gab 395 gelüks weg 396 sein 399 ghört ea frawt 400 lachot 
401 set 402 mal 404 frawd 405 gwis hait 406 öls 407 got 408 herr m. 
genügt er gah 409 lebens 410 end 411 tag : sag 412 engls 413 gnoffl 



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225 



415 und die erwelten körnelin 

leite er im under die zungen sin 
dem toten vater in den munt 
dar üz in vil kurzer stunt 
gewuochsen und ensprungen 

420 und über die erde enslungen, 
als die gotes kraft des twanc, 
die gertel einer eilen lanc. 
die gertel stuonden an der stunt 
gewurzet in Adämes munt 

425 von Adam unz an Noe. 

mir hat die schrift gesaget me, 
daz sie stuonden wunnesam 
von Noe unz an Abraham, 
von Abraham unz gein den ziten, 

430 daz der Israeliten 

Möises der gotes degen 
begunde walten unde pflegen, 
diz was ein wunderlich geschieht: 
sie wuochsen noch enwuochsen nicht 

435 die gertel. also stuonden sie, 
ir griiene sie verluren nie. 

Mich hat die schrift gewiset des, 

daz der prophete Möises 

tet nach gotes gebot 
440 unde, als in hiez sin got, 

mit vorchte von Egypten schiet 

und die israelischen diet 

von Phäraönes zorn mit her 

vuorte über daz rote mer 
445 und Phäraöne misselanc, 

daz er und al sin volc ertranc. 

MöisSs in Ebrön quam. 

und er herberge da genam 

und er in der vesperzit 



415 körnlein 416 let; zung 420 erd 421 gots 423 gertl 424 gewurtzt 
in adams 425 htintz an 426 dsrift 427 wannsam 428 hintz an 429 hintz 
den 431 gots 432 pegnnd 434 noch wuchsfi 435 gertl 436 grün 437 
gweiset 438 pphet 439 gots gpot 441 vorht 443 pharaons 444 fürt; rot 
445 pharaon 446 alls 448 herberg da gnam 

Bernt, Heinrich von Freiberg. 15 



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226 



450 het daz volc gebenedit, 

dö erschinen im die gertelin, 
die Adam in dem munde sin 
stuonden. die begreif er do 
in gotes vorchte und rief also 

455 wissagende üz dem geiste sin: 
„werlich, dise gertelin 
die geben uns bezeichenheit 
der heiligen drivaltikeit." 
und als er die gertelin 

460 zöch Adam üz dem munde sin, 
nu wart so rieh ir brehender wäz 
und also rechte süeze, daz 
er daz her ervulte gar 
unde wänten sie viir war, 

465 sie weren, als ich hän vernumen, 
in daz lant des gelübdes kumen; 
wan von dem zeichen wurdens vr6. 
Möises die gertel do 
in ein reinez tüechel want 

470 gar heimeliche sä zuhant 
und gap in heimelichen ruom 
und hielt sie vür ein heiltuom 
also lange, als er was 
in der wüeste, als ich las. 

475 er vuorte sie mit im vierzic jär, 
swä er zogete her und dar. 

Und als aber eteswer 
in dem her, dirre oder der, 
von den slangen wart wunt 
480 und in icht war zu keiner stunt 
von wurmen vergifte vol, 
daz sie banlichen dol 
liten dort oder hie, 



451 gertlein 452 müd 454 gots vorht 457 gebfit 460 müd 462 alz 
recht stizz 463 daz her fehlt 464 si wantfi si 465 v*noffl 466 gelübts koffl 
467 wurdü si 469 rains tüchl 470 haimleich sa zeh. 473 als lang 474 wüst 
475 fürt 476 hin zogt her 477 etswer 478 diser 480 in ich wart (war 
bessert Lambel) ze 



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227 



zu dem prophfiten quämens ie, 
485 die gertel kustens an der stunt, 
da von wurden sie gesunt. 
und diz volc, als ich vernam, 
zu dem verboten wazzer quam, 
ich meine die israelisch rote, 
490 und sie scheltworten gen gote 
und gßn Moises dar zu, 
in sinem zorne sprach er nu: 
„hceret, ir wüetigen gar 
und ungeloubige vür war, 
495 müge wir nicht den stein gewinnen, 
daz uns wazzer dar üz rinnen?" 

Zuhant sluoc er den kislinc; 
reines wazzers ursprinc 
dar üz vlöz und entspranc; 

500 volc und vihe daz wazzer tranc. 
do daz wunder nü geschach, 
got Möisi erschein unde sprach: 
„Moises, durch die geschieht 
und dar umbe, daz du nicht 

505 geheiliget hast den namen min 
bi den liuten, die da sin 
die kint von Israel genant, 
dar umbe du nicht in daz lant 
des gelübdes vüerest die." 

510 „wer vüeret danne dar in sie?" 
sust Möisßs der guote jach, 
got antwurte im unde sprach: 
„ich lobe und tuo dir daz bekant, 
daz ir keiner in daz lant 

515 des gelübdes kumet me 
wan Calep und Josue." 

Hie bi Moises vernam, 

daz daz zil nähete und quam 



484 koms 485 an munt 487 al ich 489 main; rotto 492 zorn 493 
hört 494 vngelawbig 495 mtig 496 rinne 497 zehant 498 rains wazzer 
503 gschiht 504 vmb 505 geheiligt 508 vmb 509 gelübds fürst 510 fürt 
dann 511 gut 512 antwurt 513 lob 515 gelübds kamt 518 nahot 

15* 



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228 



sins endes, unde vuor zuhant 
520 under den berc Thabor genant, 
die gertelin, die wir hän 
e genant, der guote man 
pelzte in die erden dar. 
da bi gruop er vtir war 
525 ein grap und leite sich dar in 
und nam dar inne daz ende sin. 
an der stat die gertel gar 
stuonden gliche tüsent jär, 
als uns die schritt Urkunde git, 
530 unz an Dävides zit. 

Do die zehen hundert jär 
nü vergiengen vil gar 
nach dem töde ern Möises, 
künic Davit wart ermanet des, 

535 von gotes geiste daz quam, 
daz er vuor in Aräbiam 
hin zu dem berge Thabor, 
den wir genennet haben vor, 
und nam die gertel an der stet, 

540 da sie hin gepelzet het 
Möises der guote man, 
und vuorte sie mit im dan 
zu Jerusalem in die stat. — 
der alle dinc geschaffen hat, 

545 got, menschlichem kunne 
zu grözes heiles wunne 
het er dise gertelin 
geschaffen durch daz criuze sin! 

Künic Davit vuor hin und quam 
550 die richte in Aräbiam 

und vant die gertel alzuhant, 
als im der engel tet bekant. 



519 endfl ; zehant 520 gnant 521 gertl 522 gnant der gut 528 peltzt 
525 let sich drein 526 end 528 geleich 529 vrkünd 530 hintz an dauids 
531 Da nu die 532 nu fehlt 533 tod her 534 ermant 535 gots gaiat 537 
perg 538 gnennt 540 gepeltzt 541 gut 542 fürt 543 ze 544 all 546 
grözzs hails 547 gertlein 548 chrawtz 550 rieht 551 alzehant 553 erd 



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229 



üz der erden er sie brach, 

da von ein brehender smac geschach, 

555 süeze und wunderliche gröz, 
daz er und ieglich sin genöz 
und alle, die da wären 
und im dienest baren, 
des gelouben heten dö, 

560 daz sie geheiliget weren so. 
Davit ruorte sin seitenspil 
und herpfete süezer doene vil. 
des Zeichens wurden gewar 
die siechen in dem lande gar. 

565 der miselsüchtigen vil, 

touber und blinder äne zil, 
mit manigem siechtuom behaft, 
die quämen dar und von der kraft 
des heiligen criuzes gertelin 

570 von aller sucht, von aller pin 
wurdens an der stat gesunt 
unde riefen an der stunt: 
„uns ist hiute gegeben 
gelücke und seligez leben 

575 von des heiligen criuzes macht!" 
dem künige wise und wol bedächt 
wart von dem heiligen geiste schin, 
daz die erweiten gertelin 
solden hie üf erden 

580 got ein criuze werden. 

und als im diz wart bekant, 
mit vröuden vuorte er heim zuhant 
die gertel nach der schrifte sage; 
und er an dem niunten tage 

585 zu Jerusalem wider quam, 
er gedächte, als im zam, 
Davit dem künige guoten, 
wä er die heiligen ruoten 



555 süzz yfi wunderleich 556 da er 557 all 558 dinsts 560 geheilgt 561 
rurt 562 herpfet 563 gwar 564 land 566 an 568 koüi 569 krawtzs 573 hewt 574 
gelük vnd seligs 575 krawtzs 576 künig 577 gaist 578 gertlein 580 chrawtz 
582 fürt 583 die gertel fehlt schritt 584 na wn tu 585 ze 586 gedaht 587 künig 



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230 

hin nu pelzen möchte, 
590 daz iren wirden töchte. 

nü vant er ein zisterlin, 

da legete er die ruoten in, 

daz sie niur die nacht aldä 

legen und des morgens sä 
595 die gertel aldä neme, 

und welch stat in gezßme, 

daz er da hin pelzte sie. 

da mite was der künic hie 

und hiez zünden ob in vil 
600 schoener kerzen äne zil 

und satzte da bi huotman 

und liez die gertel also stän; 

die huotman liez er bi in 

der künic und gienc von in hin. 

605 Gotes kraft, die in aller vrist 

gewaltic und almechtic ist, 

die nie triegens hat gepflogen 

und nicht betriuget und unbetrogen 

wirt, die tet ir macht da schin 
610 und richtete üf die gertelin; 

gewurzet in des brunnen grünt 

wären an der selben stunt 

die drie in ein wurzel gar. 

Davit des Wunders wart gewar. 
615 und er diz zeichen ersach, 

Davit der künic dö sprach: 

„swaz Volkes üf der erden ist, 

daz vürchte got zu aller vrist 

mit wären vorchten inneclich, 
620 wan er ist gröz und wunderlich 

gar an alle den werken sin." 

nü wolde er die gertelin 

nicht erwegen von der stet, 

wan sie got selber da het 

592 legt 595 nem 597 daz feldt da er hin peltzt 598 mit 601 satzt 
604 gie 605 Gots 606 gwaltig 608 betrewgt 610 richtet; gertlein 611 ge- 
wurtz 612 waren fehlt 613 driv 614 gwar 617 waz volks 618 furcht; ze 
621 allfi 622 wolt; gertlein 



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231 



625 gepelzt mit heiligen Sachen, 
ein müre hiez er machen 
dar umb, als wir vernumen haben, 
und hiez die müre umbe graben. 

Die gotes erweiten ruoten 
630 die stuonden unde bluoten, 
die von got gepelzet wären 
und von Adam gebären, 
künic Davit ie über ein jär 
üz loetigem Silber clär 
635 hiez wurken einen starken reif; 
den boum er da mit umbegreif 
und in da mit gar vaste bant, 
durch daz im würde bekant 
und er da bi neme goum, 
640 wie vil der heilige boum 
ie wüechse über ein jär, 
daz er des würde gewar. 

Do nu drizic järe stunde 

hin quämen, Davit der begunde 
645 gröze riuwe erscheinen 

und sine sünde beweinen 

unde rief gen got alsus: 

„miserere mei, deus, 

got, erbarme dich über mich!" 
650 den ganzen salter inneclich 

volbrächte er und begunde 

zu büwen an der stunde 

durch abläz siner missetät 

zu Jerusalem in der stat 
655 gotes tempel. dar an 

Davit der guote man 

worchte vierzehen jär. 

er was ein man sündic gar, 



626 mawr 627 vhioffl 628 mawr vmb 629 gots 631 gpeltzt 633 vb 
ain 635 ain 636 vmb 637 fast 638 burd 639 nem 640 heilig 641 wüchsch 
642 wtird 643 jar stund 644 hin kofii ; begüd 645 grozz rew erschein 646 
sein sünd bebain 649 erparm 651 volpraht; begund 652 ze pawn; stund 
653 sein 651 ze G55 gots templ 656 gut G57 worcht 



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232 

dar umb des got nicht wolde 
660 von im, daz er solde 

bfiwen im sin hüs aldä, 

unde sprach zu Davit sä: 

„du büwest min hüs mir nicht zwar, 

wan du bist ein Sünder gar." 
665 „wer denne?" sprach er, „herre min." 

„Sälomön der bruoder din." 

Davit der vernam gar eben, 

daz er nicht lenger mochte leben, 

und hiez zu im kumen dar 
670 von der stat die eltisten gar 

und sprach zu in vil schone: 

„nu sagent Sälomöne, 

daz in got erwelet hat." 

Davit der starp. von der stat 
675 huop man in üf und truoc in 

in der künige garten hin; 

dar inne wart er begraben. 

Sälomön, als wir vernumen haben, 

nu richsnete in Jüdä. 
680 den tempel volbrächte er da 

mit vröuden unde büte gar 

dar an zwei und drizic jär. 

Do gotes tempel was volkumen, 

als wir haben vernumen, 
685 des betehüses wercman 

und swaz er mürer mochte hän, 

den lesten träm, des in not was, 

nü envunden, als ich las, 

in Libanö noch anderswä, 
690 in keinem walde hie noch da 

in alle dem künicriche. 

dö twanc sie dürfticliche 

rechte nötdurft dar zu, 

659 wold 661 pawn 663 Absatz pawst 665 denn; herr 668 moht 
669 körnen 673 erweit 676 künig 677 dar inn 678 yhioffi 679 reichsnot 
680 yolpraht 683 gots templ ; koffi : vernoffi 685 pet hawses 686 mocht 687 
des 1. 688 nu fundn 690 kaim wald 691 allem 



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233 



daz sie den boum ab hiwen du, 

695 des Davit also schöne pflac, 
an dem menschliche selde lac. 
dar üz wart ein herlich träm. 
dö man den selben balken nam 
und legete in hin an sine stat, 

700 als mir die schritt gesaget hat, 
dö was er kurzer einer 
eilen dan ir keiner 
der träm und was e lenger vil 
an der rechten mäze zil. 

705 ie so man den selben träm 
her abe von dem werke nam 
und legete in zu den balken hin, 
so vundens einer eilen in 
lenger dan keiner, der da lac. 

710 dö man des dristunt pflac, 

daz man in üf zöch und ab nam, 
dö erschräken die wercman. 
von dem gebenediten träm 
sie santen nach dem künige sän; 

715 daz wunder tätens im bekant. 
Sälomön der künic zuhant, 
der üz erweite gotes degen, 
hiez in hin in tempel legen, 
nu vuoren aber die wercman 

720 in den walt hin wider sän, 
Libänus also heizet er. 
sie suochten hin unde her 
und vunden einen schoenen stam, 
der in rechte und eben quam 

725 zu dem werke, daz sie 
got solden volbringen hie. 
sust wart der gotes tempel, 
der heilikeit exempel, 



695 schon 696 mensleich 698 da ebenso 701 710 712 u. ö. 699 legt; 
sein 700 gesait 704 mazz 705 Absatz 706 her ab; werk 707 legete fehlt 
713 gebenedictn 714 künig 715 tetn si 716 zehant 717 anz erweit 
gots 721 haizzt 723 ain schon 724 recht 725 werk da 726 yolphigil 
727 gots 



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234 



volbrächt mit vröuden schöne 
730 von dem künige Sälomöne. 

Eins siten man in der zit pflac: 
swaz lande und kiinicriche lac 
umb Jerusalem dort und hie, 
dar üz daz volc gemeine gie 

735 zu der stat in den ziten 
der Jerusälemiten. 
den tempel erte wip und man; 
got sie dar inne betten an. 
an einem tage daz geschach, 

740 als mir die wäre schrift verjach, 
daz volc unzellichen vil 
äne zal und äne zil 
in den gotes tempel quam 
und erte den heiligen träm. 

745 Nü was, als ich hän vernumen, 
in daz goteshüs kumen 
ein wip, die hiez Maxillä 
und bette mit den andern da. 
ungewonlich sie gesaz 

750 üf daz holz, nü geschach ir, daz 
ir kleider an den selben stunden 
brinnen als ein werc begunden. 
dö nü daz wunder geschach, 
die vrouwe erschrac, dö siez ersach ; 

755 sie rief in grözem grimme 
mit wissagender stimme: 
„Jesus, min got und herre min!" 
die stimme gienc zu den ören in 
den Juden unde hörten sän, 

760 daz sie rief Jesum an. 

sie sprächen, sie were vür war 
eine unreinerin gar 
wider irs gelouben kraft 
mit dem tiuvele behaft. 



729 schon 730 künig salomon 732 land vü künigreich 734 gmain 
737 ert 738 dar inn 730 aim tag 740 wäre fehlt 742 an 743 gots 744 
ert 745 vernom 74G gotshaws chomen 749 vngewenleich 750 gschah; 
ebenso 753 754 fraw 757 herr 758 gie 759 hortens an 7G1 wer 7G2 ain 764 tiefel 



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235 



765 Üz der stat sie vuorten die 
vrouwen und versteinten sie. 
die ist die ärste martrerin, 
die marterliches tödes pin 
in J§su namen ie geleit, 

770 als mir die schritt hat geseit. 
ein gröze schar der Juden quam 
und den vil heiligen träm 
zugens üz dem tempel hin; 
in einen wiher wurfens in, 

775 der was genennet aldä 
piscinä probaticä. 

er was trüebe und unsüber gnuoc, 
wan man dar inne wuosch und truoc 
iegliches Juden töten lip, 

780 wenn sie gesturben, man und wip. 

Nu wolde got, als ich vernam, 
den selben boum lobesam 
der heiligen edelkeit 
nicht läzen darben, als uns seit 

785 die schritt und uns Urkunde git. 
ie zwischen des tages dritter zit 
und der sechsten so quam 
von himel ein engel lobesam 
in den wiher aldar 

790 und erwegete daz wazzer gar. 

swelch siecher in den wiher quam 
nach der bewegung heilicsam 
des ersten, der wart sä zustunt 
von sinem siechtuom wol gesunt. 

795 des Wunders wurden gewar 
die Juden unde giengen dar, 
den boum üz dem wiher hin 
zugens unde machten in 
zu einem Stege über einen bach. 



766 frawn 767 erst 768 marterleichs tods 771 grozz 774 ain 775 
gnant 776 probratica 777 trttb 778 dar in 779 jegleichs 781 wolt 782 
lobsam 783 edlkait 785 vrkünd 786 tags dritt 7S8 engl lobsam 790 erwegt 
792 nah bew. heiligam 793 der ersten; sä fehlt ze st. 799 Absatz steg 
ybr ain 



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236 



800 dö daz geschach, iederman sprach: 

„ob deheine heilikeit 

disez holz an im treit, 

die wirt mit den vüezen hin getan 

der Sünder, die dar über gän, 
805 vertilget und vernichtet gar." 

nu lac der träm aldä vür war, 

als uns die schrift Urkunde git, 

so lange unz an die zit, 

daz gen Jerusalem quam 
810 vür den heiligen träm 

von osterlanden Sibillä 

und wolde hoeren aldä 

des küniges wisheit. und sie quam 

vür die stat gar wunnesam 
815 zu dem tör, da der träm lac, 

unde sich zu gSn verwac 

zu dem selben tör hin in, 

nu sach daz holz die künigin. 

sie bouc sich unde bette ez an 
820 daz selbe holz heilicsam. 

Üf huop die küniginne guot 
die kleider; über den bach sie wuot 
mit iren beiden vüezen bar 
und neic mit dem houbte dar 

825 unde sprach wissagende, 

die wärheit nicht verdagende, 
wider sich selber in der vrist: 
„gerichtes zeichen kumen ist, 
da von wirt die erde zwar 

830 in sweize naz und viuchte gar." 
dö sie mit Sälomöne vil 
von manigen Sachen äne zil 
gesprächet, dö vuor sie zuhant 
heim wider in ir eigen lant. 



801 ob kain 802 ditz 803 gtan 807 vrkünd 808 lang hintz 810 von 
dem 812 wolt 813 künigs 816 ze 819 pet 820 selbe fehlt 821 künigin 
824 hawpt 825 weissagend : v s dagend 828 gerichts; kofii 829 erd 830 
swaizz; fawht 833 gespracht; zehant 



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237 



835 Der träm lac unz an die vrist, 
daz unser herre Jesus Christ 
die marter liden solde 
durch uns, als er wolde. 
dö Jesus unser herre zart 

840 nü dem töde erteilet wart 
und die Juden trachten 
und in ir herzen achten, 
welcher wise, in welcher not 
er liden solde den tot, 

845 dar umbe daz die jüdisch schar 
und daz volc gemeine gar 
sprach, man solde criuzigen in: 
suochen giengen sie hin 
ein criuze. dö daz geschach, 

850 einer under in dö sprach 
an der selben stunde 
mit wissagendem munde: 
„den küniclichen boum nemt ir, 
der da lit, und volgent mir, 

855 dort uzen vor der stat!" 

die Juden duchte guot sin rät. 

Daz dritte teil hiwens abe 

des heiligen boumes, als ich habe 

ez wol geschriben vunden, 

860 und machten an den stunden 
dar üz ein herlich criuze gar; 
daz het, als ich ez vür war 
vunden hän da von geschriben, 
nach der lenge eilen siben 

865 unde nach der twerche dri. 
die wäre schrift uns da bi 
ouch also gesaget hat: 
zu Kalvarie an die stat 
Christ unser tröst ez truoc, 



835 hintz 836 herr 837 solte : wolte 839 h s r 840 tod erteilt 842 
jren 843 weis 844 solt 845 vmb 846 gmain 847sp s chfi; ßolt 849 chrawtz 
daz gesch. 851 stund :mund 856 dawht 857 dritt; ab:hab 858 pawms 
861 chrawtz 864 leng 865 twirhe 



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238 



870 dar an man in mit nageln sluoc 
und marterten in dar an 
zu seiden alle den, die hie hän 
rechten gelouben in Christ, 
der sinem vater worden ist 

875 unz in den tot gehorsam, 

den tot des criuzes, dem ie zam 
und zimet richez lop und ßre 
von ewen zu ßwen immer mera 

Hie hat diz buoch ein ende. 
880 got uns sin heiligen geist sende, 
got müeze unser immer pflegen 
mit des heiligen criuzes segen! 



871 martrotfi 872 ze s. alln den die 875 hintz jn 876 chrawtzs 
877 reichs 878 v. ebfl ze ebn jmm s mer 879 end :send 881 mttzz 882 chrawtzs 
Am Schlufs: Amen dz werd. 



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Die Ritterfahrt 
des Johann von Michelsberg. 



ich(?) ... ge . . 

.... von(?) . . gen 
5 . . n pris 

ris 

«<?)' 

be(?) 

sol 

10 ge(?) wol 

des (ich) in vremden landen hän, Bl. 373 a. 

ob ich icht guotes tichten kan, 

Beheim, von diner ritterschaft 

und von den herren tugenthaft, 
15 des küniges man in Beheimlant. 

Die schrift der buoche uns tuot bekant, 
waz Parzival, Iwein, Gäwän 
ritterschaft gepflogen hän, 
her Erec unde Gamuret, 
20 Wigalois und Lanzilet, 

margräve Wilhelm und Titurel. 
zu den recken ich wol zel 
den armen ritter Tristant, 
wan mir daz ist von im bekant, 

v. 1—10 Palimpsest auf Bl 90 c, Zeile 37 bis 90 d, Zeile 6; von der 
zweizeiligen (roten) Überschrift noch die Endbuchstaben k : sperk lesbar 11 ich 
fehlt 14 vnde sonst noch 19 112 115 135 151 217 229 247 294 307 16 buch 
17 Gawin.Ywan 19 Erec vdHagen] ecke 20 Wigoleys . Lancilet 21 tytorel 
23 der arme r. albrant 



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240 

25 daz er ein guoter ritter was. 

Athis und Profilias 

nach ritterschefte strebten, 

mit stSten triuwen lebten, 

in ritterlicher werdikeit. 
30 mit ritterschaft die lant erstreit 

der künic Alexander; 

Schionätulander, 

der reine junge telphin, 

der tet daz ofEenlichen schin, 
35 daz er nach ritterschefte ranc, 

als in ir minne des betwanc, 

Sigünen der vil reinen maget. 

des hän die buoch uns vil gesaget 

und ist äne zwivel uns bekant. 

40 Nu blüet ein helt in Bßheimlant, 

der un& werlich erzeiget hat, 

daz er mit ritterlicher tat 

hat so hohen pris erkrigen, 

daz sin name ist vür gestigen 
45 den vor bekanten recken gar. 

min lazzer munt nicht offenbar 

kan sin ritterschaft volzeln; 

doch sol min sin dar üz erweln 

von dem hSrren eine tat, 
50 da mit er erworben hat 

in allen landen hohen pris. Bl. 373 b. 

In Frankriche ein stat Paris 

in riehen wirden ist erkant. 

dar quam der helt üz Beheimlant 
55 nach äventiure geriten; 

enpfangen nach herlichen siten 

wart da der erenriche gast. 

daz im muotes nie gebrast, 

daz erzeigete er da wol. 
60 an einem tage, als ich sol 

25 gut 26 Atus 28 trewen 31 kunich 32 Tschionatulander 37 mait 
38 ditz haut ; gesait 39 in zwifel 44 nam 48 daz vz 50 do mit 52 frank- 
rich 54 kom; behem 55 aventeyre 59 erzeiget 



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241 

iuch nu künden offenlich, 

dö der künic von Frankrich 

in einem tiergarten 

mit den vrouwen zarten 
65 in vröuden wolde enbizen, 

der gast begonde sich vlizen 

mit richer koste dar an, 

wie er gezieret üf den plan 

so ritterlichen queme, 
70 daz iz wol gezeme 

dem edelen künige in Beheimlant, 

in des lobe der wigant 

were in vremde lant gevarn. 

Üf einem tebich der edel barn 
75 mit vriem muote satzte sich; 

dö wart der helde ritterlich 

in sine hosen geschuot. 

sin vrecher ritterlicher muot 

im allez trüren swachte, 
80 in vröuden im dö lachte 

daz herze durch die ougen. 

ach, wie die minne tougen 

mit dem wigande ranc! 

vrevellichen üf spranc 
85 der tiure gast vil werde. 

herlicher geberde 

tet der helde vil da schin. 

ein spaldenier glänz sidin 

was im prislich da bereit, 
90 dar ob im schone wart an geleit 

ein silberwizer halsperc, Bl. 373 c. 

dar an lac meisterlichez werc 

von kleinen sarringen; 

den begonde twingen 
95 ein plate meisterlich beslagen; 

solde sie zu strite hän getragen 

her Wigalois der küene man, 



61 Ev. 62 kynich 65 vrevden immer wol enbeizzen : vleizzen 67 kost 
73 wer 76 helt 79 travren 85 tewer 87 helt 88 spalderin 96 si ze 97 wigoleye 

Bernt, Heinrich toq Freiberg. 40 



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242 



dö er den argen wurm Phetan 

durch Larien willen ersluoc, 
100 sie were meisterliche gnuoc 

geworcht von riehen plechen. 

dem erenrichen vrechen 

zu dem selben male 

von rotem zindäle 
105 wart gesant ein wäfenkleit, 

da riche kost hete an geleit 

ein vrouwe mit ir wizen hant, 

dar in der tiure wigant 

wart gar ritterlich gekleit. 
110 ouch was des heldes ors gereit 

wol nach sines herzen gir; 

kovertiure und lankenir 

dar üf geleit gar wunnencliche, 

dem wäpenrocke geliche, 
115 und meisterlich gezieret, 

prislich gefurrieret 

mit niuwen vedern hermelin. 

ouch gab von golde lichten schin 

des herren satel wunnenclich, 
120 dar in mit vriem muote sich 

der helt gar ritterlichen swanc. 

von golde wunnencliche erklanc 

sin zoum und sin gereite gar. 

sin heim von grüenem stahel klär 
125 gab lichten spiegelvarben schin; 

ein kränz prislichen guldin 

gleste üf des helmes kröne, 

dar in gestecket schöne 

vergulter gires vedern vil, 
130 dar an gehangen äne zil 

von golde wunnenclich talier. Bl. 373 d. 

der minnen zeichen, ein slogier, 

vlouc ob des gires vederen, 

den man da sach vlederen 



100 si w. meisterlich genuk 102 den 106 het 108 teyre 110 yts 
112 koyertevr 117 newen 118 gäbe 122 wunenklichen 125 gäbe 127 glest 
133 yederu : vledern 



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243 



135 gelsiden unde wol geworcbt. 

der tiure degen unervorcht 

den heim gar ritterlichen bant. 

einen schilt der wigant 

gevienc gar prislichen, 
140 gevazzet wunneclichen 

mit grüenen borten sam ein gras; 

des Schildes velt bezogen was 

mit niuwen röten marderkeln. 

sol ich die wärheit nicht enheln, 
145 so tuon ich offenlichen schin, 

daz dar in wiz hermelin 

ein gender lewe was gesniten. 

Do wol nach ritterlichen siten 
der helt zu velde was gereit, 

150 die liute nach gewonheit, 
kint, man unde vrouwen, 
liefen zu durch schouwen 
den helden lobebere, 
sam ob dar kumen were 

155 ein tier üz einer wilde. 

sin banier, glich dem schilde, 
die snurrete in dem winde, 
ob ich iz allez vinde, 
daz mir wart von im gesaget, 

160 so sol iz bliben unverdaget, 
von mir zu rime unverholn. 
zwelf kerzen gröz alsam die boln, 
die wurden vor im dö zustunt 
mit viures vlammen enzunt, 

165 die so schone brunnen, 
daz sie der lichten sunnen 
nähen benämen iren glast. 
Frankrich, da reit din werder gast 
in ritterlichem schine. 

170 von einem baldikine 



136 tevwer 139 gevie 143 nevwen 146 hermlin 147 ginder 148 Da 
150 levte 153 der helt 154 ob der komen 156 banyr 157 snurret 163 ze 
stunt 164 fevwers 167 nohen 170 paldikine 

16* 



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244 

wart im ein himel erbracht, Bl. 374 a. 

üf vier schefte gemacht 
gar schone zu den ziten. 
dar under sach man riten 
175 den herren muotes vrien. 
tambüren, schalmien, 
die gäben vor im süezen schal; 
hin reit der niuwe Parzival 
üf ritterlicher eren pfat. 

180 Daz povel volgete vür die stat 

im in den tiergarten, 

da mit den vrouwen zarten 

der künic von Frankriche was. 

dö wart gebreitet üf daz gras 
185 gar schöne ein niuwer baldikin, 

dar üf keklich daz ors sin 

da mit allen vieren trat. 

da hielt der helt an einer stat 

in ritterlicher werdikeit, 
190 biz dem künige geseit 

wurden dise mere, 

daz üf den hof were 

ein gast so ritterlichen kumen, 

daz nieman hete e vernumen, 
195 daz da in Frankriche 

were also ritterliche 

gesehen ein creatiure, 

als ob üz einem viure 

der tiure degen rente 
200 und ob in vlammen brente 

allez sin gewete 

und sich gezieret hete 

zu künstlicher ritterschaft. 

mit gedanken dö behaft 
205 des edelen küniges herze wart. 

doch nicht lange wart gespart, 

daz der künic ritterlich 

178 nevwe 180 volget vor 183 kvnich von frankrich 185 schon ein newer 
p. 186 vre 193 komen 194 hete vernomen 196 wer 198 fevre 199 tever 
202 geziret 204 da 206 wart fehlt 207 kvnich 



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245 

hiez in ir wftfen zieren sich 

zwßne ritter üz erweit, 
210 die zu den besten gezelt 

wären in Frankriche, Bl. 374 b. 

die man so ritterliche 

mit ile dar zu rüste, 

daz zu der riehen tjuste 
215 den herren nichtes gebrast. 

von dem povel wart der gast 

vil an gegagert und gekaft, 

wan er sich zu der ritterschaft 

so schöne hete gezieret. 

220 Indes geleisieret 

quam ritterlichen üf den sant 

von Beiole Anschorant, 

ein üz erweiter ritter guot, 

den ouch ritterlicher muot 
225 bi sinen tagen nie gemeit, 

des name in ritters werdikeit 

was vil manigen tac gestigen. 

„hald üz! hald üz!" wart da geschrigen 

lüte und wunnencliche gnuoc. 
230 die tambüre man dö sluoc. 

den helden wart man wichen; 

die ors gar keklichen 

mit den houbten nikten. 

die helde prislich schikten 
235 die Schilde vür die brüste. 

zu ritterlicher tjuste 

stuont ir beider herzen ger. 

dö die harren hßten die sper 

zu handen gevangen, 
240 die ors begonden prangen 

mit Sprüngen üf dem sande. 

vintlich die wigande 

begonden dö ir houbet wegen, 

als die guoten ritter pflegen, 

210 dem 220 geleysiret 221 kome 229 wunenklich genvk 230 da 
231 wart gewichen 232 6rs; ebenso 240 



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246 



245 swan üf der ritterschefte pfat 

vrou Minne sie betwungen hat 

und git ritterlichen muot. 

man sach gein ritter ritter guot 

vintlich gebären üf dem plan; 
250 ouch liezen da zusamne gän 

die beide so nitliche, Bl. 374 c. 

daz man daz ertriche 

sach biben von ir orse louf. 

mit hurte quämen sie zu houf 
255 in ritterlichen eren, 

als sie wol künde leren 

nach gewonheit ir kurtois: 

der Beheim stach den Franzois 

kreftlich mit ellentricher hant 
260 daz im des siges wart bekant 

von dem ritter üz erkorn. 

des Walchen ors dö was verlorn, 

daz zöch der Beheim mit im hin; 

daz was ein prislich gewin 
265 dem erenrichen gaste. 

Ein lützel er dö raste, 

biz engegen quam gerant 

Grinet der ander wigant, 

ein helt von Normandie, 
270 von des kavalerie 

gezieret was Frankriche. 

den stach so krefticliche 

der tiure gast üz BSheimlant, 

daz sich gein sin selbes hant 
275 des herren sper mit krache kloup. 

der ritter viel, der melm dö stoup 

von des Walchen valle. 

dem Beheim wart mit schalle 

dö ritterlicher pris gegeben. 
280 daz ors gar äne widerstreben 



245 wan 248 gegen 250 ze 253 vre 254 komen sie zeh. 256 kvnden 
257 kvrtevs : frantzevs 262 walhen vre 267 kom 272 der 273 tewer 274 

gegen 275 der 277 walhen 279 ritterlich 280 vre; an 



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247 

zöch der herre mit im hin. 
dö im der pris und der gewin 
was gegeben äne tadel, 
dö erzeigete er sin adel: 
285 die ros den herren sante er wider, 
den heim gezogenlichen sider 
der tiure degen abe bant. 

Dö er hete volant 

prislich die ritterlichen werc, 
290 dö wart der von Michelsberc, 

der herre üz Beheimlant Johan, Bl. 374 d. 

gar wunnenclich gekaffet an 

und im eren vil erboten 

von dem künige und von den roten 
295 siner ritter lobesam. 

swaz ouch den vrouwen gezam 

zu wirden dem ritter guot, 

daz erzeigete wol ir muot: 

dem herren durch sin werdikeit 
300 üz röten munden wart geseit 

minnenclicher habedanc. 

ob sin minne ir keine twanc, 

da getar ich nicht gesprechen abe. 

ich sage, als ich vernumen habe, 
305 daz im der künic gab zu der stunt 

des grözen turneis hundert pfunt 

und ein ors michel unde starc, 

daz schatzete man an hundert marc, 

und ander kleinöt ungezelt. 
310 sust wart begäbet der helt 

durch sine ritterlichen werc. 

Ob ich Heinrich von Friberc 
sine ritterliche tat, 
die der helt begangen hat, 
315 mit worten nü volsage nicht 

284 erzeiget 285 sant 287 tewer 288 het 290 Michelsperk 292 ge- 
kapfet 293 wart vnd 296 waz 298 erzeiget 300 gesait 302 deheine 303 
ab 304 sag; yernomen hab; abe: habe im Palimpsest Bl. 92c, Zeile 19 f. 306 
der gr. 307 vrs 308 schätzet 310 begobet 311 sin 



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248 



und min getichte gar enwicht 
gein des herren wirden si, 
iedoch enwirt min herze vri 
des willen zu deheiner stunt, 

320 ich entuo mit Worten kunt 
mer siner ritterlichen tat. 
ob nü min lazzer munt nicht hat 
sin ritterliche werdikeit 
vollenpriset noch volseit, 

325 daz sol er läzen äne haz 

durch sine zucht und ouch durch daz, 
daz vrou S§lde hat gegeben 
mit den besten, die nu leben, 
dem helde ritterlichen pris; 

330 des hat er vil grözen vliz. 



317 gegen 318 jdoch 319 keiner 320 jch U 321 mere 324 sait 
326 sin 330 Am Schlufs: am. 



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Das Schrätel und der Wasserbär. 



Swer hovelicher mere ger, Bl. 371a, Zeile 9. 

der neige herze und öre her, 
dem gibet dise äventiure 
ein lachen zu stiure. 
5 ich lache ouch, swen des wirt zit, 
ob sorge mir die muoze git, 
der wan sorge ie muoste pflegen. 

Nu hoert, wie der von Norwegen, 

ein künic edel und höchgeborn, 
10 eime andern künige üz erkorn, 

an adele sime genözen, 

an richeit dem grözen 

und an gewalt dem starken 

künige von Tenemarken 
15 sante einen zamen wazzerbern. 

zwar ich wil iuch der wärheit wem: 

er was der wizen einer, 

ein grözer, nicht ein kleiner. 

dem beren dö gegeben wart 
20 gein Tenemarken üf die vart 

ein wegewiser villän, 

von dem lande ein Norman, 

der in vüeren solde 

und sin durch miete wolde 



Überschrift Ditz ist Ton einem schretel ynd von einem wazzer bern. 
1 wer 3 aventevre 4 ze stevre 5 wen 7 der ich von sorge 8 nv hore 
10 einem 11 sinem 13 vnde ane ; vnde sonst noch 24 28 44 56 105 108 115 
124 136 154-59 175 243 259/*. 287 319 335 350 19 bern in der Hs. durchaus; 
da meist 



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250 

25 schone üf der selben verte pflegen. 

hin vuoren sie von Norwegen 

über den s6 den starken 

und quämen zu Tenemarken 

in des edelen küniges lant. 
30 dö sie von Stade üf den sant 

quämen beide, dirre und der, 

des beren meister und der ber, 

des beren pfleger nam den bern Bl. 371b. 

bi der lannen, hin vuorte ern. 
35 er sümte deine sinen ganc, 

wan in der äbent des tages twanc, 

daz er ilte vaste 

gein herbergen durch raste. 

er gächte sere durch gemach, 
40 unz daz er ligen vor im sach 

ein schoene dorf; da hin kerte er; 

im volgete an siner hant der ber. 

Do er in daz dorf quam, 

dö sach er wit und wunnesam 
45 in einem hove guot hüsgemach. 

und er den hof so schoenen sach, 

er dächte in sinem sinne, 

da seze ein ritter inne 

oder sus ein guoter hande man. 
50 dar kerte der villän 

mit dem beren sän zuhant. 

den wirt des hoves er da vant 

gar trüric vor dem hove stän; 

er was ein guot einvaltic man, 
55 von arte ein rechter gebüre. 

swie ofte im harte und süre 

wart sin lipnar mit not, 

er gab doch guotlich sin bröt 

ietslichem, der sin geruochte 
60 und in mit züchten suochte. 

25 schon 30 da 33 Absatz 34 vurt 35 sovmte 41 schön 42 yolgte 
43 kein Absatz 44 da 51 tzehant 55 art; gebower 56 wie ofte im wart 
vnde so wer 57 wart fehlt 59 itslichem 



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251 

Mit dem beren der Norman 

den wirt dö grüezen began. 

der wirt im dankte schone; 

er jach: „daz iuch got löne!" 
65 und hiez in willekumen sin. 

er sprach: „vil lieber vriunt min, 

durch iuwer zucht tuot mir bekant, 

waz tieres vüeret ir an der hant? 

ist die selbe creatiure 
70 gehiure oder ungehiure? 

daz eisliche kunder, 

ist ez ein merwunder? 

muoz ich mich vor im vürchten icht?" Bl. 371c. 

der Norman sprach: „nein, hßrre, nicht; 
75 ez ist ein zamer wazzerber. 

min herre, der künic, sante in her, 

der erenriche von Norwegen; 

disem küniclichen degen 

hat er in zu presant 
80 her gesendet in diz lant, 

dem ich in vüeren und bringen sol. 

vil lieber wirt, nu tuot so wol, 

als iuwern tugenden si geslacht, 

und lät mich mit iuch über nacht 
85 bliben under dache 

in iuwerm hüsgemache." 

Der guote Tene einvaltic 

sprach: „ich bin ungewaltic 

des hüses und des hoves min." 
90 der Norman sprach: „wie mac daz sin?" 

des antworte im der wirt zuhant; 

er jach: „des tiuvels välant 

und sin gespenste ist zu mir kumen 

in minen hof und hat benumen 
95 mir, swaz ich vröuden ie gewan. 

mit nichte ich daz ervaren kan, 

62 da 70 gehevre oder vngehyre 76 sant 78 kvniclichem 79 ze 80 
ditz meist 86 hvsgeraach 91 antwort; zehant 92 tevfels 95 waz; vrevdeu 
ebenso 352 9G niht 



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252 



waz creatiuren ez si. 

sin hant ist swßr alsam ein bli: 

swen ez erreichet mit dem slage, 
100 swie gröz er si, swie starc sin clage, 

ez sieht in, daz er vellet nider. 

sine gestalt und sine gelider, 

die enmochte ich leider nie gesehen, 

wan daz ich des vür war muoz jehen 
105 und sage ez iuch zu wunder, 

daz ich gevriesch nie kunder 

so starc noch so gelenke: 

tische, stüele und benke, 

die sint im ringe alsam ein bal. 
110 ez wirfet üf und zu tal 

die schüzzeln und die topfe gar, 

ez rumpelt stete vür sich dar. 

ovenbret und ovensteine, Bl. 37 Id. 

körbe, kisten algemeine, 
115 die wirfet ez hin unde her. 

ez get 6t allez daz entwer, 

swaz ist in dem hove min. 

nu habe ouch ich die vreise sin 

unde sin untät gevlogen 
120 und habe mich gar von im gezogen, 

des ich mich an iuch selben ziehe. 

seht, min gesinde und al min vihe 

hat ez her üz von im getriben 

und ist aleine drinne bliben. 
125 von im ich grözen kumber dol. 

vil lieber gast, ir seht ouch wol, 

daz mir hüsrät ist wilde. 

ich hän üf diz gevilde 

vür disen hof gehüttet; 
130 zustoeret und zurüttet 

ist leider al min hüsgemach." 

Der gast gezogenlichen sprach: 
„vil lieber wirt, daz ist mir leit. 



99 wen 100 wie; ez 101 er sl. 103 die mocht 105 ze 110 er; ze 
113 ovenbrete 117 waz 118 hab 120 hab 121 zich:yich 124 dar inne 
129 vor 130 ze 



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253 

lät mich durch iuwer hovischeit 
135 und durch iuwer zucht hin in 

und lät mich hint darinne sin. 

waz ob mir lichte hilfet got, 

daz der tiuvel und sin spot 

und sin trucnüsse mich verbirt?" 
140 „turret irz gewägen", sprach der wirt, 

„ich gans iuch innenclichen wol. 

ob ich die wärheit sprechen sol, 

so dunket ez mich tumplich." 

der Norman sprach: „nu stiuret mich 
145 und minen beren mit spise; 

ich dunke iuch tump oder wise, 

ich wäge ez, swie mirz halt ergät." 

„sint ir sin nicht weit haben rät", 

sprach der wirt, der guote man, 
150 „ich teile iuch mite, swaz ich hän; 

min einvaltigez armuot, 

vil lieber gast, daz nemt vür guot." 

der wirt ez im guotlich erbot: Bl. 372a. 

er gab im bier unde bröt, 
155 vleisch, rüeben unde salz; 

er gab im eier unde smalz 

und vrischer butern gnuoc da mite 

zu spise nach des landes site, 

und sinem beren einen wider, 
160 der im doch süre gnuoc wart sider. 

der gast im seite grözen danc. 

er nam die spise und den tranc; 

in gotes namen dö gienc er 

hin in den hof, mit im der ber. 

165 Der guote man von Norwegen 
tet vür sich des gotes segen. 
hin gienc er in ein bachhüs. 
er achte deine üf sulchen grüs, 
als im der wirt da seite. 

136 hient 138 tevfel 141 gan ez 144 stevret 145 mit der 147 wagez 
wie 153 Absatz 158 ze 160 sower 161 saite 163 da 166 Tor 167 bakhys 
168 dein 169 saite 



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254 

170 ein viure er bereite, 

als im der hunger geriet; 

sine koste er söt und briet. 

dö nü die koste was bereit, 

er az und tranc und was gemeit 
175 und gab ouch sinem beren gnuoc. 

dar nach die müede in dar zu truoc, 

daz er sich leite üf eine banc, 

und der släf in des betwanc. 

der ber was von dem gene laz. 
180 dö er im gnuoc des widers gaz, 

er leite sich bi daz viure nider; 

im wären müede sine glider. 

Dö nü der guote man gelac 

und släfes nach der müede pllac 
185 und ouch der müede ber entslief: 

hoeret, wie ein schretel dort her lief, 

daz was küme drier spannen lanc. 

gein dem viure ez vaste spranc. 

ez was gar eislich getan 
190 und hete ein rötez keppel an; 

daz ir die wärheit wizzet: 

ez hete ein vleisch gespiezet 

an einen spiez isenin ; Bl. 372 b. 

den truoc ez in der hende sin. 
195 daz schretel ungehiure 

sich satzte zu dem viure 

und briet sin vleisch durch lipnar. 

und ez des beren wart gewar, 

ez dächte in sinem sinne: 
200 „waz tuot diz kunder hinne? 

ez ist so griulich getan, 

und sol ez bi dir hie bestän, 

du muost sin lichte schaden nemen. 

nein, blibens darf ez nicht gezemen. 
205 ich hän die andern gar verjaget; 

170 fewer 172 kost 173 da; kost 175 genvc 177 leit; ein 179 bere 
181 leit; fewer 183 da 187 kovme 188 fewer 190 het 192 het; gespizzet 
193 spiz 195 vngehiwer : fiwer 201 grevlich 



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255 

ich bin ouch noch so nicht verzaget, 

ez muoz mir rümen diz gemacht 

nitlich ez üf den beren sach. 

ez sach 6t dar und alles dar; 
210 zulest erwac ez sich sin gar 

und gap dem beren einen slac 

mit dem spieze üf den nac. 

er rampf sich unde grein ez an. 

daz schretel spranc von im hin dan 
215 und briet sin vleischel vürbaz, 

unz daz ez wart von smalze naz. 

dem beren ez aber einez sluoc; 

der ber im aber daz vertruoc. 

Ez briet sin vleischel vür sich dar, 
220 unz daz ez rechte wart gewar, 

daz nü der brate süste 

und in der hitze brüste; 

den spiez ez mit dem braten zöch 

vaste üf über daz houbet hoch; 
225 daz boese tuster ungeslacht 

sluoc üz aller siner macht 

den müeden beren über daz mül. 

nu was der ber doch nicht so vül, 

er vuor üf und lief ez an; 
230 daz schretel im dö nicht entran. 

er begreif ez mit den tatzen, 

bizen, krimmen unde kratzen 

begonde er ez so grimme, Bl. 372 c. 

daz iz in grimmer stimme 
235 und überlüt engestlichen schrS: 

„we, hßrre, we! we, herre, we!" 

swie deine im wären sine gelider, 

ez was doch starc und greif hin wider 

dem müeden beren in den giel. 
240 ez zuzerrete im den triel; 

ez beiz, ez kratzte in unde kram, 

daz er vor zorne lüte erbram 



207 rovmen 210 ze lest 212 spizze 217 den 219 Yleisch 223 spiz 
230 da 237 Absatz wie 240 zv zerret; griel 241 tratzte 



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256 



und schrei in grözem grimme 

sin angeborne stimme, 
245 die also grimmiclich erhal, 

daz allez daz da von erschal, 

daz in dem witen hove was. 

ob ir ietwederz da genas, 

vür war, daz was ein wunder. 
250 der ber und diz unkunder 

begonden grimmiclichen toben; 

iezunt lac daz schretel oben, 

bi einer wile lac ob der ber. 

sie wielkenz hin unde her. 
255 die zwene kampfgeverten 

sich beide vaste werten. 

nu bizä, biz! nu limmä, lim! 

nu kratzä, kratz! nu krimmä, krim! 

si bizzen unde lummen, 
260 sie kratzten unde krummen 

einander also grimmiclich, 

daz alse harte ervorchte sich 

des beren meister, daz er vlöch 

und in den bachoven kroch. 
265 er kroch hin in und sach her vür 

gar trüric üz des ovens tür; 

er luogete üz dem luoge 

und sach die gröze unvuoge, 

die an dem beren da geschach. 
270 daz was sins herzen ungemach. 

Daz schretel mit dem beren vacht 
vil vaste hin gein mitternacht. 
zulest er ez doch überwant; Bl. 372 d. 

ez vlöch von im und verswant. 
275 war ez quam, wer weiz daz? 
der ber was von dem strite laz; 
er leite sich üf den estrich wider 
und raste die kampfmüeden lider. 
der Norman sach wol dise geschieht: 



262 als 264 bakoven 267 lvget 270 sines 274 er 275 waiz 277 leit 
278 der k. 



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257 

280 er quam öt üz dem oven nicht. 

mit vorchten er dar inne lac, 

unz daz er sach den lichten tac. 

dö alrerst kroch er her vür 

gar ruozic üz des ovens tür. 
285 do er üz dem oven quam, 

sinen beren er do nam 

und vuorte in üz dem hove hin vor. 

der wirt des hoves stuont vor dem tor; 

dem gaste er guoten morgen bot. 
290 er het gehört wol dise not, 

die in dem hove da geschach. 

der guote wirt guotlichen sprach: 

„und lebet ir noch, vil guoter man?" 

„ja, sint mir got des lebens gan, 
295 so lebe ich gerne vürbaz." 

zu vil geredet, waz touc daz? 

mit kurzen Worten überslagen, 

er dankte im gröze, horte ich sagen, 

und nam urloup. hin gienc er; 
300 mit im gienc der zukratzte ber. 

Der guote wirt, der villän, 

dö sinen pfluoc rüsten began. 

des pflac er unde was sin site, 

wan er betruoc sich da mite. 
305 er vuor üf daz gevilde hin 

durch siner lipnar gewin. 

sinen pfluoc er dö enpfienc, 

zu acker er da mite gienc. 

er mente sin ochsen, hin treip er. 
310 nu lief daz schretelin dort her 

und trat ob im üf einen stein. 

mit bluote wären sine bein 

berunnen üf und zu tal. Bl. 370 a. 

sin libel daz was über al 
315 zukratzet und zubizzen; 

zuzerret und zurizzen 

282 liehten 283 da 286 da 287 vurt 293 lebt 296 ze 298 groz 
hört 300 ze 302 da 308 ze 310 schretel 313 zetal 315 ze kratzt vnd ze b. 
316 ze rizzen 

Berat, Heinrieh ron Freiberg. 17 



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258 

was sin keppel, daz ez truoc. 
ez rief eislich und lüte gnuoc 
unde sprach dem büman zu; 
320 ez rief wol dristunt: „hoerst duz, du? 
hoerst duz du? hoerst düz iedoch? 
lebet din gröze katze noch?" 

Er luogete fif und sach ez an. 

sust antworte im der büman: 
325 „ja, ja, mine gröze katze, 

dir zu trutze und zu tratze 

lebet sie, du boesez wichtel, noch. 

sam mir daz öchsel und daz joch, 

vünf jungen sie mir hint gewan; 
330 die sint schoene und wol getan, 

lancsitic, wiz und herlich, 

der alden katzen alle gelich!" 

„vünf jungen?" sprach daz schretelin. 

„ja!" sprach er, „üf die triuwe min! 
335 louf hin unde schouwe sie, 

dun gesehe so schoener katzen nie. 

besieh doch, ob ez war si!" 

„pfi dich!" sprach daz schretel, „pfi! 

sol ich sie schouwen? w§ mir wart. 
340 nein, nein, ich kume nicht üf die vart. 

sint ir nu sechs worden, 

sie begonden mich ermorden; 

die eine tet mir 6 so w6. 

in dinen hof ich nimmer m§ 
345 kume, die wile ich hän min leben." 

die rede quam dem büman eben. 

Daz schretel sä vor im verswant. 
der büman karte heim zuhant; 
in sinen hof zöch er sich wider 
350 und was da mit gemache sider; 
er und sin wip und sine kint, 
die lebten da mit vröuden sint. 

317 er tr. 318 genvc 319 bovmanne 320 hörest 321 hörest; jdoch 
323 lvget 324 antwort; bovman 326 ze 332 alten 334 trewe 335 lovfe 
336 dvnen ges. 340 kvm 346 bovman 348 bovman; zehant 



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Zur Textgestaltung. 



In den Texten wurde die Überlieferung, soweit es nur anging, 
geschont; auch die überlieferten Sprachformen wurden belassen, 
sobald nicht durch die sprachliche Untersuchung eine sichere 
Gewähr für Änderungen gegeben schien, so also auch Zeichen 
jüngerer Sprachentwicklung wie die, sie für diu usw., iuch nach 
beiden Hss. des Trist, für dat. und acc, die gleichmäfsige Be- 
zeichnung für alle e-Laute, wobei ich auf Einl. s. 90 f. verweise. 
Überhaupt wurde der Charakter der Hss. möglichst getreu be- 
wahrt und im Trist, ist in dieser Hinsicht die Hs. F mafsgebend 
gewesen. Also wellen, sullen, suln, umb, um, da mit und da mite, 
gän, stän auch mit e- Formen nach der Überlieferung s. Einl. 
1071; ähnlich begonde, konde, Jcünigin oder Jcünegin, auslautend 
b in vereinzelten Fällen. Auch in Rücksicht mundartlicher Er- 
scheinungen wurden der Überlieferung Konzessionen gemacht 
durch Beibehaltung der hsl. vor- für ver-, iz = ez, her = er, der 
i in den Nebensilben, des indic. ich werde usw. Doch wurden 
die praepos. vor und vür nach dem gewöhnlichen Gebrauche ge- 
schieden und die verallgemeinernden 5 in pronom. und conjunct 
(s. zu v. 139) durchgeführt sowie vrouwen und schouwen durch- 
gehends geschrieben. Gröfsere Änderungen erlitt naturgemäfs 
die späte Überlieferung der Legende durch Angleichung an das 
Hauptwerk. In der Hervorhebung der Abschnitte wurde möglichst 
die Überlieferung von F wiedergegeben, wenn auch die Absätze 
nicht immer wirkliche Sinnesabschnitte ergeben. Abweichungen 
wurden im Apparat des Trist, genau vermerkt. 

In Hinsicht der Apokope und Synkope konnte im allgemeinen 
der wohlerhaltene Stand der Hs. F zur Grundlage genommen 
werden, da er im ganzen dem Gebrauche des Dichters entspricht, 
s. Einl. s. 81—90. In einer kleinen Anzahl von Fällen wurden 

17* 



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260 

auf Grund dieser gesicherten sprachlichen Ergebnisse die vollen 
Formen hergestellt, in apokopierten Formen auch dort, wo z. B. 
vor folgendem vokalischen Anlaut metrische Apokope eintritt. 
Denn metrische Apokope beim Zusammenstofs zweier Vokale 
(s. Einl. s. 149) hat keinen Einflufs auf die sprachliche Form 
des Dichters und Heinrichs Sprache hat Apokope nur in engsten 
Grenzen gekannt. Übrigens sind diese Fälle gegenüber der Über- 
lieferung der vollen Formen selten. 

Die allergröfste Sorgfalt habe ich auf den Lesartenapparat 
im Trist, verwendet 1 ) und die vorliegende Ausgabe wird über 
die kleinsten Abweichungen in den Hss. Auskunft geben; so 
sollte dem in jüngster Zeit auftretenden Bestreben, in den Aus- 
gaben ein völliges Bild der Überlieferung zu geben, Rechnung 
getragen werden. Der Apparat verzeichnet darum jede Änderung 
vom Texte und kann auch dort für zuverlässig gelten, wo Bech- 
steins Anmerkungen (Germ. XXXII. 1 ff.) aus v.d.Hagens Kollation 
andere Lesarten bieten. In die Lesarten wurden auch ortho- 
graphische Verschiedenheiten einbezogen, wie vmb oder vm\ hette, 
hete, hatte, het\ manger, manic, manch] denne, dan, den, wenne, 
wan, want; da für do und umgekehrt; für F auch alle i, y für 
ie sowie alle Fälle von Zerdehnung in der zweiten Schreiber- 
hand und ähnliches. Aber auch für wurde jede sprachlich 
bedeutendere Form wie mime für minem, gesclieen für geschehen, 
obe für ob usw. vermerkt. 

Im folgenden werden zu einzelnen Versen sprachliche und 
kritische Anmerkungen zusammengestellt. Textbesserungen, die 
Heinrichs Dichtungen meinen Vorgängern zu verdanken haben, 
nehme ich meist ohne ausdrückliche Erwähnung auf: 

Tristan. 

81 und 3503 schepfer nach 1571. schepper. 

69 Singer schlägt Zfdph. 29, 73 vor mit herlichen triten geb. nach an 
gebornen siten. Der Vorschlag leuchtet fürs erste ein; doch mit Bücksicht 
auf den vieldeutigen Gehrauch des an geboren sowie auf v. 549 und Ritt. 56 
(vgl. Gotfr. 4046) sehe ich von einer Änderung ab. 



x ) Hier trage ich noch folgendes zum Apparate nach: 486 waget F. 
681 Instant 0. 1182 geniig 0. 1771 lifen F. 1831, 1841 permenie F. 1975 
mancher 0. 2157 int samit 0. 3135 henden 0. 3176 tristande F. 3290 en- 
wiüe 0. 3453 lesterlich 0. 3854 libes F. 3888 hie mit 0. 4107 vmbfing 0. 
4211 lang** 0. 4757 houesche 0. 4793 Brangene 0. 4927 gingen FO. 4992 
herczeliebe 0. 5066 Pstan 0. 5149, 6327 Curneual 5174 stymme 0. 6342 
getriw s F. 6352 triwe F. 6657 geliben F. 



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261 

77 zu genennet vgl. Einl. S. 102. 

89 Lovelin durchaus nach beiden Hss. Bemerkenswert ist, dafs der 
tschechische Tristan unter Heinrichs Einflufs Lowelin hat. Die ursprüngliche 
Form deutet w&Howelin vgl. Hertz, Trist, u. Isolde* 1901, s. 557. 

118 verwischt den feineren Unterschied zwischen ietweder und iegelich 
und gebraucht nur jekelich 132. 151. 152. 478. 914. 1785. 2141. 6599. ieglicher 
kennt natürlich auch F 2090. 2108. 2880. 2970. 2974. 3790. 4418. 4751. 6158. 
6688. ieglich im Reime 2843. 2965. Daneben tritt in F die Form iscMich, islich 
auf 1337. 1521. 1738. 1804. 1861. 2044. Danach ersieht man auch für F (ob 
auch für den Dichter?) partienweise wechselnden Gebrauch, im Anfang ietweder, 
später bis 2044 wechselnd mit üchlich, von 2090 angefangen fast ausschließlich 
ieglich. 

189 Das verallgemeinernde s nur noch F 1073. 4476; Schret. 150. 

141 f. fafst pflicht als verb., was den folgenden v. glatt macht. Doch 
kennt Heinr. nur pfliget, daneben wäre pflit möglich s. S. 102. pflicht (verb.): 
nicht wäre ein stark dialektischer Reim. Zur Phrase vgl. v. 1122. 

203 alle sine vuore nach FO s. Bechstein zur Stelle, der alle als md. 
erklärt. Vgl. 229. 996. 1128. 1398. 1410. 1525. 1531. 1691. 3017. 3638. 4939. 
5244. 6050. 6145. In auch 1426. 1552. Ebenso zu verstehen 3218. 5035. 
Danach auch 861. 2015. Leg. 621. 872. Ähnlich 2150. Leg. 691. 

234 uWichet, doch vgl. 295 FO. 

252 Man möchte mit sterren lesen ; doch vgl. 6808 sowie 295. 

261 Die Negation en- ist in ziemlich im alten Umfange erhalten. 
Dafs sie dem Dichter noch in voller Geltung stand, zeigt die Überlieferung 
von F, die, ziemlich gleichmäfsig verteilt, noch 49 Fälle aufweist, darunter 
auch Beispiele wie 2831. 3874. 4132. 4287. 4514. 5998, in denen wir en- 
in vermissen. 

262 rede in fast immer in der schwachen Form, vgl. 394. 441. 1108. 
1240. 1272. 2056. 2352. 3464. 3526. 3825. 4798. 4822. 5099. 6004. Nur selten 
stark, so 108. 1027. 2104. 3512. vgl. Einl. S. 115. 

263 vgl. Einl. 97 anmerk. 2. 

435 aJhie F — hie 0. setzt gern die einfache Form: da für alda 
5695. 6095. 6406. 6666 (umgekehrt 1131); dort für aldort 6125; hie für alhie 
435. 4955; danach wird man 5180 beurteilen, zumal alhie 971. 1263 nach FO, 
1037 nach steht. 

436 schreibt balde für schiere 436. 3710. 6001. 6163; doch schiere nach 
FO in mehr als 22 Belegen; balde in FO 1714. 4613. 6147. 6530; ganz aus- 
geblieben ist es in 5548. 

456 einem ergänzte Bechstein, doch vgl. Metrik S. 130. 

464 halt (F) müssen wir dem Dichter zurechnen, wenn wir auch über 
die Art, wie es in seinen Sprachschatz gekommen, im Zweifel sein können. 
Schret. 147 wird der Gebrauch durch Parallelen gestützt (Parz. 12, 2. 198, 29. 
267, 8. Ulr. v. Esch. Alex. 6871. 5095. 5260. u. o.). Tatsache ist, dafs Nord- 
westböhmen und die Gegenden südlich vom Erzgebirge in heutiger Mundart 
halt kennen. Dafs es dem Schreiber von nicht geläufig war, zeigt, dafs er 
es durch das indifferente oucJi ersetzt, 464. Ähnlich weicht dem Worte 
2294. 2411. 2740 aus; doch 738 scheint mir halt F nicht ursprünglich und das 
Richtige noch aus F ersichtlich, vgl. 994. 



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262 

471 Dafs mit alleynen gegen F einen bereits jüngeren Sprachgebrauch 
vertritt, geht auch aus v. 2661 hervor. 

512 F hochgesiet, sonst nur höchzit 543. 550. 553. 950. 975. 983. hogezit, 
wobei hoge wohl nur dial. Gestaltung des hoch ist. 

534 öt. Ahnlich dem halt (zu 464) ergeht es dem dt vermeidet es 
534. 592. 978. 2€04. 3154. 3319. 4237. 4790. 4898. 5016. 5302. 5880. 6137. 6265. 
6364. 6507 oder schreibt dafür jet 538. 1250. 

634 vmb, vmbe, vm, vmme stehen ohne Eonsequenz vgl. Einl. 10. Als 
dem Dichter eigen kann umme gelten, doch setze ich die Überlieferung von 
F ein, indem ich nach metrischen Bedürfnissen die ein- oder zweisilbige Form 
gebrauche, vgl. 775. 817. 839. 881. 917. 977. 1001. 1079. 1532. 1866. 1870. 2026. 
2201 usw. 

660 Tristane nach F auch 5405. 5597. 6162. 6177. 6672 sowie im Reim 
5395. Tristanne im Beim 3704. 6014, sonst nur Tristande, Tristanden häufig ; 
s. Einl. 159. 

670 armen schwach dekliniert, vgl. Einl. S. 114. 

693 ge- in gelich scheint wie in dem durchgängig herrschenden gnuoc 
(s. S. 89 Anmerk. 2) auch der Synkope zu unterliegen, vgl. 1348. 1957. 4831. 
Schret. 332 sowie im Versanfang 2706. 5101. 5170; unsynkopiert jedoch 1023. 
1319. 3916. 3924. Leg. 232. 26? 

703 irs nach 0, das 708 auch in F steht. 

742 vgl. Einl. S. 125 Anmerk. und Weinh. Mhd. Gr. § 333. vgl. gein c. 
accus. 817, wo F wider bietet, doch 2992 nach FO; in auch 5237. Weinh. 
Gr. § 335. 

747 l\er = er in F an verschiedenen Stellen s. Einl. 10. In heutiger 
Mundart in Nordböhmen als har ganz geläufig. Der Dichter hat natürlich, 
wenn er auch her gekannt haben mag, schriftsprachlich er verwendet. 

808 Wenn dächte gegen F gedachte überliefert 808. 826. 915. 992, so 
schreiben wir dies der lässigeren Behandlung des Textes durch den Schreiber 
zu (s. Einl. 15 f.), umsomehr als FO gedächte liest 969. 1503. 3429. Schwieriger 
ist es bei dem ähnlichen gezam, das 1008. 1196 überliefert, während F zam 
bietet; vgl. gezam FO 1277. 2232. Doch gebraucht der Dichter nach dem Be- 
dürfnisse des Verses auch blofs zam 1438, weshalb wir 1484 F gegen gezam 
folgen. 

861 alle den vgl. z. v. 203. 

884 Das Unikum undersprüen (F), von der zweiten Schreiberhand, ist 
mir bedenklich, umsomehr als undersniden (0) in dieser Verwendung ganz 
traditionell ist; vgl. Gotfr. 2539. Konrad Part. 2613. U. v. Türlin CXVI. 8. 
U. v. Eschenb. Alex. 12881 und die Stellen der Wörterb. 

948 Zwischen liep und lip unterscheiden die Hss. öfter nicht. Man liest 
hier in bi liebem übe, in F richtig mit liebem liebe, ebenso 998. Umgekehrt 
1120. Beide Hss. fehlen 1019. Umgekehrt 1538, wo lip gemeint ist, hat 
das Richtige. 

960 Die Deminutiva der Form — lin bevorzugt 0; vgl. 1586 stetel, steüin, 
ähnl. 4564. 4566. 4567, ja man kann 3782 mit F bluomen schreiben, wo 
blumelin bietet, vgl. 5969. (Umgekehrt 3758. 3779). Mit F wird man Jcüssel 
vorziehe» 4806. 4868. 4917. 4946, wo küssen liest, vgl. 4875 kussel nach FO 
und Einl. s. 45. 



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263 

1000 Zum Texte vgl. man 369. 1887. 4004 f. 4588 f. 

1027 Zur Überlieferung vgl. man Metrik S. 157 oben. 

1183 vü nach F — wol umb 0; vgl. 3471 und Einl. 117. 

1176 ist gleichsam terminus, vgl. schon E. Roth. 2590 der gähinder man, 
Roth. 2579 en ilinde man = Bote. 

1188 vgl. Einl. S. 12. 

1228 Dafs nicht geminnet F, sondern in Verbindung mit mitesam nur 
das sonst bekannte geminne gemeint sein kann, scheint zweifellos ; vgl. Gotfr. 
12948. 12955. 13094. 13471. Stand in der Vorlage geminnec? 

1866 Dafs die Interjektion hin, ahiu vermeidet, ersieht man aus 1604. 
1986. 4476. 

1622 Während einerseits das -e oder -en des adv. gerne wegläfst, so 
3513. 3791. 4145. 4511. 4770. 4949. 5259. 6393. 6439. 6595, überliefert es ander- 
seits unberechtigt -en, so 1522. 5976. Auch F schreibt unberechtigt -en 2825. 
3846. 4328. 5259. 5280. 6434. vgl. die Anmerk. zu Ritt. 100. 

1771 zu val vgl. Einl. S. 14. 

2055 Das md. krigen (s. S. 110) ist in Böhmen als sw. verb. im allge- 
meinen Gebrauche. 

2075 Auch preUen als intrans. verb. = abprellen (Bechstein zur Stelle) 
ist in Nordböhmen mundartlich ganz geläufig. 

2107 zu vgl. Einl. S. 14. 

2111 lantzen F gebraucht Heinr. nur hier, sonst sper. 

2138 zu heim vgl. Einl. s. 114. 

2189 Karidole in Rücksicht auf 2477. 6353. 6797 und andere Analogien 
(Kurnewäle usw.). s. Einl. 134. 

2281 mufs mit der Schreibung maisse (ä) einen Sinn verbunden haben. 
Die Überlieferung der Hss. ist identisch. Ich fasse die Sache, wie sie sich gibt. 
Mag auch über nemen „auf sich nehmen" eine jüngere Bedeutungsentwicklung 
sein, ausgeschlossen ist sie nicht. Also: „Als der König ein wenig gegessen 
hatte und es in der rechten Art (oder „nach Mafsgabe der Umstände"?) auf 
sich nahm, was ihm (bei Tische) zu reden oblag, da fragte er". 

2414 s. Bechstein znr Stelle Germ. XXXII. 25. Durch wari(c) F mit 
Apokope würde sich der Dichter eine sprachliche Freiheit zuschulden kommen 
lassen, die nur in gehüz (s. Einl. S. 84) ein Seitenstück hätte. Wart ist aber 
nur orthographisch für vart s. Einl. 5 Anmerk. Auch Heinrichs Nachbar I T lr. v. 
Eschenb. reimt nur üf der warte: beicarte: harte Alex. 10997. 11059. 

2558 Die Vermutung, dafs wir es mit subst. here zu tun haben, liegt 
nahe, doch kennt Heinr. nur herre s. Einl. S. 120. 

2687 Dafs nicht mit F inneclichen, sondern mit einecliche zu schreiben 
war, bezeugt 3433. F schreibt sonst innenclich. 

2987 Dafs dem Dichter die Nebenform dirre bekannt war, geht neben 
vorliegender Überlieferung von F (d^Jcvnic), die Schreibversehen ist, aus 2833. 
3413. 3496. Schret. 31 und daraus hervor, dafs 0, welches sonst nur duser kennt, 
4185 zu dür zu und 4543 dür liechter sonne schreibt. 

8003. 4325. 5148. 6099 (von) dan. Man wird F folgen; von dan über- 
liefern FO 5005. 4700 F hin dan y von dan. hin dan FO 389. 5383. 6055; 
im Versinnern 3309. 3415. 3G09. Ahnlich ist es mit der Überlieferung 5913 F, 
umgekehrt 3605. 



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261 

3010 Das ein subst. aufnehmende der fehlt in ziemlich regelmäfsig. 
vgl. 370. 680. 1418. 1494. 2438. 4121. 4346. 4538. 4660. 5488. 5498. 6236. 

3148 Daf8 Wörter, die ihm sprachlich fernerlagen, tilgte und durch 
näherliegende ersetzte, sehen wir vorzüglich in diesem Falle, als für alsam 
steht in z. B. 3148. 3265. 4595. 4601. 5997. 6518; als für das obd. sam 
4026. 4189. 4595. 5086. 5284. 5671. 5832. 5964. als in FO z. B. 5907. als für 
also hat 4344. 4422. so 4677. 5126. 5154. 5215. 5523. 5837. also aber in 
FO öfter, recht als in für als ob 1708. 

8224 Mit Rücksicht auf 3575. 6051 gevüde : wilde ist hier vorzuziehen, 
milde stf. steht bei Heinr. noch öfter vgl. 3382. 3505. Zu hin vasU (Bechstein 
vaste hin) vgl. 6052. 

3391 Dafs hätten an dieser Stelle nicht dem Dichter angehört, be- 
zeugt 3405 f. luten: hutten 0. hütte übrigens 567. 3415. 3611. 

3559 ros in FO kann echt sein, da goume netnen als fester Begriff gleichwie 
war nemen 4174 f. als Transitiv entwickelt sein kann; doch vgl. Leg. 311. 
ros kann aber rosses vertreten wie handschriftl. diz, duß 110. 416. 2644. 
4829 = dises. 

3633 vgl. Bechsteine Anmerk. Es ist nicht anzunehmen, dafs der Schreiber 
von gleich zwei so ansprechende Verse gebildet hätte, während dem Schreiber 
von F Derartiges zuzutrauen ist. Was leisten konnte, zeigen 2643 f. 3074 ff. 

3820 Dafs ducke erklärende Lesart ist, ist zweifellos. Die schwierige 
Überlieferung scheint mir Prof. J. Peters trefflichst geheilt zu haben, der mir 
empfiehlt kvtte als Schreib- oder Lesefehler für huste anzusehen. Vielleicht 
könnte ein Blick in Hs.F nachträglich das kvste auch feststellen. 

4458 umgeht die wunderbare Herkunft des Hündchens und nimmt 
aus 4460 Avalundcr, ähnlich 4503. s. S. 14. 

4486 drinne vgl. 5542. 

4900 Lambel macht mich aufmerksam, dafs Jellineks Besserungsversuch 
unz er erbat Beiträge 15, 431 mit Rücksicht auf die Lesart unnötig ist. 

5036 ist vorzuziehen, da diese Art der Weiterführung durch ein tem- 
porales und und die weitere Anknüpfung 5038 Heinrichs Stil so sehr entspricht 
(vgl. 367. 4101. 4444. 5173. 6108 u. o. und Paul Mhd. Gr.« § 350 Anm. 2), dafs 
sie dem Schreiber von nicht zuzurechnen ist. 

5183 Die ansprechende Deutung Bechsteins (biwiu) läfst sich mit Rücksicht 
auf F: piw tu nicht halten, während Interjektionen phiu f phuch bei Heinrich nichts 
Seltenes sind. Die Lesart von F gibt allerdings zu raten; hat phy. vgl. 
2855. 5391. Schret. 338. hiu, ahm 1366. 1604. 1986. 4476. Wegen der orthogr. 
Form piw vgl. in F ahiw 4476. ahiv 1604. 1986 und Einl. S. 5. 

5284 Bechstein hat mit seiner Vermutung blien berc im Hinweise auf 
Gotfr. 17851 gewifs recht. 

5352 Die Wortstellung nach wegen der vielfältigen Analogie des lieplich 
gnuoc bei Heinrich. 

5399 Zu bunne vgl. Einl. S. 121 ff. 

5408 Sowie gegen öt (v. 534) und gegen halt (v. 464) hat auch Ab- 
neigung gegen gar und tilgt es z. B. 5408. 5412. 5636. 5662. 5744, ersetzt es 
durch vil 5749, überliefert es aber richtig 5381. 5816. 5910 u. ö. 

5434 Dafs hier das Richtige bietet, legen Parallelen nahe; vgl. Gotfr. 
5527. U. v. Esch. Alex. 23161. Konr. Parton. 10537. 



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265 

5457 könnte dreimal Tost nach wegen des Verses echt sein. 

5688 zu wtUekum vgl. 5817. 

5762 die Wortstellung nach wegen des beliebten Parallelismus. 

5946 Da für gewizzen F bei Heinr. sonst kein Beleg zu Gebote steht, 
Heinrichs Vorliebe für Epitheta volkstümlicher Färbung feststeht (vgl. 919. 
5743 und Einl. S. 62) und reine Reimbindungen geschickter Erfindung ferner 
liegen, folgte ich der Lesart 0. vgl. zu 3633. 

6245 zu widenoenden vgl. Einl. S. 125 Anmerk. 

6624 korke F, das r nicht ganz sicher, legt vielleicht nahe, an kucke = quec 
zu denken, aus welchem sich das ducke sehr leicht erklärte vgl. zu v. 3820. 
Ich folge aber wegen des guten Sinnes dem Auswege Bechsteins, wenn ich 
auch kurze nicht für ursprünglich halte. Auch kurc als Adv. kurge wäre nicht 
unmöglich, die valsche ist wohl swfem. = velsche. 

6686 enzunte (vgl. Bechstein zur Stelle) ist hier wohl intransitiv = zu 
brennen anfangen, vgl. die Wörterbücher. hat diese Bedeutung des verb. 
nicht gekannt und konjiziert ein „enzütn" hinein. 

6720 vielleicht gespräcJiet manger hande vgl. Leg. 833; die seltene Form 
kann Anlafs zur Auslassung des Verses gewesen sein. 

6777 wart gegen Hs. vgl. 6689. 

Legende. 

Der Text der Legende verdankt viel der eingehenden Be- 
sprechung, die A. Hruschka Anz. f. d. Altert. VIII. 302 ff. der Aus- 
gabe des Gedichtes von Fietz angedeihen liefs. Ich beziehe mich 
im Folgenden auf Hr.'s Vorschläge. 

29 Mit einer nom. Form schrifte wäre dem Verse geholfen, ebenso 104. 
198. 401. 770. 866. Entgegen stehen 117. 426. 437. 700. 740. Ohne Entscheidung 
529. 785. 807. 

180 üz im Hinblick auf v. 124. 

200 Die SteUe ist verderbt, gah ist regelmäfsige Überlieferung für jadi 
vgl. 408. 511. 740. Ein verb. der Bewegung, worauf die accus. Konstrukt. sich 
beziehen könnte, ist nicht in der Nähe. So lese ich in jenes gerünes ende f das 
sich ohne jeden Zwang aus der Überlieferung ergibt; der Schreiber synkopiert 
grundsätzlich (gnant, gwarnet, gschah). gerüne trifft die Situation gut und 
ran kennt Heinr. Trist. 957. 3714. 

205 erkennest oder bekennest dürfte Heinrich geschrieben haben. 

232 vü nahen mit Rücksicht auf Trist. 4632. 1133. 3471 und 693. 

802 mit Hr. In der Vorlage: serp. circa arborem nudatam involutatum. 
Lambel vergleicht Tr. 724. 

318 kindel nach 336 , wie gewöhnlich nach vorhergehendem Deminutiv 
auf -Im; vgl. 316. 

325 daz fügt Hr. ein ; in der Vorlage accus, c. infin. 

358 körnel vgl. 369. sän bessert Hr. 

871 vgl. 538. 775 und Einl. 102. 

439 bedarf keiner Änderung, da der Vers metrisch (s. Einl. S. 130) und 
sprachlich (s. die Apokope S. 83 f.) unbedenklich scheint. 



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266 

468 Vorlage: fragrantia totum exercitum (Wiener Hs. locum) replevit. 
Danach habe ich daz her ergänzt. 

471 heimelichen ist anstöfsig und würde mehr zu einem rüm passen, was 
einen stark dialekt. md. Heim gäbe; bei der gröberen Reimtechnik der Legende 
nicht unmöglich. Der Vergleich der Vorlage entschied nichts : panno mundissimo 
eas involvit et pro sanctuario secum tulit. 

470 Der Schreibfehler hin stellte sich in diesem Verse leicht ein. 

478 vgl. zu Trist, v. 2937. 

480 Den Vers heilt Lambel. zu keiner stunt ist für Heinr. noch ohne 
negat. Sinn; vgl. Leg. 702. 709. Trist. 3208, 3350. 4219. Ritt. 302; auch Leg. 
219 und 801. 

496 rinne; dafs der plur. gemeint ist, zeigt die Vorlage: egressae sunt 
aquae largissimae. 

558 vielleicht icht dienstes? 

583 die gertel ergänzt sich leicht; das Enjambement entspricht Hein- 
richs Art 

591 man würde lieber zisternelin lesen. 

685 ff. In der Vorlage: in consummatione templi quia non poterant artifices 
et commentarii trabem (dazu aus Suchiers englischen Hss. ultimam, que necessaria 
erat) in toto Libano neque in ceteris nemoribus regni invenire. 

707 legete aus 699. 

711 ff. Im Gedanken der Stelle liegt keine Nötigung zur Änderung, die 
Hr. durchführt; die Überlieferung gibt einen guten Sinn (Vorlage: deposita 
tertio iterumque elevata stupefacti artifices ad hoc spectaculum vocaverunt regem, 
also dieselbe Reihenfolge der genauen Übersetzung). Will man den Reim m : n 
durch Umstellung entfernen, indem man Verlesung des Abschreibers annimmt, 
kommt man zugleich in die Lage, bei dem sonst mechanisch vorgehenden 
(man vgl. Auslassungen 130. 463. 583. 707 u. ö.) und auf den Inhalt wenig 
bedachten Schreiber eine berichtigende Änderung feststellen zu müssen, da er 
schon bei der ersten Zeile (711) in eingefügt hätte; ebenso mtifste man wohl 
713 den geb. tr. (als obj. zu ab nam) lesen, vgl. zu 792. 

740 wäre ergänze ich mit Rücksicht auf 866. 

747 Sollte das in der lateinischen Vorlage stehende MaximiUa eingesetzt 
werden? 

749 die Überlieferung läfst an ungewerlich „sorglos" denken. 

792 und 820 müssen zusammen behandelt werden. Mit Hruschka 792 
heilic am ersten zu schreiben, ist für Heinrich ausgeschlossen. Er kennt nur 
des ersten 605. 3895. 5066. 5153. 6153. Leg. 86; das ist auch 793 für das über- 
lieferte der ersten zu schreiben. Der Schreiber dachte wohl an der erste, 
welches auch durch die lateinische Vorlage: et movebatur aqua et qui prior 
descendisset in aquam, sanus fiebat (aus den engl. Hss. : desc. in piscinam post 
motionem aquae) nahegelegt wird, doch hat Heinr. 6153 auch des ersten in 
der Bedeutung prior, primus. — 820 empfiehlt Hruschka heute sän, um das 
an dieser Stelle überlieferte heilicsam sowie den Reim m : n zu beseitigen, doch 
vgl. schon zu v. 711 ff. daz holz heilic sän zu lesen, ist für Heinrichs Stil- 
gebrauch unmöglich; es biefse Heinrich zum Stümper machen, wenn man 
uullcktiert nachgestelltes Adj. in solcher Stellung vor dem Reimwort ihm zu- 
sprechen wollte. Man vgl. über Heinr. Gebrauch Einl. S. 65 ff. der rittei' lobesam 



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267 

gekielt 1711 ist etwas ganz anderes. Natürlich würde sich auch 792 nicht nach 
bewegung heilte sän lesen lassen. Da sich weder für 792 noch für 820 eine nur eini- 
germaßen ansprechende Änderung finden läfst, behalte ich heilicsam bei. Adj. auf 
-sam verwendet Heinrich mit Vorliebe s. Einl 63, bis auf 2 Fälle alle im Reime. 
Wenn Heinr. das allerdings auch sonst belegte heileclich 6757 gebraucht, scheint 
auch heilicsam nicht unmöglich. Vielleicht ist auch an das nur aus ahd. Zeit 
(Notker) belegte heilesam zu denken. Können wir so eine Änderung der Verse 
792. 820 zu Gunsten einer reinen Reimbildung in 820 nicht leicht durchführen, 
so wird auch 711 ff. bleiben dürfen. 

793 sä zustunt mit Rücksicht auf die Belege Einl. 69. 

810 vur empfiehlt mir Lambel ; in der Vorlage dürfte vor gestanden haben, 
von dem der Schreiber auf das folgende von abirrte. 

820 empfiehlt mir Lambel, selbe zu schreiben, und vergleicht 815/7; 
vgl. noch 612. 751. 782. 851. 

849 Die Einführung eines dö (nu, und?) scheint notwendig. 

Ritterfahrt. 

23 Für das hsl. albrant hat schon Knieschek, Litbl. 1890, 4 Tristant vor- 
geschlagen. Sowie Ecke 19 kam auch der wenig bekannte Albrant durch den 
Schreiber aus der Heldensage in die Gesellschaft der höfischen Ritter. Und 
wie pafst das Epitheton der arme ritter auf die Gestalt aus der volksmäfsigen 
Epik ? Nach einer Version heilst Hildebrands Sohn Alebrant. vgl. dann Raben- 
schlacht 736. Ein Alibrand schenkt in der Wilkinasage 382 Dietrich ein Rofs 
Blanke. Ein Albrant erscheint in der Wolfdietrichsage als Sohn Berchtungs. 
Wolfd.D. IX. 204; X. 56; X. 100. Ein Held dieses Namens kann mit Recht in 
unserem Gedichte angezweifelt werden, umsomehr als v. d. Hagens Berichtigung 
Erek für Ecke keinen Widerspruch erfahren hat. Da Heinrich die Ritt, nach 
dem Trist, dichtete, kann er den Helden wohl einen armen u. guoten ritter nennen. 

37 vgl. Einl. s. 99. 

38 hän für hänt vgl. Einl. s. 106. 

62 Man möchte offenliche : Frankriche erwarten mit Rücksicht auf 183. 
195. 211. 271; vierhebige Verse dieser Art sind bei Heinrich nicht selten. 

76. 87. 153 wird durch Einführung der schwachen Form helde der Vers 
geheilt, auch 188 könnte helde stehen. Im Reim allerdings nur helt 1337. 
Ritt. 309, denn Heinrich hat keine Reimmöglichkeit: -elde, -clden. Im Vers- 
innern könnte die schwache Form eintreten z. B. Trist. 1343. 1752. 1785. 1800. 
1859. 1987. 2018. 2893. 5864. 5960. 6165. 6254; die starke scheint notwendig 
1425. 1936. 2026. 2380. 5563. 6107. 6236. 

77 in geschuot bei E. Kraus ohne Nötigung s. Metrik s. 130. Der Palim- 
psest Bl. 91 a, Zeile 33 bestätigt die Überlieferung. 

100 meüterliche gnuoc, ähnl. 229; vgl. Trist. 4676. 6091. 6865. Schret. 317, 
auch 1803. 5257. 5331. 6239. 6439. 6595. 

110 Heinrichs Sprache scheint die Form ros zu entsprechen ; so möchte 
man aus Reimen bei Ulr. v. Esch. Alex. 8019. 25489. 25555; 8097. 13077. 22133. 
23 197 schliefsen. Heinr. bietet weder zu ros noch zu ors Reinmöglichkeiten ; 
o : ö reimt er nur 2261. 

113 f. ist an wuntiencUcJi : gelich zu denken, vgl. Trist. 693. 1319. 1347. 
1957. 3915. 3923. 4831. Leg. 25. 231. Schret. 331. 



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268 

147 (jinder letce in der Hs., darnach E. Kraus gintndcr l Auf dem Grab- 
steine Heinrichs von Michelsberg und Weleschin (f 1355) , den der Schwarzen- 
berg'sche Zentralarchivdirektor A. Mörath 1893 im Kreuzgange des verfallenen 
Klosters Qoldenkron auffand — danach abgebildet in „Hrady a Zamky" X. 34 — 
ist es ein nach links oben gehender Löwe, gin ist nordböhmische Dialektform 
für gen. 

194 e ergänzte Lambel bei E. Kraus. 

231 wart man wichen schreibe ich, da Heinrich -liehen nur mit Länge 
reimt s. Einl. 96. Man vgl. Trist. 6608, wo auch der Schreiber von F die Kon- 
struktion durch ein gienc er wandern verdunkelt hat. vgl. Einl. s. 44. 

248. 274. 817. gein ist die von Heinrich durchaus gebrauchte Form s. 
Einl. 8; doch engegen; vgl. 267. 

268 v. d. Hagen liest GriUet 

292 gekaffet nach Einl. s. 124. 

Schretel. 

6 f. der ich von rechte ie m. pfl. schrieb Wackernagel , von sorge (not ?) 
v. d. Hagen. Wollte man die Überlieferung retten, müfste man denken: si mihi 
cura dat otium, quo me semper uti cura abduetum necesse erat, der muoze 
pflegen in solcher Bedeutung nachzuweisen, wird kaum gelingen ; doch ist die 
Verwendung von pflegen mit genit. so vielgestaltig, dafs man diese Übersetzung 
auch nicht als schlechterdings unmöglich bezeichnen wird. Für die Beibe- 
haltung des Wortes sorge spricht auch das dadurch entstehende Wortspiel. 
Prof. Seemüller teilte mir eine Konjektur mit , die die Schwierigkeiten löst. 
Für die spezifisch mhd. Konstruktion der wan sorge ie muoste pflegen habe 
ich aus dem Trist, nur 1388 und wirt wan laster sin gewin. Das hsl. ich von 
kann aus einem verdeutlichenden ich wan der Vorlage stammen; dieses wan könnte 
nebenbei durch ein orthographisches van vertreten gewesen sein; vgl. Einl. 5 
Anmerk. Auch der nicht wan sorge als ursprüngliche Lesart zu denken, wäre 
nicht unmöglich. Belege für diesen Ausdruck bietet Heinrich nicht, man müfste 
denn 5774 und get niwan ein tor dar in dafür nehmen; sonst hat Heinr. ein- 
silbig niur 1788. 5690. 6634. — 5229 f. hat das nicht schon eine selbständigere 
Stellung und Bedeutung. 

8 heert mit Rücksicht auf v. 16. 

19. 82. 38 usw. beren. s. Einl. s. 85. 

56 hart schon Wackernagel. Abirren des Auges oder noch eher schrift- 
liche Vorwegnahme des natürlich scheinenden praedic. 

146 mit der spise. Der Artikel ist in der Phrase auffallend, die Ent- 
fernung jedoch nicht unbedingt nötig (Vierhebiges Verspaar). 

177/8 umzustellen, würde sich sehr empfehlen. 

192 gespizzet einzusetzen, konnte ich mich nicht entschliefsen. vgl. 
Einl. 97. Darum auch spiez im Versinnern. 

219 vleischel mit Rücksicht auf 215. vgl. zur Leg. v. 318. 

240 triel Wackernagel; vgl. Trist. 5280. 

287 Man erwartete hin vür : tür (Wackernagel). Doch vgl. Trist 5517. 6045. 

318 vgl. zu Ritt. 100. 



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Sach- und Wortregister 

zu den Einleitungen und Anmerkungen. 



Abfassungszeit des Trist. 186, der 
Ritt. 190, des Schret. 205; Relative 
Abf. 160 f. 

Adjektiva: st. Form nach dem Ar- 
tikel 8; en-Endung im pronom.dat. 
sg. 8; Adj. aus der volkstümlichen 
Dichtung 59 ff.; Adj. auf ~$am 63; 
Nachstellung der adj. 64 ff.; adj. auf 
-lieh und -tc in versetzter Betonung 
133. 

Adverb auf -e und -en zu v. 1522. 

al- verstärkt Particip. 46 , verst. adv. 
69 Anm. und zu v. 435. 

alle zu v. 203. 

Allgemeine Gedanken 34. 

Alliteration und Assonanz 51. 

als für sam zu v. 3148. 

Anaphora 41 und 51. 

Anreden an die Zuhörer 29. 

Antiphasis 50. 

Antithese 50. 

Apokope, sprachliche 81 ff., metrische 
149. 151. 

arm als sw. masc. 114. 

Asyndeton 51. 

äz im Reime 112. 

Attribut, flekt. oder unflekt, nach- 
gestellt 65 ff. Attrib. aus volkstüml. 
Dichtung 59 ff. 

Auftakt 150 ff. 157 f. 

balde im Wechsel mit schiere 12 und 

zu v. 436. 
bare als swfem. 115. 



began, begunde 110 f. 

Beobachtung des tägl. Lebens 28. 

Berufung auf eine Quelle 30 f. 

Bescheidenheit des Dichters 204 f. 

Beschreibung u. Schilderung 24. 

Betonung, versetzte, in Zusammen- 
setzungen 132 ff. 137 ff.; der Eigen- 
namen 134 f.; eines Flexions-e 140. 

Bilder u. Vergleiche 55 ff. 

biz im Wechsel mit unz 12. 

Breite der Darstellung 35 ff. 

brengen, bringen 120. 

brücke als sw. fem. 115. 

brunft 124. 

bunne = böne 121 ff. 

Charakteristik der Personen 32. 

dagen, verdagen 62. 

danne u. dan in F u. 10 Anmerk. 

degen 60 f. 

Deklamationston 135 f. 157 f. 

Deklination starker Femin. 112 f., 
Schwankungen in der stark. Dekli- 
nation 114 f. 

Dialekt von F u. 9 f. ; dialekt. Er- 
scheinungen in den Reimen 120 ff. 

Dialog 32 f. 

Dichtersprache 98. 106. 111. 112 f. 
117 f. 126 u.ö. 

dicke im Wechsel mit ofte 12. 

Dietrich von Freiberg 191 ff. 

diser u. dirre zu v. 2937. 

dreigliedrige Ausdrücke 41. 

du : nu : tu : zu im Reime 96 f. 



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270 



e-Laute im Reime 90 ff. 

Echtheitsfrage beim Schwanke 161 ff. 

Eigennamen im Reime 90 Anmerk.; 
Quantität 134 Anmerk.; Betonung 
134 f. 136. 138 f.; verschiedene Na- 
mensformen 171 u. Anmerk. vgl. zu 
v. 2139 und unter Isöt, Tristan. 

Eilhart als Muster 74; als Quelle 168 ff. 

Einflufs des Inhaltes auf die rhyth- 
mische Form 131. 136. 141. 150. 
152 f. 157 f. 

Ellipse 47. 

Endungen des adj. 8; des verb. 3. plur. 
8 Anmerk. ; der stfem. 112 f. u. masc. 
114; apokopiert 81 ff., synkop. 84 ff. 

Enjambement 136. 155 f. ; Einflufs auf 
Auftaktlosigkeit 157 f. 

erdende in F 10. 49. 

erde als swfem. 115. 

Erinnerung an schon Erzähltes 30. 

Ernst D, Berührungen mit Heinrich 80. 

Exkurs über die Verwendung ver- 
schiedener sprachlicher Formen und 
Vokabeln in den Hss. 11—14. 

Fehlende Senkung 137 ff. ; Übersicht 
143 vgl. 162. 

Flickwörter im Reime 68. 

Formelhaftes 29 f. 68 f. 

Fragment w des Trist. 4; Charakteri- 
sierung 19. 

Französische Brocken im Trist. 176. 

Friberc 178 ff. 

gän, gen u. praeter. 107 f. 

gar von getilgt zu v. 5408. 

ge- in voller Form und synkopiert 89 
Anmerk. u. zu v. 693. ge- bei den 
Schreibern 15 u. zu v. 808. 

Gefühle, Darstellung 33 f. 

geMure 60. 

gern mit accus, zu v. 742. 

gelich nur lang 95; ge- synkopiert? 
zu v. 693. 

gemeit 59. 

Genrebildchen 26 f. 

gerüne zu Leg. v. 200. 

git, gibet 101. 



Gotfried, Parallelen 72 ff.; als Quelle 

zu Heinr. 175 f. 
Grammatischer Wechsel 124. 

h schwindet zwischen Vokalen und im 
Auslaut 124 f. 

haben und praeter. 103 ff. 

halt zu v. 464. 

hand, Deklination 113 u. Anmerk. 

Handschriften des Trist 1 ff.; Lokali- 
sierung der Hs. F 3 u. 11; der Hs. 
9. Dialekt 9; Bewertung für die 
Überlieferung 14 ff. ; fehlende Verse 
17 u. Anmerk.; gemeinsame Fehler 17. 

heüicsam zu Leg. v. 792. 

heim als sw. masc. 114. 

helt 60 f. als sw. masc. zu Ritt v. 76. 

Henricus curialis 194 f. 

Henricm et Johannes de Broda 192 f. 

Henricus Bex de Vriberc 196 f. 

her = er 10 und zu v. 747. 

herre im Reim 120. 

Hiatus 149. 

hin dan, von dan zu v. 3003. 

Höfisches im Stil 23. 

Humor 34 f. 

hütte zu v. 3391. 

* in den Nebensilben 10. 

i:ie im Reime 97. 

iedoch, Betonung 132 Anmerk. 

ieglich, ietweder zu v. 118. 

ieman, nieman, Betonung 132 Anmerk. 

in, adv. als Länge 97 f. 

Interjektionen zu v. 1366. 5183. 

Ironie 35. 

Isöt als Reimwort 159; Betonung 134. 

139. 
Johann von Michelsberg 188 f. 199. 

kaffen 124. 

Jcanppe in F für knappe 6. 

kemenate sw. fem. 115. 

keren, verkärt 124. 

klär 59 Anmerk. 

kluoc 59. 

Konjunktionen, verschiedene Verwen- 
dung bei den Schreibern 16 Anmerk. ; 
relativisch und zu v. 5036. 



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271 



Konrad von Würzburg 200. 
Kontraktionsformen im Reime 98 ff. 

Längung kurzer Stämme 127 f. 

legete, leite im Beim u. V ersinnern 
100 u. Anmerk. 

Legende: Überlieferung 19 f.; Paral- 
lelstellen 69 f. ; relative Abfassungs- 
zeit 160; Quelle 165 f. 

Leitmeritz, Bürger von 196 ff. u. Anm. ; 
Schule 199. 

Lichtenburger 180 ff. 

lie, gie, vie im Reim 109 f. 

Ut, Uget 101. 

Literarische Reime 98 f. 106 f. 110 f. 
126. 158 f. 

Lovelin, Namensform zu v. 89. 

m : n im Reime 125 u. zu Leg. v. 711 

u. 792. 
maget, Formen 99 u. Anmerk. 
Marienstern 187 f. 
me, mer 116. 
Metapher 54 ff. 
Metathesen in F u. 6. 
Mundart von F u. 9; des Dichters 

125 f. 
Muster u. Lektüre 72 ff. 201 f. 
Mystik 203. 

nach, nähen 117. 

Nasalierung (minnenclich u. a.) 10. 

Negation. Besonderheiten des Ge- 
brauches 48 f. ; bildliche Umschrei- 
bung 49 ; Neg. en- zu v. 261. 

Orthographie von F 2 u. 5 ff. , von 

6 f. Dialekt 9 f. 
dt zu v. 534. 

Parallelismus des Ausdrucks 36 ff. 

Parallelstellen 69 ff. 205 ff. 

Partizipial-Kurzformen 102 f. 

Personifikation 44. 53. 

pflegen, partic. 125. pflit, pfliget 102. 

plan 63. 

Polysyndeton 51. 

Praepositionen : verschiedene Verwen- 
dung bei den Schreibern 15; Präpo- 
sitionalausdrücke46; als Flickwörter 



69; Betonung bei Zusammen- 
setzungen 133. 

Praeteritalformen, kurze 102 f. Bin- 
dungen ohne Umlaut 118 f. Vgl. 
98f. 103f. 109f. 

Pronomina, Vorwegnahme eines Sub- 
stantivs 47; Ersparung 47; possess. 
pronom. nachgestellt 64 f.; wieder- 
holendes der fehlt in 0, zu v. 3010. 

quam, kam in den Hss. 10, im Reim 

112. 
Quellen der Leg. 165 f. , des Schwankes 

166 f. , der Ritt. 168, des Trist. 168 ff. 

recke 61. 

rede in schwach deklin. 115 u. zu 
v. 262. 

Reimapparat 158 f. vgl. 68 f. 

Reime von e- Lauten 90 ff. a : d 92 ff. 
in ü, uo, i, ie 96 f.; dialektische 
120 ff.; in er, die, sie, des 159f. 

Reimkünste 154 f. 

Reimund von Lichtenburg 184 f. u. 205. 

Rhetorische Frage 48. 

Ritterfahrt: Überlieferung 20 f., Kunst 
der Schilderung 25 f., Parallelstellen 
70 ff., Abfassung 160 f. u. 190, Quelle 
168. 

ros, ors zu Ritt. v. 110. 

Rührender Reim 153 f. 

8 : z im Reim 125. 

sä, sän 115 f. 

schote als sw. masc. 114. 

schre, schrien 110. 

Schreiberhände in F 2 f. 

schrifte? als Nom. Form zu Leg. v. 29. 

Schriftsprache s. Dichtersprache. 

Schwank vom Schrätel : Überlieferung 
20 ; Parallelstellen 71 ff. ; Verstechnik 
160; Echtheitefrage 161 ff; Ver- 
breitung der Sage 166 f. 

se, Geschlecht 13. 

seit, geseit usw. 98 f. 

sider, sint, sit 115 f. 

sin, wesen, Formen 119 f. 

site, dekliniert 114. 

Smilo von Lichtenburg 181 ff. 

stän, sten 107 f. 



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272 



Stilmuster 72 ff. 

Suchenwirt kennt Heinr. 205 f. 

Suffix -inne, -in 94 f., -lieh, -liehe, 

-liehen 95 f., -sam 63. 
sun im Reime 97. 
swär, steere 120. 
Synalöphe 151. 
Synkope 84 ff. 
Synonyma 36 ff. 

t, Abfall im Auslaut 6. 

Tonverschiebungen 132 f. 

Traditionelle Rhythmen 130. 140 ff; 
traditioneller Reimapparat 158 f. 

Tristan, Handschriften lff.; Namens- 
formen zu v. 660; als Reimwort 
159; Betonung im Versinnern und 
Reim 138 f. 

tuon, praeter. 103. 107. 

Übergangsformeln 31. 

Überlieferung des Trist. 1 ff., der Leg. 
19, des Schwankes 20, der Ritt. 20 f. 

Ulrich von Eschenbach : Parallelstellen 
76 ff. ; Sprache 90; Gebrauch von 
seit usw. 100; praeter, von haben 
106 Anmerk.; began, begunde im 
Reim 111; Ernst D 80; Beziehung 
zu Heinrich 201, zu Leitmeritz 196 
Anmerk. 

Ulrich von Türheim als Quelle für 
Heinr. 168 ff. 

umbe, um 10 ; zu v. 634. 

Umlaut 117 f., bei stark. Femin. 112 f. 

Umschreibungen durch Hp usw. 42 f.; 
Umschreib, des Zeitworts 43; mit 
wesen 44. 

un-, ur-, ant Betonung in Zusammen- 
setzung 132. 

und relat. partikel zu v. 5036; Ausfall 
der Senkungssilbe vor unde 136, des 
Auftakts 136. 153. 

üzerwelt, uzerkorn 62. 



v für «?, w für v in F 5 u. Anmerk. 
ver-, vor-, vür- in den Hss. 7 u. 9 f. 
Verbum : analogische Erhaltung des e 

im sing. st. verb. 11. 120. verb. subst. 

119 f. 
Verfasserschaft des Schwankes 161 ff. 
Vergleiche 55 f. 
Verhältnis des Dichters zum Publikum 

29 ff., zu seinen Quellen im Trist. 

175 f. 
Verkleinerungswörter 45 u. zu v. 960. 
vermezzen 62 u. zu v. 5946. 
verminst 124. 

Verschleifte Hebung 127 f. 
Verschmelzung von Vokalen 145. 146. 

149 f. 
Versetzte Betonung 132 ff. 
Versicherungen der Wahrheit 30. 
Verstechnik 160 f. 
Vokabeln, verschiedene in den Hss. 7 

u. 11 ff. u. zu v. 435. 436. 3148. 
Volkstümliches im Stil 59 ff. 
vriunt als vrunt 118. 

Weltlohn 203. 

wenne, wanne, wan, want in F u. 
10 Anmerk. 

wert adj. 60. 

weste praeter. 110. 

wigant 61. 

wip u. vrouwe 64. 

Wirnt als Muster 75 f., als Stoffquelle 
171. 

Wolfram: Parallelen 74 ff, als Stoff- 
quelle 171 f. 

Wortbildungen, neue 45 f. 

Wortspiel 52 f. 

Zahl der Hebungen 130 f. 
Zusammenstofs von Vokalen 149 f. 
Zweisilbige Senkung 144 f., Resultat 
148. 



Druck von Ehr bar dt Karras, Halle a. d. S. 



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Beilage zu Berat, Heinrich von Freiberg. 



Seite 205 der Handschrift F in Florenz; vers 1 — 93 des Tristan. 



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